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Full text of "Beiträge zur tirolischen Dialektforschung: Der Deferegger Dialekt"

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BEITRÄGE 






SUB 



TIBOLISCHM DIALEKTFOBSCHUNG. 






DER DEFEREGGER DIALEKT. 



Vom 



DR. Val. Hintner, 

k. k, Professor am akademischen Gymnasium in Wien. 



MIT UNTERSTÜTZUNG ÖER K. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



WIEN, 1878. 



ALFRED HOLDER 

K. K. HOF- UND UNIVERSITÄTS-BUCHHANDLER, 

BothentburmfltrasBe 15. 



PROF. D R MATH. LEXER, 



DEM ERFORSCHER DER KÄRNTNER MUNDARTEN 



i« 



AUFRICHTIGER VEREHRUNG 



OBWIOIUR 



VOM 



VERFASSER. 



! 



1 



i 



Vorrede. 



Vorliegende Arbeit enthält den Dialekt des Thaies De- 
f er eggen 1 ). Der Grund, warum ich gerade dieses Thal gewählt, 
ist hauptsächlich der, dass ich den Wortschatz dieses Thaies, 
als meines Geburtsortes, ziemlich getreu im Gedächtnisse habe ; 
in zweifelhaften Fällen konnte ich meine Mutter, die bei mir 
lebt, tun genaue Auskunft fragen. Ferner ist das Thal De- 
fereggen , wie die anderen Gegenden des Östlichen Pusterthaies, 



') Geht man von dem Städtchen Lienz in Tirol ans in nordwestlicher 
Richtung dnrch das Iselthal, so erreicht man in 4 Wegstunden ein einzel- 
stehendes Gasthaus, Hnben, Unter der Hnbe genannt. «Dort bildet das 
Iselthal ein Kreuz: rechts, nordöstlich, geht man ins Kaiserthal und an 
den Fuss des Grossglockners; geradeaus, also nordwestlich, fuhrt der 
Weg nach Windischmatrei und von dort weiter zum Fasse des Gross- 
venetiigers; links, gerade gegen Westen, steigt man zum Thale Def er eg- 
gen auf, welches sich anfangs — 5 Stunden lang — in gerader Richtung 
von Ost nach West erstreckt, dann aber noch 4 — 5 Stunden nordwestlich sich 
hinzieht. Das Thal ist zwar nicht so rauh, wie es gewöhnlich dargestellt 
wird, ist aber von der Aussenwelt so ziemlich abgeschlossen. Allerdings 
kann man durch Jochübergänge nach allen Richtungen hin kommen, daher für 
Touristen ausgezeichnet gelegen ; allein selbst auf der Thalstrasse nach Lienz 
ist der Wagenverkehr beschwerlich, und die Elemente stören fast alle Jahre 
die Passage (Ausführlicheres bei Hör mann Tiroler Volkstypen, Beiträge für 
Gesch. der Sitten und Kleinindnstrie in den Alpen , Wien 1877, S. 236—247 ; 
Amthors Alpenfreund III, S.^217, dessen viele Unrichtigkeiten enthaltender 
Text von Hör mann a. a. 0. S. 243 mit Unrecht mir zugeschrieben wird). 
Bei dieser abgeschlossenen Lage kann man schon von Vorneherein einen ziem- 
lich alterthümlichen Dialekt erwarten. Dass es wirklich so ist, wird sich 
jeder kundige Leser dieser Beiträge bald selbst überzeugen. Das Thal hat, 
wie so manche andere Thäler Tirols, in historischer Zeit Bevölkerung oder 
wenigstens Sprache gewechselt. Zur Zeit, als die Römer in diese Gegenden 
Tirols kamen, war Defereggen gewiss schon bewohnt, und zwar von einer 
keltischen Bevölkerung. Wir können dies aus unzweifelhaft keltischen Orts- 
namen schliessen , die daselbst noch vorkommen. Dagegen scheinen die Römer 
in diesem Thale nie festen Fuss gefasst zu haben. Wenigstens ist keine Spur 
von romanischen Ortsnamen zu finden. Es würde den Römern auch schwer 
gewesen sein, das Thal zu erobern, welches an der schmälsten Stelle ein 
Ducent Leute gegen ein ganzes Heer unschwer vertheidigen können. Zudem 
war für die Römer dort nichts zu holen. Die keltische Bevölkerung dürfte 
bestanden haben bis zur Einwanderung der Slaven aus den unteren Drau- 
gegenden herauf (im VI. Jahrhundert vgl. Dr. J. Egger Gesch. Tirols, I, 



VI 

von Schopf nur sehr spärlich berücksichtigt worden. Endlich ' 
ist es sehr wünschenswert, dass die Dialekte der einzelnen 
Gregenden oder Thäler, die in dieser Hinsicht von Bedeutung 
sind, in eigenen Schriften behandelt werden. 

Ich habe nur solche Worte aufgeführt, die entweder bei 
Schöpf fehlen (wenn sie auch bei Lexer oder Schindler 
verzeichnet sind), oder die im Deferegger Dialekte eine andere 
Bedeutung haben, als bei Schöpf angegeben, oder endlich 
auch solche, die mir bei Schöpf irgendwie mangelhaft be- 
handelt* schienen, namentlich aber viele, die etymologische Er- 
läuterungen erforderten. Dass ich die Etymologie besonders 
berücksichtigte, hat seine guten Gründe, mögen auch manche 
Gelehrte damit nicht einverstanden sein. Ich für meine Person 
muss wiederholen, was ich schon einmal l ) ausgesprochen habe : 
„Die etymologische Behandlung der Dialekt- Wörter ist mir 
die höchste, aber auch unerlässlichste Forderung, die ich an 
einen Sammler und Forscher stelle. Ein Vocabel bleibt nach 



1872, S. 78 ff.). Die Baiwaren hatten vor den Slaven das Thal wol 
kaum bewohnt. Die Slaven, resp. Wenden, müssen längere Zeit daselbst 
gehaust haben, wenn man anders aus den zahlreichen offenbar slavischen 
Ortsnamen , die im Thale sich finden , einen Schluss ziehen darf. Auch ist 
geschichtlich bekannt, dass das obere Drauthal mit den Nebenthälern am Ende 
des 10. Jahrhunderts Slavenland hiess (Egger Gesch. Tirols I, 81). 

Der Name Defereggen kommt, soweit mir bekannt ist, zuerst in den 
Urkunden des Neustifter Salbuches aus der Mitte des 12. Jahrhundertes vor 
unter den Formen: Tobereche, Tovireche, Tobereke, Tobrich, 
Tofriche, Tophirich (vgl. Sinnacher Beiträge zur Geschichte der 
bischöflichen Kirche Sähen und Brixen in Tirol, Brixen , 1823, III , S. 361 ; 
438 ff.; 580; 608; Tinkhauser Beschreibung der Diöcese Brixen, Brixen, 
1851, I, S. 613) ; später, in der Landtaiding des Landgerichtes und der Herr- 
lichkeit zu Windisch-Matrei (die Papierhandschrift ist zwar erst aus dem 
17. Jahrhundert, die Taiding jedoch unterschrieben 1443 vgl. Oest. Weisth. I, 
S. 301 — 316) in verschiedenen Formen neben einander: Töffreggen, Döf- 
freggen, Doffröggen, Döffrogg. 

Der Name ist wol keltisch. Daber ist eine in Tirol häufig vorkom- 
mende Bezeichnung für Gegenden , wo sich viele Quellen finden oder ein Fluss 
entspringt. Im Thale Defereggen gibt es mehrere solche Orte ; wo der Thal- 
bach, früher Tefer geheissen, entspringt, heisst es „in der Daher". Daber 
heissen auch Bäche z. B. verzeichnet die Karte von Anich (Viennae 1774) 
zwischen Hüben und Windischmatrei zwei Daber Bäche, ebenso in Virgen: 
Puzn-daber. Dieses daber gehört unzweifelhaft zu dem (schon S. 33 
besprochenen) keltischen dobar, tobar Quelle, Fluss, Bach (vgl. B a cm ei- 
ste r Keltische Briefe, 1874, S. 24). Man vergleiche den in Tirol häufig vor- 
kommenden Namen: Bachern, in den Bachern, in den Brunn, zu 
Brunn, Brunn u. s. w. Ueber den zweiten Bestandtheil , der ach, ech 
gewesen zu sein scheint und viele Deutungen zulässt, wage ich keine Ent- 
scheidung zu fällen. 

*) Verhandlungen der XXIX. Versammlung deutscher Philologen und 
Schulmänner in Innsbruck, 1875, S. 186. 



vn 

meiner Ansicht so lange todtes Kapital , ungeprägte Münze, 
bis der Vater oder die Mutter, die Geschwister oder die Ver- 
wandten und die Heimat entdeckt sind. Bevor ich ein Wort, 
sei es ein einheimisches oder Lehnwort, nicht einreihen kann 
in eine Familie dieser oder jener Sprache, solange hat das 
Wort für mich kein Interesse, es lässt mich kalt." — Ebenso 
unbestreitbar ist es, dass derjenige, der mit einem Dialekt 
vollkommen vertraut ist, ihn selbst spricht oder gesprochen 
hat, viel leichter im Stande ist, eine richtige etymologische 
Erklärung zu geben — vorausgesetzt, dass er die nötigen 
linguistischen Kenntnisse besitzt — , als einer, der den frag- 
lichen Dialekt nur vom Hörensagen , nur aus der Ferne kennt. 

Die Aussprache des zu behandelnden Dialektes ist im 
Grossen und Ganzen so, wie sie bei Lex er im Kämt. Wörtb. 
VIII ff. gegeben ist. Ich habe jedoch, soweit es möglich 
war, der Deutlichkeit halber die Wörter genau umschrieben, 
anderes angedeutet. So habe ich , wie Schöpf und L e x e r 
gethan, das nach o hinüberschielende und zwischen o und a 
stehende a durch 4 (kurz) und k (lang) wiedergegeben. Folgt 
nach einem Vocale (nach ä, u, o, i, ö, ü) ein Vocal umge- 
stürzt (&e, U9, oi, öi, 08, 08, Ü9, üb u. s. w.), so soll das 
bedeuten , dass diese zwei Vocale rasch nach einander, zusam- 
mengeschliffen , gesprochen werden sollen. 

* 

Und so übergebe ich die Arbeit, die mich mehr Zeit 
gekostet, als es hätte sein sollen, dem kundigen Publikum. 
Was meine übrige nicht unbeträchtliche Sammlung betrifft, 
die sich auf ganz Tirol erstreckt, und auf welche ich viel 
Zeit, Mühe und Geld verwendet habe, kann ich wol vorher- 
sehen, dass ich kaum je die nötige Zeit und nach den ungün- 
stigen Erfahrungen, die ich schon bei der Publication dieser 
Beiträge gemacht habe, die erforderliche Lust h.aben werde, 
sie zu verarbeiten. Die Anforderungen der Schule, die von 
Jahr zu Jahr gesteigert werden , und die der Familie nehmen 
die Arbeitskraft eines gewöhnlichen Menschen vollauf in An- 
spruch. Sollte noch manchmal einige Zeit übrig bleiben, 
würde sie besser anderen Arbeiten gewidmet sein. Ich nehme 
daher von den Dialektstudien, die ich einmal unwillkührlich 
lieb gewonnen hatte, Abschied und hoffe, dass andere, denen 



vm 

die Fortuna mehr Zeit zugetheilt hat, dieses Feld nicht 
unbebaut lassen werden. 

Es erübrigt mir noch , der k. Akademie der Wissen- 
schaften für die Liberalität zu danken, mit der sie diese 
Arbeit durch eine Subvention unterstützte und deren Erschei- 
nen überhaupt ermöglichte. 

Wien im April 1878. 

H i n t n e r. 



Verzeichnis der AbKfirznnp häufiger citierter Werk 

ADELUNG (Wb.) = Versuch, eines vollständigen grammatisch-kritischen Wör- 
terbuches d. bochd. Mundart u. s. w. Leipz. 1774 — 86. 5 Bde. 
Alemannia = Zeitschr. für Sprache, Litteratur n. Volkskunde des Elsasses u. 

Oberrheins, herausg. v. Dr. A. Birlinger, Bonn 1873 ff. 
BB. od. BZ. = Beiträge zur Kunde der Indogermanischen Sprachen, herausg. 

▼on« Dr. Adalb. Bezzenberger, Gott. I, 1877. 
BECH = Beiträge zu Vilmars Idiotikon von Kurhessen von F. Bech, Progr. 

v. Zeitz 1868. 
BENF. (Wzl.) = Griech. Wurzellexikon v. Th. Benfey, Berl. 1839—42. 2 Bde. 
BERND =a Die deutsche Sprache in dem Grossherzogthum Posen u. s. w. von 

Dr. Chn. Sam. Theod. Bernd, Bonn 1820. 
BIEL. = Die lettische Sprache nach ihren Lauten u. Formen erklärend u. 

vergleichend dargestellt von A. Bielenstein, 2 Theile, Berl. 1863—64. 
BIBL. = Schwäbisch-Augsburgisches Wörterbuch v. A. Birlinger, Manch. 1864. 
BIfiL: OB. =. Altdeutsche Neujahrsblätter für 1874 u. s. w. v. A. Birlinger 

u. W. Crecelius, Wiesbaden 1874. 
BIBL. Volkstn. = Volksthümliches aus Schwaben, herausg. v. A. Birlinger 

2 Bde., Freib. im Br. 1861—62. 
BIRL. VW. = Dessen Wörterbüchlein zum vorigen, Freib. 1863. 
BJÄ. = Mittelhochd. Wb. v. G. Fr. Benecke, W. Muller u. Fr. Zarncke, 

Leipz. 1854—66, 4 Bde. 
BOPP gl. = Glossarium comparativum Linguae Sanscritae cet. a Fr. Bopp. 

ed. III. Berol. 1867. 
BB. = Sanskritwörterbuch von 0. Böhtlingk u. R. Roth , St. Petersburg 

1855-75, 7 Bde. 
Br. (oder brem.) Wb. = Versuch eines bremisch-niedersächsischen Wörter- 
buches, Brem. 1767, 68, 70, 71, 1869, 6 Bde. 
BÜEHL. = Davos in seinem Walserdialekt u. s: w. von Val. Bühler, I, 1870 ; 

II, 1874. 
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Wien 1847.- 
cimbr. Wb. = J. A. Schmeller's sogenanntes cimbrisches Wörtb., d. i deut- 
sches Idiotikon d. VII. u. XIII. comuni in den venetianischen Alpen, 

herausg. von F. Bergmann, Wien 1855. 
CORSS. Ausspr. = Ueber Aussprache, Vokalismus u. Betonung der lat. 

Sprache, von W. Oorssen, 2. Aufl., Leipz. 1868—70, 2 Bde. 
CORSS. Ital. = Beiträge zur italischen Sprachkunde von W. Corssen, 

Leipz. 1876. 
CURT. = Grundzüge der griech. Etymologie von G. Curtius, 3. Aufl. Leipz. 

1869, 4. Aufl. 1873. 
CURT. Stud. = Studien zur griech. u. lat. Grammatik herausg. von G. Curtius 

(u. K. Brugman), Leipz. 1868—78, lOBde. 
DAEHN. = Plattdeutsches Wörterb. nach der alten u. neuen pommerschen 

u. rugischen Mundart von Jon. Carl Dähnert, Stralsund 1781. 
DANN. = Wörterbuch der altmärkisch-plattdeutschen Mundart von Joh. Friedr. 

Danneil, Salzwedel 1859. 
DESCHM. = Drittes Jahresheft des Vereines des krainischen Landes-Museums, 

redig. von C. Deschmann, Laibach 1862. 
Deutsch. Sprachw. = Deutscher Sprachwart von M. Moltke, Leipz. 1866 f. 

1 



C'V ■ 



DIEF. Celt. = Celtica. Sprachliche Documenta zur Geschichte der Kelten von 

Lor. Diefenbach, Stuttg. 1839—40, 2 Bde. 
DIEF. gl. c= Glossarium Latino-Germanicum mediae et inflmae aetatis tob 

L. Diefenbach, Francof. ad M. 1857. 
DIEF. nov. gl. = dessen Novum glossarium Latino-Germanicum mediae et 

inf. aet., Francof. ad M. 1867. 
DIEF. mit. Wb. = dessen InItteUateinisch-hochdeutsch-böhmisches Wörterb., 

nach einer Handschrift von 1470 zum ersten Male herausg., Frankf. am M. 1846. 
DIEF. Origg. Europ. = dessen Origines Enropaeae. Die alten Völker Europas 

mit ihren Sippen n. Kachbarn, Frankf. am M. 1861« 
DIEF. Wb. = dessen Vergleichendes Wörterb. der gothischen Sprache, 

Fra nkf. a m M. 1851, 2 Bde. 
DIEF. WUEL. = Hoch- und niederdeutsches WörtV n. 8. w. von Diefenbach 

n. Wülcker, Frankf. am iC 1874 ff. 
DIEZ = Etymologisches Wörtb. der romanischen Sprachen von Fr. Diez, 

3. Aufl., Bonn 1869—70, 2 Bde. 
FICK = Vergleichendes Wörtb. der indogermanischen Sprachen von Aug. Fick, 

Gott. 2. Aufl., 1870—71, 3. Aufl. 1874—76, 3 Bde. 
FICK Spr. = Die ehemalige Spracheinheit der Indogennanen Europas, von 

Aug. Fick, Gott. 1873. 
FIRMENICH = Germaniens Völkerstimmen, Sammlung der deutschen Mund- 
arten in Dichtungen, Sagen, Mährchen, Volksliedern u. s. w. herausg. von 

Joh. Matth. Firmenich, Berl. 1840—1867, 4 Bde. 
FOERST. = Geschichte des deutschen Sprachstammes von E. Förstemann, 

Nordhausen 1874—75, 2 Bde. 
FRISCH = Teutsch-lateinisches Wörtb. von L. Frisch, Berl 1741. 
FULDA = Versuch einer allgemeinen teutschen Idiotikensammlung u. s. w. 

von Fr. C. Fulda, Berl. u. Stettin 1788. 
FZ. = Die deutschen Mundarten, herausg. von Dr. G. K. Frommann, Nürnb. 

1854—59, 6 Bde.; VII. Halle 1877. 
Germania = Vierterjahresschrift für deutsche Alterthumskunde, herausg. von 

F. Pfeiffer, 1—3 Stuttg. 1856-58; 4 ff. Wien 1859 ff. (jetet von Bartech 

herausg.). 
GBAFF = Althochdeutscher Sprachschatz von E. G. Graff, Berl. 1834—42, 
• 6 Bde. 

GBASSM. = Wörtb. zum Big-Veda von H. Grassmann, Leipz. 1873—75. 
GBASSM. Pfl. = Deutsche Pflanzennamen von H. Grassmarm, Stettin 1870. 
GRIMM Gesch. = Geschichte der deutschen Sprache von J. GRIMM, 2. Aufl., 

Berl. 1853. 
GBIMM Gr. = J. Grimm's deutsche Grammatik (neue Ausg. von W. .Scherer, 

Berl. 1869 ff.). 
GBIMM Myth. = Deutsche Mythologie von J. Grimm, Gott. 1844. 
GBIMM Wb. = das von den Brüdern Grimm begonnene deutsche Wörtb., 1854 ff* 
GÜTSM. = Deutsch-windiBches Wörtb. mit einer Sammlung der verdeutschten 

windischen Stammwörter u. s. w. von Osw. Gutsmann, Elagenf, 1789. 
GUTZ. = Wörterschatz der deutschen Sprache Livlands von W. von Gutzeit, 

Riga 1859-74. 
HEHN Kulturpfl. = Kulturpflanzen u. Hausthiere in ihrem Uebergang aus 

Asien nach Griechenland u. Italien sowie in das übrige Europa von Vict. 

Hehn, Berl., 2. Aufl. 1874, 3. Aufl. 1877. 
HOEF. = Etymologisches Wörtb. der in Oberdeutschland, vorz. aber in Oester- 

reich üblichen Mundart von M. Höfer, Linz 1815» 3 Bde. . 
HOENIG = Wörtb. der Kölner Mundart von Fritz Honig, Köln 1877. 
HUEGEL = Der Wiener Dialekt, Lexikon, Wien 1873. 
HUNZIKER = Aargauer Wörtb. in der Lautform der Leerauer Mundart von 

J. Hnnziker, Aarau 1877. 
HW. = Kleines Wörtb. der lat. Etymologie von V. Hintner, Brixen 1873. 
HZ. = Zeitschr. f. deutsches Alterthum, herausgeg. von M. Haupt, Leipz. u. 

Berl. 1841 ff. 



IABN. = Versuch eine« Etymologikons der slovenischen Mundarten in Inner- 
Österreich von ürb. Jarnik, Klagenf. 1832. 

Idiot. Aust(r). = Idioticon Austriacum, 2. Aufl. Wien 1824. 

Idiot. Lieft = Idiotikon der deutschen Sprache in Lief-u. Ehatland, Riga 1795. 

jüd.-deutsch. Wb. = Vollständiges jüdisch-deutsches n. deutsch-jüdisches 
Wörtb. enthaltend eine hinreichende Erklärung aller in dieser Sprache vor- 
kommenden Worte, Hamburg (ohne Jahreszahl). 

IUSTI = Handbuch der Zendspraehe von F. Justi, Leipz. 1864. 

KB. = Beitrage zur vergL Sprachforschung, herausg. von A. Kuhn u. Schlei- 
cher («nietet unter Mitwirkung von A. Leskien und J. Schmidt), Berl. 
185 8— 7g, 8 Bde. 

KEHR. = Fremdwörterbuch von Jos. Kehrein, Stuttg. 1876 f. 

KLEIN ss Deutsches Provinzialwörterbuch von Ant Edlen v. Klein, Frankf. 
u. Leipz. 1792, 2 Bde. 

KRAM. = Idiotismen des Bistritzer Dialektes, Beitrag zu einem siebenbürg.- 
sächsischen Idiotikon von Friedr. Kramer, Progr. d. ev. Obergymn. zu 
Bistritz (Siebenbürgen) 1876. 

KZ. = Zeitschrift für vergl. Sprachforschung, herausg. von A. Kuhn, Berl. 
1852 ff. 

LEO = Angelsächsisches Glossar von H. Leo, Halle 1872—77. 

LEX. KWb. = Kärntisches Wörtb. von Dr. Math. Lexer, Leipz. 1862. 

LEX: MWb. ss Mittelhochdeutsches Handwörtb. von Dr. M. Lexer, Leipz. 1869 ff. 

LIND. = Maurus Lindemayr's sämmtliche Dichtungen in obderensischer Volks- 
mundart, herausg. von Pins Schmieder, Leipz. 1875. 

LOR. s= Neues Idiotikon Viennense von K, Loritza, Wien 1847. 

MAR. =s Proben eines Wörterb. der österr. Volkssprache mit Berücksich- 
tigung der älteren deutschen Mundarten von H. Mareta; zwei Progr. des 
Schotten-Gymn. in Wien 1861 und 1865. 

MGSpr. = Die gotische Sprache, ihre Lautgestaltung insbes. im Verhältnis 
zum Altindischen, Griech. u. Lat. von Leo Meyer, Berl. 1869. 

MI. ss Wörtb. der Mecklenburgisch - Vorpommerschen Mundart von ML 
Leipz. 1876. 

MIKLOS. = Lexicon palaeoslovenico-graeco-latinum emend. auct. edidit Fr. 
Miklosich, Vindob. 1862-65. 

MIKLOS. Ortsnamen = Die slavischen Ortsnamen aus Appellativen von Dr. 
Fr. Miklosich, Wien 1872—74. 

MOEB. =s Altnordisches Glossar von Dr. Th. Möbius, Leipz. 1866. 

NESS. = Thesaurus linguae Prussicae cet. von G. H. F. Nesselmann, Berl. 

1873. ' 

NESS. Wb. ss Wörtb. der Littauischen Sprache [von G. H. F. Nesselmann, 

Königsberg 1851. 
OSTHOFF Forsch. = Forschungen im Gebiete der indogerm. nominalen 

Stammbildung von Dr. Herrn. Osthoff, Jena 1875—76, 2 Thle. 
Oest. Weisth. = Die Salzburgischen Taidinge, herausg. von H. Siegel u. 

K. Tomaschek, Wien 1870. 
PETT. Beitr. = Beitrag zur Dialektforschung in Nordböhmen von Ign. Petters, 

Progr. d. Gymn. in Leitmeritz 1858. I, Progr. d. Gymn. in Leitmeritz 

1864; II, 1865. 

PETf. Stoffe, as Andeutungen zur Stoffsammlung in den deutschen * Mund- 
arten Böhmens von Ign. Petters, Prag 1864 (aus: Beitr. z. Gesch. Böhmens, 
herausg. vom Vereine f. Gesch. der Deutschen in Böhmen, Abth. II, Bd. I. 
Nr. 2> 

PICTET Les origines = Los origines Indo-Enropeennes ou les Aryas primitifs 
cet. par Ad. Pictet, Paris 1859—63, 2 Bde. 

POPOWITSCH Unters. = Untersuchungen vom Meere u. s. w. Frankfurt u. 

Leipz. 1750. 
POPOWITSCH Vers. =s Versuch einer Vereinigung der Mundarten von 
Deutschland als eine Einleitung zu einem vollständigen Teutschen Wörtb. 
u. s. w. von Joh. Siegln. Val. Popo witsch, Wien 1780. 

1* 



POTT l = Etymologische Forschungen anf dem Gebiete der indogermanischen 
Sprachen von Aug. Fr. Pott, Lemgo. 1833 — 36; 

POTT* = 2. Aufl. desselben Werkes, Lemgo 1859—61. 

POTT WWb. od. Wzw., WzW. = Wurzelwörterbuch der indogermanischen 
Sprachen, 1867—73, 5 Bde. 

REGEL = Die Buhlaer Mundart, dargestellt von K. Regel, Weimar 1868. 

REINW. = Hennebergisches Idiotikon von W. F. H. Reinwald, Berl. u. 
Stettin 1793—1801. 

RICH. = Idioticon Hamburgense u. s. w. angefertigt v. M. Richey, Hamburg 1755. 

ROCHHOLZ = Alemannisches Kinderlied u. Kinderspiel aus der Schweiz. 
Gesammelt u. Bitten- u. sprachgeschichtlich erklärt von Ernst Lu,dw. Roch- 
holz, Leipz. 1857. 

ROS. = Tannenharz u. Fichtennadeln, Geschichten, Schwanke, Skizzen u. 
Lieder in obersteierischer Mundart von P. R. Rosegger, Graz n^Leipz. 1870. 

RUED. = Neuester Zuwachs d. teutschen, fremden u. allgemeinen Sprach- 
kunde, von J. C. Rüdiger'n. I. St. neue Auii. Halle 1796; II. St- Leipz. 
1783; III. St. 1784; IV. St. 1785; VI. St. 1793. 

SALLM. = Lexikalische Beitr. zur deutsch. Mnndart in Estland von K. Sall- 
mann, Leipz. 1877. 

SCHA. 2 = Altdeutsches Wörtb. von 0. Schade, 2 Aufl., Halle 1873 ff. 

SCHAMB. = Wörtb'. der niederdeutschen Mundart der Fürstenthtimer Gottin- 
gen u. Grubenhagen u. s. w. von G. Schambach, Hannov. 1858. 

SCHER. = Zur Geschichte d. deutsch. Sprache von W. Scherer, Berl. 1868. 

SCHILL. LÜEBB. = Mittelniederdeutsches Wörtb. von K. Schiller u. Aug. 
Lübben, Bremen 1872 ff. 

SCHM. = Bayerisches Wörtb. von J. Andr. Schmeller, Stuttg. u. Tübing. 
1827, 28, 36, 37, 4 Bde., 2. Aufl., bearbeitet von G. K. Frommann, München 
1872—1877, 2 Bde. 

SCHM. bair. Gr. = Die Mundarten Bayerns von J. A. Schmeller, München 1821. 

SCHMID = Schwäbisches Wörlb. mit etymologischen u. historischen Anmer- 
kungen von M. J. Chr. v. Schmid, Stuttg. 1831. 

SCHMIDT = Westerwäldisches Idiotikon u. s. w. von K. Chr. L. Schmidt, 
Hadamar und Herborn 1800. 

SCHMIDT Voc. = Zur Geschichte des Indogermanischen Vocalismns von Jon. 
Schmidt, Weimar 1871—75, 2 Thle. 

SCHN. = Die romanischen Volksmundarten Südtirols u. s. w. von Chr. 
Schneller, Gera 1870. 

SCHOE. = Tirolisches Idiotikon von J. B. Schöpf, 0. S. F., nach dessen 
Tode vollendet von A. J. Hofer, Innsbr. 1866. 

SCHROE. = Beitr. zu einem Wörtb. der deutschen Mundarten im ungarischen 
Berglande, von K. J. Schröer, Wien 1858. 

SCHROE. II. = Versuch einer Darstellung der deutschen Mundarten des unga- 
rischen Berglandes von K. J. Schröer, Wien 1864. 

SCHROE. Gottsch. = Ein Ausflug nach Gottschee, Beitrag zur Erforschung 
der Gottscheewer Mundart von K. J. Schröer, Wien 1869—70. 

SCHTZ. =s Holsteinisches Idiotikon von J. E. Schütze, Hamb. u. Altona, 
1800—1802, IV Bde. 

SCHÜLL. = Beiträge zu einem Wörterbache der siebenbürgisch-sächsischen 
Mundart von J. C. Schuller, Prag 1865. 

SCHÜLTZE = Idiotikon der Nord-Thüringischen Mundart, von Dr. Märt. 
Schnitze, Nordhausen 1874. 

STALD. = Versuch eines schweizerischen Idiotikon u. s. w. VQn Fr. J, Stalder, 
Aarau 1812, 2 Bde. 

STIELER = Teutscher Sprachschatz, Nürnberg 1691. 

STRODTM. r- Idioticon Osnabrugense von J. Chr. Strodtmann , Leipz. u 
Altona 1756. 

TOBL. = Appenzellischer Sprachschatz von T. Tobler, Zürich 1837. 

TOBL. Wzs. = Ueber die Wortzusammensetzung u. s. w. von Dr. Ludw 
Tobler, Berl. 1868. 



VAN. = Etymologisches Wörterb. der lat. Sprache von A. Vaniöek, Leipz. 1874. 
VATER == Proben deutscher Volksmundarten u. s. w., herausg. von J. L. Vater, 

Leipz. 1816 (mit einem kleinen, nicht uninteressanten Unterkärnthner Idio- 
tikon, S. 41—45). 
VILM. = Idiotikon von Kurhessen, zusammengestellt von Dr. A. F. 0. Vilmar, 

Marburg u. Leipz. 1868. 
WACKEEN. Umdeutsch. = Die Umdeutschnog fremder Wörter von W. Wacker- 
nagel, Basel, 2. Aufl. 1863 (wfeder abgedruckt im HI. Bde. der kleineren 

Schriften, Leipz. 1874, S. 252—333). 
WACKERN. Voc. = Vocea variae animant^um, ein Beitrag zur Naturkunde u. 

zur ^Geschichte der Sprache von W. Wackernagel, 2. Aufl., Basel 1869. 
WAÖKEBN. Wb. = dessen Altdeutsches Handwörtb., Basel 1861. 
WEG. — Wörtb. der Coblenzer Kundart, von Dr. I. Wegeier, Ooblenz 1869. 
WEIG. = Deutsches Wörtb. von Dr. Fr. Ludw. K. Weigand, 2. Aufl. Giessen, 

1872^.76. 
WEIG. syn. = Wörtb. der deutschen Synonymen von Weigand, 2. Ausg., 

Mainz 1852, 3 Bde. 
WEINE. = Beiträge zu einem schlesischen Wörtb. von K, Weinhold, Wien 1855. 
WEINR. Dial. = Ueber deutsche Dialektforschung u. s. w. von K. Weinhold, 

, Wien. 1853. 
WEINH. AI. Gr. = Alemannische Grammatik von K. Weinhold, Berlin 1863. 
WEINH. R Gr. = dessen Baierische Grammatik, Berlin 1867. 
WEENH. mhd. Gr. = dessen mittelhochdeutsche Grammatik, 1877. 
WZ.. t= Zeitschrift für deutsche Mythologie u. Sittenkunde von Dr. J. W. Wolf, 

Gott. 1853-^-59, 4 Bde. 
ZEH. == Lexicon etymologicnm Latino etc. — sanscritum cömparativum cet. 

consir. Seb. Zehetmayr, Vindob. 1873. 
ZEH. 8 -sb, desselben Verf. umgearbeitetes Werk, wovon ich die Aushängebogen 

benutzen konnte. 
ZING. S. = Sagen, Märchen u. Gebräuche aus Tirol, gesamm. u. herausg. von 
* J. V. Zingerle, Innsbr. 1859. 
ZING. Sitt. = Sitten, Bräuche u. Meinungen des Tiroler Volkes, gesamm. u. 

herausg. von 1 J. V. Zingerle, 2. Aufl. Innsbr. 1871. 
ZING. Wb, = Lusernisches Wörtb. von J. V. Zingerle, Innsbr. 1870. 
ZING. Kap. = Das deutsche Kinderspiel im Mittelalter von J. V. Zingerle, 

2. Aufl., Innsbr. 1873. 
ZISKA Prob. ~ Proben ans einem österr. Idiotikon des Fr. Ziska, Wien 

(Anzeigeblatt) I, 1819 ? II, 1824. 
ZISKA VM. =*= Öesterr. Voljtsmährchen von Fr. Ziska, Wien 1822. 
ZZ. ,5= Zeitschr. für deutsche Philologie, herausg. von Dr. Ernst Höpfner u. 

Dr. Jul. Zacher, Halle 1869 ff. 



' Andere Abkürzungen r adi. adiectivum, adv. adverbium, ags. angel- 
sächsisch, afz, altfranzösisch, ahd. althochdeutsch, attn. od. cm. altnordisch, 
alte* od. as. altsächsisch, altslav. altslavisch, bair. baierisch, engl, englisch, 
/. Femininum, /a. 'franzosisch, gr. griechisch, gt. gothisch, hd. hochdeutsch, it. 
od. itetf. italienisch, kämt, kärntisch, kelt. keltisch, kal. kirchenslaviseh, lat. 
lateinisch, tiett. lettisch, Uu litauisch, tu. mascuHaum, mfz. mittelfranzösisch, 
mhd. mittelhochdeutsch, mlat> mittellateinisch, mnd. mittelniederdeutsch, n. 
neutrum, nd. niederdeutsch, nfz. neufranzösisch, nhd. neuhochdeutsch, nom. ag. 
nomen agentis, port. portugiesisch, pr, od. prov. provencaliBch, vom. romanisch, 
'ichwäb. schwäbisch, schipz. od. tchwria. schweizerisch, skr. od. skt. sanskrit, 
sanskritisch, dav. slavisch t dov, slovenfech, span. spanisch, «. «. ,sub verbo, 
tiroh IJxolisch, v. verbum, wend. wendisch od. windisch, Wz. Wurzel, zend. 
zendiscn.' •-■••• r 

• • '" r. ■» r • . . • .'.■;'■■'*. 

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i_ 



Wörter, iie lit eiiem Vj$ anlasten 

elawöU, d. i. ei ja wol, abor nur in der Bedeutung; nein, 
keineswegs; z. Bi göa mar it forscht geh' mir nicht 
fortt Antw. : eiawöTl d. i. keineswegs, durchaus nicht; 
SCHOE. 101 ; BiRL. in Alemannia HI, 93. 

äbiot), verkehrt, eigensinnig, wie bei SCHOE. 3. ab ich a 
Teng'lzoik = ein eigensinniger Kopf. mhd. e b e c h , e b i c h, 
ebchTBM. I, 3 b ; LEX. MWb. I, 499], ahd. abnh, abach 
[GRAPP I, 89 ff:], gt. ibuka- adi. retrogradus/rückwärts- 
gekehrt [DIEF. Wb. I, 92 ; M GrSpr. 21] ; vgl. noch SCHM. I 9 , 
13; FZ. IV, 58; GBJMM Gr. II, 286; 305; 316; 707; Wb. I, 
58; m, 18. Das Wort stimmt genau zu skr. apäka hinten 
liegend, entfernt, apänc rückwärtsgelegen, aus apa [HW. 
s. v. a und Wz. anc-, ac- biegen, gehen [HW. s. v. an- 
gulusj; vgl. PICK 10; 694; ZZ. IVj 139; KZ. XXL 415. 

Qbl, wie nhd. ; vertiblhäbik empfindlich, leicht verargend; 
SCHOE. 779. Aus für üb 1 haben gebildet. 

oublitz'n, gesottene Rüben: SCHOE. 479; LEX. KWb. 200; 
IARN. 87 b . Vom wend. obliza [GUTSM. 528 b ] Kugel, 
Ball, Rüben gekochte, altslav. ob lü rund [MIKLOS. 470»]. 

aubr6}tt = aufbretteln. So nennt man die tbierqualerische 
Procedur. wenn Knaben -auf das eine Ende eines kleinen 
Brettes ein Thier (Frosch, Dattermandl == Erdsalamauder) 
legen , auf das andere über eine feste Grundlage vorstehende 
aber mit einem Stocke schlagen, so dass das Thier in die 
Lnft geschlendert wird. Von an = auf , und bröjt "sss Brett, 
vgl. SCHOE. 60; BIRL. in Alemannia HI, 93.' 

ftehlit'n = Dienstboten; SCHOE. 99; LEX. KWb. 132; SCHM. 
I», 8; HOEF. I, 174; PZ. II, 339; 469; V, 218. Das Wort ist 
zusammengesetzt ans § = Ehe [vgl. lat. aevumu. HW. s! v.] 
u. halten. Schon im mhd. ehalte [BM. I, 623 a ; LEX. 
MWb. I, 514] der das Gebot eines Andern hält, Vertragsver- 
hältnis beobachtet, Dienstbote ; vgl. noch GRIMM Wb. III, 43. 

äBCherle , n. d^s Eichhörnchen. Ueber die Etymologie des 
Wortes wage ich nicht zu entscheiden. Wir haben mhd. 
eichorn [BM. I, 414»; LEX. MWb. I, 517], ahd. eichorn, 
aichorne [GRAPFI, 1?8], niederd. eher, ags. äcvSrn, 
altn. ikorni, schwed. ekofn, ick-, ikorn, mittelniederl. 
encoren, ncuniederl. eek-, eick-, ihkhoren. Saum 
[GRIMM Wb. HE, 81] aus dem afz. esourieu, nfe. 6cu- 



Der 



XXIX. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner 



ztir 



FREUNDLICHEN JSRINNERUNG 



an 



Innsbruck und Tirol. 



Vorbemerkung, 



Jta ist schon oft hervorgehoben worden, dass es für die 
deutsche Dialektforschung, die in vielen Gegenden noch immer 
mit zu wenig Interesse und Eifer betrieben wird, von grossem 
Nutzen wäre, wenn die Dialekte der einzelnen Gegenden oder 
Thäler, die in dieser Hinsicht von Bedeutung sind, in eigenen 
Schriften behandelt würden. Nachstehende Blätter bieten 
einen Versuch, einen Theil des Dialektes des Thaies Defer- 
eggen, das ein Seitenthal des Iselthales in Tirol ist, vorzüg- 
lich lexikalisch zu fixiren: Ich habe zwar eine ziemlich reich- 
haltige Sammlung, die sich über ganz Tirol erstreckt. Dass 
ich aber ausschliesslich dieses Thal berücksichtigte, hat seine 
guten Gründe. Einmal haftet mir der Wortschatz dieses 
Thaies, als meiner Heimat, getreu im Gedächtnisse, und in 
zweifelhaften Fällen konnte ich meine Mutter, die zufallig bei 
mir sich befindet, um genaue Auskunft fragen. Sodann hatte 
ich zur Bearbeitung dieser Bogen nur eine Spanne Zeit zur 
Verfügung, die natürlich durch eigentliche und uneigentliche 
Berufsgeschäfte vielfach zerrissen ist. Ferner ist das Thal 
Defereggen, wie die anderen Gegenden des östlichen Puster- 
thaies, von Schöpf nur sehr spärlich berücksichtiget worden. 
Endlich hoffe ich noch immer, dass sich das Gerücht bewahr- 
heitet , welches schon vor einem Jahre auftauchte , . nämlich : 
Herr Frommann werde seine Zeitschrift wieder fortführen. 
Es wäre dies für die Wissenschaft ein unschätzbarer Gewinn. 
In dieser Zeitschrift dürfte dann die übrige Sammlung nach 
und nach, wie ich erwarte, Aufnahme finden. Der Rest jedoch 
des Deferegger Dialektes, für den in diesen Blättern zu wenig 
Raum war, wird demnächst nachfolgen. 

Ich habe nur solche Worte aufgeführt, die entweder bei 
Schöpf fehlen (auch solche, die bei Lexer oder Schmeller 

1 



verzeichnet sind), oder die im Deferegger Dialekte eine andere 
Bedeutung haben, als bei Schöpf angegeben, oder endlich 
auch solche, die mir bei Schöpf irgendwie mangelhaft be- 
handelt schienen, namentlich aber viele, die etymologische 
Erläuterungen erforderten. Dass ich die Etymologie besonders 
berücksichtigte, hat hauptsächlich seinen Grund darin, dass 
ich glaube, ein mit dem betreffenden Dialekte vollkommen 
Vertrauter ist viel leichter im Stande, eine richtige etymo- 
logische Erklärung zu geben, als einer, der den fraglichen 
Dialekt nur Vom Hörensagen kennt. Dazu kommt wol auch, 
dass ich den classischen Philologen und die Studienrichtung, 
der ich mit Vorliebe folge, schwer hätte verläugnen können. 

Die Aussprache des zu behandelnden Dialektes ist im 
Grossen und Ganzen so, wie sie bei Lex er im Kämt. Wörtb. 
VIH ff. gegeben ist. Ich habe jedoch der Deutlichkeit halber 
die Wörter möglichst genau umschrieben. Freilich, bei gewis- 
sen Buchstaben ist dies nicht thunlich. So habe ich, wie 
Schöpf und Lex er gethan, das nach o hinüberschielende 
und zwischen stehende a durch ä (kurz) und ä (lang) wie- 
dergegeben. Einzelnes konnte aus typischen Hindernissen nicht 
deutlich ausgedrückt werden; so z. B. wenn nach einem 
Vocale (besonders nach ä, u, 0, i, 5, ü) ein Vocal in umge- 
kehrter Gestalt folgt (Ab, ue, ö;, Ö9, oe, iie, üb u. s. w.J, so 
soll das bedeuten, dass diese zwei Vocale rasch nach einander, 
zusammengeschliffen, gesprochen werden sollen. Das Uebrige 
wird hoffentlich verständlich sein. • 

Um Raum zu ersparen, habe ich mich bei häufiger citir- 
ten Werken folgender Abkürzungen bedient: ADELUNG 
Wb. = Versuch eines vollständigen grammatisch -kritischen 
Wörterbuches der hochdeutschen Mundart, mit beständiger 
Vergleichung der übrigen Mundarten, Leipz. 1774 — 86. 5 Bde. 
— BENF. Wzl. = Griechisches Wurzellexikon von Th. 
Benfey, Berl. 1839—42. 2 Bde. — BEEND = Die deutsche 
Sprache in dem Grossherzogthume Posen u. s. w. von Dr. Chn. 
Sam. Theod. Bernd, Bonn 1820. — BIRL. = Schwäbisch- Augsbur- 
gisches Wörterbuch von A. Birlinger, München 1864. — BIRL. 
al. = Die alemannische Sprache rechts des Rheins seit dem 
Xin. Jahrhundert von A. Birlinger, I. Berlin 1868. — BM. = 
Mittelhochdeutsches Wörterbuch, mit Benutzung des Nach- 
lasses von G. Fried. Benecke, ausgearb. von W. Müller und 
Fr. Zarncke, Leipz. 1854—66, 4 Bde. — BOPP, Gl. = Glos- 
sarium comparativum linguae Sanscritae cet. a Fr. Bopp. ed. HL 
Berol. 1867. — brem. Wb. = Versuch eines bremisch-nieder- 
sächsischen Wörterbuchs, Bremen 1767 ff. — CAST. = Wörter- 
buch der Mundart in Oesterreich unter der Enns von J. F. 
Castelli, Wien 1847. — cimbr. Wb. = Johann Andreas Schmel- 
ler's sogenanntes cimbrisches Wörterbuch, das ist deutsches 



Idiotikon der VII. und XIII. comuni in den venezianischen 
Alpen, herausgeg. von F. Bergmann, Wien 1855. — CURT. = 
Grundzüge der griechischen Etymologie von G. Curtius, 3. Aufl. 
Leipz. 1869. — DAEHN. = Plattdeutsches Wörterbuch nach 
der alten und neuen pommerschen und rügischen Mundart 
von ,Joh. Carl Dähnert, Stralsund 1781. — DANN. = Wörter- 
buch der altmärkisch-plattdeutschen Mundart von Joh. Fried. 
Danneil, Salzwedel 1859. — Deutsch. Sprachw. = Deutseher 
Sprachwart, Zeitschrift für Kunde und Kunst der Sprache u. s. w., 
herausg. vonMaxMoltke, Leipz. 1866 ff. — DIEF. Wb. = Ver- 
gleichendes Wörterbuch der gothischen Sprache von Lor. Die- 
fenbach, Frankf. a.M. 1851, 2 Bde. — DIEF. gl. = Glossarium 
Latino-Germanicum mediae et infimae aetatis cöncinnavit L. 
Diefenbach, Francof. ad M. 1857. — DIEF. nov. gl. = Novum 
glossarium Latino-Germanicum mediae et inf. aet. von L. Die- 
fenbach, Frankf. a. M. 1867. — DIEZ = Etymologisches Wör- 
terbuch der romanischen Sprachen von Fried. Diez, 3. Aufl., 
Bonn 1869, 70, 2 Bde. — FICK = Vergleichendes Wörterbuch 
der indogermanischen Sprachen von Aug. Fick, 2. Aufl., Gott. 
1870,71. — FRISCH = Teutsch-lateinisches Wörterbuch von 
L. Frisch, Berl. 1741. — FULDA = Versuch einer allgemeinen 
teutschen Idiotikensammlung ü. s. w. von Fr. C. Fulda, Berl. 
und Stettin 1788. — FZ. = Die deutschen Mundarten, eine 
Monatsschrift, herausgegeben von Dr. G. K. Frommann, Nürnb. 
1854 — 59, 6 Bde. — Germania = Germania, Vierteljahresschrift 
für deutsche Alterthumskunde, herausgegeben von F. Pfeiffer, 
1—3. Bd., Stuttg.1856— 58; 4— 18. Wien 1859— 73 (jetzt her- 
ausg. von Bartsch). — GRAFF = Althochdeutscher Sprach- 
schatz von E. G. Graff, Berl. 1834—42, 6 Bde. -- GRIMM 
Gr. = J. Grimm' s Deutsche Grammatik (neue Ausg. von W. 
Scherer, Berl. 1869 ff.). — GRIMM Gesch. = Geschichte der 
deutschen Sprache von J. Grimm, 2. Aufl., Berl. 1853. — GRIMM 
Myth. =± Deutsche Mythologie von J. Grimm, Gott. 1844. — 
GRIMM Wb. = Das bekannte deutsche Wörterbuch, 1854 ff. 
(soweit es erschienen). — GUTSM. = Deutsch-windisches Wör- 
terbuch mit einer Sammlung der verdeutschten windischen 
Stammwörter u. s. w. von Osw. Gutsmann, Klagenf. 1789. — 
HABN Gr. = Hahn's althochdeutsche Grammatik, 3. Aufl. von 
A. Jeitteles, Prag 1870. — HERIB. = Ueber Heribert von 
Salurn, Beitrag zur Kunde deutscher Sprache am Ende des 
17. Jahrh. von Ad. Hueber, Innsbr. 1872. — HEYNE Gr. = 
Kurze Grammatik der altgermanischen Dialekte von Mar. 
Heyne, I. Th$il, 2. Aufl., Paderb. 1870. — HOEF. = Etymo- 
logisches Wörterbuch der in Oberdeutschland, vorz. aber in 
Oesterreich üblichen Mundart von M. Höfer, Linz 1815, 3 Bde. 
— HÜEGEL = Der Wiener Dialekt, Lexikon, Wien 1873. — 
HW. = mein: Kleines Wörterbuch der lateinischen Etymologie 



mit besonderer Berücksichtigung des Griechischen und Deut- 
schen, Brixen 1873. — HZ. = Zeitschrift für deutsches Alter- 
thum, herausg. von M. Haupt, Leipz. u. Berl. 1841 ff., 16 Bde. 

— IARN. = Versuch eines Etymologikons der slo venischen 
Mundarten in Innerösterreich von Urb. Jarnik, Klagenf. 1832. 

— Idiot. Aust. = Idioticon Austriacum, 2. Aufl., Wien 1824. 

— Idiot. Liefl. = Idiotikon der deutschen Sprache in Lief- 
undJEhstland, Riga 1795. — KB.=Beiträge zur vergleichenden 
Sprachforschung auf dem Gebiete der arischen, celtischen und 
slavischen Sprachen, herausg. von A. Kuhn und A. Schleicher 
(jetzt unter Mitwirkung von A. Leskien und J. Schmidt), 
Berl. 1858 ff., 6 Bde. u. 7. Hft. 1. — KZ. = Zeitschrift für 
vergl. Sprachforschung, herausg. von A. Kuhn (jetzt unter 
Mitwirkung von Ernst W. A. Kuhn), Berl. 1852 ff, 21 Bde. — 
LEO = Angelsächsisches Glossar von H. Leo, I. Abth., Halle 
1872. — LEX. KWb. = Kärntisches Wörterbuch von Dr. Math. 
Lexer, Leipz. 1862. — LEX. MWb. = Mittelhochdeutsches 
Handwörterbuch von Dr. M. Lexer, Leipz. 1. Bd. 1869 — 72, 
II. Bd. I. Hft. 1872. — LOR. = Neues Idiotikon Viennense 
von K. Loritza, Wien 1847. — MGSpr. = Die gothische 
Sprache, ihre Lautgestaltung insbes. im Verhältniss zum Alt- 
indischen, Griechischen und Lateinischen, von Leo Meyer, 
Berl. 1869. — MIKLOS. = Lexicon palaeoslovenico-graeco- 
latinum emend. auct. edidit Fr. Miklosich, Vindob. 1862 — 65. 

— POTT 1 = Etymologische Forschungen auf dem Gebiete der 
indogermanischen Sprachen von Aug. Fr. Pott, Lemgo 1833, 36. 

— POTT 3 = 2. Aufl. desselben Werkes, Lemgo 1859, 61. — 
POTT Wzw. = Wurzelwörterbuch der indogermanischen Spra-, 
chen, 1867 ff. (bis jetzt 4 Bde.). — REGEL = Die Ruhlaer 
Mundart, dargestellt von K. Regel, Weimar 1868. — SCHER. = 
Zur Geschichte der deutschen Sprache von W. Scherer, Berl. 
1868. — SCHILL. LUEBB. = Mittelniederdeutsches Wörter- 
buch von K. Schiller und Aug. Lübben, Bremen 1872, 73 (bis 
jetzt 2 Hfte.). — SCHLEICH. Comp. = Compendium der ver- 
gleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen von 
Aug. Schleicher, 2. Aufl., Weim. 1866. — SCHLEICH. DSpr. 
= Die deutsche Sprache von Aug. Schleicher, Stuttg. 1860. — 
SCHM. a = Bayerisches Wörterbuch von J. Andr. Schmeller, 
2. Aufl., bearbeitet von G. Karl Frommann, I. Bd., München 
1872, II. Bd. 1. Hft. (SCHM. bedeutet dasselbe Werk in erster 
Aufl., Stuttg. u. Tübing. 1827, 28, 36, 37, 4 Bde.). — SCHMID 
= Schwäbisches Wörterbuch mit etymologischen und histori- 
schen Anmerkungen von M. J. Chr. v. Schmid, Stuttg. 1831. — 
SCHOE. = Tirolisches Idiotikon von J. B. Schöpf, 0. S. F., 
nach dessen Tode vollendet von Anton J. Hof er, Innsbr. 1866. 

— SCHROE. = Beiträge zu einem Wörterbuche der deut- 
schen Mundarten im ungarischen Berglande, Wien 1858. — 



SCHTZ. = Holsteinisches Idiotikon von J.P. Schlitze, I., Hamb. 
1800, IL u. HI., Altona 1802. — STALD. = Versuch eines 
schweizerischen Idiotikon, mit etymologischen Bemerkungen 
untermischt, von Fr. Jos. Stalder, Aarau 1812, 2 Bde. — 
TOBL. = Appenzellischer Sprachschatz von Titus Tobler, Zürich 
1837. — TOBL. Wzs. = Ueber die Wortzusammensetzung u. s.w. 
von Dr. Ludw. Tobler, Berl. 1868. — VATER = Proben deut- 
scher Volks-Mundarten, Dr. Seetzen's linguistischer Nachlass 
und andere Sprachforschungen und Sammlungen besonders über 
Ostindien, herausg. von Joh. Leo. Vater, Leipz. 1816 (mit einem 
kleinen , nicht uninteressanten Unterkärnther Idiotikon, S. 41 
bis 45). — VILM. = Idiotikon von Kurhessen , zusammenge- 
stellt von Dr. A. F. C. Vilmar, Marburg ü. Leipz. 1868. — 
WACKERN. Wb. = W. Wackernagers Wörterbuch zu seinem 
altdeutschen Lesebuche. — WACKERN. voc. = Voces variae 
animantium, ein Beitrag zur Naturkunde und zur Greschichte 
der Sprache von W. Wackernagel, 2. Aufl., Basel 1869. — 
WEIGr. = Deutsches Wörterbuch von Dr. Fr. Ludw. Karl Wei- 
gand, Oiessen 1857—71 , 2 Bde. in 3 Abth. (der 1. Bd. ist in 
2. Aufl. erschienen 1872). — WEINH. = Beiträge zu einem 
schlesischen Wörterbuche von K. Weinhold, Wien 1855. — 
WEINH. Dial. =: Ueber deutsche Dialektforschung, die Laut- 
und Wortbildung und die Formen der schlesischen Mundart 
u. s. w. von K. Weinhold, Wien 1853. — WEINH. AI. Gr. = 
Alemannische Grammatik von K. Weinhold, Berlin 1863. — 
WEINH. B. Gr. = dessen Baierische Grammatik, Berl. 1867. — 
WZ. = Zeitschrift für deutsche Mythologie und Sittenkunde 
von Dr. I. W. Wolf, Gott. 1853—59, 4 Bde. — ZIEM. = Mit- 
telhochdeutsches Wörterbuch zum Handgebrauch von Ad. Zie- 
mann, Quedl. u. Leipz. 1838. — ZING. S. = Sagen, Märchen 
und Gebräuche aus Tirol , gesammelt und herausgegeben von 
I. V. Zingerle, Innsb. 1859. — ZING. Sitt. = Sitten, Bräuche 
und Meinungen des Tiroler Volkes, gesammelt und herausg. 
von I. V. Zingerle, 2. Aufl., Innsbr. 1871. — ZING. W. = 
Lusernisches Wörterbuch von I. V. Zingerle, Innsbr. 1870. — 
ZZ. = Zeitschrift für deutsche Philologie , herausg. von Dr. 
Ernst Höpfner und Dr. Jul. Zacher, Halle 1869—73, 4 Bde. 



Andere Abkürzungen: adi. adjectiv, adv. adverb, ags. angelsächsisch, 
afz. altfranzösisch, akd. althochdeutsch, altlat. altlateinisch, altn. altnordisch, 
clts. altsächsisch, altslav. altslavisch, bair. baierisch, engl, englisch, /. femini- 
num, fz. französisch, gr. griechisch, gt. gothisch, hd. hochdentsch, i\ italie- 
nisch, kämt, kärntisch, kelL keltisch, lat. lateinisch, lett. lettisch, lit. litauisch, 
m. masculinum, m/z. mittelfranzösisch, mhd. mittelhochdeutsch, mlat. mittel- 
lateinisch, 7i. neutrnm, rtfz. nenfranzösisch, nhd. neuhochdeutsch, port. portu- 
giesisch, pror. provencalisch, rom. romanisch, schwäb. schwäbisch, srhwz. schwei- 



6 

« 

zerisch, skr. sanskrit, sanskritisch, slav. slavisch, alov. slovenisch, spart, spa- 
nisch, 8. v. snb verbo, tirol. tirolisch, wend. wendisch od. windisch, Wz, Wurzel. 



Wörter, die mit einem Vocal anlauten. 

eiawöll, d. i. ei ja wol, aber nur in der Bedeutung: nein, 
keineswegs; z. B. göa mar it forscht geh 7 mir nicht 
fort! Antw. : eiawöll d. i. keineswegs, durchaus nicht. 
SCHOE. 101. 

äbich, verkehrt, eigensinnig, wie bei SCHOE. 3. äbichaTengl- 
zoik = ein eigensinniger Kopf, mhd. ebech, ebich, ebch 
[BM.I, 3 b ; LEX.MWb. I, 499], ahd. abuh, abach [GRAFF 
I, 89 ff.], gt. ibuka- adi. retrogradus, rückwärtsgekehrt 
[DIEF. Wb. I, 92; MGSpr. 21]; vgl. noch SCHM. P f 13; FZ. 
IV, 58; GRIMM Gr. II, 286 ; 305 ; 316 ; 707 ; Wb. 1, 58 ; DI, 18. 
Das Wort stimmt genau zu skr. äpäka, hinten liegend, 
entfernt, apänc, rückwärtsgelegen, aus apa [HW. s. v. a] 
und Wz. anc-, ac-, biegen, gehen [HW. s. v. angulus], 
vgl. FICK 10; 694; ZZ. IV, 139; KZ. XXI, 415. 

Öbl wie nhd. : verüblhäbik, empfindlich, leicht verargend. 
SCHOE. 779; aus für übl haben gebildet. 

Qllblitz'n, gesottene Rüben. SCHOE. 479; LEX. KWb. 200; 
IARN. 87*. Vom wend. obliza [GUTSM. 528*1, Kugel, 
Ball, Rüben gekochte, altslav. oblü rund [MIKLOS. 470*]. 

aubröjtl = aufbretteln. So nennt man die thierquälerische Pro- 
cedur, weAn Knaben auf das eine Ende eines kleinen Brettes 
ein Thier (Frosch, Dattermandl = Erdsalamander) legen, auf 
das andere über eine feste Grundlage vorstehende aber mit 
einem Stocke schlagen, so dass das Thier in die Luft ge- 
schleudert wird. Von au = auf , und broit = Brett, vgl. 
SCHOE. 60. 

öehlifn = Dienstboten ; SCHOE. 99; LEX. KWb. 132; SCHM. 
I», 8; HOEF. I, 174; FZ. H, 339; 469; V, 218. Das Wort ist 
zusammengesetzt aus 6 = Ehe [vgl. lat. ae vum u.HW. s. v.] 
u. halten. Schon im mhd. ehalte [BM. I, 623 a ; LEX. 
MWb. I, 514], der das Gebot eines Andern hält, Vertragsver- 
hältnis beobachtet, Dienstbote ; vgl. noch GRIMM Wb. HI, 43. 

äBCherle, n. , das Eichhörnchen. Ueber die Etymologie des 
Wortes wage ich nicht zu entscheiden. Wir haben mhd. 
eichorn [BM. I, 414»; LEX. MWb. I, 517], ahd. eichorn, 
aichorne [GRAFF I, 128], niederd. eker, ags. äcvern, 
altn. ikorni, schwed. ekorn, ick-,ikorn, mittelniederl. 
fencoren, neuniederl. eek-, eick-, inkhoren. Kaum 
[GRIMM Wb. HI, 81] aus dem afe. escurieu, nfz. 6cu- 



rieu, d. i. lat. sciürus; vgl. Förstemann in KZ. I, 4 f.; 
Pictet das. VI, 188 ff. ; FICK 699 ; WEIG. P, 364. 

adel, m., der Abtritt. SCH0E.5; FULDA 15; HOEF. I, 47; 
LEX. KWl>. 3; SCHM. I a , 34 f.; FZ. m, 378; V, 375; VI, 86; 
VILM. 4. ags. adul, adele, Mistjauche, adelicht, kothig. 
Im Deferegger Dialekt fast erloschen; vgl. noch GRIMM 
Wb. 1, 177 ; LEX. MWb. I, 22 ; KZ. XIX, 54. Als Wz. könnte 
man vielleicht u d-, ansehen : quellen, netzen, baden. FICK 24. 

Öede, 1) öde, unangebaut. Ein Ort im Thale heisst: auf der 
oede; 2) abgeschmackt, fade: an öoder söckl, an ö. 
schwänz. SCHOE. 479; LEX. KWb. 201; SCHMID 413; 
STALD. II, 249; SCHM. I», 38 u. A. mhd. oede [BM. 
II, 430*; LEX. MWb II, 140], ahd. odi [GBAFF I, 150], 
gt. auths [DIEF. Wb. I,'60; MGSpr. 128], alts. öthi, 
odhi, ags. eädh, ödh, leicht , sk r. Wz. u-, mangeln, feh- 
len; vgl. FICK 25; 345; 689; HW.s. v. vaco u. A. 

öfel, ofelwässer, äflik, äfeln. öfel,m., 1) die eiternde Materie 
in Geschwüren ; 2) dieAnlage zumEitern. ofelw&sser, das 
aus einer Wunde oder einem Geschwüre hervortraufelnde 
Wasser, äflik, für das Eitern sehr zugänglich; Wunden 
schwer heilend, äfeln, eitern, schwären. SCHOE. 5; LEX. 
KWb. 3; HOEF. I, 9; STALD. I, 91 ; SCHM. 1«, 40; FZ. 
II, 241 u. A. Die Etymologie des Wortes ist noch nicht 
aufgeklärt, vgl. GRIMM Wb. I, 181 ; DIEF. Wb. I, 1. Das 
slav. [IARN. 31; G-UTSM. 491*] asla, asva, Affel, Apo- 
steme, kommt wol kaum in Betracht. 

ouf nbock = Ofengebäck , d. i. eine Art Strudel , der im Ofen 
gebacken wird. 

Oiffnbrugge, f., ein Staffel am Herde, über den besonders die 
Kinder auf den Herd steigen, um sich zu erwärmen; ouf'n- 
brugge deswegen, weil im Herde gewöhnlich der Backofen 
sich befindet. SCHOE. 63 ; SCHM. I«, 44 ; 347 ; cimbr. Wb. 
200*; SCHMID 102 u. A. 

aufäss'n = auffassen, sowol mit dem Löffel Flüssiges und Festes 
(z. B. m u o s , n ft d ' 1), als auch mit anderen Werkzeugen (z. B. 
gobel, mistgobel), SCHOE. 123. Die gewöhnliche Ein- 
ladung der Bäuerinnen an vorübergehende Bekannte lautet : 
scho, göa a mal iaha (od. iher) kraut und gö^rste 
aufass'n, i hän's ö'erst gröd du«ha (od. düher) 
g'stürschzt, geh einmal herein, Kraut und Gerste ver- 
kosten, ich hab' es erst gerade weggestürzt, d. h. aus dem 
Hafen herausgeleert zum Abkühlen. , 

aureut'n, v., z. B. eine Wiese = eine Wiese durch Timäckern 
und Fortschaffen der Steine zum Ackerfeld machen, mhd. 
riuten [BM. II, 1, 748 a ; ZIEM. 325], ahd. riutjan, riu- 
tan, urbar machen [GKRAFF II, 489]; vgl. noch SCHM. II 2 , 
180 ; FULDA 395 ; SCHMID 431 ; ADELUNG Wb. m, 141 4 ; 



WEIG. II, 1, 490. Wz. ist ru-, lat. ruere, e-ruere FICK 
847; 170; HW. 210* ; KZ. XX, 63 u. A. 

äft, äfter, nachher. SCHOE. 5; STALD. I, 90; LEX. KWb. 4 
HOEF. I, 8. Zu ab, af vgl. BM. I, 11*; LEX. MWb. 1, 24 
SCHM. I 3 , 46 ; GRIMM Wb. I, 185 ; Gr. H, 43 ; III, 201 ; 259 
628; IV, 787; GKAFF I, 185; DIEF. Wb. I, 84; FICK 694 
BEZZENBERGER Untersuchungen über die gotischen Ad- 
verbien und Partikeln, Halle 1873, S. 29 u. A. 

Öfatzig, langweilig, fade. Ich möchte das Wort mit faxen 
verbinden, also eig. ab-faxig, weil man es gewöhnlich von 
Leuten gebraucht, die einen Witz machen wollen. Anderer- 
seits wird auch in fast gleicher Bedeutung ofadnig gesagt, 
welches sich doch am besten an fäde anschliessen wird 
vgl. indess SCHOE. 113; LEX. KWb. 90; SCHMID 171 u. A 

Öge, 6{jen, Abfalle von Flachs, mhd. agene, agen, Spreu 
[BM.1, 13* ; LEX. MWb. I, 27], ahd.aganafGRAFF 1, 105 
132], gt. ahana, Spreu [DIEF. Wb. I, 7; MG-Spr. 43; 219 
348; 356; 363]. Es gehört mit lat. acus, -eris [-us], gr 
a^vo, ax v P oy > Spreu, zu Wz. ak- acuere GRIMM Gr. III, 413 
Wb.I, 18a ; 278 ; WEIG. I 9 , 24; FICK 1 ; 336 ; KZ. VII, 179 
HW. s. v. acer u. A. Ueberall noch lebendig, vgl. SCHOE 
6; SCHM. I«, 47; LEX. KWb. 3: CAST. 39; HOEF. I, 8 
STALD. I, 92; DANNEIL 1; FULDA 16; SCHMID 9 
VILM. 2; 10; ADELUNG Wb. I, 159. 

auan-äpern, plur., Augenwimpern. SCHOE. 17; LEX. KWb. 39, 
SCHM. I 2 , 13; 335. Dieses äpern mochte ich nicht mit 
SCHM. als Contraction von aug-brä auffassen [vgl. auch 
LEX a. a. 0.], sondern ich halte äpern entweder als Com- 
positum von oparabrä oder blos als opara, die „ oberen", 
vgl. die bei SCHM. angeführten uberbrauun, opara 
prauua, oparun prä palpebrae. Denn neben augn- 
äpern wird auch prampern gesagt und nur letzteres 
führe ich zurück auf mhd. brä, bräwe, plur. auch brän 
[BM. I, 230*; LEX. MWb. I, 337], ahd. p r a w a , p r a [GRÄFE 
III, 315], alts. bräva, bräha, altn. brä. Daneben altn. 
brün, plur. brynn, daher das nhd. „Augen-braune" Be- 
rechtigung zu haben scheint. Das gt. brahva, Blinken, 
Zwicken, gehört nicht hieher, sondern zu Wz. bhrak-, 
glänzen, mhd. b r e he n , vgl. FICK 820 ; 142 [anders MGSspr. 
63 ; 262 u. A.]. Zum Ganzen vgl. man noch GRIMM Gr. I 3 , 
470; 472; III, 402; Wb. I, 788; 804; II, 321; DIEF. Wb. I, 
316. Das Wort ist stammverwandt mit skr. bhrü, Braue, 
gr. o-opw, lit. bruvis, altsl. o-bruvi, russisch bro^, 
kelt. abhra. Wz. ist bhur-, zucken [FICK 143; 140; 
HW. 66, vgl. auch WEIG. I 2 , 231; GRIMM Myth. 751 f.; 
Gesch. 399; CÜRT.450; POTTI 1 , 104; 111; H, 561; BOPP 
Gl. 281*; BENF. Wzl. I, 100; KB. I, 357 ; KZ. XII, 296 u. A. 



öogl = ekeln. 

ängnst = eigens , z.B. er ischt a«gnst hergäng, er ist 
eigens Hergegangen. Etymologie z. B. bei FICK 687. 

öigarste, f., Brachland; SCHOE. 100; LEX. KWb. 109; SCHM. 
I 2 , 941 f. u. A. Ueber die Etymologie des Wortes weiss ich 
nichts Besseres zu sagen, als was LEX. MWb. I, 512 vor- 
gebracht hat; vgl. noch BM. I, 41 l b ; GRIMM Wb. HC, 34; 
BIRL. 135 a . 

äflerste, f., Elster, bei SCHOE. 6: agUster; vgl. SCHM. I 2 , 
48; LEX. KWb. 84; STALD. I, 92; FULDA 16; SCHMID 
12 (dessen Etymologie aber nicht haltbar) ; Idiot. Austr. 6 ; 
TOBL. 18*; DIEF. gl. 432 c ; nov. gl. 290*; FZ. IV, 2; 469; 
WACKERNAGEL, Ursprung und Entwicklung der Sprache 
1872, S. 43; ADELUNG Wb. I, 205. mhd. ag eist er (BM. 
1, 12; LEX. MWb. I, 27]; ahd. ägalasträ [GRAFF I, 131; 
WACKERN. Wb. 6*]. Etymologie zweifelhaft. Kaum aus 
ahd. ä- = aus, ohne, un-, und ahd. kalan [?], ags. galan, 
singen, also ursprünglich „rauhschreiender, krächzender 
Vogel" [GRIMM Gr. II, 367; in, 362; GRIMM Wb. I, 189; 
596 ; m, 417 ; WEIG. I 8 , 384 f. ; BIRL. in KZ. XVI, 48 f., — 
noch anders, aber unglaublich WOESTE in KZ. XIX, 75]. 
Da im ags. agu = pica, so ist das Wort ägalasträ wol 
mit agu und elster, alster zusammengesetzt, vgl. LEX. 
MWb. I, 27. 

öigite = Egge. SCHOE. 101 u. A. mhd. egede [BM. I, 410 b ; 
LEX. MWb. 1,5111, ahd. egida. Z u mh d. egen, eggen, 
lat. occare. GRIMM Wb. HI, 32; HW. s. v. acer und 
oculus; WEIG. I 2 , 361 u. A. 

älspern, als subst. betrachtet, z. B. V Älspern kemm = von 
der Fremde nach Hause kommen, z' dlspern sein = in der 
Fremde sein, af älspern gion (oder: af'sLänd gien), 
in die. Fremde , nämlich auf die Handelschaffc gehen. Ich 
dachte anfangs, das Wort sei aus Altbaiern entstellt, weil 
die Deferegger Teppichhändler gewöhnlich dort ihre Waare 
absetzten. Allein da das Wort auch sonst vorkommt, hat 
SCHM. I 3 , 58; 69 gewiss richtig gesehen. Es ist aus alles 
uuar (engl, eise where) entstanden, mhd. alswä, an- 
derswo, aus alles, d. i. gen. von al, ander [vgl. alius] 
und w ä , wo. Vgl. SCHM. a. a. 0. ; BM. HI, 51 7* ; LEX. MWb. 
1,43; HZ. II, 61; 550; bei DIEF. gl. 22 b : eis war; bei 
SCHILL. LUEBB. I, 62 b : alswor, alswär, alswo, wo 
auch immer, überall. 

alts'n, plur., heissen mehrere Grundstücke im Thale, welche 
einst nur Wiesen gewesen sein können. Daher wol zusammen- 
gezogen aus „Altwiesen", vgl. SCHM. P, 72: altwis, 61t- 
wis, Wiese, welche niemals gedüngt und deswegen auch 
nur einmal im Jahre gemäht wird. 



10 

elz'n, f., Kirschen vom Traubenkirschenbaum, prunus padus, L. 
SOHOE. 104 ; 12 ; LEX. KWb. 84 ; SCHM. P, 69 ; 60 ; GRIMM 
Wb. HI, 417. 

ftme, n., Spreu von Stroh; SCHOE.410; SCHM.P, 72; CAST. 
212 u. A. mhd. am, om, ome, Spreu [BM. I, 27; LEX. 
MWb. II, 156]. Scheint eines Stammes mit 6 g ' n zu sein, 
w. s. vgl. noch GRIMM Wb. I, 278 ; Gr. III, 733 ff. ; DIEP. 
Wb. I, 8. 

Onusse, f. = Ameise. SCHOE. 781 ; LEX. KWb. 5 ; SCHM. I*, 
73 ; SCHMID 19 ; STALD. II, 523 ; cimbr. Wb, 106» ; FZ. IV, 
55 ; V, 454 ff. ; VI, 226 ; GRIMM Wb. I, 277 ; Gr. H, 221 ; in, 
305; DIEF. gl. 243 b ; nov. gl. 179 u. A. mhd. ämeize [BM. 
I,29 a ; LEX MWb. 1, 49], ahd. ameizza, ameza [GRAFF 
I, 254], ags. ämette, engl, emmet. Die Etymologie des 
Wortes ist noch nicht annäherungsweise evident erschlossen ; 
vgl. die richtigen B emer kungen von LEX. im KWb* 5. Nicht 
die Emsigkeit [wie WEIG. I 3 , 40 glaubt] der Ameise ist es, 
die besonders vom Volke beachtet wird, sondern vielmehr 
die Eigenschaft derse lben, einen ätzenden Saft auszuspritzen. 
WACKERN. [Wb. XVIII; jetzt, wie es scheint, auch LEX. 
MWb. I, 49] Erklärung aus ä und meizen, hauen, schnei- 
den, befriedigt mich nicht. Wir erwarten allerdings einen 
Begriff, der sich an den ätzenden Saft anschliesst, vgl. 
BUGGE in KZ. XX, 24. Wenn zu den übrigen Vermuthun- 
gen eine neue zu fügen gestattet ist, möchte ich auf die 
skr. Wz. am- weisen, die im Causativum die Bedeutung 
„befallen , schädigen" hat [WESTERGAARD , rad. 223* ; 
BOEHTLINGK und ROTH, Sanskritwörterbuch I, 367]. Zu 
Wz. am* ist zu stellen skr. amla, ambla, sauer, amla, 
subst. Säure, Sauerklee, äma, ungekocht, roh = gr. «jio$, 
lat. amärus, nhd. ampfer; altn. ama, schädigen, plagen, 
ami, Last, Qual, ama st, lästig werden, vgl. FICK 
11; 694. 

amme, durchgehends = Mutter, mhd. amme [BM. I, 30 b ; LEX. 
MWb. 1,52], ahd. ammä [GRAFF I, 251], altn. amma, 
Grossmutter, vgl. skr. mä, Mutter, gr. pa, jxci-T«, Mütterchen. 
Steht gewiss mit mat er [vgl. BW. s. v.l im Zusammenhang, 
vgl. FICK 694; 386. 

änMitze, f., doppelsträngiger Riemstrick zur Verbindung des Joches 
mit der Deichsel, SCHOE. 13. Aus mlat. amblacium [Du- 
fresne: amblacium, instrumentum rusticum], welches wie- 
der zusammengesetzt aus amb, gr. %w/l [HW. 10 b ;CURT. 
400; FICK 11; 703 u. A.] und mhd. laz, Band, Fessel 
[BM. I, 942 b ; LEX. MWb. I, 1842] von it. laccio, span., 
port. lazo, prov. latz, fe. lacs, Schnur [DEEZ I, 240], 
vgl. FZ. m, 307 ; IV, 62 ; DIEF. gl. 369b ; nov. gl. 258» s. v. 
Mucia; SCHOE. 372; SCHM.P, 1545; LEX. KWb. 6 ; KZ. 



11 

Vin, 389 f. u. A. Grundwort ist lat. laqueus, vgl. HW. 
s. v. 110 a . 

unbigämik, unbeholfen, angeschickt. Zu den Wörtern gehörend, 
die bei SCHOE. 183 ; LEX. KWb. 107 f. • 110 ; SCHM. I», 911 
erörtert werden; unbigämig ist also eig. u nbe gaumig, 
mhd. goume, goum [BM. I, 559»; LEX. MWb. I, 1061], 
prüfendes Aufmerken, goumen, auf etwas Acht geben, 
trachten, ahd. goumjan, gouman [GRAFF IV, 205], gt. 
gaumjan [DDEF. Wb. II, 387 f.; MGSpr. 28], sehen, wahr- 
nehmen, alts. goma, Besorgung, Bewirthung, Mahl, Grast- 
mahl, altn. gaumr, Aufmerksamkeit, Sorge, Fürsorge. Wol 
nicht mit WACKERN. zu mhd. giwen, gähnen, vgl. HZ. 
VI, 542. Allein auch Wz. ghu-, skr. hu, rufen [FICK 739] 
liegt zu ferne. BOPP Gl. 383 b zieht unser Wort zu skr. 

. Wz. 9 am-, videre, conspicere, was recht wol möglich. In- 
dess kann man JMGSpr. 28] auch an Zusammenhang mit 
lat. cavere [Hw. s. v.], gr. xoFlco, denken, Wz. urspr. 
skav-, nhd. schauen. 

Qnfanggern einen, einen verleiten zu etwas; davon ünfang- 
gerer, der einen verleitet; SCHOE. 119; SCHM. l a , 732. 
Ich halte das Wort Mos für ein Causativum zu anfangen. 

One WÖBrn oder sein = los, ledig werden oder sein, wie bei 
SCHOE. 14. Daneben auch änik wö^rn = los werden, und 
änigen, los werden, mhd. aenec [BM. I, 41 a ; LEX. MWb. 
I, 66], aenigen [LEX, MWb. I, 73]; vgl. gt. un-, ahd. ä-, 
un-, gr. «v-, lat. in-, skr. a- vorCons., an- vor Voc. 
Zum Pronominalstamm ana jener HW. s. v. in und ille; 
vgl. noch MGSpr. 424; FICK 7; 702; CURT. 420; BEZ- 
ZENBERGER, Partikeln 111; GRIMM Wb. I, 519; FZ. 
VI, 329; 362; SCfHM. I», 84 f.; SCHMU) 415 u. A. 

Qndik'n, dick werden: s* muoss dikt ün, SCHOE. 83 U.A.; 
von dick. Die transitive Bedeutung : dick machen, wird 
seltener gebraucht. 

inkom, wiederkäuen; SCHOE. 289; SCHM. I a , 176. Dieses in 
ist nach SCHM. a. a. 0. nicht die Präp. in oder ein, son- 
dern der Rest eines alten Präfixes id-, ida-, mhd. ite-, it- 
[BM. I, 758*; LEX. MWb. I, 1460], ahd. ita- [GRAFF I, 
148], z. B. ita-ruchjan =,.mhd. it- rücken, wiederkäuen, 
ags. ed- in ed-cerr, Wiederkehr, ed-jong, wieder jung, 
alts. id-ug in id-ug-16nön, vergelten, gt. id- in id-veit, 
Schimpf, Schmach, altn. idh- in idh-gjöld, Ersatz, Ent- 
gelt. Es gehört das Wörtchen zum Demonstrativstamme i-, 
vgl. HW. s. v. is und GRIMM Gr. II, 758; Myth. 476; 
MGSpr. 392; GRAFF H, 435; DIEF. Wb. I, 93; FZ. VI, 
158; HZ. XII, 396; FICK 699. 

QplÖQa, m., heisst ein arbeitsunfähiger Mensch, der in seiner 



auf]! ml 
ahd.. an 



12 

Gemeinde von Haus zu Haus in die Kost geht ; LEX. KWb. 
175. Von ün = an und legen. 

antern, v., nachspotten, nachäffen, wie bei SCHOE. 16 ; LEX. 
KWb. 7; SCHM. I a , 114 u.A. Daraus ein Compositum ge- 
bildet: anta-kölle = der nachspottet, Nachäffer. Dem 
anterer ruft man zu: antakölle, för in die hölle, 
sto-en und ö-ern [Erde] drau, ni«mar au' [nicht mehr 
" mhd. antern, entern [BM.I, 47*>; LEX. MWb. I, 80], 
tarön [GrBAFF I, 378 f.], nachahmen, in derselben 
Weise nachthun. GRIMM Wb. I, 311 will das Wort zurück- 
führen auf ahmen, also statt amatarön, amtarön. Ich 
glaube nicht daran, vgl. auch WEIG-. I 2 , 57. Nach meiner 
Meinung ist antern trotz des t- Lautes von ander ge- 
bildet [was GBAFF I, 378 nicht zugeben will; SCHM. I 2 , 
99 zweifelt auch]. Was das kölle in anta-kölle betrifft, 
leuchtet ein , dass es mit kölle = Kelle , ahd. c h e 1 1 a , 
nichts zu thun hat. Ich sehe darin das schon bei GrBAFF I, 
379 verzeichnete gehelle: gehelle anterunga gesticu- 
lationes consonas. Ueber gehelle, üebereinstimm ung, von 
hellen, tönen, hallen, vgl. BM. I, 685 a ; LEX. MWb. I, 
788; 1235; KZ. V, 399; XI, 165; Xu, 417; FICK. 33 [HW. 
s. v. clamo und glorial. 

tendlife, eilf. mhd. einlif, einlef [BM. I, 985*; LEX. MWb. 
1,526], ahd. einlif [GRAFF I, 317], gt. ainlif [DIEF. 
Wb. I, 19; MGSpr. 277], alts. Slef, altn. ellifu. Ich sehe 
in dem lif [trotz GRIMM Gr. II, 946 f.; Germania 1, 19 und 
.SCHER. 450 f.; vgl. auch POTT, Zählmethode S. 172 ff.] 
mit BOPP, Vgl. Gramm. H, 79 ff.; MGSpr. 277 [vgl. auch 
GRIMM Gesch. 246; Wb. HI, 109; SCHLEICH. Comp. 501 
u. A.] nur die Zahl zehn, stelle also lif mit lit. lika zu 
skr. da 9a, gr. Slxa, lat. decem. 

ßndöre, dreist, kühn, unverschämt, vgl. SCHM. I 2 , 532. 

Üninge = Ahnung. Ueber die Etymologie vgl. FICK 690. 

öngehattle, gespenstiges Wesen, vgl. SCHOE. 336. 

englboug'n = Ellebogen. 

eng'l föh'n, ein Spiel der Kinder. Es wird ein kleines Stück 
Holz halb gespalten, in die Spalte ein Stein gesteckt und 
dieser engel in einen söchter voll Wasser gegeben. Die 
Kinder tauchen mit dem Kopfe in's Wasser, suchen das Holz 
[den engel] und ziehen es mit den Zähnen heraus. Das ist : 
engl föh'n. 

engelesbluendl, der Frühlingssafran, crocus veraus, SCHOE 105; 
SCHM. I«, 107. 

inglös'n (von Kühen), dem Kälbern nahe sein; glöskuo, eine 
hochträchtige Kuh ; inglös'n fuottern, einer solchen Kuh 
besseres Futter geben; SCHOE. 196; 370; LEX. KWb. 115; 
175; SCHM. P, 1510; TOBL. 189; FZ. H, 347; VI, 441; 



13 

GBTMM Wb. in, 566, 7. Von ent und lassen, Milch in 
das Euter lassen. 

Qnkölch'n, z. B. der schlit'n köleht si* ün heisst es, wenn 
an den Schlittensohlen Schnee sich anpicht, so dass der 
Schlitten gleichsam doppelte Sohlen bekommt. Es heisst 
auch: der schlit'n soult si\ Das Wort wird zu stellen 
sein zu mhd. kelch [BM. I, 795 a ; LEX. MWb. I, 1539], 
Unterkinn, vgl. DIEF. gl. s. v. struma, p. 557 b ; 560 c ; nov. 
gl. 353 a ; ahd. ehelich, cheluch, chelch JGKRAFF IV, 
3851. In der Wetterau heisst kelch: Doppelkinn, vgl. auch 
VILM. 198; SCHM. P, 1240; bes. GRIMM Wb. V, 504. Zu 
skr. Wz. gar-, verschlingen, gurges, Kehle, gula [skr. 
gala] Kehle, vorare f. gvorare, HW. s. v. gurges, 
gula, vorare; FICK 59; ZZ. I, 149. 

inläBtern, z. B. Ziegen, d. i. Ziegen an der Krippe (auch 
lauter genannt) dadurch befestigen, dass man sie mit dem 
Kopfe in die li-eter steckt, vgl. z. B. SCHM. P, 1527 f. 

ente, n., von Tüchern, SCHM. P, 100. 

untehin = unten hin, d. i. hin unter; wieder ä-ene un- 
tehin heisst es, wenn eine geheiratet hat; man versteht: 
unter das Joch, unter das Kreuz des Ehestandes. 

enttöhnen = entdehnen, die Sichel oder Sense zu sehr dengeln. 

ilttälm, unterdessen, in der Zeit; SCHOE. 288, wo aber die 
Etymologie nicht richtig angegeben ist. Das Wort ist ver- 
derbt aus innerthalben, wie PETTERS in KZ. XVI, 79 
richtig gesehen hat. 

ünverwisst sein = delirare ; SCHOE. 782. 

finweig'n, z. B. das weigt mi nit ün, das zieht mich nicht 
an, das lockt, reizt mich nicht. Auch wird gebraucht das 
einfache wägnen = weisen, hinweisen $ den Weg zeigen; 
SCHOE. 806 ; LEX. KWb. 253; SCHM. IV 1 , 47. mhd. wegen 
[BM. in, 626 b ] , sich bewegen, Richtung nehmen, wiegen, 
wert sein ; bewegen, richten, führen ; wägen, schätzen u. s. w. 
Vgl. HW. s. v. veho; FICK. 873; CURT. 169 u. A. 

änxe, plur. änx'n, f., Gabeldeichsel für ein einzelnes Stück Zug- 
vieh; auch änxgätt er genannt; SCHOE. 131. Dialektisch 
noch überall, vgl. SCHM. P, 117: änzen; HOEF. I, 3S f.: 
anizen, anzen; SCHMTD 25 : änz; LEX. KWb. 7: änaze; 
FULDA 20; CAST. 52 u. 56; FZ. II, 242; HI, 336; IV, 63. 
LEX. KWb. 8 bringt das Wort mit gt. ans, der Balken, 
in Verbindung [über ans vgl. DIEF. Wb. I, 50], welches Wort 
allerdings anza- oder anzi- zum Stamme hat, MG-Spr. 367. 
Allein auch eine Entlehnung aus dem slav. wäre möglich, 
vgl. wend. oje, plur. ojnize, Deichsel [GUTSM. 66 b ; 529 b ], 
vgl. auch CAST. 52: von einniz, mitten. 

ÄBnzäBCh'n, eigensinnig, starrköpfig ; SCHOE. 9 ; SCHM. I 3 , 90 
u.A. Wol von mhd. einzec, einzic, einzeln, einzeht, 



14 

einzeln [BM. I, 425* ; GRIMM Wb. m, 348 f. ; LEX. MWb. 
I, 531 f.], also eig. „der sich vereinzeint". 

äenzeggerisch , einzeln; ä. gion = einer nach dem andern 
gehen, im Gänsemarsch marschieren; vgl. d. vorh. W. Ebenso 
kommt in gleicher Bedeutung vor aranschichtig. 

Öpper a mal, d. i. öfter ein mal, zuweilen; SCHOE. 416. 
Sonst aber ist öpper aus etwer, etwa entstanden. 

uräsig, überdrüssig, besonders einer Speise, SCHOE. 784 ; SCHM. 
P, 180; 134 ; LEX. KWb. 10; SCHMID 527 ; HOEF.m, 262 
FRISCH H, 410% CAST. 259; STALD. H, 425; FZ. H 
235; 111,338 f.; IV, 195; V, 39; 34; 478; VI, 20; 38, 9 
346 u. A. Das Wort geht zurück, wie schon WEINH. Dial 
117 erklärt, auf gt. uzStan-, Krippe [DIEF. Wb. I, 102 
MGSpr. 197], ahd. urezzan. Es bedeutet also uräsig 
„herausessig, wählerisch essend". 

erberle, empfindlich, delicat; einer, der keine harten und nie- 
deren Arbeiten verrichten will, wird an erberler dröick 
gescholten; SCHOE. 108; LEX. KWb. 86; SCHM. I 2 , i25. 
Eigentlich ist es blos ehrbar, ehrbarlich. 

ären, die Zände ären wird gesagt, wenn durch Kauen von 
herben Früchten die Zähne schwierig werden und, wenn man 
Brod oder etwas anderes hartes isst, das Gefühl erzeugen, 
als ob die Zähne stechen. SCHOE. 18 hat argken, argen, 
arglen im Zahnfleische jucken, wenn kaltes auf warmes 
genossen wird. SCHM. I 3 , 141: arg, die Zähne werden 
arg stumpf. Mir ist es zweifelhaft, ob ären zu arg ge- 
hört. Zu beachten scheint a r n bei SCHILL. LUEBB. 1, 128* : 
arn, Ecke, Spitze, äusserster Punct, holl. erne,z. B. offfc 
de arne (eines Zahnes) dath is, offfc de wortel steidt, vnd de 
stapell aue syndt (wenn die Zahnwurzel stehen geblieben 
und die Krone abgebrochen). 

ftrich, m., 1) der Hautausschlag auf dem Kopfe bei Kindern, 
2) die feine Beinhaut, z. B. den ärich okefn, osträf n, LEX. 
KWb. 8; 150; SCHM. I 9 , 138. Etymologie? Dänisch ar, 
Narbe, FULDA 20 ; SCHILL. LUEBB. 1, 124* : a r e = Narbe ; 
DDEF. gl. 117 a s. v. cicatrix? Oder (mir wahrscheinlicher) 
kommt das wend. harja, Krätze, in Betracht [GUTSM. 
162*; 504*]? 

Örbel = Aermel ; ein Kleidungsstück der Frauenzimmer. 

ärbit, Arbeit, ärbitmensch, ärbitleut, ärbitvihe be- 
sonders von Menschen gebraucht = tüchtiger Arbeiter. 
Ueber die Etymologie von arbeit vgl. HW. 108 a ; FICK 
695; GRIMM Wb. I, 539; MGSpr. 54; WEIG. I 3 , 65; 
SCHM. I 2 , 136 u> A. 

ärlink, m., nicht [wie im DrauthaJe, LEX. KWb. 9] der ganze 
Pflug, orl, sondern beim Pfluge die breite Schaufel, die 
beim Pflügen die Furche unterwühlt und die Rasenbank von 



15 

unten erfasst und umstürzt. Das Wort orl = Pflug ist wol 
aus dem slav. entlehnt: oralo, ralo, der kleine Pflug, 
aber natürlich mit lat. arare, arätrum, gr. dpovv zur 
gleichen Wz. gehörend, vgl. SCHM. I a , 145; FZ. IV, 63; 
HW. 14*; GRIMM Wb. I, 551; FICK 341; CURT. 490; 
POTT Wzw. I, 293; MEKLOS. 513; LEX. MWb. I, 91; 
BM. I, 50» u. A. — orl fohr'n = Pflug führen. 

Ärlitfn od. dßrlitt'n, Blattern SCHOE. 785; LEX. KWb. 248; 
cimbr.Wb. 170: durslehten;SCHMID 149: durschlech- 
ten, Kinderpocken; SCHM. P, 536; IIP, 428; FZ. IV, 2; 
GRIMM Wb. H, 1667. Eine ähnliche Bildung wie unser 
Ausschlag, also eig. Durchschlag. 

Olirnle, schnell, hurtig, geschwind; SCHOE. 482; FZ. VI, 528, 7. 
Es ist nichts Anderes, als ein verkürztes ordentle, ordent- 
lich und weder an altn. erla continuo laborare, noch an 
schwed. orolig rastlos, zu denken. 

ärscht = Art, Geschlecht , Benehmen , Art und Weise ; noch 
häufig gebraucht. Davon ünarscht = Unartigkeit , ü n- 
ar sc htig = unartig. Ueber die Etymologie von art vgl. 
GRIMM Gr. I», 319; 1070; Wb. I, 568 f.; WEIG. I 3 , 71; 
HW. 14*> u. A. 

äse, sing., zwei Balken in der Küche hart unter der Ober- 
decke, bes. um Scheite zu dörren; SCHOE. 20; LEX. KWb. 
10; SCHM. I a , 155; FZ. VI, 360. Zu gt. anza- Balken 
vgl. änx'n. DIEF. Wb. I, 50; GRIMM Wb. I, 587 (assel); 
Myth. 22 u. span., port. asna, Dachsparren. 

U98Ch, m., die Rinne, in welche bei der Verbindung zweier 
Bretter das andere Brett gefügt wird; SCHOE. 475; 483; 
781; LEX. KWb. 200; SCHM. I», 1766; HOEF. m, 263 
u. A. Das Wort lautet in den anderen Dialekten mit n 
an. Dem entspricht mhd. nuosch, nuosche [BM. II, 423 b ; 
LEX. MWb. II, 121 f.] Rinne, Röhre, Trog, ahd. nuosk 
[GRAFF H, 1107], vgl. noch BIRL. 356; FZ HI, 332; IV, 
39; V, 452; 489; VI, 339; DIEF. Wb.H, 115. Ist nuesch 
etwas Anderes als nische? Es scheint so, wenn das nhd. 
nische aus fr. niche, it. nicchia von mytilus, mi- 
tulus, essbare Muschel, stammt, wie WEIG. II 1 , 272 und 
DIEZ I 8 , 288 wollen. Doch letzteres scheint mir durchaus 
keine ausgemachte Sache zu sein. 

eisgälie, f., eine durch hervorsickerndes und dann gefrierendes 
Wasser erhöhte Stelle am Boden; SCHOE. 171; SCHM. P, 
890. Von eis und galle. mhd. galle [BM. 1, 459 a ; 45 ; LEX. 
MWb. I, 729] Geschwulst über dem Knie am Hinterbeine 
des Pferdes [?]. Oder gehört es zu altn. galli, Fehl, Mangel, 
Gebrechen? vgl. WEIG. I 1 , 386. Man könnte auch an alt- 
slav. golotu, goloti, Eis, denken [MTKLOS. 135]. 

Öschlög'n, was sonst (im Deferegger Dialekte jedoch selten) 



p'seich'n SCHOE. 667: Versiegen der Milch, z. B. die 
kuo h&t ög'schlögn, hat an Milch abgenommen, eig. 
abgeschlagen. 

Öss'n = essen. Man unterscheidet : formiss = Frühstück. Ich 
theile das Wort in form und ess'n. Dieses form schliesst 
sich gewiss an alts. formo, ags. forma, engl, form er 
prim us an. Dies forma ist ein Superlativ zu pra, vgl. 
HW. s. v. pro und prae; FICK 803 u. A. formiss ist 
also das „erste, früheste Essen". Dann kommt um 9 — 10 
die voarjause, d. i. vorjause. Ueber das aus dem slav. 
entlehnte jause vgl. LEX. KWb. 151; SCHM. I 2 , 1210; 
HOEF. H, 87 ; IARN. 35* ; GUTSM. 507. — Dann folgt 
um 12 Uhr die eigentliche jause = Mittagmahl. Um 4 — 5 
die merende, vgl. darüber HW. 128 f. und noch LEX. 
MWb. I, 2115; SCHM. I», 1640; BM. H, 138; WEIG. II 1 , 
88. Endlich das nächple, d. i. nachtmal, SCHOE. 456. 

Östropfiz'n bei Kühen , die letzten Tropfen Milch ausmelken ; 
aber auch eine Kuh nur ein wenig melken. Von ab und 
tropfen? Oder ist stropfiz'n ein Intensivum von strei- 
fen? Mir nicht unwahrscheinlich. 

äBter, n., Eiter, Geschwür. SCHOE. 9; SCHM. I 2 , 172. mhd. 
e i t e r [BM. I, 428 a ; LEX. MWb. I, 535], ahd. e i t a r [GRAFF . 
I, 158], vgl. GRIMM Gesch. 857; Wb.IH, 391; FZ. VI, 60; 
WEIG. IV 379. Als Wz. würde sich id.- schwellen, er- 
geben; dazu skr. in du [nach dem Petersburger Wörtb. s. v.] 
Tropfen, Funken, Mond, indra, der „schwellende", gewaltige 
Himmelsgott; gr. ot&x'oo, schwelle, altslav. ödro, jadro 
Bausch, Schwellung, 6 du, jadu, Gift, natürlich auch ahd. 
eiz, mhd. eiz Eiter, Geschwür, dialektisch aiss, ä'ess, 
vgl. FICK 687; FICK in KZ. XXI, 5 f. 

Öthuon, d. i. abthun = abschlachten; ebenso wöckthuon. 

Ötrenig, fade, abgeschmackt ; SCHOE. 754. Zu thräne? oder 
= abtrünnig machend? 

Ötzit, das Gras, welches nach dem Grummetmähen noch wächst 
und vom Vieh abgeweidet wird; ötzit hüot'n = die Auf- 
sicht führen über das Vieh, welches auf der ötzit sich be- 
findet; SCHOE. 112; 21; SCHM. I» f 180 f. mhd. atzan, 
etzen, aezen [BM. I, 760; LEX. MWb. I, 104] speisen, 
abweiden, ahd. azjan, ezjan [GRAFF I, 527], gt. atjan 
PDIEF. Wb. I, 102 ; MGSpr. 343] essen lassen, vgl. GRIMM 
Wb. I, 596; HI, 1188: WEIG. P, 79. Zu essen, lat. 
edere, gr. &-, skr. Wz. ad- vgl. HW. s. v. edo u. A. 

Över, aber, also dem mhd. aver [BM.I, 72 b ; LEX. MWb. 11] 
näherstehend. Etymologie bekannt, z. B. FICK 694; WEIG. 
I a , 4; LEX. a. a. 0. 



17 



I. P. 



bächitle, n., was auf einmal gebacken wird ; scherzhaft gesagt : 
er hat a b. in da hous'n, wenn ein Knabe in die Hose 
gemacht; SCHOE. 24. 

buchse, f., Büchse, Dose; aber büchse, wenn es ein Gewehr 
bedeuten soll; SCHOE. 64; SCHM. P, 198. mhd. bühse 
fBM. I, 277»; LEX. MWb. I, 379], ahd. puhsa [GRAFF 
in, 46]. Aus gr. lat. pyxis, *v%t$, frahmlat. auch buxis, 
Büchse aus Buch sbaum holz, von irJgo? Buchsbaum und Buchs- 
baumholz, vgl. WEIG. I a , 247 f.; GRIMM Wb. H, 476; 
BENF. Wzl. H, 21. 

beckig sein oder woern sagt man, wenn man zu viel Fettes, 
besonders Schmalz isst. Entweder, weil man i n Fo lge dessen 
in eifern fort becken [SCHOE. 35; 34; SCHM. I 2 , 203: 
FZ. m, 340; 557, 93; IV, 70; SCHMID 38; FULDA 32] 
hüsteln muss, oder man kann an it. pecca, prov. peca, 
pec, Fehl, Mangel [DIEZ I», 310] denken, SCHM. P, 381. 

bock stöch'n, mit dem Finger Jem. hinter den Ohren stechen, 
wie man Ziegen beim Schlachten gewöhnlich hinter den 
Ohren sticht. Das Uebrige über bock bei SCHOE. 49; 
LEX. KWb. 34: SCHM. P, 203; GRIMM Wb. H, 201; 
Gesch. 42. Zu erwähnen wäre etwa das Compositum bock- 
frisch,= wie man sagt b&'Bnfrisch, lab- oder lötb- 
frisch, vgl. über diese Zusammensetzungen TOBL. Wzs. 
117 ff. 

bld'n, dumpf dröhnen, schütteln, SCHOE- 39; SCHM. I», 210; 
LEX. KWb. 19 f.; FZ. IV, 71; SCHMID 65 f.; FULDA 
34; STALD. I, 170 u. A. mhd. bidemen [BM. I, 115 a ; 
LEX. MWb. I, 265] aus bibenen, biben, beben, vgl: 
GRIMM Wb. I, 1810; CURT. 409; POTT Wzw. I, 588; 
KZ. XTT, 121 u. A. Davon ein subst. gebildet bidner, 
eine einmalige Erschütterung. 

bidörbig, klein und schmächtig: bidörbigis kind, vich, 
kourn SCHOE. 39; SCHM.P, 534 f.; vgl. mhd. biderben, 
bederben [BM. I, 362»; LEX. MWb. 1,265] nützlich sein und 
auch brauchen, bedürfen; darben [BM.I,364 b ; LEX. MWb. 
1,411; GRIMM Wb. II, 767] darben, entbehren; derben 
[BM. 1, 361*; LEX. MWb.1, 420 ; GRIMM Wb.H, 1013 ; WEIG. 
I a , 307 u. s. w. ; DIEF. Wb. II, 620 ; 696 f .] ver - d e r b e n ; ahd. 
tharbSn, darben [GRAFF V, 214], gh. tharban [MGSpr. 
346, dessen Zusammenstellung mit erspseS-at ich nicht billi- 
gen kann]; alts. thurbhanj ags. theorfan, altn. tharf 
u. s. w. ; altslav. tröbu, nöthig, tröba, negotium, FICK 
762; 524; MIKLOS. 1010 f.; KZ. XIII, 409; XI, 192 u.A. 
Aber auch mhd. dürfen, dürfen, ahd. durfan dürfen, 
ist desselben Ursprunges, vgl. GRIMM in HZ. VII, 452 ff.; 



18 

Wb. H, 1721; Gesch. 328. DELBRUECK in ZZ. I, 138 
vergleicht nach dem Vorgange LOTTNER's [vgl. BOPP 
gl. 167 b ] russ. terpfet' leiden. BOPP a. a. O. führt das 
Wort zurück* auf skr. Wz. tarp- sättigen, genugthun, was 
ich nicht annehmbar finde. Eher möchte man skr. Wz. darp-, 
aöligere, vexare, herbeiziehen. Li Bezug auf den Bedeu- 
tungsübergang ist wichtig ags. thearf, da« Bedürfnis, 
Notk, als adi. bedürftig, armselig, aber to- theorfian, 
causativ. verderben, LEO I, 231 ; ZZ. V, 67 f. 

pöttthet'n, plur., gebratene Rüben, SCHOE. 515 ; LEX. KWb. 
23. Beide beziehen sich auf SCHM. P, 315: b ätz lein, 
die weisse Rübe, ahd. b i o z a , lat. b i o t a. Allein das Wort 
putschet' n ist gewiss slav. Ursprunges. Man vgl. wend. 
pezhka, gebratene Bube, von pezhem, -keu, -zhen, 
backen, braten [GrUTSM. 533 a ], altslav. peSti kochen, 
peku, Brand [Ml KLOS. 562]. Wz. ist pak-, skr. pac- , 
kochen, reifen, gr. icfaeco [f. frnyoo], lat. tsoquo, vgl. KW. 
s. v. coquo; FICK 113; KZ. m, 403: 409; IV, 357; 364; 
KB. I, 6; 111; L. MEYER, Vgl. Gramm. I, 357; 397; 
WEIGLP,615; CURT.630; GRIMM Wb. I, 1215; V, 1553. 

pöltsch, f., eine Höhle unter Felsen, SCHOE. 515 ; SCHM. P, 44. 
Auch ein Ort im Thale Defereggen heisst so. Das Wort ist slav. 
Bei G-UTSM. 533» findet sich p e z h , Ofen, Stein, Fels, vgl. 
auch IARN. 61; 181. MTKLOS. 562 führt an: peSti, 
Höhle, Ofen, peStera, Höhle, neuslav. peö, scopulus, 
fttrnus, peöina, petra, peäovje, petrae, bulg. peänik, 
fornus und p ^<5^ patfiti s§, inflari, p%3ina, itottos, eig. 
cavum, vgl. auch F ICK 585. Grundform ist spak-, vgl. 
lat. specus [HW. s. v.]. 

pit&ch'n, zwicken; kräpfen p., die Krapfen zusammenzwicken, 
zusammenkleben; SCHOE. 42; SCHROE. 36; LEX. KWb. 
28; FZ. m, 9: IV, 332; SCHM. I*, 446; STALD. I, 161; 
BIRL. 92 b u. A. Zunächst vom it. pizzicare, kneipen, 
pinzo, Stachel [DIEZP, 326]. mhd. pfetzen, phetzen 
[BM. II, 493 b ; LEX. MWb. II, 243] zupfen, zwicken, kitzeln. 
Ob dies aus mlat. petium, petia, Stück, Fetzen, ent- 
standen [BM. a. a. O.j LEX. a. a. 0.; SCHM. a. a. 0~], 
zweifle ich, vgl. WEIGk II, 362. Ich glaube, bitsch'n 
kann von b e i s s e n nicht getrennt werden, vgl. D ANNEID 
18 a : bitsch = bissig; ebenso kommt bitz ein in Betracht, 
GRIMM Wb. H, 592 u. A. 

batzl wie bei SCHOE. 32. Oft wird batzl als Liebkosungs- 
wort für Kinder gebraucht: du batzl du! Davon näcki- 
batzl von nackt und batzl. Zum (ranzen vgl. z. B. 
SCHM. P, 314; GRIMM Wb. I, 1160. 

bllffen, stossen, schlagen; kölder buffen, d. i. kohlen b. 
Man legt nämlich glühende Kohlen auf einen Stein, speit 



19 

darauf und schlägt dann mit einem Schlegel auf dieselben, 
wodurch ein Knall erzeugt wird wie durch eine Pistole; 
SGHOE. 65; LEX. KWb. 45; SCHM. P, 213; GRIMM 

m m. n, 490 ff. 

bigtefn, z. B. i mog mi nit bigäsf'n, ich mag mich nicht 
weiter abgeben, ich will nichts zu thun haben, es ist mir 
nicht der Mühe wert. Da k einem nhd. ei entspricht, so 
wird.es so viel sein, als sich be -«geifern, d.i. geifer auf 
sich laden, vgl. SCHM. I 8 , 874. Oder soll es zu gaffen 
gehören, also gleichsam: sich begaffen lassen? lieber 
gaff en, mhd. kapfen, kaphen wäre zu vergleichen LEX. 
MWb. 1, 1512; bes. KUHN in KZ. 1, 123 ff. Oder ist es nur = 
begaben, etwas zutheilen, z. B. Oswald v. Wolkenstein 
[Bed. W.] XXIV, 2, 9 ? 

pougritte (aber auch das etymologisch unrichtige poudritte 
hört man oft), f., eine aus Brettern errichtete schlechte 
Schlafstätte; SCHOB 48: bogritte; LEX. KWb. 123: 
pougrat; SCHM. I a , 986: bo-gräd, vgl. auch FZ. IV, 
494. Das Wort ist sicher slav., obwol es im mhd. schon 
vorkommt: pogrot [BM. II, 524»; LEX. MWb. Ü, 282] 
ceptale und die bei DIEF. gl. 37*; I13 b ; 426 b ; nov. gl. 
287* und in KZ. Vm, 389 angeführten Formen. SCHM. a. 
a. O. führt an pöln. pogrodka, Gehege, Gartenbeet, p o- 
grodki, plur. , Unterlage, vgl. auch IARN. 224 f. l)as 
Wort ist zusammengesetzt aus dem sla v. Pr äfix und Prä- 
position p a , p o , neben, unter, entlang [MIKLOS. 579] und 
altslav. gr§du, gr§da, Balken, Bohle (MIKLOS. 148], lit. 
g ran da, grindis, G-ebrücke, Bohlenbeleg im Stalle, alt?- 
preussisch grandico, Bohle, dickes Brett. Daran schliesst 
sich ags. grindel, ahd. grintil, crintil [GRAFF IV, 
332], Grindel, Grendel JVILM. 136], Stange, Riegel, 
mhd. grintel, crindel [BM. 1,576*; LEX. MWb. 1, 1086] 
Biegel , vgl. noch GRIMM Gr. HI, 431 ; bes. auch DIEF. 
Wb. H, 392; ders. in KZ. XI, 288 und XVI, 222; FICK 
521; 572; 749. 

päk, m., af'n p. gian sagt man, wenn sich zwei Verliebte 
irgendwo ein Stelldichein geben. Wol von pactum. 

beie = Biene, SCHOE. 34; LEX. MWb. I, 266; FICK 134; 
815 u. A. 

botlle, f., Kügelchen z. B. von der Flachskapsel, Hagel, auch 
von einer kugelförmigen Geschwulst SCHOE. 50 ; LEX. KWb. 
35; SCHM. P, 232; HOEF. I, 97; STALD. 1, 199; SCHMED 
84 u.A. mhd. bolle [BM. I, 119 a ; LEX. MWb. I, 324 
Knospe, kugelförmiges Gefäss, ahd. bolla [GRAFFUI, 96' 
Bolle, vgl. GRIMM Wb. H, 231 und FZ. HE, 41, 26; 279, 
26; IV, 335; 493. Desselben Stammes mit mhd. bal, Ball, 
Kugel zu lat. follis, vgl. GRIMM Wb. I, 1091; DIEZ 

2* 



20 

I«, 73 u. 183; TICK 817; 811. Andererseits WEIG. I«, 
121; HW. s. v. pello. 

baillöige, f., b. kochen sagt man im Frühjahre und Herbst, 
wenn der Anbau der Felder beendet ist und dann ein bes- 
seres Essen bereitet wird. Von bauen, anbauen und 
löige zu legen. 

bälfn, m. , kleiner Fels, Hügel oder Anhöhe. Nur in dieser 
Bedeutung; SCHOE. 27; LEX. KWb. 15; FZ. DI, 342; 
IV, 482. Wahrscheinlich auch Schweiz, balm, balme, f. 
STALD. I, 127; SCHM. I 3 , 236; GRIMM Wb. 1, 1093. Ein 
etymologisch merkwürdiges Wort. Vermuthlich hängt es 
mit balma zusammen, das nach der Vita S. Romani 
(28. Febr. bei De Belloguet p. 140) ein gallisches, mit lat. 
cingulum synonymes Wort ist und auch die Bedeutungen 
„Fels, Berg" erhalten haben soll. So afz. balme mit- 
unter auch für Anhöhe; vgl. DIEF. Celtica I, 192; Origg. 
Europ. 239, 44; STEUB, Rhät. Ethnol. 86; 198; DIEZ 
IP, 216. 

bill-äe, das Ei, welches man den Hennen im Nest lässt, damit 
sie nicht anderswohin ihre Eier legen, SCHOE. 40, der an 
pull [das. 519] pullus denkt. SCHM. P, 55; 236 scheint 
das Wort an Bild anzulehnen, was nicht ohne Bedenken; 
vgl. auch HOEF. I, 85 : bi, bei und lien, engl, ly liegen. 
Ich weiss nichts Bestimmtes beizubringen. Dieses bill-äo 
wird oft durch ein hölzernes ersetzt; vielleicht ist bill also 
blos pila Kugel [vgl. DIEF. gl. 434*]. Oder kommt das 
wend. bielak Eierklar in Betracht? Da helfe ein Anderer. 

bili'll, f., 1) die Haue, womit die Mühlsteine geschärft werden 
LEX. KWb. 26; SCHM. I a , 231. mhd. bil, billes [BM. 
I, 126*: LEX.MWb. I, 272] Steinhaue. Gleichen Ursprunges 
wie bildund beil; skr. Wz. bhil- spalten [neben bhid-, 
Andere, BOPP gl. 274»], vgl. GRIMM Wb. H, 26; FZ. IV, 
488; WEIG. P, 197. — 2) bill'n, plur., das Zahnfleisch, 
namentlich wenn Jemand zahnlos ist, also bei Kindern und 
alten Leuten, SCHM. I a , 230 : bilern; CAST. 100: büll'n; 
STALD. I, 171: bilder [auch bei uns manchmal], biler, 
biller, bildner, bilgern; FULDAöf.; SCHMTD105; 
DIEF. gl. 263* ; nov. gl. 193* ; cimb. Wb. 204; BIRL. 63» 
u.A. mhd. bilern, biler, gew. plur. bilern, bildern 
BM. I, 124*; LEX. MWb. I, 275], ahd. pilarn, piläre 
GRAFF m, 102] Zahnfleisch , vgl. GRIMM Gr. H , 336 ; 
\Vb. H, 24; 514. Wz. ist ebenfalls skr. bhil- spalten, 
billern bedeutete ursprünglich Zahn. 

buller, m. = penis, SCHM. P, 233; VILM. 37; 60; brem. 
Wb. I, 114; FZ. in, 495; VI, 82; GRIMM Wb. H, 512 f.; 
KUHN, Westf. Sagen H, 81; BERND 32; DANNEIL 27; 
FULDA 55; DAEHNERT 61; HOEF. I, 128; STALD. I, 



21 

• ___ __________ 

241 ; ADELUNG 1, 1129; GRIMM Gesch. 32; 759; WEIG. 

I«, 351 u. A. 
belucks'n, v., betrügen, übervortheilen, SCHM. I a , 1428 ; LEX. 

KWb. 181 ; SCHMTD 364 f. ; BERND 17 ; SCHOE. 400 u. A. 

Von luchs, nicht von lugen, oder luck Glück, vgl. 

WEIG. I«, 7: 166. 
bämbek = Specht, Baumhacker, SCHOE. 35. Von bam Baum 

und beken picken. 
pumperer, m., 1) ein dumpf dröhnender Schall, 2) eine kleine, 

dicke Person, SCHOE. 520; LEX. KWb. 46; SCHM. I», 

391 f.; GRIMM Wb. II, 236. Daneben auch pummer 

gew. im verächtlichen Sinne. 
pummelitzen, auch tummelitzen, schelten, schreien, heftig zanken, 

SCHOE. 520; 775; HOEF. II, 355; wol von tumultus, 

tumultuari. 
bfine, f., 1) eine aus Brettern errichtete Lagerstätte, 2) eine 

aus Brettern zusammengestellte fächerförmige Bude, worin 

die Milch zum Ramen aufgestellt wird. Dasselbe, was bei 

SCHOE. 50: bone, 66: bün'; SCHM. P, 246; FZ.m, 37; 

40, 4; 499 f.; IV, 498; VI, 26; 213; 286; 671; FRISCH 

I, 154*; SCHMED 106; WEINH. 13*; LEX. KWb. 46; 

STALD. I, 240; VILM. 61; FULDA 56. Ueberall tritt die 

Bedeutung „Bretterboden, Boden" hervor, mhd. b ü n , b ü n e 
IM. I, 277 b ; LEX MWb. I, 3821. Abstammung zweifel- 
/ [WEIG. P, 2511. GRIMM Wb. H, 508 stellt das Wort 

mit boden zu funaus, LEX. MWb. a. a. 0. fragend zu 

ban Bahn, freier Weg. Man könnte auch an mhd. büen, 

büwen denke n, gt . bau an bauen, wohnen. Wz. bhü-, gr. 

»Ja, lat. fio [HW. 68], wie schon ADELUNG gethan, 

:, ii28. 

bftner, m., der Zehner im Kartenspiel, SCHOE. 28. 

b&nhournte, m., der Teufel. Das bän vielleicht zu bannen. 

bänigen = drängen durch Bitten und Mahnen ; dasselbe , was 
benzen bei SCHOE. 36; SCHM. P, 252; 250; iGerma- 
nia V, 332; FZ. IV, 485; V, 124, 10; 464; VI/ 510, 101; 
GRIMM Wb. I, 1478. Zu bang, eig. einem bang machen. 

banne, benne, f., ein Wagenkorb, besonders um Dünger zu 
fuhren, auch mistbanne, mistbenne genannt, SCHOE. 
36; FZ. m, 524, 13; V, 488; CAST. 80; STALD. I, 131 f.; 
DAEHNERT 33*; SCHMED 41; FULDA 33; ADELUNG I, 
728 ; 762. ags. b i n, engl, b i nn, vgl. GRAFF HI, 126 ; GRIMM 
Wb. I, 1473; H, 36; WEIG. I 3 , 168. Das Wort ist weder, 
wie BIRL. in KZ. XX, 66 sagt, echt alemannisch, noch ist 
es überhaupt echt deutsch, sondern es stammt aus dem kel- 
tischen. Wir haben vorerst it. benna Korbschlitten, fz. 
banne Korb für Lastthiere, grosses Tuch zun^ Schutz 
der Waaren, afz. benne, DDEZ. P, 61. Dass es ein 



t 



22 

gallisches Wort ist, bezeugt Festus s. v. benna lingua 
gallica genus vehiculi appellatur, unde vocantur comben- 
nones. Darüber ausführlich DIEF. Celtica I, 204 Nr. 319; 
Origg. Europ. 254 ff. 

buntschuech, m., wie bei SCHOE. 67; SCHM. I 3 , 249. Ueber 
das buntschuochwerfen um Weihnachten vgl. ZINGr. 
Sitt* 194 Nr. 1590. 

bontschür, m., ein etwas noblerer Stock. Aus dem fz. bon- 
jour guten Tag! guten Morgen! 

ponz'n, ponze, m., 1) Fass, 2) theils als Scheltwort, theils als 
Liebkosungswort für Kinder (auch bonzele), 3) der Bauch 
und der Magen, 4) die grosse Trommel (bei uns zwar nicht 
häufig, dafür tampakübl, aber inAntholz gewöhnlich) 
SCHOE. 486; LEX. KWb. 15. Scheint eines Stammes mit 
benne, banne zu sein, w. s. vgl. auch DIEZ. I 8 , 61; 
GRIMM Wb. I, 1119; DIEF. Wb. I, 274. 

pOr, f., z. B. er hat a ganze pur, er hat einen ganzen 
Eckel, Abscheu, Wi derwi llen vor etwas. Aus it. paura 
Furcht, lat. pavor [HW. s. v.]; SCHOE. 506. 

birkener käs = die Ruthe, um die Kinder zu züchtigen. Von 
birke und käs Käse. 

parlÖI88len, Frühlingssafran. Wahrscheinlich aus dem slov. 
po'dlesk [GUTSM. 534*] wüder Safran; SCHOE. 517: 
prolasslen, parliesken;MIKLOS. 349 a ; vgl. tschirfe. 

barmen, v. , jammern, klagen, eig. „dass gott erbarm" 
sagen; vgl. indess LEX. KWb. 16; SCHM. I a , 278; FZ. 
IV, 236; 483; V, 62, 11. Auch mhd. barmen sich erbar- 
men, Mitleid erregen fBM. I, 59» ; LEX. MWb, I, 129]. Ueber 
die Etymologie vgl. GRIMM Wb. I, 1134; WEIG.I 3 , 132; 
400, also nicht zu arm, sondern zu gt. barmi-, altn. 
barmr, alts. barm, ags. bearm, ahd. barm, param, 
mhd. barm Brust, Schooss, von bir an tragen, skr. bhar-, 
jpeot», ferre [FICK 135; HW. 65; CURT. 411 u. A.]. 

bÖBrn, v., mit einem Streu- oder Heufader umwerfen. bö«r 
z. B. den b. aulöig'n, dieses zerbrochene Fuder wieder 
auflegen; mit'n b." ha'Bmf 6 hr'n, dieses Fuder nach Hause 
liefern. Davon da-bö'er'n in Unordnung bringen; i-ßii 
d a b ö b r ' n einen, der ohnehin schon unwillig ist, noch mehr 
reizen. Gleichzeitig erwähne ich ein anderes Wort, welches 
ich für durchaus stammverwandt halte, nämlich bötr'n 
kneten: schot'n b.; 's g'sicht daböir'n, von Kinclern 
gesagt, wenn sie schläfrig sind und in Folge dessen mit 
beiden Händchen sich das Gesicht reiben; SCHOE. 37 [wo 
aber die Etymologie nicht richtig angegeben]; SCHM. I 2 , 
258. mhd. bern [BM. I, 143 b ; LEX. MWb. I, 195] schla- 
gen, ]*neten, treten, ahd. berjan TGRAFF DI, 201 f.]. Zu 
lat. ferire, Wz. bhar-, skr. bnara Kampf, Schlacht, 



23 

altsla v. b rati borj% kämpfen, bra-ni daa Bingen, Strei- 
ten [MTKLOS. 43], vgl. FICK 135; DIEF. Wb. I, 261; 
GRIMM Gr. IV, 604 ; Wb. I, 1501 ; II, 228 ; 240. Zu einem 
anderen Stamme gehört böurstarn, berstern sieb, ab- 
mühen und barz'n, vgl. LEX. KWb. 22; 336; SCHM". 
I 3 , 284; STALD. I, 244 u. A. 

teurer, bourerk, 1) Bohrer, 2) ein kleiner Mensch ; SCHOE. 50. 
Etymologie ist bekannt [HW. 71*]. 

birschte, f., ein säbelartiges Messer; täsbärschte, um die 
Taxen zu Streu zu verkleinern; krautbarschte, um 
Rüben zu hacken; SCHOE. 31; SCHM. I», 283; LEX. 
KWb. 17; VILM. 26. mhd. harte [BM. I, 90*; LEX. 
MWb. I, 131], ahd. parta [GRAFF m, 2121. Das Wort 
wird von GRIMM [Gr. II, 228 ; HI, 442] im Wb. I, 1143 und 
WEIG. I», 134 zu Bart gestellt, weil das Eisen vom Stiele 
wie ein Bart herabhängt [oder vielleicht, weil die harte 
die Form eines Soheermessers hat?]. 

böttes fliog'l = die Hornisse. 

zi b0088it = zur Bosheit, d. h. zum Trotz, ans Bosheit, SCHOE. 51. 

bisel'n, v. , von Rindern gesagt, wenn sie bei grosser Hitze, 
von Fliegen verfolgt, mit aufgerichteten Schwänzen davon- 
rennen; SCHOE. 42;- SCHM. I», 291, wo alles erörtert; 
LEX. KWb. 281. mhd. bisen _[BM. I, 168*; LEX. MWb. 
I, 284], ahd. pisön [GRAFF III, 216], altn. bisa ange- 
strengt thätig sein, vgl. GRIMM RA. 610 ; Wb. II, 3 ; 46. 

btosll, v., angestrengt arbeiten; SCHOE. 51 ; LEX. KWb. 37 ; 
SCHM. I», 294; SCHMID 45; 51 u. A. mhd. bözen [BM. 
I, 190* f.; LEX. MWb. I, 336] schlagen, klopfen, ahd. 
pozan [GRAFF HI, 232], ags. bedtan, altn. bauta. 
Daran schliesst sich vielleicht Tat. fustis, möglicherweise 
auch fendere in de-fendere, of-fendere, vgl. FICK 
807; HOEF. I, 101; CAST. 76; GRIMM Wb. H, 268 f.; 
Myth. 475 ; FZ. II, 84, 18 ; DI, 394, 36 ; IV, 483 ; V, 52 ; 
160; 531; VI, 51. 

böess'l, böOSSitle, n., Flachs- oder Hanfbündel, so gross es 
gemacht wird, wenn man den Flachs vom Boden, von der 
röesse, aufnimmt: SCHOE. 51; LEX. KWb. 37; SCHM. 
I», 424; HOEF. I, 100; SCHMTD 51; STALD. I, 203; 
VILM. 48; brem. Wb.1, 124; FZ. m, 340; IV, 494; VI, 61. 
mhd. boze [BM. I, 230* ; LEX. MWb; I, 336] Flachsbündel, 
ahd.bozo, pozzo, harapozin [GRAFF IH, 233] Flachs- 
bündel, vgl. GRIMM Wb. II, 267. Das Wort kann aller- 
dings zu bözen [vgl. bä«ss'n] schlagen, gehören, aber wol 
nicht in dem Sinne, weil der rohe Flachs geschlagen wird 
[LEX. KWb. 37], sondern, wie man sagt: „ein Stoss Garben", 
„ein Stoss Heu", und „Heu zusammenschlagen", d. i. ein 
Bündel, Schober machen. Indess liegt auch bausch und 



24 

busch nicht ferne, was uns anderswohin führen würde: 
mlat. boscus, buscus, it. bosco, fz. bois, buche, 
DIEZ. I» 78. 

bosseln, v., spielen, bei Kindern gesagt, vgl. SCHM. I 2 , 297: 
bäscheln; Schweiz, p Ossein kleine mutwillige Streiche 
spielen, STALD. I, 208 ; GRIMM Wb. n, 261 ff. 

bfies'nle, n., der . weisse Brustfleck der Frauenzimmer, der nach 
dem Hemd angelegt wird und wovon nur der obere, mit 
möidl [s. cL] besetzte Theil gesehen wird; ganz sichtbar 
ist der mit Goldbändern versehene bues'n flock, durch, 
eine Schnur [kloub'm] der Natur gemäss in zwei Theile 
getheilt. b ü e s ' n 1 e ist selbsverständlich Dim. von bues'n, 
vgl. auch LEX. KWb. 48; SCHM. I 2 , 296; FZ. IV, 102, 
10; 498 und sieh unter giwänd. 

bäx, m., Messer, Taschenmesser; Dim. bax'l. Man unterschei- 
det kreuzabax'l, das nur einen Kreuzer kostet (wenig- 
stens in der früheren Zeit) ; groossa b&x zum Brotschnei- 
den; pinzgabäx ein Messer, wie fnan sie in Pinzgau hat; 
klepfbäx der, wenn man ihn zur Hälfte zumacht, von 
selbst dann zuspringt und einen Klepf macht. Davon 
öb&x'n mit dem Messer abschneiden, besonders den Frö- 
schen die Keulen: fröische öbäx'n. Auch auss'nbäx'n 
einen hinausspediren. Ich weiss das Wort nicht evident zu 
erklären. Am wahrscheinlichsten ist mir, dass sich diese 
Ausdrücke an baxen anschliessen : ringend schlagen, aus 
niederd. bäksen, d. i. bäks (Schläge) geben, engl, box, 
schwed. boxas, dän. baxes sich schlagen, balgen; davon 
boxen mit geballter Faust zu Leibe gehen; vgl. HOEF. 
I, 125; SCHM. I 2 , 200: buchsa, buchsnen; FZ.IV,43; 
499; WEIG P, 142; 226; GRIMM Wb. I, 1202; II, 477. 
mhd. buc [BM. 275* ; LEX. MWb. I, 376] Schlag, Stoss. 

pföBm, m., Schaum; SCHOE. 114; LEX. KWb. 92; SCHM.I*, 
717; cimb. Wb. 121»: voam; WEINH. 19*. mhd. veim 
[BM. in, 317], ahd. feim, faim [GRAFF IH, 519], ags. 
fäm, engl. foam. Zu lat. spüma (aus spoima), skr. p he na, 
altslav. und russisch pjena, lit. p en a s (M ilch), vgl. GRIMM 
Wb. m, 1451; 1377; Gesch. 1001; WEIG. I 2 , 446; FICK 
217 • 415 u. A. 

pfönnknecht, m., Unterlage ohne Fuss für die Pfanne, SCHOE. 328. 

pfent, adi. u. adv., nur in der Bedeutung „schnell, geschwind", 
z.B. das göot mar z' pfent, das geht mir zu geschwind. 
Aus behend, SCHOE. 497; SCHM. Gr. 404; Wb. 437. 

pfarf, m. , ein umfriedeter Ort auf der Alm , worin das Vieh 
zur Nachtzeit eingesperrt bleibt, SCHOE. 495; LEX. 24; 
SCHM. I 2 , 441; FRISCH H, 49 c . nhd. ist es pferch, 
mhd. pherrich [BM. H, 493»; LEX. MWb. II, 241], ahd. 
pharrich, farrich, pferrich [GRAFF HI, 346; 349] 



25 

aus mlat. parcus, paricus, ags. pearroc, it. parco, 
fz.parc, gäl. päirc, kymr. parc, parwg, DIEZ.I 8 , 305/ 
Der Ursprung des Wortes ist strittig. Schwerlich zu lat. 
parcer e, wie schon WEIG. II, 368 bemerkt, vgl. auch KZ. 
VH, 318. Keltisch wird das Wort auch nicht sein, DIEF. 
Celtica I, 252; Wb. I, 265. Am ehesten gehört es zu gr. 
cdo«<t<tcö, cpoav-vu-jxt schliesse ein, mache fest, yoiyv* % cooavuo? 
Zaun, V erschl uss, Spyj-yctwos Verschlag; lat. farcire, fre- 
quens [MW. s. v.], lit. bruku, brükti drängen, zwän- 
gen, i-brukti, hineindrängen, hastig, ungestüm hineintrei- 
ben z. B. Vieh in den StaU, vgl. CÜRT. 413 ; FICK 379. 
— Ferner heisst pfarf ein Gewächs, Farrenkraut, LEX. 
KWb. 90; BM. m, 272 b ; WEIG. P, 435; GRIMM Wb. 
HI, 1333. ♦ 

pftrfl, Dim. pfarfelen, geriebener Teig; pf&rf 'lsuppe 
eine Wassersuppe aus geriebenem Teig; milchpfarfelen 
Milchsuppe mit geriebenem Teig. Die pf&rflsuppe ist 
das ausschliessliche Nachtessen der Thalbewohner ; SCHOE. 
495; 503; LEX. KWb. 90; SCHM. P, 753; FZ. IV, 331. 
mhd. varvel [BM. m, 273]; GRIMM Wb. IH, 1332. Ich 
stelle unser bis jetzt noch nicht erklärtes Wort zu lat. 
furfur Kleie, far, farina, friare, fricare, skr. Wz. 
ghar- zerreiben [furfur nicht mit FICK 140 zu Was. 
bhur- zucken, zappeln, furfur als Gemenge] HW. 73; 
CORSSEN, Beitr. 206 f.; Ausspr. I a , 159; 802; IP, 165. 

pfouse, f., finsteres Ges icht mit verzogenem Munde ; a pfouse 
mach'n vgl. SCHM. I*, 4 42 unter pföseln. mhd. phose 
[BM. H, 514; LEX. MWb. II, 2611 Gürteltasche, Beutel, 
ahd. phoso [GRAFF HE, 352]. Ueber die Etymologie vgl. 
LEX. MWb. II, 261. — Davon adi. pfousit schmollend, 
mit finsterem Gesichte. Es könnte sich dieses Wort auch 
an pfausen bei SCHM. I 2 , 442 anschliessen , wie bei 
SCHMU) 60 pfausen in der Bedeutung vorkommt : „seinen 
Unwillen durch Mienen ausdrücken." Andererseits sagt man 
von einem pfousit' n: er mache ein Maul wie einen 
fotsch'n, s. d. Die Grundbedeutung denkt man sich dabei 
die des „wulstig erhabenen". 

pföBt, f., Hemd, wie bei SCHOE. 494 ; LEX. KWb. 24 ; SCHM. P, 
443 f. u.A. Man unterscheidet schlukpf&vt ohne Aermel, 
hälspiävt eine weisse Jacke, die nur den Oberkörper be- 
deckt. Ferner in Bezug auf die Qualität : leimitenepf. von 
Leinwand, reistinepf. von Reisten [SCHOE. 547], r u p f i n e 
pf. [SCHOE. 571], zollpine pf. die gröbste Gattung. 
Ferner a hintawerschtpf&'Btl für Kinder, von hinten 
zuzuschliessen. — mhd. pfeitJBM II, 487*; LEX. MWb. 
II, 234] Hemd, hemdähnliches Kleidungsstück, ahd. pfeit 
[GRAFF HI, 327], gt. paida [DIEF. Wb. I, 335; H, 756; 



26 

MGSpr. 54], alts. peda, finnisch [aus dem Deutschen ent- 
lehnt, vgl. THOMSEN: TJeber den Einfluss der germanischen 
Sprachen auf die finnisch-lappischen, aus dem Dänischen von 
Sievers, S. 159] p a i t a , gr. £airr\ Hirtenkleid aus Fellen, 
möglicherweise auch skr. pata Tuch, Kleid, Wz. pat-, 
ligare, circumdare, vestire [GRAFF I, Vorw. IX; DIEF. a. 
a. 0.], vgl. PICTET in KB. II, 87; DELBRUECK in ZZ. 
I, 154; FICK 378; 787; 1075; HZ. VI, 297; GRIMM Gr. 
I, 397; HI, 527; 447 u. A. 

putsch, m., etwas kleines, bes. Schimpfwort auf unartige Bän- 
der: du pfitsch du! vgl. LEX. in FZ. IV, 486; SCHM. 
P, 445; SCHOE. 502; 504; LEX. KWb. 26; GRADL in 
KZ. XIX, 128. 

pfotsch, m., 1) Schimpfname auf eine langsame Person ; p f o t- 
schen langsam gehen oder arbeiten; 2) pfotsch nennt 
man auch das Gebinde, das man einem schwärigen Finger 
anlegt, z.B. in pfotsch valoir'n das Gebinde verlieren, 
vgl. fotsch'n und pfouse. 

pfutsch wie bei SCHOE. 504; in pfutsch zäfcg'n mit dem 
Finger ein Schnippchen schlagen, vgl. noch SCHM. I*, 445 ; 
GRADL. in KZ. XIX, 128. 

pflens'n, pfliantsch'n, heftig weinen, SCHOE. 499; SCHM. I 2 , 
792, 794 u. A. 

pfnägg'n, einen schnalzenden Ton geben, z. B. wenn etwas 
halbflüssiges siedet, vgl. z. B. die pfna- Abtheilung bei 
SCHM. I», 451 f. und SCHOE. 500. 

pfniansg'n, schwer athmen, schnauben, schnarchen; SCHOE. 500; 
SCHM. P, 451; LEX. KWb. 25. mhd. phnehen [BM. II, 
513*; LEX. MWb. H, 259], ahd. fnehan [GRAFF HI, 
781 f.] schwer athmen, keuchen, schluchzen, vgl. noch FZ. 
HI, 459; IV, 220; 487. Zu gr. mim CURT. 370; FICK 
800; 126; POTT Wzw. I, 1124; HW. 186 f. u. A. 

pfnattern, crepitum ventris emittere; pfnatterer, m. subst., 
pfnatter, f. subst. SCHOE, 500; SCHM. I a , 452 u. A. 

pfraume, f., Pflaume, SCHOE. 502. mhd. phlüme [BM. II, 
511 b ; LEX. MWb. II, 257] Pflaumen, aus lat. prunum, 
gr. irpovvor, ffpofyvov, WEIG. II, 370; BOLTZ, das Fremd- 
wort 25. 

pfr&nsl, v., verächtlich für kochen : k o c h ' n und pfränsl vgl. 
SCHOE, 56; SCHM. I 2 , 356: bremsen im Schmalz rösten, 
braten, vgl. auch GRADL in KZ. XIX, 48. 

pfriange, £, Dim. pfriongele, verzerrte, weinerliche Miene, 
SCHOE. 58; SCHMID 90; STALD. I, 225. mhd. brieke 
Flenngesicht, GRIMM Wb. II, 382. 

pfrientsche, f. (verächtlich) zum Weinen verzogener Mund, 
SCHOE. 58, vgl. d. vorherg. 

blauch, adi., schüchtern, besonders beim Essen: zurückhaltend. 



27 

Davon subst. blauchikit schüchternes Benehmen ; SCHOE, 
45: blauge; SCHMID74: blauk dumm; STALD. 1, 187 
blug delicat, zärtlich; SCHM. I a , 325: blaug; FZ.IV,4 

. 206; VI, 412 f. mhd. bluc, bliuc [BM. I, 214 a ; LEX 
MWb. I, 313] zaghaft, schüchtern, verlegen, unentschlossen 
ahd. pliuc [GRAFF III, 247] dass., blüchheit diffidentia, 
blüchisön dubitare, titubare; altn. bljügr blöde, ver- 
zagt. Das Wort ist zusammengezogen aus blüwec, blou- 
wec und gehört zubliuwen bläuen, schlagen [BM. I, 21 l a ; 
LEX. MWb. I, 310], ahd. bliuwan, gt. bliggvan [DIEF. 
Wb. I, 310f.; MGSpr. 60], lat.fligere, flagellum[HW. 
69*; COESSEN Beitr. 229; Nachtr. 67; Ausspr. I 2 , 504 f.; 
WALTER in KZ. XII, 413 f. u. A.], gr. y\%- », jAi-ß-«, 
£X,t-ß-» quetsche [CURT. S. 442], vgl. auch GRIMM Wb. II, 
111 ; 1 13 ; WEIG. I*, 205. Anders FICK 825, der unser Wort 
[im Anschlüsse an GRAFF a. a. 0.1 mit bl öde für wurzel- 
haft identisch ansieht, was ich nicht glaube. 

blouch, n., 1) z. B. das kliebblouch, der Block, auf wel- 
chem die prügel geklouben werden, 2) übertragen, eine 
grosse, unförmige Person, 3) bes. heisst blouch (plur. blo- 
ch e r) der Fensterladen und überhauptjeder grosse Deckel ; 
Dim. blöchel, worüber bes. LEX. KWb. 32 zu vergl.; 
SCHOE. 46; SCHM. I«, 323 u. A. mhd. bloch [BM. I, 211*; 
1024a; LE x. MWb. I, 311], nhd. bloch [GRAFF HI, 246] 
Pflock. Aus biloh zu liechen, lüchen schliessen, zu- 
schliessen [BM. I, 1023 a ; LEX. KWb. I, 1974], gt. lukan 
verschliessen [DIEF. Wb. II, 152; MGSpr. 276, dessen Ety- 
mologie ich nicht beistimmen kann: skr. Wz. varj-, gr. 
sipynv abhalten, ausschliessen, vgl. HW. 245]. Ich führe mit 
FlCK 860 das Wort zurü ck a uf skr. Wz. ruj -, urspr. r ug- 
zerbrechen [FICK 171, HW. 119»]. Die Grundbedeutung 
wäre also biegen, vgl. auch GRIMM Gr. II, 23; Wb. II, 
135; WEIG. I 2 , 209. 

Möede, adi. nur in der Bed. 1) „schwach", besonders wenn man 
lange keine Speisen genossen: blöede im maule sein, 
ablöe's maulhöbm, 2) „geschmacklos, ungesalzen, fad": 
a blöode suppe; do mosche doublöode wö'ernjdo 
mösche die blöodikit'n alle bikemin heisst es, - wenn 
einer recht fade redet; vgl. LEX. KWb. 32; SCHM. P, 325; 
FZ. H, 77, 27. mhd. bloede [BM. I, 212 a ; LEX. MWb. 
I, 311] zerbrechlich, gebrechlich, schwach, zaghaft; ahd. 
plödi [GRAFF HI, 251], alts. blodhi zaghaft, altn. 
blaudhr feig, schwach, vielleicht auch gt. blauthjan 
[DIEF. Wb. I, 306; MGSpr. 63; nach FICK 823 eig. == 
blöd machen, daher] aufheben» abschaffen, vgl. WEIG. I 2 , 
210; GRIMM Wb. II, 138. Mit unserem Worte identisch 

* ist mhd. broede, bröde [BM.I, 261*; LEX. MWb. I, 358] 



28 

gebrechlich, schwach. Aus dem gr. könnte allenfalls ^Xav-po-s 
verglichen werden. 
bläBke, f., 1) Erdabsitzung, Muhre, 2) übertragen, wenn ein 
Kind in's Bett pisst; SCHOE. 43; HOEF. I, 88; LEX. 
KWb. 29; SCHM. I 2 , 32ß; FZ. IV, 205. Zu mhd. blecken 
[BM. I, 207*; LEX. MWb. I, 301, noch jetzt dialektisch: 
sich blöck'n liss'n sich sehen lassen SCHOE. 45] sicht- 
bar werden , entblössen , eines Stammes mit blicken, 
blitzen, bleich vgl. bliggiz'n. 

bliggi2'fl, v., die Augenlider zumachen, selten in der Bedeutung 
blitzen gebraucht; subst. bliggizer: an bliggizer 
thuon einmal die Augenlider zumachen; SCHOE. 45 ; 510 ; 
LEX. KWb. 32 ; SCHM. I*, 324 u. A. Die Etymologie ist 
allbekannt, vgl. z. B. H¥. 69*; GRIMM Wb. H, 113; 118; 
BENF. Wzl. I, 106; H, 340; BOPP Gl. 273*; 280 b ; POTT 
Et. Forsch. I 1 , 236; CURT. 161; FICK 823; GERLAND 
in KZ. XXI, 68 u. A. 

bloien, v., schlagen: ä'en öbloien; bes. mit dem bloi, d. i. 
mit einem hölzernen Blocke, die Wäsche bloien SCHOE. 
47; LEX. KWb. 31, SCHM. I», 320 u. A. mhd. bliuwen 
[BM. I, 211*; LEX. MWb. I, 310] bläuen, schlagen vgl. 
blauch und GRIMM Wb. II, 111; FICK 825. 

blÖSCh'fl, 1) schlagen: einen tüchtig oblösch'n, 2) besonders 
gebraucht vom Kornausschlagen, wobei mit den Garben auf 
etwas Zackiges, z. B. eine aufgestellte Egge, geschlagen 
wird; SCHOE. 45; LEX. KWb. 31 f.; SCHM. I», 331; 
CAST. 88; cimbr. Wb. 155*; FZ. IV, 42; 491; GRIMM 
Wb. H, 108 f. ; BM. H, 522 b u. A. 

bluschgit, adi., aufgedunsen, mit fettem Gesicht; SCHOE. 43; 
46; SCHM. I 2 , 331; 462. Zum gleichen Stamme gehörend 
wie blunze [LEX KWb. 33; SCHOE. 47], blutzarfLEX. 
KWb. 34; SCHOE. 48 u. A.J. Die Grundbedeutung ist die 
der sprudelnden Ueberfülle, lat. flare, flos [HW. 69 f.], 
fluo, fleo; gr. 9X«-, a>Xa-5-, 9X5-, $Xe-, 9X1;-, cpXv»4-» 9X01- 
u. s. w., vgl. POTT Et. Forsch. I 1 , 239; H a , 965; Wzw. I, 
1205; KZ. VI, 322 ff.; CURT. 412. Skr. phal- bersten, 
Frucht bringen, phull- aufblühen vgl. BOPP Gl. s. v. 

bluetschinke , m. , Schreckname für Kinder, wenn sie z. B. in 
ein Bohnen- oder Mohnfeld gehen wollen; besonders will 
man sie damit vom Spielen bei Gewässern abhalten ; LEX 
KWb. 34; SCHOE. 47. Ueber diese Sage vgl. ZING. Sitt.* 7 ; 
ALPENB. Myth. u. Sag. 58; GRIMM Deutsche Sagen 1816, 
I, 78; LEX. in WZ. III, 30. Sonst ist das Thal Defereggen 
(ich weiss nicht, ob ich sagen soll : leider) jetzt nicht mehr 
reich' an Sagen, was vorzüglich darin seinen Grund hat, 
dass die Männer fast alle auf den Handel in die ganze 



29 

Welt herumwandern. Nur bei den ältesten Leuten haben 
sich Reste erhalten. 

plattiert, schuachplattl'n, v., das wiederholte taktmässige Schlagen 
mit den Händen auf die Schuhe und Beine beim ländlichen 
Walzer, vgl. SCHM. I a , 463 unter plettern; SCHOE. 507; 
bes. LEX. KWb. 30. 

blattl-plün, m., der grosse hölzerne Teller, worauf die blatt- 
len gelegt werden [über blattlen vgl. SCHOE. 44; LEX. 
EWb. 30]. Bei plün ist zunächst an lat. planus [HW. 
172 a J zudenken, denn desk. plaü Ebene ist vielleicht auch 
nur Entlehnung. Natürlich mhd. plan [BM. II, 521* f. ; LEX. 
MWb. H, 276 ; GRAFF IH, 524] freier Platz, Ebene, Aue ; 
mfz. plane, fe. plaine, vgl. auch FZ. V, 116, 4; 11,275,14. 
Auch ein Ort im Thale Deferegen heisst: plün. 

bletz'n, kuebletz'n, m., Kuhfladen; SCHOE. 47 cl. 510; LEX. 
KWb. 31; SCHM. I 8 , 334; 464, wo das Nöthige erwähnt, 
auch LEX. MWb. I, 305. 

brecht'n, v., reden, schwätzen. SCHOE. 52; LEX. KWb. 37; 
SCHM. P, 345 : HOEF. H, 347 ; cimbr. Wb. 156* ; STALD. 
I, 212; FULDA 46; SCHMID 90; HUEG. 207 u. A. mhd. 
hrehten [BM. I, 243*; LEX. MW. I, 347] rufen, schreien, 
lärmen , and. p r a h t a n [GRAFF III, 269] crepere , ags. 
brecan fremere, altn. braka prasseln, krachen, vgl. noch 
FZ. IV, 494; GRIMM Wb. H, 286. Das Wort ist identisch 
mit gt. brikan brechen [DIEF. Wb. I, 318 ff.; MGSpr. 60, 
der auch skr. bhanj- aus bhranj- entstehen lässt und 
hxeher zieht], lat. frangere [HW. 72 a ], gr. |foy-vv-fju breche. 
Als Intensivum von brechten sehe ich bretschen an: 
plaudern, oft verächtlich ; subst. bretsche eine geschwätzige 
Weibsperson SCHOE. 57; SCHMID 90; SCHM. I', 374. 

precenelle oder precedere mäch'n ein Langes und ein 
Breites machen; vgl. SCHOE. 517. Von praedicare, fz. 
pr^cher predigen; port. pregar, DIEZ. II 8 404. 

brach [m., wie schon bei Tatian, Math. 3, 4] Beinkleid, Hosen ; 
SCHOE. 62; SCHM. I» 342; FZ. IV, 212; STALD. I, 232; 
FULDA 52; SCHMID 100 u. A. mhd. bruoch [BM. I, 
270*; LEX. MWb. I, 368], ahd. pruoh [GRAFF IE, 277]. 
Aus dem keltisch-lat. bräca [nicht bracca, da auch im 
gr. ßpixai bei Diod. Sic. 5, 30 vgl. PAULI in KZ. XVIII, 
3 ; 9 ; BBAMBACH, Neugest. d. lat. Orthogr. 291 ; derselbe, 
Hülfsbüchl. d. lat. Rechtschr. 28; L. MUELLER in der 
Ausg. d. Caiullus, Tib. u. Prop. p. 131] WEIG. I a , 241; 
DIEF. gl. 80*; noy. gl. 58*; FICK 823. Dass das Wort 
eigentlich der keltischen Sprache angehört, ist erwiesen 
[daher unrichtig WALTER in KZ. XII, 413], vgl. RADLOF, 
Neue Untersuchung des Keltenthums 303 ; ADELUNG, Mi- 
thridates II, 49; derselbe Wb. I, 1091; KEFERSTEIN, 



30 

Ansichten über die kelt. Alterth. II, 1, S. 12; 113; PUR- 
MANN, Celten I, 248; DIEF. Celtica I, 211 Nr. 332; bes. 
aber derselbe in den Origg. Europaeae S. 262 Nr. 69, vgl. 
auch EBRARD, Handb. d. mittelgäl. Spr. S. 231 ; BRAN- 
DES, Das ethnogr. Verhältnis d. Kelten u. Germ. S. 294; 
Germanische Alterthümer von Ad. HOLTZMANN, herausg. 
von A. Holder [1873] S. 204 f. 

bräde höb'm wird gesagt von der Kuh, deren Euter von Milch 
strotzt; SCHOE. 53. Das Wort gehört zu mhd. briden 
flechten, weben JBM. 1 , 258*> ; LEX. MWb. 1 , 352] , ahd. 
p r i d a n [GrRAFF III, 286 ff.], mit den Bedeutungen texere, 
nectere, plectere, p andere vgl. auch GRIMM Wb. II, 355. 
Von briden auch breit, vgl.HW.s.v. latus u. FICK818 f. 

brüode, n. , ein hölzernes Geschirr (brüosöchter) mit Vieh- 
fotter (vgl. brühfuore), welches mit heissem Wasser ge- 
brüht wird. Man unterscheidet hä-brüode bestehend aus 
Heu, üme-brüode aus üme siehe obenS. 10; tschwatsch- 

• brüode sehr stark gebrüht. Ein tölpelhafter' Mensch wird 
oft ein twatschbrüode genannt. Das Wort brüode 
schliesst sich allerdings zunächst an it. brodo, broda, 
span.-port. brodio, fz. brouet, engl, the broth Brühe, 
an, die aber aus ahd. brod, ags. brodh, gäl. brot, mlat. 
brodium stammen piEZWb.I 3 , 87; DIEF.gl.82 a ; 312*; 
nov. gl. 224 b ; SCHM. I 8 , 3481. Andererseits kann das Wort 
nicht getrennt werden von brünen, mhd. brüejen, brüen 
[BM. I, 266*; LEX. MWb. I, 364; GRIMM Wb. H, 424; 
&Z. Vm, 272] und mhd. briuwen, brüwen brauen [BM. 
I, 260» ; LEX. MWb. I, 356 ; GRIMM Wb. H, 322] , lat. 
de-frutum der eingekochte Saft, Mostsaft [HW. 66; 
CORSSEN, Nachtr. 221 ff.; Ausspr. P, 145; CURT. 651 
u. A.]; skr. Wz. bhur- zappeln, zucken, vgl. FICK 140; 
381; 821 u. A. Daher öbrüen = abbrühen, gesagt wird: 
das siedende Wasser auf die brüode giessen. Wenn Jemand 
etwas Albernes sagte, heisst es : göo, brüon när amil 8 
(= gehe, brühe nur einmal ab). Davon auch der erste Be- 
st andtheil von brüh-fuore, f., das Futter, welches gewon- 
nen wird, wenn man beim Korndreschen das ride, die 
rlde-banz'n [SCHOE. 553] klein aufschneidet. Ueber 
fuore vgl. dieses, brüh-fuore ist also das Futter, die 
fuor e für die brüode oder welches gebrüht werden muss. 

brotauter s. br&tl. 

prätiche, f., 1) ein altes Buch, 2) eine geschwätzige Weibs- 
person, 3) eine verschlagene Weibsperson. Eigentlich ist 
prätiche = practica Kalender, berührt sich aber in 2) 
mit brechten w. s. vgl. SCHOE. 516 ; SCHM. I 2 , 467 ; TOB- 
LER 73 ; STALD. 1, 220 ; FZ. IH, 299 ; bes. m, 530, 3 ; DIEF. 
gl. 450*; BM. H, 529*; LEX. MWb. H, 289 ; WEIG. H, 409. 



31 

broudl'n, v., tönen, wie kochendes Wasser ; daher 1) besonders 
von einem Brunnen gesagt ; davon subst. der broudler = der 
Brunnen, besonders mit vielem Wasser, 2) = harnen ; SCHOE. 
60 ; LEX. KWb. 43 ; SCHM. I*, 349 ; CAST. 95 ; STAU). 

I, 229; VILM. 58; BERND 222; DANNEIL 161; FULDA 
360; SCHMID 101; DAEHNEET 56; HUEGEL 44; FZ. 
VI, 28 u. s. w. mhd. brodelen brodeln [BM. I, 232; 
LEX. MWb. I, 358] vgl. GRIMM Wb. II, 396 ; WEIG. II, 
429. Gleichen Stammes mit brette w. s. 

br&fl, n., 1) der Braten, 2) bes. jedes kleine Stück Fleisch, 
welches in die Knödel kommt; SCHOE. 54; LEX. KWb. 
39 ; SCHM. P, 369 ; HOEF. H, 101 ; STALD. I, 218 ; FZ. IV, 
209; GBIMM Wb. II, 308. Ein anderes Wort, welches hier 
in Betracht kommt, ist bröt-auter d.i. brät-euter, ein 
zwar grosses Euter der Kühe, welches aber nur aus brät 
d. i. Fleisch besteht. LEX. KWb. 39 will dieses brät von 
von braten trennen, wie ich glaube, nicht mit Recht, 
mhd. brät [BM. I, 233 a ; LEX. MWb. I, 342], ahd. prät 
[GRAFF III , 284] Fleisch , Weichtheile am Körper, gr. 
vielleicht ßp«V<rco [nir ßpa r-jw, ypaV/oo] siede, FICK 819, vgl. 
auch CURT. S. 536 ; WEH*. I», 230. Andere Combinationen 
macht MEYER in KZ. VHI, 273. 

bröat'l, n., kleiner Laib Brod, SCHOE. 61. Das Brot ab- 
schneiden lassen kommt ebenso vor, wie bei HOEF. I, 
121 angegeben ist. 

brette, f., der verhärtete Ueberzug über einer eiternden Wunde 
oder einem Geschwür. Zu das brod bei SCHM. I 2 , 348: 
1) Brühe, 2) zähes Gemenge von flüssigen und festen Sub- 
stanzen; isländ. brad klebrige Materie, womit die Schiffe 
überzogen werden, vgl. noch span. la brea, fz. le bray [?] 
DIEZ I 3 , 80. Gehört vielleicht das noch unaufgeklärte ge- 
nuesische bratta Schmutz, Koth, hieher? DIEZ II 8 , 14, 
vgl. noch HOEF. I, 120. 

br*t8Ch'n siehe brechten; SCHOE. 57. 

bratz'ln, knistern, prasseln SCHOE. 57; LEX. 39: pretzl'n; 
SCHM. I 2 , 366, wo man das Nöthige findet. 

bröhfuere vgl. brüede. 

broefl'n, v. , von Kindern gesagt, wenn sie anfangen unver- 
ständliches Zeug zu lallen; SCHOE. 63: brüfen kleine 
Schneeflocken werfen; LEX. KWb. 40: prSfeln; SCHM. 
I 2 , 351 : bröfeln reden, unverständlich reden, vgl. auch FZ. 

II, 464; GEIMM Myth. 2 1174; auch wend. prepir Zank, 
Hader, Disput? [GUTSM. 537*>j. 

bräuggöjm = Bräutigam, SCHOE. 55; SCHM. I 2 , 371 u.A. 
brämpern = Augenbrauen, s. aug'n-äpern. 
brein, m., 1) Hirsenkorn, 2) der daraus bereitete Brei; SCHOE* 
56; LEX. KWb. 40; SCHM. I 2 , 353; HOEF. I, 116 u. A. 



32 

mlid. brf [BM. I, 239*; LEX. MWb. I, 351], ahd. prio, 
prio, pri, bri [GRAFF in, 261], ags. briv eig. Brühe. 
Die Etymologie ist nicht sicher; vielleicht zu brühen. WA- 
CKERN, zu frio [?], vgl. noch GRIMM Gr. III, 462, Wb. 
H, 353; WEIG. I» 234; DIEF. Wb. I, 321. 

bräntröetele, bränterle, brantele, Rothschwänzchen. Auch in 
Defereggen hat man bezüglich dieses Vogels verschiedene 
Aberglauben, namentlich dass die Kühe rothe Milch geben, 
wenn man das Nest eines br ant. ausnehme oder eines tödte, 
vgl. darüber unterAnderenZING. Sitt. a 77 f.; WOLF Beitr. 
z. deutsch. Myth. I, 232; GRIMM Myth. 629; 647; 704; 
KUHN Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen 1859, 
H, S. 60, Nr. 179 und S. 76 Nr. 229; CURTZE Volksüber- 
lieferungen aus dem Fürstenth. Waldeck 1860, S.407; VON- 
BUN Sagen Vorarlb. S. 64; WZ. H, 85; IV, 47; MEIER 
Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben Nr. 438 ; 289 u. s. w. 

brantschelen, v., nach Angebrannten riechen; davon brintschl 
Angebranntes an Speisen; SCHOE. 54; 59; LEX. KWb. 38; 
SCHM. I», 361; 363.; FZ. H, 459; m, 304; IV, 495; 211; 
GRIMM Wb. H, 305 ; 372 ; 392 ; WEIG. I a , 236 ; 244. Zu 
brennen und braun. GRADLin KZ. XIX, 48 will diese 
Wörter nach dem Vorgange KTJHN's in KZ. VI, 15 ff. von 
brennen trennen und sie zu briman, lat. fremere, gr. 
ßpijjjrvj skr. bhram- stellen. Da sich aber die Vermuthung 
KTJHN's, als liege dem skr. bhram- der' Sinn eines mit 
rascher Bewegung verbundenen Geräusches zu Grunde, durch 
das mittlerweile erschienene Petersburger Wb. [V, 399] nicht 
bestätiget hat, so kann diese Deutung nicht richtig sein, 
bhram- bedeutet nur 1) umherschweifen, sich unstät, ohne 
bestimmte Richtung bewegen, umherirren, 2) durchstreichen, 
durchstreifen, durchwandern, 3) sich drehen, sich im Kreise 
bewegen, vom Kreislauf der Gestirne, 4) hin und her schwan- 
ken, d. i. in Verwirrung sein, vom Geiste. — Also keine 
der angegebenen Bedeutungen streift nur irgendwie an un- 
ser Wort an. 

br0U8, n., die zarten Sprossen, bes. von Lerchbäumen ; SCHOE. 
61 ; LEX. KWb. 43 ; SCHM. P, 365 ; HOEF. I, 123 u. A. 
mhd. broz [BM. I, 260 b ; LEX. MWb. I, 361], ahd. proz 
GRAFF m, 369] Knospe, Sprosse. Zu mhd. briezen 
BM. I, 260*; LEX. MWb. I, 353] anschwellen, Knospen 
treiben. Grundbedeutung ist brechen, aufbrechen; altn. 
brjota brechen; ags. b reo tan [LEO I, 243] brechen, be- 
siegen, ahd. bruzi, bruzzi Gebrechlichkeit, auch pro^ 
sama, brosmä, mhd. brosem [anders GRIMM Wb. II, 
398 ; WEIG. I 3 , 240], brosme Brosamen vgl. lat. frustum, 
frons [HW. s. v. fraus] u. GRIMM Wb. II, 399; 351; 
KUHN in KZ. XIV, 229; PICK 820; DIEF. Wb. I, 322; 



33 

DIEZ I«, 89 ; VILM. 57 ; keltische Analogien bei LEO Fe- 

rienschriften I, 67. 
brite'n, plnr., nennt man besonders bei Kindern, die sich nach 

dem Essen den Mund nicht abwischen, die um den Mund 

befindlichen verdorrten Ueberreste von Speisen; davon adi. 

brüsig. Aus brosamen vgl. brous. 
prösk'n, v., einen schmetternden Ton von sich geben, etwa wie 

eine Trompete; adi. prSskit: er hat apröskite s tim me. 

Wol zu praus, mhd.prus Lärm, Tum ult, B M. MWb. I, 

271; H, 541; GRIMM Wb. II, 327; WEIG. I», 232; 

SCHM. I*, 470 u. A. 
b'seich'n, v., wie es bei SCHOE. 667 vorkommt, ist selten; 

dafür gewöhnlich dschlög'n: die kuo hat ogschlog'n 

= die Kuh gibt weniger Milch. 
b'sän, v. = besäen, heisst man im Vorfrühjahre das Ausstreuen 

von Erde über den Schnee, damit er leichter schmilzt. Die 

Grube, aus der die Erde genommen wird, heisst b's&n- 

louch. Die Bauernregel lautet: muss man zweimal b'sän, 

so muss man das Heu hffeln [SCHOE. 263; SCHM. I», 

1057; LEX. KWb. 145] d. h. auf Stangen aufhäufeln. 
b'tUflder = sonderbar ; mhd. besunder von be und sunder 

sondern. 
p'stOa = apostee, inneres Geschwür, fz. apostäme, it. 

apostema, aus gr. airä-arnp* (von £k& und Ittt\^(\ Abstand, 

Geschwür. 

~ D. T. 

däber, f., heissen viele Gegenden, *wo ein Bach entspringt; 
SCHOE. 73; 733. Das Wort ist ein kostbarer Ueberrest, der 
uns aus der Keltenzeit verblieben ist, und zwar um so kost- 
barer, da, ausser Ortsnamen, wol wenige in Tirol sich erhalten 
haben dürften; vgl. DEEP. Celtica I, 155 ff.: gadhelisch 
dobhar, dur "Wasser, dob Pluss, gälisch tobar, gadhe- 
lisch tiobar Quelle u. a. m. Viele Pluss- und Ortsnamen 
in Tirol stammen daher. 

dich, n., nur in der Bedeutung: Schenkel einer Gabel; daher 
zw4«dichite, droidlchite und vierdichite gobl; 
vgl. SCHOE. 81 ; LEX. KWb. 61 ; SCHM. P, 482 ; HOEF. 
1, 152; PZ. IV, 342; GRIMM Wb. H, 1098; WEIG. P, 324. 
mhd. diech [BM. I, 324*; LEX. MWb. I, 423], ahd. dioh, 
dheoh [GRAFP V, 118] femur et femora vel coxae; ags. 
theoh, theo das Dickbein, Schenkel [LEO I, 307: zu thi- 
han crescere, proficere, vigere, florere gestellt], alts. thio, 
engl, thigh, altn. thjo lumbi. FICK 522 stellt das Wort 
zu Wz. tu- schwellen [HW. s. v. tumeo]. Ich möchte es 
zu Wz. tak- stellen: nauen, zurechtmachen, zeugen, vgl. 
HW. 235; CURT. 235. 

3 



34 

tiMCl^ JVi W bei §C5DE. 77X ; sehr entsteht i*t das ^ort, in 
fürschte = fürtuch, Vortuch, Schürze. 

dAchieIX ^*i schlagen bes. mit der Ruthe die Kinder ; $CHÖ]fc 
MrtSM. 1, 140; SCHSOE. 42; LEX. KWb. 49; STALD. 
J, 354; SCBQtt. P, 486; FZ. IV, 43,; 165; 338; GJSIMM 
Wb. II, 669. Zu dach,, wie man auch im Dialekt sagt: 
: ^«ifcA«Q.'fi af's dich g f pb'm einem eines auf s Daoji d: i. 
ftytf d gg Kopf gsben. Anders, mir aber nickt wahrscheinlich, 

"mm. iv apö. . t ... 

ieißhf I, p., Jwljt, Dim. von tpcht, wdßfces auch gebraucht 
wird; LEX. KWb. 56. mhd. ahd. täht [BM. HI, 11; 
GRAFF IV, 379; GRIMM Wb. H, 668; FZ. IV, 338; VI, 
415, 96] vgl. WEJG. P, .332,; FICK 761. Etymologie dun- 
kel. Vielleicht zu gt. tiuhajn t «Lu.cex.e, ziehen? 

t&Bding, ttedinae, i> (schlechtes) Beto&geaa, Benehmen, z v B» q*r 
geit'n od. n&t gor ki^ t.A« ding, ev hat ein schlechtes 
Benehme»., In dieser Bedeutung durfte das Wort,, sonst nioht 
leicht vorkommen., Es ist zusammengebogen ftqs tage-ding 
voi* tag und ding; mhd,. tagediqc, tßgeidinej Wi- 
dinc [BM, 1, 3341; ahd. tage ding TGRAFF V, 184JpJa- 
eitlen, iiddutiae; SCHM. P, 585; SCHOE. 84; 733; WEJGk 
n, 2, 878; HW. 235. 

tq^t =.langw#$ Person; du toet du! heilst es; davon 
toot'n langsam geh§n oder y 4J?beiteiv; SCHOE. 748; SCHM. 
I 3 ,' 586. Zu Tod. Ueber die Etymologie genügt es auf 
FICK 771 u. WEIGk II, 2, 890 zu verweisen. 

töodlingk, m. , schlechtes Vieh und schimpfweise auch auf 
schwache Leute üborfo&gea:. du töodlingk du! Zu T^4; 
LEX. KWb. 66* 

tptt'l, xa, % u^gesohicktar Mensch^ gew. im guten Sinne» : & gu 9 tre r 
tottl; SCHOE. 87; LEX. KWb. 66; SCHM. P, 631. Die 
Etymologie SCHM.'s aus 1 6 r e 1 , 1 ' 1 ist schQft von» LEX. 
a. av O. als unmöglich bezeichnet wosifen, Aus Thadäus 
[SCHOE. a. a. OJ kann das Wort recht gut entstanden sein. 
Aber auch aus troddel kann tott'l entstanden sein, so 
wie man auch an tatila, tata denken könnte. Einige vo* 
den Wörtern, die LEX. a. a. O. aus anderen Dialekten an- 
führt, gehören sicherer zu Tod. 

töjt'n, v., den jungen Thiereu (z. B. Kälbern,. Ziegen, Fohlem) 
die Zitzen des Mutterthieres zum Saugen darreichen; SCHOE. 
743; eimbr. Wb. 177: tetten; SCHM. P, 477 ; LEX. KWb. 
79 f. u. A. Zu mhd, dien, tfen [LEX. MWb. 425] *au- 
;en, säugen, tigen [BM. I, 309; III, 35] saugen, ah)d. 
tähan] täjan, täan [GRAFF V, 284], gt. daddjan 
DJEF. Wb. H, 608; Mi&Spr. 113] saugen. Wz. ist skr. 
dhä- saugen, trinken, sich nähren, gr. $cc in l-S^ccc säugte, 
med. S-n-vS-cti saugen, altslav. doja säuge, skr. dadhan, 



35 

dadhi Milch, gr. Tt-$*i*v»i Amme, tfr$-o-s Zitze, ahd.^tut<v 
ttitto Zitate, hhd. dutten vgl. auch FlCK 98; 773;. 
GRQOT Gesch. 404; 1001- Gr. IH, 406; Wb. II, 1197; 
1768; W?IG. II, 2, 929; 1150 f.; CDBT. 307; PÖTT 
WzW. I; 176 l .u: A. 

ttttftftf, r., stottern, schnell leften o<L. reden; SOHOE. 799; 
I#X,KWK 54; HOEF. IHj 215: STALD. I, 256; SCfiMID 
116; SCHM. I*, 554 n. A. Ein lautmalendes Wort. 

t&tzkug't, auch specker, l'p kv k»r . [SCHOE. 635} genannt, 
Sehuaser, Schnellkügelchen vgl. SCHOE. 740. 

taufe, f., Fassdaube; bei einem Mühlrade oder einer ' Wind- 
mühle die Bretter, die das Wasser oder den Wind fangen $ 
SCHOE. 740: LEX. KWb. 54; SCHM. I», 491; SCHROß; 
43; FRISCH I, I87 a u. A. Von fe. d o u v e , ibaüändisch 
doya, .welches mit ausgefallenem g und dafür eingetretenem 
v ii. undmlat. doga Graben, Fassung des Grabens, Seiten- 
damm ; lat. doga Gefäss zu gr. Söx'n Behälter , j Geftss. 
ioxiq Tragbalken von Sirotttu. nehme auf; WEIG. P, 308 f. ;> 
GRIMM Wb. n, 831 ; DEEZ I«, 155 f. 

däbeln, v., ein wenig regnen; SCHOE. 76; SCHM. I», 546; 
547 u. bes. FZ. HI, 228; IV, 344, wo Alles erörtert;' über 
die Etymologie vgl. indess noch WEIG. I a , 355. Nach iHm 
sollen alle hieher gehörigen Wörter aus fz. doux sakft, 
mild, ruhig, friedlich-, entstanden sein und auf lat. dulow 
aqrückgefcen. 

tückisch = klug, gescheid: a tückiseha fr&tze heisst es 
von M6m gescheiden Kinde ; SCHOE. 775 - r LEX. KWb. 7*}' 
SCHM. I» f 489 u. A. 

ttlfn, v. , eine schwere Zunge haben und dahfer die Worte 
unarticulirt aussprechen; anders ist giggiz'n w; s.SCHÖfe. 
79 ; FZ. IV, 341 ; SCHM. I», 504. 

tiHkraut, eine Pflanze, vgl. SCHM. I a , 499. ! 

teil, m., Dunst, Hitze, SCHOE. 747; LEX. KWb. 56; S0HM. 
JM09; 505; CAST. 109; HOEF. I* 147; FZ. III, 193, 122;' 
IV, 238, 14. Zur gleichen Wz. gehörend wie nhct. toll und 
Qualm, also zu ahd. tuölan, twelan betäubt, starr, 
entkräftet sein, zaudern, säumen [GRAFF V, 552], alts. 
duelan säumen, gt. dvalmon wahnsinnig sein [eine Fülle, 
von Stoff bei DIEF.Wb. 11,646}, mhd. twalm Betäubung-, be-' 
trübender Saft, Mohnsaft [BM; III, 160], altn. dul Einbil- 
<Juag, Wahn, vgl. noch GRIMM Wb. II, 1229; 1232; 
WEIG. H, I, 440; 2, 892. FICK 779; 105 fahrt unser Wort 
zurück auf skr. Wz. dhvar- stürzen, zu Fall bringen, 
a-dhvara unverwirrt, ungestört, gr. S'op- in £op-w-|tf, 
. Sp&x-rx-» springe , . laufe [HW. 66], lit. durnas, altslav. 
durinu toll, durnius wild, toll, durmas Ungestüm, 
Sturm u. a. POTT Wzw. H, 1, 21. 

3* 



36 

diifo, f., die Scheune überhaupt, aowol die Dreschtenne, als 
auch der Heuboden; SCHOE. 83; LEX. KWb. 62; SCHM. 
I», 500; HOEP. in, 246; STALD. I, 282; SCHMID 126; 
FZ. VI, 56; 144, 11; IV, 343; II, 245; 568, 69; cimbr. 
Wb. 115; VILM. 71 u. A. mhd. dil, dille [BM.I,331»; 
LEX. MWb. I, 432 f.], ahd. dil, dili, dilo [GRAFF V, 
133] Brett, Diele; bretterner Pussboden, ags. thel Brett, 
Diele, vgl. auch GRIMM Wb. H, 1101; WEIG. P, 324. 
Das Wort gehört mit gr. m\l* Fläche, Brett, lit. til6 
Brett, altslav. tlja tSotycs, lat. tellus zu skr. tala 

. Fläche, Boden, vgl. HW. s. v. tollo; FICK 80; 765. 

iuller = Rausch, SCHOE. 775. 

t&llp&tsch, Schimpfwort auf eine dumme Person. Ich möchte 
das Wort nicht mit SCHOE. 736 zu Thal ziehen, sondern 
zu tilg, also = t&lgp ätsch [vgl. LEX. KWb. 51], wo- 
von beide Begriffe, tilg und patsch, dasselbe besagen und 
nur zur Verstärkung verbunden werden. 

dollzer, m., Fresser. Vielleicht aus doli = toll, d. i. sehr, 
wacker, und zehren. Indess ist es auch möglich, dass es 
aus Dölsacher (Dölzer) entstanden ist [Dölsach ist 
>eine Gemeinde zwei Stunden unter Lienz], weil alle Bewoh- 
ner der Umgegend von Lienz, besonders aber die Dölsacher, 
als tüchtige Fresser angesehen werden. 

täBfliaschüSS'l wird die irdene flache Schüssel genannt, auf 
welcher die schlipfkräpf'n [klein, länglich, mit schott'n 
gefüllt] präsentirt werden, vgl. SCHOE. 734 unter tagk'Ln. 

tumpf und tGmpfl, m., eine vom Wasser selbst gebildete Tiefe, 
wie bei SCHOE. 94; FZ. IV. 441; SCHM. P, 512; LEX. 
KWb. 75. Davon ein Dim. tümpfele die mitten im muose 
[Brei] gemachte Grube, in welche Schmalz gegossen wird, 
mhd. tümpfel [BM. III, 130] gurges, ahd. tumphilo 
[GRAFF V, 428] Strudel, Drehstelle im fliessenden Wasser; 
vgl. GRIMM Wb. n, 1523; 1525; WEIG. H, 2, 925. 

tum'lwitzig, taumelig, schwindlicht; vgl. SCHM. I a , 603: tau- 
misch, täumlig. Desselben Ursprunges ist: 

tämi8Ch, 1) betäubt, taumelnd, 2) irrsinnig; eine gewöhnliche 
Formel der Verwunderung lautet: scho, bische tämisch!? 
SCHOE. 75; SCHM. I*, 603; GRIMM Wb. H, 704 u. A. 

temmen, demmen (auch im Zillerthale so), z. B. 's z immer 
temmp = ist feucht; temmig feucht, moderig; SCHOE. 
79; LEX. KWb. 51; SCHM. P, 508; CAST. 112 u.^ A. 
mhd. toumen [BM. III, 60], ahd. toumjan, daumjan 
[GRAFF V, 141] duften, gt. dauns [DIEF. Wb. II, 616; 
AlGSpr. 113] Dunst, vgl. noch FZ. IV, 340; II, 244; GRIMM 
Wb. II, 851; 844; Gesch. 1022. Zu lat. fumus, sub-fio, 
foedus adi., foeteo, fimus, gr. &, in 5u-», 3-vp6$ u. s.w.; 
skr. Wz. dhü- [Petersburger Wb. III, 972] ausschütteln, 



37 

abschütteln, wegblasen, anfachein, anfachen; dav. dhümas 
Ranch, Zend. dun man Dunst, vgl. HW. 74; 233; PICK 
113; CURT. 320; BOPP GL 205*; POTT Et. Forsch. H», 
462; Wzw. I, 1067; BENF. Wzl. H, 271 u. A. 

tampakübl = die grosse Trommel; aus tampern = trom- 
m mein [SCHOE. 75] und kübl [SCHOE. 349}; vgl. bonze. 

timper, 1) dumpf J von einem Tone, 2) düster, von einem Lichte; 
auch: timper vor'n aug'n dunkel, schwarz vor den 
Augen, wenn man ohnmächtig wird; SCHOE. 94; LEX. 
KWb. 75; SCffM. I*, 510; cimbr. Wb. 177^; STALD. I, 
283; SCHMID 127; HOEF. I, 167; FZ. EDE, 532, 65; IV, 
99; 445; VI, 81. mhd. timber, timper [BM. m, 37], 
ahd. t im bar, timber [GRAFF V, 428] düster, dunkel, 
altn. dimmr dunkel, ags. dim, engl, dim dunkel, trübe, 
vgl. noch GRIMM Gesch. 336; Wb. II, 1152; 1522. Nach 
FICK 104 zu skr. dhyäma dunkelfarbig, Wz. dhy ä- sehen, 
dhi- scheinen, wahrnehmen, gr. Ssdoyai u. s. w. Allein ich 
könnte mich nicht leicht entschliessen, timper von Däm- 
merung, dämmern zu trennen; diese weisen aber auf 
skr. tamas Finsternis, tamra verdunkelnd, timira dun- 
kel, finster, Wz. tarn- ersticken, betäubt, beklemmt, ohn- 
mächtig werden [Petersburger Wb. HI, 250] vgl. HW, s. ▼. 
temere, tenebrae, timere; KZ. IV, 5; XV, 238; POTT 
Wzw. H, 2, 169 ff. u. A. 

temperwoche = Quatemberwoche ; davon tempermittik der 
Mittwoch im Quatember, besonders der Mittwoch in der 
Charwoche; sodann temperfreitik, tempers&mstik 
und tempersuntik; SCHOE. 742. 

tltfne, f. eine Pflanze; ob es galeopsis tetrahit L. ist, 
kann ich leider nicht sagen ; SCHOE. 85; SCHM ; -J>, 513. 

tein, m., z. B. hätein [Heutein] die Abtheilung im Futter- 
hause, die für das Heu bestimmt ist; ströitein ein Be- 
hältnis für die Streu, gew. neben dem Futterhause enge- 
bracht; Dim. tein'l. Wol aus tenne; SCHOE. 742; LEX. 
KWb. 57; SCHM. I 2 , 608 ; STALD. I, 275 u. A. mhd. tenne 
[BM. III, 30], ahd. tenni [GRAFF V, 427]. Nach GRIMM 
Gr. HI, 417 von tan na Tanne, wie wenn ursprünglich 
3retterboden gemeint, vgl. auchWEIG.II, 2, 873. Für die 
Abtheilung des Futterhauses, wo das Korn gedroschen 
wird, sagt man wieder tenn' : der dröschtenn', 

tänderer = Donner; tänderkug'l. Man glaubt, dass der 
Donner aus einer Kugel bestehe, die 5 Klafter in die Erde 
fahre. Diese Kugel wachse alle Jahre um eine Klafter her- 
auf, endlich komme sie an die Oberfläche. Wer eine solche 
Kugel finde, sei unüberwindlich; denn durch die leiseste 
Berührung mit dieser tänderkug'l könne er den Gegner 
zu Boden schlagen und betäubt machen; vgl. WZ. HE, 2Ü\ 



38 

( „ BIRIlTWER, Volksih. au« Schwab** I, 194; ZöJG.Sitt.« 
^r J17, Nr, 1041. t&nderz-atte Ä<D*»nento8e, Alpenrose 
> jSCEOE. 11 ; 96. 
tunder = Teufel; eig. blos Donner, vgl.SCHOE. 95. Besonders 

fj$ufig in Zusammensetzungen tuadersbuo, tunders- 

weibl u. s. w. , oft nicht einmal als Scheltwort, sondern 

niehr scherzweise, wenn auch derb gebraucht. 
jtflldl, ein fauler Menäeh = wie lendl; dasselbe bedeutet 

tönderlingk: du lener tönderlingk, Schimpfwort. 

Wahrscheinlich nur andere Aussprache von 1 § n d 1 = lener, 

fauler Mensch. Oder sollte.es wirklich =z sein da r unda- 
| lau n, m., ein langsamer Mensfch ; nieders. tanterlantant 
/ >bei CAST. 106, und d.&nderlän, danderläntsch 

Schimpfwort für einen faulen Menschen bei HTJEGEL 47*? 

vgl/ auch SCHM. I 3 , 608. 

tätigen, besonders t-hintenigen Einen verschwärzen , bei 

* . Jeta. *echt schwarz inachen. "Woher? Ist es Frequentativum 

4 Vöji itch u n , gleichsam Jem. hineinthun? Oder gehört es 

\ zu ags. teon damnum, pernieies, infestatio, alts. tiono, 

iBöiep, JJGbelthät, Verbrechen, teöna damnum, iniuria, cri- 

»minÄtio, infestatio, ags. t y n a n iniuriari, affligere ? PICK 755. 
teilfl'UOlk, m. , das Werkzeug zum Dengeln der Sensen und 
" !«iCheln, LEX, 57 ; ygl. GRIMM Wb. II, 925 ; FICK 773 u. A. 
tunginge oder tumminge, f. = Dünger, SCHOE.94. Zu düngen, 
. jnhd. tu t ngen, vgl.BM.UI, 130; GRÄFE V, 434; GRIMM 

Wb. II, 1-531. Unser Wort tunginge entspricht dem ahd. 
' tuiugin, ( tungunga Dung, Dünger, Düngung, FICK 775: 

WACKERNAGEL in HZ. VII, 128 f. 
^Htlk'rt, tMhinKn, v., eintauohen; SCHOE. 776; LEX. KWb. 77 ; 

.FZ. Ät^OS. mhd. dünken, tunken [BM. III, 131], ahd, 
. duflcibonj thuncon [GRAFF V, 195] tunken, tauchen. 

WährscheinHoh gehört auah gt. thvahan waschen, thvahl 

Bad> ^ÄHrfe hieher [MG&px. 143; 341 ; DIEF. Wb. II, 719 f.] 
; vgl. FICK 84. Zu lat. tingo, gr. rlyyw, skr. Wz. tu$- 

tröpfeln, spritzen, HW- 326; BENF. Wzl. I, 441; CURT. 

2M\ POTT Wzw. HI, 461; WEIG. H, 2, 925. 
itopfen, m., saurer Milchquark, während der süsse schotten 
. heisst ; LEX. KWb. 64 ; SCHOE. 747 ; FZ. IV, 448 ; HOEF. 

IH, 231; SCHM. I», 615; BM. HI, 49; GRIMM Gesch. 

1007, der es mit Topf zum gleichen Stamme stellt. 
•iftir, f., :etwas Grosses, z. B. langer Weg, schwere Arbeit. Wol 

Sicht, wie SCHOE.. 777 will, aus tortur, sondern vom fz. 

• tour, worüber zu vgl. DIEZ I 3 , 418; WEIG. II, 2, 898. 

4töHe = dürr, mager, vgl. HW. s. v. torreo. 

«ttfftSlfcl , n., Deckmantel, Vorwand, z. B. etwas zum tärn- 

. s&te 1 mitnehmen. Ein bei uns noch häufig gebrauchtes Wort, 

. sonst aber fast erloschen; SCHM. I a , 622; CAST. 110: 



39 

* doarna verhüllen, umnebeln, mhd. tarnen, temen 

, [BM. HI, 16*], ahd. tarnjan [GRAPF V, 458], alte. «Ar- 
nian, dernean verhüllen, verbergen. Hieher gehört ddch 
die bekannte tarnkappe und der tarnhut. 

tauern, tau'rn, m., hoher Gebirgsrücken, bes. die tauern in 
den norischen Alpen; taurwind = Nordwind, der von den 
tau er n kommt; es göot vi taurn heisst es, wenn der 
Nordwind geht; SCHOE. 741; LEX. KWb. 54 f.; SCHM. 
I a , 616. SCHOE. denkt an lat. taurus, was trotz Strabo 
I, 16 keinen Sinn hat. SCHM. vergleicht kämt, tur Auer» 
ochs, turje stark ableitige Hügel, tovor Saum, Last, 
tovoriti säumen [IABN. 107; 190; GTJTSM. 21; 556], 
was ich unmöglich in dem Sinne zugeben kann, als ob wir 
das Etymon unseres Wortes im slovenischen zu suchen 
hätten. Ich glaube, das Wort ist unbedingt keltisch. Wir 
haben im irischen torr Berg [MONE, kelt. Forsch. 138], 
mittelgälisch torr alles auf dem Meere ragende, Klippe, 
-torr aufhäufet, aufthürmen [EBRAED, Handb. d. mittel- 
gäl. Spr. 297]. Damit kann lat. turris, nhd. Thttrm, 
gäl. turr, torr, bretonisch tour, wälsch twr [KEFER- 
STEIN, Ansichten über d. kelt. Alterthümer II, 70 ; EBEL 
in KB. II, 154] zusammenhängen, und die gemeinsame Wz. 
würde etwa „ erheben, aufthürmen" bedeuten. Es ist mir 
nicht unwahrscheinlich, dassWz. tu- Macht, Geltung haben 
[Pete rsburger Wb. HI, 350] zu Grunde liegt, vgl. auch 
BW. s. v. turris und tumeo. 

törcher , törcherer , Schimpfwort, etwa = Vagabund , Lump ; 
SCHOE. 80; 743; FZ. IV, 341 ; SCHM. P, 536. Aus it. dia^ 

- lettisch terricare von terra, also ursprünglich = Land- 
streicher. 

-flQrchle, adi., fadenscheinig; übertragen: va lauta humma 
ö«rle dürchle sein vor lauter Hunger fast durchsichtig 
sein; SCHOE. 96; LEX. KWb. 78; SCHM. P, 537. mhd. 
dürkel (BM. I, 405*; LEX. MWb. I, 4951, ahd. durihil, 
durhil JGRAFF V, 224] durchbohrt, durc hbrochen, durch- 
■ löchert. 2jvl durch, worüber zu vgl. HW. s. v. tero. 

iftrl'fl, v., spielen, unverständlich reden, vgl. SCHOE. 76. 

4Serl, kleines Gebirgsjoch, Gebirgsübergang , LEX. KWb. 64. 

tforfech, töerlte, harthörig, vgl. SCHOE. 743; 747; LEX. 
KWb. 65 ; SCHM. P, 619. 

tl&rftuss'n, z. B. der hät's darnusst der hat seinen Theil 
(im schlimmen Sinne) erhalten. Wahrscheinlich ist an fthd. 
niezen, ahd. niozan, ags. niotan, neötan, gt. nivh 
tan gemessen, benützen, zu denken [SCHM. I 2 , 1762], «un- 
möglich indess ist 6s auch nicht, dass es nur eine Zusam- 
«Wnsötzung mit nuss, nüsse ist, wie bei SCHM. I 2 , 1764: 
Bussen, abnussen, dernussen Einen, ihn abpitigeln, 



40 

durchprügeln ; vgl. noch FZ. m, 191, 70; HOEF. H, 296; 

. CAST. 210; SCHMID 410 und DIEF. Wb. H, 574, 76: 
GBIMM Wb. III, 922 ; KZ. XVIII, 49. 

täs'n, plur., Zweige von Nadelbäumen, bes. Fichten; sing. 

. t ä s e ; SCHOE. 74 ; SCHM. I», 482 ; LEX. KWb. 49 ; SCHMID 

115. An einen Zusammenhang mit dechsel Beil [GRIMM 

Wb. II, 881 ; SCHM. a. a. 0. ; LEX. a, a. 0.] glaube ich 

; nicht, sondern ich halte täse, taxe nur aus taxus (bao- 

cata) hervorgegangen, gr. . tǤo$ Eibenbaum. 

dÖ9S6, bächdöese, f., grosses, hölzernes Gefäss, worin der 
Sauerteig gährt; SCHOE. 81 ; LEX. KWb. 59; SCHM. I» 
550; FZ. U, 239; IV, 342; V, 489; VI, 373; GRIMM Wb. 

v H, 1028. Zu mhd. deisme [BM. I, 311 a ; LEX. MWb. I, 

. 416] Sauerteig, Hefe, ahd. deismo [GRAFF V, 232 f.], 

< vgl. noch SCHM. I 3 , 546; GRIMM Wb. 913 f.; FZ. E, 286, 

; 64; 239; 319, 10; IV, 194. Ich stelle das Wort zu mhd. 
, diezen [BM. I, 372*; LEX MWb. I, 431] schallen, rajischen, 

.-sich erheben, in die Höhe steigen, aufschwellen, ahd. dio- 
izan, gt. in thut-haurna- [MGSpr. 142.; DIEF. Wb. H, 

■ 713] Trompete , eig. „Klanghorn", skr. Wz. tus- tönen 

i' [MW. s. v. tussis]. 

tiÄ'l, m..i, jede Krankheit,, häufiger, wenn ohne Zusatz, eine 

. rleichtere Krankheit; der hitzige tis'l der Typhus; der 

j<> vichtis'l Krankheit unter dem Vieh; davon adi. tislik 

: krank; SCHOE. 745; LEX. KWb. 79; SCHM. P, 548; 
GRIMM Wb. II, 1810 u. A. Selbst von der Kartpffejkrank- 

; c heit? gebraucht. 

-tatern, v., ein wenig schlafen, wie bei SCHOE. 96 ; SCHM. I 3 , 548. 

4ost, : Schimpfwort auf einen langsamen oder blödsinnigen Men- 
schen; SCHOE. 748; LEX. KWb. 65; SCHM. I 2 , 550. Sollte 

j •£» nicht zu it. testa gehören? DIEZ. I 3 , 415; vgl. tappt- 

• jgchödl, welches in gleicher Bedeutung gebraucht wird, 

! vgl. SCHOE. 737. 

Jotetinjiflir'n = schätzen, achten. Von einem vorauszusetzenden 

- testimoniari, zu testimonium, testis. GanzimVor- 
b eigehen sei bemerkt, dass alle mir bis jetzt bekannt gewor- 
denen Etymologien von testis [auch die in HW. s. v. geh 
gebene] falsch sind, dass testis statt tecstis steht und 

.\äu Wz. tak-, gr. t*x- in riW-oo gehört. Daraufweist ausser 
Andern theils testis in der andern Bedeutung [testiculi], 

'theils die ähnliche Verwandtschaft des deutschen zeuge 
und zeugen. 

tr&e, m., nur in der Bedeutung: die Alpenerzeugnisse, als 
Butter, Käse, Schotten, träo ist eig. = Getreide, mhcLge- 
treide, getregede alles, was man trägt und was der 
Erdboden trägt, vgl. SCHOE. 750; SCHM. I», 648; LEX* 
KWb. 68; GRIMM Gesch. 62. 



41 

troie, f., Erkenntlichkeit, nur häufig gebraucht in der Redens- 
art: esthuotma die troie woul es thut mir wol oder 
es freut mich die Erkenntlichkeit einer Person; gröd a 
troie sagt eine Person zur andern, wenn sie ihr etwas 
Geringfügiges gibt. Davon das adi. g i t r o i erkenntlich, frei- 
gebig: sie ischt souv'l a gitroie menschin. Natür- 
lich = Treue. SCHM. P, 638 ; LEX. KWb. 70. mhd. triu w e 
[BM. EU, 107], ahd. triuwa, triwa [GRAFF V, 466], alts. 
trewa, ags. treöve, gt. triggva [DIEF. Wb. H, 677; 
MGSpr. 363] Bündnis, Treue. Zu nhd. trauen, Trost, 
getrost u. a. 

troijen, m. , der Weg, auf dem die Kühe getrieben werden, 
auch küotroijen. Eine Alpe im Thale heisst troior : 
älbe. Auch ein Ort Troja wird schon früh erwähnt, vgl. 
Sinnacher, Beiträge zur Geschichte d. bischöfl. Kirche Säben 
u. Brixen, Brixen 1823, III, S. 361. Das Wort troijen 
scheint nur in Tirol häufig vorzukommen. LEX. KWb. 72 
sagt: „Ein gewiss altes und seltenes Wort, das ich nicht 
su erklären weiss." SCHOE. 754; 758 will es zu lat. tra- 
mes, fz. train, it. traino stellen [DIEZ I*, 421], was 
ich nicht glaube. Ebenso kommt wol schwerlich das slav. 
draga in Betracht, vgl. droge. Ich sehe auch dieses Wort 
entschieden als ein Ueberbleibsel an, das uns die Kelten 
zurückgelassen. Wir haben zwar im churwelschen truig 
Weg , eig. Fussweg , das sich aber anschliesst an irisch 
traig Fuss, Wz. trag-, gr. rpix«, gt. thragja, skr. 
trank-, trakh-, zendisch thrak- gehen, sich bewegen 
ziehen, marschieren, neuslav. tröati laufen; vgl. FICK82 
HW. s. v. tergum; KB. I, 170; II, 167; DIEF. Wb. H 
714; POTT Wzw. HI, 489; DIEF. Origg. Europ. 332 f. 
GLUECK , Die bei Caesar vorkommenden kelt. Namen 86 
ZEUSS, Gramm, celtica* 4; 36 sq.; 145. 

trölbern, plur., Trabern; davon tröiberer, m. , der beim 

, Essen Theile von Speisen auf den Tisch fallen lässt ; SCHOE. 

753 ; SCHM. IV 640 ; bei LEX. KWb. 71 : tröb e Kühfutter, 

bestehend aus feinem Heu, das abgebruht und mit Kleien 

untermischt wird; vgl. auch BM. III, 85; GKAFF V, 481. 

trupfställ, m. , der Baum innerhalb der Dachtraufe; SCHOE. 
762; SCHM. I 2 , 673; FZ. IV, 450; BAL II, 2, 559 a . Wenn 
Jemand innerhalb eines Trupfstalles ein Vierklee findet, 
bringt es in das Schlafzimmer einer Person , ohne dass es 
über eine Thürschwelle getragen wird und legt es dieser 
-Person unter das Kopfpolster , ohne dass sie etwas davon 
Weiss, so erfährt sie im Traume ihre ganze Zukunft. Ueber 

. todere Sagen in Betreff des Trupfstalles vgl. z. B. ZING. 
. Sitt.*210; 218 und über Vierklee daselbst 107 f.; 166; 190; 385. 

trächt'n, v., nur in der Bedeutung: reden, gemüthlich plau- 



42 

dem; SCHOE. 748; SCHM. I», 643. In dieser Bedeutung 
dürfte das Wort jetzt selten anderswo sich finde n. Au s lat. 
tractare, trahere, vgl. WEIG. II, 2, 898; HW. s. v. 

drfidkeler, m., 1) schlechter Brandwein (der nach dem Glauben 
der Bauern aus Menschenkoth bereitet wird), 2) Schimpf- 
wort auf einen schwachen Menschen. Von Dreck. Dies 
letztere gilt f ür dunklen Ursprunges, vgl. GRIMM Wb. II, 
1352 ff.; WEIG. I 2 , 341; CURT. 110. Ich habe schon in 
meinem lat. Wb. s. v. stercus gesagt, eine Vereinigung mit 
lat. stercus sei schwer möglich. Zu drücken jedoch wird 
es auch nicht gehören. Ich glaube jetzt, unser Wort ist zu 
vereinigen mit preuss. drag-ja-, engl, dregs, altn. dregg,. 
ältslav. dro£dij§ Hefe, vgl. FICK in KZ. XXI, 4. An- 
dere Ansichten in KZ. VHI, 363; X, 140; Xu, 411 ; XTTT,. 
455; DIEF. Wb. II, 645 u. A. 

tröte, f., nur mehr in der Redensart: trote läss'n, eine 
Wiese durch ein Jahr ungemäht lassen. In der Nähe von 

< Windischmatrei heisst ein grösserer Weideplatz : die muti- 
ger [= Matreier] tröte; ebenso vor Aineth : die &«niter 

< tröte; SCHOE. 752; LEX. KWb. 67; SCHM. I», 677; FZ. 
IV,202;448. mhd. trat [BM.m, 101], ahd. tratafGRAFF 
V, 522], alts, trada Tritt, Spur* Weg, Trift, altn. trödh,. 
plur. tradhir eingehegter Weg. Zu treten, mhd. tre- 
ten, ahd. trStan, gt. trudan treten, keltern» Nach FICK 

• 759 zu äkr. drä- laufen, eilen, gr. ät-äp*-?*-», Spa-vai laufen, 
nackMGSpr* 84 zu laft trudere; vgLnoch GRIMM Gesch. 
62; Gr. HI, 395. Auch wend. tr ata {GUTSM. 556] Wiese, 
Träte. 

tröte, irar m. twie schon ADELUNG Wb. I, 1426 der £>*ud 
hat] ein nächtliches Gespenst, das sich schlafenden Leuten 
auf die Brust setzt und sie dadurch ängstiget , der Alp. 
der trüte hat mi gidruckt ±s der Alp nat mich ge- 
drückt; SCHOE. 760: LEX. KWb. 73; SCHM. I«, 648; 
HOEF; HI, 242; aimbr. Wb. 179*; PZ. HI, 191, 74; 4V, 
451 ? GRIMM Myth, 394; 989; 993; Wb. II, 1453; ZING. 
Sitt. 2 an versoh. Orten. Zu gt. trudan vgl. d. vorh. W. 

tf Ottern, v., heftig schütteln, rütteln, z. B. wenn man in einem 
Wagen sitzt, der über einen steinigen Weg fahrt, sagt mfen : 
es trottert; davon tr otterer ein einmaliges starkes 
Rütteln; SCHOE. 759; SCHM. I a , 680. Zu gt. trudan vgl. 
tröte. Mit it. trottare [DIEZ I«, 430] wird ee also 
nichts zu thun haben. 

tretl, m., dasselbe, was an anderen Orten tr anter er genannt 
wird, bei SCHOE. 751; SCHM. P, 671. Davon tretls&ck 
oder tretlhftder das Tuch, durch welches dieser Milch- 

. quark g'sig'n [von seihen] wird. Ängh bedeutet tretl 
dem Bodensatz jeder Flüssigkeit, z. B. von der Tinte, vom 



■— -- 



43 

trüben Wasser. Ich glaube daher, dasB das Wort eines 
Stammes ist mit trSötem, w.s. 

:trvtz, m., wie bei SCHOB. 762; davon trutz'n, v. So nennt 
man den Wettkampf der Hirten, die abwechselnd mit der 
Peitsche knallen. Wer es länger aushält, ist Sieger. Dieser 
ruft dem andern, der oft auf der Alpe stundenweit ent- 
fernt igt, zu: hut ögitrutzt. Ein solcher Wettkampf 
dauert oft bis tief in die Nacht hinein. Die Herausforderung 

. geschieht, wenn die Entfernung nicht zu gross ist, mit dem 
Kufe: hui trutz, dei g&4s'l [Peitsche] isoht nicht 
nutz! vgl'. noch SCHM. I a , 682. 

trlfl, v. } Genähtes zertrennen; au*h datrif'.l, autrii't; 
subst. m. trifler; SCHOE. 756; SCHM. P, B52 ; FZ. III, 
343 ; HOEF. III, 239 ; SCHMTD 140 ; GRIMM Wb. I, 764. 
Zu treiben. 

dröge, f., die Stelle, wo Erdabsitztogen stattgefunden und 
daher eine thalförmige Vertiefung Entstanden. Wol vom slav. 
entlehnt, vgl. wend. draga Furche von Wiesen [GUTSM. 
498], altslav. draga vallis [MIKLOS. 175*1. 

tröge, f., die Tragbahre ; jedes Gestell, welches zum tragen 
von Gegenständen dient, ferculum; SCHOE. 749; LEX. 
KWb. 66 ; SCHM, P f 653. : 

troug, nur n., sonst wie nhd.; Dim. tröig'l. Auch hakst 
troug oft eine muldenförmige .Gegend; SCHOE. 768; 
LEX. KWb. 72; SCHM. P, 658; : STALD. I, 306 u. A. 
mhd. troc [BM. III, 112], ahd. troc, trog, troch, troh 
[GRAFF V, 504], ags. trog, engl, ttroughy aRn. trog 
vgl. GRIMM Gr. HI, 457 ; WEIG. H, 2, 913 f. ; wahr- 
scheinlich eines Stammes mit truhe, vgl. SCHM. a. a* 0. 

dröl, m., etwas Gedrehtes, z. B* 1) im Getreide, wenn .der 
Wind es strichweise niedergeworfen od. der Reif es strich- 
weise verdorben: dräleweis is' hin heisst es. 2) eine 
List od. Verdrehung: er wö^rscht woll an dro.l finn 
er wird wol eine Verdrehung finden; SCHOE. 88; LEX. 
KWb. 66; SCHM. P, 560; FZ. H, 245; IV, 344. Von 
einem Diminutiv und I terati v zu drehen, worüber z. B. 
GRIMM Wb. H, 1427 ; HW. s. v. torqueo. 

tfölaha, trtiler, trühler, m., eine Art Schlitten für Knaban, 
oben mit einem Brette gedeckt. Ich weiss mit dem Worte 
nichts anzufangen, trotzdem, dass ich schon zu wiederholten 

- Malen darüber nachgedacht. Ist es dasselbe, was bei LEX. 

. KWb. 66 tr&lle Holzschuhe? bei SCHMTD 144 trnll 

.., dicke, runde Weihsperson von trollen, trillen drehen, 
rtriüzen? Oder ist es draeel, dra^eler oder gardr.ey- 
ling bei SCHM. I a , 560 f.? Endlich könnte es auch von 
truhe kommen wegen der Aehnlichkeit mit derselben. 
Helfe, wer kann! 



44 

trieme, gew. nur im plur., die letzten Reste des Weberzettels ; 

SCHOE. 755; SCHM. I», 566; DIEF. gl. 235« f.; cimbr. 

Wb. 116 a u. A. Wir haben allerdings fz. trame Eintrag 

ins Gewebe; allein sollte nicht das Wort mit mhd. ahd. 

drum zusammenhängen? vgl. d. folg. 
drumm, n., Stück eines Ganzen; Stück Weges; auch für viel, 

z. B. a drumm leichter = viel leichter; SCHOE. 761; 

SCHM. I 8 , 663 u. A. mhd. ahd. drum [BM. I, 391 b ; LEX. 

MWb. I, 471; GRAEFV,260; 530] Endstück^ Ende, Stück, 

altn. thrömr äusserster Rand, mhd. drumen, drümen 

abschneiden, kürzen, zerbrechen. Eines Stammes mit dem folg. 
dremm'l, m., rundes Stück Holz; SCHOE. 754; LEX. KWb. 

68; SCHM. I a , 662; SCHMID 139; PZ. IH, 192, 85; V, 

116, 16; VI, 173; HOEF. KT, 236; 233; CAST. 133 f.; 

STALD. I, 296. mhd. dremel [BM. I, 3&1*>; LEX MWb. 

I, 460] Balken, Riegel, ahd. dremil, tremil [GRAFF 

V, 531] vgl. GRIMM Wb. H, 1399. Mit mhd. dram, tram 

Balke zu skr. t arm an S pitze , Ende des Opferpfostens, 

lat. termen, terminus [EW. s. v. tero] u. s. w.; skr. 

Wz. tar- durchdringen, ans Ziel kommen. Anders über unser 

Wort GRIMM Gr. H, 55 ; WEIG. H, 900.« 
dränd'l, f. = Rausch. Von drehen. 

träntik = tragendik cL i. trächtig (vom Vieh) SCHOE. 748 u. A. 
tr&ngg, m. (wenn es auch einer Weibsperson gilt), seltener 

tränggin, f., unvernünftige Weibsperson ; SCHM. I 2 , 667, 

der es zu Drang stellt, was ich nicht glaublich finde ; vgl. 

aber wend. trantara [GUTSM. 556] tölpisch Weibsbild, 

Trampel. 
trüninger, m., Schimpfwort auf einen unartigen Menschen. 

Wol zu trünnig bei SCHM. I*, 666 u. BM. IH, 96. 
trin8Ch'ln, v., geifern, z. B. beim Essen oder wenn Jemand 

etwas mit Eifer und Hast erzählt; SCHOE. 757. Eines 

Stammes mit trensen bei SCHOE. 754; SCHM. I 2 , 671; 

LEX. KWb. 69. Daher subst. trinschier und trinsch- 

lerin; ferner triontsche verzerrter Mund. 

drunsk'fl, v., knurren, bes. von Hunden ; vgl. rünsk'n u. HW. 

s. v. rudo; SCHOE. 571 u. A. 
trischtrühe — Tischtruhe, Tischlade. Ueber dieses euphonische 

r vgl. TOBLER in ZZ. IV, 381 f. 
driste, f., aufgerichteter Schober Streu, Heu und anderer 

Gegenstände, i. B. a driste kräpf'n; SCHOE. 91; LEX. 

KWb. 71; SCHM. I a , 571; 676; FZ. IV, 346; cimbr. Wb. 

116 a ; STALD. I, 305.. Von it. dirizzare, drizzare, fz. 

dresser richten, zurichten, von lat. directus, wovon 

man directiare bildete, DIEZ I 3 , 354. 
trÖ8tern, plur., Hefe der gesottenen Butter. Ist wol dasselbe, 

was bei SCHOE. 91 dr6s, drous; vgl. LEX. KWb. 70; 



45 

SCHM. P, 568 u. A. Auch wend. troska, troskje 
[GUTSM. 556 b ] Hefe, Satz, üeber unser Wort handelte 
FICK in KZ. XXI, 4. 

trösterer, m., langsamer Mensch. Vielleicht zu vgl. SCHM. I 8 , 
676 unter tristem. 

troestle, adv., gemüthlich, allgemach, z.B. sei stükl broat 
troastle wöcköss'n sein Stücklein Brod gemüthlich 
verzehren; SCHOE. 759; SCHMTD 142^ SCHM. I* 6W. 
Eigentlich blos tröstlich [FICK 758]. 

druz'l, m. , dim. drüzile eine weiche Masse, durch Drosseln 
länglich geformt; druz'l d. i. druzeln, v. eine weiche 
Masse wurstähnlich machen ; LEX. KWb. 74. Dasselbe, was 
bei SCHM. I 2 , 568 f. dross, drossel, drüssel Schlund, 
Kehle, die Fetthaut unter dem Kinn. mhd. drozze (LEX. 
MWb. I, 469; BM. I, 398 a ] Schlund, Kehle, drüazel 
Gurgel, Schlund, Kehle, Bussel, Schnauze, ahd.' droza 
[GRAFF V, 250; SCHA.» 112], zu ahd. driozan, mhd, 
driezen beschweren, bedrücken, bedrängen, lat. trudere; 
FICK HP, 140; SCHA,* 111; GRIMM Wb. II , 1438; 
WEIG. I>, 345; SCHMIDT Voc. I, 160; ZEH. 268; KZ. 
VH, 189 u. A. 

dfiste (S. 44). Dazu PFT. Oest. Gymn. - Zeitschr. XXVII, 
S. 696 (u. briefl.): „Das Wort geht unseres Erachtens mit 
ahd. liuttrist auf gt. threihan zurück und wäre etwa 
gt. thraihsto, s. Gymn.-Z. 1867 S. 124; Ausfall von h 
vor st wie inmist, maihstus." Ich bin vollkommen einver- 
standen und bemerke noch, dass auch SCHA.* 5Ö7 drifcto 
mit liuttrist in Verbindung bringt. 

Ueber die folgende tsch-Reihe handelte im Allgemeinen 
GERLAND in KZ. XXI, 67 ff. Die dort niedergelegte Ansicht 
kann ich im Grossen und Ganzen bestätigen. Besonders muss 
ich die letzten Worte des Aufsatzes [S. 73] unbedingt unter- 
schreiben und sehr betonen. Der Verfasser sagt: „ so beweist 
die spätere Entstehung der Lautgruppe tsch auch m wittern 
neuen Beispiel, wie die Sprache auch später, auch jetzt noch 
onomatopoetisch schöpferisch und thätig ist." — I» ujiser§m 
Dialekte findet sich die Lautgruppe tsch unverhältnismässig 
häufig. Es ist dies aber nicht so fast au£ Rechnung des 
romanischen , als vielmehr auf die des ^2avischen Einflusses 
zu schreiben. Allein in vielen Fällen ist es blos lautmalend, 
namentlich bei vielen Wörtern, die zu einem Schalle, zum 
Plätschern des W asser s u. s. w. in irgend welcher Beziehung 
stehen; vgl. auch WEINH. B. Qr- §. 150; 157. 

tschöepe, f., weibliches Kleidungsstück , das nur den Oberleib 
bedeckt; SCHOB. 76§. Aus, it giubba, giuppa, sp. al- 



» . v. 



46 

juba, pr. jupa, £z. jupe, mhd. gippe, joppe, aus dem 
arabischen aljubbah baumwollenes Unterkleid DIEZ I 3 , 
214; LEX. MWb. I, 1018. 

tschuppe, auch k schuppe gesprochen, ein buschiges Bäum- 
chen, besonde rs v on der Fichte. Das Wort stimmt zwar, 
wie ich schon MW. s. v. scopa erwähnt habe, merkwürdig 
ipu skr. kshupa, kshumpa, chupa Staude, Busch, neu- 
persisch öüb, öüp, armenisch züp Stock [FICK 627], 
allein andererseits kann es kaum getrennt werden von 
tschaup und nhd. Schopf, dialektisch Tschopf, vgl. 
SCHOE. 765; 770; LEX. KWb. 227; STALD. I, 321; FZ. 
VI, 409, 33; II, 89; III, 10; 103; cimbr. Wb. 167 u. A. 

tschepper, f., eine schlechte, alte Kuh. Zu ts ch epp er n einen 
hohlen Ton geben, wie eine zersprungene Glocke vgl. 
SCHOE. 767. 

tschaup, m., Federbusch eines Vogels; übertragen, wenn Jem. 
die Haare zu Berge stehen; SCHOE. 765; STALD. I, 320; 
HOEF. LEI, 73; FZ. H, 92, 40 u. A. vgl. tschuppe. 

tschQppI, m. , Schimpfwort auf ein unartiges Kind; vgl. 
tschuppe und SCHM. II 3 , 43». 

tschappen, v., beim Essen so hastig darauf los kauen, dass 
es schnalzt. Wol das it. chiappare erhaschen, worüber 
zu vgl. DIEZ II 8 , 20. 

tschaipp'm, v., langsam sich dahin schleppen, vgl. tschätsch'n. 

tschoch, tschoch, Lockruf an die Kühe ; LEX. KWb. 224. 

tschöedern, plur. , die Lippen, besonders im verächtlichen 
Sinne gesagt; SCHOE. 766; SCHM. IP, 483; STALD. I, 
316; TOBL. 383; FZ. III, 8; 10, 2 u. A. vgl. tschättern. 

techättern, v. , einen plätschernden Schall von sich geben 
z. B. es göat da traf, ass' lei tschattert es fliesst 
die Traufe, dass es nur plätschert; SCHOE. 765; SCHM. 
II», 483; LEX. KWb. 214; STALD. I, 316; FZ. III, 10, 
2 u. A. 

tschät£$h'n, v., langsam, die Füsse nachschleifend einhergehen ; 

davon sübst. tschätscher ein alter Mann; SCHOE. 765. 

Anderswo waschen SCHM. H a , 1158; LEX. KWb. 263; 

CAST. 271; EUEGrEL 193. Zusammenhang mit zaspen 

BM. III, 852; SCHOE. 826. Ich verweise noch auf 

zäschg'n S. 248. 
tschock = Schock vgl WEIG. ü*, 627; LEX. KWb. 224. 
tschaldern, v. , einen dumpfen, kreischenden Ton von sich 

geben. Iterativ zu schallen vgl. LEX. KWb. 213; 

SCHOE. 764; FZ. III, 8. 
tschindern, v., klirren; SCHOE. 767; LEX. KWb. 217; 

SCHM. IP, 430 f.; FZ. IV, 453; VI, 342. 



47 

tscheingele, n., ein altes betagtes Mütterchen; vgl. LEX. 
KWb. 215; SCHOE. 766; SCHM. II*, 368. 

tschinggelen, v,, einen Geruch verbreiten, als ob es wo brenne 
vgl. SCHOE. 767; LEX. KWb. 218; FZ. HI, 9; SOHM. 
II 8 , 1133; 1141 u. A. 

tschangp'n v., ziehen, zerren, besond. an den Glockensträngen 
so reissen, dass ein abgebrochenes Geläute entsteht; ferner 
das Flachs-Brechen selbst heisst man tschangg'n; wenn 
einer zähes Fleisch kaut, sagt man: er tschanggit; 
SCHOE. 764; FZ. HE, 8; 525, 1 ; LEX. KWb. 262; SCHM. 
II 2 , 1136. Das Wort ist =s zanken und letzteres sehe ich 
als I ntensivum von ziehen an. Anders KZ. XXI, 70 f.; 
WEIG. H a , 1155. 

tschirfe, f., schlechter Lichttiegel; nur im äussersten Theile 
des Thaies gebraucht [Hopfgarten]; SCHOE. 768. Dass das 
Wort kein deutsches ist, sieht man sogleich. Ich dachte 
anfangs an lit. äeriü, £er£ti glänzen, schimmern, altslav. 
zrj*} zrSti sehen, blicken, zaru Brand, zarja, zorja 
Glanz, Gluth [FICK 574], allein das war nicht richtig. Das 
Wort stammt aus dem wend. lesherba [GTITSM. 517 a ] 
Bauernampel, lesk Schimmer, leshketam schimmere, bei 
MIKLOS. 349»: liStati s§, li§t$ s§, liätiäi s§ glän- 
zen, neuslov. lesnoti, leäöati se, leskati u. s. w. ; 
hierher auch podlesk Zeitlose, vgl. parlötsslen. 

tscharfl'n, v., mit den Füssen schleifen, scharren ; SCHOE. 767 ; 
LEX. KWb. 216; FZ. III, 108. Zu nhd. schürfen von 
scharf, HW. 21 ; 24; WEIG. IP, 652. 

tschorgge, m., ein .unförmiger widerlicher Mensch. Wahr- 
scheinlich = schurke. 

tschürl, m. Krauskopf: tschürlkopf; auch eine Grasart 
auf Hochalpen, wahrscheinlich eine carex; auch tschur 
Krauskopf, wird gebraucht; adi. tschürit mit gekrausten 
Haaren. Die Etymologie des Wortes macht nicht geringe 
Schwierigkeiten. Das Wort hat in der neueren Zeit zwei 
ausführlichere Erklärungen erfahren, die eine von GER- 
LAND in KZ. XXI, 70, die andere daselbst XXII, 137 f. 
von TOBLEB. Ich kann keinem von beiden beistimmen. 
Betrachten wir zunächst t schür, tschürl Krauskopf; 
tschürit' mit gekrausten Haaren, und lassen wir tschürl 
entehrtes Mädchen, ganz weg; denn möglicherweise ist ja 
letzteres ein ganz anderes Wort. Dass tschürl ein Dimi- 
nutivum ist, geht daraus hervor, dass im Deferegger 
Dialekte auch tschür neben tschürl und tschürit vor- 
kommt, tschürl und tschüret hat auch SCHOE. 770 
imd LEX. KWb. 227 vgl. EZ. HI, 111; daneben führt 



48 

SCHOE. 225 auch g u r 1 e t kraus , gurlhäret kraushaarig, 
an. tschürl schliesst sich genau an lat. cirrus an: 
Büschel, Federbüschel, cirrati bei Persius I, 29 Exaus- 
köjtfe. Diesem cirrätus entspricht völlig das adi. tschur- 
ret bei LEX. KWb. 227, im Deferegger Dialekte mit 
gewöhnlicher Dehnung des Stammvocals statt des darauf 
folgeren doppelten r tschüret, tschürit; vgl. güre 
[S. 7@]: gurre, tschürl würde einem lat. * cirrulus 
entsprechen. Dieses cirrus kann nun allerdings, wie 
GERLAND in KZ. XXr, 70 meint, auf die mutmassliche 
Wz. skar-, oder zunächst auf kar-, kvar- [CORSS. 
Ausspr. I«, 4J2; EICK 2 203; CURT.* 157] drehen, zurück- 
gehen vgl. zend. 9k ar- [? IUSTI 297] springen, abrunden, 
9karena rund. Allein cirrus möchte ich lieber mit Wz. 
skar* scheeren, schneiden, verbinden 1 ) vgl. gr. xopon, x6p<nj 
de* Schlaf am Klopfe, der ganze Kopf, aber auch Haar 
[POTT WWb. H, 1, 157] und lat. cärßre z. B. lanam 
Wolle krämpeln [POTT WWb. H, 1, 171] vgl. auch VAN. 
183. Anders freilich ZEH. 54; a 83; EICK H*, 696; CÜRT! 
Stud. VH, 279; BENF. H, 288; Ob uns das bei BENE. 
ä. a. 0. erwähnte cikura, das nach BR. II, 1007 unter 
andern' auch Haupthaar bedeutet, etwas hilft, weiss ich 
nicht; Desgleichen , ob mit mhd. balzer, balczer [DIEF. 
gl. 123 b ; 134*; noy. gl. 93 ft ; 87 a ; 102 b cirrus: balz er, 
balczer; LEX. MWb. I, 118; BM. I, 82; SCHA. 3 38], 
ahd. balz f? GRAFF m, 114] etwas anzufangen sei; vgl. 
auch DIEF. Origg. Europ. 300. 

Wenden wir ,uns ritm zum andern Worte tschürl, 
t s c h r 1 entehrtes Mädchen ; tschurlkind uneheliches 
Kind SCHOE. 770. Das Wort ist mir sonst in Tirol nir- 
gends begegnet. Auch SCHOE. führt bloss das Thal 
Schrials an, das unweit Meran in das Thal Vintsch- 
gatf mündet. Hier haben wir in Betreff der Aussprache 
entschieden romanischen Einfluss zu erwarten. Wenn aber 
GERL. sagt, es leuchte schon dem ersten Blicke ein, dass 
tschürl gleich sei hure, so muss ich das Gegentheil 
behaupten; ja ich halte diese Erklärung für eine Unmög- 
lichkeit. Es ist bekannt, dass die romanischen Mundarten 
Südtirols deutsches h im Anlaute entweder gar nicht spre- 
chen — das ist das gewohnlichste — , oder dasselbe zu ch, 
selbst zu k verdichten. Sollte also durch romanischen Ein- 
fluss das deutsche hure entstellt worden sein, so würden 



*) Es ist unrichtig, wenn TOBL. in KZ. XXII, 137 angibt, GERLAND 
habe auf die Wz. skar- scheeren, zurückgegriffen. GERL. erwähnt nur 
skar- ausschütten [bei FICK 8 204, Nr. 4] und skar- krümmen [bei FICK 
203, Nr. 1]. 



49 

wir entweder u r e bekommen , oder höchstens chuye, kure, 
niemals aber tschure. Auf eine Wz., die möglicherweise 
ursprachlich skar- lautete, wird man sich dabei doch nicht 
im Ernste berufen wollen ; dieser Luffcsprung wäre doch zu 
gross. Dass krulle noch weniger hieher gehört, ist 
selbstverständlich und hat bereits TOBLER ausgesprochen. 
Dieses krulle wird bei uns durch grüle repräsentirt. — 
SCHOE. a. a. 0. erinnert bei unserem Worte an kämt. 
tschür*ln [LEX, KWb. 227] pissen, dieses scheint aber 
aus dem slav. zu stammen vgl. nordböhm. tschureln, 
tschoreln, böhm. ßurati pissen [FZ. II, 239], ebenso 
schles. schurlen [FZ. IV, 184]. Für Südtirol, das sonst 
keine Slavismen kennt, ist diese Erklärung nicht wahr- 
scheinlich. Nach meiner Ansicht ist unser Wort aus dem 
anderen tschürl hervorgegangen. Dass dies möglich ist, 
zeigen folgende Ausdrücke für aliquam vitiare, die sich alle 
auf die pubes beziehen: pudern [WEIGr. II 2 , 404], fil- 
zen [vgl. SCHOE. 136], ablausen [vgl. SCHOE. 374], in 
die hör kommen, noppen [SCHOE. 472; meine Beitr. S. 
172], tschopfen [SCHOE. 769V, tschüppeln [SCHOE. 
770], auch maus'n [vgl. SCHOE. 430; SCHM. I a , 1666] 
und vögeln [SCHOE. 790; LEX. KWb. 100; SCHM. I 2 , 
835; SCHMTD 208; STALD. I, 388; WEINH. Dial. 111; 
FRISCH II, 404°] kann man hieher ziehen. Den Bedeu- 
tungsübergang kann sich jeder leicht selbst ergänzen, der 
die kernige, derbe Sprache der Bauern kennt. — Zu der 
Auffassung unserer Wörter, wie sie TOBL. ge geben hat, 
kann ich mich nicht verstehen^ Er glaubt eine Wz. (t) s c h ü- 
und (t) schür- annehmen zu müssen, die dasjenige Gefühl 
ausdrücke, das durch Berührung einer ungleichmäßigen 
Oberfläche erzeugt werde. Allein was uns derlei aufge- 
stellte Wurzeln ohne Fleisch und Blut helfen sollen, sehe 
ich nicht ein. Die von TOBL. angeführten Schweiz. Wörter 
lassen sich alle anders erklären und setzen, glaube ich, 
verschiedene Wurzeln voraus. Nach meinen Beobachtungen 
erscheint der tsch-Laut als Nachfolger eines seh, z, auch 
eines s. Es kann demnach Schweiz, tschudeln [STALD. 
I, 321} ein Geschäft in Eile und nur halb verrichten, nicht 
die gehörige Zeit und Aufmerksamkeit darauf verwenden, 
recht gut = sein sudeln [vgl. WEIG-. II a , 855; syn. ITC, 
664, 1662; ipeine Beitr. S. 202], tschüder Kohlkopf, der 
nicht dicht in einander gewachsen , sondern ganz locker ist, 
kann dasselbe Wort sein, wie tirol. züderit [meine Beitr. 
S. 243]. Dazu gehört auch Schweiz, vertschüdert, das 
auch iü Tirol in der Form tschutterit adi. u. tschut- 
terer, m. vorkommt und besonders von Vögeln gebraucht 
wird, die das Gefieder' sträuben. TJeber tschfalig, 



50 

tscheul, tschülen will ich mich hier eines Urtheiles 
enthalten. lieber tschuppe vgl. meine Beitr. S. 45. Nicht 
hieher rechne ich auch tschure [= schauern WEIGL 
II 2 , 555], tschüte [= tirol. schütten erschüttern, schüt- 
teln von Frost, Schauder, natürlich wurzelhaft gleich mit 
schütteln, er-schüttern u. a. WEIG. II 2 , 654]. Von 
einer gemeinsamen Wz. kann man demnach wol nicht 
reden. — Gegen diese meine Auffassung, die auch SCHN. 
269 vertreten hatte, bemerkt Ernst KUHN (briefL), es 
scheine gerade ein von GERL. angedeuteter Weg der Er- 
klärung mehr als gut vernachlässigt. „GERL. U , sagt KUHN, 
„erinnert an nhd. 'krolle, krulle und gerade das angeßlhrte 
gurlet, gurlharet stimmt so genau zu engl, curl (die 
Metaihesis hier erst neuengl.), dass gewiss ein Zusammenhang 
jenes gurlet u. s. w. mit kr oll e, weiterhin auch mit kralle 
(starkes Verbum * kr Ulan mit der Bed. krümmen) unab- 
weisbar ist. Dies legt mir die Vermuthung nahe, dass tschürl 
einer romanischen Umgestaltung dieses Stammes seinen Ursprung 
verdankt. Will man den Zusammenhang der WW. tschürl 
U. s. w. mit gurlet aufrecht erhalten, so glaube ich, wird man 
tschür, t schür it für verkürzte Formen zu tschürl ansehen 
müssen. Freilich bleibt auch so manches zweifelhaft, allerdings 
meiner Meinung nach kaum zweifelhafter als die Ableitung von 
cirrus. u — Ich konnte mich von der Richtigkeit dieser 
Worte nicht überzeugen, namentlich kann ich die Möglich- 
keit nicht zugeben, dass tschürl durch romanischen Ein- 
fluss aus kurl, krul hervorgegangen sei (vgl. Verhandl. 
d. Philologenvers, in Lmsbr. S. 179). Auf gurlet möchte 
ich nicht zu grosses Gewicht legen , zumal SCHOE., wie so 
häufig, bei dem Worte nicht angibt, wo es vorkommt. Mir 
ist es in Tirol nirgends begegnet. SCHN., ein gründlicher 
Kenner der romanischen Mundarten, erklärt gurlet aus * 
cirrulatus, was gewiss möglich ist. Zudem wird krulle, 
krul tirol. durch grül widergespiegelt, wie schon oben 
bemerkt; grül entfernt sich aber von tschürl himmel- 
weit, so dass an einen Zusammenhang unmöglich' zu 
denken ist. 

SCHN. theilt mir folgendes mit: „wälschtir. ciorla, 
f magere Kuh, Kuh überhaupt; ciorlo, -a adi. = strambo 
seltsam, ungeschickt, unbesonnen, Bormio: ciorla , f. Kuh von 
geringem Wert, comask. ciorla 1) Krähe, 2) Schmähwort wie 
it. chiurlo. Ferner auch cinciorla oder ciorla schlechter 
saurer Wein, churw. tschur kraus, Toscan. ciurlar nicht 
recht fest sein, ein Narr sein (bei Giusti: ciurla nel 
manico er ist ein Narr). — Die Bedeutungen sind, ausein- 
anderzuhalten. Einerseits vom Begriffe „kraus u (cirrus) aus- 
gehend zu vacca ciorla, dann einfach ciorla = kraus- 



51 

haarige Kuh d. i. schlechte Kuh und in übertragener Bed. 
etwas gemildert: entehrtes Mädchen, Hure. Bei den Romanen 
hat vacca schlimme Bed. d. i. es ist ein verächtliches Thier; 
von einem Weibe gesagt: la 3 na vacca heisst: sie ist eine 
ganz gemeine Hure, eine Strassendirne. Andererseits betreffs 
der Bedeutungen:, unbesonnener Mensch, Narr u. s. w. darf 
gelten, was ich in meinen „Roman. Mundarten" bei pirlar 
bemerkte. 

tschurteche , f., Fruchtzapfen von Nadelholzbäumen , bes. von 
Zirbelbäumen; von Fichtenbäumen auch küelen genannt; 
SCHOE. 770; FZ. IV, 454; LEX. KWb. 266; 267; SCHM. 
IP, 1152; WEINH. 88 b ; GRADL in KZ. XIX, 59; 62; 
vgl. das wend. shtarsh [GUTSM. 454 b ] Zapfen an Bäu- 
men. Ueber die Etym. SCHN. 279. 

tschwödern = schwadern, plätschern; SCHOE. 655; STALD. 
II, 357 f.; SCHM. II*, 624; SCHMTT) 485; WEIG. II a , 
657; LEX. KWb. 228. - Davon durch Onomatopoesie ein 
Intensivum gebildet tschwatschen, t seh watschen, 
tschwotschen. 

isch wandern, v., hin und her rütteln; auch intr. hin und her 
taumeln; vgl. tschwödern; SCHOE. 657. 

tschwangg'n, V., Flüssiges hin und her schütteln; dav. subst. 
tschwängg ein flüchtiger, unbeständiger Mensch. Eig. 
wol nur = schwenken. 

tschwerggTn, v., wanken, taumeln; SCHOE. 658; 771; LEX. 
KWb. 229; FZ. VI, 206. Es ist = zw argen drehen bei 
STALD. II, 484, zwärgeln, zwirgeln bei SCHMID 
553; 556. Bei Kl. Groth ist dweern hin- und her- 
wackeln im Gehen. 

tüxeln, bes. vatüx'ln verstecken, verheimlichen; SCHOE. 94. 
Von ducksen heimtückisch sein und dieses von ducken; 
SCHM. I», 490; 489; GRIMM Wb. II, 1497 ; WEIG. I 2 , 348. 



F. V. 

foebizze, f., nur in der Bed. schlechtes, mit Kleien ver- 
mischtes Brod; SCHOE. 146; LEX. KWb. 100; SCJHM. I«, 
685; STALD. I, 388; SCHMID 198 u. a. Bei DIEF. gl. 
291 c : m focatius Aschenbroit und 444 a s. v. polenta: 
pogatz vgl. noch nov. gl. 178 a . Es kommt einerseits in 
Betracht das ahd. [GRAFF HI, 441] fohhenza, 
fochinza: crustula* lagana, collyrida torta, elisa; mhd. 



52 

vochenze [BM. in, 357] vgl. GRIMM Wb. III, 1863; 
FZ. V, 332 — andererseits berührt sich das W. enge mit 
slav. WW. vgl. wend. pogazha [GUTSM. 534 1 *] Waizen- 
brod, altslav. pogaca [MTKLOS. 588 a ] panis genus — 
und mit ital. focaccia, sp. hogaza, fz. fouasse, neugr. 
woyaT^a, ©oyaT^a Kuchen [DIEZ I 8 , 183]. Unser W. geht 
aber auf locus zurück: etwas auf dem Herde gebackenes, 
vgl. Isidor 20, 2, 15: cinere coctus et reversatus est foca- 
cius. Zu beachten ist, dass statt - f och izze auch ben- 
gizze gesagt wird. Ueber die weiten Wanderungen, die 
das W. gemacht, vgl. MTKLOS. Fremdwörter, S. 118; 
HEHN Kulturpflanzen, 2. Aufl. 1874, S. 481; BIRL. Alem. 
94; die Schweiz. Schrift: Das foggezenbrod. 

fuchs, m., Schlittensohle, Kufe; auch läse [wol = Geleise] 
und kuechin [SCHOE. 219; SCHM. P, 1222] genannt, 
vgl. SCHM. I 3 , 686. 

fäcke, m. , Schwein überhaupt; bes. häufig gebraucht als 
Schimpfwort gegen einen unsauberen Menschen. Das dim. 
fackl bedeutet auch den essbaren Kern z. B. von Zirbel- 
nüsslen, gedörrten Zwetschken u. a. Fäck wurde von 
GRIMM Wb. m, 1227 [SCHOE. 115] zu lat. porcus, 
mhd. varch, ahd. varah gestellt. Dagegen hat sich mit 
Recht LEX. KWb.. 87 ausgesprochen. Zu den von LEX. 
daselbst angeführten Gegengründen kommt noch von unse- 
rem Dialekte aus, dass neben fäke auch pärggo ge- 
braucht wird, welches allerdings zunächst aus dem ital. 
porco entlehnt ist, aber auf lat. porcus zurückgeht. Die 
Ansicht WEINH. 18 a , dass der Grundbegriff „herumlaufen" 
anzunehmen sei, scheint demnach Berechtigung zu haben, 

vgl. noch SCHM. P, 689; FZ. II, 340 u. a. 

< 

fick'n, v., aber nur im obscönen Sinne; SCHOE. 135 u. a. 
Damit verwandt fucht'l, f., liederliches, herumflankierendes 
Weib. Auch g'fuckt behend, tüchtig, flink, kann hieher 
gehören, obwol man es als gefügt erklären dürfte. Die 
ganze Wortgruppe hat eingehend und grossentheils richtig 
behandelt GRADL in KZ. XIX, 125 ff. 

veidl, m., ein zaghafter, unbehilflicher Mensch, jedoch nicht 
gerade im schlimmen Sinne gebraucht; SCHOE. 787; LEX. 
KWb. 92: ein neidischer Mensch; SCHM. I 2 , 692; 833: 
Schimpfbenennung eines zaghaften, muthlosen Menschen. 
Gewiss vom Eigennamen Veit. 

vöt'l, f., nur in der Bed. „altes Frauenzimmer", aber immer 
im verächtlichen Sinne. Es scheint also mit WEIG. ü a , 
1013 zu lat. vetula altes Weib, zu stellen zu sein, vgl. 
jedoch SCHM. I*, 693; GRIMM Wb. IV, 1, 363 l 



6a 

f&tz'tl, m., z. B. f. giw&nd 3= Fetzen von einem Anzüge, 
Kleidungsstück, vgl. SCHOE. 134; SCHM. I» 781; LEX. 
KWb, 94 u. a. 

fetzen, = cacare; sonst nur für mingere gebraucht bei 
SCHOE. 134; FZ. V, 230; cimbr. Wb. 120»; SCHM. I 3 , 
780. Das Wort gehört mit ags. vaetan, engL to wet, 
an. vaeta [d. i. vätjal vaetta nässen, feuchten zu Wz. 
ud-, vad- netzen, quellen, baden, lat. unda, gr. uScap, 
Wasser, vgl. HW. 244; FICK 2 864 f. u. a. Davon wol 
f etz'nrausch, an mordsfe tz'n für „ein grosser Rausch", 
vgl. jedoch SCHOE. 134; LEX. KWb. 94; SCHM. I», 780 f. 

feige, adi., nicht in der nhd. Bed., sondern so viel als preis- 
gegeben, für etwas bestimmt, z. B. feige stion = un ver- 
rückt dastehen gleichsam als Zielscheibe, nach welcher man 
werfen* od. schiessen kann. mhd. veige [BM. HI, 289 b ] 
vom Schicksale zum Tode bestimmt, dem Tode anheim- 
gefallen; ahd. feigi [GRAFF HI, 432]; ags. faege, alts. 
fegi, altn. feigr [MOEB. 93 f.] für den Tod bestimmt, 
moriturus. Ueber muthmassliche Etymologie vgl. WEIGk 
I 2 , 444; syn. No. 747; GRIMM Wb. HI, 1441 f.; DIEF, 
Wb. I, 380; FOERST. I, 273; POTT. Wzw. in, 183 u. a. 
Das bei SCHOE. 787 erwähnte veig: das Obst, wenn es 
bereits schwarze Kerne hat, also der Reife nahe ist, macht 
es mir wahrscheinlich, dass feige zu Wz. pac- kochen, 
backen, reifen, gehört, skr. pak-va- gar, reif [HW. s.v. 
coquo], aber auch so viel als reif = dem Ende, dem Ver- 
gehen, dem Tode nahe, verfallen [BR. IV, 343], vgl. noch 
FICK 2 787; Sp. 100; SCHM.I 2 , 695; SCHMID 174; VILM. 
^100; STRODTM. 53; Br. Wb. I, 364. 

f Sehen, pl., Sommersprossen im Gesicht; davon adi. föehik 
voll Sommersprossen; SCHOE. 126. mhd. v§ch [BM. III, 
285], ahd. feh [GRAFF HI, 425] bunt, gt. -faiha- Ge- 
stalt [= skt. p e 9 a Stickerei, gesticktes, buntes Gewand, 
Zierat, Schmuck, Gestalt BR. IV, 876; GRASSM.. 861] 
in filu-faiha- [DIEF. Wb. I, 351; MGSpr. 71] vielge- 
staltig, mannigfaltig, gr. rcouciXo; bunt, Wz. pik-, skt. pip- 
ausschneiden, zurechtschneiden, bilden, putzen, schmücken, 
vgl. HW. 170; FICK 2 124; POTT Wzw. II, 2, 563; 
SCHM. I«, 700; WEIG. I 2 , 442; GRIMM Wb. HI, 1386. 

föhin, v. = fangen; Inf 6 hin = einfangen, gewöhnlich in 
der Bed. gebraucht: ein Stück von der Gemeindeweide als 
Eigenthum zu seinem Felde zustecken und. umzäunen; 
dav. infink, m., diese umzäunte Wiese, vgl. LEX. KWb. 
89; SCHM. I 2 , 729 f. mhd. vähen [BM. HI, 201], ahd. 
fähan [GRAFF DI, 386; SCHA, 157], gt. f ah an [DIEF. 
Wb. I, 342: MGSpr, 711 fassen, fangen, Wz. pak-, zend. 
pa,Q- [IUSTI 187] binden, skt. p ftp a Band, Fessel, 



54 

• > 

pacayati binden, fesseln, lat. pac- in pax, pac-isco'r, 
p a'n g o [HW. s." v.J, gr. wav- in fabf-wnuc, befestige vgl. CURT.* 
268; POTT Wzw. III, 180 u. a.; GRIMM Wb. IDT, 1236; 
WEIG. I« 427, 

fälkit, adi., fahl, falb; fälke heissen häufig die Kühe mit 
weisslichter Farbe; SCHOE. 116; LEX. KWb/88; SCHM. 
I», 706; daau noch GRIMM Wb. HI, 1239; WEIG. T a , 
430. mhd.val, valwer [BM. III, 213], ahd. f alo [GRAFF 
in, 468; SCHA. 160] fahl, bleich, falb, blond, gelb; vgl. 
lit. pilkaa [SCHLEICH, lit. II, 804] grau, altslav. plavü 
[MIKLOS. : 568] weiss, gr. icdufc,' irsüo; ' [CURT.* 271] 
schwärzlich, fahl, bleich, %oki6$ grau, lat. palleo, pulltia 
[HW. 158]; skt. palita, fem. paliknl [BR. IV, 593; 
GRASSM. 793] grau, altersgrau, greis. Man beachte die 
verschiedenen, bis zum Gegensätze ausgedehnten Nuancen 
in den Bedeutungen dieser unte* sich verwandten WW. 
vgl. PAULI Die Benennung des Löwen bei den Indo- 
germanen, Münden 1873, S. 14. Ueber die Wz. unserer 
WW. vgl. FICK a 121. 

fildern, aufildern sagt man, wenn sich die Fäden vom Tuche, 
losmachen ; auch : wenn sich die Haut bei den Nägeln los- 
schält. Man vgl. bei SCHOE. 136 u. SCHM. P, 709:fillen 
schinden. Zu Fell vgl. GRIMM Wb. III, 1631; WEIG. I 2 , 
458 u. a. 

ffildern = füllein bei SCHM. P, 710: vom' Pferde = 
Junge werfen. 

fölltür = falltür, wie man neben fäll'nauch föll'n sagt'; 
SCHOE. 117; SCHMIß 176; SCHM. I», 705., 

falzl, dim., eine zum Anfügen mit dem Hobel abgestossene 
Kante; ein kleines Brett; SCHOE. 118; SCHM. I* 716; 
GRIMM Wb. III, 442; 1303 f. mhd. valz und valze 
[BM. III, 234] Fuge, ahd.' falz ßn anevalz incus SCHA. 
160 b ]. Nach WEIG. I 4 , 433 zu falten und gr. iciWsiv 
. [HW! s.v. pello]. 

fein, adi. u. adv., in allen bei SCHOE. 128 und SCHM. I« 
721 angegebenen Bedeutungen. Ueber die Etymologie vgl. 
BM. III, 317*; DIEZ P, 180; GRIMM Wb. III, 1455 ff.; 
WEIG. P, 446. 

fändl, dim. von fün Fahne, wie bei SCHOE. 118. Besonders 
mogafändl = Mohnfähnlein, die Blüthen des Mohn. Ueber 
die ; Etymologie vgl. SCHM. P, 719; SCHA. 160 b ; GRIMM 
Wb. III, 1841-; WEIG. P, 427; FICK* 374. 

fendern, v., kaufen und verkaufen, tauschen, schachern, nur 
von Kindern gesagt, wenn sie gegenseitig Kleinigkeiten 
tauschen ;: SCHOE, 131: LEX. KWb. 93. Das von SCHM. 
P, 723' angeführte fanden, fänden, worauf sich LEX. 
a. a. 0. bezieht; gehört, glaube ich, nicht hieher. -LEX. 



^5 

denkt an Pfand? Ist das bei BM.IH, 297* erwähnte mhd. 
vende, v ender verkaufe, hinlänglich belegt, was aller- 
dings nicht sicher ist und worüber uns LEX. im mhd. Wb. 
Auskunft geben wird, so wird man doch bei lat. vendere, 
fz- vendre stehen bleiben müssen. 

feindle, sohön, sehr , überaus z. B. in der Dankesformel : 
dank da gott feindle schuane: SCHOE. 128; LEX. 
KWb. 93; SCHM. P, 724; HOEF. I, 207. Feindle ist 
sicher nicht aus feindlich von Feind [LEX. a. a. 0., vgl. 
KZ. XTT, 399 ; SCHM. a. a. OJ entstanden, sondern ist nur 
= feinlich von fein, vgl. LEX. FZ. H, 341. Die Be- 
lege aus der älteren Sprache, die SCHM. anführt, beweisen 
gar nichts; dort kann überall feindlich von Feind 
stehen. Wenn LEX. dagegen bemerkt, in feindle höre 
man deutlich die Tenuis, so ist das wahrsch. nur in Kärn- 
then der Fall; bei uns hört man das d nur so viel, wie 
überhaupt physiologisch nöthig ist, um nl bequem sprechen 
zu können, also nicht mehr, als etwa inreindle = rein- 
lich, stä'endlin = Steinlein, bä/endlin = Beinlein. 
Auch die Schreibweise bei SCHM. zeigt in den in Betracht 
kommenden Beispielen nur d od. n~l. Uebrigens werden 
in mehreren Sprachgebieten die unbequemen Lautverbin- 
dungen nr, nl, mr, ml dadurch gemildert, dass hinter dem 
Xasal die ihm entsprechende Media eingeschoben wird, 
z. B. gr. av-X-p6;, fz. v i e n - d - r a i , [/.s<m(/.-ß-p(a, span. h o m- b -r e 
und hem-b-ra (aus lat. hominem und femina mit 
Uebergang von n. und r), (/i[/.-ß-Xo))ca (Wz. (xoX-), fz. 
hum-b-le (aus humilis) u. s. w., vgl.. ANGERMANN 
Die Erscheinungen der Dissimilation im Grriech., Leipz. 1873, 
S. 2. In unserem Dialekte wird d überhaupt nach Liquiden 
gerne eingeschoben, z. B. siraldarer = Seilerer d. i. 
Seiler, töl derer = Thalbewohner [SCHOE. 736] u. s. w. 
Ich will jedoch nicht läugnen, dass der Bedeutungsübergang 
von feindlich zu sehr möglich wäre; man sagt: wilde 
s c h i 9 n = sehr schön ; in gleicher Bed. verteufelt, ver- 
dämmt, verfluocht, höllisch, saggarisch, selbst 
schiohe schien! 

feni8, m., ein fabelhafter Vogel; LEX. KWb. 93. mhd. f enix, 
fenis der Vogel Phönix, BM. HI, 298. 

faunz'n, v., stehlen. Das bei SCHOE. 125; LEX. KWb. 91; 
SCHM. I a , 735; HOEE. I, 201 u. a. erwähnte faunz'n, 
Jem. mit der Faust ins Gesicht schlagen, muss ein ganz 
anderes Wort sein. Zu unserem faunz'n gehört auch 
og'f aunzt. schelmisch, abgetrieben, widerwärtig [auch bei 
LEX. KWb. 91 ; SCHM. I a , 736]. Das Wort gehört sicher 
zu mhd. vanz [BM. HI, 236] urspr. Diener, dann Schalk, 
Betrüger, endlich Schalkheit, betrügerisches Wesen, ahd. 



56 

ganafenzön cavillari, ganavenzöd o»villum, cavillatio 
[GRAFF m, 548], altn. fantz Landstreicher, Schelm, 
Laffe. Dazu gehört das bair. [SCHM. P, 736] fenzeln 
einen zum Besten haben, vgl FZ. EL, 341 ; HI, 135; VILM. 
99; GRIMM Wb. I, 204; in, 1320; FICE> 790. Auch 
mhd. viene £BM. III, 306] betrüge, habe zum Besten; 
GRIMM Gr. I 3 , 186. Hängt damit gr. a^aTaw täusche, 
betrüge, zusammen? 

förb'm = färben; öförb'm auch = malen, z.B. a zimmar 
Öförb'm ein Zimmer malen. 

fuere, f., Futter, auch fuöräsche und fuoteräsche; 
SCHOE. 159; 748. Das erste gehört zu mhd. vuoren 
BM. HI, 264] nähren, speisen, futtern, ahd. fuorön 
GRAFF ni, 599]. Wol zu Wz. p a = nähren, vgl. HW. 
s. v. pasco. — Das zweite lehnt sich an das fz. fourage, 
sp. forrage an [DIEZ I 3 , 183; BOLTZ Das Fremdwort 
in seiner kulturhist. Bed. S. 22]. Das Wort fuor = Fuhr 
aber gehört zu fahren. Ebenso fuorit I^ärm, lärmende 
Unterredung; FZ. IV, 168; V, 336 ; SCHM. I», 747 ; GRIMM 
Wb. IV, 424 ff. ; WEIG. P, 503. 

für 86lfl = gestorben sein; fürgion =s vorüber gehen , in 
ganz Tirol; SCHOE. 162; SCHM. I», 744; KZ. XVm, 46. 

ferflflTn, v., fegen, reiben, besonders, wenn einer beim Gehen 
die Beine an einander reibt, so dass dadurch die Bein- 
kleider beschmutzt werden; SCHOE. 131; LEX. KWb 94; 
SCHM. I a , 754; STALD. I, 364. mhd. vergen [BM. IH, 
303 a ] dringend begehren, ist nicht sicher; wol aber ahd. 
fergön [GRAFF HI, 681] dringend begehren, fördern, 
bitten, isländ. f ergja pressen, zusammendrücken; vgl. noch 
GRIMM Wb. ni, 1529; WEIG. P, 450. Die Etymol. kann 
ich nicht sicher ermitteln. So viel scheint sicher, dass fegen, 
reiben die Grundbedeutung, bitten die figürliche ist. Mir 
ist es nicht unwahrscheinlich, dass fergön, ferggeln 
Intensiva von fahren sind; Wz. also par-, Grundbed. : 
häufig an etwas hin und her fahren. Anders freilich 
SCHN. 265. 

verhöjb'm = verhalten, verheben, auch den Urin zurückhalten. 
Davon verhöbe (oder verreibiüg = Verreibung, Vor- 
reibung SCHOE. 544 f.), die Eigenschaft, den Urin zurück- 
halten zu können, z.B. er h&t gor kä-ö verhotbe oder 
verreibing mövr 2= er kann den Urin nicht mehr hal- 
ten; SCHOE. 252; LEX. KWb. 129; 136; SCHM. IS 1037. 

verhait, adi und adv., eig. aus der hait heraus, daher soviel 
als verzagt, verwirrt, ratlos [vgl. meine Beitr. I, S. 48, Anm. 
42]. Das selbständige Subst. hait scheint in Tirol [und 
Kärnthen, vgl. LEX. KWb. 138] sonst nicht vorzukommen ; 
wenigstens finde ich es weder bei SCHOE., noch in meinen 



57 

anderen Sammlungen. In unserem Dialekte wird aber 
ha^t [d. i. heit], f. häufig gesagt und zwar in der Bed. : 
eine freudige oder aufgeregte Stimmung. SCHM. P, 1186 
kennt das Wort, vgl. auch HOEF. II, 22. Bei FULDA 
155 finde ich verheit: keck, verwegen, mhd. heit [BM. 
I, 656* ; LEX. MWb. I, 1224] Wesen, Beschaffenheit, Art 
und Weise; ahd. hait, m., haiti, f. [GRAFF IV, 807 f.] 
Art, Geschlecht, Stand, Person* ags. häd, m. Art, Ge- 
schlecht, Person, alts. hed, f. Stand, Würde, gt. haidus, 
m. [DIEF. Wb. II, 496; MGSpr. 39] Art, Weise. Allge- 
mein [vgl. MGSpr. 39; FICK 2 46; GRIMM Wb. IV, 2, 
919; WEIG. I a , 673] wird das Wort jetzt in Verbindung 
gebracht mit skt. ketu [BR. II, 424; GRASSM. 350] Licht- 
erscheinung, Helle, Glanzerscheinung, Bild, Gestalt; Zeichen. 
Die Wz. ist kit- == skt. cit- [BR. II, 1009; GRASSM. 
*447] wahrnehmen, sich zeigen, sich auszeichnen, cit- aber 
ist Weiterbildung von ci- sehen, erblicken, wahrnehmen; 
hinschauen, sein Augenmerk hinrichten, hinstreben, erschauen, 
ausfindig machen; Grundbed. sehen, scheinen, vgl. des wei- 
teren GRASSM. 446. Aelteste Wurzelgestalt wol ka- = 
ak- scharf sein, vgl. HW. s. v. oculus. Dass die Nach- 
silbe -heit aus unserem Substantiv hervorgegangen, ist 
bekannt ; ebenso, dass - k e i t sich aus -heit entwickelt hat, 
vgl. darüber ausführlich GRIMM Wb. V, 500 ff; WEIG. 
I 2 , 780. Als selbständiges Subst. zu -keit ist doch wol 
das in unserem Dialekte vorkommende kait zu betrachten, 
z. B. mit kind und kait auswandern, d. i. mit Hab 
und Gut auswandern. 

flirm, m., Aussehen, Anschein, Form, besonders blasses Aus- 
sehen, z. B. si hat af amäll an furm bikemm = 
sie hat auf einmal ein blasses Aussehen bekommen (wenn 
Jem. plötzlich unwol wird); SCHOE. 163; LEX. KWb. 
100; SCHM. I 2 , 756. Von forma, vgl. aber auch wend. 
furm [GUTSM. 500 b ], das natürlich auch entlehnt ist. 

föering, f., Hindernis, hindernde Unannehmlichkeit, z. B. das 
wötta hat ins a föering her gim&cht = das Wet- 
ter hat uns einen unangenehmen Streich gespielt. Ich ge- 
stehe, augenblicklich das Wort nicht erklären zu können. 
Ist es so viel als fährdigung, gefährdung? Oder 
= Verirrung? Subst. von vor, ajso gleichsam vorung? 
Oder endlich gehört es zu mhd. v#rren fern halten, ent- 
fernen? Helfe, wer helfen kann. 

fÖBrsche, f. = Ferse; SCHOE. 132; SCHM. I 3 , 757 u. a. 
mhd. versen [BM. III, 304], ahd. fersana, fersina, 
fersna [GRAFF m, 699], gt. fair z na [DIEF. Wb. I, 
360; MGSpr. 711 lat. perna [HW. 167] Hüftbein, Schin- 
ken, gr. TTTepva [CTJRT.* 489; BENF. Wzl. II, 87] Ferse, 

5 



58 



altslav. plesna [MIKLOS. 572], skt. pärshni, f. [BR. 
IV, 687; GRASSM. 808], zend. päshna, m. [IUSTI 190*] 
Ferse. Wz. wahrsch. sphar-, sphur- mit den Füssen 
stossen [HW. s. v. pello 164] vgl. KZ. HI, 324; FICK 2 
121; GRIMM Wb. HI, 1543; WEIG. I a , 451. 

fÖBrscht'n, im vorigen Jahre ; vo'BrfÖBrscht'n vor zwei 
Jahren; nouvo'Brfö'erscht'n vor drei Jahren; SCHOE. 
132; LEX. KWb. 94; SCHM. I», 761; HOEF. I, 211; 
SCHMID 190; cimbr. Wb. 119*; WEINH. 19 b ; MAR. I, 
17; FZ. HI, 219, 23; IV, 189; VI, 179; PETT. ßeitr. 11 
u. a. mhd. vert, vernt, verne [BM. III, 302 b ] im vo- 
rigen Jahre, vgl. GRAFF HI, 661; GRIMM Wb. HI, 1547; 
WEIG. I», 461. Ueber die Etym. vgl. .FICK. 2 795 und 
HW. s. v. pro, also verwandt mit lat. pro, prae, per, 
porro, gr. 7upo, rcpoTspos, xpiv, 7rpo>£, xoppw, 7rapa, xipo;; skt. 
pra vor cet., altpers. parana [SPIEGEL Altpers. Keilschr. 
207] adi. od. adv. der frühere od. früher. 

dawarscht'n = verwerden d. i. durch die Länge der Zeit 
oder locale Einflüsse zu Grunde gehen, z. B. 's kourn 
ischt dawarschtit das Korn ist zu Grunde gegangen; 
SCHOE. 789; 812; LEX. KWb. 256; SCHM. IV, 145. mhd. 
verwerden [BM. HI, 734 a ] vergehen, verkommen, ver- 
derben, i 

verwerfen, v., 1) von Kühen gesagt, die verkalben, 2) = be- 
werfen, z. B. eine Mauer mit Mörtel; SCHM. IV, 152; 
STALD. I, 447 : entwerfen, erwerfen = missgebären, ver- 
kalben, vom Rindvieh, mhd. und ahd. verwerfen, far- 
w erfan, auch schon in dieser Bed. vgl. BM. III, 739; DIEF. 
gloss. 4; nov. gl. 3. ; GRAFF I, 1034; altn. verpaJMOEB. 
509] vom Eierlegen der Vögel, vgl. noch POTT' Wzw. V, 
194 f. 

verwetten, v., gew. part. verwefft schimmlig aussehend, 
dem äusseren Aussehen nach in Unordnung, bes. wenn einer 
ausschweifend lebt. mhd. verwepfen [BM. III, 626 a ] ver- 
derben und dieses [nach FICK 2 736; Sp. 90] zu gt. a£- 
hvapnan [DIEF. Wb. II, 599 f.; MGSpr. 41] ersticken, 
erlöschen, af-hvapj an etwas ersticken, auslöschen, lat. 
vapor [st. cvapor HW. s. v. ; ZEH. s. v.], gr. >wc7r-vo-^ 

ICURT. 4 141] Dampf, Rauch, xarc-iKö athme, lit. kvöpti, 
tvepSti [SCHLEICH, lit. H, 285] duften, lett. kwepöt; 
kup£t [BIEL. I, 409] räuchern, rauchen, skt. kapi Räu- 
cherwerk [? vgl. BR. II, 63]. Die Wz. ist kvap- etwa 
hauchen, duften, rauchen; zum Ganzen vgl. POTT Wzw. 
V; 93 ff. 
verzött'n, v., verstreuen, kleinweise fallen lassen, auch klein- 
weise ausgeben, z.B. di kreuzarlin verzött'n, d. i. sie 
unnütz ausgeben, gleichsatn verstreuen. Das einfache zött'n 



59 

wird ebenfalls gebraucht; SCHOE. 827; LEX. KWb. 265; 
SCHM. IV, 291. mhd. zetten u. verzetten [BM. HI, 
873 A ] streuen, zerstreuen, verlieren, ahd. [zatjan] zettan 
[GRAFF V, 632 ; GRIMM Gr. I, 946] verzetteln. Dazu 
stellt FICK 2 753; 1062 auch gt. unga- tassa- [st.-tath- 
ta- vgl. jedoch MGSpr. 85] ungeordnet; altn. tadh Mist, 
tedhja misten. -Wz. ist skt. da- [BR. HI, 519; GRASSM. 
592] abschneiden, abmähen, day- theilen, zutheilen, An- 
theil nehmen, zerstören; gr. Xa- in Sa-C-w theile, Sa-T-20) 
theile zu [CURT.* 229] vgl. noch FICK 3 91 ; POTT Wzw. 
I, 127; ZEH. 72; WEIG. H 1 , 1137 u. a. 

furzknitl, m., Schimpfwort auf eine hoffartige Weibsperson. 
Von furz [HW. s. v. pedo] und knittel d. i. knattel 
SCHOE. 327. 

fäBSS = feist; das fä-esse das Fett; fä-essikit Feistheit; 
SCHOE. 114; cimbr. Wb. 121*; LEX. KWb. 93; SCHM. 
P, 773; GRIMM Gr. H, 45; Wb. m, 1466 f.; WEIG. I 3 , 
447. Wz. pa- vgl. HW. s. v. pasco; FICK 2 787 u. a. 

fdjse, f., Balg; der vom Kopfe fallende Koth; SCHOE. 133. 
Ueber die Etym. vgl. HW. s. v. pistor; vgl. auch fäsche. 

fäsche, f., 1) Binde, Leibgurt, auch bauchfäsche, in an- 
deren Orten (Thal . Antholz) bundilafäsche genannt, 

2) Wickelband, Windel. Davon fäsch'n, infäsch'n, v., 

3) jedes breitere Band, bes. zur Zierde. Nur No. 1) u. 2) ist 
desselben Stammes, Bed. 3) gehört einer anderen Wz. an. 
Bezüglich 1) u. 2) SCHOE. 122; LEX. KWb. 91; SCHM. 
P, 779; FZ. IV, 321; STALD. I, 355; cimbr. Wb. 120* 
u. a. Schon mhd. vasch [BM. III, 273] aus fz. fasce, it. 
fascia Binde, Zeugstreifen, lat. fascia [ZEH. 90] vgl. 
DIEZ I«, 73; GRIMM Wb. HI, 1336; 1363; 1569; WEIG. 
I 2 , 436. In Bezug auf 3) vgl. mhd. vase [BM. III, 330»], 
ahd. faso, fasa [GRAFF m, 705] Faser, Franse und 
der Saum des Gewandes überhaupt vgl. Br. Wb. I, 354; 
FRISCH I, 249*; SCHM. I», 762; GRIMM Wb. m, 13ä6; 
1337, 2; 1339; WEIG. P, 436; FZ. II, 78, 13; HI, 327; 
522, 11. Ueberall scheint mir Unverwandtes zusammen- 
geworfen zu sein. So gehört fasel Junges zur gleichen 
Wz. wie lat. penis [vgl. HW. 165 a ], hat also mit unse- 

' rem Worte nichts zu thun; ebenso gehört mhd. vese, ahd. 
fesä, nhd. dialekt. fötse w. s. zu skt. Wz. pish- zer- 
reiben, zerstampfen. Unser f äs che 3) stelle ich zum glei- 
chen Stamme mit faden, vgl. HW. s. v. pando. 

faseln, v., wie nhd. Ueber die Etym. des Wortes weissIGRIMM 
Wb. m, 1338 nichts bestimmtes zu sagen. WEIG. I 2 , 436 
will es zu ahd. fason, vasön [GRAFF III, 705] suchen, 
aufsuchen, aufspüren, stellen. Anders, aber mir unwahr- 
scheinlich, LEX. KWb. 91. Ich glaube, das Wort ist nun 

5* 



60 



von W. TAPPERT im musikalischen Wochenblatte HI. 
[1872], 418 in einem geistreichen, auch für Philologen in- 
teresaanten Aufsatze richtig erklärt worden. TAPP, sagt 
daselbst: „Als eine Reminiscenz an die Zeiten der Solmi- 
sation kommt mir das Wort faseln vor. (Die Tonbenen- 
nungen ut re mi fa sol la rühren aus dem Mittelalter 
her.) Das widersinnige Solmisiren lief oftmals in ein ge- 
dankenloses Auf- und Hersagen aus, und das verstehen wir 
ja unter „faseln". In Matheson's „Orchestre" (1717) spottet 
Menippus über die veraltete Gesangmethode: 

„Ich denke wohl daran, wie er (der Cantor) mich abgebläut, 
Da ich nicht so geschickt, wie er im fasoliren." 
Man könnte dazu fügen Osw. v. Wolkenstein [Beda 
Web.] XIH, 13, 5 ff. u. XC, 1, 12 f. Dazu stimmt sehr gut, 
dass das Wort erst 1734 bei Weber, teutsch-lat. Univer- 
sal wtb. S. 255 b vorkommt und zwar in der Bed. weitschwei- 
fig, läppisch sich benehmen. 

ffiseln, v., langsam arbeiten; die Kugel beim Kegeln hin- 
gleiten lassen; überhaupt die Kugel werfen; SCHOE 163; 
LEX. KWb. 106; SCHM. P, 769 u. a. 

fass'l, dim. von f&ss, aber nicht bloss in der Bed. Fäss- 
chen, sondern von jedem fassenden Gegenstände gebraucht ; 
so heisst ein Sack ein fass'l, ein Tabakbeutel tabak- 
fass'l; auch von einem Korbe; SCHOE. 123. Das übrige 
siehe bei SCHM. P, 766; BM. III, 280; GRAFF HI, 727 
f.; GRIMM Wb. III, 1358; WEIG. I«, 439; PICK 2 789; 
HW. s. v. pes. 

fuessTn, v., einen durch Vorhalten des Fusses zum Fallen zu 
bringen suchen; SCHOE. 160; LEX. KWb. 108; SCHM. 
I 2 , 770. Zu Fuss. 

fis'n, ausfis'n, v., enthülsen. Zu föise w. s. 

fix, m., schlechtes Gras ; SCHM. I 2 ,' 686 ; STALD. I, 348. 
mhd. vahs [BM. m, 212], ahd. fahs [GRAFP m, 446 
f.; SCHA. 158 a ], alts. fahs, ags. feax, fex, altengl. f ax 
Haar, Haupthaar. Zu lat. pect er e [HW. s. v.] vgl. GRIMM 
Wb. HI, 1225; FICK 3 788. 

fax, m., oft bloss Anrede ohne schlimme Nebenbedeutung: 
du fex du! wie man ähnlich auch du när du! du 
läppe du! sagt. Die Bed. würde einem Homerischen 
Xat[x6vts völlig entsprechen. Zum übrigen vgl. SCHOE. 
134 n. a. 

flock, m., in allen Bedeutungen des mhd. vlec, vi ecke 

gm. HI, 337] Stück Zeug, Lappen, Stück; Platz, Ort; 
tück Eingeweide ; Fleck, Beschmutzung ; ahd. f 1 e c , f 1 8 c h, 
flecco, fleccho [GRAFP LH, 757], altn. flekkr Fleck; 
SCHOE. 141 ; LEX. KWb. 97 ; SCHM. I», 786 ; GRIMM 
Gr. m, 419; Wb. HE, 1740 f.,; 1743; FZ. II, 475; WEIG. 



61 

I 8 , 469 f. Zulat. plaga Netz, Teppich; Fleck = Region, 
grösserer Strich , Wz. plag-, plak- schlagen, vgl. FICK* 
631; 805; HW. 171 u. a. 

fluck, m., schlimme Gewohnheit, eigensinniges Temperament, 
sonderbares Benehmen, z. B. si hätäsouan fluck = 
sie hat auch so eine schlimme Gewohnheit; si ischt ä 
nit g&nz sanba, hat ä.a biss'l an flnck. Ich finde 
das Wort sonst nirgends. Es scheint so viel zn sein als 
flug = anfing, vgl. GRIMM Wb. I, 332. 

flaktisch, unflätig, vgl. KZ. XIX, 130. 

fleck'n, fleckTn, v., durch Zureden Jemanden bewegen mitzu- 
kommen; bes. mitfleck'n, mitfleckTn, z. B. er hat 
in äun mitg'fleck'lt = er hat den einen durch Zureden 
oder Schmeicheleien dazu bewogen, mit ihm zu gehen (be- 
sonders von Kindern gesagt). Das Wort kommt meines 
Wissens in Tirol und Kärnthen sonst nicht vor; vgl. aber 
schwz. fläckla schmeicheln, flä ekler der Schmeichler 
bei TOBL. 194*; STALD. I, 375. Ebenso bei DIEF. gl. 
s. v. allicere p. 24 a : flehen. Man könnte versucht sein, 
an mhd. vi ecken [BM. HI, 337*] vom Flecke schaffen, 
fordern, zu denken. Wahrscheinlicher aber ist es, dass 
unser Wort sich anschliesst an mhd. vl6hen,vl§gen 
[BM. m, 338*] flehen, demüthig und «dringlich bitten, ahd. 
flehjan flehen, flegilön schmeicheln [GRAFF HI, 755 
ff.], gt. -thlaihan in gathlaihan umarmen, liebkosen 
[DIEF. Wb. Li 347; H, 710 f.; MGSpr. 143]; vgl. noch 
GRIMM Wb. HI, 1749 ff.; WEIG. I\ 471. Zusammenhang 
mit lat. preces, posco cet. ist mir trotz ZEH. 196 nicht 
wahrscheinlich. 

flocken, v., z. B. 's giwänd ausflocken = das Gewand 
durch Schütteln (vom Staube) reinigen, vgl. SCHM. I a , 787 ; 
789. mhd. vlogzen, vlokzen [BM. III, 345] flattern, in 
zitternder Bewegung sein; ahd. flogazjan [GRAFF HE, 
763]; vgl. GRIMM Wb. III, 1811 [WEIG. I», 475]. Nach 
meiner Ansicht causativum von fliegen und mit flocke 
schwerlich verwandt. 

flachlingk, m., ein Schlag mit der flachen Hand auf den 
Hintern; ein Schlag überhaupt. Dasselbe bedeutet auch 
flaxn, plur. Beides von flach. 

flögge, f„ Brett, Latte; SCHOE. 141 ; LEX. KWb. 97 ; STALD. 
I, 382; eimbr. Wb. 120*; FZ. H, 342; BERND 62; SCHM. 
I*, 786. Zu fleck einerseits, zu flach andererseits vgl. 
HW. s. v. plango. 

flödtze, adi., seicht, nicht tief, z. B. da b&ch, dar äckar 
ischt flöotze; SCHOE. 142; LEX. KWb. 98; SCHM. 
P, 800. ahd. flaz [GRAFF HI, 777] flach, platt, flazzi, 
flezzi platter Fussboden, Tenne, Hausflur; mhd. vletz 



L 



62 

[BM. III, 340], ags. flat, engl, flat platt, flach, vgl. noch 
GRIMM Wb. III, 1771; FZ. II, 342; VI, 174; 180; WEIG. 
P, 47-8. Zu lat. latus [st. p latus], gr. 7uXaTu-s, skt. 
Wz. prath- ausbreiten [BR. IV, 1011] vgl. HW. 111; 
CURT.* 279; KZ. XII, 107; FICK 2 804; POTT Wzw. IV, 
262 $ u. a. — Alssubst. flötze, f., Stück Feldes, Stück 
Grundes, wie bei SCHOE. 143. 

fläipme, f., 1) Feuerflamme, 2) Schneeflocken; dim. flamm'l. 
Auch mhd. vi am, vlamme [BM. III, 336] Flamme vgl. 
GRIMM Wb. m, 1711 f.; WEIG. I 2 , 466. In der 2. Bed. 
kann es auch aus Flaum entstanden sein, vgl. jedoch 
GRIMM Wb. HI, 1714, 3). 

fländ'l, 1) verb. rasch werfen, bes. von einem Hute, z. B. in 
hu et ühin fländ'l = den Hut hinüberwerfen, hinüber- 
fliegen lassen. Eine flatternde, wehende Bewegung denkt 
man sich stets dabei. 2) subst. etwas tellerförmig weit 
Ausgedehntes, bes. von einem Hute mit weiter Krampe. 
Beides gehört wol zu fläen, flä-eln bei SCHM. I 2 , 
783 w. s. 

flinderle, n., Flitterchen, Flinder, bes. von glänzenden Blätt- 
chen; SCHOE. 143; LEX. KWb. 99; SCHM. I 2 , 792; 
GRIMM Wb. HI, 1799; WEIG. I 2 , 474. 

flandern, gew. trans., werfen, mit dem Nebenbegriffe des nach- 
lässigen; SCHOE. 140; LEX. KWb. 98; SCHM. I 2 , 792; 
SCHMID 194; TOBL. 194*: herumschweifen. 

flent$ch'n, fentsch'n, freng'n, feng'h, fieng'n, m., ein grosses 
Stück z. B. Brod; über flentsch'n LEX. KWb. 98. Dazu 
kommt noch fletsch ein alter, verbogener Hut; dann 
übertragen auf einen leichtsinnigen, vernachlässigten, zer- 
lumpten Menschen. Allen diesen WW. liegt die Bed. des 
„schlaffen, herabhängenden" zu Grunde. Ich glaube daher, 
dass sie auf lat. flaccus zurückgehen, it. fiacco, span. 
flaco, port. fraco, altfz. flac, flaque matt, schwach. 
Aber auch it. fianco, prov. fz. flanc der weiche Theil 
unter den Rippen, die Seite, ist von lat. flaccus aus- 
gegangen, vgl. DLEZ I 3 , 177, auch SCHN. 265; PETT. 
Beitr. 11. 

fiins'n, Schläge überhaupt; SCHOE. 143; LEX. KWb. 99; 
vgl. SCHM. I 2 , 794; FZ. II, 342; GRIMM Wb. III, 1723. 
Daneben auch flens, z. B. du bikimmst flens = du 
bekommst Schläge; WEIG. I 8 , 472. mhd. vlans[BM. III, 
336 b ] verzogener Mund. 

fluenz'n, v., sich rasch bewegen; vorbeifluonz'n vorbei- 
huschen; SCHOE. 146; vgl. bes. KZ. XIX, 126; 129 f. 
Auch trans. wird das Wort gebraucht, z. B. sein hu et 
wök fluonz'n = seinen Hut wegwerfen. 

flär'n, z. B. mist flär'n den Dünger auf den Feldern da- 



63 

durch, dass man mit einer Ladung Tasen darüber fährt, 
zerreiben; vom Schlitten fahren, Rodeln, bei Knaben (ver- 
ächtlich) : der kerl, sagt die Mutter, flarscht in 
gänz'n tog. Auch von Rindern gesagt, die auf eine 
brunstige Kuh aufsitzen. Davon fldre, f. 1) eine durch 
Reibung entstandene Wunde, 2) eine Lache, ähnlich wie 
oben bla'Bcke, z. B. er hat heint wida a flare in's 
bötte githün. 3) Alles ausgebreitete, Fleck od. grosses 
gedehntes Stück: a ganze flare; er hat a groosses 
g'fläre er hat weit ausgedehnte Grundstücke; SCHOE. 
140; LEX. KWb. 98 (er 97 u. SCHM. I 2 , 794 fuhren auch 
flär'n für pissen an); SCHM. P, 794; STALD. I, 377; 
SCHMID 195; SCHMIDT 59; VILM. 104; iC6; FZ. II, 
342; IV, 2; 415, 52; GRIMM Wb. HI, 1724; 1770. mhd. 
vlarre BM. III, 337. Viel! gleichen Stammes mit plo- 
rare? [HW. s. v.]. 

11 088, adi., eig. fliessend, z. B. di küohobm floss sie haben 
überfliessende Milch. Es gehört zum Causale von fliessen, 
ahd. flozzan, mhd. vloezen fliessen machen, flüssig 
machen, schmelzen, vgl. FICK 3 804. 

frei, als Ausdruck des Bekräftigens, Hervorhebens, ist in un- 
serem Dialekte ungemein beliebt; zum Ganzen vgl. SCHÖE. 
152; LEX. KWb. 102; SCHM. I 3 , 813; STALD. I, 396; 
FZ. HI, 227; VILM. 109. Ueber die Etym. vgl. GRIMM 
Wb. IV, 1, 94; WEIG. I 2 , 490; FICK 2 130; 802; POTT 
Wzw. I, 580 ff. [HW. 109]. 

frudtik, adi., nur in der Bed. beleibt, Wolauf; dav. fruot, m. 
gesundes, blühendes, schönes Aussehen ; das Gegentheil ü n- 
fruotik adi., ünfruot subst. m. , ebendaher fruotle 
frischweg; SCHOE. 156; LEX. KWb. 103 f.; SCHM. I 2 , 
831; HOEF. I, 248; SCHMID 206; FZ. H, 343; HI, 96; 
V, 335. mhd. vrüetec [BM. III, 390] munter, vruot 
verständig, weise, brav; ahd. fr 6t, fruot [GRAFF HI, 
820] dass., ags. fr od, alts. fr od, gt. froda- [DIEF.Wb. 
I, 394 f.; MGSpr. 161; 72] verständig, klug, weise; lit. 
protas [SCHLEICH. lit.H, 309 a ] Verstand, wend. frutik 
[GUTSM. 191 a ] munter, krainerisch prudek [TARN. 177]. 
Skt. Wz. pa£h- für parth-, prath- deuten, lesen, pa- 
tfhu geschickt, prath- ausbreiten, an den Tag legen, vgl. 
FICK* 128 ; 803; POTT Wzw. IV, 170; HW. 100* ; GRIMM 
Wb. IV, 328. 

fratte, f., ein Haufe zergliederter Gegenstände ; SCHOE. 151; 
LEX. KWb. 101; SCHM. P, 829; SCHMID 200; cimbr. 
Wb. 122 b . Man könnte allenfalls mhd. vraten, vreten 

E5M. HI, 395] verwunden, ahd. fraton [GRAFF m, 819] 
eranziehen, vgl. noch FZ. II, 342; IV, 168; V, 253, 26; 
333; 551; VI, 414, 86; GRIMM Wb. IV, 67 f.; ebenso it. 



64 



frettare fegen, reiben, nach DIEZ I 8 , 191 zu fricare; 
vgl. auch DIEF. Wb. I, 102 f. — Allein fratte bedeutet 
auch jedes dichte Waldgebirge, und fröit heisst speciell 
ein Waldgebirge im Thale Defereggen gelegen. Ich will 
nur an die Möglichkeit erinnern, dass wir hier noch den 
Rest eines keltischen Wortes vor uns haben: frith heisst 
nämlich im gälischen Waldgebirge, die (erwachsene) Wild- 
nis [EBRARD Handb. d. mittelgäl. Spr., Wien 1870 
S. 261], was dem Begriffe fratte, wie es in Defereggen 
verstanden wird, aufs genaueste entspricht. Ob wir abfer 
mit EBRARD die skt. Wz. vardh- wachsen, als Etymon 
anzusetzen haben, bleibt freilich mehr als zweifelhaft. 

freithouf, m., Friedhof, vgl. z. B. SCHM. P, 830. Das Wort 
wird von WACKERN. Urspr. u. Entw. d. Spr. S. 51 u. a. 
bereits richtig erklärt von friten schonen, gt. freidjan 
schonen , eig. umhegen , umschliessen , vgl. MGSpr. 73 : 
WEIG. P, 495. 

fretzele = fetzele bei SCHOE. 134: ein wenig, ein Bischen, 

friQilin, kleine runde Krapfen ; SCHOE. 155; LEX. KWB. 103; 
bes. cimbr. Wb. 122 b : fr igele Stückchen. Entweder zu 
it. f regare reiben, streifen [DIEZ I 3 , 189], also von fri- 
care, od. von frangere. Sie heissen auch nigilin, 
vgl. SCHOE. 469; LEX. KWb. 198; HOEF. I, 303; II, 
292; SCHMID 407 ; STALD. II, 238; 240; SCHM. I» 1722. 

fremm = fremd, unbekannt, unverwandt; luckfremm = 
ganz unbekannt und unverwandt, vgl. SCHM. I 2 , 1435; 
1463; WEIG. P, 973. mhd. lücke [BM. I, 1024; LEX. 
MWb. I, 1975] locker. Zu loch vgl. blouch Beitr. I, 27. 

frankle, adv., wenigstens, doch, z. B. wenn a'ss frankle 
g'sägg hiot = wenn er es wenigstens gesagt hätte; 
SCHOE. 150; it. franco frei, aufrichtig [DIEZ I 8 , 188], 
vgl. noch GRIMM Gesch. 512 ff.; DIEF. Wb. I, 403; 
WEIG. I 2 , 486 f. 

fra8Chg'n, v., unnützer Weise am Holze schnitzeln ; überhaupt 
an etwas mit einem stumpfen Messer schneiden; an etwas 
ohne Erfolg arbeiten; dav. subst. m. fraschger, selbst 
gebraucht scherzhaft de coniuge, qui liberos procreare non 
potest; vgl. LEX. KWb. 102 s. v. frSgg'n, freagg'n; 
SCHM. I», 834 fretzen. Wol von it. fregare, lat. 
fricare DIEZ I 8 , 189. 

frÖ88'n, v., wie hd. ; dav. subst. m. frösser tüchtiger Esser ; 
f. frösserin, aber gewöhnlicher f r ö s s e , welches letztere 
zugleich auch im verächtlichen Sinne den' Mund bedeutet: 
LEX. KWb. 102; SCHOE. 153; SCHM. P, 827. 



S 1 



65 



CK 

gobe, f. = Gabe wie hd. Wenn ein Kind von einem andern 
etwas haben will, bittet es mit den Worten: gibe gäbe, 
leitastäbe, wö«r mar öpis gart, ischt a guot's 
lait, wöbt mar nicht gait, ischt a bäschait 
le'itastäbe = Stab der leitarste, bei SCHOE. 376 
äutrathüder d. i. eine Stange vorne mit einem Lappen 
zum Läutern des Backofens. — bäschait = backscheit 
d. i. ein grosses, grobes Scheit, welches zum Heizen des 
Backofens verwendet wird]. 

QÖb'l, f., dim. gäbile wie hd.; gobl d. i. gobTn, v., mit 
lebhaften Händebewegungen reden; SCHOE. 165; LEX. 
KWb. 105: goVl verächtlich die Hand, vgl. auch SCHM. 
I 2 , 863 und unten als Ajialogon grämpe. In Ahr n im Thale 
' Taufers bedeutet g 6 b Tn auch Onanie treiben sowol mit 
sich selbst als auch mit andern. Dazu vgl. man auch 
STALD. I, 409 gabeln lächerliche Bewegungen, possen- 
hafte Stellungen machen; TOBL. 209 a gabiig allzu be- 
weglich, auch flatterhaft ; bei SCHMID 213 gab ein reizen; 
GRIMM Wb. IV, 1, 1122; FZ. V, 106. gäbilespeck 
[vgl. specken] ein Knabenspiel, uraprünglich wol mit einer 
• Gabel, gewöhnlich aber mit einem Messer, an welchem 
sich ein pfeifenstergger befindet, ausgeführt ; das Nä- 
here darüber bei L. v. Hörmann, Kinderspiele in Tirol. 

Qupf, m., der stumpfe Theil eines Gegenstandes z. B. beim 
Ei, entgegengesetzt der spitz; dann der hervorstehende 
Theil eines Gegenstandes, z. B. huetgupf; besonders 
derjenige Gegenstand, der zugleich eine Höhlung hat, um 
Gegenstände aufzunehmen: in huot volle af in gupf 
== den hervorstehenden Theil des Hutes angefüllt, bei den 
Hüten der Frauenzimmer bis zu der Stelle, wo die huot- 
schnuer herumläuft, mhd. gupf, gupfe [BM. I, 592 b ; 
LEX. MWb. J, 1124] Spitze, Gipfel vgl. WEIG. P, 593 
u, geffen. 

gockstille, ganz stille, mäuschenstille, neben stock stille. 
SCHOE. 198 denkt bei gockstille an gockl Hahn; der 
Klaubauf, der Teufel. Es wäre dann etwa so viel wie an- 
gezaubert [vgl. mhd. goukel, gougel Zauberei, zaube- 
risches Blendwerk BM. I, 539 b ; LEX. MWb. I, 1059]. Mir 
ist das. doch nicht wahrscheinlich. Ich glaube, es ist gock- 
stille nur andere Aussprache für stockstille, vgl. bei 
LEX. KWb. 118 gogg- oder gokfinster st. stock- 
finster. Der Kehllaut in der Mitte beeinflusste den An- 
laut, wie öfter. Ob nun dieses stock = ist Gefängnis, 
wie GRIMM will, oder ob es = ist Stück Holz , abgehauener 
Baumstamm, wird sich zeigen, wenn ich zum Buchstaben 

6 



66 

S komme; vgl. vorläufig TOBL. in FZ. V, 27; TOBL. 
Wzs. 106 ff.; 122. 

QUeting, adv., drückt einen hohen Grad, ein starkes Mass aus, 
z. B. guoting a stunt; guoting an vierlingk; 
SCHOE. 220; LEX. KWh. 128; SCHM. I 2 , 964. Entweder 
adv. von gut oder wahrscheinlich zusammengesetzt aus 
gut und ding* 

güotle, adv., d. i. gütlich, aber nur in der Bedeutung „leise, 
stille", z. B. sog mar's güotle sage mir es heimlich; 
güotle röid'n leise sprechen; SCHOE. 220; LEX. KWb. 
128; SCHM! I 2 , 865. 

QÖd'n, n., selten m., Gemach überhaupt, besonders ein nicht 
bewohntes, zur Aufbewahrung von Speisevorräthen benutztes 
Zimmer; dim. gäd'nle, garnle; SCHOE. 166; LEX. 
KWb. 105; SCHM. I 2 , 871;HOEF. I, 257;STALD. I, 44; 
SCHMED 213; FZ. II, 344. mhd. gadem, gaden [BM. 
I, 455*>; LEX. MWb. I, 723], ahd. gadam, kadum 
[GRAFF IV, 175], vgl. GRIMM. Gr. III, 429; Wb. IV, 1, 
1131; WEIG. I 2 , 515; BIRL. CR. 120. Etymologie zweifel- 
haft; HZ. VI, 297; Germania IV, 169. An das griechisch- 
semitische £tTwv Kleid [HEHN, Culturpflanzen, 2. Aufl. 
S. 60; 144] schliesst es sich kaum an; ebenso wenig kann ich 
ZEH. 297 Recht geben, der es zu gr. oiy.stoc, lat. vicifs 
stellt. Mir scheint Entlehnung aus dem lat. cadus Ge- 
f äss, nicht unmöglich zu sein ; c a d u s ist ebenfalls Lehn- 
wort aus dem gr. [vgl. SAALFELD index Graecorum vo- 
cabulorum in linguam latinam translatorum cet. Berolini 
1874, p. 19], und dieses vielleicht aus dem semitischen 
BENF. Wzl. II, 161. 

gouder, m., die fleischige Haut unter dem Kinn, von Menschen 
und Thieren; dim. gouderle z. B. einem 'sgouderle 
kr ätz'n = einem schmeicheln; SCHOE. 166; LEX. KWb. 
117; SCHM. I 2 , 873; HOEF. I, 304; HTJEGEL 69»; PETT. 
Stoffs. 8 u. a. Ueber die Etym. vgl. GRIMM Wb. V, 1569. 

gethör'n, v. = dürfen, die Erlaubnis zu etwas haben. Dar- 
über habe ich in ZZ. V, 67 f. gehandelt. 

flott. Nicht uninteressant sind einige Zusammensetzungen 
mit gott, die zu verschiedenen Ausrufen verwendet wer- 
den, z. B. assgotterbärm = dass Gott sich erbarme, 
Ausruf des Widerwillens; gattschent, goltschent, 
atschent, go ltschö'erst u. a. dazu SCHOE. 202; 
ferner dass gotterkenn = dass Gott erkenne , Aus- 
ruf der Verwunderung, auch zusammengezogen in gockent 
und pockent. Andere Ausdrücke olli-ebagott = o, 
lieber Gott, Ausruf eines ablehnenden Urtheiles ; dagegen 
alli-ebagott d. i. ach, Ueber Gott, Ausruf der Erbar- 
mung, des Mitleides. Letztere abgekürzt olli'ebarlis, 



67 

ollie und alÜBbarlis, allie. Ein anderer Ausdruck 
ist ass gotterlis = dass Gott erlös, Ausruf der Er- 
barmung u. s. w., vgl. bes. FZ. III, 345 f.; LEX, KWb. 
119; SCHM. I a , 958 f. lieber kinnigott = scilicet s. d. 

gidräsch, n., auch gidraschle, z. B. a gidräsch (od. auch 
a giwürge) höb'm viele zu gleicher Zeit zu bewältigende 
Arbeiten, ein Untereinander haben. Gehört es zu mhd. 
dräsen, dräsen [BM. I,'386 lj ; LEX. MWb. I, 459] duf- 
ten, schnauben, z. B. er dräset und kichet, vgl. SCHM. 
I 2 , 675? Wahrscheinlicher ist es getrüsch tumultus bei 
SCHM. P, 676. mhd. ge drosch [BM. I, 396*>; LEX. 
MWb. I, 775] Haufen, Schaar, Auflauf, Lärm. Ein ganz 
anderes Wort ist gidraschle, n., das Korn nach dem 
Dreschen, bevor es durch die Windmühle geläutert wird. 
Dieses natürlich von dreschen, worüber PICK 9 768; wahr- 
scheinl. zu lat. terere [HW. s. v.]. 

gatz, m., gätze entw. f. od. plur., Koth; kothige Masse; 
Eingeweide sammt Koth; SCHOE. 178; LEX. KWb 11; 
SCHM. P, 967; 180. Besonders in der Redensart einem 
den gatz oder die gätze ausdrucken. Dazu gehört 
gatschen, v., von Hennen gesagt, die unzeitige, also noch 
weiche Eier legen: die henne hat gigatscht. gatz 
ist zusammengesetzt aus ge u. atz, vgl. nhd. ätzen, als 
Causat. von essen [HW. s. v. edo], 

gäfe, f., die hohle Hand; a gäfe voll = so viel man in 
der hohlen Hand halten kann; SCHOE. 166; LEX. KWb. 
117 ; SCHM. P, 874; HOEF. I, 277 ; SCHMTD 222 ; STALD. 
I, 429; VILM. 118 u. a. mhd. goufe [BM. I, 559»; LEX. 
MWb. I, 1088], ahd. coufana [GRAFF IV, 177] hohle 
Hand; KZ. II, 54; XIX, 49. Wahrscheinlich zu lat. ca- 
vus [HW. s. v.]. 

gaffen, v., was bei SCHOE. 221 guffen mit den Ostereiern 
zusammenstossen ; aber auch überhaupt anstossen ; dafür 
gewöhnlicher ün guffen, vgl. gupf; LEX. KWb. 126; 
SCHM. P, 928. mhd. gupfen [BM. I, 592 b ; LEX. MWb. 
I, 1124] stossen. 

gäffer, m., Kampfer; SCHOE. 167; LEX. KWb. 106; SCHM. 
P, 874; SCHMID 214 u. a. mhd. gaff er [BM. I, 456*; 
LEX. MWb. I, 7241 und dieses bekanntlich aus arab. 
caphfir, cafür, welches wieder aus skt. karpüra, m. 
n. [BR. II, 134] entlehnt, vgl. GRIMM Wb. V, 149; WEIG. 
P, 757; DIEZ P, 108; BOLTZ Fremdwort 25. 

gogge, m., kleines, erhabenes Geschwür ; dim. gö ggil e ; SCHOE. 
199; SCHM. P, 885; LEX. KWb. 118; FZ. V, 437; H, 
347. Verwandt mit.gugg'l w. s. 

giggatter, n., Gitter, bes. ein von Kindern aus Spänen kreuz- 
oder gitterförmig gemachtes Spielzeug. Die Form gig- 

6* 



\_. 



68 

gatter d. i. gegätter bestätigt die Ansicht SCHM's. 
I 2 , 957, dass gitter, gätter aus gegätter entstanden 
sei; LEX. KWb. 114. mhd. gater [== unserem gätter 
gitterartiger Verschluss bei Zäunen BM. I, 489 a ; LEX. 
MWb. I, 743], ahd. gataro [? GRAFF II, 122; IV, 144], 
vgl. WEIG. I 2 , 594. Etymologische Erklärungsversuche 
bei DIEF. Wb. II, 375 f.; ZEH. 231. Ich betrachte als 
Wz. skt. gadh- [BR. II, 651.; FICK* 56] mit der Grund- 
bedeutung: festverbinden, sodann fassen, festhalten, skt. 
ä-gadh-ita angehängt, angeklammert , vgl. GRASSM. 
376; in KZ. XII, 129. 

gügg'l, n., BriUe; SCHOE. 221 ; SCHM. I 2 , 886 f. Von gugg'n 
= gucken, worüber WEIG. syn. 695; Wb. I 2 , 874; 826; 
WACKERN. voc. 54. 

gugg'l, f., Mohnkopf, auch m 6 g'n gugg'l. Sonst bedeutet 
gugg'l auch jeden kugelförmigen Gegenstand, bes. eine 
Blase, Wasserblase; SCHOE. 221; SCHM. I 2 , 880. Das 
Wort gehört wol zunächst zu kugel, doch vermuthet 
WEIG. I 2 , 876 Zusammenhang von kugel mit gugel in 
gugelhupf, mhd. gugele, kugel [BM. I, 585 b ; LEX. 
MWb. I, 1113] Kapuze über den Kopf zu ziehen am Rock 
oder Mantel, welches letztere aus mlat. cuctilla, lat. cu- 
cullus entstanden ist, vgl. WEIG. I 2 , 626; GRIMM Wb. 
V, 2533 ff. ; DIEF. Origg. Europ. 242 ff. ; FICK 2 707, vgl. 
gr. yoYyfoo;, siehe auch BR. II, 870; ZEH. 109. 

g&BQ'n, v., von Kindern (seltener von anderen, auch von. 
Pferden), wenn sie liegend die Fasse in die Höhe strecken 
und allerlei Gesticulationen machen; davon subst. gä^ge, 
f., z. B. 's kind in die gä^ge richten = das Kind so 
richten, dass es ga^g'n kann- SCHOE. 167; LEX. KWb. 
110; SCHM. I 2 , 882. mhd. gougeln, goukeln [BM. I, 
540 a ; LEX. MWb. I, 1060] Zauberei, Gaukelpossen od. 
Taschenspielerei treiben; ahd. goügalön, gougaron 
[GRAFF IV, 134; 142]. Ueber die Etymologie vgl. WEIG. 
I 2 , 528, - v 

göjggl, dim. von gougge, m., Gespenst, Klaubauf; auch 
gouggewanzl, n. ; SCHOE. 198, vgl. gä'Bg'n. 

quggenene, m., der Vater des Urgrossvaters ; SCHOE. 221; 
SCHM. I*, 887; HOEF. I, 335; SCHMID 247. Woher die- 
ses gugge-? Zu gucken doch kaum? 

guggerhandschin, f. plur., gentiana acaulis L. ; SCHOE. 222; 
LEX. KWb. 126. 

geiggern, v., zweifeln; geigger,m., Zweifel. Das Wort habe 
ich in ZZ. V, 68 behandelt. 

göggern, v., mit den Händen zittern, herumfahren; davon 
göggerisch zitternd, mit unsicherer Hand ; SCHOE. 199; 
FZ. IH, 132, vgl. mhd. gogelen [BM. I, 540*; LEX. 



69 

MWb. I, 1044], auch gogen sich ausgelassen geberden, hin 
und her gaukeln, flattern, 
gähe, adi. u. adv., schnell, plötzlich; dav. subst. gähikit 
und verb. vergähen [wie mhd. vergähen BM. I, 455; 
ahd. gähon GRAFF IV, 132] sich übereilen, in der Eile 
etwas ungeschickt thun. Daher auch galling, in gal- 
lig» g a gg sc h, gasch, gaschin plötzlich, endlich, 
bald; SCHOE. 165; LEX. KWb. 105; SCHM. P, 887 u. a. 
mhd. gäch, gahes [BM. I, 453* ; LEX. MWb. I, 722] 
schnell, plötzlich, jähe, ungestüm; ahd. g ä h i [GrR ÄFF IV, 
1291. IJach LEX. MWb. a. a. 0. zu gangan, gän, vgl. 
jedoch WEIGL I a , 516; HZ. XIII, 575; GRIMM. Wb. IV, 

I, 1144. 

gih&Bter, adi., heiter (vom Himmel): der g'hä uteri uft der 
Wind, der gutes Wetter bringt oder anzeigt, bei u,ns der 
Nordwestwind; augihaBtern,v., heiter werden ; SCHOE. 
236; LEX. KWb. 138; SCHM. P, 1187. mhd. heiter 
BM. I, 657*; LEX. MWb. I, 1124], ahd. haitar , heitar 
GRAFFIV, 812], alts. hedar, ags. hädor, altn. heidhr. 
Nach CURT*. 138 u. WEH*. P, 673 [HW. s. v. castus 
mit gr. jcaöapoc rein zu skt. Wz. pudh- [BR. VH, 255 
reinigen, vgl. auch SCHER. 472. Nach FICK 2 715; GRIM^ 
Wb. IV, 2, 921 zu skt. Wz. cit- vgl. oben verhait, wäh- 
rend J. SCHMIDT Vocal. I, 97 und mit ihm ZEH. 43 die 
skt. Wz. cand-, urspr. 9c and- glänzen, schimmern, lat. 
candere zu Grunde legen. Die zweite Ansicht hat die 
meiste Wahrscheinlichkeit für sich. 

gihilber, adi., nebelig, bes. vom Himmel umwölkt; SCHOE. 
264; 315; LEX. KWb. 141; SCHM. P, 1089; HOEF. II, 
179; STALD. H, 43; SCHMID 313; cimbr. Wb. 130*; 
VILM. 162 u. a. mhd. gehilwe [BM. I, 679 a ; LEX. 
MWb. I, 1282] Gewölk, hilwe [LEX. MWb. I, 1282] feiner 
Nebel. Gewöhnlich wird das Wort zu heln helen gestellt, 
was aber jetzt LEX. a. a. 0. zu bezweifeln scheint wegen 
ahd. helawa [GRAFF'IV, 845], mhd. helwe, helewe 
Spreu; vgl. auch PETT. Stoffs. 26. 

gehänchsle, n., was man sonst g'frett nennt; besonders beim 
Pflügen, wenn es nicht vorwärts geht und immer stecken 
bleibt. Also wahrsch. von hangen. 

geheininge, n., was man sonst g'frett heisst, vgl. heine. 

gäBle, adi., süsslich, unzeitig weich, z. B. von unreifen Kar- 
toffeln; SCHOE. 168; LEX. KWb. 111; SCHM. P, 890; 
HOEF. I, 260. mhd. geil (BM. I, 494*; LEX. MWb. I, 
795] von wilder Kraft, mutwillig, üppig; ahd. keil, geil 
[GRAFF IV, 182]; gt. gails in gailjan [DIEF. Wb. 

II, 380 ff.; MGSpr. 364J erfreuen, skt. Wz. hil- d. i. 
ghil- [freilich bis jetzt unbelegt; bei WESTERGAARD 



70 

255 a ; voluntatem manifestare, conicere, lascivire ; bei BOPP 
Gl. 448 b : nugari, ineptire, ludicra agere ; bei WILSON : 
to express amorous inclination, to dally, to wanton, to 
sport amorously] etwa „lustig sein", helä [BENFEY 61. 
zur Chrest. 366] Rücksichtslosigkeit, Verachtung, Leicht- 
sinn; vgl. WEI6. I a , 547; syn. 2291; ZEH. 115; HW. 88. 

goale, m., närrischer Mensch, gew. du goole du! du einfäl- 
tiger Mensch! Dav. gool, umhagoal, v., Maulaffen feil 
halten, wie ein einfältiger Mensch herumgehen und stehen ; 
SCHOE. 168; FZ. H, 347; LEX. KWb. 118. mhd. goln 
[BM. I, 519*>; LEX. MWb. I, 1046] laut singen, johlen, 
Scherz, Possen treiben, ausgelassen herumfahren. Zu gellen 
WEI6. I 2 , 553. Dies scheint auch der Ausdruck gälle, 
f., zu bestätigen, bes. von Weibspersonen gebraucht, aber 
ganz in der Bed. wie goole, vgl. WEI6. 1«, 519; 6RIMM 
Wb. IV, 1, 1180, aber auch 1181 : gall, wäre zu beachten. 
Ueber die Bedeutungsentwicklung von gooln vgl. man das 
Analogon faseln. 

güle, f., z. B. ättn die güle zärag'n einem die sogenannte 
Narrenspanne zeigen, d. i. den Daumen an die Nase drücken 
und so dem 6egner die übrigen ausgestreckten Finger ent- 
gegenhalten, wobei die angesetzte Hand mit den Fingern 
in lebhafte Bewegung gesetzt wird, was dazu angethan ist, 
den 6egner am meisten zu ärgern; SCHOE. 222'; LEX. 
KWb. 126; FZ. V, 106. LEX. a. a. 0. vermuthet, dass 
unser Wort . identisch sei mit lat. it. gula. Ich glaube 
nicht daran. Wenn güle nicht mit goele w. s. zusam- 
menhängt, was ich für möglich halte (= einen zum Narren 
machen), glaube ich, liegt das it. culo nicht zu fern; 
die 6esticulationen dürften ursprünglich etwas anders ge- 
wesen sein. So urtheilt auch SCHN. 268. 

gilt, adi., keine Milch gebend; 's gälte guot die Binder, 
die keine Milch haben; g&lt-gian ohne Milch sein; SCHOE. 
171; LEX. KWb. 107; SCHM. P, 903; HOEF. I, 265; 
eimbr. Wh. 123*; STALD. I, 440; VTLM. 123; bei DIEF. 
gl. s. v. sterilis: gelt. mhd. galt [LEX. MWb. I, 730] 
keine Milch gebend, unfruchtbar vgl. DIEF. Wb. II, 404; 
6RIMM Wb. IV, 1, 1206; WEI6. P, 553. Die Etymologie 
ist noch nicht sicher. Dass es, wie WEI6. a. a. 0. u. a. 
glauben, statt g'alt stehe, ist mir nicht sehr wahrscheinlich. 
Ich werde auf unser Wort bei m e n z noch zurückkommen ; 
vgl. vorläufig noch FICK 2 745. 

flülte, f., eig. öeltung, Wert; bes. aber in der Redensart: 
a gülte höbm eine Charge bekleiden, z. B. bei Hoch- 
zeiten, wenn jemand altvöter (= Brautführer) oderält- 
mueter ist; SCHM. P, 909. mhd. gülte [BM. I, 524 b ; 
LEX. MWb. I, 1116] Schuld, Zahlung, Einkommen, Zins, 



71 

Wert, Preis; von gelten, worüber DIEF. Wb. IL 403: 
PICK» 745; WEIG. I*, 627. 

geilitze, f., ein saurer Wasserbrei. Bei uns ist dieses Gericht 
nicht üblich, sondern im Thale Kais; daher die Bewohner 
dieses Thaies als geilitzefresser bekannt und berüchtigt 
sind; SCHOE. 183; LEX. KWb. 112; SCHM. I», 952; FZ. 
V, 433; DIEF. gl. 265* ; 444» : geyslicz polenta. mhd. 
giselitze, gisliz [BM. I, 496»; LEX. MWb. I,. 1023] 
eine Speise, ahd. giselitz [GRAFF IV, 267] glycerium. 
Slavischen Ursprunges vgl. böhm. kyselice Obstmus, 
russ. kiseli säuerlicher Mehlbrei [DIEF. mit. Wb. 217], 
wend. kisel [GITTSM. 243; 510] sauer, kiseliza Sauer- 
ampfer, kiselize Sauerbrunnen, altslav. k y se IT [MIKLOS. 
328] bitter, sauer, lit. kisölius [SCHLEICH, lit. II, 281»] 
saurer Brei aus Hafermehl, ein beliebtes Nationalgericht, 
aber auch magy. kiszil Haferbrei, wobei freilich zu be- 
achten ist bei DONNER (Vgl. Wörtb. der finnisch-ugrischen 
Sprachen, Helsingfors 1874, I, S. 18, No. 62) fin. kat- 
ke-ra, kit-ke-rä herb, bitter; Cer. w. koöo, b. kaöa 
bitter, vgl. mit magy. kääärü bitter. 

Q&lle, f., 1) Galle z. B. gälle schluckin; es göot mi«r 
die galle über cet. 2) = eisgälle w. s. vgl. auch 
GRIMM. Wb. IV, 1, 1187 ß. 3) Schimpfwort auf eine un- 
geschickte Weibsperson, wie goope, gumpe, goole, mit 
welch' letzterem Worte ich es identificire ; auch m. g&ller 
bei einer Anrede an Mannspersonen. 

goller, n. (m.), Halskragen von Linnen bei Weibspersonen, 
die Schultern und den Rücken bedeckend, vgl. unter gi- 
wänd; SCHOE. 199; LEX. KWb. 118; SCHM. I 2 , 893 f.; 
SCHMID 238; STALD. I, 464. bereits mhd. gollier, 
ko liier [BM. 1,552*; LEX. MWb. I, 1045 f.] Halsbeklei- 
dung, Koller. Aus fz. collier, lat. colläre v. Collum 
Hals, vgl. WEIG. I 2 , 837; GRIMM Wb. V, 1614. 

goelsiachtin, m. = Gelbsiechthum d. i. Gelbsucht; SCHOE. 
184; LEX. KWb. 112; SCHM. I«, 895. mhd. gelsuht 
[BM. n, 2, 359 ft ; LEX. MWb. I, 825], ahd. gelasuht 
[GRAFF IV, 181] Gelbsucht. 

g&eme, m. u. n., Gaumen; über die Etym. vgl. WEIG. I 2 , 
529; FICK 2 747; ZEH. 116; POTT Wzw. I, 79 u. a. 

gäamitz'n, v., gähnen; g&amitzer, m., ein einmaliges Gäh- 
nen; SCHOE. 168 f., LEX. KWb. 108; HOEF. II, 261; 
SCHM. P, 911; SCHROE. 57. Zu lat. hiare [HW. s. v.l 
und gäame w. s.; vgl. FICK 3 744; WEIG. I a , 514; GRIMM 
Wb. IV, 1, 1148 f. 

gumpe, m., närrischer Mensch, Einfaltspinsel; dav. adi. gum- 
pit ungeschickt, linkisch. Neben gumpe wird auch go 9p e 
gebraucht, das offenbar dasselbe Wort ist; SCHOE. 223; 



72 

FZ. II, 348; SCHMID 218; LEX. KWb. 127. Es liegt 
ein verbum gumpen tolle Sprünge machen, sich wie ein 
Narr geberden, zu Grande [SCHM. P, 914; FZ. I, 299, 4, 
1; HI, 321; IV, 118, 26; 170; 330, 28; V, 443; HOEF. I, 
737 ; STALD. I, 455 ; GRIMM Gr. II, 59, u. a.]. mhd. 
gumpen [BM. I, 526 b ; LEX. MWb. I, 1118] hüpfen, 
springen, vgl. WEIG. I 2 , 592 s. v. Gimpel; FICK 2 741. 

gampskug'l, f., zu festen Kugeln zusammengeballte Kräuter, 
die sich im Magen der Gemsen, aber auch thatsächlich in 
dem der Ziegen finden; sie werden theuer bezahlt und die- 
nen zu abergläubischen Zwecken ; SCHOE. 351; 172; vgl. 
ALPENB. Myth. 381. 

gemende, n., Zugthiere; sieh menen. 

gamml, m., z. B. an älter g am ml als Schimpfwort gebraucht 
sowol von Thieren (Pferd , Kuh , Ziege) als auch von 
Menschen und zwar bes. von Frauenzimmern. SCHM. I 2 , 
911 hat gammel, gummel: in Scherz oder Verachtung 
= starke Weibsperson, ausgelassene, dumme, bockige Weibs- 
person. Nach dieser letzten Bed. hin neigt sich bei uns 
ebenfalls das Wort. Ich füge gleich ein anderes Wort an, 
da es kaum getrennt werden kann: gamble, adi., spass- 
haft, komisch, ungeschickt, z.B. öisischt im zöorscht 
wol a bissl gamble für kemm es ist ihm zuerst wol 
ein Bischen spanisch vorgekommen ; öis ischt gorit 
gor gamble es ist gar nicht sehr ungeschickt od. un- 
passend, mhd. gerne-, gäme-, -gemel-lich [BM. I, 
461 a ; LEX. MWb. I, 844] lustig, spässhaft, ausgelassen ; 
ahd. gamanlich [GRAFJF IV, 207] rrdiculum; ags. ga- 
menliceiocose vgl. SCHM. I», 910; WEINH. 25. PETT. 
Beitr. 12; Stoffs. 9 u. a. Ueber die beiden WW. jetzt 
ausführlich GRIMM Wb. IV, 1, 1209 ff., wornach sie 
wahrsch. mit gumpen, gumpe verwandt sind. 

gian, v., gehen. Zu bemerken ist die Redensart: scho göo 
mar dou wöck od. auch masehior eig. so geh mir 
doch weg, bei einer ablehnenden Aeusserung; auch Ausruf 
der Verwunderung. 

gärte, f., und ganster, plur. die g an und gans t er n Funke; 
auch verb. gän, gigänt; ebenso ganstern; SCHOE. 
172; LEX. KWb. 107; SCHM. I*, 916; HOEF. I, 270 u. 
a. mhd. ganeist, ganeiste [BM. I, 4Gl b ; LEX. MWb. 
I, 735] 'Funke; ahd. ganehaista, gneista [GRAFF 
IV, 296], Neben gän d. i. gänen plur. kommt auch 
glünen vor, neben ganster auch gTanster. Es ist 
jedoch sehr fraglich, ob diese letzteren Wörter so unbe- 
dingt zu den ersteren in einen Topf zu werfen sind, wie 
es gewöhnlich geschieht, vgl. DIEF. Wb. H, 414; KZ. VHI, 
388; GRIMM Wb. IV, 1, 1215; 1280. Die Etymologie von 



73 

gane, ganster ist noch nicht ermittelt. Die Erklärung 
FICK's in KZ. XXI, 1 f.: Grundform ga-hhaistan von 
ga- praep. und hnaista = preuss. knaistis [NESS. 
75] Brand, angebranntes Scheit, lat. nitere u. scintilla, 
berücksichtigt die dialektische Form gäne nicht, ist da- 
her zu verwerfen. Zusammensetzung mit eitan brennen, 
wie es WACKERN. will, ist mir auch nicht wahrscheinlich. 
Dagegen hat die Erklärung LEX.S KWb. , 108 ; MWb. I, 
735: skt. kan- [BR. II, 29] klein werden, einen Laut von 
sich geben, wehklagen u. s. w. ; kawa Korn, Samenkorn, 
dann von Feuer-Funken (man vgl. die Anwendung „ein 
Weniges, ein Bisschen" mit kämt, gändl „ein klein wenig"), 
ferner kan- [BR. II, 51; GRASSM. 312] Grundbed. glänzen, 
kanaka Gold — diese Erklärung, sage ich, hat noch 
immer sehr viel für sich. Nur macht das n in kana, das 
für rn steht, es zweifelhaft, ob auch die ersten skt. WW. 
hieher gehören. Ich halte ganster für einen superl., vgl. 
skt. kanishtfha der jüngste von kan- glänzen, während 
gäne = wäre dem Positiv skt. kana jung, jugendlich, 
eig. glänzend, glanster und glünen trenne ich ganz 
davon. Diese gehören offenbar zu Glanz, glänzen, 
gleissen, glühen [WEIG. P, 594; HW. s. v. gratufe 
hilaris, rutilus], Wz. also ghar- glänzen, glühen. 

ginäde, f., wie mhd. gen ade, ahd. gi na da Gnade, eig. das 
sich Niederl assen , Ruhe, Neigung, Gunst; Etym. bekannt 
FICK* 781; WEIG. I 3 , 605. 

gänt, f., z. B. a gant mächen, af die gänt gian = Con- 
curs machen, in Concurs gehen; a groosse gänt; SCHOE. 
174; LEX. KWb. 108; SCHM. I», 925 f: mhd. gant[BM. 
I, 479; LEX. MWb. I, 736 f.l Verkaufen den meistbie- 
tenden, Versteigerung. Vom fz. reneant, it. il incanto, 
lat. in quantum vgl. DIEZ I 3 , 236; WEIG. P, 523; 
bes. jetzt GRIMM Wb. IV, 1, 1282 ff. 

gändl, m. , kothige Masse; dav. v. gändl d. i. gändlen 
in einer kothigon Masse kneten; auch beim Essen gesagt, 
wenn die Kinder das Mus nicht hübsch aufäss'n, vgl. 
glenz'n; auch subst. gändl er. Desgleichen wird die 
Form gendl, gendien gebraucht, sowie gäntz, gentz, 
welche letzteren unsere Gruppe mitgatz w. s. vermitteln; 
SCHOE. 173. 

gund'l, f., Tragbutte, Gefäss zum Tragen auf dem Rücken; 
dim. gundele auch für Brust und Bauch, mit häufig vor- 
kommender Uebertragung, vgl. Beitr. I, 22 ponz'n; SCHÖE. 
224; LEX. KWb. 127. Wol aus it. gonda, gondola, 
fz. gondole, sp. göndola eine Art Nachen, Gondel; 
dieses Vom gr. kovXu ein Trinkgefass , vgl. DIEZ II 3 , 36 ; 
WEIG. I 3 , 607. 

7 



74 

g&nter, m. , hölzernes Behältnis, gew. so viel wie Kasten, 
aufstehender Kasten zum Aufbewahren von Esswaaren 
und anderen Kleinigkeiten; auch von jedem alten, abge- 
nützten Gegenstande, selbst von Menschen gesagt: an äl- 
ter gänter eine alte Jungfrau; dim. ganterle Käst- 
chen, Schrank, meist in oder an einer Wand befestigt; 
SCHOE. 175; STALD. I, 424; LEX. KWb. 108; SCHM. 
I a , 926; HOEF. I, 271; SCHMTD 219. Wol von. lat. can- 
tharus Fahrzeug, Trinkgefäss, Kanne [aus dem gr. xivöapo; 
SAALFELD index graec. voc. in ling. lat. transl. p. 20], 
skt. kandäla [BR. H, 35] Boot, Schiff, Butterfass, karcdola 
Rohrkorb, wozu sich viell. gr. xavöia, xav(MXiov gesellt FICK* 
31; ZEH. 44. Das andere Wort g a n t e r bei SCHM. I 2 , 926: 
Unterlage von Balken oder Baumstämmen für Fässer ist 
wahrscheinlich etymologisch verschieden, vgl. DIEZ I 3 , 108 ; 
GRIMM Wb. IV, 1, 1285; SCHN. 266. 

guntre, n., das Gegentheil, z. B. er thuat älm 's guntre 
er thut immer das Gregentheil. Vom fz. contre, praep. 
wider, gegen, contraire entgegengesetzt, zuwider, it. con- 
tra, contro, lat. contra d. i. compar. abl. fem. von 
cum [HW. s. v. contra]. 

guntrebant, m., Schmuggel, heimliches Thun und Treiben; 
SCHOE. 334. Vom it. contrabbando, fz. contre- 
bande Uebertretung einer Verordnung, Schleichhandel, 
Schmuggelei [JTJERGENS Neues etym. Fremdwörtb., Ber- 
lin 1874, I, 187] von contra und it., span., port. bando, 
fz. ban öffentliche Verkündigung, worüber zu vgl. DIEF. 
Wb. I, 299; DIEZ P, 51. 

geng, d. i. g engen, v. trans., schmelzen, gewöhnlicher da- 
geng. Man sagt: 's blei dageng trans. und 's blei 
dagöot intr. Es ist also gengen nur Causat. von gehen, 
mhd. zerg engen [BM. I, 478*; GRAFF IV, 96 f.] zer- 
stören; SCHOE. 186; LEX. KWb. 113; SCHM. I«, 923; 
GRIMM Wb. IV, 1, 1246. 

gängge, f., einfältige Weibsperson; SCHOE. 167; 173; LEX. 
KWb. 108; SCHM. I a , 923. Wol von gaukeln WEIG. 
P, 528. 

gangl, v., gewöhnlicher aber angel von Bienen, Wespen, 
Hummeln: stechen; SCHOE. 174; GRIMM Wb. IV, 1, 
1243. Ob das Wort die Vorsilbe ge enthält, wie SCHOE. 
meint, ist sehr fraglich; offenbar hat nur das g in der 
Mitte den gutturalen Vorschlag bewirkt, wie sq oft im Dia- 
lekte. Das Wort wäre demnach in der Gestalt aus dem 
GRIMM'schen Wb. zu streichen. 

gengl, m., ein langer, aufgeschossener Junge, nur als Schimpf- 
wort gebraucht: arechta g§ngl. Wol verwandt mit 
gängge w. s. 



F 



75 



Itinggele, n., die Brust, nur andere Ausspräche von gun- 
d e 1 e w. s. 

göngg'ft, v., stechen; ihingengg'n hineinstechen; ogengg'n 
abstechen. Ich finde das Wort sonst nirgends, daher eine 
Anknüpfung schwer. Es ist offenbar eine reduplicirte Form. 
Wäre das Wort weiter verbreitet, liesse sich wol an Wz. 
kan- stechen, denken, skt. 9 an- [BR. VII, 140], Neben- 
form von 9a-, erhalten in* Desiderativ Qi-9äws-ati 
wetzen , schärfen , altpers. 9an-, v i - 9 a n - [SPIEGEL 
Keilschr. 218] todten, vernichten, zend. <?äna [IUSTI 294»] 
Vernichtung, gr. xaivco [d. i. *av-jw] vernichten, todten, xovv? 
Mord FICK* 31; Sp. 118. 

gangoer, ganggerlingk, m., der Teufel; SCHOE. 173; LEX. 
KWb. 108; SCHM. I», 923; FZ. II, 345; HI, 109; IV, 
495; V, 342; HOEF. 270; CAST. 137. TJeber die Etym. 
vgl. GRIMM Wb. IV, 1, 1255. Doch ist mir gar nicht 
unwahrscheinlich, dass das Wort gäne darin steckt, wie 
auch bei uns der Teufel der glttentige s= glühendige, 
heisst. 

gfingger, m., die sog. Schopfmeise; auch vitzegengger ge- 
nannt; das Wort soll den Gesang des Vogelchen nach- 
ahmen: vitzegengg. 

glligger, m., der Hals (verächtlich): ä«n in gingger röckin 
einem beim Halse würgen. Von gtnggitz'n = gicksen, 
gingger also = der Gickser; SCHOE. 190; LEX. KWb, 
114 vgl. auch g&nggitz'n. 

gftnggitz'n, v., schreien u. zwar in hohen Tönen; schreien wie 
eine Henne; SCHOE. 190; 226; LEX. KWb. 114; SCHM. 
I», 882; 884; vgl. mhd. gägen [BM. I, 457»; LEX. MWb. 
I, 724] schreien wie die Gans, gftgern iter. dazu, gag- 
zen schreien wie eine Eier legende Henne; WACKERN. 
voc. 52. 

geinernQd'l, f., = Zigeunernudeln, mit den flachen Händen in 
die Länge getriebene Nudeln. Wahrscheinlich haben die 
Thalbewohner die Bereitung dieser Speise von herumzie- 
henden Zigeunern erlernt. 

gAnis, m., Gänserich. Die Form ist deswegen wichtig, weil sie 
noch auf die ahd. Form ganizo, ganitzo zurückgeht. 
Das übrige ist jetzt bei GRIMM Wb. IV, 1, 1255 ff. aus- 
führlich erörtert. 

ganz, wie hd.; einige Redensarten mögen Platz finden: wenn 
du nit dö wärscht, war's nit ganz = was haben 
wir denn dich hier gebraucht. Wenn ein Kind zur un- 
rechten Zeit und am unrechten Orte einen F. . . lässt, 
heisst es: nü, öis ischt h&lt a nit ganz es kann nicht 
dafür, es musste sein; die ganze suppe öss'n = alle 
u. s. w. Davon genze, f., die Ganzheit, ein Ding, das 

7* 



76 

noch in allen Theilen unversehrt ist, z. B. die genze au- 
thuen bei frischem Schnee zuerst den Weg bahnen; SCHOE. 
175; LEX. KWb. 108; SCHM. I*, 927; WEIG. I«, 523; 
GRIMM Wb IV, 1, 1286 ff. . 

0Öere, f., Zwickel im Kleide der 1 Frauenzimmer. Je mehr 
göar'n eine hat, desto rarer ist sie; SCHOE. 188; SCHM. 
I a , 930; SCHMTD 228; VILM. 124; HZ. VI, 327; FZ. II, 
217; V, 434; VI, 14. mhd. gere [BM. I», 499»; LEX. 
MWb. I, 869] keilförmiges Stück, bes. keilförmiges Zeug- 
* stück, das unten an ein Gewand zur Verzierung oder zur 
Erweiterung eingesetzt ist. Das Wort gere ist mit mhd. 
ger Wurfspiess, identisch. Dieses ger, ahd. ger, k § r, 
ags. gär, alts. ger, alln. geirr scheint ein kelt. Wort 
zu sein; [lat] gall. gaesum hasta vgl. FICK 2 739; WEIG. 
I a , 546; 562. Das kelt. Wort ist noch nicht völlig auf- 
geklärt, vgl. darüber das reiche Material bei DIEF. Keltica 
I, 126 ff; Wb. n, 383 f.; Origg. Europ. 350 ff; dazu 
ZEUSS Gramm. Celt.» p. 52. FICK a. a. 0. denkt an eine 
indog. Wz. hi- werfen? ZEH. 104 an skt. hins- ferire, 
laedere [BOPP Gl. 447 b ], was schliesslich auf dasselbe 
hinauskommt, was ich HW. s. v. hasta angedeutet habe. 
Auch BACMEISTER Keltische Briefe, herausgegeben von 
Keller, Strassb. 1874, S, 73 stimmt damit überein; erfuhrt 
an irisch gai, ghai Speer, gaide gl. pilatus speerbe- 
waffnet, cymr. gwaen, guaen, com. gew, gyw Speer, 
hoch-wuyn Sauspiess, venabulum. Also ger u. hasta 
sind urverwandte WW. 

QÖre, m., der Widder, nicht das Mutterschaf, wie an vielen 
anderen Orten; SCHOE. 200; LEX. KWb. 118; FZ. V, 
437. Mit gurre schlechtes Pferd, mit dem unser Wort 
von SCHOE. u. LEX. zusammengestellt wird , sehe ich 
keinen Zusammenhang. Wol aber scheint mir LEX. richtig 
auch auf gurr'n, gurraz'n, bei uns gäritz'n w. s. zu 
verweisen: den Laut gur, gur hervorbringen. Das gur- 
rende Blöcken besonders der älteren Schafe ist bekannt, 
göre heisst dann auch ein dummer Mensch, wie sonst 
Schaf, Schafskopf gebraucht wird. 

flftre, f., 1) altes Pferd, 2) langes, hageres Frauenzimmer, 
3) verächtlich der Mund, z. B. hält die güre = halt 
das Maul. Nur 1) u. 2) sind identisch, 3) ist ein ganz an- 
deres Wort, gurre kommt schon im mhd. vor in derBed. 
schlechtes Pferd, aber auch schon für schlechtes Weibsbild 
fBM. I, 592*; LEX. MWb. I, 1124] vgl. noch SCHOE. 225; 
LEX. KWb. 127; SCHM. I«, 932 f.; STALD. I, 499; 
-HOEF. I, 339; SCHMID 250; WEIG. syn. 1836. Ich halte 
das Wort nicht für deutsch. Wenn man die Abhandlung 
über das Pferd in der neuen Aufl. des Buches von HEHN 



77 

betrachtet, findet man es nicht unwahrscheinlich, dass das 
Wort aus Asien stammt. Wir haben im skt. g h o d a, 
ghodaka fBR. II, 896] Pferd, ghodikä, f., Stute, wo das 
d auf Ausfall des r hinweist; im Hindi findet sich ghora, 
ghura, auch ghoda Pferd. Wer weiss, ob nicht unser 
Wort mit diesem in ganz Indien verbreiteten Worte zu- 
sammenhängt? Brachten etwa die Zigeuner das Wort nach 
Europa? Oder sollten wir zu altfz. gorre greifen: mager, 

\ arm, woran DIEZ II 3 , 326 auch ahd. gorag schliesst? 

Das andere Wort güre für Mund ist von gurren abgeleitet, 
vgl. göre und gäritz'n. 

gäritz'fl, v., einen gurrenden und knurrenden Ton von sich 
geben, z. B. ein gätter, eine tür, das luck eines Ka- 
stens. Auch von starren, steifen, dürren Menschen sagt 
man scherzweise : er gä ritzt ganz. Ebenso von Kin- 
dern, wenn sie anfangen zu weinen, daher der garrezer 
an manchen Orten das Wiegenkind heisst; SCHOE. 176; 
LEX. KWb. 127; SCHMID 221; ^OEP. I, 339; SCHM. 
P, 932; BM. I, 593; LEX. MWb. I, 1125:. gurren den 
Laut gur, gur hervorbringen (vom Schreien des Esels); 
vgl. später kcer'n, keurer und GRIMM Wb. IV, 1, 1374. 

girfe, f., schlechtes Zeug, quisquiliae; schlechte Kuh; auch 
gurfe wird in letzter Bed. gebraucht. Viell. abgekürzt 
aus geraffel [von raffen SCHOE. 337J unnützes, schlech- 
tes Zeug? 

Borgg'l, v., straucheln, durch Anstossen des Fusses an einen 
Gegenstand das Gleichgewicht verlieren; auch auf diese 
Weise zum Falle kommen; dav. gorggler, ein einmaliges 
Straucheln; SCHOE. 176; LEX. KWb. 108; gärgg'ln; 
vgl. bei SCHM. I 2 , 936 gor gen in wellenförmiger Bewe- 
gung sein, wallen, auch garken, gerken speien, sicher- 
brechen. Viell. von gur gel, also eig. gur gel n, vgl. skt. 
gargara Strudel, Schlund, gr. yepYspo; Kehle, Schlund, 
lat. g u r g u 1 a Gurgel, g u r g e s Strudel [HW. s. v.]. 

(jargl, v., schnell und nachlässig arbeiten, vgl. g arg ein bei 
GRIMM Wb. IV, 1, 1358. 

göorhöbe, m., Vormund; scherzhaft ein Dreckhaufe; SCHOE. 
187; SCHM. I», 930; CAST. 138; LOR. 49; MAR. I, 22. 
mhd. gerhabe [BM. I, 601*; LEX. MWb. I, 878] der das 
Kind auf dem Schoose (g e r e) hält, Vormund. Andere Er- 
klärung in FZ. III, 460: von ger = Spiessträger ? 

gargg'n, v., auf einen tönenden Gegenstand schlagen, bes. auf 
Sensen, Sicheln n. dgl. Wol eines Stammes mitgäritz'n 
vr. s. vgl. GRIMM Wb. IV, 1, 1373 s. v. garren. 

gärl d. i. gärein, v., auch gärn d. i. gärnen in der Luft 
herumfahren wie beim Garnaufwinden; LEX. KWb. 108. 
Scheint von garn gebildet zu sein. Ein anderes Wort ist 



78 

gärl d. i. gärein, v., langsam dahingehen und sich dabei 
überall umsehen, von Zeit zu Zeit anstehen und Maulaffen 
feil halten; auch wird es gebraucht, wenn zwei bei einer 
Arbeit in einem fort plaudern und so die Arbeit vernach- 
lässigen: sie gärlen in ä«n forscht; dav. subst. gir- 
ler, m., einer, der sich so benimmt; vgl. SCHOE. 176: 
gärig langsam, bequem, das SCHM. I 2 , 929 zu gar stellt, 
worüber bes. GRIMM Wb. IV, 1, 1312 ff. Jedoch kann es 
auch zu garren gehören GRIMM Wb. IV, 1, 1373. mhd. 
garren [BM. I, 482*; LEX. MWb. I, 739] zwitschern, 
pfeifen, vgl. das Analogon fdseln. 

gärscht, m., Gerte, bes. ein dünner, langer Ast zum Vieh- 
treiben; dim. garscht'l, formell ganz gleich mit dem dim. 
zu garten (garscht'n); SCHOE. 176; LEX. KWb. 113; 
SCHM. I a , 938; 940; cimbr. Wb. 124»; SCHMID 220. mhd. 
gart [BM. I, 482*; LEX. MWb. I, 740] Stachel, Treib- 
stecken, gerte Rute, Zweig, Stab; ahd. gart, cart 
[GRAPF IV, 255], gt. gazds [DIEF. Wb. H, 376; MGSpr. 
23], altn. gadd od. gaddr, Wz. ghas-, skt. hims- 
schlagen, mit s weitergebildet aus ghan- schlagen, vgl. 
auch gere. gart und lat. hastasind urverwandte WW. 
FICK* 70; 360; 743; KZ. VHI, 151; HW. s. v. hasta; 
GRIMM Wb. IV, 1, 1381; WEIG. P, 566. 

gÖ88 göss! gftssKe göss göss! Lockruf für Ziegen; SCHOE. 
188; LEX. KWb. 113; FZ. IV, 312. Wol vongeiss (gäuss). 

g6U8Che, f., kleine Wohnung, ärmliche Behausung f dim. 
geuschl; dav. geuschler, m., Kleinhäusler; SCHOE. 
189; SCHM. P, 952; LEX. KWb. 157; HOEF. II, 124. 
Man könnte allenfalls an lat. it. casa Hütte denken. 
Wahrscheinlich aber ist das Wort slavischen Ursprunges; 
vgl. wend. koäa [kozha GUTSM. 145; 513; IARN. 155*] 
Bauernhütte, altslav. k^äta, kusta [MIKLOS. 329*] ten- 
torium, auch ins magy. eingedrungen: kütya tugurium. 

gaschgern, v., mit der Hand drohend in der Luft hin und 
her fahren, vibrieren. Bei SCHOE. 177: gaschgern 
fortjagen, vertreiben, vgl. auch LEX. KWb. 109. Nach 
SCHN. 266 von einem vorauszusetzenden it. caccicare, 
verlängerte Form von cacciare [DIEZ I 3 , 97] jagen. Ich 
bin noch nicht von der Richtigkeit dieser Ansicht über- 
zeugt. Die Silbe -gern muss nicht einem it. -care ent- 
sprechen, da sie auch bei rein deutschen WW. vorkommt. 
Unser W. könnte auch aus gär seht w. s. gebildet sein, 
also eig. gärschtgern. 

gast, m., wie hd.; gast gian, ze gast sein = als Gast 
in einem befreundeten Hause zu Mittag speisen ; z e g ä s t 
lod'n einen zu Tisch bitten. Diese Sitte ist im Thale sehr 
im Schwünge, bes. an Sonntagen. 



79 

g^SChtig, adi., schmutzig, hässlieh, abscheulich; das subst. 
gast, m., Schmutz wird seltener gebraucht; SCHOE. 178; 
LEX. KWb. 108; SCHM. P, 937; SCHMID 222; VILM. 
116; JREGEL 188; D1EF. gl. 483*; nov. gl. 313*. mhd. 
garst [BM. I, 482 b ; LEX. MWb. I, 739) subst. ranuiger, 
stinkenaer Geschmack oder Geruch, adi. ranzig, verdorben 
schmeckend und riechend; WEIGr. I 2 , 525. lieber die sehr 
schwer zu ermittelnde Etym. vgl. jetzt GEIMM Wb. IV, 
1, 1376 ff. 

daflgöschfn, v., missgestimmt, zornig machen, verübeln von 
Personen und Sachen, z. B. von wunden Stellen. LEX. 
KWb. 119 hat göst'n gleichbedeutend mit stür'n, Ist 
es das it. disgustare? Der Vocai stimmt schlecht. Oder 
ist dieses göst'n = gesten, gisten bei SCHM. I 2 , 955 
aufbrausen, schäumen? 

gästerhotlb'l, m., der Hobel, mit dem die Nuten ausgehobelt 
werden; gast er n, v., die Nuten aushobeln; LEX. KWb. 
109. Woher das Wort? Sollte es mit dem selbst noch 
nicht klaren lat. castrare zusammenhängen? 

gösse, f., Aufschüttskasten in der Mühle; SCHOE. 200; LEX. 
KWb. 119; SCHM. I 2 , 949. mhd. goz [BM. I, 541*; 542«; 
LEX. MWb. I, 1063] Guss, Regenguss, Metallguss, gegos- 
senes Gefäss, von giessen, vgl. WEIG. I 2 , 608. Ein Ort 
im Thale Defereggen heisst beim gouss. 

g&S&'ll, v., reden, sich mit Beden unterhalten; LEX. KWb. 
109. Von gässe. Ueber das gassl gion vgl. LEX. 
a. a. O.; SCHOE. 177; SCHM. I 2 , 915. 

gäBSSern, v., ein beliebtes Kinderspiel ; vongä'ess = geiss 
Ziege, weil das Object des Spieles, der zackige Wipfel eines 
Fichtenbäumchens, gä-ess heisst, SCHM. I 2 , 946. Ueber das 
Spiel vgl. L. v. Hörmann, Kinderspiele in Tirol. 

gi wachste, n., 1) Wachsthum, die Saaten auf den Feldern, 
2) Auswuchs am Leibe; SCHOE. 792. Von wachsen. 

giwänt, n. = Kleidung; dim. giwant'l; 's bössere gi- 
want'l, 's feirschtik g., 's feirobmb g.;' dav. verb. 
giwant'n mit Kleidungsstücken versehen, bekleiden; LEX. 
KWb. 250; SCHM. IV, 101; SCHOE. 800. 

Hier mögen die seltsamen und originellen Kleidungsstücke dei Frauen- 
zimmer Platz finden. Den Kopf bedeckt ein kleiner, schwarzer, runder, aus 
fest gewalktem Loden verfertigter hu 9 t (waibilaitshuet). Um die Mitte 
desselben läuft die hnetschnuor herum, die bei Mädchen rot, bei Frauen 
blau oder grün gefärbt ist. In der Trauer (klöge) ist sie schwarz. Rück- 
wärts ist diese Schnur in mehrere Schlingen verbunden, die klänge [LEX. 
KWb. 159; SCHOß. 323; sing, klänk Schlinge] heissen. Je mehr klänge 
eine hat, desto rarer ist sie. Alle klänge zusammen heissen der bött'l 
[dim. von bett]. Der bött'l ist mit glüfin w. s. am huote befestigt, 
mit glüfinblattelin [kleine glänzende Blättchen], öowikbüsckelin 
[kleine gelbe Bltimlem] und öpflblattelin [wohlriechende Blättchen] ge- 
schmückt. Der obere Theil des knote s heisst der huätgupf w. s., der 



80 

untere, äasserste, etwas aufgestülpte Theil der prift [SCHOE. 515; LEX. 
KWb. 38]. Die Haare der Weibspersonen sind in zÖpfe gezopft, diese 
zöpfe am Hinterhaupte in einen künstlichen Knoten geflochten, der der 
ausätz [= Aufsatz] genannt wird. Je grösser der ausatz, desto rarer. 
Aus dem ausätze schauen die beiden Enden der zöpfe hervor, in welche 
verschiedenfarbiges Garn [zopfgörn] verflochten ist. Dieses gorn, d. h. 
die verschiedenen Farben heisseo aug'n. Der aus ätz wird mit einem schö- 
nen Bande, borscht'n [= Borte}, befestigt. Den oberen Theil des Körpers 
kleidet von aussen das h e m m i t [formell = Hemd], d.i. eine kurze, lodene 
Jacke. Die kleinen Taschen im hemmit heissen hemmitlapslin [vgl. 
lapse]. Das hemmit ist vorne so viel ausgeschnitten, dass man den 
bues'n flock [Brustfleck] sieht Dieser ist mit seidenen und goldgestickten 
Bändern glänzend geschmückt. Die Mitte desselben ist der Natur gemäss 
durch eine Schnur, kloub'm, getheilt. Hinter dem bues'n flock ist das 
büos'nle w. s. Ferner ist zu nennen das geller w. s. Den Hals bedeckt 
ein buntfarbiges Tuch, hänttuoch, welches vorne auf der Brust sich kreuzt 
und unter das hemmit gesteckt wird. Im Brautstande lassen Mädchen und 
die sie begleitende Frau den zipf des hänttueches am Rücken über dem 
hemmit herunterlaufen, was sonst nicht geschieht. Das eigentliche Kleid, 
bestehend aus schwarzgefärbtem Linnentuch, heisst kit'l w. s. Unten am 
kit'l ist ein etwa einen Schub breiter Streifen von schwarzem Loden an- 
gebracht,' dieser Streifen heisst stoess, kit'l stoess. Je breiter dieser 
stoess, desto rantiger ist die Person. Der kit'l ist in mehrere Falten 
getheilt, die göer'n w. s. heissen. Auch das fürschte [= Fürtuch] be- 
steht aus demselben Stoffe, wie der kit'l und hat einen demselben entspre- 
chenden stoass. Das fürschte band d. i. das Band, womit das fürschte 
befestigt ist, muss breit und elegant sein und bildet den Hauptglanzpunkt 
der Rückseite des Frauenzimmers. In der früheren Zeit trug man gewöhnlich 
um die Mitte einen Gürtel, in dem mit Pfauenfedern der Name der Person 
eingenäht war. An diesem Gürtel (gürscht'l) hing eine Kette von Stahl 
oder Messing, die bis zu den Füssen reichte. Auch war der Gürtel mit 
verschiedenen Schlüsseln behangen. Diese Gürtel sieht man jetzt selten mehr. 
Die Waden, aber auch nur diese, sind mit einer Art Strümpfe von weisser 
Schafwolle bedeckt, die hous'n, roarhous'n oder schinkhous'n heissen. 
Sie müssen immer hübsch rauh sein. Sie werden daher von Zeit zu Zeit 
mit einer katatsche [SCHOE. 304] aukatatscht, d. Ja., sie werden mit 
einer Art Bürschte von feinen Drähten gekämmt (aureiss'n wird ebenfalls 
gesagt). Diese schinkhous'n sind jetzt vielfach durch weisse Socken ver- 
drängt, was aus ästhetischen Gründen nur zu billigen ist, da der kit'l sehr 
kurz ist und kaum über die Kniee hinunterreicht. Als Fussbekleidung hatte 
man früher die laps'nschuehe, d. i. Schuhe mit grossen, runden Leder- 
lappen, die den ganzen Obertheil des Schuhes zudeekten. Jetzt sind sie 
gänzlich verschwunden und durch Stiefeletten ersetzt. Die Brautschuhe sind 
wol auch jetzt noch mit den weissen Kielen von Pfauenfedern durchnäht und 
mit nösteln [SCHOE. 466] verziert. Um auch etwas von den secretis, 
insoweit ich eingeweiht bin, zu verrathen, tragen die Frauenzimmer, was 
wol natürlich ist, auch Hemden, die sie untapfävt nennen. Hat die unta- 
pfäat keine Aermel, so heisst sie schluckpfäut oder schlechtweg der 
schluck. Im Sommer trägt man wol auch statt des heissen hemmit eine 
weisse linnene Blouse, schalen [SCHOE. 588; SCHM. IP, 412] genannt. 
Das ist die gewöhnliche Kleidung der Frauenzimmer im Innern des Thaies. 
Bei minder festlichen Gelegenheiten, bes. im Winter, trägt man jetzt häufig 
Mannsröcke, die auch bontschür w. s. heissen. In der aussersten Ge- 
meinde des Thaies, in Hopfgarten, hat man mehr die Kleidung von Windisch- 
matrei und des übrigen Iselthales, hohe, spitze Hüte, kit'l ohne stoess, 
hous'n mrt vielen übereinanderliegenden Wülsten. 

giwärde, n., Benehmen, bes. schlechtes Benehmen, gerade wie 
oben tä^ding. Man könnte versucht sein das Wort als 



Sl 

geberdung, geberde zu deuten; allein das b wird sonst 
nicht ho weich gesprochen. Freilich, es findet sich bei 
DIEF. gl. 261° s. v. gestum auch gheverde, geverte 
und unter gestus kiparide. Andererseits finde ich keine 
Anknüpfung an ein an dere s Wort; zu mhd. ge warten 
[BM. III, 531 b ; LEX. MWb. I, 978] schauen, schauend be- 
obachten, sich bereit halten, um einem zu folgen od. ihm 
zu dienen, woran ich dachte, gehört es kaum. 

gezettere, n., schlechte, unleserliche Schrift, Schreiberei, Tgl. 
zettern. 

glauch, adi., durchtränkt und angeschwollen von einer Flüs- 
sigkeit, bes. Fett, z. B. sie ischt ganz glauch va 
lauta röer'n sie ist durch vieles Weinen gleichsam durch- 
tränkt und angeschwollen; die wolkin hent glauch 
von Gewitterwolken; die kr&pfin hent zu glautfh sie 
haben zu viel Schmalz gesogen u. s. w. SCHOE. 193; 
SCHM. I», 969. mhd. gelüch [LEX. MWb. I, 8281 adi. 
geschwollen, aufgedunsen. Ob das glauch glänzend, hell 
bei SCHOE. a. a. 0. dasselbe ist, weiss ich nicht. Das 
Etymon wenigstens von mhd. gelüch und gluoh glänzend, 
ist verschieden. Ueber unser glauch vgl. LEX. a. a. O. 

gleichmisse, f., Gleichheit, gute Beschaffenheit, passendes Her- 
sehen; das ding hat gor kä« gl.; gib'm decht a 
gleichmisse in verschiedener Bedeutung gebraucht, z. B. 
wenn Jem. zu viel begehrt; wenn einer stark lügt; wenn 
ein Kind schlimm ist u. s. w. LEX. KWb. 115; WEINH. 
27»; SCHM. P, 1424. mhd. gelichnisse, -nus [BM. I, 
973*; LEX. MWb. I, 815] Gleichheit, Aehnlichkeit, Gleich- 
machung, Ausgleichung, Vergütung, Abbild,. Vorbild, ahd. 
geühnussa [GBAFF II, 115]; vgl. auch WEIGk I 3 , 597. 
Oder steckt in -misse das Wort mass? Die Etym. von 
gleich ist bekannt FICK 2 856. * 

gl oute, f., plur. gl out'n die langen Haare überhaupt, häufig 
im verächtlichen Sinne gebraucht, z. B. i reifis dar die 
glout'n vi häs'n oder vi nacke aus ich . reiss dir 
die Haare von der Wurzel aus; dim. glött'l; adi. glou- 
tit mit herabhängenden Haaren; SCHÖE. 196; LEX. 
KWb. 116; FZ. II, 347; SCHMID 234. Woher das Wort? 
Zu loud'n schwerlich. Vielleicht zu mhd. guten 
gleiten ? 

gtHsch, m., ein abgesonderter Baum im Stalle ¥iir das Klein- 
vieh, Schweine u. s. w. fackin glitsch Abtheilung für 
Schweine; SCHOE. 195; LEX. KWb. 116; FZ. V, 436. 
Allem Anscheine nach ein romanisches (od. slav. ?) Wort. 
Ich wage -für den Augenblick keine Etymologie • aufzu- 
stellen. An mhd. let Hütte oder lüz, lüze Versteck, 
ist kaum zu denken. 

8 



82 

glateche, n., aufgethauter Schnee and Eis ; SCHOE. 193 ; siehe 
latsch. 

gtöfe, f., Stecknadel; dim. glfifl; verb. glüfin, ün glüfin 
mit der glufe anheften; SCHOE. 197; LEX. KWb. 116; 
SCHM. P, 1326; STALD. I, 455; TOBL. 225»; SCHMID 
235; KZ. XX, 66: LEX. MWb. I, 1040; SCHN. 256; 237; 
148. LEX. führt das Wort auf ahd. chliopan klieben, 
zurück, während GRIMM Wb. V, 1261 den Ursprung des 
Wortes als dunkel bezeichnet. Vielleicht geht das W. auf 
lat. clavus zurück VAN. 38; TICK Sp. 310. 

gläge, adL, nicht abschüssig, sanft aufwärts steigend; dav. 
subst. glägikit; SCHOE. 358: lag, anlag sanft auf- 
wärts; SCHM. I 2 , 1452; TZ. VI, 444. mhd. laege [BM. 
I, 995*; LEX. MWb. I, 1813] flach, von lag liegen TICK* 
851 ; 391 ; HW. 112 ; GRIMM Gr. III, 158 f. 

Qlugg'n, v., die henne gluggit die Henne ist brütig; dav. 
adi. gluggit, z. B. a gluggite henne; SCHOE. 197; 
LEX. KWb. 117; SCHM. I* 970; STALD. I, 456; SCHMID 
236. Vgl. des weiteren Glucke Bruthenne bei WEIG. I*, 
604; WACKERN. voc. 42; 52. 

glümp, n., wertlose Sache, lumpiges Zeug, auch = penis; 
SCHOE. 403, vgl. lump. 

glammerscht, adv., frisch, frischweg, z. B. hiot er's g lam- 
me rscht älTs g's&gg hätte er es frischweg alles gesagt, 
vgl. fruetle. Wol aus gleich- am-erst SCHOE. 384. 
Anderen Ursprunges, wenn auch mit gleicher Bedeutung, 
ist gleisimar aus gleich so maere, vgl. SCHM. I 3 , 
1423; FZ. HI, 311; BM. II, 68; LEX. KWb. 186. 

glander (d. i. gel ander) od. speisglander, n., das Speis- 
geländer, die Communionbank in der katholischen Kirche. 
Ueber 'Geländer vgl. WEIG. I», 549; SCHM. P, 1486; 
BM. I, 934»; LEX. KWb. 172; MWb. I, 1820: lander. 

glueni und gluet, f., glühende Kohlen, der Glanz der glühen- 
den Kohlen; dav. glüentik d. i. glühendig, also vom 
part. glühend gebildet; dafür sagt man auch glettik 
z. B. der glettige = der Teufel; das verb. lautet 
glüen, z. B. es thuot mar 's ersieht glüan von der 
aufsteigenden Hitze; SCHOE. 197; LEX. KWb. 117; SCHM. 
P, 987 u. a. mhd. gluot [BM. I, 551*; LEX. KWb. I, 
1041], ahd. gluot, cluot [GRAFF IV, 292], ags. gled, 
altn. glodd glühende* Kohle; mhd. glüendic glühend; 
abgeleitet vom verb. mhd. glüejen, glüen glühen. Wz. 
ist ghar- vgl. HW. s. v. gratus, rutilus; FICK 2 751; 
WEIG. I», 604; KZ. VIII, 273 u. a. 

gtöngg'l» m., auch rotzglengglod. rotzklachl, vgl. SCHM. 
P, 1335:Klenkel,Klengel,Rotzklengelu.P, 1334: 
Kien gel Klöpfel, Schwengel in der Glocke, schon mhd. 



83 

klengel [BM. I, 844*; LEX. MWb. I, 1620; DIEF. gl. 
85 b ; nov. gl. 46 a ] G-lockenschwengel, dann etwas Baumeln- 
des, vgl. auch GRIMM Wb. V, 1145. Auch ein verb. 
g 1 e n g g T n wird gebraucht : den Rotz überall herumwerfen. 
Verwandt mit g lang gern bei SCHOE. 192; LEX. KWb. 
115; SCHM. I», 1333. 

glunggitz'n, v., den Laut glu von sich geben, bes. gesagt, 
wenn Jemand viele Flüssigkeiten getrunken hat, und bei 
einer Bewegung des Körpers der Laut glu gehört werden 
kann: es glunggitzt im bauche. Man wird unwill- 
kühflich an den Vers Homer' s erinnert II. I, 46 : gx^ay^av 
8* ap oktto! bx cStMrtv ywot/ivoto I aurou xtv/jöevro;. Auch das 
subst. glunggitzer ein einmaliger Laut glu kommt vor, 
vgl. SCHOE. 197; LEX. KWb. 117; HOEP. I, 303. 

glönz'n, v., das Mus in der Pfanne herumstreichen; subst. 
glenzer der das thut. Wahrsch. = gelenzen von 
lene weich w. s. 

glunz'n, v., ein wenig scheinen: die sunne glunztabiss'l 
aussa die Sonne scheint ein wenig hinter den "Wolken 
heraus. Auch wird es gebraucht, wenn einer mit halb- 
geschlossenen Augen blickt; vgl. LEX. KWb. 117 glums'n, 
glumps'n glimmen; SCHM. I 2 , 974 Glumsen, Grlunsen 
scintilla, favilla; glumsen glimmen, im Dunkeln leuchten, 
glinsen glänzen FZ. m, 259, 13; IV, 288, 396; IV, 236, 
3, 9; SCHMID 235; vgl. auch mhd. glinzen [BM. I, 548 b ; 
LEX. MWb. I, 1034] schimmern, glänzen; TICK* 751 ; HW. 
s. v. rutilus. 

g'lfts, n., das Benehmen, die Haltung; SCHOE. 371; SCHM. 
I», 1510; FZ. VI, 441. mhd. gelaeze [BM. I, 953 a ; 
LEX. MWb. I, 806] Benehmen. Von lassen. 

greib'm, v., wird gesagt von Kindern, wenn sie, während Jemand 
isst, neben ihm stehen und auch etwas zu bekommen hoffen ; 
subst. greiber, dim. greiberle, dafür sagt man auch 
greibhund. Ich finde in dieser Gestalt das Wort sonst 
nicht; vgl. jedoch altn. greip Hand, eigentlich Hand mit 
ausgestreckten Fingern; ags. gräp [LEO 284J Hand mit 
gespreizten Fingern, intervallum digitorum, manus ad su- 
mendum vel prehendendum aliquid dispansa. Von gripan, 
gt. g r e i p a n greifen FICK a 747. 

gröjt, n., der zweirädrige, wagenartige Bestandtheil des Pflu- 
ges; LEX. KWb. 202; SCHM. II*, 51, vgl. SCHOE. 211. 
Man wird das Wort mit SCHM. u. LEX. als Collectivum 
gerade von r a d zu fassen haben, wenn man auch an mhd. 
gereit, gereite [LEX. MWb. I, 886] Wagen, denken 
könnte. 

gr&tt'n, m., dim. grattl zweirädriger Wagen minderer Sorte, 

8* 



84 

bes. zum Erde-, Steine-, Mistführen; SCHOB. 208; LEX. 
KWb. 122; SCHM. I 2 , 1385; GRIMM Wb. V, 2070 u. a. 
Auch wird das Wort zur Bezeichnung eines älteren, schwer- 
falligen Menschen gebraucht. Daran schliesst sich wol das 
verb. gratt'n, umhagr&tt'n langsam herumgehen, hol- 
perige Bewegungen machen, vgl. SCHOE. 209; LEX. KWb. 
122; SCHM f I 2 , 1015. 

groutsch, m., das mit Mehl vermischte Getränk für die Schweine, 
fäk ingroutsch; jede mit festen Bestandteilen vermengte 
Flüssigkeit; dp,v. verb. gröxtschen in einer aolchen Flüs- 
sigkeit oder auch im Strassenkothe kneten; subst, gröit- 
. scher,, m., gröits cherin, f., gröitscherle, dim. ; 
SCHOE. 21ß; LE'X. KWb. 125; SCHM.' P, 1018; FZ. V, 
442. Das Wort gröxtschen langsam arbeiten, bei SCHOE. 
216 u. SCHN. 268 'ist ein anderes Wort. LEX. erinnert 
an fz. crotte [DIEZ II 3 , 269] Strassenkoth aus Staub und 
Regen, Mist der Schafe u. s. w., während SCHM. das wend. 
gres [IARN. 226] Morast, herbeizieht. Allein groutsch 
kann statt geroutsch stehen und mit rötz'l, rotz zu- 
sammenhängen, vgl. g r o t z e n schlechte , der geronnenen 
ähnliche Milch, welche eine Kuh gibt, bei SCHOE. 216. 
Oder gehört es zu mhd. griisch Kleie, grütze Grütze, 
Grützbrei? Auch nicht unmöglich. 

flritze, f., kleines, Schlechtes Bauerngut; ein Dorf im Thale 
Defereggen, hoch oben gelegen, heisst gritzn [freilich kann 
in letzterem Ortsnamen auch das wend. grizh Hügel, 
stecken bei GTJTSM. 503*]; SCHOE. 216; 219; SCHN. 150. 
mhd. gruz [BM. I, 578 a ; LEX. MWb. I, 1109] Korn voiy 
Sand oder Getreide, bildlich das Geringste, grütze Grütze, 
Grützhrei, ahd. grio», crioz [GRAFF IV, 3451, aber 
auch gruzi, cruzi Gemisch, nnd. Grütze u. Griess 
[WEIG. I*, 618; 625], alts. altn. griot Sandkorn, lit. 
griida- s [SCHLEICH, lit. II, 272] Korn, altsl. gruda [MI- 
KLOS. 144 b ] Scholle, vgl. auch fz. gros Sandstein, it. greto 
steiniger Sand deU Ufers [DIEZ IP, 37; 330]; FICK? 749. 

grutsch'l, gutsch'l und verkürzt gull, v., kitzeln vgl. LEX. 
KWb. 128; SCHM. I», 966. 

greffl, v., langsam arbeiten, nur unbedeutende Arbeiten ver- 
richten. Wol verwandt mit geraffl. 

grufT'l, f., jedes grosse, unbehilfliche, von Menschen, Thieren 
und leblosen Dingen; SCHOE. 217. Woher? 

grifl, m,, Wurzel eines Zahnes ; Zweig eines Astes. Ein altes, 
seltenes Wort vgl. ahd. greif a [GRAFF IV, 319; DIEF. 
gl. 73 b ] bidens, von gripan greifen, Wz, gharbh-, 
ghrabh-: FICK« 749; 747; HW. s. v. germen; CURT.* 
471; 484; ZZ. I, 15; MGSpr. 24; POTT Wzw. IH, 788 
ff.; BR. II,; 834; GRASSM. 416. 



86 

Qregge, m., dim. greggile etwas kleines, verkrüppeltes 
z. B. von einem Menschen, von einem Apfel; dav. adi. 
greggit verkrüppelt, klein; SCHOE. 211; LEX. KWb. 
123. Damit scheint verwandt griogg'n, plur. der ver- 
trocknete Augenschleim; dav. ein adi„ comp, grieggaugit 
triefäugig; SCHOE. 210; 207; SCHM. I«, 993; CAST. 163; 
cimbr. Wb. 20ü b kreko cispa, caccole, brulazzo Augen- 
butter; DIEF. gl. 268»; 332»»; FZ. V, 440; LEX. MWb. 
I, 1076; 1080. 

Qrög'l, v., wimmeln, z. B. es grög'lt von fröxschin es 
wimmelt von Fröschen. Wol = krabeln WEIG. P, 851 ; 
GRIMM Wb. V, 1911. Freilich könnte es auch statt ge- 
rogeln stehen von rögel SCHOE. 562. 

gröegg'l, v., mit zurückgezogenem Athem sprechen, um nieht 
erkannt zu werden; SCHOE. 218; 346; LEX. KWb. 123 
grüglen, grügeln hart athmen, röcheln, gurren von 
den Tauben; SCHM. P, 992 grügeln heiser reden, aber 
auch das wend. krigla [GTJTSM. 514*; IARN. 183; 2421 
Heiserkeit, kriglast heiser, kommt in Betracht, zumal 
sich an das gröegg'l ein Gebrauch knüpft, der slavisch 
sein muss. Am Abend vor Allerheiligen gehen die jungen 
Burschen von Haus zu Haus. Sie haben eine Art hölzerner 
Zange in der Hand, den kräpfinschn&pper, mit dem 
klappern sie fortwährend, strecken desselben zu den offenen 
Fenstern der Häuser hinein und bitten auf diese Weise 
um kr&pfin. Geredet wird nicht ordentlich, sondern nur 
gegröogg'lt. Daher heisst dieser Brauch das krkpfin- 
gröogg'l, und die Burschen heissen die grö eggler. Es 
werden diesen die kripfin in den Schnäpper gegeben, 
wobei natürlich unter den gröogglern ein Wettkampf 
besteht, wer mehr kräpfin erwische. Wenn man ihnen 
dann keine mehr gibt, ziehen sie unter Schnalzen und 
Jauchzen fort und suchen ein anderes Haus auf. — Ich 
finde nirgends Auskunft über diese Sitte ; höchstens könnte 
man vergleichen BIRL. Volksth. II, 166 und ROCHHOLZ 
Deutscher Glaube und Brauch im Spiegel heidnischer Vor- 
zeit, Berl. 18G7, I, 299 ff. Leider habe ich kein Buch über 
slavische Gebräuche zur Hand, dieser oben geschilderte 
Brauch müsste sich dort ohne Zweifel finden. 

gnwgg'n, m., Bein, Fnss (verächtlich); dav. verb. gruogg'n 
(auch stuögg'n w. s.) unanständige Gesticulationen mit 
tlen Füssen machen; bes. von Mädchen gesagt, wenn sie 
irgendwo hinaufsteigen und so in Gefahr sind, die BLösfe zqc 
zeigen ; sie werden daher von den älteren zurechtgewiesen 
mit den Worten: du sau du gruoggite! SCHOE. 216; 
LEX. KWb. 125; SCHM. I 2 , 993; 1363; FZ. II, 348; HI, 
109 j V, 442; SCHN. 268. Ueber die Etym. vgl. LEX. 



86 

a. a. 0. Ich möchte auf das Wort gr ägge Spinne, auf* 
merksam machen, obwol letzteres selbst noch nicht hin- 
reichend erklärt ist. 
grogglz'n, v. , rülpsen ; groggizer, m., Rülpser ; SCHOE. 
215; 348; LEX. 'KWb. 124; SCHM. I«, 1378; 1380; 1007 
u. a. mhd. grotzen [LEX. MWb. I; 1093] rülpsen. Schwer- 
lich von Kropf, sondern vom Naturlaute krag, krog 
vgl. die gr. *pdt£eiv [st. xpay-jsiv], x.pa£etv [st. xpcoy-jetv] u. s. w. 
HW. s. v. clangor. 

greil, m. , zweirädriger Wagen mit hohem Gitterwerk zum 
Heimführen der Garben; bei SCHOE. 176 gärl, gär- 
ling, n., in derselben Bed. , das er als garbling von 
Garbe deuten möchte. Auch greide, grei' zweirädriger 
Leiterwagen SCHOE. 211 wird dasselbe W. sein. Ich velr- 
muthe, dass unserem W. ein lat. dim. von carrus oder 
currus zu Grunde liege: carrulus od. currulus. 

grOl, plur., etwas weit hervorstehendes, bes. 1) grosse Hör- 
ner eines Rindes ; daher häufig Kühe g r ü 1 e heissen 
und auch schimpfweise Menschen; dav. adi. comp, grül- 
hournit mit solchen Hörnern versehen, 2) heissen ver-~ 
ächtlich die „ Augen" so, z. B. er mächt zwi grül her 
er schaut mit zwei hervorstehenden, "weit aufgespreizten 
Augen her. , Ich habe über die Etym. bis jetzt nur unsi- 
chere VermuthungeS'! 

gröal, d. i. gröalen, v., sich erbrechen wollen, vom Brech- 
reiz erschüttert werden, ohne jedoch sich zu erbrechen ; vgl. 
grölzen ructare bei DIEF. n. gl. 321\- LEX MWb. I. 
1092; grellen heftig erschüttern, bei SCHM. I*, 993. Das 
Wort gehört zu grellen [BM. I, 573 b ; LEX. MWb. I, 
1077] laut, vor Zorn schreien, grel subst. Schrei, adi. rauh, 
grell, zornig; ags. grell an zum Streit herausfordern, mhd. 
grell, Groll vgl. noch bei LEX. KWb. 120: gral'n; 
123:gr6irn; 124: grill'n, ferner SCHMID 242; WEINH. 
30* ; WEIG. I 3 , 617; 621. 

grämpe, f., eine zweizackige Haue: scherzweise die Hand; dim. 
grampile oder gramp'ljauch verb. grämp'm mit dieser 
Haue arbeiten; SCHOE. 339; LEX. KWb. 166; SCHM. P, 
1369; FZ. H, 319, 17; JH, 121; V, 439; VI, 334; DIEF. 
gl. 155 c ; 254 a ; nov. -gl. 184 a u. a. mhd. krampe [LEX. 
MWb. I, 1706] Spitzhaue, vgl. jetzt GRIMM Wb. V, 2006; 
2008 ; WEIG. P, 855. 

grämmaus, f., z. B. die grammaus kemm läss'n die 
G. kommen lassen, sagt man zu Kindern, wenn man mit 
der Hand, resp. den Fingern, das Laufen einer Maus nach- 
ahmt und endlich bis zum Halse des Kindes kommt, um es 
zu kitzeln; dabei heisst es: grämmaus, gräm maus, 



fi 



87 

en ouberhaus, gen Unterhaus, beisst in kind- 
in 's kropfl aus. Aus gr&mpe und maus. 

grän, f. plur., die Gänsehaut d. i. die rauhen Stellen an der 
Haut eines Menschen, wenn er vor Kälte oder Schreck zu- 
sammenschaudert; z. B. heisst es: dö möcht'n äran die 
grän augion. SCHOE. 206 hat nur granen Kugel* 
chen des pater noster, was mit unserem Worte kaum etwas ! 

zu thun hat, vgl. SCHM. I a , 998 der G-ran. mhd. gran, I 

grane [BM. I, 565*; LEX. MWb. I, 1068] ursprünglich } 

die Spitze eines Haares, dann Barthaar, an der Oberlippe, , 

ahd. grana, crana [GRAPF IV, 327], altn. grön Bart- 
haar, vgl. auch HZ. Vi, 325 ; WEIG. I» 612. LEX. MWb. , 
I, 1068 stellt das Wort mit gras, grüejen zu lat. cresco, , 
gramen, worin ich ihm nicht beistimmen kann, es mtisste 
denn sein, dass man mit FICK a 748 gras zu Wz. gharsh- 
stellt. Ich führe unser Wort zurück auf eine Wz. ghar-, 
wovon die skt. Wz. harsh-, hrsh-yati [WESTER- 
GAARD rad. 297» ; BENF. gloss. zur Chrest. 365 b ; BOPP 
Gl. 445»>; LASSEN-GILDEMEISTEB, gloss. zur Chrest. 2 
295] Weiterbildung ist: laetari, gaudere, horrere, erigere 
se (de capillis. tum prae timore et horrore, tum prae gaudio 
et admiratione). Dass das lat. horrere dazu gehört, ist 
bekannt, vgl. HW. s. v. ; FICK» 70; POTT Wzw. II, 2, 393. 

Qrengge, m., ein dürrer, krummer Baumstamm; ein alter ab- 
gelebter Mensch; überhaupt Schimpfwort auf einen zuwi- 
deren Menschen ; SCHOE. 206; LEX. KWb. 123; SCHM. P, 
1005. Damit verwandt ist offenbar und wahrscheinlich dim. 
davon, obwol masc., grängg'l und gränggile, n., vor- 
stehender, hackenformiger Ast; von einem Menschen ge- 
braucht, der unfriedsam ist und zu jeder Zeit häckelt, vgl. 
darüber LEX. KWb. 120; SCHM. I», 992 grag'ln. Viell. 
zu einer Wz. mit krumm gehörend. 

grein, v., nur in der Bed. : laut und in den höchsten Tönen 
schreien, wie z. B. Schweine, doch allgemein auch von Men- 
schen gebraucht, und zwar vor Freude und vor Schmerz; 
dav. subst. greiner, m., ein einmaliger Schrei und die 
Person, die schreit; dafür häufig greinfäcke, grein- 
fackl, Schimpfwort auf ein greinendes Kind ; SCHOE. 211 ; 
LEX. KWb. 123; SCHM. I», 999; WEINH. 30»; SCHMID 
304; EICH, 80; VILM. 136 u. a. mhd. grinen [BM. I, 
576 a ; LEX. MWb. I, 1086] den Mund verziehen: lachend, 
knurrend, winselnd, weinend, ahd. grinen, crinan, crein 
[GrRAFF IV, 328], ags. gränian [d. i. grainian] greinen; 
Wz. ist ghram- grimmen, greinen, grinsen, vgl. FICK* 72; 
749; WEIG. I 2 , 660; HW. s. v. frendo. 

grint, m., nur in der Bed. Kopfräude, selten für Kopf ge- 
braucht; SCHOE. 214; LEX. KWb. 124; SCHM. I 8 ? 1003 



88 

u. a. mhd. grint [BM. I, 576 b ; LEX. MWb. I, 1087) der 
Grind, Grindkopf, aber auch schon verächtlich für Kopf; 
ahd. grint [GRAFF IV, 330J. Auch im wend. grinta 
[GUTSM. 503 a ] Krätze, Räude, vgl. noch WEIG. P, 620. 
Ueber muthmassliche Verwandtschaft DIEF. Wb. II, 432 f. 

grüntachin, v., grunzen, von Schweinen, verächtlich von Men- 
schen; subst. grüntscher m. = das Schwein, dann von 
einem alten Manne gesagt, dem nichts mehr recht ist und 
der immer brummt; adi. grünt sc hit; SCHOE. 218; LEX. 
KWb. 125; SCHM. I», 1005 u. a. Gleichen Stammes mit 
grein w. s. 

gruenöiol, m. plur., das Prickeln bei strenger Kälte, bes. an 
den Finger- oder Zehenspitzen, aber auch an den Ohren, 
der Nase u. s. w. SCHOE. 161; 283 hat fuirnöglen, 
urnöglen, hurnöglen, durchnögeln, ä'eniglen; 
SCHM. I», 91; 135; 52: igeln, egeln, ilgen, nigeln, 
anigeln, ainigeln, urigeln, hurnigeln, hurneilen 
vor Kälte prickeln; LEX. KWb. 148: igTn stupfen, stechen, 
ünig'ln das Prickeln in den Fingerspitzen bei strenger 
Kälte, davon die ünig'l plur.; FZ. I, 258; II, 250; VI, 
339; 346; V, 337; SCHMID 400; STALD. II, 68 u. a. 
Das wegen der mannigfaltigen Formen interessante Wort 
ist noch nicht hinreichend erklärt. SCHM. I 2 , 53 vergleicht 
ahd. i 1 g i [GRAFF I, 245] fames vel Stridor dentium ; dazu 
mhd. bei LEX. MWb. I, 1420 ilgern vom Stumpfwerden 
der Zähne und GRIMM Wb. III, 108. Möglich, dass gr. 
aö/fos [HW. 113] Schmerz, damit zusammenhängt. Allein 
unser gruQnöigl? Entstellt aus hurnigl? Oder aus 
Volksetymologie von grün und nägel, was nach unserem 
Dialekte genau gruonöigl gibt ? Sieh auch noch SCHM. 
P, 1734. 

gränschg'l, v., mit den Zähnen knirschen; die Zähne über 
einanderbeissen ; subst. granschgler,ein einmaliges Knir- 
schen; SCHOE. 207; SCHM. P, 1382; GRIMM Wb. V, 
2068 f. 

gruschg'l, f., der Knorpel; jedes spröde, harte, knorpelartige; 

. dim. grüschgile, bes. von Bäckereien das harte, welches 
zu lange im Schmalze gebacken wurde; SCHOE. 219; LEX. 
KWb. 168; SCHM. P, 1383; 1385; HOEF. II, 176; SCHMID 
328; VILM. 230; FZ. HI, 121; VI, 409, 23 u. a. mhd. 
ahd. crospel, kruspel, krostel fBM. I, 888 b ; LEX. 
MWb. I, 1750; GRAFF IV, 617] vgl. GRIMM Wb. V, 2408. 

g'sillbere, n., die Nachgeburt (von Kühen); SCHOE. 583; 
cimbr. Wb. 225: gaseüberach Nachgeburt (der Kuh"); 
SCHM. IP, 207; FZ. V, 485. Von saubeT WEIG.H, 
543. Wz. viell. su- glänzen FICK* 198. 

g'tchlacht, n. ar Geschlecht, Art, Familie, wift mhd. gesieht e. 






89 

-slähte, -slahte, -slaht IBM. H, 2,390*; LEX. MWb. 
I, 917]. Von schlagen FICK» 917. 

g v 8Chilt&Chin, d. i. Geschmachen = Geschmack, m., vgl. mhd. 
gesmac, -smach FEM. H, 2, 417»; LEX. MWb. I, 918] 
Geruch, Geschmack, den etwas hat, ahd. kesmecheda Ge- 
schmack. Zu bemerken ist auch adi. g'schmachik schmack- 
haft, selbst auf Personen übertragen : ag'schmachigabue. 

gwäng'n, v., weinen, wimmern, bes. von Kindern ; SCHOE. 226 ; 
LEX KWb. 126; vgl. gt. (jvainßn [DIEF, Wb. H, 469 
f.; MGSpr. 7] weinen, beweinen, ags. cvänian [LEO 287] 
im Unglücke jammern, jämmerlich klagen, altn. kveina 
klagen, jammern, sich beklagen PICK a 712. 



hfi, n., dim. hfiile Heu; häplumpfin, v., durch Herab- 
hupfen (oohaplumpfin) von einem höheren Puncte das 
Heu fest machen, eine beliebte Unterhaltung der Kinder 
bei der Heuernte; häziohin, v., das Heu im Winter von 
den Alpenwiesen herabziehen, bekannt als eine sehr harte, 
anstrengende Arbeit. Die Leute müssen gewöhnlich schon 
vor Mitternacht fortgehen und kommen erst um Mittag 
und später nach Hause, in's häziehin gion in's Heu- 
ziehen gehen. Dass für die häzioher gut gekocht werden 
muss, versteht sich von selbst, ebenso dass dieselben tüchtig 
den Speisen zusprechen. Daher das Sprichwort entstanden: 
er isst wie a häzieher; SCHOE. 262; LEX. KWb. 
140; SCHM. I 3 , 1028 f. mhd. höuwe, houwe und ver- 
kürzt höu, hou, heu [BM. I, 722* ; LEX. MWb. I, 1357], 
ahd. hauwi, heuwi [GRAFF IV, 708], gt. nom. havi, 
gen. haujis, Stamm also hauja- [DIEF. Wb. II, 544; 
MGSpr. 39; 348], altn. hey [= hauja] Heu. Die gewöhn- 
liche Etymologie ist die von hauen, vgl. GRIMM Kl. Schrift. 
m, 119; WEIGk I*, 683; FICK* 717; GRIMM Wb. IV, 2, 
1275 — während MGrSpr. das Wort zu gr. noiv\ (aus xoFit), 
xoFtä), rcoa Gras, Kraut, stellt, welch letzteres aber schwer- 
lich von Wz. pa- nähren, getrennt werden kann [HW. s. 
v. pasco]. BUGGE in KZ. XIX, 413 ff. kommt zum 
gleichen Resultate wie MGSpr., vgl. auch ZEH. 97, allein 
überzeugend ist dies keineswegs. 

hlllin, v., z. B. kr&pfin, oderstraub'm huiin, d. i. einen 
ferapfen oder ein grosses Drumm einer Straube mit dem 
einen Ende in den Mund nehmen und ohne die Hände 
weiter zu gebrauchen dieses in einem Zuge ^ssen. Von 
hui bei SCHOE. 281; LEX. KWb. 145; SCHM. I«, 1030. 

tlliob, m., dim. hüob'l so viel man auf einmal, besonders mit 
dem Löffel, aufäss'n kann: a hiiob'l mues, a hüob'l 

9 



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90 

suppe u. s. w.; S€HOE. 279; LEX. KWb. 144; SCHM. 
I a , 1040. Kaum direct von heben abzuleiten, soticUrn 
unser Wort kann recht gut = sein mhd. huobe [JJM, I* 
729 a ; LEX. MWb. I, 1389], ajbd. huoba, huopa, hoba 
[GRAJT IV, 753], gt. hdba in ga- h&b -eini- [DIEF. 
Wb. II. 488 ff.; MGSpr. 454] Enthaltsamkeit, altn. hof 
Mass, Masshalten, Enthaltsamkeit. Aus der Bedeutung des 
mhd. huobe „Mass Landes" kann sehr leicht die Bed. 
unseres Wortes hervorgegangen sein. Ueber das nhd. hufe 
vgl. noch FICK* 730; WEIG. I«, 706; KZ. VH, 275 ff. 
höbich, m. = Habicht; kenn und höbich ein Kinderspiel 
= bei LEX. KWb, 129 ; vgl. auch SCHOE. 229 ; SCHM. 
I 2 , 1032. mhd. habech, habich [BM. I, 605 a ; LEX. 
MWb. I, 1130], ähd. häbuh, hapuh, habich [GURAFF 

IV, 754], ags. hefig, alts. hebhig, altn. höfugr. Man 
leitete in der früjueren und noch in <W neuesten Zeit uns$p 
Wort ab von mlat. capus Falke von oapere, vgl. I,jEX. 
MWh. I, 1130; POTT in KZ. Vm, 101; DIEF. gl. 99 a ; 
WEIG. I 2 , 632 -T- oder geradezu von haben, vgl. FICK 2 
720; (MUMM Wb. IV, 2, 91 [Gesch. 49 f.]; POTT Wzw. 

V, 51; ZEH. 4 u. a. Allein schon DIEF. Wb. II, 49J; 
Origg. Europ. 341 hat das Richtige gesehen und HJSHN 
Culturpflanzen und Hausthiere u. s. w. 2 326 durch sachliche 
Gründe % erhärtet. Demnach haben die Germanen Namen 
und Sache den Kelten abgeborgt; altirisch seboec [capus 
Gloss.], jetzt seabhag, seobhag (seabhagair fulco- 
narius), aus gebocc wurde im kambrisch-kornischen Mimde 
he baue (jetzt hebog), in welcher Gestalt es zu den Ger- 
manen übergieng. Auch FOERST. hält unser deutsches 
Wort für keltisch, BAUMEISTER Keltische Briefe 37 ver- 
muthet, seboco stehe für sveb-oc und sei urverwandt 
mit altn. svifa, ahd. swep6n, sweben schweben, schwei- 
fen, was immerhin möglich ist. 

h&pp» m., dim. hap.pl Schaf; eine ungeschickte, einfältige Per- 
son; SCHOE. 243; LEX. KWb. 134; 338; SCHM. I 2 , U39; 
KZ. XIX, 56 u. a> 

happ, n., bei einem Rechen der vordere Theil, worin die Zähne 
(zände) stecken. Bei SCHOE. 243 happ der Fuss am 
Pfluge, woran das Pflugmesser steckt Wol zu Haupt. 

hübsch, adi. und adv., schön, erbauend, feierlich, gross, be- 
deutend- ? z. B. heint is in da kirche hübsch gi- 
wöis'n = feierlich; hübschis wötta; a hübscha 
wo ig .= bedeutende Strecke Weges u. s. w. ; ebenso 
wird es als adv. gebraucht in der Bed. sehr, völlig, bei- 
nahe, so ziemlich; SCHOE. 278; LEX. KWb. 145; SCHM. 
I a , 1040. mhdv hövesch, hövisch, höfsch, fcbear 
auch schon hüvesch, hübe seh, hübsch [BM. I, 701 a ; 



91 

__ ■* .i 

\ 

LEX. MWb. I, 1367] zu einem Hofe gehörend, hofgemäss, 
fein gebildet und gesittet, also von hof; WEIG. syn. Nö. 
184; 1671; Wb. I», 706; 697; GRIMM. Gr. I 3 , 155. 

höchig, adi., 2. B. höchiges wötta d. i. wenn zwar die 
Sonne scheint, aber der zu starke Nordwind es nicht recht 
warm sein lässt. Wol von hoch , also gleichsam ein Wetter, 
wie es in der Höhe ist. 

hachiz'fl, v., laut., schwer und schnell athmen, bei einem krank- 
haften Zustande; subst. hachizer, ein einmaliges schwer 
Athmen; LEX. KWb. 130; SCHM. P> 1042; VILM. 167; 
SCHMID 237; FZ. H, 134; III, 329; 337; IV, 34; 107; 
V, 354; VI, 111 u. a. Steht es, wie LEX. meint, für 
achiz'n ächzen? vgl. auch GRIMM Wb. IV, 2, 741. Oder 
gehört es vielmehr zu ahd. hahan hangen? PICK 2 717. 

hachl, f., Hechel; auch verb. hachl d. i. hachein hecheln; 
SCHOE. 229; LEX. KWb. 136; SCHM. P, 1041 { GAS*. 
160 u. a. mhd. hachel, hechel u. hachein, hecheln, 
v. [BM. I, 607»; LEX, MWb. I, 1137; GRAFF IV, 763]. 
Vom ahd. hechan, hecchan stechen; GRIMM Wb. IV. 
2, 735; WEIG. P, 663. Vielleicht von der skt. Wz. cä-, 
(jicjati, <ji9ite, (^imasi [BR. VII, 123] wetzen, schär- 
fen [ZEH. 51, ursprüngliche Wurzelgestalt ak- und ka-; 
sieh des weiteren: Die Wz. ak- im Indogermanischen von 
Dr. Joh. SCHMIDT, Weimar 1865. 

häckibrölt, n., dim. h&ckibrött'l, ein Saiteninstrument, das 
mit zwei Hämmerchen gespielt, gleichsam geschlagen wird, 
vgl. den Ausdruck orgl schlög'n statt Orgel spielen; 
für hackibröit scklog'n oder spielen wird nur ge- 
braucht bröit'l; SCHOE. 230; LEX. KWb. 42; DIEF. 
gl. 509«; GRIMM Wb. IV, 2, 99. Das häckibrö it'l darf 
als begleitendes, taktangebendes und auch ziemlich lärmen- 
des Instrument bei keiner Tanzunterhaltung fehlen. 

hack'l, m., eine Art Hautkrankheit besonders an Füssen und 
Händen, hervorgerufen durch Nässe und Kälte, wobei die 
Haut aufspringt und ein stechender Schmerz erzeugt wird; 
SCHOE. 28. Wol von hecken stechen bei SCHOE. 252; 
LEX. KWb. 136; SCHM. P, 1049, vgl. auch hachl u. a. f. W. 

hecken, v., nur in der Bedeutung : Eier auf einander schlagen, 
das bekannte Knabenspiel um Ostern vgl. auch geffin; 
SCHOE. 252; LEX. KWb. 136; SCHM. I«, 1049; FZ. VI, 
148 ; ZING. W. 34* ; STALD. II, 29; TOBL. 260*; GRIMM 
Wb. IV, 2, 74&r vgl. d. vorh. W. 

ht!Ckin, v., nur diese Form ist gebräuchlich und steht stets 
für öitzeii, während letzteres fast ungebräuchlich ist; 
ebeiiso häufig sind die zusammengesetzten von huckin im 
Gebrauch: nidahuckin, auhuckin, z. B. auf einen 
Wägen, auf die Eisenbahn, besonders von der Begattung 

9* 



92 

der Thiere; dahuckin, z. B. 's giwänd d. die Falten 
des Kleides durch Sitzen verbiegen u. s. w. ; SCHOE. 269; 
LEX. KWb. 145; SCHM. P, 1049; FZ. H, 83, 8; V, 359 
f.; VI, 152; 328, 186; 410, 36; 418, 11 u. a. vgl. WEIGL 
P, 695; GRIMM Wb. V, 306. 

häBt, vgl. oben verhait S. 56. 

holt, adv., heute früh, während he int = ist heute; SCHOE. 
271; 255; LEX. KWb. 137; SCHM. P, 1188; ZING. W. 
35 a u. a. hoxt = mhd. hiute [BM. HI, 4*; LEX. MWb. 
I, 1311] heute, ahd. hiuto, hiutü, d. i. hiutagu (instr.) 
an diesem Tage, vgl. WEIG. I 3 , 685; GRIMM Wb. IV, 2, 
1294 — während heint, mhd. hint, htent, hinat, 
hf naht aus hia naht verkürzt ist, d. i. acc. sing, von 
hin u. naht, vgl. GRIMM Gr. III, 139; Wb. IV, 2, 887; 
WEIG. I a , 670 ; KZ. VI, 12 u. a. 

huder, f., dim. hüderle alter, zerrissener Fetzen Leinwand; 
spüelhüder, bes. wischhüder = Handtuch, büdfer- 
buff, m., ein Spielzeug der Knaben, bestehend aus einem 
Rohre, das an beiden Enden mit nassen Stöpseln von hü- 
dern luftdicht verschlossen wird. Mit einem Stäbchen wird 
dann der eine Stöpsel in das Rohr hineingeschoben, bis die 
comprimirte Luft den andern mit einem Knall, buff, fort- 
schnellt. — Der hü der er der Lumpensammler. Das yerb. 
h ü d e r n bedeutet nur : Unterschleif treiben, bei einer Schul- 
arbeit sich fremder Hilfe auf unerlaubte Weise bedienen, 
vgl. rid'l; SCHOE. 278; LEX. KWb. 145; SCHM. I» 
1050; 1055 u. a. mhd. hader, aber auch huder, hu- 
del [BM. I, 607^; LEX. MWb. I, 1138] zerrissenes Stück 
Zeug, Lumpen, Lappe; Streit, Zank; ahd. hadara [GRAFF 
IV, 805; 812] vgl. WEIG. I a , 634; GRIMM Wb. IV, 2, 
109 ff., dem ich in der Etymologie nicht beistimmen kann. 
Das Wort wird von FICK 2 31 ; Spr. 67 richtig verbunden 
mit skt. kanthä [BR. II, 55] geflicktes Kleid, gr. fcsvrpov 
Lappehwerk, Flickwerk, lat. cento. Als Wz. würde sich 
ergeben kant-, skt. knath- schlagen, aus kan- stechen, 
schneiden vgl. gengg'n. 

h&Bd'n, m., 1) die Axt der Zimmerleute, schmal und lang, 
2) Haidekorn, Buchweizen; SCHOE. 233; LEX. KWb. 131 ; 
137; SCHM. P, 1052 u. a. — hä^d'ii Nr. 1) wird wol zu 
hauen gehören, wie man denn statt hauen besonders im 
Etschland haud'n sagt; SCHOE. 248. Vielleicht hat aber 
SCHN. 242; 269 Recht, wenn er das grödnerische pajan 
Zimmermannshacke auf lat. paganus zurückführt und be- 
merkt: „etwa ursprünglich securis pagana bäurisches 
ländliches Beil im Gegensatze zur securis in den Fasces 
und bei den Opferpriestern?" Oder, wenn unser h&Bd'n 
wirklich mit „der Heide" Zusammenhängt, vielleicht wegen 



93 

der Aehnlichkeit mit einer gegen die Heiden gebrauchten 
Waffe? Das 2) hä^d'n ist = ein von den Heiden 
(diese heissen ja auch bei uns h ä « d'n) gekommenes Ge- 
treide; schon bei DIEF. gl. 117 a s. v. cicer: heiden- 
korn, heidenbrein, heidelkorn vgl. GRIMM Wb. 
IV, 2, 803 f.; besonders aber HEHN Culturpflanzen 2 441. 
— hättd'n, auch hättdich und hä^drich [vgl. heidehe 
bei LEX. MWb. I,' 1207 ; BM. I, 648 a ; heidahi bei GRAFF 
IV, 8Ö9] heisst endlich auch das Heidekraut, mhd. heide 
[BM. I, 647* ; LEX. MWb. I, 1207] Heidekraut, ags. haedh, 
engl, heath Heidekraut, eins mit gt. haithja- [DIEE. 
Wb. II, 496 ; MGSpr. 39] Feld. Ueber die jetzt allgemein 
angenommene Etymologie, wornacly auch der Heide zum 
gleichen Stamme gehört, vgl. FICK 3 715; BOPP Gl. 104* ; 
POTT Wzw. I, 816 ; KZ. VII, 283 f. ; WEIG. I 3 , 666 f. ; 
GRIMM Wb. IV, 2, 795 u. a. 

h&tt'l, f., dim. hattile Rispe an Hafer (und Hirse); dav. 
verb. hätt'l, d. i. hatteln Rispen bekommen: da höba 
hat schuen gih&tt'lt; SCHOE. 248; SCHM. I», 1186. 
Nach GRIMM Wb. IV, 2, 109 zu huder w. s. Sollte 
es nicht eher zu Hand gehören? Die Rispen sehen factisch 
einer ausgebreiteten Hand ähnlich. 

hütsche, m., Schwein, gewöhnlich als Schimpfwort gebraucht ; 
dim. hfitsch'l. hütschin treib'm = Sau treiben, ein 
Knabenspiel; SCHOE. 284; LEX. KWb. 144; SCHM. I 3 , 
1192. Ueber das hütschin treib'm vgl. HOERMANN 
der heber gät in litun, Innsbr. 1873. 

hutzi haio, so beginnt das bekannte Wiegenlied; vollständig 
lautet es bei uns so: 

hutzi haio, pumpumpaio, 's kalb'l gödt a stidgü' 6, 
rennt a zoutits hünd'l noch, heisst in kalblin 's schink'l 6. 

SCHOE. 232 f.; LEX. KWb. 4; 131; SCHM. I», 1021; 
1028; FZ. II, 90, 8; HI, 513 u. s. w. 
hätzen, v., verschmitzt einem etwas wegnehmen ; hätzer, m., 
verschmitzter Räuber ; ebenso hätzerin, f. In dieser 
Bedentnng kenne ich sonst in Tirol das Wort nicht, vgl. 
jedoch SCHOE. 248: hatz Hetze, Feindseligkeit; LEX. 
KWb. 140; SCHM. I», 1194; FZ. V, 133, 24; VI, 146; 
SCHMID 267; VILM. 154; GRIMM Wb. IV, 2, 560. mhd. 
hazzen [BM. I, 642»; LEX. MWb. I, 1198], ahd. hazdn, 
hazzön [GRAFF IV, 1069] hassen, alts. hatön feind- 
lich sein, verfolgen, ags. hatian verfolgen, hassen. Ety- 
mologische Erklärungen bei GRIMM Gesch. 411 : MGSpr. 
347; DIEF. Wb. II, 543. FICK» 718; Spr. 118 stellt das 
Wort gewiss richtig zu skt. Wz. cad- [BR. VII, 57] ab- 
fallen, ausfallen, caus. oädayati treiben; zend. cad- 
[IUSTI 291 b ] kommen: avaderenxn cadayeiti er 



L 



94 

kommt zum Entreisgen, entreisst ; gehen, verlassen, fallen, 
anfallen; lat. cedere gehen, weichen, c ädere fallen ; gr. 
xe-xoS-ov, xs-xaS-6-jxyjv ich wich, stand ab, 'liess ab. sfct. 9 a- 
daya = hazjan = ahd. hetzen. 

houf, m., nur in der Bedeutung : die Räumlichkeiten im Futter- 
hause, umfassend den Stall, den Ort für die nöthige Streu 
und die dille; LEX. KWb. 143; im übrigen vgl. SCHOE. 
270; SCHM. I 2 , 1058; GRIMM Gesch. 1022; WEIG. I a , 
695; BM. I, 698; LEX. MWb. I, 1321; GRAFF IV, 828; 
FICK* 347 ; Spr. 68 ; ADELUNG Wb. H, 1230 ff. 

hufer, m. ein unförmiger Haufe; eine hässliche Person; dav. verb. 
hüfern sich bald hierhin, bald dorthin setzen, bald auf- 
stehen, bald sich niedersetzen, auch umh ah ufern, au- 
hinhufern überall herum, hinauf steigen oder sitzen; 
SCHM. I», 1063: ho ff er. mhd. hover [BM. I, 723*; 
LEX. MWb. I, 1365] Höcker, Buckel, ahd. hofar [GRAFF 
IV, 838], ags. hofer zu gt. hafjan [DIEF. Wb. II, 546; 
MGSpr. 39] heben. Wz. kap- fassen, binden vgl. FICK 2 
31; 719; Spr. 306; CURT.* 141; HW. s. v. capio; POTT 
Wzw. V, 19 ff., der [S. 55] aber mhd. hover zu gr. xa[/.7UTw 
stellen will ; WEIG. I 2 , 695 u. a. ; anders ZEH. s. v. capio : 
vom caus. zu skt. Wz. ci- [BR. II, 997 f.] aneinanderreihen, 
schichten, aufbauen; sammeln; also cäpäyati. 

haftik, adi. und adv., nur in der Bedeutung: wichtig, ernst, 
severus, gravis; z. B. sie h&t's schrocklich haftik 
gimächt = sie hat der Sache eine ungeheure Wichtig- 
keit beigelegt; auch subst. haft, m., Wichtigkeit, wird 
gebraucht; SCHOE. 230; LEX. KWb. 130*, SCHM. I», 
1066 u. a.; eig. bloss heftig vgl, DIEF. gl. 331* ; 608« 
haftig, heftig severas, vehemens. mhd. heftec, hef- 
tic. [BM. I, 604*; LEX. MWb. I, 1203] fest bleibend, be- 
harrlich, mit Beschlag belegt, ernst, wichtig, stark, heftig; 
siehe jetzt WEIG. I 3 , 665; GRIMM Wb. IV, 2, 135; Ger- 
mania VIII, 480. Daran schliesse ich ein. verwandtes Wort 
heifte z. B. heifte ginue = ganz genug, mhd. heifte 
[LEX. MWb. I, 1210] vehemens vgl. SCHM. I 2 , 1066. 

haft'l, n., Häftlein, # Häcklein ; das Häckchen heisst kräm- 
pile w. s., die Ose das müelterle (1 eingeschoben); 
dav. verb. haft'l d. i. haftein; in haft'l, aushaft'l, 
zuohaft'l; der haft'lbitscher der Haftimacher, z. B. 
aupass'n wia a haft'lbitscher; SCHOE. 230; LEX. 
KWb. 130; SCHM. P, 1064 f. u. a. mhd. haftel, heftel, 
heftelin [BM. I, 604; LEX. MWb. I, 12041 Spange zum 
Zusammenhalten eines Kleides, Agraffe vgl. WEIG. I 2 , 665; 
GRIMM Wb; IV, 2, 768; 775. 

huff, f., Hüfte; huffknopf, m., Hüftknochen ; SCHOE. 281; 
LEX. KWb. 145; SCHM. P, 1063. mhd. huf [BM. I, 



95 

724»; LEX. MWb. I, 1376], ahd. huf, gen. huffi 
[GRAFF IV, 832], gt. hups [DIEF. Wb. II, 585; MGSpr. 
42], altn. huppr Vorderbein, Hüfte. Die Etymologie des 
Wortes ist noch nicht festgestellt. Wahrscheinlich gehört 
es zu einer Wz. hup-, kub-, welche krümmen, beugen 
bedeutet, lat. cubare, gr. xutctü) beuge mich, xu<p6; gebückt, 
xöoos Krümmung, Buckel u. s. w. vgl. CURT.* 518; KZ. 
XIV, 4B1; SCHMIDT Vocal. I, 162; ZEH. 310; PAULI 
Benennung der Körpertheile bei denlndog. S. 19; GRTMM 
Gesch. 401 ; Wb. IV, 2, 583 ; SCHA.» 428. 

hüfler, m., eine Vorrichtung zum Trocknen von Heu = h ü f 1 , 
hüflar bei LEX. KWb. 145. TJebertragen : eine zerlumpte 
Person; dav. verb. hüfl'n dat Heu an die hüfler hängen, 
z. B. heisst eine Bauernregel: muoss man in langis 
zwäo mal b'sän, so qiuass m&n s' ha hüf 1 = wenn 
man im Frühjahre zweimal den Schnee mit Erde bestreuen 
muss (b'sän w. s.), d. h. wenn nach dem ersten Bestreuen 
noch ein Schneefall eintritt, so muss man, um das Heu or- 
dentlich dörren zu können, dasselbe auf Stangen aufhängen ; 
SCHOE. 263; SCHM. I a , 1057. Das Wort könnte = sein 
häuf ler von häufe, allein besser wird man es, wie auch 
LEX. bemerkt, zu mhd. hübel, hufel [BM. I, 647»; 
LEX. MWb. I, 1372] Hügel, von heben, steUen; SCHA. a 
427. 

hättggie, adi., wählerisch, bes. beim Essen: hä-eggler kröpf, 
heisst es, wenn Jemand von einer Speise nicht essen will; 
dann bedenklich, schwer zu behandeln; subst. ha «gl, 
m.; SCHOE. 233 f.; LEX. KWb. 136; SCHM. P, 1071 
HOEF. H, 19; SCHMID 269; WEINH. 32; FZ. I, 293, 
36; II, 514; IV, 170; V, 352, 7; VI, 404, 10. Das Wort 
steht mit hervorgetretenem h und ei für e [vgl. WEINH. AI. 
Gr. 104; B. Gr. 84] statt eckel vgl. WEIG. I a , 668; 
GRIMM Wb. IV, 2, 101 ; 815. 

högyerle, dim. von hogger, 1) Streu-, Heu- oder Getreide- 
haufen auf dem Felde, 2) eine Pustel = gogge w. s. ; 
SCHOE. 270; SCHM. I a , 1050 vgl. hüfer. 

h&Bl, adi. nur in der Bedeutung : geheilt, von Wunden geheilt ; 
hä,*lsäm heilsam; SCHOE. 234; SCHM. I*, 1077. mhd. 
ahd. heil [BM. I, 650 b ; LEX. MWb. I, 1210 f.; GRAFF 
IV, 861], gt. hails aus haljas [DIEF. Wb. II, 497 ff.; 
MGSpr. 39]. Mit gr. aaXÖ; zu skt. kalya [BR. II, 178; 
GRASSM. 318] heil, gesund, wolauf, kalyäna schön, 
trefflich, heilsam, altslav. cölü [MIKLOS. 1107 b ] heil, vgl. 
CURT.* 139; FICK 2 39; 716; KZ. V, 38; ZZ. I, 16; 
SCHER. 472; WEIG. P, 668; GRIMM Wb. IV, 2, 815; 
SCHA.* 379 u. A. 



96 

hol, m., z. B. an laut'n hol götb'm einen lauten Schall 
geben; SCHM. I», 1074. mhd. hal, -lies [BM. I, 685»; 
LEX. MWb. I, 1146] Hall, Schall zu hellen hallen, Wz. 
kar- rufen, nennen, vgl. FICK» 33; 730; KZ. V, 399; 
XI, 165; XH, 417; WEIG. I«, 674; GRIMM Wb. IV, 2, 
227; POTT Wzw. H, 1, 187; CURT.* 138 u. A. 

houl, adi. , hohl; Redensarten: er schreit, ass wenn er 
houl war bis af die zöahin er schreit, als ob er hohl 
wäre bis zu den Zehen; er hat an humma, wenn er 
houl war bis af in kläran zöhtn; dav. comp*, höxl- 
wängit adi. mit eingefallenen Wangen ; s'hötle der hohle 
Theil zwischen Hinterhaupt und Hals; SCHOÜ. 271; LEX. 
KWb. 143; SCHM- I», 1083. Etymologie bekannt, vgl. 
FICK» 728; HW. s. v. caelum; CURT.* 156 f.; WEIG. 
I 3 , 698; BM. I, 679»; LEX. MWb. I, 1324; GRAFF IV, 
846; MGSpr. 39; ZZ. I, 19. 

houl d. i. houl'n, v., 1) = holen WEIG. I», 700. 2) hallen, 
schallen z. B. er schreit, ass lei hoult er schreit, 
dass es nur schallt; dav. subst. houler, m. ein dumpfer 
Schall vgl. h61. 

häle, adi., glatt, schlüpfrig; schmeichlerisch; hälikit, f., 
Schlüpfrigkeit; Schmeichelei vgl. auch käl; SCHOE. 237 
LEX. KWb. 131; SCHM. I», 1073; cimbr. Wb. 129 b 
SCHMID 255 ; HOEF. I, 42 ; STALD. H, 12 ; TOBL. 252 b 
VILM. 145; FZ. II, 515; in, .89; IV, 323; V, 446; 511, 
11 u.A. mhd. haele, hael[BM. I, 613»; 676 b , 10; LEX. 
MWb. I, 1148] verbergend, verholen, verborgen, schnell 
vorübergehend, vergänglich, schlüpfrig, glatt; ahd. häli 
[GRAFF IV, 854] d. i. hälja, altn. hall, häl, hält 
schlüpfrig, glatt. Zu helen verbergen, hüllen, ver- 
hüllen, lat. clläre, ocoulere, clam, gr. xüX-ov Augen- 
lid, xd&ui; Knospe, xaXi6?, xo&ta Hütte, Vogelnest, xuXtl; 
Becher u. s. w. Wz. skar-, skt. kar, kirati beschütten 
vgl. HW. s. v. celare; FICK» 349; 722; Spr. 308; 
GRIMM Wb. IV, 2, 158; WEIG. I», 666; CÜRT.* 139; 
POTT Wzw. H, 1, 196; SCHA.» 366. 

häle, f. nur in der Zusammensetzung: reihäle d. i. reid- 
häle von reid'n (w. s.) und häle eine verschiebbare 
Vorrichtung zum Aufhängen des Kessels über dem Feuer; 
reihälkötte die Kette, woran der Kessel hängt ; SCHOE. 
237; LEX. KWb. 131; SCHM. I 8 , 1072; VILM. 143; 
SCHAMB. 72»; cimbr. Wb. 19 l b ; Alemannia m, 287; IV, 
157; WEG. 21; ZING. Wb. 34»; SCHILL. LUEBB. II, 
177»; SCHMIDT 73; BUEHLER I, 65; H, 139; KEHR. 
181; FULDA 158; FZ. III, 556, 66; V, 446; 489. mhd. 



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97 

hähel, häl [LEX. MWb. I, 1144; BM. I, 610 a ; DIEF. 
gl. 156*] Hacken, um den Kessel übers Feuer zu hängen, 
ahd. hähala [GRAFF IV, 772; SCHA. a 364] zu hahen, 
ahd. häban, gt. hahan hangen, hängen, Wz. kak-, 
kank-, skt. 9a/ik [BR. VII, 25; GRASSM. 1371] in Sorge 
sein, Scheu empfinden, Misstrauen hegen; Anstand nehmen, 
ein Bedenken haben, im Zweifel sein, also hangen und 
bangen; lat. cunctari vgl. FICK I«, 56; III*, 58; HW. 
s. v. cunctor; DIEF. Wb. II, 493; MG-Spr. 342; CURT.* 
698; POTT WzW. HI, 147; ZEH. 69; WEIG. P, 649; 
GRIMM Wb. IV, 2, 157; Weisth. HI, 36, 17; CURT. 
Stud. Vn, 277 u. A. 

hölb, n., nie m. od. f. Stiel einer Axt oder Haue; SCHOE. 
255; LEX. KWb. 138; SCHM. P, 1068; cimbr. Wb. 129 b 
HOEF. H, 43; WEINH. 32*; STALD. II, 14; FZ. II 
518; IV, 194; VI, 211; KRAM. 45; SCHROEER II, 273* 
Gottsch. I, 102; KLEIN I, 178; ZING. Wb. 34* 
SCHAMB. 78*; brem. Wb. H, 617; SCHILL. LUEBB. II 
233*; 235 b ; DANN. 80 b ; DAEHN. 182; BUEHLER I, 60 
TOBL. 254*; BIRL. VW. 3*; FULDA 148. mhd. halp 
help, halme, halm, heim [LEX. MWb. I, 1150; 1151 
BM. I, 613 b , 40; 614*; DIEF. gl. 104 c ] Handhabe, Stiel 
ahd. das halp [GRAFF IV, 891; SCHA. a 366 b ]. Die 
Etymologie ist noch nicht sicher ermittelt WEIG. I 3 , 675 
DIEF. Wb. n, 514. HEYNE in GRIMMs Wb. IV, 2, 226 
240; 930; 977 und SCHA. 3 a. a. O. vermuten Zusammen- 
hang mit halft er, lat. carpo, worin ich nicht beistim- 
men kann. WACKERN. Wb. 124* vgl. LEO 431 stellt 
das Wort geradezu zu halten. Ich führe das Wort zurück 
auf eine Wz. kal- schlagen, brechen, biegen, gr. x>>a-(i> 
breche, biege, x>tfaa, xXcov Schoss, x^wvxxa* pajföov Hesych. 
fed. mai. SCHMIDT II, 496], ebenso *!&»<£ - 5aa&o<;, dazu 
altslav. klada Balken, Block, unser Holz, ebenso ahd. 
helza Schwertgriff, Gehilze, ferner gr. xaXov Holz, lit. 
külas Pfahl, altslav. kolü Pfahl, Püock, lat, cläva 
Keule, per- c eil er e cet. vgl. PICK III 3 , 71 f. 

halchit, adi. mager, .von hagerem Aussehen z. B. sagt oft ein 
Frauenzimmer: mit den giwknte sioch i souv'l hal- 
chit aus; SCHOE. 238: halch schlank und mager; vgl. 
auch VILM. 145 häl adi. trocken, mager, dürr; abge- 
magert; auch austrocknend. Es ist also unser Wort nur 
Weiterbildung von häl, häle (w. s.)' glatt, schlüpfrig, und 
würde einem mhd. haelec, halekit entsprechen. 

hält, adv. in den bei SCHOE. 238; LEX. KWb. 132; SCHM. 
I a , 1097 ff.; HOEF. II , 23; SCHROEER 267; SCHMID 
256 u. A. angegebenen Bedeutungen. Das Wort ist vielfach 
etymologisch behandelt worden vgl. LEX. MWb. I, 1159; 



1 1 

; i 



98 

GRIMM Gr. m, 240; 279; Wb. IV, 2, 273; WEIG. P, 
644; DIEF. Wb. II, 517 ff. u. A. Das Richtige scheint mir 
FICK HI 8 , 71 getroffen zu haben, der das Wort sammt 
mhd. ahd halt vielmehr, mehr, alts. hald vielmehr, gt. 
haldis (compar. adv.) lieber, mehr, altn. heldr (comp, 
adv.) lieber, mehr, heizt (aus hei d- st superl. adv.) am 
meisten, besonders, mit ahd. hald clivis, obliquus, halda 
= Halde, verbindet und also auf ein Thema kalta 
zurückgeht = lit. keltas gehoben, isz-kelta-s erhaben, 
hoch, lat. celsus, ex-celsus, collis [für colnis], lit. 
kalnas Berg. Wz. ist also skt. kal- heben, halten vgl. 
auch BEZZENBERGER Untersuch, über gt. Adv. und 
Partik., Halle 1873, S. 121. Dass unser halt von mhd. 
ahd. halt getrennt werden soll, wie WEINH. Wb. 32 b ; 
id. mhd. Gr. S. 281, § 309 will^ kann ich nicht glauben. 

holt, m. = Held, aber gewöhnlich im verächtlichen, wenig- 
stens im ironischen Sinne, ähnlich wie körl. Die Etym. 
von hei d ist bekannt vgl. FICK HI 3 , 69; WEIG. I fl , 673; 
GRIMM Wb. IV, 2, 931, also zu helen = der (durch 
Rüstung, Waffen) Geborgene oder Geschützte. 

hildern, v. schallen, bes. vom Echo, wenn es so stark ist, 
dass gleichsam das Haus zittert oder die Fenster klirren: 
er schreit, ass is lei hilderscht im hause; öis 
hat 's ganze haus gihilderscht; hilderer, m. ein 
solcher Schall: öis hat an gänz'n hilderer gitün; 
o o r'n hilderer, m. der. Ohrwurm, der nach dem Volks- 
glauben gern ins Ohr kriecht und dadurch einen grossen 
Schall im Ohre erzeugt, weshalb man ihn sehr scheut 
[vgl. SCHOK 481 ; FZ. IV, 55 ; WEIG. IP f 270] ; SCHOE. 
255; LEX. KWb. 138; SCHM. P, 1080: hellen; 1089: 
gehilder Gelächter [HZ. VIII, 578]; 1091: holdem 
hohl tönen; VILM. 178; SCHMID 278: hillen tönen; 
BIRL. 230 b ; HOEF. II, 43; FULDA 158; FZ. II , 228; 
518; HI, 76; 133; IV, 251, 16; VI, 153; 421 u. a. mhd. 
hellen, hillen [BM. I, 683; LEX. MWb. I, 1235] ertö- 
nen, hallen, ahd. hellan [GRAFF IV, 855; SCHA. 8 385], 
gleichen Stammes mit hol [S. 95]; vgl. GRIMM Wb, HI, 
848 ; IV, 2, 232 ; 969 f. ; 1 899 ; WEIG. I 2 , 674 u. A. 

holm , m. in der Mühle der Raum zwischen dem oberen Mühl- 
steine, läfer, und dem unteren, löiger; in diesen Raum 
fällt das zu zermalmende Getreide. Ich finde das Wort 
sonst nirgends, daher ein Anknüpfungspunct schwer zu 
finden. Es kann allenfalls zu hohl (houl w. s.) gehören. 
Freilich, wäre der Sprung nicht zu gross, könnte man pas- 
send das altn. h61mr, hölms, holmi [MOEB. 199] See- 
und Flussinsel, Zweikampf oder Stätte des Zweikampfes, 
heranziehen vgl. auch FULDA 167 ; WEIG. I«, 701 ; FlCK 



99 

HP, 71; ADELUNG Wb. II, 1266; SCHILL. LUEBB. n, 

288*; brem. Wb. II, 651. 
holn, auch holm, m. lauter Schall, laute Stimme z. B. das 

kint hat decht an holn dieses Kind hat doch eine so 

laute Stimme (vom Weinen oder Schreien gesagt). Zu hol 

Schall w. s. 
hÖ0li88 in der Redensart: vi hooliss'n drauf lous gian 

Slötzlich, unvermutet, gerade darauf los gehen. Es scheint 
as mhd. gähelös zu sein [LEX. MWb. I, 725] sich unge- 
stüm > rücksichtslos der Leidenschaft hingebend, gähes, 
gaehes schnell, hastig, plötzlich vgl. oben S. 69 gähe. • 
Möglich wäre indess auch, dass es von Höhe kommt und 
st. höhelingsen steht, ähnlich wie rücklings, ärsch- 
lings, seitlings, schrittlings u. ä. vgl. GRIMM 
Gr. m, 234; WEIG. P, 953 — oder es ist das mhd. hae- 
lingen adv. dat. plur. [LEX. MWb. I, 1149; BM. I, 
677 a ] heimlich, haelinc Geheimnis zu häle (s. ob. S. 96) 
vgl. bei SCHM. I 3 , 1079 haelingen, haelings heimlich; 
FZ. H, 432, 97; SCHMID 272; SCHROEER 271; KLEIN 
I, 190; FULDA 147; FIRMENICH II, 437, 19; FRISCH 
I, 434» ; GRIMM Wb. IV, 2, 788. 
holz, n., plur. holz er, wienhd.; dim. hölz'l; SCHOE. 274; 
LEX. KWb. 14»; SCHM. I 2 , 1103. holz schlog'n Holz 
fällen; holz treib'm das gefällte Holz den Berg hinab- 
schiessen lassen oder auch dasselbe auf dem Wasser weiter- 
befordern; .für letzteres auch holz trifft'n; holz 
öschneid'n; holz kloib'm H. klieben = spalten ; unta- 
helz die täs'n, auf welche im Winter beim Streuziehen 
die ströibfüederlin (Streufuder) gelegt (g'f äs s'n) wer- 
den; klaubholz am Boden liegendes, dürres, kleineres 
Holz (vgl. jedoch dieses); brennholz; Zimmerholz H. 
zum Zimmern; fälholz beim Streumachen die Aeste, beim 
Holzfallen die Aeste sammt der Rinde, beim holz schnei d'n 
(d. i. bei der Zubereitung der einzelnen Stämme zu einem 
Baue) die Abfalle; für holz Baumstämme, die auf der 
abschüssigen Seite des Weges gelegt werden, damit im 
Winter die rise eben gemacht werden kann; sogholz 
Baumstamm, aus dem flögg'n (w. s.) gesägt, geschnitten 
werden; holzig holzicht; hülzin [wie mhd.] hölzern; 
hülzinis g'lachter hölzernes Gelächter, wörtlich und 
auch ein Musikinstrument aus Holz; holzbock 1) eine 
Art Käfer, die, wenn man sie berührt, in die Höhe sprin- 
gen; 2) ein Kinderspielzeug , bestehend aus gebogenen und 
dann zusammengebundenen Aesten, die, wenn sie losge- 
lassen werden, weit in die Höhe springen ; 3) auch sagt man 
zu einem lustigen Menschen, der immer hüpfen und springen 
will, er sei ein holzbock oder wie ein holzbock vgl. 

1* 



100 

LEX. MWb. I, 1330 holzboc Waldbock, wilder Bock; 
grober unbeholfener Mensch, eig. Grestell, bes. zum Holz-, 
sägen; SCHMTD 83; STALD. H, 52; BIRL. 235; HOEF. 
H, 61; CAST. 90; LOR. 65 b ; FULDA 41 ; POPOWITSCH 
Vers. 203; KLEIN I, 201; WEINH. 36*; ADELUNG Wb. 
H, 1268; GRIMM Wb. IV, 2, 1763 ff.; POTT Wzw. IV, 
397 ; KZ. XX, 358 ; FICK HI 8 , 72 ; SCHA 2 . 415* vgL auch 
oben hölb. 
heize, f. eine Hautkrankheit der Rinder, eig. Lahmheit; dia 
heize aubeckin diese Krankheit dadurch beseitigen, dass 
man einen Schnitt in die Haut macht; LEX. KWb. 138; 
SCHM. I 2 , 1103; 1063; SCHROEER Gottsch. I, 107; BIRL. 
225*; FULDA 148. mhd. halz [LEX. MWb. I, 1161; BM. 

I, 624 a ] lahm, heizen [LEX. MWb. I, 1245] lähmen, 
ahd. halz [GRAFF IV, 929; SCHA 2 . 368 a ], gt. halts 
[DIEF. Wb. H, 524 f.; MGSpr. 39], altn. haltr lahm, 
hinkend; ahd. halzi = altn. helti = unserem heize 
Lahmheit. Aeltere etym. Erklärungen vgl. BOPP Vergl. 
Gr. IIS s. 60 f.; id. GL» 62 b ; POTT I 1 , 143; 265; ü\ 
18; BENF. Wzl. I, 625; H, 323; GRIMM Gr. I, 587; 
LEO 431. FICK 8 37 stellte unter Zustimmung von ZZ. I, 
16, 131; FOERST. 78 das Wort zu skt. Wz. kürd- [BR. 

II, 385] hüpfen, springen, khorf-, khor^ khol- [BR. II, 
630] hinken, khora, khola hinkend, später in KZ. XX, 
164; 358; Wb. III 3 , 72 hat er diese Erklärung zurückge- 
nommen und eine andere, auch mir probablere, aufgestellt, 
nämlich halz = gebrochen, gebrechlich, gleich. Stammes 
mit holz w. s. vgl. auch POTT Wzw. IH, 105; IV, 397; 
ZEH. 210. 

hömter, in anderen Gegenden z. B. in Taufers hoglm^Br, 
m. der stärkste Raufer; besonders auch von Kühen die- 
jenige, welche die anderen alle im Stossen besiegt ; SCHOE. 
231; SCHM. I 2 , 1553. Eigentlich der stärkere, maior, 
im Hage. 

himb'l, m. Himmel , bes. auch der tragbare Baldachin, Trag- 
himmel; SCHOE. 264; LEX. KWb. 141; SCHM. P, 1112; 
BIRL. 230 b . Schon mhd. himel in dieser Bed. , sowie 
himelize Decke eines Zimmers, Baldachin [BM. I, 686 b ; 
LEX. MWb. I, 1285], ahd. himilizi [GRAFF IV, 943; 
SCHA. 3 398 b ] = gr. x(/iXe<8-pov, [/iXa#pov Dach, zend. k a m e- 
redha [IUSTI 78] in camerae modum exstructus , Kopf, 
Schädel. 

himblitz'n, v. blitzen überhaupt, nicht, wie bei SCHOE. 265, 
ohne folgenden Donner. Dagegen gebraucht man für Wetter- 
leuchten, wie in Kärnten [LEX. KWb. 141], hitz him- 
blitz'n. Davon subst. himblitzer, hitzhimblitzer 
Blitz; vgl. noch SCHM. I a , 1112; HOEF. H, 52; SCHMID 



101 

278; CAST. 169; KLEIN I, 196; MAR. I, 32; LOR. 63; 
ROS. 195 ; KRAM. 52 ; Idiot. Aust. 78 ; BIRL. 231 a ; FULDA 
164; FZ. II, 518; VI, 151. Bei DIEF. gl. 153 c s. v. coru- 
scatio hymelicz, hymliczen; 250 c s. v. falgur hyme- 
licz, hymlycz, hymlitzen; id. nov. gl. 184 b s. v. 
fulgor hymlicz, hymliczen; id. mit. Wb. s. v. coru- 
scatio 81. mhd. himellitze, himlitz Blitz, himel- 
litzen blitzen [BM. I, 1013*; LEX. MWb. I, 1286 f.] 
vgl. auch GRIMM Wb. IV, 2, 1370 f. Statt himblitz'n 
sagt man auch "bliggitz'n und subst. bliggitzer = 
Blitz (s. ob. S. 28) vgl. DIEF. nov. gl. 116 b s. v. coruscare 
plekiczen; ebenso bei LEX. MWb. I, 306 blikize, 
daraus dann blicze. 

himpfern, v. halblaut weinen, bes. von Kindern; dav. subst. 
himpferer, m. ein einmaliges halblautes Klagen und nom. 
agentis; SCHOE. 265; LEX. KWb. 141; SCHM. I a , 1113; 
SCHMID 272; WEINH. 35*; FZ. II, 519; in, 133; VI, 
151. Schon mhd. humpfern, hümpelen merere (d. i. 
maerere), vagire abgebrochen weinen [LEX. V MWb. I, 1383], 
bei DIEF. nov. gl. 251 b humpfirn. Ein lautmalendes 
Wort, aber sich vielleicht anschliessend an mhd. hummen 
summen (von Bienen), humbel Hummel. 

hätimkue d. i. Heimkuh, wird diejenige Kuh genannt, die nicht 
auf die Alpenweide kommt, sondern die Milch für den Haus- 
bedarf liefert; SCHOE. 235; SCHM. I a , 1107. Sie wird 
zwar auf die Weide gelassen, aber doch noch zu Hause 
gefüttert; daher kommt sie regelmässig Abends nach Hause, 
ohne dass ein Hirt sie treibt, ja lässt oft schon unterwegs 
in der Nähe des Stalles ihre Stimme hören. Daher wird ein 
Mensch, der z. B. Abends zeitig nach Hause zu gehen 
trachtet, oder in der Fremde vom Heimweh befallen wird, 
eine haraikua genannt. 

hummer, m. Hunger; dim. hummerle zu Kindern gesagt; 
adi. hummerik hungerig; Sprichwort bei einer ablehnenden 
Antwort: scheiss'n mächt hummerik; verb. hüm- 
mern, aushümmern, dahummern läss'n verhungern 
lassen u. s. w.; hummerlouch, n. die Vertiefung ober 
den Hinterschenkeln bei schlecht genährten Thieren z. B. 
Kühen, dasselbe, was Schweiz, hungertöla TOBL. 279; 
STALD. H, 63 oder weidlucke vgl. auch SCHOE. 282; 
SCHM. I*, 1132. Ueber die Etym. FICK IIP, 78. 

hämmern oder hammerwurschz'n , plur. die Wurzeln des Krau- 
tes Veratrum album L. Sie werden gesotten und das Wasser 
zur Vertilgung von Läusen beim Vieh angewendet ; SCHOE. 
240; LEX. KWb. 132; SCHM. I», 1110; HOEF. II, 44; 
LOR. 62 b ; vgl. DIEF. gl. s. v. elleborum 199 a hemera, 
hemer, hemerwurz u. s. v. gentiana 260 b hemera, 



102 

hemer und id. nov. gl. s. v. gentiana hemera vgl. noch 
LEX. MWb. I, 1246; BM. I, 661»; Germ. VIII, 300; 
GRAFF IV, 954; SCHA.* 388*; GRIMM Wb. IV, 2, 983; 
316. lit. kemera-s [NESS. 193] Wasserdost, czermer-ei 
plur. Enzian, Niesswurz; ksl. öemerika Niesswurz; gr. 
x.«(jLapo$ Delphinium, x6;xapo; Erdbeerbaum; xdcoopo; Erlejjskt. 
kamala, kamalini Lotus, Nelumbium [BR. II, 74]. Wz. 
wol kam- wünschen, begehren, lieben, also urspr. lieblich, 
schön vgl. noch FICK I 8 , 40; HI 8 , 64. 

hin adv. ; auhin d. i. aufhin = hinauf; oahin d. i. abhin 
=' hinab, ü~hin d. i. anhin = hinan, i~hin d. i. einhin 
= hinein; hintihin d. i. hintenhin = hinter. Aehnlich 
auch bei her z. B. hintaha d. i. hinterher = hinter. Wenn 
einer hinter dem Tische sitzt, sagt er zum andern: göo 
hintaha! einer, der vor dem Tische ist, sagt zu einem 
andern z. B. göe du zögerst hintihin! geh du zuerst 
hinter den Tisch. Aehnlich ü~her d. i. anher = heran: 
gÖ9 ü~her! geh her, herüber u. s. w. vgl. auch SCHOE. 265. 

hfian d. i. hüenen; nicht in der bei SCHOE. 280 angegebenen 
Bed., sondern = schallen, nachklingen z. B. er schreit, 
ass is lei hüent er schreit, dass es nur schallt; die 
glogge hüant noch die Glocke klingt nach. Auch wird 
das Wort gebraucht, wenn jemand an einen schadhaften 
Zahn zu scharf aufbeisst, von dem dadurch entstehenden 
durchdringenden Schmerze: öis hat lei gihüont in 
köpfe. Dav. subst. hüener, m. öis hat an hüaner 
gitün, auch vom Aufbeissen auf einen heicklichen Zahn; 
LEX. KWb. 145; SCHM. I 2 , 1120; STALD. II, 60; TOBL. 
279* ; SCHMID 270; cimbr. Wb. 194; DESCHM. 52; 
SCHROEER Gottsch. I, 109; KLEIN I, 181; BUEHLER 
I, 277; HUEGEL 76^; BIRL. VW. 41; VILM. 170; 
FULDA 157; GRIMM Wb. IV, 2, 1727;. 1291; DIEF. gl. 
625° s.v. ululare honen, höen, hüenen. Die Bemerkung 
in GRIMM Wb. a. a. 0., hüanen sei lautmalend, kann 
ich nicht billigen. Im mhd. heisst honen, hoenen schon 
„heulen", „schreien" [LEX. MWb. I, 1335; BM. I, 709 a ], 
ahd. honon [GRAFF V, 753; DIEF. Wb. H, 535] ululare. 
Auch vermag ich nicht GRADL in KZ. XIX, 50, noch 
ZEH. 15& beizustimmen, welch letzterer bair. heunen zu 
gr. xucov stellt , also = hunden , winseln wie ein Hund. Die 
Grundbed. des Wortes ist vielmehr in unserem Dialekte 
erhalten. Offenbar geht das Wort mit lat. cano zurück auf 
die Wz. kan- tönen, klingen, skt. kaw- [BR. II, 29], kvan- 
[BR. II, 521] klingen, tönen, ein Geschrei erheben, causs. 
erklingen lassen, kvana Ton, Klang; vgl. dazu FICK 
I 3 , 38. 

haine, f. die Darre beim Vieh; dav. verb. hainigen sich mit 



103 

Mühe und Not fortbringen, sich fretten ; subst. haininger, 
m. was sonst Fretter ; HOEF. II , 27 ; LOR. 59 b . Ich weiss 
das Wort, daä den Stempel hoher Altertümlichkeit an sich 
trägt, nicht zu erklären. An Freund Hain = .der Tod 
[GRIMM Myth.» 811; 856; Gesch. 1021; Wb. IV, 2, 885; 
WEIGk I a , 670] ist doch wol nicht zu denken? Schwerlich 
auch an mhd. heien [BM. I, 647*; LEX. MWb. I, 1210], 
ahd. heien [Gr?AFF IV, 709] brennen. Am ehesten ist das 
Wort gebildet aus mhd. hähen [BM. I, 609»; LEX. MWb. 
I, 1144] hängen, aufhängen, ahd. hähan [GRAFF IV, 764] 
suspendere, figere, crucrfigere, gt. hahanu. s. w., entweder 
weü bei dieser Krankheit dem Thiere die Haut so fest an 
den Knochen hängt, dass man sie gar nicht wegziehen 
kann (was die Landleute selbst als Kennzeichen der haine 
bezeichnen), oder weil das Thier aussieht, als ob es gehan- 
gen wäre, wie ebenfalls der Ausdruck der Bauern lautet. 
Oder mhd. hoene, ags. he an depressus, contemptus, 
miser? GREIN II , 55; REGEL 206; LEO 456. 

hüne, m. Hahn ; nur diese Form wird gebraucht, während das 
dim. händ'l lautet, hüne geht aber nicht auf die mhd. 
ahd. Form huon zurück, welche durch h u 9 n Huhn, reflec- 
tiert wird, sondern auf mhd. hane, ald. hano; ü vertritt 
in unserem Dialecte öfters langes a z. B. fün = Fahne, 
schüme = Scham u. s. w.; SCHOE. 240; 280. Der hüne 
legt alle sieben Jahre ein Ei vgl. mutt'l. 

heilt = sind vgl. SCHOE. 257 ; 667 ; LEX. KWb. 231 ; HOEF. 
Die Volksspr. in Oest. 1800, S. 115; SCHM. Die Mund- 
arten Baierns gramm. dargest. 1821 , S. 951 ; WEINH. B. 
Gr. S. 192 f. Den Uebergang dazu bildet die in anderen 
Gegenden Tirols vorkommende Form send, sent vgl. dar- 
über WEINH. AI. Gr. S. 350 f. . 

hlfflt'n, v. spielen, scherzen mit jem. ; dav. subst. hunter, m. 
der gern mit jem. spielt; hunt'n, n. das Scherzen, spie- 
lend Raufen. Auch bedeutet hunt'n ein jetzt ausser Ge- 
brauch gekommenes Kartenspiel vgl. SCHM. I 2 , 1129. Wol 
von hund, also = wie (junge) Hunde spielen. 

hänttuech, n. nicht das Tuch zum Abtrocknen der Hände, 
welches einfach wischhüder heisst, oder, will einer einen 
nobleren Ausdruck gebrauchen, häntzwelle (w. s.), sondern 
= Halstuch, besonders das der Frauenzimmer vgl. unter 
giwänt S. 80. Es scheint, dass diese Bezeichnung daher 
kommt , weil beim Hochzeitladen der Braut in früherer Zeit 
häufig schöne Halstücher als Präsent in die Hand gegeben 
wurden. hantlistüoch'l ein kleines Tuch, womit den 
Wiegenkindern die Händchen festgebunden werden. 

'8 hintere das Hintergetreide, Aftergetreide, das bei der Wind- 
mühle hinten abfällt; auch das aus dem Mehle davon 



104 

gebackene, Brod (recte fochizze w. s.V; SCHOE. 267; 
SCHM. P, 1138; cimbr. Wb. 192; DESCHM. 52. 

häntzwelle, f. Handtuch ; SCHOE. 833 ; SCHM. IV, 303 ; TOBL. 
463; STALD. n, 483; HOEP. HI, 342; SCHMID 553; 
REGEL 202; VILM. 474; RUED. V, 205; KLEIN I, 185; 
SCHILL. LUEBB. H, 195*; BUEHLER I, 54; BIRL. 
VW. 40; FZ. HI, 483; WEIG. P f 648; IP, 1201. mhd. 
twehele, twehel, twele und in verschiedenen anderen 
Formen [LEX. MWb. II, 1596; BM. HI, 157*], ahd. dwa- 
hilja, dwehila, twahilla [GRAFF V,268; WACKERN. 
Wb. 65 ; SCHA 2 . 120] Badetuch, Handtuch, vom verb. mhd. 
dwahen, twahen, zwahen, ahd. dwahan, twahan, 
ags. thveahan, as. thvahan, gt. thvahan [MGSpr. 
- 143 ; DIEF. Wb. II , 719 f.] waschen , baden. Von den älteren 
Etymologien vgl. POTT I, 282; BENF. II, 250; LEO 51. 
Das Wort gehört wol mit gr. Tsy"^» l^« tingo zu skt. 
tu ? - [f. tvak BR. in, 372; GRASSM. 545] träufeln, 
träufeln lassen; DIEZ P, 420; ZEH. 319; CURT.* 219; 
FICK 13, 97; HI 8 , 142; HW. s. v. tingo 326. Anders 
SCHMIDT Voc. I, 168. 

(länger, m. häufig auch, das dim. hangerle 1) im Giltspiel, 
mehrere auf einander folgende Blätter derselben Farbe; 
2) eine Anzahl Garben in der herpfe (w. s.), wie viel 
einer auf einmal von unten nach oben hineinlegen kann 
(ungefähr 8—10 in einer lucke)^ vgl. SCHOE. 242. Scherz- 
weise auch sensu obsceno = penis. Von hangen. 

haiTgg'n , v. unablässig kleinlaut jammern und klagen , indem 
jem. mit nichts zufrieden ist, immer etwas zu bemängeln 
hat; subst. hau~gge, f. eine solche Person, die stets zu 
jammern hat: a rechte hau~gge! Vielleicht dasselbe 
Wort, wie bei HOEF. II, 36; LOR. 61 a ; KLEIN I, 187 
haugen, haugelen, hugelen sich bücken, niederducken, 
sich klein und geschmeidig machen; oder bei SCHOE. 249 
haunzen vgl. auch rau~gg'n, rauVn. 

henk'l, m., häufiger dim. henkile ein Stück Fleisch, welches 
man in die äse (w. s») hängt, um es zu räuchern. Das 
Wort hat mit mhd. enkel Enkel, Fussknöchel [SCHOE. 
257] nichts zu thun , vielmehr ist es dasselbe Wort , wie 
mhd. hengel das Hängende, Hängsei, hengelin Wein- 
traubenbüschel [LEX. MWb. I, 1247 f.; BM. I, 612 b ], bei 
DIEF. gl. 422 b s. v. pendula: hengel; nov. gl. 234 b hen- 
gula; 312 a hengel; 101 a hengelin, hengelen, ahd. 
hangilla [GRAFF IV, 771] WEG. 22 vgl. auch GRIMM 
Wb. IV, 2, 985. Von hangen. 

henner, m. ein feiger Mensch, besonders in Bezug auf das 
rangglen oder raufen. Dasselbe bedeutet auch henn- 
greifer; denn das henngreifen (d. i. untersuchen, ob 



105 

eine Henne bald ein Ei legt) ist Geschäft der Mägde, Aehn- 
liche Bed. hat auch hennfutt; SCHOE. 257; LEX. KWb. 
139. Ferner heisst henner eine gewisse Art, seinen Gregner 
zu Boden zu werfen und obenauf zu liegen zu kommen. Er 
wirft nämlich, indem er sich selbst nach rückwärts schnell 
niederlässt, den Gegner über den Kopf aus, dreht sich im 
Nu um, bevor der Gegner es versieht und hält ihn nieder. 

hennschÜS8, m. = Ei (verächtlich). Das schüss gehört in 
dem Falle nicht zu schiessen, sondern zu scheissen. 

hansl , m. ausser den bei SCHOE. 242 angegebenen Bedeutun- 
gen ist hansl eine Vorrichtung zum Halten beim Nähen, 
Nähstock, der am Tische festgeschraubt werden kann; 
SCHM. I a , 1133 f. In unserer Bed. scheint das Wort mit 
hans = Johann nichts zu thun zu haben. Ich glaube, es 
ist das lat. ansa. Dies wird bestätiget durch DIEF. gl. 
36° s. v. ansa, das unter andern durch henze übersetzt 
wird; GRIMM Wb. IV, 2, 463 f.; Germania V, 318 ff. 

häre, f. das Drangeid. Ebenso kapäre (w. s.); SCHOE. 245; 
19; LEX. KWb. 134; SCHM. I a , 1146; 121; FZ. HI, 110. 
Schon mhd. arre [LEX. MWb. I, 97]. Aus ital. arra, 
lat. arra, arrha, arrabo, arrhabo Aufgeld, gr. oppa- 
ßwv Handgeld, bei Hesych. apya, ap©a = appaßü>v, aus dem 
hebr. ärabon Pfand; BENF. Wzl. I, 101; GRIMM Wb. 
IV, 2, 493, 6; DIEF. WUEL. I, 90. 

harbe, adi. in verschiedenen Bed.: tüchtig zu etwas, wacker, 
kräftig, stark, schlimm, unruhig; subst. harbikit; SCHOE. 
245; LEX. KWb. 139; SCHM. I a , 1158; HOEF. H, 23; 
SCHMID 273; FZ. DI, 185, 21; 187, 12; 239, 44; IV, 
548, 11; VI, 145; 183; 252. mhd. ahd. hare, har, here, 
her, flect. harewer, harwer, herewer, herwer 
[LEX. MWb. I, 1183; BM. I, 635 b ; DIEF. gl. 8 C ; nov. 
gl. 6 a ; SCHA*. 372*; GBAFF IV, 1043]. Mit gt. hairu 
[MGSpr. 39; DIEF. Wb. II, 504] Schwert zu skt. ?aru, 
cara [BR. VII, 90; 100; GEASSM. 1383; 1382] Pfeil, 
Speer von $ar- [BR. VII, 87; GRASSM. 1381] zerbrechen, 
reisöen, bersten, auseinandergehen, sich lostrennen ; GRIMM 
Wb. IV, 2, 1054; WEIG. I 2 , 678; POTT WzW. H, 1, 
157; FICK I», 57; CURT.* 147; CORSS. Ausspr. I a , 350; 
ZEH. 4; BTW. s. v. calumnia. 

herpfe, harpfe, f. ein harfenähnliches, aus mehreren überein- 
anderliegenden Stangen bestehendes Gestell, um Getreide- 
garben und ähnliches zum Dörren aufzuhängen. Sie sind bei 
uns, nicht wie in anderen Gegenden Tirols und. Kärntens, 
ohne Schirmdach. Davon das verb. herpfen Garben in die 
herpfe hineinlegen; herpfer, m. subst. agentis; giherpfe, 
n. nom. action. ; herpfstänge, f. eine Sprosse in der 
herpfe; herpfsäule, f. eine Säule, in welche die her pf- 

2 



106 

stängen einlaufen; herpfstütze, f. eine Stange oder 
Säule, die der herpfe als Stütze dient, damit sie nicht 
durch einen Sturm umgeworfen werde; herpfinwälg'n, 
v. u. subst. heisst ein Knabenspiel, wobei die Buben im Nu 
von der Hohe der herpfe herunterrutschen, jedoch so, 
dass sie bei der einen lucke ein-, bei der andern heraus- 
schliefen; SCHOE. 246; LEX. KWb. 134; SCHROEER 
Gottsch.vl43; SCHILL. LUEBB. II, 209 a ; SCHM. I a , 1161; 
FZ. HI, 16; 118; VI, 145; GRIMM Wb. IV, 2, 475; 
POPOWITSCH Unters, v. Meere (1750) S. 104. mhd. 
harpfe, herpfe [LEX. I, 1187; BM. I, 636*] SCHA 2 . 
374], ahd. harphä, harfä, haraphä, herephä [GRÄFE 
IV, 986], altfränk.-lat. harpa, ags. hearpe, an. harpa, 
auch in die rom. Sprachen übergegangen vgl. DIEZ I s , 33. 
FICK III S , 68 ; I 3 , 42 ; II 8 , 69 vergleicht gr. xpfyßaXov, lat. 
crepare, skt. krap- jammern, klagen. Die Wz. wäre also 
kar- (mit p weitergebildet), skt. kar-, gr. xa>ici> u. s. w. ; 
skt. käru Sänger, Barde; vgl. noch WEIG. I 2 , 652; ZEH. 
55 ; 66 ; BAHREIN Fremdwb. 229. 

hörbige, f. Herberge, Unterkunft während der Nacht; beson- 
ders Miethwohnung ; inh örb igen beherbergen ; subst. hör- 
bige r der eine Miethwohnung inne hat; oft als Schimpf- 
wort gebraucht; hörbikmensch od. dim. hörbik- 
mentsch'l der od. die in einer Miethwohnung sich befindet 
zi hörbige sein eine Miethwohnung inne haben; SCHOE 
260; LEX. KWb. 139; SCHM. I a , 1149; ZING. Wb. 35 a 
SCHILL. LUEBB. II, 243 b ; FZ. VI, 76; 149; 184; 252 
mhd. herberge, hereberge [LEX. MWb. I, 1251 f. 
BM. I, 161 a ; SCHA. a 391 a ], ahd. heriberga, hereberga 
[GRAFF III, 175] Feldlager, Zelt, Schlafgemach, Gast- 
gemach, Wirtshaus, hospitium. Das Wort ist zusammenge- 
setzt aus hari, heri und bergen = ein „Heer-bergend tt 
vgl. FICK IE«, 65 f. ; WEIG. I a , 678 f. ; GRIMM Wb. 
IV, 2, 1060 f. Auch ins Romanische übergegangen vgl. 
DIEZ I«, 13. 

h&räch, auch kär&ch, m. der Höhrauch; adi. harächig oder 
karächig voll Höhrauch. Das Wort erscheint überall in 
den verschiedensten Formen, die sogar im nhd. mannigfaltig 
sind z. B. harrauch [GRIMM Wb. IV, 2, 760], höhen- 
rauch, hoherrauch [GRIMM Wb. IV, 2, 1711], haar- 
rauch [GRIMM Wb. IV, 2, 35 f.], hägerauch, hege- 
rauch [GRIMM Wb. IV, 2, 153], heirauch [GRIMM 
Wb. IV, 2, 794] vgl. auch WEIG. P, 699. Dialektische 
Formen bei SCHM. I*, 1020; LEX. KWb. 130; SCHMID 
254; STALD. H, 11; 28; HOEF. II, 22; 103; VILM. 
157; SCHAMB. 80 a ; CAST. 181 u. a. vgl. auch Allg. Zeit, 
1. — 3. Juli 1847, S. 1452; 1460 f.; 1465 f.; 13. Juli 



t~t 



107 

S. 1613; GRIMM Berl. Jahrbfi. 1841, Nr. 101, S. 808. 
Nicht alle Formen dieses proteusartigen Wortes gehen auf 
den gleichen Stamm zurück, haarrauch = Höhenrauch, da 
haar = Höhe vgl. WEIG. und GRIMM a. a. 0. Das hei 
= unserem hd oder k& ist das mhd. ahd. hei, gehei, 
geheige [LEX. MWb. I, 1207; 786; BM. I, 647*; SCHA. 2 
378*; GRAFF IV, 709] Hitze, gt. hai-s [MGSpr. 176; 
DIEF. Wb. II, 547 f.] Fackel, gr. *a(vu[/.ai leuchte hervor, 
xafa) brenne [CURT. 4 144], lit. kaisti heiss werden, kaiträ 
Gluthitze [KURSCH. I, 557; 605; NESS. Wb. 187] vgl. 
FICK I', 550. 

hüardarme, plur. = hünerdarme, auch hüarpanz'nein Kraut; 
LEX. MWb. I, 1374; BM. I, 308* (alsine media); DIEF. 
gl. 26 a ; oder auch anagallis arvensis DIEF. gl. 32 c ; GRIMM 
Wb. IV, 2, 1878; FRISCH I, 473 b ; KLEIN 205; POPO- 
WITSCH Vers. 208; BUEHLER I, 336; HUEGEL 76*; 
BIRL. 238 a . 

höirl, n. 1) dim. von hör Haar, aber nur in der Bed. : ein 
einziges Härchen; käo höirl hör kein Stängelchen Flachs 
oder kein einziges Kopfhaar. 2) dim. von ho um Hörn, 
also statt hörnlein z. B. a bockshörl = bockshörndle 
d. i. Bockshörnchen, Frucht der ceratonia siliqua L; SCHOE. 
49; 275; LEX. KWb. 144; SCHM. I 3 , 1144 f.; HOEF. I, 97; 
POPOWITSCH Vers. 210. 

hirlingk, m., plur. hirlinge die Leinen- oder Wollenlappen, 
welche dem Rindvieh auf den Kopf unter das Joch gelegt 
werden, damit dasselbe beim Ackern die Thiere nicht drücke. 
Das Wort ist gebildet wie hentlingk = Handschuh 
[SCHOE. 241] von hirn = Gehirn, also statt hlrnlingk. 
Das Wort scheint ausschliessliches Eigentum des Thaies 
zu sein. 

harmle, n. das Wiesel, während man unter wisile die Eidexe, 
lacerta agilis, versteht. Es gilt als das non plus ultra der 
Geschwindigkeit. Man sagt, es könne mit einem Strohhalme 
Thiere , ja einen Menschen mitten auseinanderpfeifen ; vgl. 
ZING. S. 419. Ferner glaubt man, das Thierchen wechsle 
beständig die Farbe; zeige es sich rot, so regne es bald, 
erscheine es weiss, werde es bald schneien; vgl. auch ALP. 
S. 327. mhd. hermelin, härmlein [LEX. MWb. I, 1258; 
BM. I, 635 b ], dim. von härm, härme; ahd. harmo 
[GRAFF IV, 1033; SCHA. 2 273] Hermelin, migale; vgl. 
DIEF. gl. 360°; nov. gl. 253* ; bei Dasypodius (1557) finde 
ich: Hermlin Ictis; vgl. DIEF. mit. Wb. 182 s. v. migale; 
179 s. v. melo ; SCHILL. LUEBB. II , 251* ; BUEHLER I, 
64; II, 1; FULDA 151. Ducange (gloss. zu Villehardouin) 
gibt eine Erklärung des Wortes, wornach es aus Armenius 
d. i. das aus Armenien gekommene Thier bedeute; vgl. DIEZ 

2* 



108 

I 8 , 32. Diese Erklärung hält noch SCHA.» 273 aufrecht. 
AUein schon POTT hat in der erst. Ausg. seiner etym. 
Forsch. [H, 180] diese Etymologie bekämpft und seine Be- 
denken wiederholt in der 2. Aufl. II, 2, 396. Das ahd. 
harmo sieht einer Entlehnung keineswegs gleich; eher 
könnten die rom. Sprachen (ital. armellino, ermellino, 
prov. ermin, afz. erme, ermine, nfz. hermine) das 
Wort aus dem Deutschen entlehnt und mit der Dim.-Endung 
versehen haben, woraus das schon seinem Accente nach 
unregelmässige nhd. hermelin genommen sein könnte vgl. 
noch GRIMM Wb. IV, 2, 1113 f.; WEIG. I", 680; GRIMM 
Gesch. 955. 

hourn, n. Hörn; stäre, hörscht wie a hourn starr, hart 
wie ein Hörn. Zu beachten ist das daraus gebildete adi. 
hournit, hournt gehörnt; auch subst.' der hournte 
als Gegensatz zu: der mullite. Es entspricht dieses adi. 
dem lat. cornutus, d. i. ein altes part. perf. pass. wie 
versutus, astutus vgl. auch FICK III 8 , 67. 

härer, m. heisst die Person, die am Schluss des Dreschens den 
letzten Streich auf die Garben gethan; SCHOE. 246. mhd. 
harren; LEX. MWb. I, 1187; GRIMM Wb. IV, 2, 494; 
SCHM. I\ 447 ; WEIG. I«, 653. 

harscht, adi. hart, neben hörscht; der harscht der 
gefrorne Schnee; harscht trög'n wenn der Schnee so 
gefroren ist, dass man über denselben hinwegschreiten kann, 
ohne durchzubrechen; SCHOE. 246; LEX. KWb. 135; 
SCHM. P, 1168; STALD. II, 22; cimbr. Wb. 107 a ; 128 b ; 
PETT. Beitr. 13; SCHROE. 268*; BÜEHLER I, 62. Schon 
mhd. hart in hart-manöt [LEX. MWb. I, 1190; BM. II, 
57 a ; SCHA. 2 774; DIEF. gl. 167*; nov. gl. 127 a ; 169 b ] vgl. 
noch WEINH. Monatsnamen 40 f. ; GRIMM Wb. IV, 2, 
497 f. ; FICK HI», 67 f. 

hörscht = harscht (w. s.). Doch ist die Anwendung eine 
verschiedene. Man sagt z. B. 's broot ist hörscht, nicht 
harscht; hörscht dabei, hörscht zuohin = knapp, 
dabei, knapp hinzu, wo harscht unverständlich wäre; 
a hörschter kouf'l = ein Geizhals; hörschtichle 
d. i. hertiglich = kaum; hörscht' n oder hörschtigkit 
Härte u. s. w. 

haus, n. wie nhd.; dim. hau sl Häuschen; Abtritt: er stinkt 
wio 's häusl; davon hausier, m. stercus, quod inest in 
latrina; häusliskünik = Häuselkönig stercus tempore 
hiemali congelatum et turris instar exurgens ; SCHOE. 249 ; 
SCHM. IS 1146 f.; WEINH. 33 f. u. a. 

hÖ86, m. Hase, wie nhd.; auch ist höse Schimpfwort auf 
einen ungeschickten oder zerstreuten Menschen: a rechta 
höse! (weil die Hasen mit offenen Augen schlafen). Ferner 



109 

heisst so das in Form eines Hasen gebackene Brot, welches 
den Knaben von ihren Pathen um Allerheiligen zum Ge- 
schenke gegeben wird; die Mädchen erhalten eine henne. 
Um Neujahr heisst dieses Brot zopf (w. s.). Bei SCHOE. 
247 ist hose Österbrot. Es scheint diese Sitte einen 
mythologischen Hintergrund zu haben ; man vgl. A. De GrU- 
BERNATIS Die Thiere in der indog. Mythol., deutsch. 
Ausg. Leipz. 1874, S. 399 ff. 

house, f. Hose, auch g'säss genannt. Auch bedeutet house 
den weiblichen Strumpf vom Knöchel bis zum Knie (vgl. 
giw&nt), auch roerhous'n oder schinkhous'n vgl. 
KLEIN I, 203. Bei der manderleutshouse unterschei- 
det man den örsch oder, wenn man ästhetisch sprechen 
will, den sass, und die ho.us'nröere oder hous'n- 
blouder. Ferner kurze hous'n (bis zu den Knieen rei- 
chend, meistens von irch) und länge hous'n. Ferner ist 
house Schimpfwort auf einen Menschen, der den Ruf eines 
anderen nicht hören will: house, höarsche nicht! Hier 
ist wahrscheinlich Verwechslung mit hose vorhanden. 
Ebenso gelten als arge Schimpfwörter: hous'nscheisser, 
hous'nteindler (vgl. tendl), hous'ntummer (tummen 
= düngen) u. ähnl.; SCHOE. 276; LEX. KWb. 144; 
SCHM. I«, 1180; cimbr. Wb. 193*; SCHILL. LUEBB. H, 
305 f.; SCHMIDT 73; SCHUETZE II, 108; BUEHLER 
I, 62 f.; GRIMM Wb. IV, 2, 1837; SCHA 2 . 419; BACK- 
MEISTER kelt. Briefe S. 62; D1EZ P, 436; KB. IL 175; 
PICK m s , 80. Das Wort scheint zum gleichen Stamme 
zu gehören wie nhd. Haus; ZEH. 47. 

häsp'l, m. Haspel; dim. haspile; verb. häsp'l, bes. ohäsp'l 
= abhaspeln; auch etwas schnell thun z. B. an roas'n- 
kränz oehah&sp'l einen Rosenkranz schnell beten; 
haspeln bed. auch coitum exercere, welche Bed. auch 
SCHM. I a , 1185 hat; vgl. KLEIN I, 186. Aehnlich schon 
mhd. haspeln üf der betzicjien [LEX. MWb. I, 1194; 
BM..I, 640 b ; DIEF. gl. 20*; 263* ; nov. gl. 193 b ; GRAFF 
iy, 1061] vgl. WEIß. I\ 656; GRIMM Wb. IV, 2, 543 ff.; 
FICK III 3 , 73. 

hösik, adi. schnell, flink: gÖ9 hüsik; auch tüchtig, schön 
und gross: a hüsige g' so Hin eine tüchtige Weibsperson ; 
SCHOE. 283; LEX. KWb. 146; SCHM. I«, 1183; FZ. VI, 
156. Schwerlich, wie GRIMM Wb. IV, 2, 1976 will, aus 
husaen huss rufen, gebildet, sondern aus mhd. hiuze 
[LEX. MWb. I, 1311; BM. I, 693 *; SCHA 2 . 403; 
WACKERN. Wb. 137] munter, frech, von der Interjection 
hiu gebildet vgl. FICK I 8 , 50. 

husär, m. sie ist wie a husär sie ist keck, couragiert wie 
ein Husar. 



T 



110 

höschgitz'n, v. schluchzen, aber nur gebraucht, wenn jem. in 
zu kaltes Wasser geht und ihm so das Athmen verhalten 
wird , oder wenn man jem. kaltes Wasser ins Gresicht giesst, 
seltener (wie in Kärnten LEX. KWb. 139) von Kindern, 
die, wenn sie viel geweint haben, nicht recht zu Athem 
kommen können; subst. höschgitzer ein einmaliges 
Schluchzen; SCHOE. 261; SCHM. I 2 , 1184; cimbr. Wb. 
130 a ; SCHMID 275; REINW. II, 60; FRISCH I, 477° 
ROS. 195; DESCHM. 52; SCHROEER Gottsch. I, 108 
RUED.V,207; LOR. 66 a ; KLEIN I, 194; ZING. Wb. 35* 
BIRL. 221»; FULDA 154; FZ. II, 518; IV, 172; V, 482 
VI, 149. mhd. heschen, hischen [LEX. MWb. I, 1278, 
BM. I, 692*; SCHA. 2 403], ahd. heskazan [GRAFF IV, 
1061 f.] vgl. noch DIEF. gl. 536°; nov. gl. 340*; GRIMM 
Wb. IV, 2, 1266 f.; Gr. I, 955. Ein lautmalendes Wort. 

häs'n nur in der Redensart: vi häs'n (od. vi nacke w. s.) 
ausreissen z. B. die hör oder die oar'n d. i. von der 
Wurzel ausreissen. In dieser Anwendung finde ich das 
Wort nirgends; vgl. ROS. 195. Es ist ein dat. plur. von 
einem vorauszusetzenden subst. häse, und gehört wahr- 
scheinlich zum selben Stamme wie häsig glatt, ohne Masern 
im Gesichte [SCHOE. 247]; häs'n, häsig glatt, schlüpfrig, 
schmeichelhaft [LEX. KWb. 135]; hase schlank, häsig 
weich, glatt, häsen geschlacht, eben, glatt [SCHM. I a , 
1173]; vgl. auch KLEIN I, 179. Man vgl. das ahd. hasan, 
hasnisto [GRAFF IV, 1047; SCHA. 2 375] venustus, poli- 
tissimus, ags. hasu, heasu [LEO 586] glänzend, grau, 
gelblichgrau, an. höss grau, lat. canus (alt casnus) 
weiss (eig. geschabt), cärßre (st. cäsöre) Wolle kratzen, 
gr. 3ts-(i>po? Nessel, xe-wpeo) (d. i. xaa-cop&d) jucke, lit. kässu, 
kasti [NESS. Wb. 184] graben, kasau kratzen, striegeln, 
ksl. <5e§$ [MIKL. 1113] kratzen, scharren, kämmen, skt. 
Wz. k a s h- [BR. II , 1 88] reiben, schaben , kratzen , jucken 
vgl. FICK HP, 74; II 8 , 59; KZ. II, 151 ff.; CORSS. 
Ausspr. I a , 651 f.; GRIMM Wb. IV, 2, 543. 

huss'n, v. und subst. ein jetzt ausser Brauch gekommenes 
Kartenspiel. Von h u s s e n hetzen vgl. SCHOE. 283 ; LEX. 
KWb. 146; SCHM. I 2 , 1183; RICH. 95; GRIMM Wb. IV, 
2, 1976. 

J. 

jäch, m. gew. jächwint der warme Wind. Da das Thal 
Defereggen von Westen nach Osten liegt, von der Südseite 
also durch hohe Berge abgeschlossen ist, denkt man sich 
unter jächwint nicht den Südwind, sondern den Südwest- 
wind. Dav. verb. jachen nur im Winter gebr. : es jächt 
s e in Folge des warmen Windes zergeht der Schnee. Dieser 



111 

Wind heisst auch der jochwint, d.h. der Wind, der 
über das Joch vom Thale G s i e s s kommt , was eben 
gleichbedeutend ist mit Südwestwind; LEX. KWb. 150: 
jauck der warme Südwind; SCHM. I a , 1199: der Jauch- 
wind; vgl. SCHROEER Gottsch. 131. Das Wort ist sla- 
visch vgl. bei IARN. 35: der jaug der Süden und Süd- 
wind, bei GUTSM. 187; 313; 507: jug, juh Südwind, 
altsl. jugü [MIKL. 1140] auster; slov. jushina Mittag- 
mahl. Die Etymologie des slav. jugü macht nicht geringe 
Schwierigkeiten. BOPP gl. 8 178 b verbindet jugü mit skt. 
dakshina dexter; meridionalis. Begrifflich wäre dies sehr 
zutreffend, da auch in den semitischen Sprachen der Süden 
„der rechte" heisst; lautlich halte ich diese Zusammenstel- 
lung für unmöglich., MIKL. a. a. 0. vergleicht lit. u£ü, 
üszti [NESS. Wb. 36] sausen, brausen, rauschen; wenig 
wahrscheinlich. FICK I 3 , 472 stellt unser Wort zu gr. 
aüjYJ Glanz, Strahl, während SCHMIDT KB. VI, 130 es 
mit gr. eupos, lat. aus -t er in Verbindung bringt. Er nimmt 
also Ausfall von s vor dem Suffixe -gü an. Allein diese 
Annahme entbehrt der sicheren Beispiele. Gewiss ist, dass 
j bloss Vorschlag ist, was die ältere Form ugü beweist. 
Damit fällt auch die versuchte Erklärung des j-ugü aus 
Wz. div- = dyu- glänzen. Ob nun -gü Suffix ist, ähn- 
lich wie -ga [MIKL. Bild. d. Nomina §. 156 ff.], oder zur 
Wz. gehört, bleibt dahingestellt. Ich erlaube mir eine neue 
Etymologie vorzubringen. Ich verbinde j-ugü mit gr. 
uy-p6-<; feucht, lat. uvere (st. ugverel uvidus, umor, 
skt. uksh- träufeln, netzen, sprengen FICK I 8 , 206. Der 
Südwind wäre also der „feuchte", „nasse"; man vgl. lat. 
auster aquaticus, umidus, imbricus, nebulosus, nubilus, plu- 
vius u. ä. bei Dichtern. So schüesst sich gr. lat. vöto;, 
nötus Südwind an gr. va[/.a Nass, va-po-s fliessend, voirepos 
nass, lat. näre, natare, skt. snä- sich waschen, baden 
an und steht also für <jvoto ? FICK I 3 , 828. Selbst das 
deutsche Süd, ahd. sundan, kann hieher gehören und 
durch Metathesis, resp. durch svarabhakti aus snud 
entstanden sein, wie SAVELSBERG in KZ. XVI, 58 über- 
zeugend ausgeführt hat. 

jouch, n. Joch, wie nhd. ; dim. jöch'l. Beide Formen bezeich- 
nen speciell den Uebergang von Defereggen nach 
Gsiess: über's jouch gion. Der jochwint der Süd- 

b> westwind vgl. d. vor. 

jichtigen, v. jagen; plagen, quälen, auch jaadigen. Das 
erste ist Iterat. zu mhd. jöuchen, jouchen [LEX. MWb. 
I, 1483; BM. I, 773 b ] jagen, treiben, jechen, jachen 
fugare bei DIEF. gl. 250 a ; nov. gl. 184 a vgl. noch LEX. 
KWb. 151: jäuc kern machen, dass jemand eilt, flieht, 



112 

antreiben , züchtigen , mnd. jachtern, freq. zu jagen; 
SCHM. I«, 1205; STALD. H, 71; WEINH. 38»; TOBL. 
284; ROS. 197; REGEL 210; EICH. 102; HOEF. II, 57; 
LOK 68* ; KLEIN I, 210; SCHAMB. 93; CAST. 174 1 
SCHÜETZE II, 184; BERNDT 105; HUEGEL 85*; BIRL. 
251 b ; VILM. 181 ; brem. Wb. II , 683 ; DANN. 91 a ; SCHILL. 
LUEBB. H , 396 a ; Z ARNCKE zu Brant 322 ; HZ. VIII, 
7 ff.; Germ. X, 403 f. Das zweite Wort j&edigen ist 
gebüdet von jäod = Jagd vgl. SCHOE. 290; LEX. KWb. 

_ 149; SCHM. P, 1201; WEIG. P, 736. 

jöjt'n, v. jäten; jote, n. was beim jöit'n aus dem 'Getreide 
herausgenommen wird, was nicht gerade immer Unkraut 
sein muss; jöterin, f. die Person, die jöitet; SCHOE. 
293; 292; LEX. KWb. 151; SCHM. P, 1211 f.; cimbr. 
Wb. 195; SCHROEER Gottsch. 131; SCHILL. LUEBB. 
H, 404 a ; CAST. 175; TOBL. 283 b . mhd. jeten, geten 
[LEX. MWb. I, 1480; BM. I, 538 b ; SCHA. 2 464], ahd. 
jetan [GRAFF II, 594 f.]. Die Etymologie ist schwierig. 
In jedem Falle halte ich die Form mit j als die ursprüng- 
liche; vgl. WEIG. I 2 , 526; GRIMM Wb. IV, I, 1489. 

jutte, f. süsse Molken; SCHOE. 296; LEX. KWb. 154; 
SCHM. I 2 , 1212; POPO WITSCH Vers. 227. Ist das bei 
DIEF. gl. 530 s. v. serum erwähnte hotte dasselbe Wort ? 
vgl. DIEF. nov. gl. 221 jota; 224 jutta. Dieses jutta 
ist spätlat. Wort und hängt wol mit jus, juris Brühe 
zusammen, gr. &}-[/.t) Sauerteig, ksl. jucha Brühe, Suppe, 
skt. yüs, yusha Fleischbrühe, Brühe, Wz. yu- verbinden 

^ vgl. FICK II', 202 f. 

jägge, n. pr. Jakob; dim. jäggile und jaggile. Die letzte 
Gemeinde des Thaies heisst St. Jakob; göisn jägge 
gien nach St. Jakob gehen (dieses götsn ist wol contra- 
hiert aus gen sanct); böisn jägge in St. Jakob (böisn 
= bei sanct); ähnlich göisn, böisn pfeit = nach, in 
St. Veit ; jäggimuestäk" Jakobitag, Kirchtag in St. Jakob ; 
diazijäggimer die Bewohner von St. Jakob (= die zu 
sanct Jakob); ähnlich die ziveider die Bew. von St. Veit. 

jöehen, v. bekennen oder erkennend erwähnen; verjöohen 
eingestehen, zusagen, versprechen; SCHOE. 293. Das im 
mhd. so häufig gebrauchte Wort ist sonst in Tirol selten 
geworden , bei uns noch ganz geläufig, was um so mehr der 
Erwähnung wert ist, als das Wort nach dem Zeugnisse 
LEXERs [KWb. 151] in Kärnten im Volksmunde erloschen 
ist; vgl. noch SCHM. I 2 , 1205; BIRL. CR. 124; BUEHLER 
I, 296. mhd. jehen [LEX. MWb. I, 1477; BM. I, 512 ff. ; 
SCHA. 2 463*], ahd. jehan [GRAFF I, 583; WACKERN. 
Wb. 151*]; mhd. ver-jehen [LEX. MWb. HI, 137; BM. 
I, 515 a ]. Das Wort macht etymologische Schwierigkeiten. 



US 

GRIMM Gr. I, 8t&; III, 764; BOPP gl. 3 30* geben eine* 
künstliche Ableitung von gt. aika; allein schon POTT 
WzW. in, 730 und BRAUNE in ZZ. IV, 262 ,f. haben 
gewichtige Bedenken dagegen erhoben vgl. auch CURT. 4 
401. WACKERN. Wb. 151 b vergleicht gr. fcoc, h£™, lat. 
in quam, was geradezu unmöglich ist, wie denn schon die 
drei genannten Wörter nichts mit einander zu thun haben. 
Mir scheint die Frage, ob jehen nicht zu ja (vgl. gt. jah, 
desselben Stammes) gehören könne, noch zu wenig erwogen 
zu sein; jedenfalls sind bei dieser Annahme die Schwierig- 
keiten nicht grösser, als bei den andern Erklärungen. 

jammern, v. klagen, wie nhd.; subst. Jammer Klage; jam- 
merer 1) ein einmaliges Klagen : kä^n jammerer tuan. 
2) Die Person, die jammert; f. dazu jammerin; SCHOE. 
291. mhd. jämer [LEX. MWb. I, 1468; BM. I, 768 a ; 
SCHA. 2 461], ahd. jämar, auch ämar [GRÄFE I, 596; 
WACKERN. Wb. 151]. Die Etymologie ist unsicher. 
WACKERN. a. a. 0. vergl. lat. amarus, gr. C/jj/ia, was 
nur in Bezug auf das gr. Wort möglich ist. Andere Com- 
binationen hat DIEF. Wb. 1 , 97 ; II , 733. FICK HI 8 , 20 
bringt es zu Wz. am- vgl. Ameise. Allein da müsste 
man Vorschlag des j annehmen, was für die germanischen 
Sprachen unerwiesen. Ueberblickt man die Bedeutungen der 
altgermanischen Dialekte [vgl. WEIG. I 2 , 737], so sieht 
man leicht, dass die Grundbedeutung nicht klagen ist, 
sondern „gedrückt, elend, leidend, leidvoll sein". Nun hat 
die skt. Wz. yam- unter anderen folgende Bedeutungen 
[BR. VI, 63 f.; GRASSM. 1090]: halten, festhalten, zu- 
sammenhalten , cohibere, zügeln , bändigen ; med. stille hal- 
ten, sich fügen, gehorchen u. s. w. Es kann also unser 
Wort immerhin auf yam- zurückgehen und ursprünglich 
bedeutet haben „das Gepresstsein , Gedrücktsein", ähnlich 
wie nhd. arm vgl. FICK H», 795. ^ 

jändl , n. eine-Reihe überhaupt, namentlich soviel man auf einmal 
beim Heumähen , Kornschneiden vornimmt ; auch j ü n wird 
gehört, wenn auch seltener ; SCHOE. 291; SCHM. I 3 , 1207; 
STALD. II, 72; VILM. 181; HOEF. II, 86; SCHMID 
294; CAST. 174; LOR. 68 b ; SCHMIDT 75; WEINH. 38*; 
TOBL. 286 a ; BIRL. 253 a ; FULDA 176 ; cimbr. Wb. 133; 
SCHAMB. 94 a ; 93 a ; FZ. HI, 331; 337; VI, 159. mhd. 
Jan [LEX. MWb. I, 1472; BM. I, 769*; SCHA 2 . 462] 
Gang, Reihe, Strich. Unser Wort, mit acht deutschem 
Gepräge, hatten bis in die neueste Zeit alle Sprachforscher 
als entlehnt erklärt aus fz. g a i n Gewinn (Haltaus Häzlerin 
330; BM. I, 767 b ; LEX. MWb. I, 1472; WEIG. P, 736). 
Allein, wie SCHA. a. a. 0. richtig bemerkt, das Wort ist 
gewiss nicht entlehnt, sondern gehört zu Wz. yä- gehen 

3 



114 

vgl. skt. yäna [BR. VI, 124] Bahn , /Wegbahn , gebahnter 
Weg, yänam das Gehen, Fahren, Reiten; gr. olp; Grang, 
ot»x*/i, ebenfalls zu Wz. i- = yä-, 

jünkle, adv. unlängst, neulich; bei SCHOE. 296: jiinkle 
etwas jung, jünkle wäre = jünglich. 

jause, f., dim. j äus'l (im verächtlichen Sinne) das Mittagessen; 
j aus'n Mittagmahl halten ; jause trog'n das Mittagessen 
tragen z. B. die Hirten oder die Heumäher, auch die Streu- 
macher tragen jause; SCHOE. 292; LEX. KWb. 151; 
SCHM. I 2 , 1210 u. a. Das Wort stammt aus dem slavi- 
schen jushina Mittagmahl [GTJTSM. 507], jushinam 
mittagmahlen vgl. oben jächwint S. 111 und öss' n S. 16. 

jous'l, m. der Stier: den jous'l aussa l&ss'n. dim. von 
Josef; ZISK. VM. 76; HOEF. II, 97; LOR. 69 a ; CAST. 
175; HUEGEL 85*. 

jöis'n, v. gähren: der wein hat schuon gejö'Ts'nt; 
"SCHOE. 293; SCHM. I», 1210 f.; WEINH. 38; HUlEGEL 
85 b ; TOBL. 284 a ; STALD. I, 74 u. a. mhd. jesen [LEX. 
MWb. I, 1480; BM. I, 535 b ], ahd. jesan [GRAFF I, 611 ; 
SCHA. 2 464] gähren, schäumen, mit gr. £&ü> zu skt. yas- 
[BR. VI, 95; GRASSM. 1100] sprudeln, Schaum auswerfen, 
sichs heiss werden lassen , sich abmühen vgl. BENF. Wzl. I, 
681; KZ. XVII, 74; POTT WzW. H, I, 805 f.; H, 4, 
453 f.; CÜRT.* 380; PICK I*, 183; HI 8 , 244; WEIGk I a , 
516 f. 

K. 

kll9, f. Kuh, wie nhd.; dim. küale; auch heissen küolen 
oder küelilen die Pruchtzapfen des Nadelholzes, bei 
SCHOE. 354 kusen, küo. Auch wird kuo als Schimpf- 
wort gebraucht auf einen ungeschickten Menschen; ja sogar 
ein verb. davon ist nicht selten: kuen unbeholfen einher- 
gehen, auch schwer hinfallen, Tahakuan herfallen; adi. 
kuoisch ungeschickt, plump; SCHOE. 350. Unter den 
vielen Eigennamen, die den Kühen gegeben werden, sind 
folgende die gebräuchlichsten: fälke (= fahl), braune, 
rö'9tl , tscheck (= scheckig), sprinze, rügg'l, 
schnob , l, schnogge, pfaus, grüle, kla-end'!; FZ. 
III, 462; IV, 160. Ferner unterscheidet man älmkua, 
die im Sommer auf die Alm getrieben wird , G-egensatz 
hä,i3mku9 (w. s.); tr artige ku9 (= tragende, trächtige), 
glosku9 (vgl. inglös'n S. 12), kölbaku9 (nach dem 
Kalben), menzeku9 (die nicht trächtig war), frühku9 
(die im Herbste kalbt), spotku9, milchku9, gälte 
kue (ohne Milch); ku9pri9ster, ku9louch, ku9auter 
Schimpfwörter; scherzhaftes Rätsel: wÖ9r ist dei mu9t- 
ters ku9 bru9der? Ein ku9maulvolle ein grosser 



115 

# 

Bissen; er vastöat wioniger asswia dia kua vin 
suntige er versteht weniger (als) wie die Kuh vom Son- 
tage; SCHA. a 524. 

keien, v. 1) werfen, stossen, umwerfen; dakeien jem. belei- 
digen: er ist glei dakeit; ummekeien umwerfen. 
2) sich kümmern, Rücksicht nehmen: i kei mi gor nicht 
ich furchte mich gar nicht; jem. inkeit (ux) lassen jem. 
ungeschoren lassen; keierei f. Verdruss, Unannehmlich- 
keiten; SCHOE. 255; LEX. KWb. 137; SCHM. I 2 , 1213; 
SCHMID269; STALD. II , 31; TOBL. 98; 279; HOEF. 
H, 131; ROS. 198; LOR. 73* ; KLEIN I, 227; 229; QAST. 
178; BIRL; VW. 41; FULDA 154; 194; REINW. I, 42; 
SCHMIDT 293; WEINH. 34 b ; GRIMM Wb. V, 440; IV, 
2, 813. Das Wort ist zusammengezogen aus mhd. geheien 
[LEX. MWb. I, 786; BM. I, 649*; SCHA. 2 290] pflegen, 
verpflegen; geh ei, geheie Hegung, Pflege. Das einfache 
verb. ist heien pflanzen, aufziehen, hegen, schützen, 
pflegen; ags. heg an [LEO 113] tueri, observare, saepire, 
nhd. hegen, Hag vgl. skt. kac-, kanc- [BR. II, 16; 
19] binden ; FICK I 3 , 36 ; WEJGL I«, 635 ; GRIMM. Wb. 
IV, 2, 177. Diese Erklärung passt zu Bed. 2). FürBed. 1) 
bietet sich mhd. heie [LEX. MWb. I, 1210] Ramme, 
hei er, hoier trusorium, die wol zu ho u wen hauen, 
gehören vgl. LEX. MWb. I, 1358; GRIMM Wb. IV, 2, 
574; GRIMM Kl. Sehr. III, 119; KZ. VII, 168 und oben 
ha S. 89. 

kfib'l, m. Butte, kleines Fass; ein ähnlicher Hut; Schimpf- 
wort; verb. küb'l, bes. daküb'l, übaküb'l hin und her 
wälzen, beim Reden auf alles kommen (verächtlich), aus 
etwas einen tratsch machen; sk'ech-, brunzküb'l 
Nachttopf; SCHOE. 349; SCHM. I 2 , 1218. mhd. kübel 
[LEX. MWb. I, 1761; BM. I, 892 a ], ahd. kübel [GRAFF 
IV, 355], aus mlat. cupellus, dim. von cupa, gr. kutcs^Xov, 
xurceXXa; x.u7tyi Vertiefung, skt. küpa Grube, Höhle, Brun- 
nen, kup- wallen, aufwallen, zürnen, in Bewegung gera- 
ten, schwanken vgl. FICK P, 40; GRIMM Wb. V, 2485 f.; 
WEIG. P, 873; POTT WzW. V, 103 f., wo die weiteren 
Verwandten aufgeführt sind. 

kouber, m. ein mürrischer Mensch: älter kouber! Dav. 
verb. koubern brummen, murren, zanken. In Tirol kenne 
ich in dieser Gestalt das Wort sonst nirgends; vgl. bei 
SCHM. I 2 , 1216 keiben zanken, grollen; bei CAST. 182 
kebln zanken, streiten vgl. noch VILM. 197; MAR. I, 
34; DANN. 91*; SCHMIDT 78; GUTZ. H, 2; DAEHN. 
226 a ; TOBL. 101 a ; FZ. II, 567, 43; III, 28; 188, 38 u. a. 
mhd. kip, klbes [LEX. MWb. I, 1578; BM. I, 803 b ] 
scheltendes , zänkisches , leidenschaftliches Wesen , Eifer, 

3* 



116 

Trotz, Widersetzlichkeit; kiben, kiven scheltend zanken, 
keifen, auch kibelen, kiveren scheltend zanken,, 
keifen (vgl. unten kifTn); GRIMM Wb. V, 429; 432; 
442; 667; 672; 783; WEIG. I 2 , 778; POTT Wz W. V, 
304 f. Die Wz. ist skt. jabh- [BR. III, 37; GRASSM. 
497] schnappen, mit dem JMaule packen, zend. gafya 
[IÜSTI 101] Abgrund, Tiefe, gafra [IUSTI 104] klaffend, 
tief; zafan, zafra [IUSTI 121] Mund, Rachen; gr. ya^zi, 
ya[jt.<pY))ao Kinnbacken, Rachen CTJRT. 4 173; an. kif Zwist, 
kifa zanken, keifen, lett. kribbele [BIEL. I; 271] Hän- 
del, Verdruss, k'ibbelöt [BIEL. I, 406] Händel machen; 
PICK P, 69; IIP, 47; KZ. I, 123 ff.; SCHA.* 490. 

köbis , m. Kohl im allgemeinen, besonders das Kraut der gros- 
sen Kohlrübe; die grossen Kohlrüben selbst heissen tuschin 
(w. s.); SCHOE. 297; LEX. KWb. 153; SCHM. P, 864; 
STALD. II, 79; SCHMID 303; cimbr. Wb. 134»; ZING. 
Wb. 36 b ; SCHILL. LUEBB. II, 415*; TOBL. 90*; BIRL. 
265. mhd. kabes [LEX. MWb. I, 1491; BM. I, 778 b ] 
weisser Kohlkopf, ahd. chapus [SCHA. 2 474], aus fr. 
cabus, ital. capuzzio, mlat. caputium Mönchskappe 
zu lat. caput vgl. DIEZ P, 110 f.; GRIMM Wb. V, 7; 
WEIG. I 2 , 760. 

käpaun (v*), m. als Schimpfwort gebraucht: walscher 
käpaun, scheisst hinter an zäun; Etym. POTT 
WzW. V, 79. 

käpäre , f. das Drangeid , Handgeld ; k a p ä r ' n und ver- 
kapär'n dureh Drangeid sich etwas sichern oder den Ver- 
kauf sichern vgl. häre. Doch ist ein Unterschied in der 
Anwendung der beiden Ausdrücke, hare wird gewöhnlich 
von der Drangabe, die die gedungenen Dienstboten erhalten, 
gebraucht, während käpäre für Drangeid bei Kaufverträ- 
gen gilt; SCHOE. 301; LEX. KWb. 154; SCHM. I 2 , 1252; 
FZ. III, 115; VI, 290. Aus it. caparra, zusammengesetzt 
aus arrha vgl. häre. 

käch'l, m. wie bei SCHOE,; ausserdem bedeutet die k&ch'l 
die Wohnstube, eine Bed., die ich zwar sonst nirgends finde, 
die aber doch alt zu sein scheint; es liegt hier eine ähn- 
liche TIebertragung vor, wie bei god'n (ob. S. 66), das 
ebenfalls aus der Bed. „Gefäss" die Bed. „Gemach" bekom- 
men hat; vgl. noch skt. kosha, koca Fass, Kufe, Eimer, 
Gefäss, Trinkgeschirr, Behälter, Gehäuse, Kasten, Truhe, 
Vorratkammer u. a. ; käch'loufen der massiv aus Steinen 
aufgeführte Ofen im Wohnzimmer; Schimpfwort: blinter 
käch'loufen; LEX. KWb. 153; SCHM. P, 1218; STALD. 
n, 80; BIRL. 265*; VILM. 189; WEINH. 39 u. a.; über 
die Etym, GRIMM Wb, V, U f • WEIG. I 2 , 747; SCHA. 2 
468 b . 



117 

köich'l, n. Pfannkuclien , Schmarn, auch gibächins muas; 
SCHOE. 25; LEX. KWb. 163. Dim. von kouch; mäin- 
kouch kochin s. dieses. 

kuechen, plur. die Schlittensohlen, Kufen; bei SCHOE. 219 
guechen; 351 kueff, kuefn; SCHM. I 2 , 1222 kuechen 
vgl. FZ. V, 442; BUEHLER II, 136; I, 21; TOBL. 126 a . 
Dasselbe, was mhd. kocke [LEX. MWb. I, 1661; BM. I, 
857 a ] breit gebaut es Schiff mit rundlichem Vorder- und Hin- 
tertheil im Gegensatz zu den länglichen Galeeren , auch 
koche, kuche GRIMM Wb. V, 1565; WEIG. I 2 , 833 f.; 
875. Nicht aus dem fz. , sondern gewiss ein urdeutsches 
Wort : s 1 i t'o - c o h o bei GRAFF IV, 361 . Als Wz. ergibt 
sich leicht skt. kuc-, kurcc- sich zusammenziehen, sich 
krümmen (die Lautverschiebung ist unterblieben wegen des 
doppelten Kehllautes, im Anlaut und Inlaut), ksl. kukü 
gewölbt, krumm vgl. FICK I 3 , 36 ; SCBtA. 2 504. 

kachitz'n, v. laut, keuchend lachen; kachitzer, m. ein ein- 
maliges lautes Lachen; SCHOE. 297: kacheln; HOEF. 

II, 102: kagetzen kreischen, krächzen; SCHM. I 2 , 1219; 
kachen, kachezen. mhd. kach [LEX. MWb. I, 1492; 
BM. I, 778 v ] lautes Lachen, kachen laut lachen, kache- 
zen, intens, zu kachen, ahd. chachazan [GRAFF IV, 
363] cachinnari. Unser Wort kann nicht von cachinnari, 
ebenso wenig von gr. xay)ra£eiv lachen, koc^os kacher, ge- 
trennt werden; diese schliessen sich aber an skt. kakk-, 
kakh- lachen, an. Ich kann daher FICK I 3 , 35; II 3 , 48; 
III 3 , 39 nicht beistimmen , der das deutsche Wort trennt ; 
ebenso BRUGMAN in CURT: Studd. VII, 304. Es ist auch 
hier, wie bei kueche, die Lautverschiebung unterblieben, 
was bei einem lautmalenden Worte um so weniger auffal- 
lend ist; vgl. noch GRIMM Wb. V, 14; POTT Wz W. 

III, 144. 

keidig, adi. ganz ähnlich, ganz gleich, sowol von körperlicher 
als geistiger Aehnlichkeit : der keidige sein atte das 
Kind ist dem Vater ganz ähnlich; auch von anderen Per- 
sonen, denen jem. gleicht. In Tirol sonst nicht; bei uns 
ein sehr beliebtes Wort; ebenso in Kärnten LEX. KWb. 
157. LEX. möchte das Wort auflösen in geheidig und 
darin das ahd. heit (vgl. oben verhait S. 56) wieder 
erkennen. Die Möglichkeit dieser Erklärung zugegeben, 
glaube ich nach langer Ueberlegung doch einen anderen 
Weg einschlagen zu müssen. Man könnte das Wort im lat. 
am besten wiedergeben mitgenuinus, im gr. durch Yv^crto?. 
Die gleiche Wz., wie in genuinus und yv7j<no<;, nehme ich 
auch für keidig an. Dies bestätigt bei SCHM. I 3 , 1225 f.: 
Keid der Kohlpflänzling, der Keidsamen, Kohlsame; bei 
STALD. H, 98: Kide, Kyde, Kydel Stengel, zarter 



w^ 



118 

Zweig, wodurch eine Frucht in der Erde keimt; Käu, 
Keid planta [HORMAYR Gesch. v. Tyrol 172], germen 
keyd vel pross (sec. XV) vgl. noch SCHMID 308; cimbr. 
Wb. 134* ; BIBL. CR. 125; RUED. V, 210, FULDA 194; 
LOR. 73* ; KLEIN I, 219; ZING. Wb. 36 b ; SCHMIDT 78. 
mhd. kide, kit [LEX. MWb. I, 1567] Schössling, Spross, 
ahd. kidi, chidi (in frumi-kidi bei GRAFF IV, 365) 
genimen, alts. kith, ags. cidh (nach LEO 17i5 st. cind) 
der Keim, das Wachsende, Gras, cidhling der Verwandte, 
gecynde adi. wahrhaft, erzeugt, acht, angeboren, gecynde- 
lic naturalis, genuinus, gecyndo das Wesen, die Natur, 
Art. Diese Bedeutungsentwicklung im ags. ist wichtig für 
meine Auffassung. Die Wz. ist gä-, gan- (nicht gi-, wie 
FICK lH 3 , 46 annimmt), skt. jan-, jäyate zeugen, med. 
werden, entstehen, gr. ya-, y sv - i n ye-ya-tos, yv/faio«; = skt. 
jätya acht, edel, von guter Art u. s. w. vgl. FICK I 3 , 
65 ff. mhd. ahd. kide, kit kann nun entweder auf die 
kürzere Wz. gä- zurückgehen, oder statt kinde, kint 
stehen ; GRIMM Wb. V, 663 hat unverwandtes unter einan- 
der gebracht. Mit dieser Erklärung lässt sich auch das 
Schweiz, kidig [STALD. II, 98] in kidige nacht stock- 
finstere, tiefe Nacht, wol vereinigen; es wäre die „ächte, 
wirkliche, eigentliche" Nacht. 
kutte, f. u. m. ; dim. kütt'l eine Menge, eine Anzahl; a 
kutt'n leut, schof, kÜ9. Ein Kinderlied beginnt: 

morg'n 8tö9 % frü9 au, 

treib an hulVn kü9 au u. 8. w. 

SCHOE. 354; LEX. KWb. 169; SCHM. I», 1312; FZ. HI, 
121; VI, 295; 433; SCHMID 330; STALD. II , 147; 
WEINH. 49 b ; cimbr. Wb. 202 b ; PETT. Beitr. 14; ZING. 
Wb. 39 b ; PLRMENICHI, 494. mhd. kütte, kudde, kutt 
n. [LEX. MWb. I, 1804; BM. I, 920 b ] grex, ahd. chutti 
[GRAFF IV, 365 f. ; SCHA. a 529]. Ich erkläre das Wort 
mit „Trieb" und stelle es zu Wz. gu-, skt. ju- [BR. III, 
127; G-RASSM. 497] treiben, erregen, jütä getrieben, lit. 
guinu, guju, guiti [NESS. Wb. 263 b ] treiben, jagen, 
guta-s getrieben, altpreuss. guntwei inf. führen, treiben, 
gunnimai 'wir treiben, führen [NESS. 54]; vgl. noch 
GRIMM Wb. V, 2895. 
klt'i, m. der Weiberrock. Er besteht aus schwarz gefärbtem 
Tuch (früher häufig aus loud'n oder ras) mit vielen Fal- 
ten, göor'n, und dem stoass vgl. giwänt S. 80; dim. 
kitile; SCHOE. 318; SCHM. I 2 , 1310; TOBL. 101 b . mhd. 
kitel, kittel [LEX. MWb. I, 1590; BM. I, 821 b ], mnd. 
kedele [SCHILL. LÜEBB. II, 438]. GRIMM Wb. V, 862; 
WEIG. I 2 , 795 geben eine Entlehnung aus gr. ykw nicht 
zu. Warum denn nicht? Wenn man bedenkt, däss das gr. 



119 

vfocov selbst Lehnwort ist aus phönic. kitonet, ketonet 
[MOVERS Phöniker HI, 1, S. 97; HEHN Kulturpflanzen 2 
S. 600; 144] Leinwand, ebenso lat. tunica, so wird man 
die Möglichkeit einer Entlehnung nicht bestreiten können. 

kittele, n. weibliches Zicklein; SCHOE. 318. Zu kitz, also 
wol statt kitzele [LEX. MWb. I, 1591] capella. Oder 
repräsentiert es noch eine ältere Lautstufe, wie an. kidh 
haedus [MOEB. 230]? Schon in einem gloss. des 12. Jahrh. 
zu Innsbruck chapellae, c h e t e 1 e vgl. MONE Anz. f. d. Kunde 
d.-Vorz. VII, 595 ; GRIMM Wb. V, 870; FICK HE*, 46. 

ködt'fl, v. von Kindern: sprechen, stammeln. 2) ein wenig 
schneien. Es scheinen zwei verschiedene Wörter vorzulie- 
gen, von denen sich das letztere wol an kost Kot anschliesst; 
denn koet bedeutet jedes kleine, unbedeutende Ding. Das 
erstere ist = ke den bei SCHOE. 308; SCHM. I 2 , 1224; 
HOEF. H, 123; cimbr. Wb. 137; DESCHM. 54; SCHROEER 
Gottsch. 136; LOK 72 b ; ZING. Wb. 18; 38; GRIMM Wb. 
V, 380. So heisst es in: Dar klöane Catechismo vor z' 
B61oseland vortraghet in z' gapröcht von siben Kameün un 
a viar halghe gasang, P&debe 1842 z. B. S. 10: Bas vor- 
stötar iart, benne ar ködet, bia Gott dar Sun hatsich 
gamächt man? — S. 13. M. Bibel saint de Comandamenten 
von Gotte me Herren? S. Zöghene. M. Kötmarse auf. 
S. 1. Adorarn an Gott anlöan. 2. Köden nia umme nicht 
sain halghen namen cet. — S. 20 f. Köt auf z' gapöt von 
Gotte me Herren. — Köt auf de Ave Maria vgl. auch 
SCHNELLER Skizzen und Culturbüder aus Tirol, 1877, 
S. 313. mhd. queden, köden, keden [LEX. MWb. II, 
319 f.; BM. I, 895 b ] sagen, sprechen, ahd. quedan 
GRAFF IV,' 636], ags. cuedhan [LEO 117], gt. qithan 
DDEF. Wb. H, 477; MGSpr. 6], irisch guidit orat, 
.no-sn-guid som rogat eos, guidme petimus, perf. rot- 
gdd-sa rogavi te [ZETJSS-EBEL 431; 432; 448; KB. 
VII, 9], wälsch gwed sententia, gwedyd loqui, dicere 
[LEO Ferienschriften I (1847), S. 9], skt. gada-s Rede, 
Spruch, gad- [BR. II, 648] hersagen, aussprechen, sprechen, 
sagen, nach FICK III s , 53 Weiterbildung aus skt. gä- 
[GRASSM. 393] singen, besingen, ertönen, erschallen, alt- 
baktr. jad- [SPIEGEL 197] bitten, wünschen, zend. jad- 
[IUSTI 113] flehen, bitten vgl. noch KZ. XXI, 430; POTT 
WzW. IV, 426; FOERST. I, 92 u. a. 

kotier, m. Stall, besonders kleiner z. B. hundskotter 
Hundehütte; namentlich bedeutet kotter das Gehäuse 
(auch stall genannt), in welches beim Streumachen die 
Streu gelegt wird; in dieser Bed. habe ich das Wort noch 
in Urkunden der neuesten Zeit gefunden, es ist also fast 
noch als ein Wort der Schriftsprache zu betrachten ; SCHOE. 



120 

336; LEX. KWb. 156; SCHM. I 2 , 1311 f.; HOEF. II, 160; 
SCHMID 321; VILM. 221; 214; FZ. V, 153; VI, 300; 
SCHILL. LÜEBB. Ü, 550; GUTZ. II, 21»; RICH. 112; 
POPOWITSCH 279 f.; RUED. n, 94; LOR. 77 a ; SCHUL. 
33 ; SCHAMB. 1 10 b ; SCHÜETZE II , 336 ; D AEHN. 220 b ; 
HUEGEL94 a ; FULDA 220. mM. kote, kot [LEX. MWb. 

I, 1690; BM. I, 866 a ] Hütte, koter Inhaber einer kote, 
Häusler, bei GR ÄFF IV, 365 ketti Grube?. Grab? Be- 
hältnis? vgl. GRIMM Wb. V, 1882 ff. Gewiss kein deut- 
sches Wort, sondern, wie ich vermute, aus dem Finnischen 
entlehnt. Nach AHLQUIST (Die Kulturwörter der west- 
finnischen Sprachen, deutsche Ausg. Helsingfors 1875, 
S. 101 ff.) hiessen die ältesten Hütten vor der Entstehung 
des Ackerbaues kota, ein Name, der allen finnischen Spra- 
chen noch jetzt gemeinsam ist ; daher die modifizierten For- 
men für Haus: koto, koti, liv. koda, kuoda, wot. 
koti, koto, weps. kodi, la. goatte, kote, mordv. 
kud, tscher. kuda Hütte, wotj. gid Stall, Hof, ostj. hot. 
Nach DONNER (Vergl. Wb. der finnisch-ugr. Sprachen, 
Helsingfors 1874, I, S. 12 f.) gehört auch magyar. häz 
Haus, hieher, was AHLQUIST unentschieden lässt. DON- 
NER weist noch auf die eigentümliche Aehnlichkeit mit skt. 
kuJa, ku«i [BR. II, 312] Haus, Hütte, Halle, Schoppen, 
hin (vgl. auch zend. kata Haus IUSTI 77 a ), und erwähnt 
ferner, dass auch im mong. koto, kota Hütte, vorkomme. 
Erwägt man noch, dass das Wort auch im kelt. und slav. 
begegnet (cimbr. cwt, cut Hütte; poln. kotara, slav. 
kotici MIKL. 306 b mansiuncula), so muss man wol sagen : 
"Wir haben ein Wort der Urzeit vor uns, welches vielleicht 
von einer Volksschicht auf die andere übertragen- wurde 
und von dem man kaum mehr erforschen kann , woher es 
ursprünglich gekommen. Denn dass die skt. Wz. kutf- 
krümmen, wölben, zu Grunde zu legen sei, wie PICTET 
(Les Origines Indo-Europ6ennes, Paris II [1863], p. 204, 7) 
und FICK III 3 , 73 meinen, ist zwar für das skt. möglich, 
für die übrigen Sprachen aber sehr unwahrscheinlich; vgl. 
noch GRIMM Wb. V, 1884; 1899. Für die jetzige Um- 
gangssprache haben wir von dem Worte nichts gerettet, 
als vielleicht den armseligen Fetzen der : c o t e r i e [KEH- 
REIN Fremdwb. 367 a ]. 

klittern , v. kichern , überhaupt sich kichernd unterhalten ; 
SCHOE. 355; LEX. KWb. 170; SCHM. I 2 , 1113; cimbr. 
Wb. 198; MAR. I, 38; CAST. 184; LOR. 79; KLEIN I, 
229; 232; WEG. 29; SCHILL. LUEBB. H, 460 b ; HUEGEL 
97 ft ; RICH. 133; STRODTM. 109; VILM. 204; brem. Wb. 

II , 835; FULDA 239 f.; HOEF. II, 184; SCHMID 331; 
SCHMIDT 97; STALD. H, 147; REINW. II, 70. mhd. 



121 

kuteren, kuttern [LEX. MWb. I, 1804; BM. I, 920*] 
wie ein Tauber (k u t e r) girren , lachen, verlachen ; GRIMM 
Wb. V, 2905 f. 

katz'n , v. durch einen schnellen Ruck etwas bei Seite schaffen, 
rasch auf die Seite werfen; katzer, m. ein schneller Ruck, 
das rasche bei Seite Schleudern. Es ist wol nicht an 
katze zu denken, ob wol dies der Bedeutung nach möglich 
wäre (vgl. GRIMM Wb. V, 291 ; 278), als vielmehr an it. 
cacciare vgl. GRIMM Wb. V, 280; SCHILL. LUEBB. 
II , 436 a . 

keif, adi. nur von Kindern gesagt, die ein festes Fleisch 
haben: a keifis kint, keife hantlin, k. ärmjSCHOE. 
309; SCHM. I 2 , 1229; cimbr. Wb. 195; FULDA 194; FZ. 
VI, 147; 293. mhd. kif [LEX. MWb. I, 1569] fefct, derb, 
dicht, ags. caf [LEO 285; GRIMM Andr. u. El. S. 142] 
schnell, praeceps, alacer, fortis. LEO stellt ein ags. Thema 
cifan auf: mittere, conicere und vergleicht skt. kship- 
werfen, was ich für unmöglich halte; über kship- vgl. 
POTT WWb. V, 113. Ich kann mich nur dem anschliessen, 
was GRIMM Wb. V, 441 f. über unser Wort sagt. 

kifl, v., d. i. kif ein kauen, nagen; leiden, ausstehen, nur 
mit der Negation: nicht kifl z. B. i kün den it kifl 
oder vakifl; zammekifl zusammenbeissen; SCHOE. 315; 
LEX. KWb. 158; SCHM. I 3 , 1229; HOEF. H, 133; ROS. 
198; RICH. 114; RUED. 211; LOR. 73 b ; KLEIN I, 229; 
230; brem. Wb. II, 777; 778; VI, 139; SCHILL. LUEBB. 
•II, 460; 467 f.; CAST. 182; HÜEGEL 89 b ; FULDA 199; 
REINW. I, 78; SCHMID 312; WEINH. 42 b ; FZ. HI, 
301. mhd. kifen, kiffen, kifelen [LEX. MWb. I, 
1569 f.; BM. I, 804 b } nagen, kauen. Zu kiben vgl. 
kouber und GRIMM Wb. V, 18; 666; 668. 

kouf'l, m. ein grösseres Felsstück ; hervorragender Berg; plur. 
köif 1; dim. kötfile: verb. köif 1 d. i. kötfeln mit 
Steinen bewerfen; hörschta koufl Geizhals; viele Berg- 
benennungen im Thale (wie überhaupt in ganz Tirol) haben 
im zweiten Theile den Namen koufl z. B. löpisk., 
widenk., öschk., frattenkoufl u. a. ; ein Ort in der 
Gemeinde St. Veit heisst köifile; in St. Jakob einer 
koufl; SCHOE. 331; LEX. KWb. 163; SCHM. P, 1229; 
DESCHM. 55; SCHROEER Gottsch. 141; TOBL. 113*. 
Ein merkwürdiges Wort, dem man nicht leicht beikommt. 
Schon mhd. kofel [LEX. MWb. I, 1661; BM. I, 857 a ] 
Bergspitze , Berg vgl. GRIMM Wb. V, 1574. STEUB (Ueber 
d. ürbew. Rätiens 1843 S. 107; zur rät. Ethnol. 1854 
S. 179) legt ein rätisches Thema caf, cap zu Grunde, das 
mit >ce<pa>^, caput verwandt sei. Aehnlich SCHN. 133. 
Allein es ist sehr fraglich, ob kofel ursprünglich „Berg- 

4 



122 

spitze" bedeutet. Ich glaube sogar, dass wir von der Bed. 
„grosser Stein" auszugeben haben. Ich will nur die Mög- 
lichkeit andeuten, dass wir hier ein keltisches Wort vor 
uns haben, wie sich denn das Wort kar ebenfalls als kel- 
tisch erwiesen hat. 

käl, d. i. kälen, v. schmeicheln, besonders von Kindern ge- 
braucht; dav. adi. käl ig schmeichlerisch; daneben in der- 
selben Bed. häle, was es mir wahrscheinlich macht, dass 
käl(en) aufzulösen ist in ge-häl(en). In dieser Form das 
Wort sonst nirgends; viell. = cimbr. Wb. 198 killen 
liebkosen ? 

köl, d. i. kolen, v. bellen von Hunden, dann übertragen: 
starkjmsten ; koler, m. einmaliges Bellen; SCHOE. 299; 
LEX. KWb. 153; SCHM. I 2 , 1233; HOEF. II, 106; FZ. 
ni, 20; VI, 289; BIRL. CK 125; ZISK. VM. 76; DESCHM. 
55; LOR. 70 b ; KLEIN I, 22t ; SCHILL. LIIEBB. H, 42 f.; 
BIEL. 266 a ; FULDA 184. mhd. kallen [LEX. MWb. I, 
1497; BM. I, 780 b ] viel und laut sprechen, rufen, schwatzen, 
krächzen, ahd. challon [GRAFF IV, 383; SCHA. a 470], 
an. kall Rufen, Schreien, Wz. kal-, kar-, skt. jar- 
rauschen, knistern, schnattern, crepare, rufen vgl. FICK 
III 3 , 44; GRIMM Wb. V, 69. 

wässerkälb, n. ein larvenähnliches Thier im Flusse (Schwarze), 
das ich leider nicht bestimmen kann. Die Leute fürchten 
sich sehr, beim Trinken ein solches Thier zu schlucken. 
Mir ist doch kein Fall bekannt, dass jemand dadurch 
Schaden" gelitten hätte. SCHOE. 299 führt das Wort eben- 
falls auf aus der Eisakgegend , hält es jedoch für die Larve 
eines Teichkäfers von der Familie Dytiscus; vgl. jedoch 
803; LOR. 70 b . 

kolbe, m. Schimpfwort: älter kolbe alter Narr; GRIMM 
Wb. V, 1602; FICK HI 3 , 45; SCHILL. LUEBB. H, 441*. 

kilberle, n. weibliches Kalb; anderswo bedeutet das Wort 
„weibliches Schaf"; SCHOE. 315; LEX. KWb. 157; SCHM. 
I», 1239; HOEF. II, 134; VILM. 197; FZ. HI, 331; VI, 
294; KRAM. 63; BUEHLER II, 8. mhd. kilbere [LEX. 
MWb. I, 1570; BM. I, 782*>] weibliches Lamm, Mutter- 
lamm, ahd. chilburra, chilbirra [GRAFF IV, 392] 
agna. Unser Dialekt hat offenbar die ursprüngliche Bed. 
bewahrt; denn kilberle gehört sicher zu kalb,- worüber 
GRIMM Wb. V, 703, 2 ; SCHA. 2 469 ; 487 ; FICK IIP, 45. 

kelper, f. u. m. Halsband der Hunde ; dim. kelperle; scherz- 
haft auch von der Cravatte der Geistlichen; SCHOE. 310; 
LEX. KWb. 157; SCHM, I 3 , 1241. Bei DIEF. gl. 132 a s. 
v.- collarium keelberch. Das Wort scheint zusammen- 
gesetzt aus kele und berc vgl. LEX. MWb. I, 1539, 



123 

kölchen, v. nur in Verbindung mit un-, ünkölch'n vgl. 
oben S. 13. 

küm (d. i. kam), m. ohne plur. der Kahn auf gegorenen Flüs- 
sigkeiten, aber auch auf anderen Gegenständen z. B. Käse; 
adi. kümig kahmig; SCHOE. 352: die künen plur.; 
SCHM. I a , 1253; KRAM. 70; EICH. 115; SCHROEER 
176*; KLEIN I, 225; brem. Wb. H, 771 ; SCHILL. LUEBB. 
H, 422*; DANN. 97*; CAST. 179; SCHTZ. II, 253; GUTZ. 
H, 9; DAEHN. 21 2 b ; HUEGEL 86 b ; BIRL. 272*. mhd. 
kam [LEX. MWb. I, 1500; BM. I, 785*] Schimmel auf 
gegorenen Flüssigkeiten, bei DIEF. gl. 10 a ; nov. gl. 7 a s. 
v. acor: cham, kom, kon, käne, kan; GRIMM Wb. 
V, 31, dessen Auseinandersetzungen ich nicht folgen kann. 
FICK I 3 , 68 f. ; II 3 , 343 stellt unser Wort richtiger zu Wz. 
gan-, gä- glänzen, heiter sein; gr. yavujjiai, yavo;, lat. 
gemma, skt. janjawä - bhavant schimmernd, lit. 
gcdras u. s. w. 

kämp, m. 1) Haarkamm, gew. kamp'l, dim. kampile, verb. 
kamp'l kämmen. 2) Weberkamm. 3) k&mpe, f. heisst ein 
Zahn im inneren Rade der Mühle, das den rigg'l in Be- 
wegung setzt; dieses Rad selbst heisst kämpr od. 4} Kamm 
auf dem Kopfe der Hühner; daher sprichwörtlich: er 
mächt an kämp er stellt sich stolz. 5) in der Form 
kämme, f. bedeutet es das Eisen (Halbring, hufeisenförmiger 
Hacken), in welches der Riegel des Schlosses eingreift; 
SCHOE. 300; LEX. KWb. 154; SCHM. I», 1250 f.; POPO- 
WITSCH Vers. 214 f. mhd. kamp, kambe, kämme 
[LEX. MWb. I, 1505; BM. I, 783 b ] fast in allen oben ange- 
gebenen Bedeutungen, ahd. champ, champo, chamb 
GRAFF IV, 403; SCHA. 2 470 b ], gr. vö^o? Zahn, Pflock 
CURT.* 173], ksl. zabü [MIKL. 235] Zahn, skt. jambha, 
n. -ä, f. Gebiss, Kinnbacke, Wz. gabh-, gambh-, skt. 
jabh- [BR. m, 37] schnappen, aufbeissen; FICK I s , 69 f.; 
KZ. I, 127 ff.; POTT WWb. V, 300 ff.; GRIMM Wb. V, 
107 (dessen Auseinandersetzungen ich nicht billigen kann); 
WEIG. I a , 755; SCHMIDT Voc. II , 499. 

kumpf, m. wie bei SCHOE. 352; LEX. KWb. 169; SCHM. 
I a , 1252. Ueber die Etym. WEIG. I 2 , 879 ; GRIMM Wb. 
V, 2614; POTT WWb. V, 103. kumpfrod wie in Kärn- 
ten vgl. LEX. MWb. I, 1770. 

kämme s. kämp 5). 

komisch, adi. u. adv. = komisch, unbekannt, seltsam. 

Icind'l (d. i. kindein), v. ein gewisses Kinderspiel treiben. 

. Jedes der Kinder stellt seinen Hut mit der Höhlung nach oben in 
einer Reihe auf. Ein Strumpf wird zusammengerollt und vertritt die Stelle 
eines Ballens. Ein durch das Los bestimmter muss von einer festgesetzten 
Entfernung aus suchen den Ballen in einen der Hüte zu werfen. Derjenige, 
dem der Hut, in welchen der Ballen geflogen, gehört, muss den Ballen 

4* 



124 

nehmen und wirft denselben unter die auseinanderstiebenden Kinder. Trifft 
er eines, so ist er erlöst, das getroffene Kind hingegen bekommt ein 
kind'l, d. h. es wird ihm« ein Steinchen oder Stück Holz in den Hut 
gelegt. Dann beginnt das Spiel von nenem. Hat man nun eine bedeutende 
Anzahl von kindlin beisammen, so müssen die mit kindlin gesegneten 
sich einer Busse unterziehen för jedes kind'l. Entweder es muss durch 
ein Spalier der übrigen Kinder hindnrchlaufen , während alle auf dasselbe 
losschlagen, oder es mnss mit aufgesperrtem Munde dastehen, während ein 
anderes ihm ein Stück Basen in den Mund zu werfen trachtet u. ä. 

kunter, n. m. 1 ) Thier überhaupt. 2) übertragen auf den Men- 
schen sowol im tadelnden als schmeichelhaften Sinne, häufig 
auf lebhafte Kinder angewendet : a recht's kunter; dim. 
kunterle; verb. kuntern spasshaftes Zeug treiben; 
SCHOE. 353; KWb. 169; SCHM. P, 1265; HOEF. II, 
181 f.'; LOR. 79 b ; BUEHLER I, 69; FZ. IV, 55. mhd. 
kunder, kunter [LEX. MWb. I, 1772 f.; BM. I, 911 a ] 
lebendes Wesen, Thier, Unthier, monstrum, als Scheltwort. 
Ueber die Etym. GRIMM Wb. V, 2743; WEIG. I 2 , 881; 
MGSpr. 2; DIEF. Wb. II , 464; FICK I 3 , 66; HW. s. v. 
gigno. 

kinge, n. Kinn, auch koie; untakinge Fettkinn; kinge- 
bröche, f. Kinnlade, im Unterinnthal kinnräffl; dieses 
bröche von brechen (bröchen), wie denn scherzhaft 
der Mund auch die bröch'l heisst; LEX. KWb. 158; 
SCHM. I*, 1256; GRIMM Wb. V, 774 f.; WEIG. I», 791; 
FICK III 3 , 46 f.; SCHA. 2 489. 

kinnigott (^i) = scilicet, als sollte es heissen, sollte man 
glauben; SCHOE. 316; aber kämt, peikingegott in der- 
selben Bed. LEX. KWb. 119. Anderswo gott wol keit 
in derselben Bed. SCHM. I 2 , 961. Das Wort ist schwer zu 
enträtseln. LEX. erklärt: „bei komme dir Gott!" was ich 
nicht glauben kann; SCHOE.: „Dich kenne ich gut." Allein 
-gott ist gewiss nicht gut, sondern Gott. Ich glaube, die 
Zusammensetzung ist dieselbe, wie (oben S. 66): dass 

..gott erkenn,- nur. in umgekehrter Folge, kinnigott 
also : gottmögekennen. Das steht nicht im Widerspruche 
mit kämt, peikingegott. Dieses darf man ja auflösen 
in: bei kinne gott = bei kennen soll Gott, wie man 
sagt: bei gott, bei meiner seel, bei trost; oder es ist dieses 
pei die Vorsilbe be-, also bekenne g o 1 1 = gott erkenne, 
mhd. bekennen erkennen. Vielleicht existierte eine mhd. 
starke Form bekinnen [LEX. MWb. 1 , 163], worauf hin- 
zudeuten scheint bekint (Malagis Pfälzer Handschr. 31 b ): 
ob ein wip mint ein man und sie bekint, daz er ir waer fei. 

kunnier'n , v. einen hin und her commandieren , quälen , plagen ; 
ebenso kämt. LEX. KWb. 169; LOR. 79* ; C AST. 184 
u. a. Zusammengezogen aus kujoniar'n, von kuion 
Spitzbub, fz. coion, it. coglione, mundartlich cojon 



125 

[DIEZ I» f 132], von lat, coleus Hode [IUERGENS 154; 
KEHREIN Fremdwb. 374*1, also eig. eunuchus; ob gr. 
xwMl bleibe dahingestellt; ZEH. 58; BENF. II, 166. 

kör, f. in der Redensart: jem. die kür machen = jem. stra- 
fen, ahnden, wie es auch heisst: jem. in die kür nehmen 
= jem. strafen; vgl. mhd. kur in der Bed. Strafe [LEX. 
MWb. I, 1791]. Oder sollte es nichts anderes sein als: 
jem. von seinem Thun und Treiben curieren? Auch möglich. 

kÖ9re, f. die Wendung; ein Ort in der Gemeinde St. Veit, 
wo sich die Strasse windet , heisst rid'lköere (sieh rid'n); 
SCHOE. 312; LEX. KWb. 157; SCHM. I*,1283; SCHILL. 
LUEBB. II, 447 b ; VILM. 199; GRIMM Wb. V, 400; 
FICK I 3 , 73. 

kär&SSIQ, adi. wählerisch beim Essen; einer Speise überdrüs- 
sig; SCHOE. 353. mhd. kür, küre [LEX. MWb. I, 1790; 
BM. I, 828 b ] Prüfung, Ueberlegung, Wahl, Auswahl. Zu 
kiesen. 

karbatsch'n, v. schlagen, peitschen, züchtigen. Ein Wort, das 
überaU vorkommt: SCHOE. 302; LEX. KWb. 155; SCHM. 
I a , 1286; GRIMM Wb. V, 206; DIEZ I», 139; WEIG. I a , 
761; BOLTZ Das Fremdwort 27. Aus böhm. karabiö, 
ungar. korbdts, tyrkisch kyrbätsch Peitsche, Farren- 
schwänz " 

kärtoflri, gewöhnlicher ö'eröpf 1 d. i. Erdäpfel; POTT WWb. 
V, XII; GRIMM Wb. V, 244; WEIG. I 2 , 765; DIEZ I», 
433 f.; KEHREIN Fremdwb. 316*. 

köjrl, n. eine Bergspitze heisst so; sou alt wio 's köirl 
oder köirlisält, köirlält sprichwörtlich für „sehr alt". 
Es ist dim. zu dem weitverbreiteten kär, worüber im 
GRIMM Wb. V, 204 richtig gehandelt wurde und dessen 
keltischer Ursprung ausser Zweifel steht. 

kern, v. räuspernd husten; subst. kerer, m. ein einmaliges 
gewaltiges Husten; SCHOE. 313; SCHM. I 2 , 1283; cimbr. 
Wb. 197 b ; PETT. Beitr. I, 9; SCHILL. LUEBB. H, 454 a . 
mhd. kerren [LEX. MWb. I, 1557; BM. I, 821 a ] einen 
grellen Ton von sich geben, schreien, keifen, wiehern, 
grunzen, knarren, rauschen, ahd. eher ran [GRAFF IV, 
461 f.], gr. yfipus Stimme, Ruf, lat. gingrire schnattern, 
lit. giriü rühmen, garsas Stimme, Ton, Rede; Wider- 
hall [NESS. Wb. 241], skt. jar- knistern, rauschen, rufen, 
- anrufen , g a r - rufen , anrufen , preisen , loben ; FICK I 3 , 
72; POTT WWb. II, 1, 228 f.; GRIMM Wb. V, 613; 
SCHA. a 483. 

köer'n, v. kehren, wenden, speciell bed. das Wort: das Heu, 
Grummet umwenden, damit es auch auf der anderen Seite 
trocken und dürr werde. 

köarn, m. Kern; besonders auch das Fleisch im Gegensatze 



T^ 



126 



zur Haut und zu den Knochen; dim. köorndle; adi. 
kirnig z. B. a kirnigis fleischl; GRIMM Wb. V, 593. 

köis, m. n. Gletscher; köiskluft, köiswässer; SCHOE. 
314; SCHM. I 2 , 1300; 'HOEF. II, 128; LOB,. 73 a . mhd. 
kes [LEX. MWb. I, 1560; BM. I, 802 a ] fester, glatter 
Boden, ahd. ches [GRAFF IV, 500] gelu. Das Wort ist 
etymologisch noch nicht aufgeklärt. Freilich stellt es 
FICK 2 706; III 3 , 45 zu einer Wz. kas- werfen, aufwerfen, 
dagegen vgl. man die ahd. Bed. gelu ; DIEF. nov. gl. 19Ö a . 
Andererseits sagt Isidor orig. XIV, VII: TJnde et eum 
(Caucasum) Scithae Craucasim vocaverunt, casim enim 
apud eos candor sive nix dicitur. Also etwa zu Wz. gä-, 
gan- glänzen? Oder ist doch Zusammenhang mit Käse 
vorhanden? GRIMM Wb. V, 619 entscheidet nicht; ebenso 
SCHA. 2 484. 

kuis! kuis! kuisile! Lockruf an die Kälber; SCHOE. 354; 
SCHM! I 2 , 1303; HZ. VII, 179; GRIMM Wb. V, 1842, b, 
c; ROS. 198. 

käser, käsa, f. Alpenhütte; plur. käsern, käsan; SCHOE. 
305; SCHM. I 2 , 1299; cimbr. Wb. 135 b ; ZING. 37 a . Man 
kann zweifeln, ob das Wort aus lat.-it. casa entlehnt ist 
(vgl. mhd. käse Hütte LEX. MWb. I, 1525) oder sich an 
Käse anschliesst ; letzteres scheint wahrscheinlicher ; GRIMM 
Wb. V, 256. 

keusch, adi. zart und hübsch, fein aber gebrechlich, zierlich, 
nett; häufig von zarten Kindern gebraucht; LEX. KWb 
158; SCHM. I 2 , 1303 f.; CAST. 178; HOEF. II, 129 
LOR. 73». Kaum zu kiesen; LEX. MWb. I, 1592 
GRIMM Gr. H, 986; Wb. V, 654 f.; DIEF. Wb. H, 457 
SCHA. 2 528; LEO 357. Denn man kann unser Wort, mhd 
kiusche, ahd. chüski, kaum von lat. castus trennen, 
das die gleiche Bedeutungsentwicklung hat; castus weist 
uns aber auf einen ganz arideren Weg vgl. POTT WWb. 
IV, 846 ff. An eine Entlehnung aus dem jüdischen koscher 
[Jüd.-deusch. Wb. Hamburg, S. 45] ist wol nicht zu denken. 

k&st'n, m. wie bei SCHOE. 306; ausserdem bedeutet nament- 
lich käst'n das Nebengebäude, bes. zur Aufbewahrung 
von Milch, Butter, Käse, Getreide; auch das Gemach im 
Hause selbst, worin das Getreide aufbewahrt wird. In frü- 
herer Zeit hatte die Braut einen käst' n, in welchem sie 
ihre Habseligkeiten hatte, die am Hochzeitsabende in das 
Haus des Bräutigams überführt wurden: käst'n füar' n; 
jetzt gew. einetrühe; daher trühe füar'n; dim. kast'l; 
LEX. KWb. 156; SCHM. I«, 1305; KLEIN I, 224: 
SCHILL. LUEBB. II, 433 a ; BIRL. 271 a ; VILM. 195: 
GRIMM Wb. V, 263; WEIG. I 2 , 767. Vielleicht ein Fremd- 
wort, kaum zu gt. kasa- Gefäss. 



127_ 

kö&lime, f. ein Ingrediens, das die Milch gerinnen macht 
(häufig ist es die Galle oder der Magen von Oöhsen, Kühen, 
Schafen, Ziegen). Ein kostbares Wort, dem ich sonst in 
Tirol nicht begegnet bin. Es ist zusammengesetzt aus 
käse und lip, lap, lab; STALD. IT, 91: kaslab, kas- 
lebb Scheidungsmittel zubereitet aus dem Psalter eines 
Kalbes und saurer Schotte; in Kärnten koslame, f. FZ. 
HI, 119; LEX. KWb. 171; ähnl. cimbr. Wb. 196 b , mhd. 
kaeselap, kaeseluppe [LEX. MWb. I, 1526; BM. I, 
1054 a ] coagulum lactis; lüppe, luppe [LEX. MWb. I, 
1988; BM. I, 1054 a ] bedeutet Salbe, zusammenziehender 
Saft, Vergiftung, Zauber, Zauberei, ahd. luppa [GRAFF 
H, 77; WACKERN. Wb. 1861 in chesiluppa coagulum, 
luppön medicare, ags. lyb, lib Gift [LEO 654], an. lyf 
(d. i. lufja-) Arznei, gt. in lubja-leisein- [DIEF. Wb. 
n, 152; MGSpr. 278] Giftkunde, Zauberei vgl. FICK IIP, 
277; SCHM. I 2 , 1497; GRIMM Wb. V, 254; WEIG.. I 2 , 
888; SCHA. 2 579; 564. 

kössile plumpf ! sagt man , wenn zwei ein Kind bei den Armen 
in die Höhe heben und dann mit einem plumpf auf die 
Erde niederstellen; kössile plumpf trög'n. 

käwisser d. i. Käsewasser, Molken; sü9ssis, saur's k. ; 
käwisserklachl Schimpfwort; ebenso Öis'lskäwisser 
= Eselskäsewasser, von einem faden Menschen gebraucht; 
LEX. KWb. 155; SCHOE. 304. Schon ahd. [bei GBAFF 
I, 1129] chäsiwazzar, mhd. kaesewazzer [LEX. 
MWb. I, 1527; BM. III, 539*] Molken; POPOWITSCH 
Vers. 226 f. 

klaub'm, v. pflücken, pflückend ablesen, auflesen; hin- und 
herlegen; aussaklaub'm bed. auch: in einer Rede hübsch 
auseinandersetzen: da cäpräter hat's heint in da 
pröidige aussagiklaubp; auklaub'm auch = schwan- 
ger werden: wöbt wäuss, wo si's (= 's kint) augi- 
klaubp hat; biklaub'm zusammenkommen, ausmachen: 
öis biklaubp si fein g'schwint; klaubholz zusam- 
mengelesenes Holz ; auch heisst man entferntere Verwandte: 
g'schwistere klaubhölzer; SCHOE. 321; LEX. KWb. 
159; SCHM. P, 1320 f.; KRAM. 65; REGEL 218; 
DESCHM. 54. mhd. klouben, klüben [LEX. MWb. I, 
16o4; BM. I, 845 b ] pflückend, stückweise ab-, auflesen. Zu 
klieben vgl. GRIMM Wb. V, 1019 ff.; WEIG. P, 800; 
FICK IIP, 52; POTT WWb. I, 608; SCHA. 2 499; 49S*. 
kloub'ff), m. der Kloben u. zw. 1) bei Frauenzimmern die 
Schnur, die in der Mitte der Brust herunterläuft, oben aber 
eine Querschnur hat. 2) ein gabelähnliches Stück Holz, in 
welchem das Seil läuft (z. B. beim Heu-, Streuziehen) und 
wodurch das füoderle festgebunden wird. 3) jede Schlinge 



_128 

einer Schnur; SCHOE. 824; LEX. KWb. 160; SCHM. P, 
1323; SCHMID 318; REINW. 481; SCHROEER Gottsch. 
139; BIRL. 282*. mhd. klobe [LEX. MWb. I, 1628; BM. 
I, 846 a ] gespaltenes Holzstück zum Klemmen, Festhalten, 
als: Fessel, Fussfessel, gespaltenes Holzstück zum Vogel- 
fang, überhaupt etwas klemmendes, festhaltendes, ahd. 
chlobo [GRAFF IV, 547]. Zu klieben vgl. FICK IIP, 
52; GRIMM Wb. V, 1215; SCHA. 2 498\ 

klöiber adi. u. adv. wenig, knapp, zart, schwächlich, mager 
z. B. mier höb'm souv'l klöxba milch; a klöibas 
mand'l; SCHOE. 323; LEX. KWb. 160; SCHM. P, 1322; 
HOEF. II, 139; SCHMID 315; ROS. 198; KRAM. 65; 
LOR. 74 b ; KLEIN I, 235; HUEGEL 91 a . Das Wort 
könnte zu kleben gehören vgl. tenuis: tenax, tenere 
= klöiber: kleben. Allein das synonyme spilde 
<w. s.) weist uns einen anderen Weg. Wie spilde zu spal- 
ten gehört, so klöiber zu klieben. 

kläpf, m. plur. klapfer 1) abschüssiger Felsen; dim. klapfl; 
adi. klapferig felsicht; klapfernägile, n. die Stein- 
nelke. Nach GRIMM Wb. V, 955; POTT WWb. V, 318 
gehört dieses klapf, mhd. klapf [LEX. MWb. I, 1605; 
BM. I, 834 L ] Fels, zu klipp e. 2) ein Unkraut, nicht 
rhinantus alectorolophus oder antirrhinum, sondern der 
„Himmelbrandt"; adi. klapfig z. B. 's brodt ist kl. das 
Brot ist schwarz in Folge des mit dem Getreide vermisch- 
ten Unkrautsamens; SCHOE. 320; LEX. KWb. 159; 
SCHROEER 178*; POPOWITSCH Vers. 244 f. ; LOR. 74 a ; 
BUEHLER II, 10; FULDA 203; SCHM. I 2 , 1337; 1326. 
Sollte dies nur specielle Anwendung sein für: ein in kla- 
pfern wachsendes Kraut? Oder von den losen Samen, 
welche in ihrer Fruchthülle klappern ? vgl. GRADL in KZ. 
XIX, 58; GRASSM. Pfl. S. 174, 519. 

klepf, m. kleiner Knall; dim. klepfl; verb. klepfen; zuo- 
klepfen z. B. ein Messer, mit einem klepf zumachen; 
auch jem. Stichreden geben; klepfbäx, m. ein Messer, 
das beim Zumachen einen klepf macht; SCHOE. 320; 
LEX. KWb. 159; SCHM. I a , 1337. mhd. klapf, klaf 
[LEX. MWb. I, 1596; BM. I, 834 b ] Knall, Krach, Ge- 
schwätz, bes. verleumderisches, klepfen einen klapf 
thun, knallen vgl. GRIMM Wb. V, 953; FICK IIP, 52. . 

klupf, m. plur. k lüpfe Schrecken, besonders ein Schrecken, 
der sich darin äussert , dass einer momentan gerüttelt wird ; 
an klupf innemm (wie Schweiz. TOBL. 108 b ); adi. 
klupfig, klüpfig, klupferisch: verb. daklupfen 
erschreckt werden; SCHOE. 327; LEX. KWb. 161 f.; 
STALD. H, 112; cimbr. Wb. 137»; SCHROEER Gottsch. 
139; TOBL. 108*; FZ. III, 118; VI, 286. mhd. klupf 



129 

[LEX. MWb. I, 1639; BM. I, 849*] Schreck , klupfen, 
erklupfen erschrecken. Eines Stammes mit klepf. 

kläper, f., gew. plur. verächtlich die Hände: i sc hl 6 dier 
af dio klapern; er hät*kläpern wi9 der gangger- 
link (n: Teufel). Nicht = Klaub e* von klauben, 
sondern mhd. klä, kläwe, klaber [LEX. MWb. I, 1595; 
BM. 1 , 831 b ] Klaue, Kralle von verschiedenen Thieren, ahd. 
chläwa, cloa, chloa [GRAFF IV, 541], ags; clävu, 
cle6. Nach FICK III S , 52 von einer Wz. klu- zusammen- 
ziehen, lat. gluere, skt. gl au Ballen vgl. auch GRIMM 
Wb. V, 888; 953; 1024; 1222 ;- SCHA. 8 496 a , während LEO 
360 es zu ags. cleofan spalten, stellt. 

klach'l, m. 1) die Thürschnalle , namentlich wenn sie, wie in 
Hütten und auch in ärmlicheren Häusern, aus Holz besteht; 
daher das verb. klach'l, d. i. klacheln auf die Thür- 
schnalle drücken und so die Thüre aufzumachen ver- 
suchen; ebenso auklach'l. 2) Der Glockenschwenkel 
(== seh wink' 1). 3) ein roher, unförmiger Mensch, oft als 
Schimpfwort gebraucht ; auch übertragen auf jeden beliebi- 
gen Gegenstand z. B. h&n $ den klach'l g'fält beim 
Kegelschieben ; käwissa-klach'l (w. s.) Schimpfwort ; 
rotz klach'l. 4) übertr. penis; SCHOE. 318; LEX. KWb. 
158; SOHM. P, 1323; HOEP. II, 136; CAST. 140; MAR. 
I, 35; LOR. 74; ROS. 198; Idiot. Aust. 84; HUEGEL 
90»; FRISCH I, 521 a ; eimbr. Wb. 136 b ; HZ. V, 237; FZ. 
n, 33; HI, 116; V, 461; VI, 173; 295. mhd. kleckel, 
klechel |LEX. MWb. I, 1610; BM. I, 832 a ; 847 a ; DIEF. 
gl. 584°] Glockenschwenkel. Man stellt das Wort gewöhn- 
lich zuklack, mhd. klac Riss, Spalt; Knall, Krach vgl. 
LEX. a. a. 0.; GRIMM Wb. V, 888; jedoch GURT. Stud.« 
VIT, 342. Allein wenn die Grundbedeutung, wie es scheint, 
der Glockenschwenkel ist, so könnte das Wort geradezu 
mit Glocke zusammenhängen, ahd. cloccä, ags. cluege, 
an. klukka, um so eher, als Glocke selbst ein Lehnwort 
ist aus dem Keltischen: bret. kl och, wälsch doch, gäl. 
c log Glocke vgl. FICK EI 8 , 53; LEO 576; Ferienschr. 
I, 54; SCHA.« 498. 

klocken, v. klopfen, hämmern, auch schlagen, prügeln; 
klocker, m. ein Schlag; auch Schimpfwort auf einen der- 
ben Menschen; 6rsch klocker, m. ein bis an den Arsch 
reichender Rock; SCHOE. 315; LEX. KWb. 160 f.; SCHM. 
I a ; 1324. mhd. klocken [LEX. MWb. I, 1623; BM. I, 
847 a ] klopfen, ahd. chlochön, chlocchon [GRAFF IV, 
553], auch in den keltischen Dialekten z. B. breton. k 16c' ha 
einen kurzen, abgestossenen Ton von sich geben, wälsch 
clec ein einzelner scharfer, schneidender Ton [LEO Ferien- 
schrifteri I, 54]. Das Wort scheint mit mehreren seiner 

5 ' 



430 

Familie onomatopöisehen Ursprunges zn sein Vgl. GRIMM 
Wb. V, 1220. 

klöcken, v. hinreichen, hinreichend sein: es k lockt, nit eb 
beträgt mehr; ebenso dak Kicken z. B. es d. nicht es 
ist nichts ergiebig genug ; adi. klock »ergiebig { SCHOE. 
323; LEX. KWb. 160; SCHM. I 3 , 1324; HOEF. H r 139; 
REINW. I, 80 u. a. mhd. klecken [LEX. MWb. I, 1610; 
BM. I, 83 l b ] einen klac machen, sich spalten, platzen, 
tönend schlagen, treffen, ausreichen,, göniäjgen, wirksam 
sein , helfen. Ueber die Etym. eine Vermutung bei GRIMM 
Wb. V, 1058; vgl. jedoch die Auseinandersetzungen T>ei 
CURT. Stud. VH, 296 ff. 

klötte, f. Klette; übertragen auf einen zudringlichen Menschen ; 
SCHM. 1% 1341. mhd. klette [LEX. MWb. I, 1621; BM. 
I, 840 b ], ahd. chletta, chlette [GRAFF IV, &54]; 
GRIMM Wb. V, 1151; WEIß. I 2 , 805 f.; POTT WzW. 
V, 318; ZEH. 133; GRASSM. Pfl. 'S. 140, 391. 

klög'n , v. klagen, wie nhd.; besonders um eisten Verstorbenen 
trauern; subst. kloge,, f.: in der kloge sein in -der 
Trauer sein; die kloge antuen (Von Frauenzimmern) die 
Zeichen der Trauer ablegen. Diese Zeichen sind: statt der ge- 
färbten Schnur um den Hut eine schwarze oder gar keine, 
desgleichen ist der kloub'm (w. s.) schwarz; gewöhnlich 
auch das hanttuoch (Halstuch), alle glänzenden Bänder 
z. B. im hnsB'nflöcke sind entfernt und durch schwarze 
ersetzt. Das Gregentheil von kloge antuen ist die klöge 
zuatuen. wen klägsche denn? für wen trägst du die 
Zeichen der Trauer? fragt man; SCHOE. 319; SCHM. I 2 , 
1327 f.; BIRL. 279*. Söhon mfcd. von der. Todtenklage 
vgl. LEX. MWb. I, 1585; 1601; Q8MM Wb. V, 915 ff. 
"Wime, aber f. das Klima; SCHOE. 324 

klemm, v. wie nhd.; 6 k Lern m abzwicjkeüi, abhacken fc. B. den 
Schmitz (w. s.), d. h. man legt das Ende der g&«s ? l 
(Peitsche) auf einen Stein und schlägt mit einem anderen 
darauf;, es hat miar den Schmitz ögiklemmp es ist 
beim krachen (w. s.).der Schmitz davongeflogen; ebenso 
i h&n den Schmitz vaklemmp; kleäumer, m. »ein 
Peitschenknall, wobei der schmilz, ögiklemmp wird, 
mhd. klemmen, ahd. chlamja;n vgl. GRIMM Wb. V, 
1139. 

klämper, f. die Klammer; dim. klamperle; kl am per er, 
m. Klempner; klämpern, v* das 'Geschäft des kläm- 
perer ausüben.; SCHOE. 320; LEX. KWb. 159; SCHM. 
P, 1330; HOEF. II, 137; SCHMED315; POPO WITSCH 
Vers. 250; SCHILL. LUEBB. II, 470*. mhd. klamme, 
klamer, klammer, klampfer >£LEX. MWb. I, 1604; 
BM. I, 842*; MEP. gl. 577»; 560*]. \ Nach FICK HI», 51 



131 

zu einer Wz. klap-, klamp- zusammenschlagen, umfassen 
vgl. auch GRIMM Wb. V, 943; WEIß. I*, 798; POTT 

wm. v, ii8. 

klänk, m. 1) Schlinge. 2) feines Mehl; klenk'n, v. feines 
Mehl machen, den klänk voarauhöib'm; SCHOE. 323; 
LEX. KWb. 159; SCHM. I», 1335; HOEF.II, 137; CAST. 
140; LOB,. 74 b . mhd. klank [LEX. MWb. I, 1605; Germ. 
IX, 28] Schlinge, List, Kniffe, Eänke; vgl. auch GRIMM 
Wb. V, 950 f., dessen etym. Vermutungen ich nicht theilen 
kann; CURT. Stud. VII, 315. Zu erwähnen ist noch, dass 
auch im slov. klank Schlinge bedeutet [GUTSM. 259]. 
Aber was fangen wir mit klänk „feines Mehl" an? Es 
ist mit klänk Schlinge kaum identisch. Hängt es aber mit 
dem s elbst noch nicht aufgeklärten klug zusammen? CURT. 
Stud. VH, 311. 

klanster, gektanster, geklenster, n. Verschmierung ; Verwick- 
lung; daklanstern, vaklanstern, v. verschmieren, 
verwickeln z. B. Fäden; SCHOE. 320; LEX. KWb. 159; 
SCHM. I 2 , 1331. mhd. klenster [LEX. MWb. I, 1620; 
BM. I, 843*] Kleister. Zu ahd. klenen [GRAFF IV, 
558] schmieren, kleben, verstreichen, mhd. verklönen 
[LEX. MWb. m, 146; BM. I, 843 a ] verkleben, verschmie- 
ren; vgl. noch GRIMM Wb. V, 1144. 

klause, f. Versperrung; eine Gegend im Thale heisst so; 
klause mächen, bei Hochzeiten, wie es bei LEX. KWb. 
159 beschrieben ist; SCHOE. 322. 

klöscb, mu ein grosser Mensch: a k lösch daher; SCHUL. 
32; vgl. kieschen bei LEX. KWb. 160; SCHM. I 2 , 1340; 
HOEF. H, 143 und GRIMM Wb. V, 1150 f.; ROS. 198. 

kiest, klett, n. ein Schmierfleck, bes. von Kindern gesagt, 
wenn sie in die Hose gemacht haben; vgl. mhd. kläz [LEX. 
MWb. I, 1609] Schmutz, bekletzen, beklitzen [LEX. 
MWb. I, 166] beschmutzen; GRIMM Wb. V, 1016. 

ktoe&t, n. (das von LEX. KWb. 160 vermutete Wort findet 
sich also wirklich und ist bei uns ganz gewöhnlich) eine 
Abtheilung für Mehl, Salz, Mohn u. dgl. in einem grösseren 
Kasten; dim. klöost'l. Zu lat. claustrum. 

kleiwe, f., plur. kleiw'm Kleien; auch von den Schuppen 
auf dem Kopfe; kleiw'mscheisser , m. Schimpfwort auf 
einen Geizhals; daher heisst es, wenn man bei jem. eine 
Fehlbitte gethan hat: lass bleib'm, scheiss kleiw'm; 
SCHOE. 323; LEX. KWb. 160; SCHM. P, 1319. mhd. 
klle, kleiben [LEX. MWb. I, 1622; BM. I, 842 a ], ahd. 
chüwa, chliha, chlfa [GRAFF IV, 541] vgl. GRIMM 
Wb. V, 1084. 

knie, n. wie nhd. ; kniaschieV m mit stark vortretenden 
Knieen gehen; kijioschnäpper, m. wenn die Kniee beim 

5* 



132 

raschen Heruntergehen über einen steilen Abhang nicht 
mehr halten; kni9biage, i f. Kniekehle; virgerknio ein 
Knie wie ein Virger (Bewohner des Nachbarthaies Virgen, 
die die Knie bloss und nicht immer sehr reinlich tragen); 
SCHOB. 328; SCHM. I 2 | 1343; GRIMM Wb. V, 1421; 
SCHA. 2 502. 

knübl, m., plur. knübl die vorstehenden Knöchel der Finger- 
gelenke; knübl, d. i. knübeln, v. einen mit den 
knübln schlagen; SCHM. I*, 1345; SCHOE. 329; 
WEINH. 45* ; SCHAMB. 107* ; KRAM. 67 ; SCHROEER 
Gottsch. 140; RUED. V, 213; SCHILL. LUEBB. II, 505*. 
mhd. knübel [LEX. MWb. I, 1655; BM. I, 854*>; GRAFF 
IV, 576; DIEF. gl. 382 a ] Knöchel am Finger. Zu knöpf 
vgl. GRIMM Wb. V, 1513. Anders WEIG. I 2 , 826. 

kneipen, v. drücken, bedrücken, von Kummer, Groll befallen 
sein; SCHOE. 328; SCHMID 319; STALD. I, 499; 
SCHROE. 35 a ; LOR. 75. mhd. knip [LEX. MWb. I, 1649] 
Messer vgl. GRIMM Wb. V, 1406. Wz. skt. jabh- schnap- 
pen vgl. FICK HI 3 , 48. Anders SCHA. 2 501 b . 

knöt, n. eine dickflüssige Masse; knout'n, v. mit Anstren- 
gung gehen, bes. durch den Schnee waten. Wol zu knöit'n 
kneten; GRIMM Wb. V, 1412. Etwas anderes ist knott'n 
plur. Felsen, bes. kleine, runde; SCHOE. 331; BERND 
134; vgl. knoll. 

knättl, f., dim.knattile Kotballen; k na ttile bedeutet über- 
haupt etwas kleines z. B. beim Kartenspielen ein niederer 
Trumpf; auch ein Liebkosungswort für Kinder, ähnlich 
knouderle, knüderle [WEINH. 45]; SCHOE. 327; 
SCHM. I a , 1355; SCHMIDT 82. Zu knöit'n kneten vgl. 
GRIMM Wb. V, 1514. 

knoutz'n, plur. Knödel (verächtlich): knoutz'n in an 
stoutz'n; SCHOE. 329; LEX. KWh. 168; VTLM. 212; 
BECH X; KRAM. 69; LOR. 76 a ; KLEIN I, 243. vgl. 
mhd. knotze [LEX. MWb. I, 1654; BM. I, 854 b ] Knorre; 
vgl. auch knüs'n und kneten. 

knäffin, m. = Knopf, welches auch gebraucht wird; dim. 
knaffl; verb. knäffen, au-, zu9-knaffen auf und zu 
knöpf ein; knaffl, d. i. knaffeln gleichsam mit den 
knafflin tändeln, durch auf und zu knöpf ein spielen; 
dann übertragen: langsam arbeiten, etwas ohne Ernst an- 
greifen, auch wenn zwei sich im Scherze raufen; SCHOE. 
330; LEX. KWb. 162; SCHM. I 2 , 1349. mhd. knouf, 
kneuf [LEX. MWb. I, 1654; BM. I, 854 b ] nodus, inter- 
nodium, knouf el, knöufel nodulus, knöufen, knöu- 
fen, knöufeln nodare. Zu knöpf vgl. GrRIMM Wb. V, 
1368; 1366; 1470; WEIG. I 2 , 827. 

knüfl, d.i. knüf In, v. schlagen, prügeln; SCHOE. 331; 



9 ^ 



133 

LEX. KWb. 163; SCHM. I 3 , 1350; GRIMM Wb. V, 1515; 
KRAM. 68 u. a. 

knoll, m. Knolle z. B. Erdscholle; im müsse, wenn das Mehl 
zu wenig zertheilt wurde; butterknoll; dim. knölle, 
auch knöllile; knoller, m. Schimpfwort auf einen gro- 
ben Menschen; SCHOE. 329; LEX. KWb. 162; SCHM. l a , 
1350 f.; cimbr. Wb. 137* ; REGEL 219; SCHROEER 
Gottsch. 140; POPO WITSCH Vers. 262; LOR. 76* ; 
SCHMIDT 81; TOBL. 112*. mhd. knolle, knoll [LEX. 
MWb. I, 1652; BM. I, 854 a ] Erdscholle, Klumpen, Knollen 
im Mehle , grober , plumper Mensch , Bauer. Kaum zu 
knellen GRIMM Wb. V, 1465; WEIG. I», 827; SCHA. 2 
502 b , sondern eines Stammes mit Knoten, lat. nodus 
(st. gnodusl skt. g a n d a [BR. II , 642 ] Kn oten , Knolle, 
Knäuel vgl. FICK III 8 , 49; ZEH. 165; HW. s. v. nodus. 

knöor'n, v. stossen z. B. mit dem Ellbogen; knöorer, m. ein 
einmaliger Stoss; knoore, m. kurzer, dicker Mensch ; auch 
grober Mensch; SCHOE. 330; LEX. KWb. 162; SCHM.I 3 , 
1353; KLEIN I, 240; TOBL. 112 b ; VILM. 213. mhd. 
kniuren, kneuren [LEX. MWb. I, 1650] prügeln, knuf- 
fen, knur [LEX. MWb. I, 1656; BM. I, 854 b ] Knoten, 
Fels, Klippe, grober Mensch, Knuff, Stoss; knorre u. a. 
auch kurzer, dicker Mensch vgl. GRIMM Wb. V, 1365. 

knüs'n, v. nagen, beissen, stossen; vaknüs'n eig. verzehren, 
dann einen nicht vaknüs'n können = einen nicht leiden, 
ausstehen, ertragen können ; SCHOE. 319; SCHM. I», 1395; 
WEINH. 45*>; VILM. 213. mhd. knüsen, knüssen [LEX. 
MWb. I, 1656; BM. I, 855 a ] kneten, stossen, schlagen, 
ver-knüsen [LEX. MWb. HI, 147] conterere, ahd. 
chnusjan [GRAFF IV, 573 f.], ags. cnyssan [LEO 
358, 27], an. knosa schlagen, stossen, misshandeln vgl. 
GRIMM Wb. V, 1527; WEIG. P, 830; FICK IIP, 49. 

knaist, n. eine unförmige Masse, mhd. knüsten [LEX. MWb. 
I, 1656; BM. I, 855 a ] stossen, schlagen, quetschen, knit- 
sehen quetschen , zerquetschen , knistunge Stridor, 
quassatio; SCHM. I 2 , 1355; TOBL. 112*; VILM. 210; 
GRIMM Wb. V, 1444; 1528; vgl. auch d. vorherg. W. 

kröch'l, d. i. kroch ein, v. ruetare, namentlich von alten od. 
kränklichen Leuten gesagt; kröchler, m. ruetatio und 
ruetator, aber auch ein alter gebrechlicher Mensch, wofür 
auch ein alter kr ä eher gesagt wird; SCHOE. 337; 
SCHM. I 2 , 1359; ROS. 199. mhd. kr ecken [LEX. 
MWb. I, 1715] mit Schall zerplatzen, brechen, ruetare, 
auswerfen vgl. GRIMM Wb. V, 2347 f. 

knicke, f. Krücke; an alte kr., a groasse kr. als Schimpf- 
wort; ou finkrucke wie schon mhd. [vgl. DIEF. gl. 591* ; 
nov. gl. 369*] ; SCHOE. 348 ; LEX. KWb. 168 ; SCHM. I a , 



m 

1362. Ueter die Btym. vgl. WEIG, I» f 870; ©IE& I 3 , 
146; GRIMM Wb. V, 2425; SCHA. a 517; CURT. Stud. 
VII, 306. Auch mir scheint Entlehnung aus dem rom. 
croceia, lat. crux unwahrscheinlich. 

kröckep, v. eig. wol krachen machen z. B. wenn man hartes 
Brot kaut: er kröcht 's broat zämme; kröeker = 
kröchlep w. s.; ünkröcken z. B. einen Stab, Schlitten 
= halb abbrechen, jedoch so, dass es bereits einen krach 
gemacht hat; SCHOE. 343; LEX. KWb. 167; SCHM. I 2 , 
1362; GRIMM Wb. V, 1931. 

kröpfen, m., dim. krapf'l, wie nhd. Krapfen; man unter- 
scheidet: gib&cbine krapfen (in Schmalz) gebackene 
Kr. (man sagt kr. bachin oder aussabächin), auch 
länge kr. — und kurze kr. oder schlüpfkrapfen. 
Letztere, heissen je nach der fülle (Fällung) schottine 
kr., krautkr., mögine kr. (Mohn), birmöeline kr. 
(Birnenmehl). Die kurzen krapfen werden gewöhnlich 
gesotten ; wenn sie in Sehmalz gebacken werden, heissen sie 
kössilis krapflin (gleichsam in einem Kessel gebacken). 

Die Bereitung dieser krapfin, die so oft auf dem ungeschriebenen 
Speisezettel stehen, und die dabei gebrauchten Ausdrücke sind nicht 
uninteressant; ich lasse sie folgen. Zuerst wird der tävckogimacht 1 ), dann 
• giwellt*), gidrutz'It 8 ), g'sehnlt'n 4 ), die drulgga 6 ) werden wieder 
gidrutz'lt 8 ), in gilgili* 6 ) g's chnit'n'), diese gitalgit 7 ) und 
gitrib'lt 8 ). Unterdessen ist auch der schoijt'n g'sout'n 9 ) and 
giböir seht 10 ) worden. Nun werden die gitrib'lt' n 8 ) blattilin 11 ) 
g'fül'lt 1 *), gipitscht' 8 ) und g'lögg 14 ). Bereits soidit 's 16 ) wässer, 
die krapfin werden ingiklaubp 16 ) und g'sout'n 9 ); wenn si 
g'sout'n hent, wö«rn si mit der löchakölT 7 ) aussag'f 6hin 18 ) 
und in's küolwasser 19 ) gitun. Währenddem läunt 20 ) schuon die 
tä«maschüss'l 21 ) hintan oufin 28 ), es wövr st schmalz dagengg") 
und häcss gimäebt, dio krapfin wö«rn af dia taemaschuss'l 
gitün, 's schmälz draugigoss'n, oft noch birmöal draug'sänt, 
und das. herrlichste Essen von der Welt ist fertig. 

1) Der Teig wird bereitet. 2) wellen w. s. 3) sieh Nachtrag. 4) in 
BuÜßn geschnitten. 6) s. Naehtr. 6) 8. Nachtr. 7) s. Nachtr. 8) Schö'. 
766. 9) der Schotten [w. s.] ist gesotten worden. 10) geknetet [vgl. S. %2] y 
d. h. es wird oft Kraut, Kartoffeln, Birnenmehl, Schnittlauch u. a. beige- 
mischt. 11) Blättchen. 12) od. in g y füllt mit der Fülle « dem Schotten. 
18J vgl. 8, 18. 14) d. h. auf ein Brett in Reihen hingelegt. 15) siedet. 
16 J v» das Wasser geworfen', klauben s. oben. 17) mit einer durchlöcherten 
Kelle. 18) herausgefangen', fökin s. 8. 53. 19) kaltes Wasser, 20) lehnt. 
21) 8. S. 36. 22) =sa am Feuer, damit sie warm werde und die darauf 
gegebenen Krapfen nicht schnell wieder kalt werden. 23) s. oben S. 54 
8. v. geng, 

kr&pfin bedeutet überdies alles gekrampte z. B. beim Pflügen, 
wenn der Pflug die bank nicht umzustürzen vermochte, da 
gibts krapfin; krapfinhüete heisst man die Hüte der 
ital. Geistlichen und Jesuiten, ein zerbogener Hut heisst 
kr4pfin u. ä. Es ist also unser Wort [mhd. krapfe 
LEX, MWJb. I, 1712; BM. I, 877 a : eine Art Backwerk, 
Krapfe] gewiss etymologisch nicht verschieden von mhd. 



385 

krapfe Haken, Klammef ; der Grundbegriff ist dier des 
Krummen, Zusammengezogenen; SCHOE. 340; LEX. KWb. 
166; SCHM. I 3 , 1379; SCHRQEER £rogr. d. Oterrealsch. 
zu Pressbtirg 1855 S. 46; MAR. I, 37; GRIMM Wb. V, 
80B4-, Gr. in, 462; WEIG. I 2 , 857 f.; POTT WWb. V, 
1U; FICK ins, 50; BCHA. 2 511V 

Jtffipfeft., v. sagt man vom Vieh, wol aueh vom Menschen, 
wenn ein Brocken, Büschel Heu, Stück Brot im Halse 
stecken bleibt: die kue kTÜpft si; sahst, krüpf, m. die 
kua ist in krüpf kern m; vgl. 'SCHOE. 348; LEX. KWb. 
167; SCHM. I 8 , 1380. Es ist zunächst das mhd. krüpf en 
[LEX. MWb. 1, 1753] den Kropf füllen, uüd lehnt sieh an 
kröpf an; GRMM Wb. V, 2471 ff. 

krippe, f. Krippe, gewöhnlicher dafür bör'n; besonders ist 
krippe dasselbe was banne (s. ob. S. 21); dann heissen 
die einer banne ähnlichen Schlittehen der Knaben krip- 
pe«; endlich heisst krippe der ganze Leib: die müede 
krippe; SCHOE. 346; SCHM. I 2 , 1378; GRIMM Wb. V, 
2320; WEIG. I 2 , 867; ZEH. 195. 

krallt, n. wie nhd.; man unterscheidet: meto' mir au t und 
köwiskr., auch kurzis und läng' s.kr. Ersteres bildet 
ein Hauptnahrungsmittel der Thalbewahner. Es wird giw&- 
6 eh in (es wird ihm durch Waschen die Säure genommen) 
und g' so.ut'n. Damit es gut wird, muss das mächite 
hineinkommen, nämlich Milch, Bohnen, Fisolen, Fleisch, 
jedesfalls «aber «in opreinitle (s. Nachtr.) Beim Mittag- 
essen bildet das Kraut die eräte Speise. Die Bewohner der 
mittleren Gemeinde, St. Veit, werden von den übrigen 
häufig anit kraütbäuche, zi-v^edder krautbäuche, 
tittdieut. 

kr&ft, plur. kröfte; dim. kraft' 1 wie nhd. ; kröft'n, v. 
nützen , helfen ; k r ö f t i t' s ? = nützt's etwas ? SCHOK 3&7 . 

kräg'l, d.d. krag ein, v. (die Bedeutung," welche SCHOE. 
338 dem Worte gibt : den Flachs oder Hanf brechein , ist 
mir in Tirol nirgends begegnet und beruht wahrscheinlich 
die Angabe auf einem Missverständnisse) 1) •einen beim 
Halse fassen und würgen, aber nur als Zeichen der Gratu- 
lation am Namenstage einer Person. 2) wird es gebraucht 
von den Flaobsbrecherinnen , die den Vorübergehenden ein 
Flachsbündel (ursprünglich gewiss um den Hals) vor die 
"Füsse hinlegen. Der so gekräglte muss sieh durch Geld 
loskaufen; LEX. KWb. 165; SCHM. I 2 , 1364; KLEIN I, 
252; FZ. IH, 119; VI, 301. Zu kragen vgl. GRIMM 
Wb. V, 1956 ff. 

kpieg'n, v. d) bekommen, einholen: i (krieg di schön! Häu- 
figer jedoch ist dafür bikemm iim Gebrauche. 2) zanken, 
*inen /Verweis .geben:; SCHOE. 345; LEX. KWb. 167; 



136 

SCHUL I 2 , 1365 f. Schon mhd. kriegen, krigen in die- 
sen verschiedenen Bedd. vgl. LEX. MWb. I, 1729) 1732; 
GRIMM Wb. V, 2227; 2223; CURT. Stud. VH, 310. 

kräl, d. i. krälen, v. kratzen sowol mit den Händen (jem. 
kratzen) als auch mit einem Instrumente z. B. einer Haue: 
die öeröpf 1 (= Kartoffel) kräl mit der Haue das Un- 
kraut heraushauen ;kräliwat, m. der gerne mit den 
Nägeln kratzt; kräle, f. zackiges Ackerwerkzeug; die 
kräl (verächtlich) die Fingernägel: dio kräl inläss'n; 
SCHOE. 338; LEX. KWb. 166; SCHM. I», 1367; HOEF. 
H, 161; ROS. 198; KRAM. 72; VATER 44; LOR. 76; 
BERND 144 ; HUEGEL 94* ; BffiL. 290 b ; STALD. H, 
130; WEINfl. 47*. mhd. kral [LEX. MWb. I, 1704] 
Kratz, gekrallte Wunde, kralle Kralle; kröuwel, kre- 
wel, kröul, kriul, kreul [LEX. MWb. I, 1752; BM. 
I, 885 a ] Kräuel, Gabel mit hackenförmigen Spitzen, Klaue, 
Kralle, kröuweln, krelen [DIEF. gl. 247*>] fricare, 
krouwen, krowen kratzen vgl. GRIMM Wb. V, 2085; 
WEIG. I 2 , 854. 

krüme, f. Krämerstand, Krämerbude; sprich w. : läss mi a 
mal auspacken, bevo9r du mior in dia krüme 
scheisst; krumer, m. Krämer; SCHOE. 338; SCHM. I 2 , 
1367. mhd. kram, krame, ahd. chräm vgl. GRIMM 
Wb. V, 1985 f.; WEIG. I 2 , 854; SCHA. 2 510*. 

krämme, f. der Krampf; k ramm 6 der Krampfader; SCHOE. 
339; LEX. KWb. 166; SCHM. I 2 , 1368. mhd. kram, 
kramme [LEX.. MWb. I, 1074; 1706; BM. I, 881*>] 
Krampf, ahd. kram [GRAFF IV, 608]. Eines Stammes 
mit krampf vgl. GRIMM Wb. V, 2003; WEIG. I 2 , 855; 
FICK HP, 49; CURT. Stud. VII, 299; POTT WWb. 
V, 110. 

krump, adi. krumm, hinkend; krumper warfl Schimpf- 
wort; krümp'in krümmen; SCHOE. 348; LEX. KWb. 168; 
SCHM. I 2 , 1370 ; GRIMM Wb. V, 2441 ff. ; WEIG. I 2 , 
871 f.; POTT WWb. V, 109; FICK IIP, 50. 

krämpile, n. (opp. müaterle) das Häkchenheffcel (sonst in 
Tirol auch väterle genannt SCHOE. 230). Zu krump 
vgl. auch gr&mpe S. 86. 

kromaisch, n. eine Masse ungeordneter, wertloser Dinge, vgl. 
mhd. krumelen in krümen zerreiben [LEX. MWb. 
I, 1755], sipare krumelen, krümen [DIEF. gl. 537 c ; 
nov. gl. 340*], bei SCHM. I 2 , 1369 crumene frusta, minu- 
tiae cuiusque rei. 

kremmläne, f. die Grundlawine. Nach SCHOE. 364 konnte 
man glauben, kremm- sei verdorben aus grund% Ich bin 
nicht dieser Ansicht, zumal das Wort grundläne daneben 
gebraucht wird. Ich suche in kremm- dasselbe Wort, wi$ 



_ 137 

in krämme (w. s.). Diese Ansicht wird unterstützt durch 
das verb. kremmen: der schnöa kremmt sich = der 
Schnee ballt sich; auch kr e mm ig adi. der Schnee ist 
kremmig er ist weich, so dass er sich ballt. 

krien, m. Kren; SCHOE. 343; LEX. KWb. 167; SCHM. I a , 
1371. mhd. ahd. kren [LEX. MWb. I, 1720; BM. I, 878 b ; 
GRAFF IV, 612]. Zunächst aus dem Slavischen entlehnt; 
GRIMM Wb. V, 2167; GRASSM. Pfl. S. 40, 60; GRIMM 
Gr. III, 373; MIKL. 1099 b , das Wort scheint aber auch 
im Slav. nicht heimisch zu sein, wie denn selbst unser 
Meerrettich durch Volksetymologie aus armoracia ent- 
standen ist vgl. HEHN Kulturpflanzen 3 430 ; ANDRESEN 
Deutsche Volksetymologie 2. Aufl. S. 6 f . ; 84. Dieses armo- 
racia weist uns auf Gallia Armorica als Heimat oder 
wenigstens als nächste Bezugsquelle der Pflanze und es ist 
daher nicht unwahrscheinlich, dass auch der Name kren 
keltisch ist ; man vgl., was PICTET Les Origg. Indo-Euro- 
pöennes I, 302 darüber sagt. Er führt an irländ. currdn 
racine pivotante en genäral; la carotte s'appelle curräijL 
bhuidne racine jaune, et le radis currän dhearg 
racin§ rouge. 

kruene, f. Krone, dim. krüand'l; SCHOE. 347; SCHM. 
I a , 1372. 

kringe, f. kluftähnliche Vertiefung, Einschnitt, Kerbe; beson- 
ders auch die Marken, die man in geschlagene Bäume ein- 
hackt, also = tesserula; örschkringe; dim. kring'l; 
SCHOE. 346; LEX. KWb. 167; SCHM. I 3 , 1372; ROS. 
199; STALD. H, 132; WEINH. 48 a ; BERND 145. mhd. 
krinne [LEX. MWb. I, 1734; BM. I, 882 a ] Einschnitt, 
Kerbe, arskrinne [DIEF. gl. 585 c ; nov. gl. 365 b L ahd. 
chrinna [GRAFF.IV, 612] tesserula. Ueber die Etymo- 
logie vgl. GRIMM Wb. V, 2318 f.; SCHA. 2 514; DIEZ 
n 3 , 266 f. 

kränk adi. krank, aber auch von der Fäulnis essbarer Gegen- 
stände z. B. dia ö'cröpf 1 hent kränk = faul; es 
mächt ml kränk ich falle in Ohnmacht; jem. kränk 
röid'n durch Reden gleichsam krank machen; sich kränk 
lachen u. ä.; kränkit, f. Krankheit, auch krenk, f. 
z. B. das ding hat dia krenk; dia schantline krän- 
kit die Venerie; SCHOE. 339; LEX. KWb. 166; 167; 
SCHM. I 2 , 1373; WEG. 28; SCHMIDT 86 f.; VILM. 222. 
mhd. krank, aber auch krenk e [LEX. MWb. I, 1720; 
BM. I, 875 a ] Schwäche, Schwachheit, Geringheit, Mangel- 
haftigkeit. In Betreff der Etym. vgl. unter andern KZ. 
XX, 306; GRIMM Wb. V, 2023; WEIG. P, 856; CURT. 
Stud. VA, 300; FICK W, 352; POTT WWb. H, 2, 498. 

kranz'ltäk, -tog Frohnleichnamstag (an welchem die Jungfrauen 

6 



138 

kranzlin aufsetzen); kranz'lkirchingian als Kranz- 
jungfrau (kränz' ldiarn) zur Kirche gehen; SCHOE. 340; 
SCHM. I 2 , 1376. 
krödse, f. Gekröse, die klein aufgeschnittenen und gerösteten 
Gedärme eines Schlachtthieres ; SCHOE. 344; LEX. KWb. 
168; SCHM. I 2 , 1382; KRAM. 73; POPO WITSCH Vers. 
214; HÜEGEL 96 a . mhd. kroese, kroes [LEX. MWb. 

I, 1750; BM. I, 888 b ] Gekröse; über die mutmassliche 
Etym. vgl. GRIMM Wb. V, 2405. 

kreist'n, perf. gikrist'n und gikreistit vor Anstrengung, 
Schmerz stöhnen; kreister, m. ein einmaliges Stöhnen 
und die Person, die stöhnt, auch gikreiste, n. ; SCHOE. 
343; LEX. KWb. 167; SCHM. I 2 , 1383; MAR. I, 37; 
HOEP. II, 169; LOR. 78; CAST. 147; PETT. Beitr. 15; 
ROS. 199; ZING. Wb. 39 a ; HUEGEL 95 b . mhd. kristen 
stöhnen, ächzen, auch kreisten stöhnen [LEX. MWb. I, 
1718; 1737]. Etym. bei GRIMM Wb. V, 2161. 

kristis und kristäs Christus; zöis kristis verhunzt aus: 
gelobt sei Jesus Christus; SCHOE. 347. 

kris'ngelt, n. das Geld, welches ein Kind vom firmtöit 1 n 
(Firmpathen) zum Geschenk empfängt ; k r i s' n = Chrisam ; 
SCHOE. 346; LEX. KWb. 167; SCHM. I 2 , 1382. 

kräxe, f. die Kraxe, aber auch eine hagere Person; hous'n- 
kräxe Hosenträger; kopfkräxe trog'n z. B. ein Kind 
auf den Schultern tragen, so dass die beiden Füsse über 
die Brust herunterhängen; SCHOE. 343; LEX. KWb. 165; 
SCHM. I 2 , 1360; HOEF. II, 160; ROS. 199; SCHROEER 
H, 279 a ; Gottsch. 144; LOR. 76 a ; HUEGEL 94*; TOBL. 
118 b ; WEINH. 47; eimbr. Wb. 138\ mhd. kreckse [LEX. 
MWb. I, 1715], bei DIEF. nov. gl. 97 a kräxe Tragreff; 
GRIMM Wb. V, 1923. 

quöol d. i. quÖQlen jammern, jämmerlich thun ; quöaler 
der, quöole die jämmerlich thut; LEX. KWb. 170; 
SCHM. I 2 , 1394; TOBL. 126 b . mhd. queln [LEX. MWb. 

II, 321; BM. I, 896 a ] Schmerzen leiden, sich quälen, ab- 
martern, ahd. quelan, ags. cvelan, vgl. FIClv II 3 , 338; 
IE 8 , 54; WEIG. II 2 , 412; ZZ. I, 151; BOPP gl. 3 157*; 
ZEH. 185; LEO 127. 

L. 

L. Ueber die Aussprache des L muss ich die nicht unwichtige 
Thatsache erwähnen , dass die. Bewohner der Bergabhänge 
dasselbe immer mit einem Hauche sprechen z. B. hlang, 
bihläng, hlötg'n, hlurschz'l u. s. w. vgl. auch die 
analoge Aussprache des R. Bei den Bewohnern der Thal- 
ebenen hört man den Hauch nicht. 

lei, adv. nur, bloss, gerade, eben. LEX. KWb. 175; FZ. m, 



139 

309 meint, das Wort sei ausschliesslich kärntnerisch. Dies 
ist nicht richtig; fast alle Seitenthäler des Pusterthaies 
kennen das Wort und ich bin ihm auch anderswo häufig 
begegnet; vgl. SCHOE. 380; SCHM. I 3 , 1401. Ich will 
einige Verbindungen hersetzen: i hän lei mörar an 
kreuzar; sei lei stille; göa lei frei forscht; 
kimm lei wieder; er göat lei souv'l toul u. s. w. 
Dadurch berichtigt sich auch die Angabe SCHOE.s 381. Es 
ist sicher identisch mit mhd. lieh, ahd. lih, gt. leiks, 
nhd. g-leich; FICK in 3 , 268; SCHER. 370; MGSpr. 276; 
KZ. XV, 92; POTT WWb. III, 695; SCHA.* 555 f. Auch 
ist lei soviel wie sogleich z. B. i wo rar lei kemm ich 
werde gleich kommen; SCHM. I 2 , 1401. Wol gekürzt aus 
gleich (glei). 

labe 7 f. der Hausgang zu ebener Erde, während der auf der 
labe befindliche Raum die läbedille heisst; SCHOE. 
355; LEX. KWb. 173; SCHM. I», 1405; SCHMID 342; 
STALD. II, 159; WEINH. 51; REINW. 92; VILM. 238; 
brem. Wb. III, 79; BERND 158 f.; REGEL 229 ; FRISCH 
I, 583; STIELER 1079. mhd.'loube, lobe, labe [LEX. 
MWb. I, 1964; BM. I, 1048 b ] Laube, bedeckte Halle, Vor- 
halle, Raum unter der Stiege einer kemenäte, Speicher, 
Kornboden, offener Gang am oberen Stockwerk eines Hau- 
ses, Gallerie, ahd. loupa, loupä, loubä [GRAFF IT, 
66]. Zu laub; FICK IIP, 261; DIEF. Wb. II 3 , 128; 
WEIG. I a , 908; SCHA. 2 571 f. 

läbfrisch und lölbfrisch adi. ganz frisch , munter, aufgeräumt ; 
SCHOE. 556." Während im ersten Worte lab = Laub 
enthalten ist, gehört das zweite sicher zu leben vgl. 
SCHOE. 537. Ueber ähnliche Com^osita vgl. TOBL. Wzs. 

lölb'm, v. leben; löppig in der Verbindung: mei löppige 
= mein Lebtag! ebenso: sei löppige = sein Lebtag, ir 
löppige u. ä. Dafür sagt man auch löttige, was laut- 
physiologisch wichtig scheint. Hieher gehört auch lempik 
r= lebendig, zunächst aus lebmtik, was in der älteren 
Sprache sogar vorkommt z. B. PICHLER Drama S. 143: 
lembtig, S. 163 lembigen Christ. Redensart: es göat 
in's lempige eig. es geht ins Lebendige d. i. ins Fleisch; 
SCHOE. 376; SCHM. I 2 , 1468; LEX. MWb. I, 1648; BM. 

I, 956; KRAM. 79; HOEF. II, 207; LOR. 83; SCHROE. 
Gottsch. 153. 

lölberstiten, m. der Feuerstein; LEX. KWb. 174; TOBL. 
295 a . Schon mhd. leberstein [LEX. MWb. I, 1849; BM. 

II , 2, 615 a ] Leberkies. 

läbrätsche, f. (verächtlich! Mund, besonders der verzogene 
Mund; SCHOE. 356; L£X. KWb. 171, der an schlesisch 
labern [WEINH. 50 a ] leckend trinken, erinnert. Ich 

6* 



140 

glaube nicht, dass es ein deutsches Wort ist. Es ist wol 
das it. labruccio. 
läppe, m., lappin, f. Narr, thörichte Person; aber häufig in 
gutmütigem Sinne, wie nar; dira. lappile; adi. läppit 
närrisch, besonders auch von der geschlechtlichen Zunei- 
gung: er ist ganz läppit af d&s mentschl, ähnlich 
wie kränk, läppe wird überhaupt bei uns sehr häufig 
angewendet als Interjection des Staunens: läppe! scho 
läppe! auch läppile! läppit! Auch ein verb. lappl, 
bes. olappl, davün-, duaTia-lappl von jem. durch Zu- 
reden etwas erhalten; SCHOE. 368; LEX. KWb. 172; 
SCHM. I a , 1496; MAR. I, 39; CAST. 189; PETT. Beitr. 
15 ; KRAM. 78 ; SCHMID 336 ; TOBL. 288* ; HUEGEL 
98; WEINH. 50 b ; SCHMIDT 100. mhd. läppe, lape 
[LEX. MWb. I, 1833; BM. I, 939 a ] einfältiger Mensch, 
Laffe, auch Bösewicht. Sollte läppe wirklich = sein 
Laffe = Lecker ? WEIG. I a , 894. Eher zu an. 1 a p a (adha) 
hängen, as. leppan languefacere, gr. ^wß*/), Xoßo;, lat. läbi, 
skt. lamb- niederhangen, gleiten, fallen FICK III 3 , 266; 
POTT WWb. V, 177. Allein es sind noch andere Mög- 
lichkeiten vorhanden. Ich will nur daran erinnern, dass 
man/ für läppe häufig auch Läppländer hört. Ist dies 
bloss Euphemismus? ANDRESEN Volksetym. 2 48.^ 
lupp, adi. z. B. a lupp's biss'l, sonst aber luppik klein, 
ganz klein; SCHOE. 404; LEX. KWb. 182; bei WOLKEN- 
STEIN (70, 3, 13) luppic-lichen adv. wenig, gering. 
LEX. MWb. I, 1989 vergleicht lupf, lupfen. Ich 
glaube nicht daran. Ich dachte anfangs an lupe, also 
etwas, was man nur mit der lupe sehen kann. Allein bei 
genauerer Ueberlegung stellt sich mir als Ueberzeugung 
heraus, dass das Wort zu mhd. lützel, lütze, lüz 
gehört: klein, gering, wenig vgl. DIEF. gl. 216 C s. v. exi- 
guus: luttel; s. v. parvus: luttich; nov. gl. 281 b s. v. 
parvus: luttick, luttic; BIRL. CR. 128; SCHA. 2 581 a ; 
KZ. IX, 259; FULDA 273; SCHILL. LUEBB. II, 756; 
brem. Wb. HI, 106; VI, 189; VILM. 256. Es würde also 
luppik für luttik stehen, ein Lautübergang, den ich 
auch sonst noch nachweisen kann. lieber mhd. lützel 
vgl. litze. 
länp'm, v. übrig lassen; lassen, dulden, leiden: es lä-epit 
mi nit dahä-eme; das g'lä'epe Ueberbleibsel ; SCHOE. 
361 f.; SCHM. I 3 , 1403; HOEF. II, 202; SCHMID 349; 
BIRL. 303 b ; TOBL. 288 a ; LOR. 83. mhd. leiben [LEX. 
MWb. I, 1862; BM. I, 970 a ] übrig lassen, schonen, lfben 
übrig bleiben, ahd. leiban, leipan [GRAFF II, 48 f.], 
gt. leiban [MGSpr. 276; DIE F. II, 122]. Nach FICK 
III 3 , 271 ; SCHA. 2 551 u. a. nicht mit gr. Xstato, Xoitto;, lat. 



141 

1 in quo zusammenzustellen, sondern zu skt. lip- schmie- 
ren , kleben. Ich bin noch nicht von der Richtigkeit dieser 
Erklärung überzeugt. Ueber die gewöhnliche Etymologie 
vgl. CURT.* 455; ZZ, I, 20; dagegen POTT WWb. 

m, 225. 

lapse, f. der zungenförmige Lappen an den Schuhen: s chuec li- 
la ps'n; dann auch die kleinen Taschen im hemmit (s. 
oben S. 80 giw&nt) der Frauenzimmer: hemmitlapse, 
dim. -laps'l. Nur = lefze, mhd. lefs, lefze, leps, 
lebsen [LEX. MWb. I, 1856; BM. I, 928 a ] Lippe, ahd. 
laffa [GKRAFF II, 205] palmula. Zu ahd. laffan, mhd. 
laffen lecken, lat. lambere, gr. I&tztzw vgl. FICK IH S , 
266; CURT.* 365; POTT WWb. V, 266; WEIG. P, 921; 
HW. s. v. lambo. 

lach, m. erwärmter Dunst, namentlich sichtbarer; der lach 
hat dring'schlog'n fumus cibo insedit; adi. lächig 
dunstig, dunstig feucht; lächilin, v. nach lach riechen; 
LEX. KWb. 176 läch'n einem bauchkranken Pferde 
warme Dämpfe auf den Bauch leiten; SCHTVT. I 2 , 1432 der 
lack erwärmter Dunst; cimbr. Wb. 206 a 16k vapore, 
loken svaporare. Das Wort scheint sich anzulehnen an 
mhd. lechen [LEX. MWb. I, 1849; BM. I, 956 b ] aus- 
trocknen, vor Trockenheit Ritze bekommen und Flüssigkei- 
ten durchlassen, lecke Benetzung, bes. mit warmem Bad- 
wasser, das Peitschen mit dem Badwedel, lecken benetzen, 
mit dem Badwedel streichen vgl. WEIG. I 2 , 918. 

läBChin, v. z. B. jem. hinunter- lä^c hin die Ursache sein, 
dass jem. hinunterfallt (indem z. B. das eine auf das Kleid 
des andern getreten ist). Man könnte allenfalls an lenken 
anknüpfen. Allein es scheint doch zu demselben l&'echin 
zu gehören, welches bei SCHOE. 360; LEX. KWb. 176; 
SCHM. I 2 , 1418 f. ; cimbr. Wb. 205 [ROS. 200] ; SCHMID 
340; TOBL. 289 a ; SCHROE. Gottsch. 162 die Bedeutung 
hat : betrügen , mit einem einen Possen spielen. Dieses 
gehört aber zu mhd. leichen [LEX. MWb. I, 1863; BM. 
I, 958 b ; 960 a ] hüpfen, aufsteigen, gelenkig biegen, sein 
Spiel mit einem treiben , ihn foppen und betrügen , gt. 1 a i- 
kan JMGSpr. 276; DIEF. Wb. II, 124] springen, hüpfen, 
bilaikan verspotten, an. leika spielen, sich spielend 
bewegen, ags. läcan [LEO 449] springen, fliehen, schwim- 
men , wogen , flackern , spielen , kämpfen , lit. laig-yti 
[NESS. Wb. 351 b ] umherhüpfen, lat. ludere (st. loigdere), 
gr. &£>£g> erzittern, erbeben machen, altir. lingid salit 
ZEUSS-EBEL 12; 437], skt. rej- [BR. VI, 430] hüpfen, 
beben machen vgl. FICK HP, 259 f. ; POTT WWb. III, 
266; WEIG. I 2 , 919; KZ. XXI, 81; SCHMIDT Voc. II, 470. 

lock ! lock ! Lockruf an die Schafe ; vgl. SCHOE. 394. 



142 

lock, m., plur. locke, dim. löck'l die Locke; überhaupt 
eine Handvoll haarähnlicher Gegenstände: lock hör, 
wolle, wurz'n; spüallock ein Büschel Wurzeln, mit 
dem Holzgegenstände abgerieben werden; seihinlock ein 
Büschel Wurzeln in der Seihe, der die unreinen Gegen- 
stände in der Milch zurückhalten soll; SCHM. I a , 1434 
TOBL. 302*; VILM. 252; BUEHLER I, 74 u. a. mhd 
loc [LEX. MWb. I, 1948; BM. I, 1040 b ] Haarlocke, Haar 
ahd. loc, loch [GRAFF II, 127], ags. loc [LEO 415 
GREIN n, 191], an. lokkr. Nach FICK III 3 , 274 von 
lükan in der Grundbed. „biegen"; anders SCHA.. 2 569 f. 
GRIMM Gesch. 397 ; WEIG. I 2 , 959 ; WACKERN. Wb. 184 a 

lacke, f. stehendes Wasser bis zur Grösse eines Teiches ; auch 
von andern Flüssigkeiten: a lacke milch; speciell die 
vor dem Hause befindliche Kotlake, -grübe (wenn auch kein 
Wasser darin ist); dim. lack'1 auch von anderen Flüssig- 
keiten: a lack'l milch, a lack'l wein, kafe; SCHOE. 
362; LEX. KWb. 131; SCHM. I 2 , 1418; HUEGEL 98 
u. a. mhd. lache [LEX. MWb. I, 1808; BM. I, 92P] 
Lache , Pfütze. Wenn nicht entlehnt , so doch verwandt mit 
lat. lacus; WEIG. I 2 , 890; CURT.* 159; HW. s. v. lacero. 

locke , f. Schaden , Nachtheil , bes. Schädigung am Körper oder 
an der Gesundheit ; a locke davüntrog'n; a locke für 
dia kötfarn d. i. ein Pulver, das die Käfern tödtet; auch 
in der iTorm: einem 's lock göib' m einen schädigen gew. 
durch Schlagen; LEX. KWb. 174; SCHM. I 2 , 1433; HOEF. 

11, 200; LOR. 82; HUEGEL 101; ZISKA Prob. 6; 
SCHMIDT 98. Es ist wol dasselbe, wie nhd. leck von 
Schiffen, ags. läc saucius, Wz. lak- das Wasser durch- 
lassen , lecken vgl. FICK HP, 261; WEIG. I 2 , 918; vgl. 
auch lötze. 

lack'l und lägg'l, m. ein tölpelhafter Mensch; besonders auch 
ein ungelehriger Hund; verb. lagg'ld. i. laggeln tölpel- 
haft umhergehen; SCHOE. 359; LEX. KWb. 171; SCHM. 
P, 1432; HOEF. II, 188; SCHMID 340; cimbr. Wb. 140; 
ROS. 199; LOR. 80; HUEGEL 98. SCHM. a. a. 0. und 

1 2 , 1587 vermutet nicht unwahrscheinlich , das Wort stehe 
für M e 1 a k e 1 vom fz. General M e 1 a c , der immer eine 
Cortege grimmiger Hunde um sich hatte , die er mit grosser 
Passion auf die Leute hetzte. 

löckin , v. lecken , wie nhd. (schlecken ist ungebräuchlich) ; 
lock mi kreuzweis um orsch; 6 lock me! derbe Ab- 
weisungsformel; locker, m. Laffe; ting'nl öcker (ver- 
ächtlich) ein Beamter; SCHOE. 378; LEX. KWb. 174; 
SCHM. P, 1433; WEIG. I 2 , 919; GRIMM Gr. I«, 573; 
POTT. WWb. III, 213; PICK HI 8 , 269. 

Ild , n. 1) Glied; lidersucht Gliedersucht; lidwä^ch 



143 

gelenk; lid bedeutet besonders auch den Ring einer Kette; 
das Gelenk eines Deckels; das Thürband. 2) Deckel, aber 
nur in der Zusammensetzung : aug'nlid; dim. lid'l; verb. 
lid'n sich biegen; SCHOE. 389; LEX. KWb. 179; SCHM. 
I 3 , 1441; BIßL. 315*; FULDA 263; TOBL. 295»; 296*; 
SCHILL. LUEBB. II , 703; brem. Wb.m, 63; BUEHLER 
I, 81. Wörter verschiedenen Ursprunges. 1) ist mhd. lit, 
lides [LEX. MWb. I, 1)938; BM. I, 977*] Glied, Gelenk, 
ahd. lid [GRAFF H, 188], ags. lidh, gt. lithus [MGSpr. 
276; DIEF. II, 142]. Die gewöhnliche Erklärung ist die 
von Wz. ar-, lat. artus, gr. ap-äpov; CURT.* 342; ZZ. I, 
140; WEIG. I', 600; POTT WWb. IV, 193 f. Dagegen 
FICK III 3 , 270 Wz. lit h an gehen, vergehen, dahin- 
schwinden. — Das andere lid ist mhd. lit [LEX. MWb. 
I, 1930; BM. I, 1012*] Deckel, aber ahd. hlit [GRAFF 
IV, 1115], ags. hlidh, engl, lid [vgl. MüELLEß, Etym. 
Wb. II, 27], vom verb. as. hlfdan, ags. hlfdhan [LEO 
299] deck», bedecken, schliessen. Wz. kal- decken, hül- 
len, gr. kuXov Augenlid vgl. FICK III 8 , 88; DIEF. Wb. 
H, 565; POTT WWb. I, 479; HW. s. v. celo u. a. 

I6d, n. Bretterwand in der Dreschtenne, wovon gewöhnlich 
das oberste Brett (flögge) herausgenommen ist, damit das 
Licht hereinfallt; über's löd auss'n schaug'n bei der 
löd-lucke hinausschauen; SCHOE. 378; SCHM. I a , 1437. 
Sicher zum folg. 

löd'n f m., plur. 1 ä d' n 1 ) dickes Brett (f 1 ö g g e) ; daher das 
Brett auf der Kegelbahn, worauf die Kugel läuft; dieses 
Brett reicht bei uns bis zu den Kegeln. 2) Krämerladen; 
dim. lädile; SCHOE. 357; LEX. KWb. 171; SCHM. P, 
1436; HOEF. H, 189; LOR. 80; BTTEHLER I, 72; 
SCHMID 338; STALD. H, 150. mhd. lade, laden [LEX. 
MWb. I, 1810; BM. I, 925 b ] Brett, Bohle, Fensterladen, 
Kaufladen vgl. WEIG. IS 892; DIEF. Wb. II, h57 f. 

löd'n, v. laden, belasten; einladen; löde.r, m., plur. loder, 
fem. 16 der in, plur. loderinnen diejenigen Personen, die 
zu einer Hochzeit laden; vgl. BEEIL. 303 a . 

Es gehen zwei Frauenzimmer (die Braut und eine 
Verwandte) und zwei Männer (der Bräutigam und ein Ver- 
wandter). (Jeberall, wo auch nur eine entfernte Verwandt- 
schaft vorhanden ist, wird zugesprochen; denn das loder- 
gelt mag auch ein Wolhabender nicht gerne missen. Frei- 
lich stehen schon wieder Kinder herqm, die mit Ungeduld 
warten, bis die Braut oder der Bräutigam schenkt, d* h. 
ihnen einen Groschen oder Sechser gibt. Oft, wenn das 
lodergelt ohnehin nur ein paar Sechser betrug,, muss das 
Brautpaar das Haus mit Schaden verlassen. Bei nahen Ver- 



144 

wandten bekommt die Braut indess ein Betttuch mit 
schönen Fransen oder wenigstens ein Stück Tuch. Die offi- 
cielle Einladungsformel lautet: hiotz göatis uns halt 
a m&ll alle frei af dio hoazit! Oder: seid lei sou 
guot und helft uns a wieder a m&ll weiter, also 
eine leise Anspielung mit dem Zaunpfahl , man möchte zur 
Bestreitung der Hochzeitskosten auch etwas beisteuern. 
Sind Kinder da, so lautet gewöhnlich der Zusatz: sc ho 
l&sst die kinder ä giani Doch die Kinder werden 
nur am Vorabende von den nächsten Verwandten mitge- 
nommen, wenn sie die Beisteuer in Naturalien abliefern 
als da sind: Milch, Butter und Boggen. Diese Beisteuer 
heisst das weisite (w. s.) und ein Kind, das mitgeht, 
heisst der weisithunt. 

löjdig, adi. ledig, unverheiratet; löidifetz'n, m. lediges 
d. i. aussereheliches Kind. 

laut, m. Leid, Betrübnis: roi und lävt; i hin deoht an 
lä-et gihät ich habe Schmerz über den Verlust einer 
Sache gehabt; adi. lä-edik, -ig, 2) lä«de, f. Verdruss, 
Eckel, Ueberdruss: dö mö'chsohe dechter dio läsde 
bikemm; verb. darlä'ed'n verleiden; SCHOE. 360; 
SCHM. I 2 , 1437; TOBL. 289*. mhd. leit, n. [LEX. #Wb. 
I, 1872; BM. I, 98 l a ] Leiden, Böses, Betrübnis, Schmerz; 
aber leide, f. [LEX. MWb. I, 1863] Leid, Schmerz, Be- 
trübnis. Von lithan gehen, vergehen, dahinschwinden 
PICK IIP, 269 f. 

löjte, f. eine durch Baumstämme künstlich gebildete Rinne 
über einen steilen Bergabhang, in welcher Bretter zu Thale 
gefördert werden» Man könnte glauben,, es sei das mhd. 
Jeite (LEX. MWb. I, 1872; BM I, 976 a ] Leitung, Füh- 
rung, Weg, auf dem gefahren, das Erz aus dem Bau 
geschafft wird. Allein das oi passt nicht dazu: es weist 
vielmehr auf älteres eu oder i vgl. auch SCHM. I 2 , 1528; 
SCHMID 351., Es muss also das mhd, lfte sein, welches 
auch (um 1400^ in der Form, von leute vorkommt [LEX. 
MWb. I, 1939] und ausser Bergabhang, Halde, auch Weg 
durch eine Uten bedeutet. Dieses gehört aber mit ahd. 
litä, ags. hlidh, gr. x>.itu<;, lat. clino zu Wz. kli- leh- 
nen FICK IIP, 88. 

IÖ9tik gan* so wie bei LEX. KWb. 181; dafür glättik 
z. B. glättigis eis. Also letzteres wol zu glatt. 

Iftst'n ,* v. leiten, besonders Wasser leiten ; SCHOE. 362 ; LEX. 

KWb. 176 f.; SCHM. P, 1527. 
leitkäf, m. Trinkgeld bei Abschliessung eines Handels vgl. 

KZ. XIX, 66 f.; FICK in», 268. 



145 

ISutem, v, reinigen, absondern; läuterkraut =s die wäd'l 
(Blätter) und die schwa-efe (Schweife) der Hüben; 6 läu- 
tern, v. die Rüben reinigen. 

lauterste, f. Lappen an einem Stabe zum Reinigen des Back- 
ofens; dann übertragen: eine lange, hagere Person; SCHOE. 
376; LEX. KWb. 174: läutrat, läutrit'n; cimbr. Wb. 
142 : leuterta, lauterta. Von läutern, lauter; 
WEIGL I», 914; FICK IE», ,90. 

lotter, m. Bettler, plur. lottern und lötter; dim. löt- 
terle; f. lütterin; verb. lottern betteln; g'lottere, 
n. Bettelei, auch lotterei, lotterwerch; lotter- 
spatzer, m. Bettelvogt, auch lottervock; krautlot- 
ter , m. die fratzenhaft aufgeputzte Fuchsscheuche in Kraut- 
äckern (bekanntlich sind süsse Rüben ein delikater Schmaus 
für Reinecke). Einige Kinderspiele beziehen sich hieher 
z. B. das lottern, lotterwischin, lotterjog'n, auch 
dawischilits. Ein durchs Los bestimmter (der lotter) 
muss so lange den übrigen nachlaufen, bis er eines erwischt; 
dieses ist dann der neue lotter; vgl. ZINGr. Ksp. 41; 
ROCHHOLZ 409. Ein anderes Spiel heisst lotterlisile. 
Ein durchs Los bestimmtes Kind ('s lotterlisile) legt 
sich nieder und stellt sich krank oder todt. Die andern 
Kinder gehen in einem fort herum und schreien: lotter- 
lisile, löbsche woll nou? ^Auf einmal schlägt 's lot- 
terlisile um sich und derjenige, den es erwischt, muss 
sich niederlegen und lotterlisile spielen; SCHOE. 399; 
LEX. KWb. 181; SCHM. P, 1540; SCHMTD 360; cimbr. 
Wb. 144 ft . mhd. lotter, loter, letter, loder [LEX. 
MWb. I, 1962; BM. I, 1044 a ] Taugenichts, Schelm, Gauk- 
ler, Possenreisser; lit. latras [NESS. Wb. 350*1 Spitz- 
bube, Taugenichts, Räuber, das aus dem Deutschen ent- 
lehnt zu sein scheint, während das Deutsche nach CURT.* 
365 Lehnwort aus lat. latro Söldner, Räuber, gr. XdcTpt; 
Söldner, ist, 

lutter, m. Staude: i schneid an lutter und schmier di 
brav 6 ich schneide eine Rute und peitsch dich tüchtig 
durch; auch sagt man: du bikimmst die lutt'l = 
Schläge; SCHOE. 405; LEX. KWb. 184; SCHM. I*, 1542. 
Das Wort ist bis jetzt unaufgeklärt vgl. GRASSM. Pfl. 
S. 207, 634. Vielleicht steckt in Holunder dasselbe Wort 
und es wäre dann aufzulösen in ho 1-1 unter. 

lattcrn, v. schlottern, nicht fest sein; adi. latterit z. B. 
a latterite house eine nicht fest anliegende Hose ; dar- 
lattern, v. schlotterig machen; subst. latterer, m. ein 
fauler Mensch; g'lattere, n., auch latterw*erch, n. 
schlotteriges Zeug; SCHOE. 372; 357; SCHM. I a , 1540. 
mhd. loter, lotter [LEX. MWb. I, 1962; BM. I, 1044] 

7 



146 

locker, leichtsinnig, leichtfertig. Sollte unser Wort nicht 
eine ältere Lautstufe repräsentiren und gleich sein an. latr 
faul , träge , lass ; gt. 1 a t a s träge , faul , as. 1 a t träge, 
spät, lat. lass us (st. ladtus) lass, lat|tn lassen? 

lätsch, m. Schimpfwort auf einen trägen, schlotterigen Men- 
schen; auch lktscher; latsche, f. (verächtlich) Mund, 
bes. mit stark aufgeworfenen oder hängenden Lippen; lat- 
schen, v. träge einhergehen; SCHOE. 372; LEX. KWb. 
173; SCHM. I 2 , 1542; STALD. II, 158; BIBL. 305 b ; 
SCHMID 338; cimbr. Wb. 141; BJEINW. I, 95; II, 84; 
FULDA 247; TOBL. 289*; HUEGEL 99; ML 49; WEG. 
30; WEINH. 51*; BERND 154; SCHMIDT 101; HOENIG 
105. mhd. laz [LEX. MWb. I, 1841; BM. I, 942 a ] matt, 
träge, saumselig. Zu lätan lassen vgl. DIEF. Wb. II, 
129; MGSpr. 276; KZ. VII, 185; FICK HI 8 , 263; WEIG. 
I 2 , 906 f. 

lätz, m., plur. latze; dim. latz'l dasselbe, was klänk 
(S. 131); latz'n, v. knüpfen, bes. ünlatz'n anknüpfen, 
6 latz'n abknüpfen; SCHOE. 372; LEX. KWb. 173; 
SCHM. I 2 , 1545; STALD. II , 158; SCHMID 345; cimbr. 
Wb. 141; BIßL. 308*; LOA. 82; WEINH. 61*; ZING. 
Wb. 40*. mhd. laz, latzes [LEX. MWb. I, 1842; BM. 
I, 942 b ] Band, Fessel, Hosenlatz. Aus it. laccio, sp. 
port. lazo, pr. latz, fz. lacs von lat. laqueus; DIEZ. 
I 8 , 240; WEIG. I 2 , 908; POTT WWb. IV, 587 f. Dieses 
laqueus nach FICK I 8 , 748 zu Wz. lak- biegen, beugen, 
bestricken. 

litze, f. 1) dünnes, schmales Band, besonders Schuhriemen: 
schuachlitz'n. Schon mhd. litze amentum bei DIEF. 
gL 30 a . Aus lat. licium, fz. lice; WEIG. I 3 , 957; 
licium eines Ursprunges mit laqueus vgl. das vörherg. 
Wort. 2) Laune, Temperament, besonders im schlimmen 
Sinne: dio litz'n kenn i schuon; SCHOE. 393; SCHM. 
I 2 , 1547; FULDA 277. mhd. liz, litze [LEX, MWb. I, 
1945; BM. I, 1040 b ] Begehren, Streben, Laune, Gelüste, 
ahd. liz [GBAFF H, 317], gt. lita [MGSpr. 278; DIEF. 
Wb. II, 151] Verstellung, Heuchelei. Als Basis betrachtet 
FICK III 3 , 269 gewiss richtig lätan lassen, vgl. das 
gleichbedeutende gelaeze, geläs; sieh oben S. 83 g'läs. 

lötze, f. in der .Redensart : a lötze davüntrog'n, a lötze 
zuruckläss'n eine Beschädigung, Verletzung davontra- 
gen, hinterlassen; SCHMID 354; TOBL. 296 b ; BUEHLER 
I, 76. Es könnte das simplex ,zu ver-letzen sein [LEX. 
MWb. III, 160; BM. I, 943 b ]. Wahrscheinlicher ist es aber, 
dass es das mhd. lecze, lecce, letze ist [LEX. MWb. 
I, 1852; BM. I, 957 b ] Lehre, Unterricht, Lection , von lat. 
lectio, also = ein Merks; DANN. I25 a ; vgl. auch locke. 



147 

läfer, m. der obere Mühlstein, der Laufer, opp. der lotger; 
SCHOE. 358; LEX. KWb. 174; SCHM. I», 1449; BlRL. 
307*. 

loufer, f. die an wunden Füssen sich abschälende Haut; auch 
von Kartoffeln, wenn sie durch das Sieden aufgebrochen 
sind und die Haut sich von selbst abtrennt; von morschen, 
verwitterten Felsen , von denen sich einzelne Stücke ablösen ; 
die Grundbedeutung also Hülse, Schale; adi. louferik; 
SCHOE. 395; SCHM. I 2 , 1450: lauf Schale, Hülse; FZ. 
IV, 176: löfen enthülsen vgl. WEIG. I a , 909 f.: die 
laufe. 

löFläffe, f. d. i. Löffel-laffe, der vordere Theil des Löffels 
(mit Ausschluss des Stieles) ; SCHOE. 358 ; SCHM. I 2 , 1447: 
die laffen palmula, tonsa Ruderblatt, mhd. laffa [DIEF. 
gl.407 c ; LEX. MWb. 1,1812], ahd. laffa [GR ÄFF H, 205] 
nalma, palmula, gt. lofa [DIEF. Wb. II, 154; MGSpr. 
278] flache Hand, an. lofi flache Hand, Hand, ags. lof, 
ksl. lapa planta ursi. Wol zu Wz. lapan lecken, ahd. 
laffan, mhd. laffen, lat. lambere, gr. XarcTsiv schlür- 
fen, lecken; FICK HI 8 , 266; 278; WEIG. I 2 , 961; POTT 
WWb. V, 266; SCHA. 2 530. 

luft, m. u. f. wie mhd. luft m. [LEX. MWb. I, 1977; BM. 
I, 1050*] vgl. SCHOE. 402; LEX. KWb. 181; SCHM. I 2 , 
1452; MAR. I, 43; TOBL. 302*; SENGSCHMITT Progr. 
zu d. Schotten 1852 S. 14. Ueber die zweifelhafte Etym. 
vgl. GRIMM Myth. 597; WEIG. I«, 975; FICK in«, 277; 
ZEH. 214; SCHA. 2 573. Ich stelle das Wort zu Wz. 
rup- brechen, reissen. Analog Sturm: Wz. star- ster- 
nere, gTop-svvuvai ; procella: Wz. kal- treiben, brechen; 
£ei[/.<äv: Wz. ghi- treiben, werfen. 

lauge, f. scharfes Waschwasser ; inlaug' n, v. die Wäsche in 
Lauge geben; SCHOE. 373; SCHM. I 2 , 1423. mhd. long e, 
ahd. lauga, an. laug, kaum zu lavare, Xouetv, wie 
BUGGE in KZ. XX, 12 und FICK HI 3 , 260 wollen, son- 
dern eher soviel als Salzwasser und verwandt mit an. lögr 
Meer, Nass, ags. lago, ahd. lagu. 

löig'n, v. legen; ünlotg'n anziehen (z. B. Kleider); ünlöi- 
ger, m. ein zur Arbeit unfähiger Mensch, der von Haus 
zu Haus in die Kost geht; ünlöige, f. so viel Garben, als 
man auf einmal zum Dreschen ausbreitet; holzlöxge, f. 
Ort, wo man das Holz aufschichtet; baulöige s. ob. S. 20; 
löiger, m. der untere Mühlstein ; Lagerstätte für das Vieh 
auf der Alpe. Hieher gehört wol auch das folg. 

logge, f. Lage, Schicht aufeinandergelegter Dinge; SCHOE. 
379 f.; LEX. KWb. 175; SCHM. I 2 , 1454; FULDA 256. 
Schon mhd. neben legen auch lecken, leggen [LEX. 

7* 



148 

MWb. I, 1857; BM. I, 957 b ] d. i. lekjan; WEIG. I», 
921 ; FICK HI 8 , 261 f. 

luag'n, v. schauen, bes. verstohlen schauen; subst. luager, 
luogerin; dim. luagerle; SCHOE. 401 ; LEX. KWb. 
182; SCHM. I 2 , 1462; HOEF. 11,223; MAR. 1,43; cimbr. 
Wb. 206; STALD. II, 183; CAST. 194; LOR. 85. mhd. 
luogen [LEX. MWb. I, 1987; BM.I, 1052 b l aufmerksam 
aus dem Versteöke (luoge, luoc) sehen, schauen, lug en, 
ahd. luogSn [GRAFF. n, 128] vgl. HZ. VI, 4; WEIG. 
I a , 976. Von luk- leuchten, glänzen, gerade wie das ähn- 
liche glunz'n (w. s.) eig. glänzen bedeutet, dann ein 
wenig schauen, mit halbgeschlossenen Augen sehen. 

lödhen, plur. eig. ein Lehengut; einige Wiesen in der Ge- 
meinde St. Jakob heissen öberlöehen; SCHOE. 377; 
SCflM. P, 1463; BIRL. 309 b ; POPOWITSCH Vers. 328 ff. ; 
WEIG. T a , 922. Von leihen FICK HI«, 269. 

lall, v., umhaläll d.i. -lallen die Zeit vergeuden ; läller, 
m. und lalle, lolle, f. subst., auch lallile dumme, kin- 
dische Person; SCHOE. 362; LEX. KWb. 171; SCHM. I a , 
1469; SCHMID340; STALD. H, 178; TOBL. 290; cimbr. 
Wb. 142; VATER 44; FULDA 249; LOR. 81; Idiot. 
Aust. 90; HUEGEL 98; KLEIN I, 272; BÜEHLER I, 
72 u. a. mhd. lallen, lellen [LEX. MWb. I, 1815; BM. 
I, 929*] m ft schwerer Zunge sprechen, lallen, ahd. lallo, 
lala [GRAFF II, 209] n. pr., an. lalla. Ein lautmalen- 
des Wort vgl. skt. lalalla [BR. VI, 514], lal* tändeln, 
scherzen, spielen, sich frei gehen lassen, gr. loüdM, lat. 
lallus, lit. lal-6ti; FICK I 8 , 747; WEIG. I 3 , 876; 
POTT WWb. II, 1, 552; CURT. Stud. VHI, 452 ff. r 

lull, v. d. i. lullen saugen, wie die Kinder am Daumen oder 
am Sauglappen (pfotsch s. Nachtr.); luller, m. nom. 
agentis und Sauglappen; dann auch die Tabakspfeife; 
SCHOE. 402; LEX. KWb. 182; SCHM. I*, 1469 f.; 
WEINH. 55 a ; STALD. H, 184; TOBL. 304; brem. Wb. 
m, 98; SCHILL. LUEBB. H, 718; WEIG. I*, 977; 
SCHROE. Gottsch. 163; DIEF. gl. 565 b s. v. sugere: lal- 
len, leillen; nov. gl, 315 a : lallen. 

lump, m. Lump, Schelm, oft gar nicht im schlimmen Sinne; 
dim. lümpile oft = ein pfiffiger Kerl; g'lump, n. wert- 
lose Sache, auch g'lümp, dieses auch = penis; SCHOE. 
403; SCHM. I a , 1474 f. mhd. lumpe [LEX. MWb. I, 1982] 
Lumpen, Fetzen; WEIG. P, 978. Eines Stammes mit lap- 

&en, skt. Wz. lamb-, ved. ramb- [BR. VI, 505; 
RASSM. 1149] schlaff herabhängen, niederhangen, gleiten, 
fallen. 
limmb'l, m. Limmel, wienhd. ; b&chinmuesslimmb'l star- 
kes Schimpfwort; SCHOE. 392. mhd. limbel [LEX. MWb. 



Li 



149 

I, 1922; BM. I, 998 ft ] Schuhfleck, aus lat. limbulug von 
limbus. Anders WEIGL I 2 , 977; FZ. m, 191, 81. 

laun d. i. launen, v. absolut und mit einem: schmollen, ver- 
driesslich sein auf jem. ; dafür sagt man auch köpf 
m Achin; SCHOE. 374; LEX. KWb. 174; SCHM. P, 1478; 
cimbr. Wb. 141 b ;' FULDA 253; ZINGh Wb. 40*; EICH. 
157; SCHTZ. m, 63. mhd. lünen, part. gelünet ge- 
launt [LEX. MWb. I, 1933 ; BM. I, 1051*] von lüne 
Mond, Mondphase, Veränderlichkeit, Laune des Glückes, 
wechselnde Gemütsstimmung des Menschen, Laune, Neigung, 
Gesinnung. Von lat. luna vgl. HZ. VT, 133 f.; GRIMM 
Gesch. 1026; WEIG. I«, 911; POTT WWb. HI, 250. 

Illen, v. d. i. lüonen nur vom Brüllen des Rindes und des 
Esels ; wol auch übertragen auf das Weinen der Kinder ; 
adi. lüonit: a lüonite ku9; subst. lüener der immer 
weint und ein einmaliges Brüllen des Rindes ; SCHOE. 39 1 ; 
LEX. KWb. 182; SCHM. I», 1402; cimbr. Wb. 206; 
SCHMID 364; BIRL. 319*; FULDA 261; 271; TOBL. 
308*; SCHILL. LUEBB. U, 717; brem. Wb. IH, 56; 
BUEHLER I, 73; ZING. Wb. 41 b . mhd. lüejen, lüe- 
gen, lüewen, lüen [LEX. MWb. I, 1976; BM. I, 1050*] 
brüllen, ahd. hlöjan, löhan, löwan, luogan, luan f 
luon [GRAFF IV, 1096], ags. hlövan. Das Wort mit 
FICK HP, 259 zu skt. Wz. rä- bellen, anbellen, zu stel- 
len, verbietet das ahd. und ags. Wir haben vielmehr eine 
Wz. kla-, kal - anzusetzen, lat. ckmare, gr. x&Xetv vgl. 
auch KZ. Vm, 266; SCHMIDT Voc. II, 455. 

ifin = lahm. Nach einer eilten, schauderhaften Sage soll man 
einst eine Stimme gehört haben, dass die Bewohner eines 
Ortes im Iselthale in Zukunft sein sollen: krump und lün, 
ün und ün d. i. krumm und lahm überall. Die Form ist 
alterthümlich und schliesst sich mehr an mhd. lüeme, md. 
lume, ahd. luomi an; LEX MWb. I, 1977. 

Iftne, f. Lawine. Man unterscheidet wintläne und kremm- 
läne (w. 8.); auch ein verb. länen wird gebraucht, 
namentlich inlän d. i. inlänen durch die Lawine ver- 
schütten; davon läner (auch länsträf) eine Bergleite 
ohne Bäume, die eben durch eine Lawine zu Thal geführt 
worden. Die läner haben verschiedene Namen z. B. 
holzläner, grüanläner, weitläner, grodsläner 
u. s. w.; SCHOE. 364; LEX. KWb. 173; SCHM. I a , 1400; 
BUEHLEE, I, 80. ahd. lewina [GRAFF H, 297] Sturz- 
bach, Grebirgssturzbach , aus churwälsch lavin a, mit. 
lavina, labina, wol von labi vgl. WEIG. I a , 915; 
KEHKEIN Fremdwb. 385 a ; anders ZEH. 134. 

töne, adi. weich z. B. Eier, Mus; träge, faul; lenigkit, f. 
Weichheit, Trägheit, Faulheit; lgnd'l, m. ein träger, fau- 






150 

ler Mensch; verb. lend'l d. i. 1 endein, umha-lend'l 
trag herumgehen ; SCHOE. 361 ; 381; LEX. KWb. 177; 
SCHM. I«, 1478; HOEF. II, 206; SCHMID352; LÖß. 83; 
HUEGEL 101; WEINH. 50 b . Eines Stammes mit lind, 
lat. lenis, schon ahd. leni [GRAFF II, 218] weich, 
gelind, sanft, lentus, Wz. lan* weichen, nachgeben vgl. 

jfick m 8 263- weig. i* 952. 

lüna und luner, m! der Achsnagel; SCHOE. 403; LEX. KWb. 
182; SCHM. I», 1482; SOEF. II, 194; cimbr. Wb. 144*; 
SCHROE. 73; II, 281*; STALD. II; 178; TOBL. 304; 
SCHMID 361; SCHMIDT 105; REINW. I, 98; SCHAMB. 
127; brem. Wb. IH, 100; BIRL. 320; 318; VTLM. 255; 
CAST. 186; KRAM. 77; FULDA 264; 276; LOR, 81; 
KLEIN I, 285; BUEHLER I, 297; WEG. 32; P0PO- 
WITSCH Vers, 321; DANN. 129* ; DAEHN. 287»; 
SCHILL. LUEBB. II, 743; GRADL in KZ. XIX, 53; 
DIEF. nov. gl. 241 a s. v. luna. mhd. lun, luner, lunse 
u. a. Formen [LEX. MWb. I, 1982; BM. I, 1051*] Achs- 
nagel, Lünse; WEIG. I 2 , 980. Es ist nichts anderes (so 
trivial es auf den ersten Blick scheinen mag), als lat. luna, 
lunula, welches schon in übertragener Bed. vom mond- 
oder halbmondförmigen Schmucke, einer Art Spange, 
gebraucht wird ; vgl. auch bei DIEF. gl. und nov. gl. die 
Artikel lunula; dessen mit. Wb. s. v. lunula: eyn for- 
spange; ein spenglin als ein mon; vgl. auch 
DUGANGE s. v. Es ist also unser luna von der mond- 
oder halbmondförmigen Radsperre gebraucht. Dem wider- 
spricht nicht das wend. lunek pARN. 83] Lohner, Aehs- 
nagel, da ja das altslav. louna [MIKL. 344] selbst aus 
dem lat. entlehnt ist; anders SCHA. a 577. 

länt, n. die Fremde, das Ausland; das flache Land, im Ge- 
gensatz zum Gebirge ; afs läntgionindie Fremde gehen ; 
von lande kemm von der Fremde kommen; ban länt 6 
über das Iselthal hinunter bis Lienz; SCHOE. 364; LEX. 
KWb. 172; SCHM. I*, 1483; BUEHLER I, 74. 

leitt'n, v., namentlich z u 9 1 e n t' n einschlagen bei einem Kaufe, 
den Handel beendigen, auch zusagen; vgl. LEX. KWb. 
177; SCHM. I 2 , 1486; BIRL. 312 b ; FULDA 261; LOR. 
83; WEINH. 53 a . mhd. 1 enden [LEX. MWb. I, 1878 f.; 
BM. 1 , 938 & ] landen , ans Ziel , zu Stande bringen, beenden, 
ahd. lantjan [GRAFF II, 239]. Zu lant; FICK 
IH 3 , 265. 

.läng und l&nk lang, wie nhd. ; zu bemerken ist biläng d. i. 
belangen, aber nur in der mhd. Bed. lang dünken, lang- 
weilig sein z. B. der wöig bil&ngg ml der Weg dünkt 
mich zu lang vgl. LEX.' MWb. I, 170; BM. I, 933*; 
SCHM. I*, 1490; SCHMID 341. 



lhl 

langis, m. der Lenz: dav. auch ein verb. langislin es zei- 
gen sich Spuren des Frühlings; SCHOE. 367; LEX. KWb. 
172; SCHM. I», 1491; ROS. 199; BIRL. 304 b ; BUEHLER 

I, 73; ZING. Wb. 40* ; SCHROE. Gottsch. 153; STALD. 

II, 156; cimbr. Wb. 141 b . mhd. lenze, aber -auch l*»*v 
lengest, langez, langeze [LEX. MWb. I, 1882; BM. 
I, 965 a ], ahd. lenzo [GRAFF II, 242], ags. lencten, 
1 engten. Nach GRIMM Gesch. 73 zum Stamme lang, 
vom Längerwerden der Tage, was zwar möglich, mir, aber 
nicht wahrscheinlich scheint. Andere bringen es mit dem 
slav. letQ [MIKL. 351 a sagt aber: ne cogites de germ. 
lenz] Sommer, Jahr, zusammen vgl. KZ. XIX, 5; KB. II, 
130; SCHMIDT Voc. I, 86; dies ist wahrscheinlicher. 
Allein auch die Wz. lan- liegt nicht ferne und es konnte 
der Frühling vom Aufgehen des Schnees benannt sein. 

lenke, f., cum. lenk'l eine Vertiefung im Boden, besonders 
die Vertiefung bei den Bergübergängen von einem Thale i n 
das andere, daher auch die speciellen Benennungen: s&nt- 
lenke, groasslenke, wasserlenke u. ä. Das Wort 
i3t aus dem slav. entlehnt vgl. lit. 16nke [NESS. Wb. 
357 a ] eine Wiese zwischen zwei Anbergen, eine Vertiefung 
im Terrain; daher auch eine niedrige Stelle im Acker, 
lankä eine Flusswiese, eine Wiese am Wasser, ksl. 
l%ka Wiese, Sumpf, lqcü Bogen, lat. lacuna, licinus, 
limus [anders CORSS. Ital. 328], Wz. lank- biegen, beu- 
;en, wozu ich auch das deutsche lenken stelle; FICK 
~>, 449; POTT WWb. HE, 260 f.; SCHMIDT Voc. I, 107; 
EW. s. v. lacero; MIKL. Ortsnamen II, 53. 

leinische, f., plur. leinischen die feinen wollartigen Fasern, 
die sich von Linnen, aber auch von Wollstoffen, ablösen; 
SCHOE. 384 Es scheint ein substantiviertes Adj. zu sein 
vgl. mhd. linisch = linin leinen, von lin, worüber zu 
vgl. HEHN Kulturpfl.* S. 511 f.; 8 522 f. 

luenze , f. nach der Versicherung meiner Mutter Messen , die 
Alten die Schafe luonz'n. Ich selbst kenne das Wort in 
dieser Bed. nicht mehr, sondern nur als Schimpfwort , etwa 
wiö happl (w. s.) od. göre (w. s.). In Kärnten bedeutet 
lunze träger Mensch [LEX. KWb. 182], was wol< zur 
zweiten Bed. allenfalls stimmte ; vgl. DIEZ II 3 , 42 ; REGEL 
232; STALD. H, 186; WEINH. 55. SCHOE. 363 führt 
an lambiz Mutterschaf und es wäre wol möglich, dass 
lambize zu ludnze geworden. 

lanz'l, v. langsam, träge arbeiten; umhalanz'l unthätig 
herumgehen ; verlanz'l z.B. die Zeit, vergeuden ; SCHOEj 
367; LEX. KWb. 172; 177; SCHM. I 2 , 1495. mhd. lunz 
[LEX. MWb. I, 1984] Schläfrigkeit. Sollte nicht in fau- 
lenzen der zweite Bestandtheil dasselbe Wort ehthaltein? 



s 



152 

vgl. SCHROE. H, 280 b f.; REGEL 232, also faul-lenzen. 
WEIGr. I a , s. v. sieht -enzen als Bildungssilbe an. Die 
Basis ist wol lan, lennan weichen, nachgeben, wozu auch 
lind, lentus; PICK HI 8 , 263. 

lauer, m. Trichter, durch welchen der weiche Teig beim 
straub'mbächin spiralförmig in die Pfanne geträufelt 
wird; auch straub'mlauer. SCHOE. 373 hat lauer ein 
grosser Trichter, besonders um Wein aus den Fässern zu 
lassen; 718: straubenlorl; cimbr. Wb. 203 b : laur 
Trichter, 263: Iura und lur; bei SCHN. 153 venez., 
mant., veron. lora, bresc. cremon. Iura; HOEF. II, 224; 
LOR. 85* ; ZING. Wb. 40 b ; VILM. 249. In der Gegend 
von Brixen heissen die Knaben die Gruben, in welche sie 
die Schusser we rfen, lüren. mhd. kommt zwar lür vor: ein 
Gefäss [LEX. MWb. I, 1989; Germ. XVI, 78], es ist mir 
aber zweifelhaft, ob es dasselbe Wort ist. mhd. Iure, ahd. 
Iura [GRAFF II, 244] bedeutet nur Nachwein, Trester- 
wein. Unser Wort scheint aus lat. Iura lederner Schlauch, 
zu stammen, welches Wort viell. mit l&rum verwandt ist. 

lerch, m. ein Lerchenbaum; lerchin adi.; Sprichwort: a 
mensch wie a lerch. Daher auch die Eigennamen ler- 
cher, larcher, kleinlercher, grosslercher. Ferner 
gehört hieher lörget, f. Lärchenharz; lörgithuder, f. 
ein Lappen, in dem lörgit vermischt mit Kohlen sich 
befindet, womit sich die Knaben ihre Peitschen (gä-Bss'l) 
schmieren (lörgit'n); SCHOE. 169; LEX. KWb. 178; 
SCHM. I», 1501; cimbr. Wb. 206 a ;ZING. 4t b . mhd. 
larche, lerche aus lat. larix und dieses hängt mit lar- 
dum, laridum Fett, zusammen vgl. DIEF. Celt. I, 62; 
GRASSM. Pfl. S. 212; WEIG. I 3 , 937. lörgit ist mhd. 
loriet [LEX. MWb. I, 1955]. lörgit heisst man auch, 
die Flüssigkeit, die aus dem Euter trächtiger Kalben aus- 
gemolken werden kann: si geit schuon lörgit.' 

Iö|rl, m. ein dummer Mensch; SCHOE. 397. 

lur!, d. i. lürlen, v. jodeln; lürler, m. Jodler und der 
jodelt; SCHOE. 404; LEX. KWb. 182. Lautmalendes Wort. 

leir'n, v. träge herumgehen; umhaleir'n dass. ; leirer, m. 
Faulenzer; g'leire, n. das Faulenzen; SCHOE: 384; LEX. 
KWb. 176. Zu leier, lyra. 

IÖBNI, v. lernen und lehren, wie bei SCHOE. 386; LEX. 
KWb. 178; SCHM. I 3 , 1499; übrigens schon im mhd. ver- 
wechselt vgl. ZARNCKE zu Brant 298. 

lurschz'l, v. schlürfen, trinken, bes. viel; subst. lurschzler, 
m., lurschzl, f., auch lurschzlerin die gern und viel 
trinkt; k4f§lurschzl; SCHOE. 406; 369; LEX. KWb. 
184; SCHM. P, 1451: sauffen, lefern, lurzen; KERL. 



153 

321 b ; LOR. 85; HUEGEL 103; Idiot. Aust. 90; KLEIN 
I, 291. Vielleicht zu Iura vgl. lauer. 

lurvis, m. Verlust: in lurvis gion verloren gehen. Ich 
finde das Wort sonst nirgends. Es scheint sich an das 
simplex von ver-lieren anzuschliessen , wenn es nicht 
viell. aus lari fari hervorgegangen ist. 

168, n. Name einer Waldgegend; SCHOE. 369; LEX. KWb. 
181. Wol slav. und zu dem von MIKL; Ortsnamen II, 52, 
296 behandelten lazü gehörend. 

läse, f. das Geleise, welches im Winter ein Schlitten im 
Schnee macht (in dieser Bed. auch lä-ese, plur. l&tts'n); 
dann auch = eine Art Schlittensohlen, auch fuchs oder 
lassbröit genannt, die in den Wald mitgenommen wer- 
den, um ein Heu- oder Streufuder über ebenere Stellen 
leichter befördern zu können. Es ist wol nur = Geleise 
vgl. SCHOE. 369; SCHM. I», 1511; MI. 49 b . mhd. leis, 
leize [LEX. MWb. I, 1869] Spur, Geleis; PICK HI* 272; 
SCHA.* 543. 

löspern, v. leise reden, flüstern; g' lös per e, n. leises Reden; 
BUEHLER I, 279. Eines Stammes mit lispeln, mhd. 
lispen [LEX. MWb. I, 1936; BM. I, 1010*] durch die 
lfe'spe ( Lefz e) sprechen , 1 i s p e 1 n balbutire , lisper balbus, 
blesus; WEIG. I a , 955. 

tische, f. 1) langes Berggras; bei LEX. KWb. 179: liesch 
ca rex v ulgaris ; 178: leschka üppig wachsendes Berggras ; 
SCHILL. LUEBB. H, 670 b : lesch, lesk, liesk; bei 
DIEF. gl, 101 ft s. v. carectum luysbosch, lesche; unter 
carex: lesch, luyes; nov. gl 75 b : lues-bosch, liesch, 
lessen; bei GRAFF II, 281 lisc a filix, carex, lescscir- 
pus, papirus vgl. auch LEX. MWb. I, 1913; BM. I, 984 a ; 
WEIGK I*, 951; auch wend. lozh Moosheu, Riedgras, 
lozhje Binsengewächs [GUTSM. 518*]; FULDA 265. 
Das Wort findet sich auch in den rom. Sprachen: ital. 
li s c a Halm , Gräte , piem. lesca, mail. lisca, fz. laiche 
Riedgras. Nach DIEZ I 8 , 251 ist dasselbe Wort ital. lisca, 
piem. lesca, cat. llesca, neupr. lisco, lesco, fr. leche 
mit der Bed. feine Schnitte von etwas. Der Name scheint 
also ursprünglich, wie GRASSM. Pfl. 242 meint, etwas 
fein zertheiltes zu bezeichnen; vgl. auch SCHA. 2 563 a . 
2) lische oder lösche, f. grosse Feuerflamme. Was ist 
das? Ist es vom hochwachsenden lieschgras auf das 
hoch auflodernde Feuer übertragen? Oder gehört es zu 
löschen? Oder zu lohe, gebildet vom intensivum 
lohezen? 

ItSt, n. od. löst! das letzte, namentlich 's löstl ('s löst- 
tatsch'l) göxb'm das letzte geben, ein Scherz, wobei es 

8 



154 

darauf ankommt, wer dem andern den letzten Streich bei- 
bringt; SCHOE. 387; LEX. KWb. 178; SCHM, I 2 , 1524. 

läster, n. Laster, wie nhd. ; es ist aber auch Schimpfwort in 
nicht gerade schlimmem Sinne ; ebenso das dim. lasterle; 
verlästert part., klä-en verlästert = mit allen Sal- 
ben geschmiert; SCHOE. 371; LEX. KWb. 173; SCHM. 

^ I 2 , 1522; WEIG. I a , 905. 

Iis'n und lou^'n , w. horchen , aber die verba sind in der An- 
wendung nicht gleich; lis'n ist nur intr., während 1 o u s' n 
auch trans. sein kann: hören machen, zu hören geben, 
sagen, erzählen z. B. man kann sagen: lis'n undlous = 
horche! aber man kann nur sagen: göo her, i lous dier 
öppis geh her, ich sage dir etwas (in der Stille); subst. 
lisner und louser in der Redensart: der lisner 
ouser) bei der wänt, hörarst sein eigene schänt; 
iCHOE. 393; 398; LEX..KWb. 180; 182; 181; SCHM.I 2 , 
1515; cimbr. Wb. 144*; HOEF. II, 314; MAR. I, 41 ; 
FULDA 269; TOBL. 306 a ; LOB,. 84; 85; BUEHLER I, 
75; ZING.Wb.41 b ; SCHROE 187 a ; Gottsch. 163; REGEL 
232; VILM. 240; SCHMID 362. mhd. lusenen, lüsenen, 
lusnen, lüsnen, lusen, lüsen, auch lusemen, lus- 
men [LEX. MWb. I, 1990 f.] horchen, losen [LEX. 
MWb, I; 1957; BM. I, 1043 a ] hören, Acht geben, zuhören, 
horchen, ahd. hlosen [GRAFF IV, 1102], Wz. kru-, skt. 
9ru-, gr. xM-co, lat. cluo; vgl. CURT.* 150; WEIG. I 2 , 
969; FICK HI 8 , 89 f.; POTT WWb. I, 713 ff. 

low = lau; SCHOE. 376; LEX. KWb. 173; SCHM. I 2 , 1397. 
mhd. lä, lawes, aber auch schon Formen wie laewe. 
lab, lßw, lob [LEX. MWb. I, 1805; BM. I, 921 a ; DIER 
gl. 578 b ; nov. gl. 361*>] lau, ahd. läo [GRAFF H, 294], 
an. hlaer (d. i. hlavjas) FICK III 3 , 88; WEIG. I 2 , 908; 
WACKERN. Wb. 172; DIEF. Wb. H, 266. Viell. zu Wz. 
kar- brennen, skt. (jra-, lat. calidus, calere FICK 
I 3 , 44; SCHA. 2 535. 

löawe, m., dim. löawile Löwe; auch übertragen auf einen 
unbändigen Burschen? LEX. KWb. 181; SCHM. I 2 , 1544; 
HEHN Kulturpflanzen 2 61; SCHA. 2 547. . 



mäe, m. der Mai, auch mäein. Am ersten Mai wurde in 
früherer Zeit mäeinkouch gikocht (s. kouch); m&ain- 
floite, die aus der Rinde verschiedener Gesträuche fabri- 
cierte Flöte^ dav. auch verb. mäoin z. B. es mäet si 
= man kann die Rinde der Gesträuche abziehen. Bevor 
die Rinde abgezogen wird, schlagen die Knaben mit dem 
b k x e (w. s.) auf das Holz , um die Rinde locker zu machen 
und singen dazu: 



155 

flotte, flotte mai*de t 

oder i daschneVde , 

oder i daschnitz de, 

oder i dawichs de, 

wirf di auhin afs h oQchdäch, 

fällst du ovhar in bump abhch , 

di do t d tdd , 

voich der kätz'n in bhlk 61 

Aehnjich in Kärnten LEX. KWb. 184; vgl. SCHOE. 412; 
[SCHM. I a , 1549 ff. ; STALD. II, 193 ; SCHUETZE HI, 72. 
mhd. meie, meige, maye, meije n. a. Formen [LEX. 
MWb. 1, 2072; BM. II , 92*1, ahd. meio; WEIG. H a , 12. 
Aus lat. maius vgl. GRIMM Gesch. 76; WEINH. Monatsn. 
S. 50. 

mei! ein Ausruf der Ablehnung. Es ist nicht das it. ma 
[SCHOE. 406], sondern es ist gekürzt aus a mein Gott! 
welches in gleicher Bed. gebraucht wird; desgleichen auch 
a mei! SCHOE. 431; LEX. KWb. 188; SCHM. I 3 , 1616. 

mächen, v. machen, wie nhd. mit den Abweichungen bei 
SCHOE. 407; LEX. KWb. 183; SCHM. I 3 , 1556. Zu 
bemerken etwa: mäch er, m. penis, auch gimach (daher 
letzteres wol hieher zu stellen, und nicht mit LEX. KWb. 
183 zu mag an posse); mach'l'n, v. kleine Arbeiten ver- 
richten , besonders Tischlerarbeiten ; subst. m a c h 1 e r ; 
mächite, n. darunter versteht man namentlich die Ingre- 
dienzen, welche das Kraut und die Gerste würzen z. B. 
Kartoffeln, Bohnen, Erbsen, Fisolen, gute Milch, auch 
Butter und Fleisch; mächt, f. wie nhd.; über mächt 
(mächts) öss'n gezwungener Weise, ohne Appetit essen; 
SCHOE. 408; LEX. KWb. 183; SCHM. P, 1563; ZISKA 
Prob. H, 6; WEINH. 59; RUED. H, 99; SCHROE. 
Gottsch. 163 u. a. 

mock, m. ein Gegenstand, der zu sehr gedrungen, daher 
spröde ist z. B. lehmige Erde, sprödes Holz, von dem sich 
leicht Brocken ablösen, namentlich bedeutet mock (wie 
mälz w. s.) das bröckliche in einem Brode, welches nicht 
die richtige Gährung durchgemacht hat oder aus verdorbe- 
nem Mehle bereitet ist; acß. mock ig spröde im allgemei- 
nen; daher auch auf Menschen übertragen, die nichts 
ertragen können, bei jedem Wörtchen zornig, verdriesslich 
werden und schmollen; SCHOE. 441; SCHM. I 2 , 1566; 
VATER 43; HOEF. II, 264; LOR. 90; STALD. H, 212; 
TOBL. 319 f.; KLEIN II, 18; FZ. V, 403, 117; VI, 232; 
FIRMENICH I, 464, 229; 467, 363; VILM. 258. mhd. 
mocke [LEX. MWb. I, 2193; BM. II, 215 b ] Klumpen, 
Brocken, bildlich plumper, ungebildeter Mensch. Ich stelle 
das Wort zu Wz. mak- zermalmen, kneten, skt. mac- 
[BR. V, 430], gr. [aooc-, [/.ay- in [/.±<j<jcd (d. i. [xaK-jco), pQcy&{>$ 

8* 



156 

Bäcker, (/.£& , lat. macerare [H W. s. v. macer], lit. m i n- 
kau knete, mink-sz-ta-s weich [NESS. Wb. 401], ksl. 
m^ka Mehl, m§kükü weich [MIKL. 395; 393] vgl. FICK 
I 3 , 168; HI 3 , 226; CURT.* 326; POTT WWb. HI, 561; 
KZ. XIX, 151. 
moud'l, m. der Model, Form, Gestalt; noch in moud'l d. i. 
nach dem Model = wie es scheint; möid'l heissen auch 
die färbigen Bänder, die vorne auf die Bettücher, Hemden 
u. d. gl. genäht werden; SCHOE. 441; LEX. KWb. 191; 
SCHM. P, 1571; STALD. II, 212 u. a. mhd. model, ahd. 
modul Mass, Form, Vorbild, Modell, aus lat. modulus; 
WEIG. II*, 118. 

mutfl, f. ein fabelhaftes Wesen. 

Die Sage erzählt, ein Hahn lege alle 7 Jahre ein Ei, Da trug e» 
sich zu, dass in Kais (Seitenthal des IselthalesJ ein altes Weib, das im 
Bufe einer Hexe gestanden, ein solches Ei ausgebrütet habe, indem es das- 
selbe beständig unter den Armen trug. Daraus gieng ein monstrum von 
einem Thiere hervor, das keinem andern Thiere gleichsah. Dieses Thier 
sperrte man eine Zeitlang in einem Zimmer ein, weil man sehen wollte, was 
daraus werde. Da begann alsbald das Thier mit seinen mächtigen KraUen 
den Fussboden aufmreissen. Nim wollte man es im Wasser ersäufen und 
warf es im, den Fluss. Allein bevor der Mann, der das Thier in einem 
Sacke in den Fluss geworfen hatte, nach Hause kam, war schon die mutfl 
zu Hause hinter dem Herde. Als der Mann, — er hiess hauserle 
(= Balthasar) — in die Küche trat, redete das Thier ihn an: hauserle, 
bist du trocken? Nun ergriff grosser Schrecken die Bewohner des 
Thaies; alles benedicieren half nichts. Man warf es zu wiederholten Malen 
in den brennenden Ofen, allein es sprang immer wieder heraus. Endlich 
gelang es einem frommen Pater, das ühthier im brennenden Ofen festzu- 
bannen. Mit einem furchtbaren Knalle verduftete die mutfl. 

Ueber ähnliche Sagen vgl. unter andern GRIMM Wb. 
IV, 2, 166: Hahnenei; ZING. Sitt. 2 82; Sag. 129; ALPEN- 
BURG 376; WOLF Beitr. z.d.Myth. I, 250; MUELLEN- 
HOF Mährchen u. Lied. d. Herzogth. Schlesw.-Holstein u. 
Lauenburg 237; BIRLINGER Volksthüml. aus Schwaben 
I, 123; LEOPRECHTING Aus dem Lechraine 78; LUE- 
TOLF Sagen 353 ; SCHOENWERTH Aus d. Oberpfalz I, 
348; MEGENBERG Das Buch der Natur 192. 

moder, m. der Marder; SCHOE. 410; LEX. KWb. 183; 
SCHM. I 3 , 1568; HOEF. H, 227; BIRL. 324; FULDA 
282; KLEIN H, 4; FZ. DI, 465; IV, 55; VI, 176. Schon 
mhd. neben mar der auch mader [LEX. MWb. I, 2044; 
BM. II, 68 a ]. Aus mlat. mardarius, mar dar us, mar^ 
dalus, martus, lat. martes; WEIG. II 2 , 29. 

möldritöt, m. f. dasselbe, was triagg Theriak vgl. LEX. 
KWb. 191; SCHOE. 440; SCHM. I», 1690; WEIG. tP, 110. 

möldrizin, f. = Medizin; ebenso auch bei LEX. KWb. 188. 

mott'n, v. glimmen, unter der Asche fortbrennen; mottilin, 
v. einen Brandgeruch haben ; SCHOE. 445 ; LIJX. KWb. 
192; SCHM. P, 1693; TOBL. 320; STALD. H, 315. vgl. 



157 

mhd. xnot [LEX, MWb. I, 2210; BM. II, 225*] schwarze, 
torfartige Erde, Moor, Morast; WEIG. H a , 167 s. v. 
mutich. 
jpifistter Matter, wird selten gebraucht , dafür a m m e ; Scherz- 
rebus: wer ist mefmuetars kua bruader? dim. jnüat- 
terle, auch müalterle das Mutterhäckchen vgl. kräm- 

6ile; altmuotter die Beisteherin der Braut bei einer 
Hochzeit; stiof-, auch stoifmtioterle viola trieolor; 
SCHOE. 447; LEX. KWb. 194; SCHM. I 8 , 1698 f. 

mutftcb'l , v. d. i. mutschein mit der Hand suchend in der 
Tasche henungreifen ; subst. mutschier. Es ist das intens, 
zu mudeln bei SCHOE. 449; LEX. KWb. 192; SCHM. 
I 9 , 1571 u. a. ; vgl. auch murgg'l. 

matschen, v. zermalmen, zerquetschen, auch damatschen 
matsch adi. adv. zerdrückt, zerquetscht; SCHOE. 428 
LEX. KWb. 187; SCHM. I», 1699; HOEF. II, 238; MI 
52; SCHULTZE 40; HOENIG 112; SCHAMB. 131 
SCHMIDT 110; CAST. 195; HUEGEL 106; BERND 169 
VILM. 263; STALD. II, 200; FZ. H, 234; HI, 468; V, 
155. Gewöhnlich leitet man das Wort ab von it. marciare 
in Fäulnis bringen vgl. KZ. XXI, 69; WEIG* DP, 46. 
Sicher ist dies keineswegs. Zunächst kommt noch in Be- 
teacht das slav. mushkati [GUTSM. 223; 525 a ] quetschen, 
meshkati weich drücken [GUTSM. 522; IARN. 75], die 
kaum entlehnt sind. Anknüpfung an skt. math- rühren, 
drehen, quirlen, zausen, quälen, gr. (ji&foc Schlachtgewühl, 
ksl. m§sti [Ml K L. 393] turbare, halte ich nicht für unmög- 
lich; POTT WWb. IV, 273. 

mötzgarn, v. schlachten, besonders verächtlich langsam zu 
Tode befördern; auch überhaupt langsam schneiden; subst. 
motzger. Eine Sprechübung lautet: "mötzger, wötz 
mar mei~ muetars mössa bössa = Metzger, wetze 
mir meiner Mutter Messer besser; SCHOE. 437; LEX. 
KWb. 190; SCHM. I 8 , 1702. mhd. metzjen, metzigen 
schlachten vgl. WEIG. II», 86 f.; DIEZ I 8 , 269. 

mötzmflly f. eine Mühle, die um die metz, d. i. um den gesetz- 
lich dem Müller zufallenden Theil, Korn zum Mahlen über- 
nimmt; mötz'n, v. diesen Antheil nehmen; SCHOE. 436; 
LEX. KWb. 190; SCHM. I» f 1705, Zu messen; WEIG. 
H a , 86. 

millfl, n. in einer Alpenhütte derjenige Theil, der ober der 
Küche liegt und wo die Hirten gewöhnlich schlafen; vgl. 
das kämt, mauf , m. das obere Stockwerk des Hauses, der 
Boden über der Hausflur. Es ist, wie schon LE3C» KWb. 11 
[vgl. VATER 43] vermutet, nichts anderes, ala ein ver- 
kürztes oben auf, wie man denn bei uns statt »oben auf" 
gewöhnlich „im aufe* sagt. 



158 

^^^— ■ ■ i^» — ■-■ — -» — ■ 
/ 

mivern , v. sich umthun , sich rühren , besonders bei der Arbeit 
sich umthun, rasch etwas verrichten, sich Mühe geben bei 
einer Arbeit; bei SCHOE. 445 mövern movere bewegen 
ist möglicherweise gar nicht dasselbe Wort ; denn mövern 
ist mhd. mövieren [LEX. MWb. I, 2210; BM. H, 225 b ] 
sich bewegen, ans lat. movere; allein unser mivern 
kann recht gut zu mhd. müejen, müewen, müen [LEX. 
MWb. I, 2213; BM. II, 229 b ] gehören, das unter andern 
auch „sich mühen, sich abmühen" bedeutet. Dieses müejen, 
müewen kann nun wol, wie FICK IH 3 , 225 meint, mit 
lat. movere zusammenhängen, ist aber in keinem Falle 
daraus entlehnt. 

mdge 7 f., plur. mog'n der Mohn; mogafä~d'l Mohnblüte. 
Der Mohn beginnt bei uns stets zwischen dem 10 — 16. Juli 
zu blühen, was vielleicht für Botaniker wichtig wäre. Man 
glaubt, wenn ein Mohnkopf drei Tage allein blüht, sterbe 
jemand in der Familie; SCHOE. 411; LEX. KWb. 183 
SCHM. P, 1575; cimbr. Wb. 145; STALD. II, 191 
WEINH. 59*; br. Wb. HI, 122; POPO WITSCH Vers. 380 
CAST. 195; SCHROE. 188; LOR. 86; HUEGEL 104 
BERND 179 u. a. mhd. mäge, mägen, mähen, abe r 
auch schon contr. man, mon [DIEF. gl. 410 c ; LEX. MWb. 
I, 2005; BM. II, 18H ahd. mago [GRAFF H, 652; 
WACKERN. Wb. 188 b ], gr. pixwv [CÜRT.* 161], ksl. 
maku [MIKL. 359; ders. Slav. Elem. im Neugr. 21], 
böhm., wend. mak [GUTSM. 170; IARN. 73 b ]. Kaum, wie 
FICK m s , 226 will, vom Zerquetschen der Körner zu 
germ. Wz. mak- (vgl. mock), sondern wol verwandt mit 
gr. frflxo; Lange, lat. magnus, zend. m'a^ gross, also in 
Bezug auf den schlanken , rasch wachsenden Stengel gesagt 
vgl. GRASSM. Pfl. 31, 25. Denn die in Bezug auf die 
Eigenschaft der Pflanze ganz passende Zusammenstellung 
PICTETs (les origg. I, 292 f.) mit lit. megmi schlafe, 
scheitert am Vocal und am k vgl. POTT WWb. in, 533; 
GRIMM Gesch. 410; WEIG. IP, 121. ttach unserer Erklä- 
rung wäre ahd. mägo Mohn und mago Magen gleichen 
Stammes; FICK HI 8 , 227. 

magge, f. ein kleiner Eindruck im Holze z. B. wenn man mit 
einem Ring, einem Löffel auf den Tisch schlägt; du kunst 
k ä 8 magge mächin du kannst gar nichts machen ; 
mach a magge! heisst es, wenn jemand einem andern 
beide Hände hält; maggit, maggik voll magg'n; 
damagg'n, v. voll magg'n machen; SCHOE. 411; LEX. 
KWb, 188; SCHM. P, 1565; SCHN. 270 u. a. Ist das 
Wort indo-germanisch , so wird man es zu lat. macerare, 
gr. (/.aase*), skt. mac- zu Teig, Möhl, Staub machen, stel- 
len können, allein möglicherweise ist es aus jüdisch mako 



159 

Stoss, Hieb, Beule, Narbe, Wunde; mak e ine n . schlagen 
[jüd.-deutsch. Wb. S. 50] entlehnt; vgl. DIEZ I 8 , 257; 
DIEF. Wb. H, 58. 

meggitz'n, v. meckern wie die Ziege; subst. meggitzer; 
SCH0E. 431; LEX. KWb. 188; SCHM. I 2 , 1565: STALD. 
II, 207; LOR. 88; FULDA 294 u. a. Schon mhd. meckzen 
[LEX. MWb. I, 2068] meckern. Vom Naturlaute meck 
vgl. auch uwäadai , («ixäSe; xlyzt;. Auf eine weitere Wz. m a- 
tönen [POTT WWb. I, 276] dürfen wir nicht zurückgehen; 
vgl. nooh WEIG. II», 55 ; POTT WWb. HI , . 206. 

muggitz'n, v. leise reden, heimlich etwas bereden, auch leise 
Bewegungen machen; subst. muggitzer; SCHOE. 449; 
LEX. KWb. 192; VATER 44; SCHM. I», 1566; SCHMID 
393; REINW. H, 88; VILM. 273; FZ. H, 49; 204, 562 
3; III, 473; V, 465. ahd. muccazan [GRABT II, 655] 
mhd. muckzen, mugen [LEX. MWb. I, 2211; BM. II 
226] mugire, gr. [U»c- in 2-(jwjc-ov , f/.uxa-o-[/.ai, lat. mugire 
skt. muj- [BR. V, 820] schreien, brüllen; vgl. FICK III 8 
241; WACKERN, voc. 2 65; POTT WWb. I, 1215; 1223 
WEIG. II«, 143. 

mähTn , v. vermählen, fast nur mehr inmäh'lrink Mahlring 
SCHOE. 409; LEX. KWb. 185; SCHM. I», 1579; BIRL 
VW. 63; FULDA 279; cimbr. Wb. 146b u. a. mhd. mahelen 
mehelen [LEX. MWb. I, 2010; BM. H, 19 b ], ahd. mar 
haljan [GRAFF LT, 651] versprechen, verloben, vermählen, 
mhd. mahelrinc Verlobungs-, Vermählungsring, gt. m a t h 1- 
jan [MGSpr. 243: DD3F. Wb. K, 7; 763] reden, ags. 
mädhlan, medhlan, ma.dhelian reden, as. mahalan. 
Nach FICK HI 8 , 229 zu Wz. ma-, man-, skt: man-tra 
Spruch, gr. 6po- schwören; WEIG. H», 8; SCHA.* 583. 

mäßl, n., plur. m aal der Mal, Mackel, Fleck, Muttermal; 
adi. mäislig, m&Blderig; SCHOE. 412; LEX. KWb. 188 
f. ; SCHM. I a , 1584; HOEF. II, 227 ; SCHMID 371 ; SCHILL. 
LUEBB. HI, 10; ZISKA Prob. 25; br. Wb. m., 118; 
SCHAMB. 129; CAST. 196; FULDA 284; DAEHN. 290 
u. a. mhd. meil [LEX. MWb. I, 2076; BM. H, 94 b ] Fleck, 
Mal, sittl. Befleckung, Sünde, Schande, ahd. meil [GRAFF II, 
720], gt. mail [MGSpr. 244; DIEF. Wb. H, 16] macula. 
Wol verwandt mit lat. macula [nach FICK DU 3 , 226 zu 
der germ. Wz. mak-, imc<7(7<ö], nicht zu skt. mala Schmutz; 
CURT*. 372 vgl. noch GRIMM Gr. I 8 , 170; 531 ;! Gesch. 409 ; 
WEIG. II*, 16 f.; anders SCHA a . 598. 

maul, n., plur. mäulder, dim. mäulile das Maul, der Mund, 
fast immer statt Mund gebraucht; maulen, v. lebhaft 
reden, zanken, streiten, schimpfen, auch von Thieren, gierig 
fressen; adi. maulit u. maulig, weitmaulit, -ig, für- 
maulig; maulschelle, maultäsche; a krump's maul 



160 

mächin ein weinerliches Gesicht machen; a kua inaul 
voll ein grosser Bissen ; maul drum ml, f. ein Instrument, 
welches mit den Zähnen festgehalten und mit der Hand ge- 
spielt wird; maul- od. fotzhoub'l, auch maulörgile 
Mundharmonika; SCHOE. 429; LEX. KWb. 188; SCHM. 
I 3 , 1585; SCHMID 379; STALD II, 202 u. a. mhd. mul, 
ahd. müla, gt. mula in far-müljan das Maul ver- 
binden. PICK m 8 , 231 stellt das Wort zu Wz. man- pro- 
miner e und deutet müla (st. m o n 1 a) Vorsprung. Ich glaube 
nicht daran. Die gr. Wörter wie pJXXov, pft>>o<; Lippe, [aoi- 
pu&Xtaiv • ftoCk&Zzw , eofrtetv , xal t<x y&Dcn 7rpo?a7TTeiv aXXiftoi; Hesych. 
u. a. sind von unserem Worte nicht zu trennen. Ja, es 
könnte sogar Mühle damit verwandt sein und der Mund der 
„kauende, zermalmende" heissen ; vgl. bes. POTT WWb. I, 
1218; DIEF. Wb. II, 80; CUR*.* 338. 

riioul, adi. weich, nicht zähe, nicht zusammengedrückt, z. ß. 
sagt man es von den Birnen, Aepfeln, Kartoffeln, auch 
von der Erde beim Pflügen; SCHOE. 442; LEX. KWb. 191 
SCHM. I 2 , 1589; YILM. 271; HOEF. H, 265; 272; eimbr 
Wb. 148; SCHMID 389; SCHMIDT 113; STALD. II, 213 
BERND 183; DAEHN. 315; SCHILL. LUEBB. DI, 112 
WEG. 33; SCHAMB. 137; FULDA 303 u. a. Das Wort 
schliesst sidh an it. molle, lat. mollis piEZ I», 280] 
an, ohne dass vielleicht Entlehnung stattgefunden hat; vgl. 
auch mor. 

mul , f. Mühle , wie nhd. Die hauptsächlichsten Theile der Mühle 
heissen: das mülröd, der wellbäm, die schouSskend'l, 
das kämprod mit den kämp'm, der riffg'l, das l&äg- 
eis'n, von den mülstä^nen der löiger und der läfer, 
die z&rge, worin der Raum der ho Im heisst, die gösse, 
das beut'lmand'l, der beut'l, die kleib'm- u. möel- 
trühe, vgl. die wichtige Zusammenstellung der hieher ge- 
hörigen Ausdr. bei POPOWITSCH Vers. 398 ff. Die Mühle 
zusammenrichten heisst auch die mül indie löare klockin, 
die Mühlsteine schärfen heisst die mül hauen, die Hämmer 
heissen die bilTn. Die mül af'n oschlög richt'n = 
die Mühle so richten (durch eine künstliche Vorrichtung), 
dass das Wasser von selbst vom Mühlrade abgelenkt wird. 

malle, n. Mal, Essen, dim. mallile; a bössers malle ein 
besseres Essen; verb. mäl'n speisen, sättigen; diese Speise 
malt mi; i bin g'schwint gimalt; SCHOE. 416; LEX. 
KWb. 185; SCHM. I 2 , 1581. mhd. mal hat verschiedene 
Bedd. [LEX. MWb. I, 2014; BM. II , 21 b ] ausgezeichneter 
Punct, Zielpunct, Zeichen, Merkmal, Fleck, Schmuck, 
Grenzzeichen, Zeitpunct, Mal, G-astmal, Malzeit, gt. m§l 
[MGSpr. 245; DIEF. Wb. H, 60] Zeit, Schrift. Unser 



161 

malle ist dim. von m61 Mal, Gastmal. Wz, ma- messen 
FICK DP, 223. Anders GURIMM Gr. II, 54; WEIG. II a , 15. 

mulle, f. der Mund (verächtlich) ; hält die mulle = tace; 
SCHOE. 450; LEX. KWb. 193; REINW. I, 105; STAU). 
II, 213; 219. Verwandt mit maul, 

mtlllit, adi. abgestumpft, namentlich von den ungehömten 
Ziegen gehraucht; daher mulle, f. eine ungehörnte Ziege; 
dann auch Ziegenname; SCHOE. 450; LEX. KWh. 193. 
m u 1 1 i t steht statt m u d 1 i t und entspricht dem lat. m u t i- 
lus, gr. ulvukos. Der Stamm könnte ma-, mi- sein, minuere 
FICK m», 238; VAN. 119; BUEHLER I, 90; 296. 

mölbe, f. Kot, Dreck; mölbe schieb'm = cacare; LEX. 
KWh. 189; SCHM. I», 1593; REINW. H, 85; WEINH. 
62»; SCHILL. LUEBB. m, 62; HOENIG 114; br. Wb. 
HI, 198; SCHAMB. 139; FULDA 284; 295; 312; VILM. 
271; SALLM. 25 u. a. mhd. melm, melme [LEX. MWb. 
I, 2096; BM. II, 27 a ] Staub, Sand, ahd. melm [GRAFF 
H, 713], gt. malma (MGSpr. 244; DIEF. Wb. H, 25] 
Sand; bei DIEF. gl. 472 s. v. pulvis: gemülb, gemulb, 
gemilb. Unser mölbe könnte statt mölme stehen, kann 
aber auch dasselbe sein wie mhd. mel, gen. melwes Mehl, 
Staub, Kehricht. Die Wz. ist in beiden Fällen dieselbe: 
malan mahlen; FICK III», 234; WEIG.II», 72 f.; POTT 
WWb. H, 1, 536; SCHA.* 601. 

milch , f. Milch wie nhd. ; auch heisst milch der aus gewissen 
Pflanzen (z. B. euphorbia Cyparissias; taraxacum officinale) 
herausfliessende weisse Saft; suasse, guote, saure, 
g'stockte milch, rüarmilch (Buttermilch); milch- 
g'schir = die weibliche Brust; milchschölm, m. eine 
Pflanze (nach SCHM. I 3 , 1591 euphrasia officinalis), die im 
Frühherbst blüht und von der man glaubt, dass sie den 
Kühen die Milch stehle; SCHOE. 438; LEX. KWb. 190. 
Ueber die Etym. FICK HI 8 , 235 f.; WEIG. I 3 , 94; GRIMM 
Gesch. 692; POTT WWb. I, 360; FOERST. I, 63 u. a. 

militer, f. Militär, wie bei LEX. KWb. 190. 

matter, m. Mörtel; Dreck; verb. maltern cacare (von Kin- 
dern); vamaltern, v. mit Mörtel verwerfen: SCHOE. 
417; LEX. KWb. 185,' SCHM. I», 1583; HOEF. II, 230; 
cimbr . Wb. 145; ZING. Wb. 42; CAST. 196; LOR. 86; 
HUEGEL 104 u. a. ; auch in den roman. Sprachen malta 
Schlamm, trient. Kalk, churw. manlta, malta Mörtel 
[DIEZ II S , 44], dagegen scheint molca Schlamin (Roveredo 
vgl. SCHN. 156) nicht hieher zu geh ören, mhd. molte, 
multe Staub, Erde, Erdboden [LEX. MWb. I, 2165; BM. 
n, 27 b ; 216 b ], gt. mulda [MGSpr. 244; DIEF. Wb. II, 
25] Staub, ahd. molt, molta, an. mold Erde, Erdstaub, 
Wz. mal-, indog. mar- zerreiben vgl. mölbe. 

9 



♦ 162 

r 

mualter, f. eine oblonge hölzerne Schüssel, um Kinder zu 
baden, kleinere Sachen zu w asch en u. d. gl.; dim. m ü el- 
ter le; SCHOE. 446; LEX. KWb. 193; SCHM. I 2 , 1596; 
cimbr. Wb. 148 ; HOEF. II, 207; ZISKA Prob. II , 7; 
ZING. Wb. 44; BUEHL. I, 89; TOBL. 325*; DIEF. gl. 
27 a . mhd. multer, muolter, muelter und mulde 
[LEX. MWb. I, 2222; 2226; BM. H, 232*] Mulde, ahd. 
multera, muoltera, mulhtra [GRAFFH, 727] aus 
lat. mulctra Melkkübel; WEIG. Ii 2 , 149 f.; SCHA. 2 628. ' 

mälz, n. im Brode, das nicht die gehörige Gährung durch- 
machen konnte, die harte speckartige Schicht ; adi. mälzik: 
's broet ist mälzik; auch von einem fetten, lehmigen 
Boden wird es gebraucht; vgl. SCHM. I 2 , 1596. mhd. malz 
[LEX. MWb. I, 2021; BM. II, 29*] weich, sanft, schlaff, 
ahd. malz [GRAFF II, 713],. an. maltr, mölt, malt 
verfault , faul. Von malt, meltan flüssig werden , sich 
auflösen, skt. mard- reiben, zerreiben, mrdu weich, zart, 
geschmeidig; FICK HP, 236; WEIG. II 2 , 17; SCHA. 2 587. 

malz'n, v., damalz'n verbiegen, verdrücken z. R die Blät- 
ter eines Buches, ein Bild, ein Kleid. Eines Stammes mit 
dem vorigen; KZ. XXI, 69; LEX. MWb. I, 2021. 

Ifiuame, f.; dim. müamile, müomitzle Vaters od. Mutters 
Schwester; LEX. KWb. 193; SCHM. I 2 , 1599. mhd. 
muome [LEX. MWb. I, 2239; BM. II, 240 a J Muhme, auch 
in weiterer Bed. Verwandte überhaupt, ahd. muomä. Zum 
gleich. St. wie mamma und Mutter; FICK IIP, 243; 
WEIG. H 2 , 149; SCHA.« 628. 

mitmm'l d. i. mummeln, v. kauen, namentlich wenn jem. 
keine Zähne hat; subst. mumm ler; mumml, f. Mund; 
SCHOE. 450; SCHN. 157; LEX. KWb. 193; SCHM. I*, 
1598; HOEF. II, 273; SCHMID 393; STALD. H, 219; 
REINW. I, 104; SCHILL. LUEBB. m, 133; br.Wb.m, 
201; SCHAMB. 139; LOR. 91; HUEGEL 107; BERND 
185; BIRL. 340; SALLM. 25; LIND. 406; WEINH. 63 b ; 
VILM. 339; WEIG. II 2 , 152; auch wend. mumlam 
[GUTSM. 524] muckse, müchse: mummle. Wol ein laut- 
malendes Wort. 

m§n d. i. menen, v. antreiben (aber nur mit Worten), beim 
Pflügen die Kühe durch Zuruf vorwärtstreiben; daher 
gemende, n. das Zugvieh; dann übertragen auf einen 
ungeschickten Menschen; SCHOE. 432; LEX. KWb. 189; 
SCHM. I 2 , 1614; BIRL. 334; LOR. 89; FULDA 296; 
BUEHL. I, 89; HOEF. II , 252; SCHMID 372; STALD. 
II, 207. mhd. menen, mennen [LEX. MWb. 2099; BM. 
II, 135 f.] vorwärts treiben od. fuhren, bes. das Zugthier 
mit dem gart, ahd. menan, mennan (aus menjan), von 



163 

it. menare, lat. minari; DIEZ I», 270; POTT WWb. 

I, 637; SCHA. a 602. 

mene, f. = Filomena; dim. mendl. 

mand'l , dim. von Mann ; allein jeder Mann heisst einfach 
mand'l, mag seine Statur noch so gross sein; SCHOE. 
420; LEX. KWb. 185. Der Unterschied im Geschlechte 
wird ausgedrückt durch: a männischer, a weibische, 
im plur. auch manderleut, mJtnnine leut, weiber* 
leut, weibine leut. 

mund'l, v. (Kindersprache) pissen; mundile, n. penis. 

mant'l d. i. manteln, v. heimlich etwas thun, verheimlichen, 
verbergen; vamant'l verheimlichen, bemänteln; SCHM. 
I 3 , 1631. Von mantel; mhd. ahd. mantel, mandel, 
aus mlat. mantellus, lat. mantellum, worüber DIEF. 
Origg. Europ. 379 zu vgl. 

münitle, n. bellis perennis; SCHOE. 450; SCHM. P, 1609; 
HOEF. H, 268. Von Monat. 

mangge, adv. wenigstens; SCHOE. 419. Aus it. (al) manco; 
vgl. minggit. 

mänge, f., dim. mängile die Hälfte des Ziegenbartes oder 
die Halszitze der Ziege; SCHOE. 419; ZING. Wb. 43 a . 
Es scheint das mlat. menica, meneca, menenca, 
meninges, mänica [DIEF. gl. 356 a ] zu sein : pellis, quae 
circumdat cerebrum, hirnhube, hirnhäutlein , gr. pfiwft, die 
Haut , bes. die das Gehirn umgebende Haut, welches BENF. 

II, 41 zu (jwcvo; abgeschabt, dünn, stellt; vgl. auch LEO 
545 s. v. mene. 

minggit, adi. und adv. verkümmert, verkrüppelt, klein, beson- 
ders von den unausgebildeten Getreidekörnern; minggile, 
n. kleines Brot; SCHOE. 439; LEX. KWb. 190; vgl. auch 
SCHILL, LUEBB. m, 92; FULDA 300: minken ver- 
stümmeln. Wol verwandt mit mhd. manc [LEX. MWb. 
I, 2023] Mangel, Gebrechen* habend , aus it. manco, lat. 
manc us DIEZ P, 261. Oder sollte es eher zum Stamme 
min-, lat. minor, minuo gehören? 

mingg'l, m. die Handhabe am Sensenstil. Ich weiss das Wort 
nicht zu deuten. Möglich, dass es sich an manica an- 
schliesst. 

mängg'n, v. langsam essen, nächinmängg'n noch essen, 
wenn die andern schon aufgehört haben zu essen; subst. 
mängger, m. langsamer Esser. Da die Kuh auch die mä", 
's mäile heisst (vom Naturlaut mä!), könnte mängg'n 
soviel sein, wie langsam kauen, wie die Kuh wiederkaut. 

maungg'n, v. auf allen vieren kriechen; SCHOE. 428; 449; 
LEX. KWb. 192; SCHM. I» 1562; STALD. II, 200; 
FRISCH 1 , 649. Die Grundbed. ist die des Heimlichen vgl. 
ahd. müh ha n [GEAFF II, 655] grassari, also kriechen 

9« 



164 

vgl. noch POTT WWb. I, 1224; DIEF. Wb. H, 80; KZ. 
XX, 317; SCHMIDT Voc. 1,167- 
müngg'n, v. broat müngg'n ein Hirtenspiel. 

Jeder der Hirten macht aus seinem jaus 1 nla9bile (Mittagbrötchen) 
viereckige brücke (Brocken). Diese brücke werden auf einen flachen 
Stein gelegt und ein durch* s Los bestimmter legt heimlich so viele geltlin 
(Lose) unter die brücke, als sich Hirten beim Spiele betheiligen. Nun be- 
ginnen die Hirten einer nach dem andern die brücke auszuwählen. Alle 
brücke, unter denen sich kein gel VI befindet, gehören dem klaub er, erst 
wenn er einen brück mit einem gelVl erwischt (was Ja beim ersten Griff 
schon geschehen kann), geht das klauben der Reihe nach weiter. Auf diese 
Weise kann einer um sein ganzes Mittagbrot kommen und es hängt von der 
Gnade des Gewinnenden ab , dem anderen gutwilliger Weise einige brücke 
zurückzugeben. 

vgl. mhd. mocken [LEX. MWb. I, 2193; BM. II, 2L6 a ] 
versteckt liegen, inüchen verstecken, verbergen; WEIG. 
H 3 , 143; DIEF. Wb. H, 80; FICK I», 179; KZ. XIX, 
149; XX, 316 f.; SCHA. a 623. 

mäng-Stäen, auch mängl-stä^n ein glatter Stein, der in Er- 
manglung eines Bügeleisens zum Wäscheglätten verwendet 
wird; mäng d, i. mängen, v. mit dem mängstäBne die 
Wäsche glätten; SCHOE. 418; LEX. KWb. 185; MI. 63; 
br. Wb. HI, 128; DAEHN. 296; SCHAMB. 130; HOEP. 
n, 233; CAST. 197; SCHROE. 188; LOR. 86; BERND 
167; BIRL. 328; FULDA 287; KLEIN H, 6; SCHTZ. HI, 
76; RICH. 160 f.; DANN. 131; DAEHN. 296 u. a. Ueber 
das weitverbreitete Wort vgl. WEIG. II*, 21 f. Gewöhnlich 
nimmt man an, mäng'l stehe statt man dl und entspreche 
an. möndul-1 Drehholz, skt. manthä Quirl, Wz. math- 
rühren , drehen , quirlen ; vgl. KUHN Herabk. d. Feuers 
S. 14 f.; FICK III 8 , 232. Allein das Wort lautet schon im 
gr. u.3tYyavov, wovon die Lexica als erste Bed. Zaubermittel, 
Zauberei, angeben. Der Scholiast zu Aristoph. Wespen 155 (vgl. 
Schol. zu Thukyd. 2, 4) sagt: ßd&ocvov töv (xoj^6v, Kuptcos Se 
tö st; töv [/.o^Xov atXviptov 8 xocXoujxsv pt. a y Y a v ° v ; xat ßo&avot TOC 
4 uaYYava r/fe x^etScoaew;. Ferner heisst [/.aYYavov die Achse, der 
Kloben im Flaschenzuge; Kriegsmaschine zum Schleudern 
von Steinen und Pfeilen. Es ist also ohne Zweifel dasselbe 
Wort. Nun müsste ein solcher Lautwechsel von vX und vy 
für das Gr. erst erwiesen werden ; vgl. auch DIEF. Celtica 
I, 75; DIEZ I a , 261 f. Ich halte daher die Zusammenstel- 
lung von an. möndull und mangel für unstatthaft. Viel- 
mehr kann das Wort ganz gut zu [/.Tjyocvaa) gehören, wozu 
auch die erste Bed. des [xavYavov stimmt vgl. LOBECK 
Path. p. 179 ; auch FICK in BZ. I, 243 ; SCHA.» 589. 

ment8Ch, m. Mensch, Person; fremmer mentsch Aushilfs- 
arbeiter ; mentsch! Ausruf der Verwunderung ; d u 

* mentsch du! ein leiser Tadel od. Schimpf; mentschin, 
f. Weibsperson ; die Geliebte (nicht im verächtlichen Sinne) ; 



165 

dim. mentsch'l, nl Weibsperson überhaupt (wie mand'l 
w. s.); mentsch'lwerch haus'n für sich allein, selb- 
ständig leben; SCHOE. 433 f.; LEX. KWb. 189 f.; SCHM. 
I 2 , 1628. 

mentisch, auch indisch adv. sehr, stark, gewaltig; SCHOE. 
434; 431. Nicht dasselbe, wie bei SCHM. I a , 1656: merti', 
sondern es ist Abkürzung aus sakramentisch, sap- 
gramentisch. 

mäschin, m. der Mond; der m. scheint; der m. göQt au, 
der m. ist voll u. s. w.; dim. maschile und mä~schl 
in gleich. Bed.; SCHOE. 418; SCHM. I», 1607; II 3 , 424; 
LEX. KWb. 187. Schon mhd. in dieser Bed. man seh in 
[LEX ; MWb. I, 2037; BM. II, 2, 146»] Mondschein, Mond. 

menz adi. und adv. unfruchtbar; keine Molch gebend; menz- 
ku9 eine Kuh, die kein Kalb hat oder gebracht hat 
menzvihedie Rinder; SCHOE. 420; LEX. KWb. WO 
SCHM. P, 1632; HOEF. H, 233; SCHN. 270; BIRL. 334 
3TIEHL. I, 88 u. a. Ich hatte oben s. v. galt die Etym. 
des Wortes verschoben, weil ich mir damals noch nicht 
klar war. Unterdessen hat SCHA. 254 f. ausführlich über 
das Wort gehandelt , ohne mich von der inzwischen gefass- 
ten Ansicht abzubringen. SCHA. erklärt galt als incan- 
tatus, bezaubert, verhext von Wz. gal- vgl. PICK III 8 , 
105. Wie das an. galti Borgschwein, göltr (St. galtu) 
verschnittenes Schwein, ahd. galzä, gelzä sueula, ags. 
gylte castratus, wahrscheinlich machen, liegt der Grund- 
begriff im „Verschneiden". Ich stelle das Wort also, trotz 
der mangelnden Lautverschiebung, zu Wz. kal- schlagen, 
brechen, biegen, lit. kalti, part. kaltas, lat. celler e, 
percellere, eulter. — Die gleiche Grundbedeutung 
scheint auch bei menz zu sein, menz stellt sich zu einem 
verb. menzen, welches auch schlagen bedeutet vgl. d. folg. 

manz'n, v. schlagen, prügeln; machen, zu Stande bringen; 
SCHOE. 421; SCHM. I*, 1632; LOR. 87: manzen = 
schlagen, prügeln; HOEF. II, 233 u. a. Als Wz. ist viell. 
mank- (nach SCHMIDT Voc. I, 105; 109; 167) oder mak- 
anzusetzen: zermalmen, kneten, gr. [/.a<7<T<o, lat. mace rare, 
lett. mazu plagen, mozu quälen, ksl. maöiti quälen; 
FICK I 3 , 168. 

maunze , f. auch muinze, manne, muine, muxnde, 
muindl, muindile die Katze; maunz, m. der Katzen- 
balg; der daraus verfertigte Muff, dann überhaupt der 
Muff; maunz'n, v. mit den Haaren des Muff kitzeln; 
dafür auch maund'l; daher maundile, n. jeder haarige 
Gegenstand; SCHOE. 429; LEX. KWb. 194; SCHM. P, 
1554; 1690; 1702; STALD. H, 211; BIRL. 332; HOEF. 
H, 217; WEINH. 62*; WACKERN. voc. 64; BERND 



166 

172; 178 u. a. Lautmalendes Wort vgl. DIEZ I», 276; 
WEIG. II 3 , 48; Germania II, 165; MIKL. s. v. maßlka; 
HEHN Kulturpflanzen 3 531 8 ; 542 f. 

möar, adi. und adv. mehr; comp, möorer, superl. möorist; 
vamöoring, f. eig. Vermehrung = die Genitalien; 
SCHOE. 434. 

muer, n. zerriebene Gegenstände; dim. müarl; krautmuor 
eine Speise aus Mehl und Kraut; hämuar Heustaub; 
muer ig adi. bröckelig; muor'n, v. zerbröckeln; SCHOE. 
446; LEX. KWb. 194; SCHM. I 3 , 1642. Es ist nicht das 
mhd. muor Sumpf, Morast, Moor, sondern das it. mora 
Schober abgehauener Zweige, fz. mora ine Steing eröll e 
[DIEZ I 8 , 281]. Allein auch das mhd. mür [LEX. MWb. 
I, 2250; BM. II, 274 a ] die Mürbe, Zartheit, Gebrechlich- 
keit, gehört hieher, sowie das an. mor feiner Staub; 
WEIG. II 3 , 156. Die Wz. ist mar- zerstossen, zermalmen; 
FICK III 8 , 232; vgl. auch d. folg. 

mor und märw adi. 1) mor, möre mürbe, leicht zu zerkauen 
od. auseinanderzubrechen z. B. von Bäckereien; der mör- 
zoik bei Hochzeitsschmausen das Desert, aus Bäckereien 
bestehend, die man nach Hause mitnimmt. 2) märw zart, 
fein z. B. das gros ist nou zu märw das Gras ist noch 
nicht ausgewachsen; der bua ist zu märw der Bub ist 
zu zart (nir eine schwerere Arbeit); märwes schmälz 
= Butter, opp. g'sout'n's schmälz; marwlingk, m. 
ein unzeitiges Ding; SCHOE. 422; LEX. KWb. 186; SCHM. 
I 3 , 1636; SCHILL. LUEBB. HI, 118; br. Wb. HI, 186; 
SCHAMB. 138; LOR. 87; HÜEGEL 105; BIEL. 329* ; 
FULDA 289; 305 u. a. mhd. mar, gen. marwes [LEX. 
MWb. I, 2041; BM. H, 63 b ] reif, mürbe, zart, mürwe, 
müre, mür zart, dünn, zerbrechlich, mürbe, ahd. maro, 
marawer [GRAFF II, 831], ags. mearu, mea ro, zu 
skt. Wz. mar- zermalmen; FICK HI 8 , 232; WEIG. 11*, 
157; 138; SCHA. a 594. 

maren = majorenn; WEIG. IP, 14. 

merende und märende , f. das Essen zwischen der jause (Mit- 
tagmal) und dem nächple (Nachtmal); merenn a. i. 
merennen, v. die Merende zu sich nehmen; SCHOE. 423; 
LEX. KWb. 186; SCHM. I 2 , 1640; cimbr. Wb. 145*; 
ZING. Wb. 42*; BUEHL. 92; KLEIN H, 14. WEINH. 
60 vermutet gewiss richtig, dass eine Vermengung des lat. 
merenda mit Ableitungen vom deutschen mern stattge- 
funden habe vgl. mhd. meräte flüssige Speise aus Brot 
und Wein, Abendmal, ahd. meräta, mereda, merda; 
mhd. mern Brot in Wein und Wasser tauchen und ein- 
weichen , so essen vgl. FICK HI«, 232 ; POTT WWb. IV, 
285; DIEZ Rom. Wortschöpf. S. 95. 



167 

märch, n.Mark; dafür auch sehn egge; SCHOE. 422; LEX. 
KWb. 186; SCHM. I 3 , 1647; WEIG. D>, 32; FICK III 3 , 
236. skt. Wz. majj- untertauchen, majjan (= das ins 
Innere gleichsam hineingetauchte) Mark; GRASSM. Wb. 
zum Rigv. 973. 

märch, n. das Mark, Grenze, Kennzeichen, Narbe; m ar- 
chern die Grenze (zwischen zwei Feldern) abstecken; 
SCHOE. 422; LEX. KWb. 186; SCHM. I«, 1643; FICK 
III 8 233. 

merde| f. = stercus; ebenso bei SCHILL. LUEBB. HI, 73: 
merde Koth, Dreck. Es ist entlehnt aus lat. merda, 
welches aber nicht mit FICK Wb. I 8 , 836; II 8 , 283 und 
VAN. 205; Gr.-Lat. Wb. H, 1207; ZEH. 151 zu Wz. 
smard-, lat. mordere, also etwas Ekelerregendes, zu 
stellen ist, sondern zu Wz. mar- zerreiben; vgl. skt. 
mala Schmutz, Lehm; FICK Wb. I 8 , 172; 173; 175. 

marge, f.. nur in der Redensart: nicht in der marge 
höb'm keinen Vorrat haben, auch scherzweise: er hat 
nicht in der marge er ist nicht bei Kräften, bei schlech- 
ter Körperconstitution ; SCHOE. 423: Kasten, in welchem 
die Milch aufbewahrt wird; LEX. KWb. 186; SCHM. I 2 , 
1647. Aus lat. armarium, it. armario vgl. DIEF. gl. 
48° s. v. armentarium. 

mergl d. i. mergeln, v. pressen, drücken, drängen ; ömergl, 
ausmergl; ausgimerglt fame sive labore confectus; 
mergl er, m.; SCHOE. 434; SCHM. I 3 , 1648; FULDA 
289; SCHMIDT 375 u. a. Zu mar g Mark? GRIMM Wb. 
I, 78; jedoch WEIG. II 2 , 77. 

murggl d. i. murggeln, v. pressen, drücken, zerreiben; 
damurggl zerreiben, zerdrücken z. B. einen Floh, eine 
Wanze mit den Fingern, auch sensu obsceno: comprimere 
aliquam; SCHM. I 2 , 1649; RUED. II, 103; SCHROE. 192; 
LOR. 91; FULDA 315 u. a. Es ist wol das mhd. murc 
[LEX. MWb. I, 2250; BM. II, 234 b ] ' morsch , faul, mora- 
stig, also unser murggl eig. morschig machen, gleich. 
St. mit mor, märw w. s. 

morg'n fast nur adv. ; z'morg'nst früh morgens. Ein altes 
Kinderlied beginnt: 

morgen stöd i frü9 au, reiss in baur'n d'aug'n au u. 8. w. 

mörhe, f. ein schlechtes Pferd ; ein schwarzer Mensch ; SCHOE. 
422; LEX. KWb. 190; SCHM. I 3 , 1650; eimbr. Wb. 147 a ; 
REGEL 235; MI. 52; br. Wb. HI, 129; BIRL. 330; 
FULDA 296; VILM. 261 u. a. mhd. marc [LEX. MWb. 
I, 2041; BM. H, 63 b ] Streitross, merhe Stute, Mähre, 
ahd. mar ah [GRAFF II, 844]. Man hält häufig dafür, 
das Wort sei aus dem Keltischen entlehnt: irisch marc 
Pferd, marcir Pferdestriegel, marc ach gl. equester u.a. 



168 

vgl. aucli das Tpifjuxpatcia bei Pausan. X, 19: xal i7C7cov to 
ovoaa &7TC») ti$ [iiapxav ovra ürcö töv KsXtöv; sieh DIEF. 
Origg. Europ. 429 f. ; BAUMEISTER kelt. Briefe 40 f. ; 
GRIMM Gesch. 31; HZ. IX, 561; WEIG. II 2 , 11; TICK 
HP, 234; FOERST. I, 51. 

Ich möchte eher das Gegentheil glauben, dass die 
Kelten das Wort von den Germanen erborgt haben. Denn 
es ist mir unzweifelhaft , dass wir es mit gar keinem indog. 
Worte zu thun haben, wie schon DIEF. a. a. 0. bemerkt, 
sondern mit einem Worte, das den Völkern der Länder, wo 
das Pferd zu Hause ist, angehören mag; vgl. tartarisch 
morin, mongol. mori, murin, aber auch finnisch märä, 
ehstn, märra (kaum aber das arabische mark ab; PICTET 
Les Ojigg. I, 353) vgl. im allgemeinen HEHN Kultur- 
pflanzen 8 20 ff.; AHLQVIST Die Kulturwörter d. west- 
finnischen Sprachen, Helsingfors 1875, S. 11 f.; W. TOMA- 
SCHEK Oest.Gymn. Zeitschr. 1875, S. 522; dazu SCHOTT 
Ueber einige Tiernamen, Berl. 1877, S. 12. 

Illärscht, m. der Markt, der Platz, wo Markt gehalten wird 
der Marktflecken; in dieser Bed. auch dim. marsch t'l 
i~hin ins marscht'l gion in den Marktflecken (z. B 
Windischmatrei) hineingehen; afin manscht gion 
märscht halt'n auf dem Markte feil halten, dafür auch 
marscht'n z. B. a kue m. eine Kuh auf den Markt trei- 
ben, um sie zu verkaufen; SCHOE. 424; LEX. KWb. 186; 
SCHM. I 2 , 1652. mhd. market, ahd. markat aus lat. 
mercatus vgl. WEIG. II 3 , 34 f. 

märschter, f.; dim. marschterle Bildsäule; es x muss aber 
mit einem Dache versehen sein; hat es die Form eines 
Häuschens, heisst es stöck'l; SCHOE. 425; LEX. KWb. 
187; SCHM. I«, 1655; WEIG. 11*, 38. 

maus, f. dim. mäus'l die Maus, auch die Muskel; afs 
mäus'l schlög'n auf den empfindlichen Armmuskel schla- 
gen; ferner heissen mause die länglichten Kartoffel; 
maus'n auch im obscönen Sinne wie lat. furtum; mause- 
köpf'l kleiner Schuhnagel; maustoat, auch mausgdgl- 
todt ganz todt; SCHOE. 430; LEX. KWb, 188; SCHM. 
I 2 , 1644; WEINH. 61; LOR. 88; HUEGEL 104 u. a. skt. 
Wz. mush- rauben, stehlen; FICK HI 8 , 241; WEIG. 
II 2 52* SCHA. 2 631 f. 

mies,' n. Was nhd. Moos vgl. LEX. KWb. 192; SCHM. I 2 , 
1672 ; LOR. 89 ; FULDA 301 ; SCHMIDT 386 ; STALD. 
II, 209; TOBL. 318* u. a.; bei DAS YPOD. muscus mies s 
vgl. auch das folg. 

mous, n. Sumpf, wässerige Gegend; mötserig sumpfig; 
LEX. KWb. 192; SCHOE. 443; SCHM. I 2 , 1672. Aus lat. 
muscus FICK HI 3 , 241; WEIG. II 3 , 132. Ein Ort in der 



Gemeinde St. Veit heisst mous. Da aber der Ort auf dem 
Berge liegt, wo weder ein Sumpf noch mias vorkommt, 
gehört der Name nicht hieher. Er dürfte slavisch sein vgl. 
serb. mos na Berg bei MIKL. Ortsnamen II, 63. 

mu98, n. Brei aus Mehl und Milch oder Wasser (miLch-, 
wkssermuas); dim. miiesl; girschte-, türggemuos; 
a mtias'l af kält's ein Mus, wobei das Mehl in die kalte 
Milch eingekocht wird; melchamu9s oder brumm- 
muds wobei das Mehl in Schmalz eingerührt wird; hoezit- 
m u 9 s ein Türkenmus , wie es bei Hochzeiten gekocht wird. 
Es wird soviel Schmalz daraufgegossen, dass man das 
m u 9 s gar nicht sieht. Gewöhnlich macht man in der Mitte 
des muoses eine Grube (tümpfile), in welche man das 
Schmalz giesst; kindismÜ9s'l oaer poppilismÜ9s'l 
Kindesmus; mu9spfänne eine eigene kupferne Pfanne für 
das mu9s; mÜ9silit adi. weich wie mu9s; mu9sner ein 
Löffel , vorne blattförmig , um siedende weiche Speisen (aber 
nicht muos, dazu ist entweder der rÜ9rer oder der 
roud'l) umzurühren, damit sie nicht anbrennen; bächin- 
mu9slimmb'l S. 148. SCHOE. 446 stellt auch mu9s'n 
hieher: halbverständlich reden, als ob einer Mus im Munde 
hätte; mueser der undeutlich redet. Dieses könnte auch 
das lat. mussare sein vgl. noch LEX. KWb. 194; SCHN. 
157; SCHM. I a , 1675. — mhd. muos [LEX. MWb. I, 2240 ; 
BM. II , 240 a ] Essen , Malzeit , Speise, bes. breiartige Speise, 
Gemüse, ahd. muos, mos [GRAFF II, 869 ff.] cibus. 
Nach WACKERN. Wb. 205* zu mhd. maz Speise; vgl. 
auch WEIG. H 3 , 158; GRIMM Gr. IH, 460 f. Vielleicht 
gehört es zu skt. Wz. math- rühren, drehen, quirlen, 
ähnlich wie lat. pulmentum zu Wz. pal- schütteln. Zu 

• erwähnen ist noch mu9sb&rscht der flaumige Bart vor 
der Pubertät, also eig. der Bart, den man hat, so lange 
man Kindsmus isst. Schon im mhd. kommt mu9sbart 
vor, welches aber LEX. MWb. I, 2240; BM. II, 241 a ; 
WACKERN. Wb. 205 a für miesbar t halten möchten und 
das erklärt wird [BM. I* 90 b ]: der vor Alter das muos 
in den Bart schüttet (? ?). 

m&B8e, f., dim. mä-Bs'l und mÖ9s'l Meise; blow-, gÖ9l- 
mättse (= Kohlmeise), tschopfm& , BS , l, tä.nnemä'es'l; 
SCHOE. 415; LEX. KWb, 189; SCHM. I«, 1664; POPO- 
WITSCH Vers. 343. mhd. meise, ahd. meisä, ags. 
mäse; WEIG. ü a , 68. Vielleicht zum gleichen Stamme 
mit maus, weil ja die m eisen ganz besonders räube- 
rische Thierchen sind; anders WACKERN. voc. 135. 
ma8Ch'l9r'n, v. bes. in. dem Ausruf: gÖ9 maschi9r! scho 

maschior! wenn unglaubliches erzählt wird. 
mds'l, f. die Narbe; möslik narbig; SCHOE. 426; LEX. 

10 



170 

KWb. 187; SCHM. P, 1658; TOBL. 223; SCHMID 375; 
HOEF. I, 90; II, 237; SCHILL. LTIEBB. HI, 41; br. 
Wb. m, 135; BIRL. 340*; VW. 65; FULDA 291 u. a. 
mlid. mase [LEX. MWb. I, 2056; BM. H, 85*] Wundmal, 
Narbe, ahd. mäsä {GRAFF II, 861] cicatrix. Vielleicht 
gleichen Stammes mit meissel, also Wz. mit- zerhauen, 
zerschneiden. ' 

mäser, f. knorrige Stelle im Holze; Fleck, ungesunder Punct 
z. B. bei den faulenden Kartoffeln; adi. mäserfk; SCHOE. 
426 ; SCHM. P, 1658 ; LOB,. 87 ; LIND. 406 u. a. mhd. 
maser [LEX. MWb. I, 2057; BM. II, 86*] Maser, knorri- 
ger Auswuchs am Ahorn und anderen Bäumen vgl. FICK 
III 8 , 237; WEIG. II 2 , 39. Viell. zum Stamme mit- zer- 
hauen, zerschneiden, ähnlich wie gr. 7uout&o<; zu Wz. pik-, 
skt. pi9* ausschneiden, putzen, schmücken vgl. oben 
föohin. 

mäsern, v. sich wie toll benehmen, herumwüten, herum- 
arbeiten; mäser er subst. agentis. Woher das Wort? Etwa 
das mhd. mäsen, mit mäsen versehen, verwunden, be- 
flecken, maculare? Oder ist es das it. mazzare, chw. 
sp. mazar, pr. mazzar prügeln, niederschlagen [DIEZ 
I«, 269]? 

1110886, f., dim. möss'l Messe; früomösse, spötmösse, 
gewöhnlich Stnt (Amt); n oie m össe Primiz; die mösse 
.göot aussa vgl. KZ. XVJLLL, 51; mössmant'l Mess- 
kleid. 

mösser, n. Messer, dafür häufiger bax (w. s.), pinzgabkx 
(vgl. ALPENBURG Myth. 262), klepfbäx u. s. w. 

mouserün, m. ein Kraut, Maigram, Majoran, origanum maio- 
rana L. vgl. SCHM. I 2 , 1576; 1674. mhd. meigramme 
[LEX. MWb. I, 2076; BM. H, 94*], aber bei DIEF. gl. 
344 a auch schon unter anderen Formen maser an. Aus 
mlat. maiorana, und dieses Umbildung aus amaracus 
vgl. WACKERN. Umdeutschung 57 (= kleinere Schriften 
HI, 327); WEIG. IP, 13; DIEZ I«, 259; ANDRESEN 
Volksetym. 2 36 f. 

möscherig, adi. brüchig, morsch; LEX. KWb. 192. Viell. statt 
mörscherig zu morsch. 

mäBSS'n, v. hauen, schlagen; ausmä^ss'n z. B. einen Baum 
d. i. die Aeste abhacken ; mä^sshäcke, f. Axt zum Baum- 
fällen; zogg'lmSfBss'l, n. ein Instrument zur Verferti- 
gung der zoggl (w. s.); SCHOE. 415; ZING. Wb. 43 b 
LOR. 86; FULDA 294; cimbr. Wb. 209; LEX. KWb. 189 
SCHM. P, 1663; HOEF. II, 229; STALD. II, 206 
MARETA I, 44; CAST. 198. mhd. meizen [LEX. MWb. 
I, 2091; BM. II, 132 a ] hauen, schneiden, ahd. meizan 
[GRAFF II, 911], gt. maitan [DIEF. II, 22 ff.; MGSpr. 



i 



171 

244]. Ueber die Etym. vgl. FICK III», 239: zu mi-, 

minuo(?); POTT WWb. IV, 568; WEIG. II a , 13; 

SCHA. 4 601. 
mässter, m. Meister, bes. heisst diejenige Kuh. auf der Alpe 

masTster, die mit Stossen alle übrigen Kühe überwunden 

hat; SCHOE. 415. 
max'n, plur. Geld; max'nschäft in der Redensart : t.wöar 

nit länge m. mächin ich werde nicht lange Umstände 

machen; SCHOE. 431. Zu maximus? In wieferne? 

N. 

na-ä, die erste Silbe ist von der zweiten stark abgestossen, 
beide. Vocale werden durch die Nase gesprochen; es ist ein 
verstärktes nein, besonders gebraucht, wenn man auf eine 
Bitte eine abschlägige Antwort gibt z. B. heisst ein Kinder- 
reim: 

guggül wo bist düf im whlde. 
was frischt düf a fröisehl. 
gib misr d 'wid! na-ä. 

LEX. KWb. 197 möchte es von nein (na) trennen und auf n e i 
zurückführen [GRIMM Gr. HI, 709] vgl. auch SCHROEER 
Nachtr. 284. Ich glaube dies nicht , sondern meine, der 
erste Bestandtheil enthalte allerdings na, nein, der 
zweite Theil dürfte derselbe nachgestossene Vocal sein , der 
an Zurufe suffigiert wird, aber auch sonst nicht selten 
erscheint; so heisst es, nachdrücklich gesagt, auch ja -&, 
wobei sich dieser Vocal immer an den vorhergehenden assi- 
miliert; ähnlich i-i? ich? du-ü? du? si-i? sie? u. ä. 
nöjb'l, m. Nebel, aber nib'l Rauch; nibl d. i. nibeln, v, 
rauchen z. B. er nib'lt er raucht stark Tabak; SCHOE. 
464; LEX. KWb. 196; SCHM. I 8 , 1713; SCHMID 406. 
mhd. nebel [LEX. MWb. H, 45; BM. H, 327»] Nebel, 
Dunkel , n i b e 1 en nebelig, wie Nebel dunkel maöhen ; FICK 
m s , 166; KZ. XXIII, 270. 

\r und näberingk, m. Bohrer; je nach der Grösse unter- 
scheidet man: boud'n-, dach-, tlb'l-, roar-, buchs- 
näberingk oder -näbiger; eine eigene Art ist der 
wintnäberingk (auch näschgler) von winden; 
SCHOE. 455; LEX. KWb. 195; SCHM. I 2 , 1713; HOEF. 
II , 278; STALD. H, 229; SCHMIDT 120; SCHIJETZE 
LH, 138; cimbr. Wb. 149; PETT. Beitr. I, 6; SCHILL. 
LUEBB. in, 182; ZISKA Prob. II , 8; KLEIN H, 25 
27 ; DAEHN. 321 ; DANN. 145 ; BUEHL. I, 99 ; SCHROE 
193; Nachtr. 284; Gottsch. 183; hr. Wb. HI, 225 
DESCHM. 58; SCHMID 398; GAST. 205; LOR. 92 
FULDA 318; 319 u. a. mhd. in verschiedenen Formen 
nabiger, nabeger u. a. [LEX. MWb. II, 1; BM. IT, 

10* 






172 

282 b ; I, 498 b ] spitzes Eisengerät zum Umdrehen, Bohrer, 
ahd. nabager, nabiger u. a. [GrRAFF IV, 225] tere- 
brans Aus nabe und ger, ker spitzes Eisen fiir. die 
Nabe vgl. WEIG. II*, 174; ANDRESEN Volksetymo- 
logie 3 112; WACKERN. TIrspr. d. Spr. 51 (= klein. Schriften 
in, 50). 

näpf, m. , dim. napfl ein hölzernes, rundes Grefäss für das 
Schmalz; übertragen auf einen dickbauchigen Menschen (in 
Antholz, Taufers heissen die jungen Burschen überhaupt 
napfe); SCHOE. 461 ; LEX. KWb. 196; SCHM. P, 1751; 
STALD. H, 230; DANN. 143; SCHAMB. 142; cimbr. Wb. 
.149; FULDA 318 u. a. mhd. napf [LEX. MWb. II, 33; 
BM. II, 314 a J hochfüssiges Trinkgefäss, Trinknapf, Speise- 
napf, ahd. napf, hnapf [GrRAFF IV, 1130], ags. hnäpp; 
WEIG. n a , 198. FICK II 8 , 329 stellt dazu ksl. konobü 
pelvis, konobari [MIKL. 300 b ] pincerna, und vermutet 
Entlehnung aus lat. canaba Weinzelt, Schenkbude; anders, 
aber unmöglich LEO 591 ; vgl. auch SCHA.» 409. 

näpfitz'n, v. ein wenig schlummern, besonders ausser Bett; 
subst. näpfitzer kurzer Schlummer; SCHOE. 461; LEX. 
KWb. 196; SCHM. I», 1729; HOEF. II, 279; SCHMID 
398; MAR. I, 46; BIRL. 348; ROS. 202; ZISKA Prob. 
H, 8; KLEIN II, 27; STALD. II, 230; BÜEHL. I, 280; 
SCHROE. 193; Gottsch. 184; 186; DESCHM. 58; WEINH. 
65*; CAST. 205; Idiot. Aust. 99; LOR. 92; 94; HUEGEL 
114; FULDA 319 u. a. mhd. nafzen [LEX. MWb. II, 
15; BM. II, 296 a ] schlummern, ahd. hnaffezen [GRAFF 
II, 1053], ags. hnappian, abgeleitet vom Thema hnap 
HLEO 106] vgl. WEIG. EP, 187; 229; MÜELLER Etym. 
Wb. d. engl. Spr. II, 122. Damit scheint auch das mnd. 
nipen [SCHILL. LUEBB. HI, 188 b ] niedergehen, zusam- 
menzuhängen. 

nopp'm? v. bei den Haaren zupfen ; nopper, m. das einmalige 
Zupfen und nom. agentis; SCHOE. 472. Nicht mit noppen 
stossen , zusammenhängend , sondern vom mhd. nop, noppe 
[LEX. MWb. II , 100] Wollknöttchen am Zeuge, Tuchflocke, 
noppen das Tuch von den noppen reinigen vgl. bei 
DIEF. gl. 5l3 a s. v. sarpere: nuppen, noppen, geden 
(jäten); s. v. sarire: noppen; bei SCHILL. LUEBB. HI, 
196 b : nop(p)e Wollflocke, Zotte, Wollknöttchen, ahd. 
hnoppe villus; DTEF. gl. s.v. nop, nap floccus, lanugo; 
WEIG. II 8 , 236; SCHM. I 2 , 1751; VILM. 287; FRISCH 
H, 20° ff.; brem. Wb. IH, 242; FULDA 327: noppen 
zwicken, rupfen; DANN. 147; HOENIG 119; SALLM. 
25 u. a. 

nacht'n und necht'n adv. gestern Abends und gestern über- 
haupt; SCHOE. 456; LEX. KWb. 195; SCHM. P,'1717; 



173 

HOEF. H, 278; ZISKA Prob. 25; KLEIN II, 26; TOBL. 
'330 b ; VILM. 279; BERND 187; SCHROE. Gottsch. 183; 
DESCHM. 58; ZING. Wb. 45; SCHMID 398; WEINH. 
64 b ; STALD. II, 228; FULDA 318 und sonst häufig, mhd. 
nehten [LEX. MWb. II, 48; EM. II, 300 b ] in vergange- 
ner Nacht, gestern Abend. Es ist ein alter dat. plur. vgl. 
GRIMM Gr. HI, 138. 

nächple, n. das Nachtessen; nachp'l d. i. nächpTn, v. 
nachtmalen; SCHOE. 416. Entstellt aus Nachtmal. 

nöch-möel, n. das Nachmehl, das zweite Mehl; nochmöolig 
adi. und adv. schlecht, von minderer Sorte; a nochmöa- 
liger mentsch; döis ding £st nochmöalig. Aus 
nach und Mehl. 

llOCk, m., plur. nöcke kleiner Hügel ; bei Bergnamen bezeich- 
net es runde Bergkuppe; SCHOE. 471; LEX. KWb. 198; 
SCHM. I 2 , 1723; SCHROE. Gottsch. 186; DESCHM. 58; 
FULDA 327 u. a. Ist das Wort deutsch, so dürfte es mit 
Nacken stammverwandt sein; denn ahd. h n a c h [GRAFF 

IV, 1127] wird glossiert durch testa capitis; cacumen, des- 
gleichen hnahc, hnachc cacumen; vgl. WEIG. II 2 , 234; 
ZEH. 57. Allein das Wort stammt ohne Zweifel aus dem 
Keltischen. Wir haben ir. cnocc (gl. gibber, ulcus) monti- 
ctdus, wälsch cnwc Beule, Geschwulst, Knorren vgl. KB. 

V, 222; 364. Der kürzere keltische Stamm cun liegt vie- 
len keltischen Eigennamen zu Grunde z. B. Cunobilinus, 
Cunotamus, Cunömaglus, Maglocunus (vgl. FICK 
gr. Personennamen 1874, LXXV), desgleichen in Aoxuvta op-yi 
bei Aristot. Hercynia silva (vgl. GLTJECK Die bei Caesar 
vorkomm. kelt. Namen S. 10 f.). Das Wort lebt noch in den 
heutigen wälschen Dialekten fort: cwn summitas, altitudo, 
cwnwg summitas, culmen vgl. ZEUSS-EBEL praef. VII; 
ZEUSS Die Deutschen und ihre Nachbarstämme 3; KZ. 
XIX, 51, dem ich nicht beistimmen kann; GRIMM Wb. V, 
1462 ; EBRARD Handb. d. mittelgäl. Spr. 240. STOKES 
in KB. V, 364 setzt eine Wz. ku- an und glaubt, es sei 
damit lat. cuneus, cautes, skt. Wz. 96- verwandt. Ich 
glaube dies nicht, sondern führe die Wortgruppe zurück 
auf die Wz. kun-, kvan- schwellen, wozu auch lat. cumu- 
lus Anschwellung, Haufe, gehört. 

nocke , m. , plur. n c k e n , dim. n ö c k 1 kleine Mehlklösse ; 
SCHOE. 471; LEX. KWb. 198; SCHM. P, 1723; KLEIN 
n, 32; STALD. II, 240; SCHMID 409 u. a. WEIG. H 2 , 
234 hält das Wort für entlehnt aus it. gnocco Mehlkloss, 
churw. gnioc. Allein ich glaube, das umgekehrte ist der 
Fall, das it. ist aus dem deutschen entlehnt und es ist unser 
Wort bloss Uebertragung aus dem vorhergehenden. DIEZ 
II 8 , 35 entscheidet nicht. 



■ 

: 



174 

nacke, n. das Hinterhaupt; vi nacke von Grand aas, mit 
Stumpf and Stil, z. JJ. einem die hör and dia oar'n vi 
nacke ausreiss'n; nacken, v. einen tüchtig hernehmen, 
peitschen, hauen; SCHOE. 453; LEX. KWb. 195; SCHM. 
± a , 1720. mhd. nac, nackes, auch nacke [LEX. MWb. 
II, 3; BM, II, 283] Hinterhaupt, Nacken, ahd. hnach 
[GRAFF IV, 1126 f.], an. hnakki. Nach LEX. MWb. 

11, 3 mit ange, angel, anke zu skt. Wz. anc- biegen, 
krümmen. Dem widerstrebt der gutturale Anlaut der alt- 
germanischen Dialekte; vgl. WEIG. II a , 186 f.; PAULI 
Benennung der Körpertheile 13. Da ahd. hnacki, hnach, 
hnahc, hnachc einerseits durch occiput, testa capitis, 
a$dererseits durch cacumen glossiert wird [GBAFF IV, 1127], 
halte ich unser Wort für stammverwandt mit nock w. s. 
vgl. auch das nhd. Gipfel, Gibel, Scheitel. — Etwas anderes 
scheint vernacken zu sein: vernageln, vernieten; ver- 
nackt und vernög'lt, aber auch in übertragener Bed. 
wie vernagelt. Ich halte es für ein intens, von ver- 
nageln, ohne dass ich jedoch glaube, es repräsentiere dieses 
-nack eine ältere Lautstufe von Nagel. 

näckit, adi. nackt; näckits, n. die Nacktheit, der unbe- 
deckte Körper ; näckibatz'l ein nacktes Kind [SCHTVTTD 
400: nackebausele]; bluats-, auch blooss-näckit 
ganz nackt (über diese Zusammensetzung vgl. TOBL. Wzs. 
116 f.). Es scheint aber nicht Blut darin zu stecken, son- 
dern mhd. blut bloss, nackt, daher schon mhd. blut- 
nacket; LEX. MWb. I, 319; BM. II, 295 b ; SCHOE. 
456; LEX. KWb. 195; SCHM. I*, 1721; FICK HI 8 , 157; 
I 8 , 124; SCHA. 2 638. 

nickl, d. i nie kein, v. Bewegungen mit dem Körper machen, 
z. B. um sich der Flöhe zu erwehren, kratzen; subst. 
nickier, m. nom. actionis et agentis; SCHOE. 470; 
SCHM. P, 1722; STALD. H, 238; Germ. V, 352. Es ist 
wol ein intens, zu nicken, und dieses zu neigen. Ist 
dies richtig, so braucht man das: er nikk et sich in dem 
grind [Der Ring v. Heinr. v. Wittenweiler 36 d , 22] nicht 
anzuzweifeln. 

nucken, v. einschlafen und dabei mit dem Kopfe nicken; 
nucker m. ein kleines Schläfchen, auch dim. nuckerle, 
z. B. a nuckerle mächin ein kleines Schläfchen thun; 
LEX. KWb. 200: nug'n, nugaz'n schwanken; SCHM. 

1 2 , 1724: nücken, ältere Spr. nucken einschlafen vgl. auch 
HOEP. II , 295; SCHILL. LUEBB. HI, 207*: nucken Be- 
wegungen mit dem Kopfe machen ; TOBL. 335 a ; STALD* II, 
245 u. a. mhd. nücken [LEX. MWb. H, 118; BM. H, 
422 a ] nicken, stutzen (vom Pferde), einnicken, einschlafen. Zu 
nicken. 



175 

nud'l, f. Nudel, plur. nüd'l; dim. nüdile; auch eine 
dicke Person; penis; schm&lznud , l, schottnüd'l, 
krautnüd'l, geinernü d'l (w. s.), milchnüd'l, ün- 
g'schmölzte nüd'l; nüd'lbröit das Brett, auf dem 
die Nudel bereitet werden. Ein Kinderreim lautet: 

throll thrtndl, ihroll thraindl 
spüdl '« nöd'lbrött o, 
wenn 's hennd'l drau gaggit 
»pitel 's nou a mhl 6 1 

nüd'l d. i. nudeln, v. wie eine zu verfertigende Nudel 
wälzen, einen aufreiben: es hkt'n ginüd'lt; nüd'lbälk! 
nüd'lbälk! sagt paan, wenn man Kinder auf eine Bank 
oder auf den Tisch legt und sie so wie Teig hin- und her- 
wälzt; SCHOE. 474; LEX. KWb. 199; SCHM. P, 1728; 
BIRL. 356; STAU). H, 245; SCHTZ. in, 155; WEINH. 
65 b ; LOB,. 94 u. a. Man vgl. zwar das mhd. nütteln, 
notten sich hin- und herbewegen, schwingend zu schlagen ; 
rütteln. Allein mir ist diese Vergleichung zweifelhaft, nüd'l 
kommt erst spät vor (1560 bei LEX. KWb. 199 ; WEIG. 
II a , 244). Es hat fast das Aussehen eines Lehnwortes. Ich 
denke an lat. nodus, dim. nodulus, it. nodo, nodello 
Knoten, Knötchen, skt. gawda Knoten, Knolle, Knäuel. 

noet, f., plur. nöote Not, Dürftigkeit; noatik, adi. mager, 
hager bes. vom Vieh; ginöote, n. dürftige Umstände, was 
g'fröit; aber ginöet, m. viele notwendige Arbeiten, 
Eile; ginöatik, adi. notwendig z. B. i brauch mei 
gelt ginöotik; ginöatik höb'm notwendige Arbeiten 
haben ; n ö 9 1 ' n , v. zwingen , fretten ; bes. heisst man 
nöet'n, wenn brünstige Kühe nach der Begattung den 
Bücken aufstellen und ähnliche Grimassen machen. Man 
schmiert sie dann mit Branntwein am Kopfe ein: dia kua 
nö'otit se; nöote r, m. der in misslichen Verhältnissen ist ; 
auch dim. nöeterle; vi nöet'n darum, in Folge dessen, 
hinc illae lacrimae; SCHOE. 473; LEX. KWb. 199; SCHM. 
I 2 , 1771 ff.; HOEF. 11,294; STALD. II, 444; TOBL. 335 a ; 
SCHMID 408. Ueber die Etym. vgl. WEIG. U\ 240 ; FICK 
HI 8 , 156; PETERS Beitr. z. Wortf. [1871] 5 ff.; DIEF. 
Wb. H, 99; MGSpr. 199; ZEH. 68; 162; POTT WWb. 
HI, 117 f.; SCHA. 2 658 u. a. 

n&tschin, v. fressen wie das Schwein; nätscher, m. das 
Schwein; dim. nätscherle; nätsch! nätschl oder sü! 
sü! sü! Lockruf an Schweine; SCHOE. 462; LEX. KWb. 
196; SCHM. I 3 , 1765; BERND 193; 189; CAST. 206; 
HOEF. H, 208; STALD. H, 244; DANN. 148; SCHAMB. 
146 ; VILM. 288 ; SCHULTZE 41 ; SCHBOE. 193 ; WEINH. 
64; SCHMID 410; BUED. H, 105; FULDA 321 ; 331 u. a. 
Lessing gebraucht nut sehen (z. B. in einem Briefe an 



176 

Moses Mendelssohn 10. Bd. 499 in der Ausg. 1869 Stuttg.). 
Es scheint intens, zu naschen. 

nöjtz, n. fast nur in der Bed. : die netzartigen Eingeweide; 
wenn einer so recht tüchtig schnupft, heisstman ihn nöitz; 
SCHOE. 466; SCHM. I a , 1775. Schon mhd. netze in dieser 
Bed. [LEX. MWb. II, 60; BM. II, 330 b ; DIEP. gl. 496 a ] 
Netz um die Eingeweide. Ueber die Etym. vgl. GRIMM 
Gr. m, 466; DIEF. Wb. II, 104; MGSpr. 200; CURT. 4 
343; FICK HI«, 160; SCHA. 3 647. 

näfft, adv. nachdem, nachher. Schon mhd. naft [LEX. MWb. 
II, 15] nach; enst. aus nach äft. 

nög'l , m. Nagel, aber auch Nelke; häufiger in letzter Bed. 
n agile, dieses auch Gewürznelke; die Benennung der ver- 
schiedenen n agilen wie bei SCHOE. 457; LEX. KWb. 
195. Schon mhd. u.ahd.n egg ellin, negellein, nägellein 
und verschiedene andere Formen [LEX. MWb. II, 43]. Von 
Nagel. 

nagg'l u. nägg'l d. i. naggeln, v. rütteln, schütteln, auch 
intr. z. B. der stuol nagg'lt; naggier, m. einmaliges 
Rütteln oder einmalige Bewegung und der nagg'lt; auch 
dim. nagg'lerle; SCHOE. 458; LEX. KWb. 198; SCHM. 
P, 1721; eimbr. Wb. 150*; REINW. II, 158; KLEIN H, 
26. Intensivum von nicken. 

niggl in zournniggl od. dim. zournniggile ein zorniger 
Mensch; einem solchen Menschen ruft man zu: 

zourniggile, heisa bhvnd'l, 

whlg rhvnd'l. t 

Eigentlich Zorn-Igel vgl. SCHOE. 285; SCHM. P, 1739; 
bair. Gr. 610; KLEIN II, 30; SCHMID 407; LOB, 93; 
BIRL. VW. 71 u. a. 
nigile, n. nüssenförmige, im Schmalze gebackene Mehlspeise; 
auch ein kleines Kind, in dieser Bed. auchneggele; daher 
von den Engeln gebraucht, die am Himmelfahrtstage und 
am Pfingstsonntage in der Kirche als Begleiter des Heilandes 
an Schnüren über das sog. Himmellouch (an der Decke 
der Kirche) heruntergelassen werden ; der Kinderreim heisst : 

die nigilen die ndgüen, 
die mächin burschzegägilen, 
bald auf bald d, 
die engüen hent do. 

SCHOE. 469; LEX. KWb. 198; SCHM. P, 1722; HOEF. 
I, 303; II, 292; SCHMID 407; STALD. II, 238 ; 240. Ge- 
hört es zu nocke? Kaum. Eher zu nickel, m. kleines, 
unansehnliches, zwergartiges Pferd; kurzer, unansehnlicher 
Mensch vgl. WEIG. IP 221. 
näBg'n, v. sich neigen z. B. 's glos nä'Bgg das Glas steht 
schief; dann auch trans., besonders beim Trinken das Glas 
so halten, dass man daraus trinken kanv«; SCHOE. 458; 



_ i rL_ 

SCHM. I 2 , 1733; cimbr. Wb. 150\ nhd. neigen, worüber 
WEIG. II*, 209; GRIMM kl. Sehr. HI, 138; ZZ. I, 18; 
MGSpr. 40; DIEF. II, 572; POTT WWb. I, 679 ff.; KZ. 
XVII, 271. Dagegen bedeutet bei uns neigen wie 
nucken einschlafen, wobei man mit dem Kopfe nickt. 
nojin , v. stampfen ; auch verächtlich von einem , der nicht gut 
tanzen kann; göerste, mög'n nojin; daher noi- 
göarste Eollgerste; 's göerste nojin ein Kinderspiel. 

Zwei Kinder stellen sich mit dem Bücken zusammen, umschlingen sich 
und heben sich wechselweise in die Höhe. Dasjenige, welches das andere in 
die Höhe hebt , spricht: 

A was noischef 

B gödrste. 

A wem n&tschesef 

B mein göpVn. 

A wds hasche für göstef 

B mhttiger *) und tsclmp^mhuc^tr. 2 ) 

A wds bringent si disrf 

B a gschtattile*). 

A wds ist in gschtattitin? 

B a knoüe*). 

A wds ist im knoile? 

B a nod'l. 

A wds ist in der nödH? 

B a ßd'n. 

A wds ist im föd'n f 

B a laus, 

A was ist in der lausf 

B a nisse. 

AB nisse nisse nider, lause laus* au. 
Bei den letzten Worten lassen sie sich auf den Boden nieder und 
schieben sich gegenseitig mit den Rücken wieder auf was dreimal wieder- 
holt wird, 

SCHOE. 476; LEX. KWb. 196; SCHM. I 3 , 1711; cimbr. 
Wb. 149*; SCHTZ. m, 143; brem. Wb. VI, 208; ZING. 
Wb. 45 u. a. mhd. niuwen, nüwen [LEX. MWb. II, 
. 95; BM. II, 41 8 b ] stampfen, zerstossen, zerdrücken, beson- 
ders auf der Stampfmühle enthülsen, ahd. nüan, niuwan 
[GRAFFIV, 1125] tundere, conterere. skt. Wz. nud- stossen 
vgl. FICK in*, 156; PETERS Beitr. z. Wortf. 6 ff. 

nöle, f. Ahle, schuesternole; SCHOE. 458; LEX. KWb. 
196; SCHM. I 3 , 1736. Man nimmt gewöhnlich an, das Wort 
sei entstanden aus ale mit vorgeschlagenem n. Dass diese 
Erklärung möglich ist, gebe ich gerne zu vgl. WEINH. 
mhd. Gr. [1877] S. 177, § 197; B. Gr. 171, § 165; AI. Gr. 
167, § 199;^SCHM. Bair. Gr. 610. Allein es wäre doch zu 
erwägen, ob nöle nicht das mhd. nädel, nadele, nälde, 
nölde, bei DIEF. gl. ll b geradezu nole, sei. Mir ist 
dies nicht unwahrscheinlich. Es gibt nämlich in unserem 



*) Matreier, Bewohner von Windisch-Matrei. 2 ) tschuppe vgl. S. 45 
8 ) Schachtel Schö. 702. *) Kneuel. 

11 



178 



Dialekte (ausser den Verwandtschaftsnamen nüne u. nene) 
kein Wort mit vorgeschlagenem n, das nicht auch ohne 
dieses n gesprochen würde; statt nöle hört man aber 
nie öle. 

nüm, m. der Name; es hat käBn nüm es ist nicht der Rede 
wert, ähnlich man kün in gor kä^n nüm göib'm; 
üb er nüm Spitzname; LEX. KWb. 196. 

niamp, dat. niempe niemand; in Hopfgarten nemp, nempe. 

namle, adv. freilich, gewiss, sicher, auch namle woll; 
SCHOE. 460; LEX. KWb. 196; SCHM. I*, 1741. Es ist 
= nhd. nämlich, obwol auch nämlich als adi. gebraucht 
wird z. B. der nämliche fletsch der gleiche Lump. 

namme , f. hört man nur vereinzelt, fast nur in einigen Fami- 
lien, statt amme = Mutter; SCHOE. 460. 

niemer nicht mehr; zu bemerken ist die Redensart: ist öis 
sou niemer! haben sich doch die Zeiten so geändert, so 
verschlechtert! eig. es ist nicht mehr wie es war; SCHOE. 
468; SCHM. P, 1711. 

nÄne, m., dim. nend'l Grossvater; ürngne Urgross vater ; 

fugginene TIrurgrossvater ; den roet'n nSn söehin 
äss'n ein Kind beim Kopfe erfassen, und es so in die 
Höhe heben; SCHOE. 465; LEX. KWb. 198; SCHM. P, 
1746; cimbr. Wb. 149 b ; 150 b ; SCHMID 397; STALD. I, 
92; H, 230; HOEF. I, 36; HZ. I, 21 ff.; WEINH. 64; 
FZ. IV, 39; BIRL. VW. 70. mhd. ane, ene, ahd. ano 
vgl. GRIMM Wb. I, 192. Ebenso nüne, f., dim. nünd'l 
Grossmutter. mhd. ane, ahd. anä vgl. SCHOE. 460; 471; 
LEX. KWb. 196; 198;, 200; SCHM. P, 1746. 

nüngg'n, v., auch nuangg'l kleinlaut jammern , nach etwas 
kleinlaut jammernd verlangen ; nüngger,m. ein einmaliges 
nüngg'n u. nom. agentis; vgl. nenken (nefake) an einer 
Sache etwas auszusetzen haben BIRL. 351 a . FROMM, zu 
SCHM. I 2 , 1750 vergleicht knenken und knaunzen 
SCHM. I 3 , 1351; GRIMM Wb. V, ULI ff.; 1370. 

när, m. Narr, ein überaus häufig gebrauchtes Wort, stets _ 
ohne schlimmen Sinn (für irrsinnig wird läppe w. s. ge- 
braucht); oft als Ausruf der Verwunderung: scho nar! 
auch näre! närit! närisch! hällnär (= Halbnarr) ! 
närit adi. närrisch, verliebt, auch vern&rscht; närita 
zoik die (Jeschlechtsreize; naritei m. u. f. Spass, Scherz, 
Posse; närisch adi. verliebt; sprichwörtlich: kitzltumm 
und kalblnärisch; subst. närisch, m. die Verliebt- 
heit, den närisch nöchzoihin, in närisch d'rin- 
tröit'n u. ähnl. Ausdrücke für starkes Verliebtsein; 
binär seht = benarrt, vor Kälte gelähmt (an den Hän- 
den); vgl. SCHOE. 461 f.; LEX. KWb. 196; SCHM. I«, 
1753; STALD. II, 231; SCHMID 401; WEINH. 64 u. a. 



179 

mhd. narre, ahd. narro. Die Etym, ist noch nicht auf- 
geklärt vgl. ZEH. 161; DIEZ H«, 385; WACKEßN. Wb. 
209; SCHA. 2 640. Demnach wäre es „Nasenrümpfer" von 
narus, dagegen WEIGk E>, 199. 

norgge , m. etwas verkrüppeltes. Gehört es zum folg. ? Es wäre 
mir wahrscheinlich, wenn nicht das adi. norggit eine 
ganz abweichende Bedeutung hätte; norggit bedeutet: in 
grosser Menge beisammen z. B. von Beeren , Kartoffeln, 
Baumfrüchten. In welchem Zusammenhange stehen die bei- 
den Wörter? 

nergglle, n. eine kleine unansehnliche Person; SCHOE. 472. 
Von den berüchtigten norken, nörggilen ist nichts 
geblieben, als dieser verblasste Best; über diese Spuck- 
männchen vgl. ZINGh Sag. 39; 51 u. sonst; ALPENBURG 
Myth. 71 ff. u. sonst; MANNHARDT Baumkultus I, 110 f.; 
WZ. I, 290. 

n&SChg'l, v. essen, naschen; näschgler, m. Nascher; der 
Windbohrer. Prequentativum von naschen. 

nischg'l, auch nischin, v. an etwas herumkramen, wobei man 
ein leises Geräusch hört; subst. nischgler nom. ag. et 
actio; SCHOE. 470; SCHM. I 2 , 1764; 1766; STALD. H, 
246; DAEHN. 332; SALLM. 25; BERND 192; LOR. 
94 u. a. 

nöst'l , f. Riemen aus weissem Leder ; bes. bei Hochzeiten tra- 
gen die Braut, der Bräutigam und wenigstens die nächst 
anverwandten Graste ein Büschel weisser nöst'l [HOEF. 
H, 528; ZING. Sitt. 2 20]; verb. nöst'l d. i. nösteln 
schnüren , an den Kleidern herumarbeiten ; oehinnöstl 
die Hose hinabthun alvum exonerandi causa ; auhinnöstl 
die Hose hinaufziehen und festschnüren; SCHOE. 466; 
LEX. KWb. 197; SCHM. I 2 , 1767; SCHILL. LUEBB. m, 
178; KLEIN II, 29; 32; TOBL. 331 b ; STALD. II, 235; 
DAEHN. 327; HOEP. II , 228; LOR. 93 u. a. mhd. nestel 
[LEX. MWb. II, 59; BM. II , 330 b ] Handschleife, Schnür- 
riemen, Binde, ahd. nestila, nestilo, nestil [GRÄFE 
II, 11071. Wz. nag, nahs nectere, nestel also aus 
nehstel vgl. FICK in«, 159; WACKERN. Wb. 21 1*; 
WEIGK n», 213 f.; DIEF. Wb. II, 106; POTT WWb. 

in, 920. 



r. Es ist schon oben unter 1 bemerkt worden, dass 1 oft mit 
einem Hauche gesprochen werde. In weit grösserem Um- 
fange ist dies bei r der Fall. Die Bewohner der Berge, 
namentlich von St. Veit hinaus, sprechen jedes anlautende 
r wie hr z. B. hreit'n, hröorn, hr&Bt'n, hride, 
hr antik u. s. w. Dagegen hört man diesen Hauch nicht 



J80_ 

bei den Bewohnern der Thalsohle, namentlich bei den Be- 
wohnern von St. Jakob; über diese Erscheinung vgl. 
GRIMM Gesch. 307; SCHM. Gr. 622; LEX. KWb. XIV; 
WEINH. B. Gr. § 160. 

raup, m., plur. raup'm, dim. räupile ein schlimmer Junge, 
Taugenichts; rauperei, f. mutwillige Handlung oder Ge- 
sinnung: er hat alleweil dia rauperei in köpfe; 
SCHOE. 539; SCHM. H a , 129; FULDA 383: raupe pos- 
senhafter Einfall; RUED. II, 111; LOR. 105; HOEF. III, 
19; HUEGEL 127; 210; STALD. II, 264; SCHMH) 425; 
BERND 234. Woher das Wort? Zu rauben passt der 
Vocalismus nicht; eher zu raupe, welches letztere freilich 
selbst nicht genügend erklärt werden kann; SCHMIDT 
Voc. I, 159; MAR. H, 13. 

ruop, dim. rüep'l und rüopile Rupert; rüap'l bedeutet 
ferner einen mutwilligen, unruhigen Buben; davon verb. 
r ü 9 p' 1 d. i. r ü e p' l 7 n herumraufen , sich herumbalgen ; 
SCHOE. 667; SCHM. H*, 131; VILM. 334; FULDA 412. 
Dass diese Wörter zusammengehören, ist wol nicht zu 
bezweifeln; vgl. GRIMM Myth. 472. rüep'l ist Kose- oder 
Kurzform aus ahd. ruodpreht vgl. STARK Kosenamen 
[1868] S. 142; POTT Personennamen 2 [1859] S. 226; 222 
u. sonst; WEIG. II 2 , 505; MANNHARDT Waldkult. I, 
327; H, 184; 187; 199; KUHN Zeitsch. f. d. Alterth. V, 
482 ff. u. a. 

rappe, f., plur. rapp'm die Räude; bei Menschen Ausschlag; 
rappik, adi. räudig, voll Ausschlag; sprichw. : er frisst 
wie a rappiger bock weil die Böcke, die mit den rap-. 
p e n behaftet sind , viel mehr fressen sollen ; SCHOE. 534 ; 
LEX. KWb. 204; SCHM. H 2 , 128; SCHMID 419; HOEF. 

111, 16; STALD. II, 258 u. a. mhd. rappe, rapfe 
[LEX. MWb. H, 343; BM.II, 555 a ] Krätze, Räude. WEIG. 

11 2 , 433 leitet das Wort ab vom ahd. raphan, rafan 
[GrRAFF II, 494] verharschen (von der Wunde), sich mit 
einer rauhen Kruste überziehen. Allein es gibt noch andere 
Möglichkeiten, die ich nicht übergehen will. Das Wort 
könnte auch h im Anlaut eingebüsst haben und zu lit. 
krap-styti schaben , scharren , kratzen , gehören , wozu 
FICK III 8 , 83 auch ags. hrepian, hreppan tangere, 
attingere, an. kreppa erhalten, stellt. Ferner kann ruf 
in Betracht gezogen werden (w. s.). DIEZ I s , 342 stellt it. 
rappa Schrunde an den Füssen der Pferde zu it. rappare, 
ndd., ndl. rapen, nh d. r affen, was freilich sehr gewagt 
ist; vgl. noch POTT WWb. I, 1287; V,159; SCHA. 2 697. 
Ebenso werden wir skt. ropawa [BR. VI, 445 J verwachsen 
machend, heilend (Wunden), Mittel zum Zuheilen, aus dem 
Spiele lassen. — Nicht hieher gehört rappeie (u*«j) 



181 

* 

Raubbiene; dieses zu rappen hastig nach etwas greifen; 
SCHM. II 2 , 129. . 

roboilt, f. heisst man die Arbeit, die die einzelnen Gemeinden 
durch eigene Leute vollfähren, Handdienst; r ob out er, m. 
ein solcher Arbeiter; r ob out'n Handdienst leisten; SCHM. 
H 2 , 10; ZISKA Prob. II, 13; POPO WITSCH Unters. 302; 
LOR. 107; CAST. 222; HOEF. IH, 40; BERND 238; 
KLEIN H, 91 u. a. Schon mhd. robäte, robät [LEX. 
MWb. H, 478; BM. H, 757*] Frohnarbeit, robäter 
Frohnarbeiter, robäten Frohnarbeiten thun, frohnen. Das 
Wort stammt aus dem slav. roböta, raböta von rob, 
r ab Knecht vgl; WEIG. II 2 , 482; IARN. 90; GUTSM. 
539: rabot, rabota Frohndienst, Robat. Ueber die Wz. 
vgl. HW. s. v. labor p. 108; FICK I 8 , 192; CURT. 4 
293; PICTET Les Origg. II, 397; MIKL. 767; POTT 
WWb. V, 356 ff. 

räbile, stabile ein Kinderspiel, auch giwkntstel. Es läuft 
darauf hinaus , dass einem , der nicht flink genug ist , die 
ganzen Kleider (denn er muss ein Stück nach dem andern 
als Pfand einsetzen) geraubt werden, oft sogar das Hemd. 
Daher heisst es auch: räbile, stabile, blöess'n bis 
afs näbile = einen ausziehen bis auf die Haut. 

ripp'l d.i. rippeln, v. wiederholt und stark reiben ; rippler 
m. actio et nom. agentis ; SCHOE. 557 ; LEX. KWb. 209 ; 
SCHM. IP, 9; ZISKA Prob. II , 13; HOEF. IH, 36 u. a. 
Wenn die Erklärung bei WEIGr. II 2 , 479 richtig ist, muss 
unser Wort von dem dort behandelten rippeln getrennt 
werden; denn unser rippeln ist gewiss nur iterat. von 
reiben; SCHA. 2 712. 

räch, m. Rauch; sünewendträch Sonnenwendrauch; räch- 
mäntl pluviale; doch sagt man nicht weihräch, sondern 
Weihrauch; rächer, m. Raucher; bes. der Ministrant, 
der das Rauchfass trägt; dim. rächl; verb. räch in rau- 
chen und räuchern. Bei uns wird noch an den Vorabenden 
von Weihnacht, Neujahr und Dreikönigsfest geraucht vgl. 
SCHM. IP, 15; ZING. Sag. 365; Sitt. 2 126; SCHOE. 524. 

roach, adi. roh, aber nur von ungekochten Speisen; röohilin, 
v. nach rohem riechen z. B. 's mnas röehilit; SCHM. 
n 2 , 85. Ueber die Etym. FICK IH 8 , 84; SCHA. 2 422 f. 

röech, n., gewöhnlicher dim. röohl Reh; SCHOE. 541; 
SCHM. II 2 , 83. Ueber die Etym. vgl. FICK III 3 , 253. 

räBchin, v. reichen; bes. die Grarben dem herpfer (w. s.) 
hinaufreichen; rascher, m. der Grarben hinaufreicht; 
rä"echstänge die Stange, mit der die Garben hinauf- 
gereicht werden; auch eine dünne, lange Person; SCHOE. 



182 

528; SCHM. II 2 , 13; SCHROE. Gottsch. II , 194; MAR. 
H, 4; WEIG. m, 456; FICK HP, 248. 

rechbr5|t, n. das Leichenbett: afnrechbröite lig'n wie 
mhd. üf dem re ligen; SCHOE. 541. mlid. re, rewes 
[LEX. MWb. H, 355; BM. II, 585 b ] Leichnam, auch Todten- 
bahre, ahd. hrev, ags. hraev, gt. hraiva-, skt. kravya 
Fleisch, Aas. Wz. krav-, kru- vgl. FICK HI 8 , 84; 
MGSpr. 40; CURT.* 154; POTT WWb. I, 680; SCHER. 
472; KZ. XVIII, 42; ZZ. I, 18; BOPP gl.* 96; SCHA.» 
423 ; HW. s. v. caro und crudus. 

rickler, m. beim Spinnrad der Stab, an welchem der Flachs 
festgebunden wird; nach SCHM. II a , 45 heisst rickle in 
Gottschee: Stange zum Trocknen von Heu oder Garben; 
ich finde jedoch das Wort nicht bei SCHROEER Ein Aus- 
flug nach Gottschee 1869; 70; vgl. aber VILM. 324; 
SCHMID 433; RICH. 210; SCHAMB. 172; DANN. 172; 
SCHTZ. IH, 296; DAEHN. 381 ; KLEIN II, 87; FULDA 
399 u. a. Zu vergleichen ist ohne Zweifel mhd. ricken 
[LEX. MWb. II, 421; BM. II, 682 a ] anbinden, fesseln, 
einfriedigen , einschliessen , häckeln , zusammenschnüren ; 
ric, ricke Band, Fessel, Verstrickung, Knoten, Schleife, 
wagrechtes Gestelle, Stange oder Latte, um etwas daran 
zu hängen. Zu rihen, ahd., ags. rihan, skt. rikh- an- 
ritzen, aufreissen, rekhä Riss, Strich, Reihe; FICK IH 8 , 
253; LEO 324; WEIG. II 3 , 448; SCHA. 3 714; 715. — 
Statt rickler hört man auch wickler w. s. 

röckin, v. 1) strecken; sich röckin sich ausstrecken; die 
hänte auröckin die Hände falten; den köpf auröckin 
den Kopf in die Höhe heben; daröckin zuviel recken 
u. s. w. 2) reichen; dio hänt röckin die Hand reichen 
(zum Grusse). Der alte Spruch beim hänt röckin war: 
willikumm (w6) d. i. willkommen; SCHOE. 542; LEX. 
KWb. 206 ; SCHM. II 3 , 42 f. ; SCHMID 431 ; cimbr. Wb. 
159; LOR. 107; STALD. H, 265; BERND 235; brem. 
Wb. IH, 471 f.; SCHAMB. 170; DANN. 171; DAEHN. 
378 u. a. vgl. mhd. recken LEX. MWb. II, 362; BM. 
H, 590*; WEIG. H 3 , 449; FICK IH 3 , 248; SCHA. 3 710. 

raut, m., dim. räut'l eig. ein ausgereuteter Platz; mehrere 
Wiesen im Thale heissen raut, räutl, desgleichen zwei 
Ortschaften, eine in Hopfgarten, eine in St. Veit; unter- 
raut ein einzeln stehendes Haus, des Verf. Geburtsstätte 
aureut'n ein Stück Wiesengrund zu einem Acker umge- 
stalten; SCHOE. 540; LEX. KWb. 205; SCHM. H a , 175 
180; SCHN. 169; SCHROE. Gottsch. II, 192; cimbr. Wb 
159 b ; TOBL. 372; SCHMID 431 u. a. mhd. riute [LEX 
MWb. II, 471; BM. II , 748 a ] Stück Landes, das durch 
riutan urbar ist gemacht worden; ahd. rüt, riut. Wz. 



183 

ru-, lat. e-ru-ere, ksl. ry-ti, lit. rauti ausreissen vgl. 
FICK HP, 455; WEIG. II*, 468; POTT WWb. I, 1270; 
dess. Personennamen* 74; 514; FOERST. Die deutsch. 
Ortsnamen 78; dess* Namenbuch II, IL 92 ff. 

r08t adi. rot; rSafn sich röten, rot werden ; Redensart: von 
nöet'n, thuot si dia kuo röot'n; röete, f. die rote 
Farbe , Morgen- und Abendröte ; Bauernregel : m o, r g ' n- 
röet'n, thuet si der obmp köet'n; öbmpröate, 
scheint di9 sunn' in die schrÖ9te; roapar, f., 
plur. roQparn und röeper Erdbeere, dim. roeparle u. 
röoparle; röet'l, m. Rötel; bräntröetele, bränterle 
Rotschwänzchen (wobei bräntroat = feuerrot sein 
wird, wie mich POTT aufmerksam macht) ; r ö 9 1 e , f. Name 
eines Berges: gro9ss rÖ9te, kläun röote; rÖ9tschilit 
adi. rötlicht; SCHOE. 564 f.; LEX. KWb. 210; SCHM. 
II*, 184; STALD. II, 284; FICK IIP, 257; POTT WWb. 

III, 1017 f.; SCHA.» 724. 

rott , f. eine Abtheilung in den Gemeinden ; jetzt nur mehr in 
einigen Ausdrücken erhalten z. B. groess rott, rott 
tschitsch; rottmann derjenige Mann in jeder Rotte, 
der gewisse gemeinsame Arbeiten von Haus zu Haus an- 
sagen muss; SCHOE. 565; SCHM. II», 187; Oest. Weisth. 

I, 411. Das Wort wird für slavisch gehalten (red Ordnung, 
oder rod Geschlecht, Verwandtschaft; dazu POTT WWb. 

IV, 799) vgl. BIDERMANN Slav. Blätter [1865] S. 12 ff. 
= Dorflinde Bruneck [1866] II, S. 6 ff.; HOERMANN 
Tirol. Volkstypen [1877] S. 237. Ich halte dies durchaus 
nicht für gewiss. Es ist kein Grund vorhanden, unser Wort 
von mhd. rote, rotte, rot [LEX. MWb. II, 504; BM. 

II, 772*1 zu trennen; dieses bedeutet: Schar, Abtheilung, 
Rotte, Gemeinde, Marktgenossenschaft [vgl. GRIMM Weisth. 
I, 190; Oest. Weisth. I, 411 *; TOBL. 366; STALD. H, 
282; 285; SCHMID 437; brem. Wb. in, 531 u. aj und 
ist nach WEIG. II 2 , 493; DIEZ I« f 359; GRIMM Gr. I, 
494 aus lat. rupta entstanden, gleichsam ein Bruchtheil. 

roud'l, m., dim. röidile 1) Rührstab beim Muskochen, vorne 
mit mehreren Zacken versehen; roud'l d. i. roud'ln, v. 
mit dem roud'l quirlen, rühren. 2) ein quirlartiger Stab, 
um die Erbsen zu stützen; roud'l oder auroud'l, v. die 
Erbsen mit röid'l stützen;, haben sich die Erbsenge wäch^p 
an den röid'ln festgeklammert, heisst es: dia ärbiss'n 
hob'mp gihant'lt; SCHOE. 561; LEX. KWb. 209; 
SCHM. n a , 62; STALD. II, 279; TOBL. 367; FULDA 406 
u. a. Man könnte an rotula denken, woher auch mhd. 
rodel Register, Liste. Mir ist jedoch wahrscheinlicher, dass 
roud'l mhd. ruoder, ruodel, rüdel, rodel ist [LEX. 



184 

MWb. H, 545; BM. II, 788; 608*] Ruder; modern, 
modeln rudern; SCHA. 3 730. 

rätler, m. die grösste rä-echstänge. Das Wort könnte 
compar. von rätle reichlich (vgl. SCHOE. 537) sein. 
Vielleicht ist es aber mit rante lange Stange, verwandt 
vgl. LEX. KWb. 204; SCHM. IP, 126. Auch wend. r a n t a 
[GUTSM. 539 b ] lange Stange, wol aus dem Deutschen ent- 
lehnt. Oder ist es =radl, ratel eine dünne, hoch aufge- 
schossene Buche, bei SCHMIDT 156; SCHMID 429; 
FULDA 390? 

reid'n, v. wenden, drehen; öreid'n ablenken: jous'l! reid 
6, öts göat ins muas sagte die Bäurin zum Bauern, als 
er in der Frühe über den solder des ersten Stockes hinab 
pisste, während das schon gekochte muas unter ihm zum 
Abkühlen hingestellt war; reide, f. Wendung, Drehung; 
dim. reid'l; reid'lweis adv. in Krümmungen; aus.reid'l 
wird zusammengezogen räd'l, verb. räd'ln drehen, daher 
der r ad' lwint Wirbelwind; SCHOE. 545; LEX. KWb. 
202 ; SCHM. II a , 53 ; FZ. VII, 106 ; LOR. 103 ; WEG. 39 ; 
ZING. Wb. 46; cimbr. Wb. 159; VILM. 321 u. a. vgl. 
rid'n. 

rid'n, v. in Unordnung bringen; darid'n verwickeln; ride, n. 
zerwirrtes Stroh; ridebänz'n ein aus ride zusammenge- 
bundener schab; geride, n. Gewirre. Dazu auch rid, 
m. Wendung, Kehr; dim. rid'l; rid'lköare, f . heisst ein 
sich windender Weg in der Gemeinde St. Veit; rJd'ld. i. 
rid' In, v. unredlich spielen; ridler, m. der unredlich 
spielt; ebenso f. ridlerin. Manchmal hört man statt r ig' 1 
auch rid'l, ohne dass dieses Wort mit unserem zusammen- 
zustellen wäre ; SCHOE. 553 ; LEX. KWb. 208 ; SCHM. II 2 , 
58- f.; STALD. II, 253; SCHMID 424; cimbr. Wb. 160; 
LOR. 107; CAST. 220; HOEF. III, 6; HUEGEL 128; 
SCHROE. Gottsch. II, 195 u. a. mhd. riden [LEX. MWb. 
II, 422; BM. II, 696 b ] winden, durchwinden, durchseihen, 
drehen, wenden, sich rühren, fortbewegen, ahd. ridan 
[GJRAFF H, 473], ags. vridhan [LEO 272], an. ridha, 
germ. Würz, vrith- aus varth- vertere vgl. FICK III 3 , 
309 ; POTT W Wb; IV, 234 f. ; HW. s. v. verto ; BB. I, 
55; SCHMIDT Vo£ II, 460. 

reift! wie bei SCHOE. 457; bes. ist es gebraucht von brün- 
Tstigen Kühen: die kuo reitit; ritik adi. brünstig; 
ferner bedeutet r e i t ' n dasselbe was sonst rodeln: Schlitten- 
fahren von Knaben; SCHM. II 3 , 176; STALD. II, 270. 

reiter, f. grosses Sieb; r eitern sieben; auch heiäst reite rn, 
wenn bei dem Mädchenspiele stä-endlin (w. s.) eines der 
Mädchen einen Stein aus der Hand fallen lässt; SCHOE. 
548; LEX. KWb. 207; SCHM. II 2 , 179; SCHMID 420; 



ß 



185 

WEINH. 77 ; PETT. Beitr. I, 11 f. ; REGEL 252 ; SCHMIDT 
162; BTJEHL. I, 116; LOR. 106; CAST. 216; HOEF. m, 
30; HUEGEL 128; ZING. Wb. 46; SCHROE. 285;cimbr, 
Wb. 159; KLEIN II, 85; FULDA 376; BIRL. 373; VILM. 
323; TOBL. 363 a u. a. mhd. riter, reutere, reutter 
*EX. MWb. II , 465; BM. II , 745*1 Sieb, Reiter, ahd. 
ritarä, ritera, ritra [GRAFF II, 475]. Wz. kri-, 
kar-, skar-, gr. xpCvw, lat. cerno vgl. ZZ. I, 18; CÜRT. 4 
155; CORSS. Ausspr. I» f 474; WEIG. II 3 , 462; SCHA.* 
424* ; ZEH.' 107; SCHMIDT Voc. II, 459. 

ratsche, f. eine dünne, verkrüppelte rüne (w. s.); dav. verb. 
ratschen sich so stark kratzen, dass es den Laut gibt, 
als ob man ratschen auf der Erde dahinzerre vgl. auch 
rängge. 

ratsche, f. die Klapper, die in der Charwoche statt der Glocken 
verwendet wird ; eine geschwätzige Weibsperson ; eine Masse, 
ein Haufe, ähnlich wie lärm, surm, läne; rätscher, 
m. Prahler, Aufschneider; ratschen klappern; scharren, 
den Laut r stark aussprechen ; SCHOE. 537 f. ; LEX. KWb. 
205; SCHM. H 2 , 190; SCHMID 421; ZISKA Prob. H, 12; 
SCHN. 276; POPO WITSCH Unters. 302; Idiot. Austr. 103; 
LOR. 105; CAST. 214; HOEF. m, 17; HUEGEL 125; 
SCHMIDT 160; STALD. II , 261; KLEIN H, 77; FULDA 
375; TOBL. 357*; FRISCHÜ, 90*; VILM. 316; ZARNCKE 
zu Brant 375*. mhd. retschen [LEX. MWb. II, 411; BM. 
II, 57 9 a ] schnarren, schwatzen; nach WEIG. II a , 440 iden- 
tisch mit jnhd. ratze n kra tzen, rasseln, und mit lat. rädere 
verwandt vgl. POTT WWb. IV, 572; SCHA. 8 703. Oder 
viell. zu ras- tönen, gt. razda Stimme, Aussprache, Sprache. 

rätz, m, und ritze, f. die Ratte; ratz'l kleiner Schnee, 
auch ratz'nspoer d. i. Rattenspur, soviel Schnee, dass 
man die Ratten spürt ; SCHOE. 538 ; 550 ; LEX. KWb. 205 ; 
SCHM. H a , 193; WEIG. II 3 , 441 ; HEHN Kulturpfl.» 403 f. ; 
8 408. rat zl kleiner Schnee, wird häufig anders erklärt 
z. B. SCHN. 276; 224. Hieher darf gestellt werden ratz'l 
d. i. ratzein, v. verschmitzt wegnehmen (man sagt ja: 
stein wio a r&tz); wöckratz'l; ratzler, m., ratz- 
ler in, f. subst. agentis. Freilich kann ratz' In auch statt 
raps'ln von rapsen stehen. 

räBtz'n, v. schaukeln, sich wiegen z. B. legen Kinder ein 
Brett über einen festen, erhöhten Punkt, und es setzt sich 
zu beiden Seiten eines auf das Brett und so schaukeln sie 
sich gegenseitig auf und abwärts; oder das Schaukeln ge- 
schieht vermittelst eines Seiles; auch auf einem Stuhle sich 
hin und her Wiegen; r&tttz'n sagt man auch von einem, 
der einen wackligen Gang hat: er rä'etz't daher; 
räBtzitle, n. eine Schaukel; SCHM II 3 , 190: raitschen 

12 



186 

schaukeln, wiegen, wackeln ; die raitschen Schaukel ; 195 
ritzen schaukeln; 194: dica, raytholcz vel reczen 
FRISCH n, lll b : retsch Ente; FZ. IV, 181 ; VILM. 321 
reidel; KLEIN II, 79: raitel Schaukel, raiteln 
schaukeln. Zu reiten. 
ruf, f., plur. rufe; dim. ruf 1 der verhärtete Ueberzug über 
einem Geschwüre oder einer Wunde; rüfi k adi. mit rufen 
behaftet; SCHOE. 568: LEX. KWb. 210; SCHM. D>, 67 
69; HOEF. HI, 50; STALD. H f 289; cimbr. Wb. 162 
SCHILL. LUEBB. m, 516; SCHN. 172; BIRL. VW. 78 
LOR. 108; Idiot. Liefl. 194; ZING. Wb. 48; VILM. 330 
TOBL. 368; brem. Wb. m, 440; RICH. 207; KLEIN H 
96; FULDA 414. mhd. ruf, rufe [LEX. MWb. II, 533 
BM. II, 788 b ] Schorf, Aussatz, ahd. hruf [GRAFF IV, 
1155; II, 499], ags. hreof, an. hruf. Scheint von einem 
Stamme hrub kratzen, auszugehen FICK III 8 , 85. Oder 
vielleicht mit lat. cruor, cruentus, zend. khrvafit 
cruentus, khrütas verletzend, rauh, zu einer Wz. cm- 
FICK III 8 , 84; POTT WWb. I, 1287; DIEZ P, 360; 
SCHA. 2 "426* vgl. noch rappe. 

räffl d. i. raffln, v. (von Kindern) auf dem Boden mit dem 
Hintern herumrutschen; auch von Erwachsenen mit Mühe 
kriechen; auhinräff 1 hinaufkriechen; ooharkffl herab- 
kriechen; räffl, f. wertloses Zeug; so heisst man eine 
alte Kuh eine 41t e räffl, auch ein altes Weib; riff 1- 
toute Firmpathin; SCHOE. 544; 526 f.; LEX. KWb. 202; 
SCHM.IP, 64; BIRL. VW. 74; LOK 103; SCHMIDT 157; 
STALD. II, 254; SCHMID 422; KLEIN H, 77 u. a. Wol 
von raffen vgl. sich fortraffen, sich aufraffen; denn 
mhd. raffeln lärmen, klappern, passt der Bed. nach 
nicht. — Sollte nicht auch hieher gehören bei s w. v. Wo 1- 
kensteia 2, 2, 11 raffel? 

wol vier und zwainzig Staffel 
die viel ich ab mit raffel. 

vgl. Beda Weber S. 407. % 

rifT'l, f. ein mit mehreren spitzen Eisenstäbchen versehenes 
Instrument, um vom Flachs die Samenkapsel abzustreifen, 
hdrriffl; auch ein Schimpfwort auf eine alte unschöne 
Weibsperson; riff 1 d. i. riffeln den Flachs durch die 
riff 1 ziehen; hör Öriff 1; SCHOE. 554: LEX. KWb. 
208; SCHM. H 2 , 67; REINW. I, 128; SCHMID 431; 
LOR. 107; CAST. 220; VILM. 319; SCHMIDT 156 f.; 
brem. Wb. HI, 482; VI, 253; SCHAMB. 171; SCHTZ. 
in, 307; DAEHN. 372; FULDA 376; 384; 398; 414 u. a. 
mhd. riffel, rifel [LEX. MWb. II, 428; BM. H, 701 b ; 
DIEF. gl. 485 a ] rastrum, rifelen, riffeln durchkam- 
men, durchhecheln, ahd. rifilä, riffilä [GRAFF II, 



187 

497] serra. Verwandt mit mhd. raffen, reffen zupfen, 
rupfen, rau fen, raffen, eüig an sich reissen, nd. rapen 
rspepre vgl. WEIG. ü a , 475 ; DIEZ II 8 , 350, POTT WWb. 
V, 159. 

r&flfi, v. 1) raufen; räfer, m. Raufer; räferei, f. Rauferei. 
2) Gras abrupfen; grosr&fin; SCHOE. 527; SCHM. II 3 , 
65; 66; LOA. 105; ZING. Wb. 48; cimbr. Wb, 162; 
VILM. 317; SCHMIDT 165 u. a. mhd. roufen [LEX. 
MWb. II, 515; BM. II, 774 b ] raufen, ausreissen (bes. 
Haare), zücken , einen bei den Haaren raufen , ihm Haare 
ausreissen, sich balgen, raufen. TJeber die Etym. vgl. 

. WEIG. II«, 443; MGSpr. 259; DIEP. Wb. II, 167; PICK 
IIP, 258; POTT WWb. V, 167; SCHA.» 725. 

rffln, m. Dachsparren ; SCHOE. 526; LEX. KWb. 202; SCHM. 
H a , 63; BIRL. 369; Oest. Weisth. I, 408; LOR. 103; 
HOEF. HI, 6; SCHROE. Gottsch. II, 193; TOBL. 358; 
STALD. II , 254; SCHMID 421; FULDA 377 u. a. mhd. 
räve, raven [LEX. MWb. II, 353; BM. H, 584 a ] Spar- 
ren, Dachsparren, ahd. rävt) [GRAFF II, 494 f.] lignus, 
asser, an. räf, raefr, räfr. FICK III 8 , 251 vergleicht 
gr. i-p&xo bedache, 5p<xpo; Dach, vgl. auch SC.EA. 2 697, 
während andere an pers. raf tabula parieti affixa denken 
vgl. Fundgrub. d. Orient VT, 170. 

reifln, m. Reif; dim. reifindle; reifin foir'n Feuer anzün- 
den, um Rauch zu erzeugen gegen den schädlichen Reif; 
SCHOE. 545; SCHM. IP, 67; Oest. Weisth. 1 , 410; HOEF. 
m, 25 u. a. mhd. rife, ahd. hrifo, rifo vgl. WEIG. 
II a , 456, nuch welchem reif aus reim (w. s.) hervorge- 
gangen sein soll , was ich nicht glaube ; Verwandtschaft ist 
möglich, aber auch nicht sicher vgl. reim. 

rdg, m. Baumbart; SCHOE. 530; LEX. KWb. 203; SCHM. 
II«, 69; 41 ; cimbr. Wb. 158. Woher das Wort? Hängt es 
mit ahd. hragen, hrakgn [GRAFF IV, 1148] zusam- 
men in piraket, pihraget schimmlig, gleichsam überall 
hervorgestanden , mit hervorstehenden Pilzen bedeckt ; mhd. 
ragen starr hervorstehen? Nicht hieher gehört rogöttzl, 
n. Name einer Bergwiese. Dieses gehört zum slav. ro goz ti 
papyrus, nsl. carex, serb. rogoz typha latifolia vgl. MJL&L. 
801 a ; dörs. Ortsnamen II, 87; BUTTMANN Die deutsch. 
Ortsnamen [1856] S. 110 f. 

rögalle (-^u), f. anemone montana; bei SCHM. II 2 , 50 das 
ruckelein, ruck AI als Bezeichnung verschiedener Pflan- 
zen; CAST. 222; HOEF. HI, 49; cimbr. Wb. 161; KLEtN 
II , 94. Nach GRASSM. Pfl. S. 24, 4 ist das Wort aus 
dem ahd. rugge= Rücken, Bergrücken, entstanden, wah- 
rend FROMMANN bei SCHM» a. a. 0. an it. ruca eine 
Pflanze, erinnert, aus lat. eruca DIEZ I 8 , 360 f. 

12* 



188 

rf g'l f m. 1) wie nhd. Riegel. 2) etwas aus der Oberfläche sich 
erhebendes, selbst wenn es bloss dem Auge so scheint; so 
z. B. ein Bergrücken, ein Heuschober, ein schwarzer Fleck 
im Gesichte; Striemen von Peitschen oder Rutenhieben, die 
Cirruswolken am Himmel u. a. ; verb. rigl, d. i. r ig ein 
='rig'l machen. Man hört auch wol statt rlgl in nach- 
lässiger Aussprache rldl, ich halte jedoch rigl für das 
ursprüngliche, wenn auch ridl schon sehr früh .vorkommt; 
SCHOE. 555 ; LEX. KWb. 208 ; SCHM. II 2 , 73 f. ; Oest. 
Weisth. I, 410; HUEGEL 128; SCHROE. Gottsch. H, 
196; KLEIN II, 89. Alle oben angegebenen Bedeutungen 
lassen sich vereinigen, mhd. rigel [LEX. MWb. II, 429; 
BM. II, 702 a ] Riegel, Querholz, Stange, Hebel, Walze; 
kleine , Anhöhe oder steiler Absatz eines Berges ; Art Kopf- 
bedeckung, ahd. rigil [GRAFF II, 440] repagulum. Wz. 
ist rih-, ahd. rihan, mhd. rihen, rigen stecken, an- 
stecken, anspiessen, reihen, an-, aufreihen, skt. rikh- [BR. 
VI, 343; GRASSM. 1164] = likh- ritzen, aufreissen, gr. 
Ipebtta, ep^ära, lat. rica, skt. rekhä, lekhä = ahd. 
riga Riss, Strich, Reihe; FICK II 8 , 209; HP, 253; 
WEIG. IP, 473; SCHA.* 714. 

rigl d. i. r ige In, v. lockern, auflockern, rütteln; aurig'l 
z. B. den Strohsack; SCHOE. 555; LEX. KWb. 208; 
SCHM. IP, 74 f.; STALD. II, 275; CAST. 220; ROS. 
206; Idiot. Austr. 102; LOR. 108; HOEF. III, 50; LIND. 
408; HUEGEL 129; KLEIN H, 89; WEINH. 78*. mhd. 
rugelen [LEX. MWb. II, 533] sich rühren vgl. auch 
roug'l, 

riggl, m. die senkrechtstehende Radwalze in der Mühle, die 
durch das k&mprod in Bewegung gesetzt wird und selbst 
wieder mittelst des langeisens den Mühlstein dreht. 
Könnte eins mit ri ekler (w. s.) sein. Vielleicht eher zu 
rig'l(n) w. s., also der Bewegliche, Rührige, riggl ist 
auch ein Kuhname, den aber LEX. KWb. 210 rüggla 
schreibt und „am Rücken weiss a erklärt. Bei uns bezeich- 
net das Wort jedoch solche Kühe, die stark gebogene Hör- 
ner haben und man denkt dabei immer an den riggl in 
der Mühle. 

rougl adi. locker, nicht fest; der Erdboden ist roug'l, der 
Zahn wird roug'l, ein Lungensüchtiger ist inwendig 
roug'l, das überschuldete Anwesen eines Bauern wird 
roug'l d. i. es wird bald verkauft werden u. ä. ; SCHOE. 
562; LEX. KWb. 209; SCHM. II 2 , 75; CAST. 222; HOEP. 
HI, 41; ZISKA Prob. II , 13; LOR. 107; HUEGEL 129; 
WEINH. 78*; KLEIN II, 92; FULDA 388; 406; SCHMID 
428. mhd. rogel [LEX. MWb. II , 482] nicht fest, locker 



189 

lose. Zu regen, lat. rigere, rigidus; FICE II 3 , 739. 
Anders WEIG. H a , 458. 

rogg'n, m., dim. röggile Boggen; vöigilisrogg'n eine 
Pflanze, wenn ich nicht irre , sedum acre L. Ueber die Ver- 
breitung des rogg'n vgl. GRIMM Gesch. 64; KZ. DI, 
377; HEHN Kulturpfl. 8 491; auch LEO 649; SCHA. a 721; 
PICTET Les Origg. I, 272 ff. Es ist ohne Zweifel das 
ßp£« (st. ßpffla) des Galenus (de alim. facult. I, 13; VI, 
p. 514 Kühn.) vgl. auch POTT WWb. IV, 782. Nach einem 
unlängst (Nov. 1877) im naturwissenschaftlich-medizinischen 
Vereine zu Innsbruck von Prof. Ritt. v. Kerner gehaltenen 
Vortrage ist die Stammpflanze des Roggens in den Doli- 
nen des serbischen Gebirgslandes erst neulich entdeckt 
worden. 

rugg'n, m., dim. rüggile, neben buggl gebraucht; ruggi- 
balle trog'n ein Kind wagrecht auf dem Rücken tragen ; 
überrucks am Rücken, z. B. etwas tragen; SCHOE. 
568; LEX. KWb. 210; SCHM. W, 79; GRIMM Gesch. 
307; CTJRT.* 352; POTT TL\ 205; BENP. II, 316; SCHA. a 
427». 

ragger, m. Schimpfwort auf Personen und Thiere; SCHOE. 
527 ; LEX. KWb. 203 ; SCHM. II», 41 ; WEIG. II», 424 ; 
überall gebräuchlich. 

rougeis, n. bezeichnet bei uns nur den Eisstoss; andere Be- 
zeichnungen dafür sind eisgüsse, eisläne; SCHOE. 560; 
SCHM. fi a , 10: robeis. Es ist nichts anderes als roh- 
eis. Daraus erklärt sich sowol das b, w, als auch das g; 
denn roh lautet mhd. rou, r6, rä; roch, rouch, gen. 
rouwes, röwes; rohes, rouhes [LEX. MWb. II, 510; 
BM. II, 757 a ] vgl. roech. Dies wird bestätiget durch 
wend. sriesh Eisscholle, Rogeis [GTJTSM. 547], srou roch, 
bei IARN. 15 srösh die Eisscholle, Rogeis, Eiszapfen. 

rähe adi. zu viel gesalzen; rahikit und rähin, f. das zu 
viel gesalzen sein; SCHOE. 524; LEX. KWb. 201; SCHM. 
II*, 80; POPOWITSCH Vers. 460; LOR. 103; C AST. 214; 
HOEP. m, 5; HUEGEL 125; TOBL. 357; STALD. II, 
255; SCHMID 422. mhd. räch, rahes [LEX. MWb. II, 
331; BM. H, 548»] rauh, steif; WEIG. II», 454. Könnte 
auch geradezu = sein rauh, oder es stammen beide von 
einer Wz., wozu auch viell. lat. rigidus gehört. Keines- 
wegs ist es gleich rass, mhd. raeze scharf von Ge- 
schmack, herbe, ätzend. 

reihäle s. oben häle S. 97. 

rühl d. i. rühl'n, v. (nur von Pferden) wiehern; rühler, 
m. ein einmaliges Wiehern; SCHOE. 530; 565; LEX. 
KWb. 210; SCHM. ü», 85; FRISCH H, 123°; WEINH. 
78*; BIRL. 372; STALD. II, 286; SCHMID 438; 442; 



190 

FULDA 412 u. a. mbd. rücheln, rühelen [LEX. MWb. 
II, 520; BM. II, 760»; 789»] Sehern,, brüllen, röcheln 
ygl. das folg. 

routven, v. mit donnernder Stimme schimpfen; rouher, m. 
ein starker Schimpffcon. mhd. rohen, ruohen [LEX. 
MWb. H, 483; BM. II, 760»] brüllen, grunzen, ahd. 
rohon [GBAEF II, 431 f.l. Zu lat. rugire, gr. fl-fuf-o-v 
brüllte, a)-puY-(AÖs Gebrüll , Weiterbildung aus skt. Wz. r u- 
[BB,. VI, 354; GRASSM. 1169] brüllen, heulen, laut 
schreien, toben, summen, dröhnen vgl. JFICK I 8 , 742 f.; 
744; CURT.* 351; WACKERN. voc.* 64; POTT WWb. I, 
1263; WEIG. IP, 482; SCHA. a 731. 

räl, m., dim. rälile 1) = rigl Riegel. 2) ein Stück Holz, 
um Stricke fest anzuziehen; räl d. i. rälen fest anziehen ; 
zu 9 räl f estschliessen , den räl Riegel, vorschieben; einen 
Strick zusammenziehen: z ämm er äl zusammenziehen; für- 
räl auch jem. etwas vorhalten, vorreiben; SCHOE. 530. 
Nach SCHN. 275 in Bormio und Puschlaw ral kurzes 
krummes Holz um Stricke fest anzuziehen ; reglia, regliä 
die einzelnen Theile der Bürde an einander zwängen; 
churw. regel Riegel. Demnach wäre räl etwa aus ragal, 
rahal zusammengezogen und mit rtgl identisch. Ich muss 
aber doch auf das rom. rallo aufmerksam machen, das 
nach DDEZ I 8 , 340 Reibeisen bedeutet; vgl. lat. rallum, 
ralla, dazu OSTHOFF Forsch. I, 163. Dazu stimmen 
auch unsere Bedeutungen. Statt rigl wird bei uns auch 
reib er gebraucht, wie denn reib'm, v. auch für drehen 
stehen kann z. B. die Zeiger der Uhr reib'm. Desgleichen 
steht statt vorrücken (einem etwas) anßh für reib'm. 

rolle, f., dim. röllile 1) = grälle die SajnenknoUe bei den 
Kartoffeln. 2) etwas zusammengerolltes: a rolle tabak, 
a rolle kreuze r. 3) runde Schelle, Pferdeschelle. Hieher 
gehört auch der Ausdruck: er hat dio rollweise in 
köpfe er denkt an Spielgesellschaft vgl. SCHOE. 562: 
rollen schäckern, spielen, desgleichen SCHAL IP, 87; 
FZ. IV, 161; 358, 17; VI, 192; 365; SCHILL. LUEBB. 
m, 416; STRODTM. 178; SCHTZ. m, 340; WEG. 41; 
POPOWITSCH Vers. 500; BIRL. VW. 74; SCHROE. 286; 
SCHMIDT 165; HOENIG 134; VILM. 330; TOBL, 368 f.; 
STALD. n, 280 f.; SCHMTT) 423; 438; brem. Wb. DI, 
426; KLEIN II, 93; FULDA 407 u. a. mhd. rolle, rulle 
[LEX. MWb. II , 483; DDEF. gl. 501* ; nov. gl. 320 b ] rotu- 
lus. Aus lat. rotulus, rotula, rota; WEIG. ü a , 486; 
MEZ. n a , 358. 

r pH (lern, v. ein Getose machen, knarren, klappern z. B. von 
einem Wagen; es rolldert im bauche es rumpelt im 
Bauche ; auch ralldern, v. in den angegebenen Bedd. ; 



191' 

dieses letztere bedeutet auch (=rätöchen) gross sprechen, 
viel reden , bes. bei einem Kartenspiele : übermässig, unüber- 
legt viel bieten oder ansagen; ralderer, m. nom. agentis. 
Es ist Weiterbildung von r o 1 1 e n vgl. SCHOE. 562 ; WEIG. 
II», 486. 

räm, m., dim. räml der Milchrahm, Sahne; rämik voll 
Rahm: a rämigis schüssile eine Schüssel Milch samt 
dem' Rahm; räm d. i. rämen z. B. die Milch rämt = 
macht Rahm; ausräm, v. die Milch hat ausgirämt die 
Rahmbildung ist zu Ende; oräm, v. den räm abneh- 
men; rämschüssile die Schüssel, in welcher die Milch 
girämt hat und in welcher räm hängen geblieben; die 
Kinder bitten die Mutter ums rämschüssile, um den 
darin hängen gebliebenen räm herauslecken zu können; 
rämspün, m. ein dicker Span, mit welchem der räm in 
der Schüssel zurückgehalten wird, wenn man die Milch 
absondern will; SCHOE. 530; LEX. KWb. 203; SCHM. 
H», 92; HOEF. ÜI, 10; cimbr. Wb. 159; STALD. H, 282 
TOBL.368; SCHUETZE m , 306 ; REINW. 127; SCHILL 
LUEBB. HI, 417; REGEL 251; VIETOR Die Rheinfränk 
Umgangsspr. in und um Nassau 1875, S. 41 ; LOR. 104 
LINl). 407; ZING. Wb. 48; WEINH. 75; SCHTJLTZE 
42; ML 71; SCHROE. Gottsch. H, 191; HOENIG 132 
VILM. 318; RICH. 214; DANN. 174; DAEHN. 387 
KLEIN II, 75; FULDA 379 u. a. mhd. roum [LEX 
MWb. H, 516; BM. II, 775»; DIEF. gl. 156*] Milchrahm 
ags. re&m, hre&m. Zu lat. cremor Brei, Brühe, skt 
karmasha, kalmasha [BR. II, 140; 177] Fleck 
Schmutz, Bödensatz, kulmäsha, kulmäsa [BR. II, 360] 
saurer Schleim von Früchten. Wz. kar- = skar- schüt- 
ten vgL FICK I«, 44; 523; GRIMM Gesch. 1022; WEIG. 
W, 426. 

räum, d. i. räumen, v. eig. räumen, bes. die vom Dünger 
auf den Feldern übrig gebliebenen unbrauchbaren Bestand- 
teile entfernen; räume, n. diese unbrauchbaren Bestand- 
theile; raumhaufen ein solcher Haufe; SCHOE. 539; 
SCHM. EP, 9L; Oest. Weisth. I, 409; ZING. Wb. 47; 
cimbr. Wb. 161; WEIG. EP, 443; FICK IQ 8 , 258. 

rehn, m. bedeutet nur den kalten Nebel zur Winterszeit; die 
Bauern fragen sich im Herbst: ist döis reim öder 
nöib'l? Der reim hat sich an den Bäumen angehängt; 
reim ig adi. voll reim: a reimiger schnö'9 ein Schnee, 
der von reim kommt. Dagegen bedeutet reif in den 
gefrorenen Thau; SCHOE. 546; LEX. KWb. 206; SCHM. 
H a , 93; HOEF. HI, 25; ZISKA Prob. 27; LOR. 106; 
CAST. 215; HTJEGEL 127; ZING. Wb. 46; cimbr. Wb. 
159; KLEIN H, 84; FULDA 400; FIRMENICH I, 446, 6. 



192 

mhd. nur in rimeln [LEX. MWb. II, 438] mit Reif über- 
zogen werden, ahd. rim [GRAFF II, 5061, ags., an. hrim 
vgl. skt. ci-cira kalt, zend. careta kalt, lit. szarmä 
Reif. Wz. kar- frieren, urspr. skar- schneiden, vgl. 
FICK I», 57; III 8 , 84; KZ. XI, 163; POTT WWb. I, 
682; II, 1, 202 ff.; SCHA.» 423 f. Freilich, wenn man 
lat. pruina der (brennende) Reif berücksichtigt (wir sagen 
ja: die Kälte sengt), so könnte man hrim geradezu zu Tat. 
cremare stellen, Wz. kar-, car- brennen; ZEH. a 1Q6; 
SCHMIDT Voc. II, 340 f. 

reim, m. 1) ein Knittelvers; reim d. i. reimen, v. einen 
solchen Vers aufsagen, bes. bei Hochzeiten beim sogenann- 
ten t ruhe füar'n vgl. darüber HOERMANN Tirol. Volks- 
typen S. 244. 2) Glück, Segen, häufig mit Negationen: 
§r hat gor käran reim er hat kein Glück; auch verb. 
reim d. i. reimen: bei im reimt es si gor nit; des- 
gleichen ünreim, m. Unstern; gireimp, ungireimp 
adi. geschickt, ungeschickt; SCHOE. 546; LEX.KWb. 206; 
SCHM. II a , 93 f. mhd., ahd., ags. rim Reim, Zahl, Reihe, 
Reihenfolge; DIEZ P, 351 f.; DIEF. Neue Jahrbb. f. Phil, 
u. Päd. LXXVEI, 752; WEIG. IP, 458; FICK HI», 247. 
Wz. also ar-, ra- fügen, lat. reor, ratio, gr. aptd(/.6$, 
altir. rim Zahl; SCHA. 3 716; SCHMIDT Voc. II, 461. 

riem, dim. rieml, wie nhd. Riem; auch bed. riaml die 
speckige Schichte bei einem in der Gährung gestörten Brode ; 
SCHM. IIV95; WEIG. H a , 473; FICK I», 744. 

rüme, f. der Rahmen, fensterrüme; schüss'lrüme Trag- 
gestelle an der Wand für Küchengeräthe ; SCHOE. 531 ; 
LEX. KWb. 203; SCHM. II 3 , 89; SCHMTD 424; brem. 
Wb. III, 427; HOEF. m, 12 u. a. mhd. ram, rame, 
r.eme [LEX. MWb. H, 336; BM. II, 551*] Stütze, Gestell, 
Rahmen zum Sticken, Weben, Borten wirken , ahd. rama 
[GRAFF II, 505; WACKERN. Wb. 429H Nach DIEF. 
Wb. H, 589; CURT.* 155; POTT WWb. IT, 1, 172; 
FICK HI», 83; SCHA. 3 422 a u. a. zu gt. hramjan 
[MGSpr. 39] , gr. xpejjwcwuvat aufhängen , was aber WEIG. 
H 3 , 427 bezweifelt und das Wort vielmehr als entlehnt 
betrachtet aus mit. rama Stange, von lat. rä'mus Zweig. 

romaisch, n. altes Zeug, unnütze Gegenstände vgl. kro- 
maisch und SCHM. H 3 , 101: ramsch congeries, ungeord- 
neter Haufe; ebenso VILM. 314. 

rümpfen, v. runzlicht machen; birumpfen, darumpfen 
dess.; birumpfin's giw^nt, g'sicht; subst. rümpfen, 
m. Runzel, Falte; SCHOE. '556; SCHM. II 3 , 100; 101; 
BIRL. 378; BUEHL. I, 124; cimbr. Wb. 162; STALD. 
II, 291 u. a. mhd. rumph (LEX. MWb. II, 537] gebogen, 
gekrümmt, rimphen in Falten, Runzeln zusammenziehen, 



193 

krümmen, rümpfen, part. gerumphen eingeschrumpft, 
runzlicht, ahd. hrimfan, rimphen [GRAFF II, 512]. 
Wz. karp-, gr. xap<pü> ziehe zusammen, lat. carpere; 
FICK 113, 55 ; WEIG. II 2 , 503 ; ZEH. 269 ; anders POTT 
WWb. V, 290; SCHMIDT Voc. II, 491. 

remp'l, m., dim. rempile ein Ballen z.B. a rempile tuoch. 
Wohin zu stellen? Doch nicht zu rimphen? Vielleicht ein 
compos. von ram, reme, welches unter andern auch vom 
Rahmen der Tuchmacher gebraucht wird, und ballen, 
balle, also ein ballen, wie er von der räme, reme 
abgewickelt worden. Das würde unserer Bed. gut ent- 
sprechen. 

rämml, m. ein schwarzer, russiger Mensch; SCHOE. 530; 
LEX. KWb. 203 ; SCHM. II 2 , 88 ; STALD. II, 256 ; HOEF. 
m, 11; Idiot. Austr. 102; LOR. 104; CAST. 216; 
WEINH. 75; VILM. 314; BERND 238; KLEIN H, 80; 
SCHMID 423. mhd. räm [LEX MWb. II, 337; BM. II, 
548 b ] staubiger Schmutz. Nach FICK III 8 , 252 zu skt. 
räma dunkelfarbig, schwarz; räma das Dunkel. Allein, 
ich weiss nicht, ob Zusammenhang mit räm (w. s.) geradezu 
abzuweisen; WEIG. IT 2 , 426. 

remml d. i. remmeln coire nur von Schafen; SCHOE. 531; 
LEX. KWb. 203; SCHM. n>, 89 f.; HOEF. HI, 30; 
SCHMID 423; STALD. II, ,256; REINW. II, 102; BIRL. 
373; SCHILL. LUEBB. m, 416; BIRL. VW. 74; LOR. 
106; CAST. 219; HUEGEL 128; Idiot. Liefl. 190; WEINH. 
76; HOENIG 131; TOBL. 358 b ; brem. Wb. IH, 430 f.; 
RICH. 205; SCHAMB. 167; DAEHN. 373; FULDA 378 
u. a. mhd. ram, gen. rammes [LEX. MWb. II, 335; BM. 
II, 552*] Widder, ahd. ram, rammo. FOERST.1,51 und 
in KZ. I, 496 vgl. gr. apv-, skt. urana, was wol sehr 
zweifelhaft vgl. auch CURT.* 347; GRIMM Gesch. 35; Gr. 
m, 326; WEIG. H 2 , 429. Ich führe das Wort auf skt. 
Wz. ram- zurück [BR. VI, 272 f.], welches unter andern 
geradezu „sich begatten* heisst vgl. FICK I 3 , 186. Und 
dieser Begriff liegt ja in rammeln, remmeln, die von 
ram abgeleitet sind. 

räms'n, v. (von Kindern) sich während des Schlafes strecken 
und dabei kreisten; rkmse, f. das Kreisten während des 
sich Streckens; SCHOE. 534; LEX. KWb. 204; SCHM. II 2 , 
127; STALD. H, 257; SCHMID 424; HOEF. HE, 15; 
ROS. 205; Idiot. Austr. 103; LOR. 104; CAST. 217; 
LIND. 407; HÜEGEL 126; DANN. 177; KLEIN H, 76; 
FULDA 384; WEINH. 76*; BIRL. 373; VILM. 315. mhd. 
rensen, ransen, ranzen [LEX. MWb. II, 406; BM. 
II, 547 b , 18; 553 b ; 675 b ] die Glieder dehnen und strecken. 
Dass bei dem Worte überall die Bewegung die Hauptsache 

13 



194 

ist, geht aus den namentlich von SCHM. angeführten For- 
men und Bedeutungen nicht hervor. Vielmehr ist es das 
Gefühl der Behaglichkeit, des Wolbefindens, welches frei- 
lich in mutwillige und wollüstige Geberden übergehen kann. 
Ich stelle das Wort zu Wz. ra-, ram-, welche einerseits 
von der behaglichen Ruhe, andererseits vom Liebesgenusse 
gebraucht wird; FICK I 3 , 186. 

räBn, in., dim. rä-end'l jedes abhängige Stück Feld, Wiese, 
Weide; üba'n rä-en 09ha wälg'n; 09ha reit'n auf 
dem Hintern herabrutschen ; einem zornigen Kinde ruft man 
zu: zournniggile, beiss bä-end'!, wälg rä'end'l; 
daher unterrä'en eine Ortschaft in St. Jakob; SCHOE. 
529; LEX. KWb. 203; SCHM. H 2 , 104; HOEF. HI, 9; 
cimbr. Wb. 161; TOBL. 359 b ; Oest. Weisth. I, 409; CAST. 
214; HUEGEL 126; WEINH. 75; SCHROE. 196; Gottsch. 
II, 194; VILM. 322; STALD. II, 256; SCHMID 423; 
brem. Wb: HI, 477; FULDA 391 u. a. mhd. rein [LEX. 
MWb. II, 388; BM. II, 658 a ] begrenzende Bodenerhöhung, 
Rain, ahd. reini, rein [GRAFF II, 527] Grenzrand, an. 
rein aufgestrichene Ackerfurche , Erhöhung zwischen 
Aeckern; WEIG. II*, 427; FICK IIP, 247; SCHA. 2 708. 
Sollte das ir. rinn Berg, Vorgebirge, zu vergleichen sein? 
Denn die Grundbedeutung von Rain scheint „ Erhöhung" 
zu sein. Hieher gehören die Eigennamen: Rainer, Unter - 
rainer, Oberrainer. Die bei POTT Personennamen 2 240 
aufgeführten Eigennamen können freilich auch anders 
erklärt werden. 

ren d. i. renen, nur in der Zusammensetzung her-ren zu- 
sammenhäufen, vor den Weg stellen; ün-ren dass. ; rene 
f. eine Masse: a g&nze rene ein ganzer Haufe; SCHM. 
II 2 , 116: runen, verrunen obruere; FRISCH II, 83>. 
mhd. runen, rünen [LEX. MWb. II, 538; III, 207; 
BM. H, 76 l a ; GRAFF II, 523; 526] wälzen, zusammen- 
häufen, eig. mit ronen, rünen (w. s.) bedecken. 

renn d. i. rennen, wie nhd. ; ö-ern au-renn = Erde auf- 
rennen. Bei steilen Aeckern muss im Herbst zu unterst 
eine Furche Erde herausgenommen und zu oberst hinauf- 
geschafft werden. Dies geschieht, indem zu oberst am Acker 
ein Seil durch einen Flaschenzug läuft. An den beiden 
Enden des Seiles ist ein Mann mit einem Korbe angebun- 
den. Während der eine mit dem leeren Korbe von oben 
herabrennt , muss auf der anderen Seite der Mann mit dem 
vollen Korbe im gleichen Schritt über den Acker hinauf- 
rennen. Dies heisst man sehr passend ö'ernaurenn. 

rüne, f., plur. rün d. i. rünen umgestürzter, bereits dürrer 
Baumstamm; ist der umgeworfene Baum klein oder sonst 
verkrüppelt, heisst er ratsche (w. s.); SCHOE. 563; LEX. 



195 

KWb. 210; SCHM. IP, 116; STALD. II, 280; SCHILL. 
LUEBB. m, 50£; Oest. Weisth. I, 409; LOR. 107 u. a. 
mhd. rone, ron [LEX. MWb. II, 485; BM. II, 760 b ] um- 
gefallener Baumstamm, ahd. rono, rona [GrRAFF II, 
522]. Kaum zu lat. ruere. Vielleicht gar kein deutsches 
Wort. Hat es h im Anlaut eingebüsst und ist ir. crann 
Baum zu vergleichen? KB. VIII, 39; BAUMEISTER 
Kelt. Briefe 46. — Ein Ortsname in der Gemeinde St. Veit 
heisst rüne d.i. ränach, coli, zu rone; schon mhd. 
kommt ein Ort vor, der ähnlich lautet : in monte R o n e c h ; 
MONE Zeitschr. I, 236; V, 352. 

ränt, m., plur. rante 1) Anlauf, Ansatz: an ränt für- 
nemm sich einen Anlauf nehmen ; in an ränte daher- 
läfin im Sturmschritt daherlaufen. 2) Schwank, Scherz, 
Benehmen, Naturell; r antik adi. voll Schwanke, spass- 
haft; angesehen, stolz, geputzt, geschmückt; ranteweis 
wechselweise, stossweise ; SCHOE. 523 ; LEX. KWb. 264 ; 
SCHM. II*, 124; HOEP. m, 15; CAST. 216; ZISKA 
Prob, n, 12; POPO WITSCH Unters. 301 ; LOR. 104; 
LIND. 407; HUEGEL 126; KLEIN II, 78; 80; SCHMID 
424. Wol zu rennen. 

rend'l, f. drehbares Gestell zum 'Aufbewahren der Milch, 
milchrend'l. Aber auch rene, f. wird gebraucht für 
Milchbank, milchrene; schüss'lrene = schüss'l- 
rfime (w. s.). Wol eins mit rüme w. s. Freilich, LEX. 
KWb. 207 hat ränd'l = trend'l. Das wäre allerdings 
etwas anderes. Allein rene stimmt nicht dazu. 

rindl (rind hört man nie), n. Rind; polnisches rindl 
Schimpfwort auf einen dummen Menschen; rindergros 
wol durch Volksetymologie aus riedgras verderbt; über 
rindl vgl. SCHOE. 556; SCHM. II», 117; WEIG. II*, 
475 f.; SCHA. 2 424 a ; CURT.* 146; FICK HI 8 , 83. 

rendlich, n. Masse kleiner Steine, grober Sand, auch rendl- 
werch; SCHOE. 548: rendlmaur aus kleinen Steinen 
ohne Mörtel aufgeführte Mauer; vgl. bei SCHM. II 2 , 111: 
renn ein Haber, Gerste, Erbsen u. s. w. ihre Fruchtkerne 
in der Mühle entzweibrechen, spalten oder doch enthülsen; 
SCHOE. 548; LEX. KWb. 69. Schon mhd. rendeln, 
renlen [LEX. MWb. II, 403] rändeln, schroten, ebenso 
r eilen. SCHM. a. a. 0. erklärt es als Factitiv von 
rinnen. 

räntsch, m. was man anderwärts schussbartl nennt, bes. 
von Weibspersonen; räntschen, daherräntschen 
schaukelnd dahergehen; vgl. SCHM. II 3 , 127: rentschen 
schaukeln , herumschwärmen ; SCHMID 424. Es ist wol 
das mhd. ranzen [LEX. MWb. II, 543] ungestüm hin 
und her springen. 

13* 



196 

rä~ft, m., häufiger dim. rafft' 1 der Band z. B. beim Brode ; 
a rä~ft'l broat das äusserste krumme Stück eines Bro- 
des ; ebenso vom Käs ; auch vom Monde einige Tage vor 
und nach dem Neumonde; SCHOE. 531; LEX. KWb. 203; 
SCHM. H a , 119; 100; VILM. 315; REGEL 250; FRISCH 
II , 85«; WEG. 39; POPO WITSCH Unters. 301; LIND. 
407; HUEGEL 125; SCHROE. 195; STALD. II , 263; 
BERND 232; FULDA 381; MAR. I, 47; SCHMTD 424; 
REINW. I, 126; WEINH. 76». mhd. ranft, ramft 
[LEX. MWb. II , 341; BM. II, 553 a ] Einfassung, Rand, 
Brotrinde (crusta DIEF. gl. 160 a ; nov. gl. 121 b >; ahd. 
ramft, ranft [GRAFF II, 512] corona, labra, crepido. 
Ob wirklich zu rimphan? WEIG. II», 430. Also von 
r a n d ganz zu trennen ? vgl. dagegen FICK III 8 , 247 ; 
SCHMIDT Voc. I, 159; SCHA.« 699 und ra~gg. 

ring d. i. ringen z. B. an fäkin d. h. einem Schweine 
Ringe durch den Rüssel ziehen, damit es nicht die Erde 
aufwühlen (wual w. s.) kann. Schon mhd. ringen, rin- 
geln [LEX. MWb. II, 449; 447; BM. IL 709 a ; GRIMM 
Weisth. V, 162; Oest. Weisth. I, 410] mit Ringen ver- 
sehen: die swein ringeln; man sol gebieten den 
swlnen ze ringen. Von ring vgl. ringk. 

ring = rinnen; 's wässer ringg; ringit = rinnend. 

rägg, räggl, m., dim. rä~ggile der Rand des Brodes (was 
r ä~f t' 1 s. d.) ; SCHOE. 533 ; LEX. KWb. 207 ; 209 ; 
SCHM. IP, 122; ZISKA Prob. H, 12; WEG. 40; LOR. 
105; CAST. 218; HOEF. HI, 31; LIND. 407; SCHMIDT 
158; REINW. I, 130; BERND 239; SCHAMB. 167; 
DANN. 169 ; KLEIN DZ , 80 ; 88 ; SCHMID 424 ; BHiL. 
374; FZ. V, 289; VILM. 333; FHtMENICH I, 135, 20. 
mhd. ranc, ränge [LEX. MWb. DI,, 340] Einfassung, 
Rand; KZ. XVH, 381. 

rängge, f. ein dünner dürrer Baum; dim. ranggile; SCHOE. 
532 ; LEX. KWb. 204 ; SCHM. IP, 122 ; SCHN. 169. Hieher 
gehört wol auch der bei uns (wie bei SCHM. H a , 123) 
gebrauchte Ausdruck: rängg'n zoihin = schnarchen, 
eig. denjenigen Laut geben, der entsteht, wenn man dürre 
Bäume auf dem Boden dahinschleift (vgl. auch ratsche, 
ratschen). Das Stammwort ist wol rank (bei SCHM. 
H a , 122) schmal, dünn, schlank, ran, rön, ran ig (bei 
SCHOE. 632) schlank, hager, schmächtig; MAR. I, 48; 
HOEF. DI, 13; LOR. 104; CAST. 216; MI. 69; VILM. 
314; SCHMIDT 157; TOBL. 358"; SCHMID 424; brem. 
Wb. HI, 433; SCHTZ. HI, 274; DAEHN. 373; KLEIN 
n, 78; FULDA 381; 408; STALD. H, 255. mhd. rän 
[LEX. MWb. IL 340; BM. n, 552 t ] schlank, schmächtig 



197 

vgl. WEIG. 11", 431. Das Wort scheint v im Anlaut ein- 

gebüsst zu haben vgl. FICK HI», 308. 
raugj'n u. rau~z'n v. weinerlich reden , kläglich thun , auch 

von Katzentönen; rau~gge od. rau~ze, f. Person, die 

immer zu klagen hat; SCHOE. 539; LEX. KWb. 205; 

SCHM. H», 106; H 8; Idiot. Austr. 103; LOR. 105; CAST. 

217; HOEF. HI, 19; LIND. 407 ; HUEGEL 128; SCHROE. 

196; KLEIN II, 82; FULDA 384 u. a. mhd. ruokezen 

[LEX. MWb. LT, 525] ruchzen, girren, ahd. rünazan, 

rünzan [GRAFF II, 526] mussitare. Zu indog. Wz. ru- 

tönen, summen vgl. FICK III', 258; WEIG. ü», 504; 

WACKERN. voc. 2 59; 81 u. a. 
risngg'l, m. ; riangge, f., plur. riangg'n schwarze Striche 
. im Gesichte, wie streim (w. s.). Zu räm vgl. rämml? 

Oder verwandt mit rig'l (w. s.)? Oder ist es mhd. rige 

Linie, Reihe? 
ringe, adi. ring, leicht, nicht schwer, schwach: er istzuringe 

er ist zu schwach; ringikit, f. geringe Schwere ; SCHOE. 

556; LEX. KWb. 209; SCHM. IP, 121; STALD. II, 277; 

RICH. 210; SCHILL. LUEBB. HI, 483; ZISKA Prob. 27; 

BUEHL. I, 117; BIRL. VW. 77; CAST. 220; Z1NG. Wb. 

47; cimbr. Wb. 160; TOBL. 364; brem. Wb. III, 496; 

RICH. 210; SCHAMB. 172; DANN. 173 u. a. mhd. ringe, 

ring; WEIG. II 2 , 564; POTT WWb. HI, 710; KZ. XV, 

316; CURT.* 192. 
ringge, f. Rinde, Baumrinde, Brot-, Käsrinde, Starrheit um 

die Lippen; WEIG. II a , 476; LEO 193; GRIMM Wb. II, 

294; Gr. II, 34;;ZEH. 64; U03. 
ringk, m. Ring; dim. ringl; auch blauer Ring um die 

Augen; Hof des Mondes; der Halbring am Kessel u. ä. 

Etym. bei FICK IH», 82; SCHA." 424. 
rinkle, adi. u. adv. leicht, behende, schnell: a rinkler gänk; 

er göat rinkle dahin; a rinklis gimüet u. s. w. 

Dieses rinkle = ringlich = mhd. rinc-liche [LEX. 

MWb. II, 444; BM. II, 713 a ] adv. leicht, leichtlich, auf 

leichte Weise; vgl. ringe. 
rü~sk'n, v. im Schlafe schnarchen, röcheln; auch rü~z'n vgl. 

auch oben S. 44 drünsk'n; SCHOE. 571; SCHM. H», 

128; BUEHL. I, 117; 119; HOEF. IH, 14; STALD. II, 

294; 296; SCHMID 426; HW. s. v. rudo. mhd. ruzen 

[LEX. MWb. DI, 560; BM. II, 825 b ] ein Geräusch machen, 

rauschen, summen, schnarchen (von Schlafenden), brüllen; 

KZ. VII, 20; FICK III», 256 f.; SCHA.» 733. 
rar, adi. u. adv. wie bei SCHOE. 534 f.; LEX. KWb. 204; 

SCHM. H ä , 132; subst. rär'n u. rärigkit, f.: hat's 

decht a rär'n od. rärigkit ist es doch so ausgezeichnet 

(oft im satirischen Sinne); vi lauter rär'n ganz vor- 



198 

trefflich, ganz (wider Erwarten) gut. Auslat. rarus;HW. 
s. v.; FICK 113, 21. 

rüar'fl, v. rühren, bewegen, sich bewegen; bes. Butter machen; 
r ü 9 r e r , m. 1) Bewegung : kä'en rüorertuen, selbst dim. 
rüarerle. 2) Rührlöffel; rüerküb'l, gew. schlanker 
(w. s.) Butterkübl ; rüormilch Buttermilch; rüoritle, n.der 
Butter, der auf einmal gemacht wird. mhd. rüeren, ruoren 
LEX. MWb. II, 529 ff.; BM. II, 810 ff.], ahd. hruorjan 
GRAFF IV, 1172] vgl. TOBL. 372*; STALD. II, 290; 
SCHMID442; SCHA.* 426; KZ. XVI, 271; CURT.» 148; 
WEIG. Ha, 501 ; FICK IIP, 86. 

rä88, m. der Rasch, Zeug, dessen Grund Lein, dessen Eintrag 
Wolle ist ^rass in adi. aus Rasch; SCHOE. 19; 535; LEX. 
KWb. 204; SCHM. II 2 , 137; I 2 , 121; brem. Wb. in, 437; 
DAEHN. 374. mhd. arraz [LEX. MWb. I, 97; BM. I, 
62 b ] leichtes Wollengewebe, Rasch. Von der Stadt Arraz 
= lat. Atrebates, -um in den Niederlanden ; WEIG. II 3 , 
436; SCHA.2 30. 

rise, f. der Weg im Walde, auf welchem Holz, Streu, Heu 
befördert wird, mag dies eine Rinne sein oder nicht; strötb- 
rise, hä-rise, holz-rise; rise mächen (im Winter) 
einen solchen Weg herstellen ; auch übertragen bedeutet 
rise jeden wegähnlichen Streifen z. B. wenn einer über 
einen, r & v n bei vollem Grase auf dem Hintern herabrutscht ; 
arise bluot Blutspuren; beim Essen, wenn jem. aus- 
schüttet, heisst es er hat a ganze rise vo9r im; 
SCHOE. 558 ; LEX. KWb. 209 ; SCHM. II 2 , 147 ; STALD. 
II , 276; ZISKA Prob. II, 13; Oest. Weisth. I, 411; 
POPOWITSCH Unters. 334 f.; LOR. 107; CAST. 221; 
HOEF. III, 39; LIND. 408; SCHROE. Gottsch. II, 196; 
TOBL. 365; SCHMID 435; FULDA 402 u. a. mhd. rise 
[LEX. MWb. II, 458 ; BM. II, 726 b ] Wasser-, Stein-, Holz- 
rinne an einem Berge. Von mhd. risen von oben nach 
unten oder von unten nach oben sich bewegen, fallen, gt. 
reisan in ur -reis an vgl. MGSpr. 259; FICK III 3, 255. 
Wz. ar-, gr. dp- in op-vucr9m, lat. in oriri; SCHMIDT Voc. 
II, 459; SCHA. 2 718. 

reissblei, n. Bleistift, bes. der Zimmerleute. Von reis s en vgl. 
LEX. KWb. 207 ; SCHOE. 547 ; SCHM. H», 145. 

ritosch, adi. spröde, frisch, bes. von Gebacken z. B. Krapfen 
dann übertragen auf einen Menschen: spröde, brüske, jäh 
zornig; röasche u. rÖ9schikit, f. Frische, Sprödigkeit 
SCHOE. 550; LEX. KWb. 207; SCHM. II 2 , 156; HOEF 
IH, 34; ROS. 205; REGEL 255; LOR. 105; CAST. 219 
HUEGEL 128 ; Idiot. Liefl. 189 ; SCHROE. 195 ; VILM 
322; 325; TOBL. 370; BERND 236 f.; DAEHN. 377 
KLEIN II, 85; 92; FULDA 383; 410; cimbr. Wb. 161* 



199 

SCHMID 439; WEINH. 78 b ; STALD. H, 282; REINW. 
I, 129; SCHUETZE III, 317. Desselben Stammes ist auch 

röisch, adi. schnell, behende ; subst. rötschin u. röischikit, 
f. Schnelligkeit , Behendigkeit, mhd. resch,resche, rasch, 
risch, rosch, rösch [LEX. MWb. II, 409; BM. II, 555 b ] 
schnell, behende, munter, rührig, lebhaft; trocken, spröde; 
ahd. rase, rasci [GRAFF II, 548 f.], an. röskr. Wz. 
ar-, skt. ar-chati, rechati [BR. 1,452; GRASSM. 278] 
fliessen, gleiten, schiessen, gleitend, rasch sich bewegen; 
vgl. FICK HP, 253 ; WEIG. II», 436 ; POTT WWb. H, 2, 
309; anders SCHA. 2 701. 

reischik, adi. sandig, steinig; a reischiga grünt, a reischi- 
gar äcker; auch bei LEX. KWb. 207. Woher? Wol zu 
rÖ9sch (siehe das vor.), also = spröder Boden. 

reschün, f. Schonung, Rücksicht, Ehrgefühl; adv. u. adi. 
reschändle bescheiden, artig; SCHOE. 550; LEX. KWb. 
208; SCHM. II 2 , 138. Aus fz. raison, lat. ratio; WEIG. 
n 2 , 437. 

rieschen, v. eig. rauschen machen z. B. ünri8schen(di9 
k öl der) die Kohlen (im Backofen) vertheilen; Gegenstände 
rauschend durchwühlen, in welch letzterer Bed. auch ruo- 
sehen gebraucht wird ; subst. ruoscher, m. nom. agentis ; 
SCHOE. 554; 567; SCHM. II 2 , 157; ZING. W*>. 48; 
DANN. 177; DAEHN. 392 u. a. mhd. rüschen, riu- 
schen [LEX. MWb. II, 555; BM. H, 822 a ] Geräusch 
machen, rauschen, brausen, prasseln, eilig und mit Ge- 
räusch sich bewegen, sausen, stürmen. Von rüzen> 
riuzen, ahd. rüzan, lat. rudere, skt. Wz. rud- weinen 
vgl. KZ. Vn, 20; PICK HI', 257; POTT WWb. I, 1264; 
IV, 581; WEIG. II a , 444; SCHA.* 733. 

rüst, m. schöne Kleidung, Putz: hat sia an rüst! 
adi. rüstig zusammengeputzt, schön gekleidet; SCHOE. 
572; SCHM. IP, 163; eimbr. Wb. 162; SCHMID 443; 
ZING. Wb. 48; TOBL. 370; STALD. H, 294 u. a. mhd. 
rüsten, rüsten [LEX. MWb. II, 557; BM. II, 822*>] 
unter andern auch schmücken, kleiden, ahd. hrustjan, 
hrustan, rustan [GBAFF Ü, 546 f.] ornare, garust- 
jan ornare, redimire, polire, an. raesta mundare. Ist das 
h ursprünglich? Wenn auch nicht, skt. rüah- passt auch 
der Bed. wegen nicht; denn die Bed. ornare, die sich bei 
BOPP findet, hat BR. nicht; POTT WWb. II, 2, 459. 
SCHM. II 2 , 163 vermutet Zusammenhang mit hros, 
hrosses, was ich nicht glaube. 

räst'n, v. rasten; räster, m., rasterle, n. eine Pause, 
Ruhepause: an räster, a rasterle mächen; rast'l 
Ort auf Alpenwegen, wo man rasten kann; mitter- 
rastl heisst ein Ort im Walde; rkstitle, n. Ort zum 




200 

Basten; roste, f. ein Absatz beim Läuten, öarste 
zwänte, dritte roste; SCHOE. 536; LEX. KWb. 205 
SCHM. H», 159 f.; STALD. II, 260; ZING. Wb. 46 
SCHROE. Gottsch. II, 192. mhi; raste, Ira st, ahd 
raata Bast, Ruhe. Wz. ram-, ra- ruhen, ausruhen 
FICKHL\246; DIEF. Wb. H, 168; WEIG/ W, 438 
507; POTT WWb. 1,349; BENF. n, 10; SCHA.» 70 t. 

rüs'l, f. kleines Hagelkorn ; dim. riisile; rüs'l d. i. rüseln, 
v. es rüs'lt es fallen kleine Schlössen; LEX. KWb. 212; 
STRODTM. 192; LOR. 1ÖT; DESCHM. 61; SCHROE. 
Gottsch. H, 196; STALD. II, 275 u ; a. Es ist das ahd. 
rosa (aus hrusan-) crusta, glacies^fGrRAFF II, 544], 
ags. hruse terra, an. hrjösa^scbaudern,7$t. krusza 
Eisscholle , krusza Hagel , Schlössen , ksl. • -k r u c h ü 
Brocken, Stückchen, krticha, krüchütü. mica, gutta, 
lat. crusta, gr. xpu;- in xpu<j-T«{vw gefriere, xpuo-ra\Xo; xö^ 
Wz. kru- vgl. FICK I 8 , 539 f.; GRIMM Gr. LT, 2, 24 
SCHMIDT Voc. H, 341; SCHA. a 422; ZEH. a 109 u. a. 

r&ssl d. i. rasseln, v. rasseln, namentlich laut schnarchen; 
rassler, m. nom. agentis und actionis ; SCHOE. 535; 
SCHM. II 2 , 137. Zum gleichen Stamme wie*ru9 sehen w. s. 

räBSSl, m., auch rä«~ssl der Fettstreifen in der Milchschüs- 
sel, der sich oben, so weit die Milch reicht, bildet. Mit 
rtssl, n. Strich, von reissen; vgl. mhd. reiz [LEX. 
MWb. LT, 400; BM. II, 756 b ] Linie, Ritz, Kratz, ahd. 
reiz [GRAFF H, 559] linea, nota; SCHA. a 710. 

röss'l, insar höurn röss'l ein Käferchen, coccinella Sep- 
tem punctata; POPO WITSCH Vers. 212; SCHUL. 26; 
DANN. 81 a ; HOENIG 116; vgl. darüber GRADL in KZ. 
XLX , 56 f. ; GRIMM Myth. 658 ; ROCHHOLZ Alem. Kin- 
derspiel 92 f.; PANZER Bayer. Sag. DZ, 379; KUHN 
Nordd. Sag. 386; MUELLENHOFF Schlesw. Sag. 509; 
KUHN Westph. Sag. II , 78 ; WZ. 1H , 29 ; MANNHARDT 
Germ. Myth. 243 ff. ; Antike Waldk. II , 162 ff. Diese* 
Käferchen war schon den Indern heilig; es hiess indra- 
göpa (d. i. Indra zum Hüter habend BR. I, 804). 

röoss'n, v. den Flachs in Fäulnis bringen; er wird zu dem 
Zwecke auf dem Felde ausgebreitet; röasse, f. z. B. der 
hör ist in. der röasse er befindet sich auf dem Felde, 
um in Fäulung gebracht zu werden; SCHOE. 564; LEX. 
KWb. 208; SCHM. IL\ 153; eimbr. Wb. 161 b ; SCHMID 
425; VILM. 330; BECH XVI f.; LOR. 108; CAST. 222; 
HOEF. III, 46; TOBL. 369; 371; STALD. II, 283; 
SCHAMB. 175; DANN. 175; SCHTZ. HI, 310; DAEHN. 
385 u. a. mhd. roezen, rozen, rozzen [LEX. MWb. 
LT, 518; BM. II, 779 b ] welk, bleich, faul werden; faul 



201 

machen; roeze Hanf, Flachsröste, ahd. rozjau [GRAFF 
II, 560] putrescere. Wz. rut*, urspr. rn- ruere; FICK 
m«, 255; WEIG. W, 490; SCHA.» 726 f. 

8. 

sau , f. Sau ; bes. auch als Schimpfwort ; gilt es einem Manne, 
heiss t es auch sauerer od. sauböor; Oest. Weisth. I, 
412; WEINH. 79; BERND 244 u. a. Über das Sau- oder 
hütschintreib'm vgl. HOERMANN Der heber gät 
in litun [1873]; SCHOE. 582; SCHMIDT 172 u. a. 

sie. Die Declination ist folg.: sie, fr, ir, sia; plur. soi, 
ir, sotin, sot. In der allerdings selten angewendeten 
Höflichteitsform wird statt sot jedoch söt gebraucht, 
gewöhnlicher aber döis, dat. acc. enk; vgl. SÖHOE. 672 f. 

SÖe öder 8Ö9W, m. See; dim. söow'l, entsprechend mhd. s§, 
sewes, sSwe; EICK IE», 313; SCHA.* 757. 

sauber, adi. sauber wie bei SCHOE; 583; LEX. KWb. 212; 
säuberer der Beutel in der Mühle; g'säubere, n.^die 
Nachgeburt (von der Kuh); BUEHL. I, 282; SCHMID 
447; TOBL. 427 u. a. ; säubern, v. jem. reinigen, nam. 
von Läusen. ^ ..*:.. 

SOppern , v. für sich hinbrummen , halblaut und unverständ- 
lich seinem Unmute Ausdruck geben; 3 op per er, m. nom. 
agentis; das g'soppere das halblaute <xebrumme. SCHOE. 
679 hat sopern einen auszanken, ihm einen Verweis geben 
(Virgen), und meint, es sei so viel als säppern, sag- 
gern, ein verkappte» Sa^ramentum^ -was ich nicht 
zugeben kann. Vielmehr steht' sopperh für sottern 
(gerade wie luppik für luttik); vgl. SCHM. II 2 , 340: 
suttern, sottern im Kochen wallen und überfliessen ; 
figürlich, wie nhd. kochen: mit schlecht verbissenem Un- 
willen reden, brummen, keifen; VLLM. 408; SCHMID 519; 
STALD. II, 376. mhd. sot, sodes [LEX. MWb. II, 1058; 
BM. II , 2, 361*>] das Wallen, Sieden, das Aufwallen, Seuf- 
zen, Jammer u. s. w. Zu sieden; WEIGr. II 2 , 864 s. v. 
suttern; vgl. auch mhd. versuttern [LEX. MWb. III, 
260; BM. II, 2, 362*] ini Kochen überwallen lassen. Bei 
"Wolkenstein (2, 4, 29) versüdern in übertr. Bed. die 
lieb versüdern. 

SÖ|Cta, n. das Pflugmesser; er hat. a kinge wie a sö'ich; 
SCHOE. 664; LEX. KWb. 230; cimbr. Wb. 168; HÖEF. 
HI, 131; SCHILL. LUEBB. IV, 162; ZISKA Prob. II, 18; 
f Oest. Weisth. I, 415; BIRL. 384; LOR. 120; CAST. 254; 

I VILM. 380; FULDA 481 u. a. mhd. sech, seche [LEX. 

S£Wb. n, 841; BM. II, 2, 234*] Karst, Pflugschar, ahd. 
seh [G-RAEP VI, $9] ligo. Zu lat. secare, securis, 

14 



202 

sica; FICK HI», 314; WEIG. IP, 675; SCHA.* 749; 
HEHN Kulturpfl. 8 492. 
8&BChbö(r, d. i. seichberen, Beeren einer Staude, die ich 
leider nicht bestimmen kann, viell. prunus spinosa. 

sucht, f. "Saft; LEX. KWb. 245; SCHM. ü a , 215. mhd. souc, 
gen. souges [LEX. MWb. H, 1059; BM. II, 2, 724% 17] 
und suc, soc, soch [LEX. MWb. II, 1286] Saft. Zu 
sügen saugen, lat. sugere, Wz. su- auspressen FICK 
IH 8 , 326. 

8Öck'l, m. Säckel; dim. sockile; geltsöck'l, gelt- 
söckile; bes. der Hodensack; auch Schimpfwort: fäder, 
öeder, müeder söck'l; mugg'nsöckile eig. Mücken- 
säckelchen, für etwas recht kleines; SCHOE. 574; SCHM. 
II>, 222; cimbr. Wb. 168; VILM. 382; TOBL. 418 u. a. 
mhd. seckel [LEX. MWb. H, 841; BM. II, 2, 4] Seckel, 
Geldbeutel, ahd. sechil [GRAFF VI, 73], aus lat. sac- 
culus, Saccus; dieses = gr. < s<ixxo$ aus hebr., chald., 
syrisch sak grobes Zeug; WEIG. ü a , 513; HEHN 
Kulturpfl. 3 62; POTT Et. Forsch. II 2 , 76. 

80Cken, m.; dim. söck'l die Socke; socken, v. langsam, 
träge herumgehen; davon subst. so-cker, m. der träge 
herumgeht ; das g' s o c k'e träges Wesen ; SCHOE. 678 ; LEX. 
KWb. 234; SCHM. D>, 222 f. mhd. soc, socke [LEX. 
MWb. 1049; BM. IJ, 2, 405 b ] Socke, ahd. soch [GRAFF 
VI, 134] soccus. Aus lat. soccus, welches wol eines 
Stammes mit saccus ist. Das verb. socken h eisst eig. 
so viel als: so leise wie auf socken auftreten; WEINH. 
90; ML 83; brem. Wb. IV, 913 f.; SCHTZ. IV, 155; 
DAEHN. 442; RICH. 278; WEIG. 11*, 727; anders PETT. 
Beitr. H, 3. 

SÜd'l d. i. südein, v. schmieren, beschmieren; südler der 
alles beschmiert: umhasüd'l, dasüd'l; es ist älls 
dasüd'lt; 's kint hat 's g'sicht klJ^en dasüd'lt; 
etwas hinsüd'l hinschmieren, schlecht arbeiten; SCHOE. 
727; SCHM. II 3 , 229. mhd. sudel [LEX. MWb. II, 1286; 
BM. II, 2, 720 a ] Schmutzkoch, Garkoch; sudelen [DIEF. 
gl. 169° ] defedare. Zu sut das Sieden, das Gekochte, und 
sieden; FICK HI 8 , 326; 361; WEIG. H a , 855; LEO 393, 
der die skt. Wz. su- zu Grunde legt, was aber nicht in 
dem Sinne: succum exprimere ad sacrificium parandum, zu 
nehmen wäre, sondern in der Bed. „erregen, aufwallen 
machen«; vgl. GRASSM. 1560 s. v. sü. 

80]d'n , v. sieden ; s i o d i k adi. siedend heis s, ab er auch = 
s6hr; der siadige heisser Kaffee [BIRL. VW. 85]; süi;, 
m. das (einmalige) Sieden z. B. die pfärflsuppe lei 
an süt tusn läss'n; dia öaröpf I höb'mp an süt 



203 

ziwienk; SCHOE. 673; LEX. KWb. 233; KLEIN n, 
181; SCHM. II», 227 vgl. oben sud'l. 

809dern, v. zögern, langsam sein, sich träge benehmen; soa- 
derer, m. träger, langsamer Mensch. Es könnte dasselbe 
Wort sein wie bei SCHOE. 577: sä in dien zögern, lang- 
sam, träge thun. Dies scheint zu mhd. seine [LEX. 
MWb. II, 857; BM. II, 2, 242 b ] langsam, träge, zu gehö- 
ren; cimbr. Wb. 173: so an langsam; Wz. sä-, lat. sero 
vgl. FICK IH 3 , 312. Allein vielleicht ist es nichts anderes 
als zaudern, welches Wort freilich selbst noch dunkel 
ist vgl. WEIG. D>, 1159. 

s6t'l, m. der Sattel; ein sattelähnlicher Bergrücken; dim. 
sattile. Eine Berggegend im Thale heisst sattile; 
SCHOE. 581; STALD. II , 301; SCHM. IP, 334; WEIG. 
II a , 527. Gewiss zu Wz. sad- sitzen vgl. LEX. MWb. DL 
613; KZ. Xm, 106. 

8lltz'ln , v. saugen, schnalzend saugen ; sutzler, m. der saugt 
und der Gegenstand , woran man saugen kann ; daher heissen 
sutzler trifolium pratense, weil die Kinder aus den Blü- 
tenfäden den süssen Saft heraussaugen ; SCHOE. 732 ; LEX. 
KWb. 246; SCHM. H a , 350; ZISKA Prob. TL, 18; LÖß. 
129; CAST. 258; HOEP. m, 204; HUEGEL 161; 
SCHMIDT 246; BERND 365; KLEIN H, 182; MAR. II, 
24 f. u. a. Entweder Intensiv, zu saugen, oder viell. 
eher zu mhd. suoze süss; vgl. auch POPO WITSCH Vers. 
241 ; WACKERN. voc. a 99. 

8Ötz'n, v. wie nhd. und bei SCHM. II 9 , 342; bes. den hoif 1 
zum gian (zur Gährung) herrichten; zuesötzite, n. das 
Zugemüse; sötznög'l der Nagel, der beim Ackern mit 
Rindern das Joch mit der Pflugstange verbindet (mittelst 
der ämblitze s. ob. S. 10) [cimbr. Wb. 168]; ausötzjn, 
v. die weiblichen Zöpfe in Verschlingungen bringen, zu 
einem aus ätz (s. ob. giwant S. 80) zusammenbinden; 
Vsöt z ode r b'sötzite, n. Einfassung eines Kleides. 
[POPOWITSCH Vers. 177; KLEIN I, 183]; sätz, m. Ein- 
satz (beim Kegelspiel) ; Artikel in der Zeitung u. ä.; STALD. 
II, 302 u. a. 

SÖlfe, f., plur. sötfin der Säbenbaum, juniperus Sabina L. ; 
'SCHOE. 665; SÖHM. II a , 231; HOEP. HI, 134; SCHILL. 
LUEBB. IV, 201; BUEHL. I, 301; BIRL. VW. 95; 
CAST. 256; STALD. II, 368 u. a. mhd. seven, seven- 
boum [LEX. MWb. TL, 897; BM. II, 2, 229 a l, ahd. 
sevina, sevin, sevinboum [GRAFF VI, 283j, d. i. 
arbor Sabina vgl. WEIG. IP f 675; GRASSM. Pfl.S. 209. 
Die sötfin bilden ein Ingrediens der pälmböis'n. 

söge, f. 1) Säge; dim. säg'l; sog'n, v. sägen; osög'n 
absägen; man unterscheidet: spünsöge (= Spansäge, 

14* 



204 

« 

eine Säge, die so dünn ist wie ein spän; anders erklärt 
SCHM. IP, 235 das Wort), fenstersöge (zum Ausschnei- 
den von, kleinen Fenstern gebraucht), holzsoge, wieg'n- 
od. wellsoge (grosse Holzsäge, halbb'ogenförmig). 2) Säge- 
mühle; gCHÖK 575; SCHM. II 2 , 235; Oest. Weisth. I, 
411; SCHROE. Gottsch. II, 202; cimbr. Wb. 162; TOBL. 
420; STALD. II, 298; FULDA 421; RICH. 223 u. a. 
mhd. sage, ahd. seyja. Zu lat. secare vgl. WEIG. II 9 , 
516; 675; FICK III 3 , 314 vgl. auch solch. 

SÖjge, f. jede Vertiefung, besonders im Terrain ; dav; sötrug- 
git, adi. mit eingebogenem Rücken: a söiruggite ku.9; 
SCHOE. .667; 670: seg, n. sanfte Vertiefung in den Ber- 
gen; seich'n, seige, sog, f. Vertiefung im Terrain; 
SCHM. IP, 236; VILM. 383. mhd. sgge, t (LEX. MWb. 
II, 845] Neige; sage Neige (wazzersage; ein Ort im 
Gebirge heisst wässersä'eche, gehört also hieher , ' nicht 
zu särachin = seichen; Oest. Weisth. I, 427); seige 
[LEX, MWb. H, 855; BM. H, 2, 268 a ] Senkung. Neigung; 
ahd. sich, sig in gisic [GRAFF VE, 13,1] paludes, 
gisig stagna. Man bringt diese Wörter gewöhnlich mit 
mhd. s igen in Verbindung: sich senken, niederfallen, sin- 
ken, tropfend fallen, tropfen, tröpfeln, fliessen. Sollte es 
aber nicht ursprünglich „Einschnitt* bedeuten und gleich. 
Stammes sein mit söich, söge? 

sögarin, f. (m.) = Sakristei; SCHOE. 575; SCHM. II 3 , 235. 
Aus lat. sacrarium, mhd. sageraere, ahd. sagaräri. 

Seihe, f. Seihe; sprichw. ring (rinnen) wio a seihe. Die 
Wetterhexen erkennt man daran, dass sie seih en a uf dem 
Kopfe tragen; SCHOE. 666; SCHM. II 2 , 249; WEIG. IP, 
683; FICK III 8 , 321. 

SOllle, f. Sohle; soul d. i. soulen, v. sohlen; überfragen: 
jem. zum Besten haben, zur Zielscheibe des Witzes haben 
[nie prügeln, wie bei SCHOE. 678; SCHM. IP, 261]; 
ebenso dasoul. mhd. spl, sole, ahd. sola, gt. sulja. 
Zu lat. solea; CURT.* 240; 377; MGSpr. 164; DIEF. 
Wb. II , 289; WEIG. IP, 729; POTT WWb. I, 1350. 

SÖele, f., auch dim. soalile z.B. ist öis sou sehode um' s 
söelile; sonst wie bei SCHOE. 668 ; "SCHM. IP, 255; auch 
heisst man die lockere Masse in den Gänsekielen so öle; 
HUEGEL 148 ; STALD. H, 367 ; DANN. 191 ; SCHAMB. 
189 u. a.; über die Etym. vgl. WEIG. IP, 679; GRIMM 
Gr. H, 97; WACKERN. Wb. 257*; BENF. H, 346; 
MGSpr. 166; POTT Et. Forsch. I 1 , 216; FICK IIP, 313; 
SCHA. 2 757 u. a. 

sulvern, v. besudeln; ünsulvetfn anlsudeln; sulverer, in. der 
sich ansudelt ; SCHM.IP, 262: solen (vom Hirsch) sich zur 
Abkühlung in einer Lache wälzen ; WEINH. 96 ; KLEIN 



205 

II, 160; FULDA 493; SCHTZ. IV, 155; DAEHN. 442; 
DANN. 201; EICH. 278; brem. Wb. IV, 914 u. a. mhd. 
soln, süln, suln, sülwen, sulwen [LEX. MWb. II, 
1053; 1293 f.; BM. H, 2, 466*; 467 a ] in einem sol Kot- 
lache, wälzen, beschmutzen, ahd. so Ion [GKAFF VI, 186] 
inquinare, bisuljan besudeln; WEIG. II 2 , 857. Wol zu 
mhd. sal, salwes dunkelfarbig, welk, trübe, schmutzig; 
DIEZ 13, 364; anders PETT. Beitr. II, 1. 

8&mp, m. Sand; sämpik und santik, samptik adi. 
sandig. 

8aiMlber (-«u), f., . plur. saumbern Beeren vom Sauerdorn, 
der Berberisstaude ; bei SCTTM. II a , 321: sau räch; Oest. 
Weisth. I, 412: saurachstauden. saumber steht statt 
saurber, von dem sauren, herben Geschmack der Beeren 
benannt vgl. GEASSM. Pfl. 30, 21; WEIG. II a , 532. 
Schon mhd. sürach [LEX. MWb. H, 1325], süroch 
[DIEF. nov. gl. 51 b ]. 

sämm, d. i. summen sammeln; ösämm absammeln, mit 
dem Klingelbeutel in der Kirche milde Gaben sammeln; 
ösämmer, m. der ösämmp; auch sämmer, m. der zu 
gewissen Zwecken etwas sammelt *z. B. um Allerheiligen 
gehen ärmere Leute von Haus zu Haus als skmmer und 
sammeln sich Brod für den Winter. Diese Brode werden 
eigens zu dem Zwecke gebacken; sie heissen sämmerläa- 
bilin. In früherer Zeit scheinen kr&pfin gegeben wor- 
den zu sein; daher heisst es noch kräpfin samm, krä- 
pfin sämm gien, dia krapfinsämmer; SCHÄL II 2 , 
276; Oest. Weisth. I, 412; FULDA 423 u. a. mhd. 
samenen, samnen, samen, ältere Form samenön, 
Nebenformen sammen, sambnen, sampnen, samben 
[LEX. MWb. II, 595; BM. II, 2, 48 a ] zusammenbringen, 
-nehmen, vereinigen, verbinden, sammeln. Zu sam, skt. 
sama, zend. hama derselbe , gr . 6|/.6;, ajjia, lat. simul, 
similis; FICK I 8 , 222; HW. s. v. simplex S. 214; 
SCHA. 2 740. 

Sen, d. i. senen, v. sich sehnen, nur von einem Mädchen 
gesagt , das sich einen Liebhaber einbildet, also Liebessehn- 
sucht haben, mhd. senen [LEX. MWb. II, 878; BM. II, 
2, 250 a ] sich sehnen, härmen, liebendes od. schmerzliches 
Verlangen empfinden, ahd. sene [GBAFF VI, 239] mar- 
ceo, langueo. Ich betrachte senen und sinnen als*- ver- 
wandt (vgl. die Bedeutungsentwicklung von minne). Als 
Wz. ergibt sich leicht skt. san- [BR. VII, 618 f.; 
GBASSM. 1465] gewinnen , erwerben, als Geschenk empfan- 
gen, verschaffen, schenken; desid. erlangen-, gewinnen 
wollen, erhalten, gewinnen; gewähren-, verschaffen wollen, 



206 

schenken; zend. han- pTISTI 319] würdig sein, würdig 
finden, gewähren; vgl. POTT WWb. II, 2, 143. 

sänge , f. eine Handvoll Mohnköpfe ; dim. s a n g i 1 e ; auch 
mog'nsänge und -sangile; LEX. KWb. 232; PETT. 
Beitr. II, 2; SCHILL. LUEBB. IV, 23; SCHMTT) 447; 
FULDA 424; BIRL. 384 u.a.; SCHM. II 2 , 310: sängein 
Aehren lesen; sänge manipulus. mhd. sänge [LEX. MWb. 
II, 604; BM. II, 2, 54*] Büschel von Aehren u. d. gl. 
manipulus, sangen das Getreide schneiden und in Garben 
binden [GRIMM Weisth. HI, 582]; ahd. sänge [GRAFF 
VI, 254; 247] gelima. Man nimmt gewöhnlich an, sänge 
gehöre zu singen, welches ursprünglich die Bed. „lesen" 
gehabt haben möge vgl. WEIG. II 2 , 524; GRIMM Gr. H, 
36. Ob das aber richtig ist? Wenn die Erklärung von 
singen bei FICK HI 3 , 316 auf Wahrheit beruht, so wird 
dadurch die obige Erklärung ausgeschlossen. Es wäre zu 
erwägen, ob nicht sänge statt samge steht und zu sam, 
sammen gehört. An skt. samgha [BU. VII, 541] 
Schaar, Haufe, Menge, ist doch nicht zu denken? 

sengg'l, m. ein grosser baumelnder Gegenstand z. B. ein 
grosses Bündel, welches man in der Hand trägt und dessen 
Schwerpunkt zu unterst liegt; ein grosser Kropf, auch 
kämt, senkl bei LEX. KWb. 232: Glockenschwenkel, 
grosser Bauch oder Kropf, bei VATER S. 42: sienkel 
ein grosser Kropf, welche Aussprache man auch bei uns 
manchmal zu hören bekommt; HUEGEL 148. Daraus das 
verb. sengg'l d. i. seng g' In schwer tragen, mit grosser 
Anstrengung einen sengg'l tragen; senggier, m. einer, 
der schwer trägt; die Bewohner der Bergabhänge heissen 
senggier; der Berg selbst der sengg'lberk; sengg- 
ier ei, f. beschwerliche Arbeit, bes. wobei viel zu tragen 
ist. Es scheint das mhd. senkel [LEX. MWb. II, 885; 
BM. II, 2, 307 a ] Anker, trichterförmiges mit Bleikugeln 
beschwertes Zugnetz, zu sein; FZ. VII, 119; FULDA 486; 
SCHAMB. 190; MAR. II, 23. Zu senken; WEIG. 
H 3 , 698. 

8ingiss , m. kleine Glocke, namentlich wie man sie Kühen und 
Kälbern an den Hals hängt; dim. singissle; auch die 
Form ingiss, ingissle hört man, in manchen Familien 
ausschliesslich ; SCHOE. 675 ; LEX. KWb. 233 ; SCHM. 
II 3 , 290; cimbr. Wb. 169; PETT. Stoffs. 34; DESCHM. 
61; SCHROE. Gottsch. II, 210 u. a. mhd. sing 6z, -oz, 
und dim. singozzel [LEX. MWb. II, 931; BM. H, 2, 
305*; DIEF. gl. 584 c ] kleine Glocke, ahd. singoz [GRAFF 
VI, 250] tintinnabulum. Woher das Wort? Kaum zu sin- 
gen; WEINH. B. Gr. 206; auch kaum aus it. segno, 
segnuzzo; WACKERN. Umdeutsch. 19 (= Klein. Schrift. 



207 

HI, 274); ANDRESEN Volksetym.« 38; SCHA. 2 766. 
Wenn nicht Fremdwort (wie Glocke), aus sin und goz. 
Vielleicht hat aber die Aussprache ingiss Berechtigung 
und die Zusammensetzung wäre in und goz; durch Volks- 
etymologie wäre ingoz an singen angelehnt worden. - 

Sänkt in Verbindungen wie: der heilige sänkt Veit; 
heiliger sänkt Flourian; aber als Ort nur: sankt 
Veit, sänkt Jäkoub. Dieses sänkt steckt auch in göis'n 
und böjs'n z. B. göis'n Jägge gion nach St. Jakob gehen; 
böxs'n Jägge zu £>t. Jakob. Diesesgöis'n ist = gen St.; 
böis'n = bei St. Jakob vgl. oben Jägge. Vielleicht ist 
das österr. räthselhafte gäd [HOEF. I, 257] statt sankt 
aus einer ähnlichen Contraction hervorgegangen; denn dass 
es mit dem Arabischen gad, gr. dya^o; nichts zu thun hat, 
versteht sich wohl von selbst. Zum Ganzen vgl. LEX. KWb. 
212; SCHM. II 2 , 315; WEIG. H a , 522. 

8Ünewent'n plur. Sonnenwende ;sünewentfoir, sünewent- 
räch, sünewentscheib'mschlog'n (über letzteres vgl. 
LEX KWb. 215); sünewentblüar die Wucherblume, 
Chrysanthemum Leucanthemum L. GRASSM. Pfl. 135; 
sünewentköiferle der Glühwurm , Johanniskäfer ; 
SCHOE. 294; 730; HOEF. HI, 196. Zum Ganzen vgl. 
GRIMM Myth. 2 584 ff.; Germania I, 54; SCHM. W, 296 ff.; 
WZ. I, 88; ZING. Sitt. 3 159; BIBL. Volksth. aus Schwab. 
H, 97; PANZER Beitr. z. deutsch. Myth. I, 210; 214 f.; 
H, 239; MEIER Schwab. Sag. 423, 107, 108; 425, 110; 
VERNALEKEN Alpensag. 367, 33; bes. MANNHARDT 
Wald- und Feldkulte I, 462 ff.; 516; 521 ff. 

SÖer od. sitere adi. schmerzhaft, empfindlich, wund, bes. von 
einem schwierigen Körpertheile ; söarikitu. söor'n, f. 
Empfindlichkeit; SCHOE. 671; LEX. KWb. 232; SCHM. 
H a , 321; SCHMTT) 490; STALD. II, 367; SCHILL. LUEBB. 
IV, 192 f.; BUEHL. I, 129; 151; BIRL. 386; CAST.254; 
SCHROE. Gottsch. II, 207; TOBL. 423; KLEIN H, 151; 
FULDA 486 ; SCHTZ. IV, 90 ; DAEHN. 422 ; SCHAMB. 
190; DANN. 191; RICH. 249 f.; brem. Wb. IV, 754 f. 
u. a. mhd. ser [LEX. MWb. H, 888; BM. H, 2, 253 a ] 
wund, verwundet, verletzt, ser körperlicher und geistiger 
Schmerz, Qual, Leid, Not, ahd. ser [GRAFF VI, 269], gt. 
s&ir Schmerz [DIEF. Wb. H, 182; MGSpr. 491], ags.sar, 
alts. ser, an. sär Wunde«; FICK III*, 313; WEIG. IP, 
680; ZEH. 222; SCHMIDT Voc. H, 480. Steht etwa ser 
mit s wer in Verwandtschaft? 

Säure, f. eine Stelle im Boden, wo ein wenig Wasser heraus- 
sickert; säur'n, v. beständig, aber nicht viel auf einmal 
trinken z. B. er hat den gänz'n tog a sou g'säurst 
er hat den ganzen Tag fortgetrunken; säur er, m. der be- 



208 

ständig trinkt. Bei SCHM. II 3 , 320 hat säur auch die Bed. 
„feucht, nass a . Ob dies aber wol zu säur gehört? Freilich 
heisst es schon mhd. sür-Öuge [LEX. MWb. II, 1326; 
BM. II, 2, 452*; DIEF. gl. 332*] lipptis, an. sür triefend 
(Augen), sür-eygr triefäugig, ags. sür-e&ged, ahd. sür- 
ougi; FICK HP, 327; SCHOE. 731; WEIGk IP, 529; 
vgl. auch POPOWITSCH Vers. 281. 

8ürm , m. (Jesumse, dumpfes Geräusch ; eine Menge, ein Haufe 
(wie lärm, ratsche); SCHOE. 731; LEX. KWb. 246; 
SCHM. D>; 327. In der zweiten Bed. ist das Wort öster- 
reichisch; vgl. ZISKA Prob, n, 18; LOR. 129; CAST. 
256; HUEGEL 161; MAR. H, 24. mhd. surm [LEX. 
MWb. H, 1326]; WEIG. II 2 , 862. Wol zu Wz. svar- tonen; 
FICK I 8 , 257; HW. s. v. susurrus p. 229 u. a. 

serven, v. kränklich sein; herum serven kränkelnd herum- 
gehen; Server, m. ein kränklicher Mensch ; das g'serve 
die Kränklichkeit; SCHOE. 671; LEX. KWb. 232; SCHM. 
II 2 , 324; ZISKA Prob. II, 17; BUEHL. I, 282; LOR. 121; 
HOEF. m, 140; STALD. II, 371; TOBL.423; KLEIN II, 
153; FULDA 486; BIRL. 386 u. a. mhd. serwen, serben 
[LEX. MWb. II, 892 ; BM. II, 2, 256 b ] innerKch abnehmen, 
entkräftet werden, dahinwelken, kränkeln, ahd. serawen, 
se rw§n_[GRAFF VI, 271] tabescere, elanguescere, marcere; 
WEIG. IP, 701. Nach BENF. II, Vorr. VIII zu gr. <tsi P 6<; 
heiss, (jstpa(va) trockne aus. Es würde demnach serawen 
eig. trocken werden heissen; VAN. Gr.-Lat. Wb. IT, 1221. 

seus'n, v. sausen, rauschen, einen rauschenden Widerhall geben 
z. B. vom Echo eines Peitschenknalles ; auch vom Rauschen 
in den Ohren bei Blutcongestionen ; seuser, m. ein ein- 
maliges Rauschen ; g ' s e u s e , n. Rauschen ; SCHOE. 667 ; 
SCHM. IP, 330; LIND. 411; ZING. Wb. 51; cimbr. Wb. 
163; MAR. II, 24 u. a. mhd. süsen, siusenfLEX. MWb. 
II, 1328; BM. II, 2,- 758 b ] sausen, brausen, rauschen, summen, 
zischen, knirschen, knarren, ahd. susjan [GrRAFF VI, 282] 
stridere; ksl. sysaja pfeifen, sausen, skt. svan-, svar- 
tönen; loben; FICK III V 328; I 2 , 256 f; WEIG. IP, 532. 

speick , m. primula glutinosa ; roussspeick primula minima ; 
wilder speick primula auricula. Aus lat. spica Aehre, 
angeblich wegen der Weizenähren ähnlichen Form; WEIG. 
IP, 762; GRASSM. Pfl. 186; SCHM. IP, 657; LEX. KWb. 
236; SCHOE. 685; HOEF. HI, 153; MAR. H, 56; CAST. 
229; 250 u. a. 

späBCke, f., plur. spä-ecken der Fleisch-, Käse-, Schottwurm. 
Ich finde das Wort sonst nirgends. Es gehört wol nicht zu 
ndd. spaken faulen, morsch werden, verstoeken [MI. 84 a ; 
SCHILL. LUEBB. IV, 299; brem. Wb. IV, 930; DANN. 
202 u. a.], sondern zu spaichen ausschreiten, mit dorn 



209 

einen Bein vortreten, von der eigentümlichen Bewegung so 
benannt; SCHM. H a , 655; SCHOE. 681; FZ. VI, 483 f.; 
HOEF. HI, 148 f.; LOR. 122; MAß. II, 56 u. a. Desselben 
Stammes wie Speiche, mhd. speiche [LEX. MWb. II, 
1076; BM. II, 2, 490 b ] Radspeiche, ahd. speicha [GRAFF 
VI, 3251. Kaum verwandt mit lat. spica, wie WEIGr. II 3 , 
755 will, sondern eher auf eine Wz. spa- zurückzuführen: 
sich ausdehnen, spannen, ziehen. Dies wird dadurch be- 
stätiget, dass diese Würmer sowol, wie auch die Radspeichen 
(spä-eken) auch spänner heissen. 
8pecken, v. ein Knabenspiel. 

Jeder der Knaben hat einen vorne zugespitzten, 2 — 3 Schuh langen 
Stab. Der erste wirft seinen Stab in den Erdboden, dass er steckt. Der 
ztveite versucht seinen Stab ebenfalls in den Boden zu schleudern, jedoch so, 
dass er zugleich den Stock des andern herauswirft. Gelingt ihm das nicht, 
so kann der erste es mit dem Stocke des zweiten so machen. Bleibt der Stock 
gar nicht im Boden stecken und fällt um, so muss der andere suchen, seinen 
Stab in den Boden zu treiben, jedoch so, dass er zugleich den Stock des 
andern berührt. Dieser Stab selbst heisst specker, das Spiel specken. 
Dagegen heissen die Schusser, die sonst (vgl. SCHOE. 685) speck er heissen, 
spacker, dim. spacker le. 

Ein ähnliches Spiel hat SCHM. II 2 , 554 : das Schmerbickeln ; 
ROCHHOLZ Alem. Kinderspiel 451 f.; SCHMIDT 220. 
mhd. spa che [LEX. MWb. II, 1062; BM. II, 2, 474 b ] 
dürres Reisholz, ahd. spach, spacha, spacho [GrRAFF 
VI, 340] sarmentum, cremium, ramus, malleolus, ags. späc, 
an. spaekia ramentum ligni, bei Kilian : spa ecke pertica; 
SCHM. II 3 , 655. skt. Wz. spa 9- binden, knüpfen, aus spa- 
spannen; FICK I 8 , 251. 

spöcklotter, m., dim. spöcklötterle. Macht man in einen 
Beinknopf, der in der Mitte ein Loch hat, einen kleinen 
Stil hinein und lässt ihn kreisen, so heisst man dies spöck- 
lotter. Ob dieses "Kinderspiel in Beziehung steht zu dem 
bei SCHM. H a , 409; 657 erwähnten spechhlötter? Nicht 
unmöglich. 

spatz'n, v r in einem raschen Ruck entfernen, auf die Seite 
stossen; spatzer, m. der etwas rasch wegschleudert, 
entfernt; daher scherzhaft lotterspatzer = der die 
lottern (Bettler) expedirt d. i. Bettelvogt; SCHOE. 684; 
TOBL. 377. Es ist das it. spazzare räumen, ausbreiten, 
von lat. spatiari, spatium; DIEZ. I 8 , 393; HW. s. y. 
spatium. 

spilde, adi. unergiebig; 'smöal ist souv'l spilde; schwach, 
dünn, hager: a spild's mannd'l; spildigkit, f. Uner- 
giebigkeit, Hagerkeit, schwächliche Constitution; SCHOE. 
689 ; LEX. KWb. 237 ; SCHM. II 2 , 666 ; SCHILL. LUEBB. 
IV, 325; SCHM1D 501; brem. Wb. IV, 951; VI, 329; 
FULDA 502; SCHAMB. 204; SCHTZ. IV, 170; DAEHN. 
448; DANN. 202; RICH. 282 u. a. mhd. spildec [LEX. 

15 



—-•-'— s 



210 

MWb. H, 1092; BM. II, 2, 508 a ] prodigus, spilden u. 
verspilden [LEX. MWb. III, 245] unnütz verthun, ahd. 
spildan [GrRAFF VI, 327] effundere, expendere, spildo 
prodige, ags. spillan verderben, umbringen, an. spilla 
vernichten, verderben, verlieren, verscherzen, verletzen, ent- 
heiligen. Zu spalten, skt. Wz. phal- bersten, platzen vgl. 
FICK III 3 , 354. 
spelder, f. ein Holzsplitter, bes. wie er von ausgetretenen 
Fussböden sich loslöst; speldern, v. sich spalten; sich 
anstrengen , sich spreizen , wehren ; SCHOE. 686 ; LEX. 
KWb. 236; SCHM. II 2 , 666; 667. Zu spalten vgl. das 
vorherg. W. 
spün, m., dim. spänd'l Span, dünnes Stück Holz; auch die 
Spaltseite des Holzes: widar'n spün kloib'm; spän- 
scheit'l ein Stück Holz, welches leicht in späne geklo- 
ben werden kann; rä~spün (w. s.); SCHOE. 682; LEX. 
KWb. 235 ; SCHM. II 2 , 668 f. ; WEIG. II 2 , 746 ; FICK 
IH 3 , 352. 
speng, d. i. sp engen, v. beengen, beängstigen, zusammen- 
schnüren, bes. von einem zu engen Kleide, oder von einer 
zuheüenden Wunde; SCHOE. 686; SCHM. II 2 , 679 
SCHILL. LUEBB. IV, 316; LIND. 408; VILM. 391 
MAR. ll, 60 u. a. mhd. sp engen [LEX. MWb. II, 1079 
BM. II, 2, 479 b ] mit Spangen versehen; drücken, zwängen, 
drängen. Zu spange FICK HI 3 , 352. 
spang'l, v. ein Liebesverhältnis haben; g'spangle, n. das 
Liebesverhältnis ; 6 s p a n g' 1 jem. etwas wegnehmen, nament- 
lich ein Mädchen; vgl. das vorige. 
Spinnewitte und -wölbe, f. die Spinne; das Spinngewebe; 
SCHOE. 689; LEX. KWb. 256; SCHM. II 2 , 675; 965; 
1046; Idiot. Aust. 112; LOR. 124; HUEGEL 153; SCHROE. 
207; SCHMID 502; SCHAMB. 204 u. a. mhd. spinne- 
weppe und sp*nne-wet [LEX. MWb. II, 1097; BM. 
HI, 612*; 774 b ]; WEIG. H 2 , 767 f.; OSTHOFF Verb. 
60 u. a. 
speire, f. die Thurm-, Mauerschwalbe; sprichw. an orsch 
mächen wia a speire; anderswo heisst speire die 
Uferschwalbe, hirundo apus; SCHOE. 685; SCHM. H 2 , 682; 
BUEHL. I, 132; LOR. 123; HOEF. m, 158; SCHMID 
499 ; TOBL. 380 ; FULDA 499 ; nach POPOWITSCH Vers. 
526 auch in Steyermark speyer. Angeblich von niederd. 
spier. Spitze VILM. 393; brem. Wb. IV, 954; SCHAMB. 
205; vgl. WEIG. II 2 , 763. Schon mhd. spire, spier- 
swalewe [LEX. MWb. H, 1098] die Spier-, Thurm- 
schwalbe. 
spöere, adi. wie bei SCHOE. 687; LEX. KWb. 236; SCHM. 
II 2 , 683; LOR. 123; CAST. 230; HOEF. m, 155; HUE- 



\ 



211 

GEL 152; SCHMID 499; TOBL. 380; STALD. H, 385; 
KLEIN H, 161; FULDA 504 u.a.; spöer'n undspÖ9ri- 
kit, f. Trockenheit, Rauhheit u. s. w. ; ausspöern aus- 
trocknen, mhd. spör, spöre [LEX. MWb. II, 1106; BM. 
II, 2, 516 a ] trocken, hart vor Trockenheit, rauh vgl. auch 
GRÄFE VI, 352; WEIG. II", 772; KZ. in, 439. Als 
Wz. betrachte ich skt. sphar- [BR. VII, 1370; GRASSM. 
1612] aus einanderziehen , weit öffnen. 
spärmiauser, m. , bei SCHOE. 680 spabiauser der Schnee- 
fink, fringilla nivalis. Schliesst sich offenbar an mhd. 
spar, sparwe, sperwe passer, an; FICK III 3 , 354. 
Spa88 und g'8pa88 , m. Spass , Scherz , eine Leichtigkeit, Klei- 
nigkeit: das ist mier a spass; verb. spass'n und 
g' spass 1 n scherzen, Schwanke machen; g'spassik adi. 
adv. scherzhaft, sonderbar, wunderlich; g's passer, m. ein 
Witzbold ; SCHOE. 684 ; LEX. KWb. 235 ; SCHM. W, 686 ; 
MAR. II, 62 u. a. Aus it. spasso [DIEZ II 3 , 69] Lust, 
Vergnügen, Zeitvertreib, aus lat. expassus von exp an- 
dere; WEIG. n a , 751. 
spüs'n , v. mit dem Finger schnellen , fortschnellen z. B. einen 
kleinen Gegenstand; auch mit einem Finger schnellend 
einem einen Klaps geben; spüs'n fast' n ein Spiel, ausge- 
führt mit Karten. Soviel Karten einem in der Hand blei- 
ben, soviel spüser (= Klaps mit dem Finger) muss einer 
auf die Stirne aushalten, wobei er jedoch die ihm in der 
Hand gebliebenen Kartenblätter vorhalten darf. Auch bedeu- 
tet spüs' n ein Liebesverhältnis haben; g'spüse, m. ein 
Liebesverhältnis. Dieses letztere schliesst sich an mhd. 
sponsieren, sponzieren, spunzieren [LEX. MWb. 
II, 1105; BM. II, 2, 554 a ] an: verloben, vermählen, tän- 
deln, zärtlich sein als oder wie Verlobte untereinander, 

i buhlen, aus lat. sponsare vgl. SCHM. II a , 679; BUEHL. 

1 I, 146; cimbr. Wb. 173; STALD. II, 388; FULDA 509; 

MAE. H, 62 u. a. Ersteres ist mit specieller Bed. hervor- 

§egangen aus mhd. spüz [LEX. MWb. II, 1126] Speichel, 
chaum, spiutzen, spützen speien, contrah. aus spi- 
wezen, spiuwezen, spüwezen, Intens, zu spiwen 
speien vgl. WEIG. 11*, 756; HW. s. v. spuere; POTT 
WWb. I, 1367; FICK HI 3 , 355. 
spritt'l, m. Sprosse an einer Leiter, Stäbchen in einer Hüh- 
nersteige, Vogelkäfich u. d. gl., auch Schienen, wie sie bei 
der Heilung eines Beinbruches angewendet werden, daher 
das verb. spritt'l d. i. spritteln z. B. den Arm, den 
Fuss = ihn^mit Schienen versehen; SCHOE. 693; LEX. 
KWb. 238; "SCHM. IP f 706; LOR, 124; CAST. 232; 
HOEF. HL, 167; HUEGEL 153; FULDA 506 u. a. mhd. 
sprüzzel [LEX. MWb. H, 1122; BM. H, 2, 552 a ] Leiter- 

15* 



i 
i 

I 

I 



212 

sprosse, Stufe, Ton spriezen spriessen; FICK HI 8 , 356 
KZ. V, 394 vgl. auch das folg. 

spreitz'l, n. Scheiteren, klein gespaltenes Stück Holz 
SCHOE. 693 ; LEX. KWb. 238 ; SCHM. II 2 , 706 ; BIRL 
409; LOB, 124; HOEF. m, 165; LIND. 408; eimbr. Wb 
173; SCHMID 504; STALD. H, 386 f.; FULDA 505 u. a 
mhd. sprize, sprizel [LEX. MWb. II, 1119; BM. II 
2, 552^] Splitter, bes. Lanzensplitter, ahd. spriuzil 
[GrRAFF VI, 401] rep agulu m , sprizalon inspicare. Von 
spreizen vgl. POTT WWb. II, 1, 436 ff. 

sproutz'n, v. mit weitgeöflheten Augen stier dreinglotzen ; 
sproutzer, m. der so dreinsieht und scherzhaft heissen 
auch die Augen so; sproutz-aug'n oder sproutzite 
aug'n; SCHOE. 694. Wol zu spreizen; WEIGL ü a , 776. 

spmtz'n, v. spritzen; sprutzer, m. 1) Griesskanne. 2) ein 
kurzer Hegen; auch sprutzerle; SCHOE. 693; LEX. 
KWb. 238; SCHM. II 2 , 708; BUEHL. I, 162; LOH. 124 
u. a. Schon mhd. neben sprütze auch sprutze [LEX. 
MWb. II, 1122; BM. II, 2, 552*] Spritze, ahd. sprizza 
und auch spruzze [GRÄFE VI, 400] clepsedra; WEIGr. 
H», 781; FICK IIP, 356; POTT WWb. II, 1, 436. 

sprinzit, adi. gefleckt, scheckig (von Kühen); daher der häu- 
fige Kuhname sprinze; auch von Kindern gesagt, die eine 
mit Blut durchlaufene Haut haben; SCHOE. 693; LEX. 
KWb. 238; SCHM. II 2 , 704. mhd. sprinz [LEX. MWb. 
n, 1118; BM. II, 2, 548*] das Flimmern, der Farben- 
schmelz, sprinz elin, sprinzel kleiner Hautflecken, 
sprinzen bunt schmücken, sprenzen sprengen, spritzen, 
bunt schmücken , putzen , sprenkeln ; FICK III 8 , 356 ; 
WEIGr. II 2 , 781. Verwandt mit sprengen, springen, 
Wz. sphar-, sphur- vgl. POTT WWb. II, 1, 437. 

SCho! Interjection des Staunens, der Aufforderung z. B. 
scho! bische wol nou g'scheid? Oder blosscho! 
(das 6 lang hingezogen), wenn man seinen Unwillen zeigen 
will; schogöaamaüu. ä. HOERMANN Tirol. Volks- 
typen S. 242 nennt diese Silbe (NB. niemals s c h u !) rätselhaft. 
Das ist sie wol nicht. Es ist einerseits, wie bei SCHM. 
II 3 , 349 = schau! (welches daneben auch gebraucht wird : 
schau! schau! do schau her!), andererseits ist es = 
so.; SCHOE. 650. 

schab, hl ein grosses Bündel Stroh, Heu, Bohnen, Erbsen 
^aber nicht Holz); dim. schäb'l; bes. das ausgedroschene, 
in grosse Bündel zusammengefasste Stroh; dieses Bündel 
Machen heisst auschab'm; SCHOE. 594; LEX. KWb. 
215; SCHM. II 2 , 353; ZISKA Prob. H, 14 und sonst häufig, 
mhd. schoup [LEX. MWb. II, 775; BM. II , 2, 167*], 
auch schab Grebund, Bündel, bes. Strohbund, Strohwisch, 



219 

ahd. scoub [GRAFF VI, 41ÖL Zu schieben; WEIG. 
H a , 554 ; FICK HI 8 , 338 ; POTT WWb. V, 295 f. 

Scheibe, f. Scheibe, wie nhd.; scheib'm schlög'n s. zu 
sunewent'n S. 207. 

SChöb'm, v. schaben, wie nhd. ; schöbe, f. was abgeschaben 
wird z. B. öpflschobe, ruab'mschobe wenn man 
einen Apfel oder eine Rübe zerschabt; SCHOE. 584; LEX. 
KWb. 213; SCHM. IP, 351; WEIG. IP, 534; FICK HP, 
331 ; HW. s. v. scabo. 

SChopp'm, v. Schoppen, stopfen; zue-, vaschopp'm zusto- 
pfen; es schoppit si es staut sich; wäntschopper, 
m. Mauerspecht Certhia muraria L., weil man glaubt, er 
komme zu den Häusern und zupfe entweder das zwischen 
den Fugen der einzelnen Bäume befindliche Mos heraus, 
falls schönes, warmes Wetter im Anzüge sei, oder schoppe 
das Mos hinein , wenn es kalt werde ; SCHOE. 693 ; LEX. 
KWb. 228; SCHM. IP, 437 ; LOR. 140; HOEF. HI, 269; 
MAR. II, 34 u. a. mhd. schöpfen, schoppen [LEX. 
MWb. II, 771; BM. II , 2, 169*] stopfen, wasserdicht 
machen. Intens, zu schieben. 

SChächt'n, v. schlachten und namentlich häuten; überhaupt 
etwas zu Qrunde richten, oder etwas, um es zu verzehren, 
zerstückeln; BIRL. 389 mit Belegen aus der alt. Sprache; 
MI. 74; SCHMIDT 174; STALD. H, 311; BERND 247; 
FULDA 428 u. a. Aus hebr. schächat [WEIG. IP, 538], 
jüdisch-deutsch schachato das Schlachten [jüd.-deutsch. 
Wb. 73 ; 174]. 

SChändl, m. Scheitel; schä'ed'lkammer, f. Dachkammer; 
SCHM. IP, 483; cimbr. Wb. 166. mhd. seh eitel, auch 
schon scheidel [LEX. MWb. H, 688; BM. H, 2, 165 b ; 
DIEF. gl. 185 b ; 264 a ; nov. gl. 193 b ], ahd. seeitila 
[GRAFF VI, 439] Vertex; WEIG. IP, 560. 

SChäete, f., plur. schä-efn Abfälle beim Behauen des Hol- 
zes; auch scherzhaft für Geld vgl. den Ausdruck: Geld 
wie Dreck od. Mist; SCHOE. 587; 603; LEX. KWb. 214; 
SCHM. IP, 483; Oest. Weisth. I, 412; Idiot. Austr. 113; 
LOR. 1J1; CAST. 229; HOEF. III, 66; HÜEGEL 135; 
ZING. Wb. 50;, cimbr. Wb. 166; TOBL. 382; STALD. H, 
305; KLEIN H, 99; 103; 138; FULDA 436 u. a. mhd. 
scheite [LEX. MWb. II, 2, 688; BM. II, 2, 165»>J Holz- 
span, Schindel. Zu schiten scheiden; FICK IEL 8 , 335; 
WEIG. IP, 560; POTT WWb. IV, 497 f.; HW. s. v. 
scindo. 

schöfn, m. der Schatten; schötseite die Schattseite, bei 
uns die Südseite; schötseitig auf der schötseite ge- 
legen; schätn, v. im Schatten stehen; schätnig adi. 
schattig; SCHOE. 593; LEX. KWb. 214; SCHM. IP, 



^T 



i 



214 

482. mlid. schate, ahd. scato, gt. skadus. Wz. ska-, 
sk ad- bedecken; PICK I 8 , 240; 805; KZ. VII, 189 ; ZZ. 
I, 135; MGSpr. 167; POTT WWb. I, 1355; SCHA. 3 782. 

SChott'n, m. Quark aus Molken ; überhaupt alles quarkähnliche ; 
süesser, saurer schott'n; räher od. gibärasster 
(gebeizter) schott'n; schotthüder, schotts&ck, 
schottnudl u. s. w.; SCHOE. 644; LEX. KWb. 225; 
SCHM. IP, 486; STALD. II, 349; REINW. II, 114; 
BUEHL. I, 152; LOK. 118; HOEF. III, 112; LIND. 410; 
TOBL. 398 u. a. mhd. schotte, ahd. scotto. Nach 
WEIG. IIa, 63 5 u WACKERN. Wb. 252* zu schütten, 
während letzterer Umdeutsch. 36 (= Klein. Schrift. DI, 
297) Entstehung aus lat. excocta, it. scotta annimmt 
vgl. DIEZ. P, 65; GRIMM Gesch. 1007 f. 

SChatz'n, v. taxieren, schätzen; mit einander reden, plaudern; 
i hän kä'Bn schätz ich habe keine Hoffnung, kein Ver- 
trauen auf etwas; SCHOE. 593; LEX. KWb. 214; 339; 
SCHM. II 2 , 491 f. mhd. schätzen, schetzen [LEX. 
MWb. II, 673; BM. II, 2, 91 a ] Schätze, Geldsammeln, das 
Geld abnehmen, beschatzen, besteuern, schätzen, erwägen, 
dafür halten, glauben, meinen. Zu schätz, worüber zu vgl. 
WEIG. IP, 553; ZZ. I, 211; FICK in«, 330; DIEF. Wb. 
H, 243; POTT WWb. IV, 442; KZ. XX, 179; GEIGER 
Urspr. d. Sprache (1869) S. 118; SCHA. a 784. 

8Chiftt'l, n. ein dünnes kleines Stück z. B. Seife: a schifft! 
s&sfte; LEX. KWb. 217; HOEP. HI, 85; ZISKA Prob. 
H, 14; Idiot. Austr. 114; LOR. 113; HUEGEL 210; 
SCHMID 460; KLEIN II, 113 u. a. Wol zu schaben. 

SChaggarin, m. Kummer, Verdruss ; LEX. KWb. 213 ; BUEHL. 

I, 301. Aus fz. chagrin Gram, Kummer, dies wieder aus 
türkisch zägri Rücken, Kreuz, pers. sä gar i; DIEZ II 8 , 
248; WEIG. II 2 , 541. 

schal d. i. schälen, v. brünstig sein, nur von Pferden; 
SCHM. IP, 395. mhd. schele, schel [LEX. MWb. II, 
691; BM. IP, 2, 93*] Beschäler, Zuchthengst, ahd. scelo 
[GRAFF VI, 475J admissarius. skt. Wz. skhal- springen, 
wanken, straucheln, skhalana auch das Samenergiessen ; 
FICK I 8 , 810; anders SCHA. 2 787. 

8Chälch, m. eine weisse Joppe bei Frauenpersonen ; SCHOE. 
588; LEX. KWb. 213; SCHM. IP, 412 ; LOR. 111; CAST. 
227; HOEF. III, 66; LIND. 409; SCHMID 452; STALD. 

II, 307; FULDA 431 u. a. Woher das Wort? Wol identisch 
mit schalk in schalknarr, mhd. schale, schalk? 
Etwa das „Hauskleid", eig. das „dienstbare"? vgl. hanns, 
hansei bei WEINH. 33 a ; SCHM. P, 1134; SCHMID 261. 

8Chälder, f. ein grosser Holzsplitter; schildern, v. es 
schildert si es lösen sich grosse Holzsplitter ab ; LEX. 



215 

KWb. 213. mhd. Schalter, schelter, auch schalder 
[LEX. MWb. II, 647 ; DIEF. gl. 387* ; 492° ; 608* ; noy. 
gl. 267 a ] Riegel, obex, repagulum, vectis, schalten mit 
der Stange fortstossen, schieben, überhaupt stossen, fort- 
stossen, schieben, in Bewegung setzen , vertreiben, trennen ; 
WEia. II 3 , 544; FICK III 3 , 333; SCHA. 3 776. 

SChältze , f. Brett, Schleusse zum Anschwellen des Wassers in 
künstlichen Wasserleitungen ; die sch&ltze auziohen, 
zuolkss'n SCHOE. 589; LEX. KWb. 213; SCHM. II 3 , 415; 
VILM. 340; FZ. VI, 198 u. a. mhd. schalte [LEX. MWb. H, 
646; BM. II, 2, 80 a ] Stange zum Fortstossen des Schiffes; 
Schalter Riegel. Von schalten; WEIG. II 3 , 544; 
SCHA. a 776. 

SChellitter, m. = sal nitrum, Salpeter ; SCHOE. 578 ; LEX. 
KWb. 211; SCHM. II 2 , 254; LOR. 110; SCHMID 446; 
KLEIN II, 100 u. a. Schon mhd. salniter, saliter, 
salitter; LEX. MWb. II, 585; DIEF. gl. 508«; WEIG. 
II 3 , 518. 

8Chellätz'n, v. mit Dingen, an die Aberglaube oder Religion 
geknüpft sind, Mutwillen treiben, z. B. wenn es donnert und 
es sucht einer den Schall nachzumachen, heisst es: tue 
nita weil schellktz'n; beiSCHM.II 3 , 393: schalanzen, 
schallatzen schlendern, müssig gehen, schallare 
Mensch mit schlenderndem Gange, Spassmacher, kämt, 
schalaz'n sich mit jem. unterhalten [LEX. KWb. 213]; 
BIRL. 390. Im mhd. bedeutet schalatzen [LEX. MWb. 
II, 640] nur : in einer Barke zum Zeitvertreib herumrudern ; 
bei FRISCH II, 158° liberius vagäri. 

SChÖlm, m. nur mehr in der Bed. Dieb; dim. schölmle; 
milchschölm s. d.; WEIG. II 2 , 563; SCHM. II 3 , 412. 

SChüme, f. 1) Scham, Schamhaftigkeit ; si hat gor kaa 
schüme möor in leibe. 21 die Schamtheile: die 
schüme zuedöcken; sich schum sich schämen; g'schä- 
mik zimpferlich, sittsam, eingezogen; LEX. KWb, 213; 
SCHOE. 589; SCHM. II 3 , 417; WEIG. II 3 , 544; FICK 
HI 3 , 332. Wz. ska-, sku- bedecken; FICK I 8 , 240. 

8Chumm'l d. i. schummeln, v. hin und herstossen, hin und 
her commandieren ; b'schumm'l, v. betrügen, hintergehen, 
bes. listiger Weise einen um etwas bringen ; SCHOE. 651 ; LEX. 
KWb. 227; SCHM. H 3 , 620; FZ. IV, 184; V, 460; ZISKA 
Prob. II, 17; LOR. 119; CAST. 252; HOEF. üT, 117; 
WEINH. 88; SCHROE. 205; brem. Wb. IV, 712; KLEIN 
H, 145; FULDA 473; SCHUETZE IV, 81; WEIG. II 3 , 
650. Zur gleich. Wz. mit schünt'n w. s. 

8Chemmer, f. Maske, Larve; SCHOE. 600; SCHM. II 3 , 418; 
SCHMID 458; FIRMENICH II, 490; SCHILL. LUEBB. 
IV, 68 ; BIRL. 401 ; FULDA 438 ; brem. Wb. IV, 634 ; 






. 216 

SCHAMB. 182; DAEHN. 403 u. a.; auch im wend. shema 
Larve, Gespenst [GUTSM. 170; 181; IARN. 24]. mhd. 
scheme, schem [LEX. MWb. II, 698; BM. IT, 2, 137*; 
DIEF. gl. 319 b ; nov. gl. 229 a j Schatten, ein Augenübel, 
Larve, Maske. Unser schemmer geht aber auf mhd. 
scheme-, schembart zurück: eig. bärtige Larve, Maske 
überhaupt, schon bei DIEF. gl. 319 b larva: schönbar t, 
schemper. Ueber die Etym. vgl. WEIG. II 2 , 563 f.; 
630; FICK m», 335; MGSpr. 232; LEO 315; SCHA. a 776. 

8Chl9n, adi. schön; schianigkit, f. Schönheit; schien 
mächen sagt man von Kühen: sich von der Nachgeburt 
befreien vgl. bei SCHM. II», 427 die schoen [(vorn Vieh) 
die Nachgeburt; STALD. H, 347; FICK HP, 336. 

fcChuen d. i. schuenen, v. schonen, sorgsam behandeln; 
schuone höb'm etwas sorgsam behandeln , schön umgehen 
damit; schuandle in der Dankform: dank dir gott 
schuandle oder feindle (w. s.); dieses schuandle 
kann auch = sein schönlich von schön; SCHOE. 643; 
LEX. KWb. 225; SCHM. II*, 427; WEIG. H*, 630; FICK 
m«, 336. 

SChänte, f. Schande, Schmach, wie bei SCHOE. 589; LEX. 
KWb. 213; SCHM. H a , 428; cimbr. Wb. 165. Merkwürdig, 
und mir begrifflich unerklärlich, ist die Redensart: a 
schänte höb'm, die grösste schänte höb'm gut mit 
einander harmonieren, sich einander gut leiden können, 
aber auch von Sachen : mit etwas eine grosse Freude haben. 
Sollte dies etwa so zu erklären sein, dass es ursprünglich 
von Liebenden gebraucht und dann auf andere Tersonen 
übertragen wurde? Ueber die Etym. vgl. LEX, MWb. II, 
655; SCHA. a 777. 

SChünt'fl, v. antreiben, zu etwas hetzen; ün-, au-schünt'n 
dass.; schünter, m. der Anstifter; das g'schünte das 
Aufstacheln; SCHM. H a , 431; SCHILL. LÜEBB. IV, 151; 
VILM. 373; SCHMID 461; FULDA 474 u. a. mhd. 
schünden, schunden [LEX. MWb. II, 817; BM. H, 2, 
131 a ] antreiben, reizen, schündaere, schüntaere An- 
treiber, Reizer, ahd. scundan, scuntan, scunton 
[GrJJAFF VI, 523] incitare, instigare, ags. scunnian auf- 
hetzen, skt. Wz. cjcyut-, <jcut- abträufeln, abfliessen, 
abfallen, lat. quatio nach FICK III 8 , 338; vgl. auch 
POTT WWb. IV, 118; 923. 

8Chinkin, m. Schinken, das ganze Bein; bleckschinkit adi. 
mit blossen Beinen; bluotschinke (vgl. oben S. 28); 
SCHOE. 611; LEX. KWb. 218; SCHM. IP, 433. mhd. 
schinke [LEX. MWb. II, 752; BM. II, 2, 148*] Schen- 
kel, Schinken, ahd. scinco, scinho [GrBAFF VI, 519] 
perna; vgl. WEIGr. II a , 577. Zu skakan schwingen, 



31-7 

springen, vgl. skt. khac- hervorspringen; FICK HI*, 329; 
SCHA.» 796. 

SChaur, m. Hagel; schaur'n, v. hageln; schauxwolke 
Gewitterwolke, Redensart: a g' sieht mächen wia a 
schaurwolke = ein finsteres Gesicht machen; SCHOE. 
555; LEX. KWb. 215; SCHM. H ä , 449; WEINH. 81 b ; 
SCHROE. 200 und sonst häufig, mhd. schür, schüre, 
schour, schoure [LEX. MWb. II, 827; BM. II, 2, 227 b ] 
Hagel, Ungewitter, ahd. scür [GRAFF VI, 535] tempe- 
stas, grando, gt. sküra [MGSpr. 167; DIEF. Wb. II, 
255]. Die "Wz. ist wol skar-, skt. kar- schneiden, ver- 
nichten; WEIG. n 2 , 555; POTT WWb. I, 700. 

SOheire, f. ein grosses Gefäss; ein grosses, leeres Haus (fast 
nur im verächtlichen Sinne); SCHOE. 605; SCHM. IL*, 
456; BIRL. 292; VTLM. 344; MAR. II, 34 u. a. mhd. 
schiure, schiur [LEX. MWb. II, 762; BM. II, 228*; 
170 1 *] Becher; Scheuer, Scheune, ahd. sciura, scüra 
[GRAFF VI, 536; SCHA. 8 399]. Zu mhd. schür Schutz, 
Schirm, Obdach, wol zu skt. "Wz. sku- bedecken; WEIG. 
H», 568; ZZ. I, 135; CURT.* 168; POTT WWb. I, 1354; 
FICK», 336 u. a. 

SChfirpfen, v. foir Feuer schlagen; schürpf stä'en, gew. 
lötberst&Bn (w. s.); schürpfeis'n od. föireia'n Stahl 
zum Feuerschlagen; SCHOE. 652 (aber nicht in der Be- 
deutung); LEX. KWb. 227; SCHM. D>, 464; HOEF. HI, 
119 ; eimbr. Wb. 167 ; STALD. H, 355 ; FULDA 474 u. a. 
mhd. schürpfen, schürfen [LEX. MWb. II, 830; BM. 
IL 2, 161 a ] aufschneiden, ausweiden, schlagen (Feuer) ; ahd. 
scurfan, scurphan [GRAFF VI, 544] rescindere, ex- 
enterare, eviscerare, fiur scurfan exeudere scintülas. 
Zu scharf WEIG. DI», 652. Wz. skarp-, skt. kalp- 
zerschneiden , zertrennen; FICK P, 240; POTT WWb. 
V, 218. 

Seherin, m. 1) Regenschirm. 2) in der Alpenhüte der eben- 
erdige od. subterräne Raum für das Vieh; auch verb. 
scherm d. i. schermen unter Obdach sein z. B. gegen 
Regen ; SCHOE 602 ; LEX. KWb. 210 ; SCHM. II a , 468 ; 
Oest. Weisth. I, 413; BUEHL. I, 146; STALD. H, 314; 
brem. Wb. IV, 645; VI, 278; SCHAMB. 183 u. a. mhd. 
schirm u. scherm [LEX. MWb. H, 754; BM. H, 2, 161»] 
was zur Deckung, zum Schutze dient : Schild, Schutz, Schirm, 
Schutz-, Schirmdach, Obdach u. s. w. , ahd. scirm, scerm 
[GRAFF VI, 548]. Wol zu Wz. skar- bedecken; FICK 
I», 239; SCHA.» 798. 

SChurm, m. eine übereilte Person; schurm d. i. schurmen, v. 
übereilt handeln, hastig dahereilen; vgl. schuri-muribei 
SCHOE. 652; SCHM. H», 461; CAST. 251; BIRL. 404; 

16 



218 

STALD. H, 354 ; Idiot. Austr. 109 ; MAR. II, 35 ; HUEGEL 
145; MI. 78 u. sonst. 
schtir'n, v. schaben, scharren; ausscheren z. B. die Pfanne 
ausschaben; schüre, f. die in der Pfanne angebrannten 
Theile des Breies; Bodensatz überhaupt; SCHOE. 602; 
603; LEX. KWb. 217; 227; SCHM. II*, 452; LOB,. 113; 
SCHMU) 453; WEINH. 100». mhd. scherren [LEX. 
MWb. II, 711; BM. I, 2, 163 b ] scharren, kratzen, graben, 
ahd. scerran fGKßAFF VI, 538] rädere. Wz, skar-, 
gr. xe£pü>; FICK HP, 332; WEIG. W, 551; POTT WWb. 

11, 1, 159; SCHA. 2 790. 

schörnög'l, m. grosser Eisennagel zum Festnageln von grossen 
Brettern ; SCHOE. 59 L ; LEX. KWb. 214 ; SCHM. E?, 445. 
Schon mhd. schar-nagel [LEX. MWb. II, 666; BM. II, 
2, 298 a ] Nagel zu den Schindeln eines Schardaches. 

schöise, f. eine Kutsche; auch dim. schöis'l. Aus fz. chaise, 
nach DIEZ II», 248 ; IUERGENS 133 ; BAHREIN 85 ; WEIG. 

1 2 , 275 durch verderbte Aussprache aus chaire Lehrstuhl, 
Kanzel, von cathedra; anders SCHN. 129. 

Schlipfen, v. gleiten, ausrutschen; schlipfer, m. ein ein- 
maliges Ausgleiten ; schlipfkräpfin (s. kräpfen S. 134); 
SCHOE. 625; LEX. KWb. 221; SCHM. H a , 532. mhd. 
slipfen [LEX. MWb. H, 982; BM. H, 2, 402*] ausgleiten, 
fallen. Intensivum zu sli fen schleifen; FICKIH Ä , 369; 
WEIG. II 8 , 593; POTT WWb. V, 230 ff. 

schlauch, adi. schlau; subst. schlauch, m. ein schlauer 
Mensch; a rechter schlauch; SCHOE. 617; SCHM. 
II 2 , 520; Idiot. Austr. 119; GRAFF VI, 761; HZ. VII, 
192; WEIG. II 2 , 583. Wol verwandt mit schleichen, 
schwerlich mit schlagen. Etwas anderes ist schlauchen 
z. B. die kuo hat dia hourn geschlaucht die Kuh 
hat (durch Stossen) die Hörner verloren ; sich ausschlau- 
chen sich heimlich davon machen, ebenso sich davün-, 
louB-schlauchen; SCHOE. 618; SCHM. IP, 497; 
SCHMIDT 188. mhd. slüch, sluoch [LEX. MWb. II, 
989; BM. II, 2, 41 5 b ] Haut, Schlangenhaut; Schlund, 
Kehle, ahd. slüh [GRAFF VI, 783]. Wol zu Wz. sra- 

IGBASSM. 1617] ausrenken, aus seiner natürlichen Lage 
iringen, verrenkt sein, fehlgehen, fehlerhaft handeln; ved. 
sräma Verrenkung des Fusses, Beinbruch; vgl. auch KB. 
VII, 252. 
schleichen, v. langsam und unvermerkt gehen ; subst. Schlei- 
cher, m. ; verschleichen, v. vor Mattigkeit und 
Schwäche beinahe vergehen; SCHOE. 620; SCHM. II 8 , 497. 
mhd. suchen [LEX. MWb. H, 973; BM. II, 2, 367*] 
leise gleitend gehen, schleichen, ahd. slihhan [GRAFF VI, 
784] repere. Nebenform zu schleifen, mhd. slifen vgl. 



219 

darübe r SCH MIDT Voc. I, 163; CURT.* 370; LEO 320; 
POTT WWb. in, 353; V, 230 ff. — Ein anderes Wort 
ist schlauchen, v. bes. zud-schlä'echen fem. heimlich 
etwas zubringen; SCHOE. 614; SCHM. II», 496; SCHMID 
464; STALD. H, 326. mhd. sl eichen [LEX. MWb. II, 
969; BM. II, 2, 398 b ] heimlich, unversehens irgendwo 
hinbringen oder gehen. Es ist Factitivum zu schleichen. 

schlichte, f. die Schmiere des Webers; schlichtigen, v. 
mit der schlichte bestreichen; SCHOE. 621; LEX. KWb. 
220; SCHM. II», 503; VILM. 355; HUEGEL 139; HOENIG 
139; FULDA 447; DAEHN. 430 u. a. mhd. slihte [LEX. 
MWb. II, 978 j BM. H, 2, 395 b ] glatte Fläche, Glätte, 
Ebene, Ebenheit, gerader Weg. Zu schlecht vgl. MGSpr. 
172; FICK III», 358; WEIG. II", 590. Oder sollte 
schlichte das mhd. slich, slich Schlamm, Kot, sein? 
Doch schwerlich. 

schleck! schleck! auch sc hl eckebar seh t'l! ruft der, wel- 
cher einen tratz'n oder höhnen will, indem er den Zeige- 
finger der einen Hand mit dem der andern streicht oder 
ein Rüblein schabt; SCHOE. 619; LEX. KWb. 219; 
SCHM. n», 505; MAR. I, 54; II, 39; FZ. VI, 202- 

schluck, m. oder schluck pfaist, f. ein Weiberhemd ohne 
Aermel; LEX. KWb. 220; SCHM. II», 506; anderwärts 
schlutte; SCHOE. 626; STALD. H, 330. mhd. slucke 
[LEX. MWb. H, 989; BM. H, 2, 415 b ] und slute [LEX. 
MWb. II, 993; BM. II, 2, 416»; DIEF. gl. 579«; nov. gL 
362»] teristrum, ein gefälteltes Kleid, Kittel. Bei Seb. 
Brant (63, 75) kommt schlucke unter den rotwälschen 
Wörtern vor. 

SChläecker, m. hoher Butterkübl; dim. schlasckerle; Butter 
schlagen heisst einfach rüer'n; SCHOE. 612; LEX. KWb. 
218. Ich löse das Wort, das nicht einfaches Iterativum zu 
schlagen sein kann, auf in schlagi-kar = dem bair. 
[SCHM. H», 519] schlegelfass vgl. in Betreff der Bil : 
düng kasch-ger = kas-kar Käsegefäss; vgl. 
SCHROEER Gottsch. 135; 2t 1; DESCHM. 62. 

SChluet, f. Wasserrinne, kleiner Graben; dim. schlüet'l; 
SCHOE. 625; LEX. KWb. 221; SCHM. II», 539; 504. 
Scheint zu mhd. sluft [LEX. MWb. H, 990; BM. H, 2, 
408»] das Schlüpfen , die Schlucht , zu gehören , kaum zu 
nhd. schlot Rauchfang, auch nicht = altfries. slät, neu- 
niederl. sloot Graben [SCHILL. LUEBB. IV, 248], wel- 
ches mhd. sloz lauten würde; WEIG. II», 595. 

schlittern, v. schlottern, locker sein, bes. vor Kälte zittern; 
schlatterer,. m. ein Vagabund; SCHOE. 624; LEX. 
KWb. 221; SCHM. II», 538; BIRL. 398; HOEF. HI, 96; 
WEINH. 84; SCHROE. 202; eimbr. Wb. 171; SCHMID 

16* 



220 

463; 468; STALD. II, 330; KLEIN H, 123; FULDA 
449 u. a. mhd. sloten, slotern, «lottern [LEX. MWb. 
II, 986; BM. II, 2, 415»] zittern, klopfen, klappern, 
schwatzen , sloteraere Schwätzer, Klatscher ; WEICr. EL 8 , 
595. schlittern steht statt schläptern und ist gleich. 
Stammes mit schlemp'm S. 220. 

SChlatz und schlutz, m. Schleim, schlüpfrige Masse, schlüpfri- 
ger Weg, überhaupt Schlüpfrigkeit; schlatzig und 
schlutzig adi. schleimig, glatt, schl üpfri g ; SCHOE. 626; 
LEX. KWb. 219; SCHM. II 2 , 540; SCHILL. LUEBB. IV, 
225; SCHN. 277; POPOWITSCH Unters. 303; LOR. 114; 
CAST. 244; HUEGEL 139; WEINH. 84; SCHROE. 288; 
TOBL. 387; KLEIN II, 118 u. a.; vgl. mhd. slöte 
Schlamm, Lehm, sliten gleiten; FICK HI 8 , 359. 

schlitz, m. Schlitz, Spalte; dim. schlitz'l; schlitz- 
kräwät scherzhaft für Mädchen; SCHOE. 623; LEX. 
KWb. 220; SCHM. II*, 540; WEIGk II*, 594; PICK 
III 8 , 359. 

SChlüfT'l, m. Schlingel; daneben auch schloppe, aber mit 
energischerer Bed.; SCHOE. 622; LEX. KWb. 220; SCHM. 
n a , 511; LOR. 115; CAST. 244; HOEF. 111,96; HUEGEL 
139; SCHMIDT 190; SCHMID 467; BERND 265; 416; 
KLEIN II, 121; 122; FULDA 447 u. a.; WEIG. D>, 596. 
Wegen schloppe vgl. bair. schlopf [SCHM. H a , 532] 
liederliche Weibsperson, mhd. slupf, slopf das Schlüpfen, 
Schlupfwinkel, Schlinge, Strick vgl. schlingel: schlinge. 

schlög'n, v. schlagen, wie nhd. und bei SCHOE. 613; LEX. 
KWb. 218; SCHM. II 3 , 512 ff.; folgendes ist etwa noch 
bemerkenswert: oschlog'nz. B. dio kue hat og'schlög'n 
die Kuh gibt weniger Milch; Vschlog'n z. B. dia kue 
hat si b' schlög'n eine schleimige Flüssigkeit aus 
der Scham der Kuh hat sich an derselben angehängt; 
schlöige, f. Schlachtvieh [BUEHL. I, 149; STALD. H, 
326]; schlöig'l auch verächtlich für Kopf; schlägt, f. 
oder dim. schlag' 1 käfigförmige Vogelfalle [SCHMID 463] ; 
FICK IIP, 358. 

schlemp'm, m. Fetzen, weggerissenes Stück, auch das dadurch 
entstandene Loch ; ein grosses Stück Fleisch, Brot ; SCHOE. 
615; SCHM. H 2 , 524. mhd. slampen [LEX. MWb. IE, 
9611 schlaff herabhängen, slump [LEX. MWb. II, 994] 
schlumpig , slempen schleppen , schleifen vgl. WEIGr. H 2 , 
581; 597. Nach SCHMIDT Voc. I, 162 zu skt. Wz. lamb- 
(st. slamb-) herabhängen, lat. läbi, ksl. slabü debilis, 
remissus. 

schiändern, v. herumvagabundiren ; schl&nderer, m. Vaga- 
bund, überhaupt Schimpfwort; sc hl ander, f. ein nichts- 
nutziges Frauenzimmer; ein Lumpen, Fetzen, auch die 



221 

Fäden im unreinen Wasser; SCHOE. 621; LEX. KWb. 
219; SCHM. IP, 525; WEIG. E>, 587 f. vgl. schütterer, 
schlittern S, 219. 

SChlanggern, v. mit rascher Bewegung schwingen, schleudern; 
schlanggerer, m. ein einmaliges rasches Schleudern ; e s 
h&t im an schlanggerer göiVm er hat einen grossen 
Nachtheil erlitten, eig. er ist zurückgeschleudert worden, 
er hat einen Schlag erlitten; SCHOE. 621; LEX. KWb. 
220; SCHM. ü«, 526; 529; VILM. 355; SCHMIDT 189; 
brem. Wb. IV, 822; SCHMID 467; STALD. H, 328; 
KLEIN n, 120; FULDA 446; SCHAMB. 194 u. a. mhd. 
slenger, slenker [LEX. MWb. IL 971; BM. n, 2, 
405 a ] Schleuder, slenken, slenkern scnwingen, schleudern, 
slengerer, s lenkerer fundibularius. Zu slingen vgl. 
FICK HI», 359 ; WEIG. W, 588. 

8ChlÖ8S8'l d. i. schlÖ9sseln, v. einem ein Bein stellen, ihn 
zu Falle bringen, einen hemmen ; sich mit den Füssen um- 
schlingen. Von schliessen. 

8Chmäck, m., gew. dim. schmack'l macula; kki3 schmack'l 
h 6 b'm nullam maculam habere. Ich finde das Wort in die- 
ser Form sonst nirgends. Man wird wol proi^hetisches s 
annehmen und das Woxt aus macula erklären müssen. 

8ChmÖcken, v. fast nur für riechen gebraucht; SCHOE. 629; 
LEX. KWb. 221; SCHM. H*,543; cimbr. Wb. 171; HOEF. 
HI, 99; ZISKA Prob. H, 15; LOR. 116; SCHMID 470; 
TOBL. 392; STALD. II, 335; KLEIN H, 127; MAR. I, 
55; REINW. I, 143; ZARNCKE zu Brandt 312*; WEIG. 
II 3 , 601 f. ; POTT WWb. I, 393 ; HI, 350 f. 

SChmätt'l, f. von einer Weibsperson im verächtlichen Sinne 
überhaupt, ähnlich wie vött'l, wäb'm; SCHOE. 628; 
SCHMIDT 198; KLEIN II, 130. Das Wort scheint statt 
schwätt'l zu stehen vgl. schwattik« 

SChmattern, v. mit Gewalt zersplittern ; auch stark den Durch- 
fall haben; schmatter, f. Splitter, namentlich von 
schmutzigen Flüssigkeiten ein grosser Tropfen; starker 
Durchfall; schmatterer, m. gewaltsame Zersplitterung; 
SCHOE. 630; SCHM. II 2 , 544; VILM. 359; TOBL. 391; 
FULDA 451 u. a.; WEIG. II«, 605. Doch wol mit 
schmeissen verwandt. 

Schmitz, m. das aus feinem Flachs, Hanf, Seide bestehende 
Ende der Peitsche (gä-Bs'!); den Schmitz inheng den 
seh. einknüpfen; öklemm, vaklemm durch einen zu 
starken Schlag den Schmitz verlieren; den sohm. 
öteng'l mit einem Steine auf einem andern den schm. 
eben machen ; SCHOE. 632 ; LEX. KWb. 222 ; SCHM. IP, 
562; VILM. 359; WEINH. 86; SCHROR 203; BERND 
268; KLEIN II, 126; SCHAMB. 198; REGEL 262; FZ. 



222 

II, 238; 552, 56; III, 272, 29; VI, 343. Niederdeutsch 
auch die Form schmicke vgl. WEIG. II 2 , 608; 605. mhd. 
smiz, smitz [LEX. MWb. II, 1017; BM. II, 2, 433*] 
Spitze; Streich mit der Rute, s nutze Hieb, Streich, smizen 
streichen, schlagen; dazu intens, smitz en etwas spitziges 
schnell bewegen, zücken, mit Ruten hauen, geisein, schlagen. 
Eines Stammes mit schmeissen, gt. -smeitan schmieren, 
streichen [MGSpr. 171; DIEF. Wb. II, 278], zu einer Wz. 
smid-, wozu doch wol auch Iat. mittere (co-smittere 
Festus 67 M) gehört; CURT.* 338; POTT WWb. IV, 
744 ff. u. a. 

schmoutz'n, v. lächeln, schmunzeln ; s c h m ft s ' n , v. schmeicheln ; 
schmoutzer u. schmüser, m. Schmeichler; SCHOE. 

• 633; LEX. KWb. 222; SCHM. H a , 562; BIRL. 399; CAST. 
247; HOEF. 3H, 102; LOR. 116; LIND. 409'; SCHMID 
491; SCHMIDT 198; BERND 270; MAR. II, 46; PETT, 
Stoffs. 23 u. a. mhd. s mutzen, smutzeln, smutzern, 
smotzen JLEX. MWb. II, 1020; BM. H, 2, 434 a ] schmun- 
zeln; WEIG. II a , 609. Wz. ohne Zweifel skt. smi- lächeln, 
gr. [/. slS-os Lächeln, (jt£iS-A«i>, (iäcS-mmd lächle; vgl. FICK I\ 
254; HW. s. v. mirus. 

SChmatzlied'l , n. Schnaderhüpfl ; anderswo schwatzliod' 1 
vgl. FZ. VI, 206; LEX. KWb. 179; SCHM. II a , 652; DÜN- 
GER Dialekt und Volkslied d. Vogtlands, Plauen 1870, 
S. 13. Ich halte die Form schmatzlidd'l für die ursprüng- 
liche, lehne es aber nicht an schmatzen [SCHM. II 3 , 
560] schwätzen, reden, an, sondern an schmatzen einen 
schnalzenden Laut erregen. Denn nach einem schmatz- 
1 i 9 d' 1 , oft nach jedem Verse, folgt regelmässig ein s c h m h t z 
oder schnälzer, um dem g'sang'l gleichsam mehr Nach- 
druck zu geben. 

SChmelhe, £ Schmiele; etwas kleines überhaupt: kä*e 
schmelhe ha; schon mhd. küme ein smele (vgl. ZINGL 
Negation S. 16); SCHOE. 630; LEX. KWb. 221; SCHM. 
H a , 549; LOR. 116; HOEP. HI, 101; SCHMIDT 198; 
KLEIN II, 129; FULDA 453; SCHMID 471 u. a. Das 
bei LEX. a. a. 0. erwähnte Spiel mit schmelhen kommt 
auch bei uns vor und heisst einfach: önemm abnehmen; 
vgl. noch WEIG-. II», 606. 

SChnöb'l, m., dim. schnäbile der Schnabel; auch der Mund; 
eine schwazhafte Person; den schnöb'l überöl drinne 
höb'm; den schnöb'l nit hält'n künn; den schnöb'l 
vabrenn; verb. schnöb'l d. i. schnöbein eifrig, mit 
vollem Munde reden; n&chinschnöb'l das letzte Wort 
haben wollen; das g'schnöble das Geschwätz u. a. SCHOE. 
633; LEX. KWb. 222 ; SCHM. II*, 564; BIRL. 399; WEIGK 
H», 610. 



228 

SChnopfltz'n , v. 1) ein wenig, aber stossweise Athem holen, 
wie bei Sterbenden; schnopfitzer, m. ein einmaligerftie- 
fer Athemzug. 2) schnufeln; ihinschnopfitz'n: hasche 
mü9ss'n ihinschnopfitz'n? hast du müssen deine Nase 
darin haben? SCHOE. 642; LEX. KWb. 224; SCHM. H', 
579; DESCHM. 61; KLEIN n, 136 u. a. mhd. snüpfe- 
zen, snupfezen [LEX. MWb. II, 1046] singultire, snu- 
pfezunge, snopfzunge [DIEP. gl. 536 c ] singultus; 
ahd. snephezan, snophizan [GRAFF VI, 851] singul- 
tire. Intensivuui zu scnnaufen, schnauben; WEIGL 
II*, 614. 

SChnäpp'm, v. schnappen; sich vaschnäpp'm sich verreden 
(aus Unüberlegtheit oder Eile); sohn&pper, m. ein Ding, 
das auf und zu schnappt; kräpfinschnkpper (sieh 
oben gröogg'l S. 85); knioschn&pper das Knieschlot- 
tern bei übermässiger Anstrengung der Beine ; g' schnäpik, 
g* schnapperik adi. vorlaut im Heden, immer das letzte 
Wort haben wollend, streitsüchtig; SCHOE. 637; VATER 
42; SCHM. IP, 576; WEIG. II a , 612. 

SChn&Vt'n , v. behauen , bes. von einem Baume t ä s' n herunter- 
hacken, die dann zu ströiwe verwendet^ werden; 
schnävter, täs'n-schnä'eter einer, der täs'n her- 
unterhaut; schn&'etbeil, m. eine zu diesem Zwecke beson- 
ders geformte Hacke. Ein derbes Sprichwort für eine exqui- 
site Strafe lautet: Man soll ihn schnüer'n, schneiden, 
schnä-et'n, seng, brenn und nächer läfen läss'n; 
SCHOE. 636 ; LEX. KWb. 223 ; VATER 45 ; Oest. Weisth. 
1,414; LOB. 117; cimbr. Wb. 172; SCHM. H a , 584; 
SCHMDD 472; HOEF. m, 103; STALD. II , 342; 
SCHMIDT 201; WEINH. 87*. mhd. sneiten [LEX. MWb. 
IE, 1029; BM. II, 2, 443 a ] schneiden, besohneiden, ent- 
ästen, ahd. sneiton [6HRAFF VI, 844] putare. Zu 
schneiden. 

8ChnÖggit, adi. hager, spitzig (vom Aussehen), namentlich mit 
eingefallenen Wangen ; vgl. SCHM. II 2 , 565 unter schnack; 
FIRMENICH I, 398, 11: schnack schlank; FZ. II, 238; 
III, 560; SCHMID 473: schnack, m. langer, hagerer 
Mensch, mhd. snakelecht [LEX. MWb. II, 1023; BM. 
II, 2, 435 b ] hager wi e eine Schnake; snäke, auch 
schnock Schnake; WEIG. ü 2 , 610 f.; KZ. IX, 233 f.; 
POTT WWb. tu, 693. 

SChnagg'l d. i. schnaggeln, v. 1) nach etwas hastig schnap- 
pen: schau, ass di der nunt nit schnagg'lt; 
schnaggler, m. das hastige Schnappen: un schnaggler 
bikemm einen Biss bekommen. 2) gierig essen: älls 
zAmmschnagg'l, 3) vom Magen aufstossen: den 
schnaggler höb'm. Ferner einen öschnagg'l, hinta- 



534 

schnagg'l einen mit kurzen, derben Worten abfertigen; 
SCHOE. 634; SCHM. II', 566; POPO WITSCH Unters. 
303; LOB,. 116; CAST. 247; FULDA 456 n. a.; WEIG. 
II 3 , 610. 

schnaggern, v. schnitzeln und zwar schlecht, schnitzeln und 
dabei viel Späne erzeugen; unschnaggern durch Schnitz- 
späne ein Zimmer verunreinigen; schnaggerer, m. nom. 
ag. ;- schnigger, f. Hobel-, Schnitzspäne; LEX. KWb. 
223; SCHM. II 8 , 567; POPO WITSCH Unters. 800; LÖß. 
117; HOEP. m, 105; LIND. 409; KLEIN II, 131; 
DANN. 199 u. a. Im Schwedischen heisst snickra Tisch- 
lerarbeit machen, s^ickare Tiöchler. Vielleicht wurzel- 
verwandt mit schneiden. 

SChnÖll d. i. schnellen, v. jäh fallen; orchaschnöll, v. 
unversehens herabfallen: 's kint ist von da bänk ö'eha- 
g'schnollt; ebenso üTi i n-, difhin-, wöckschnöll weg- 
fallen; daschnöll bersten, platzen: die kuo ist 
daschnöllt; SCHOE. 640; LEX. KWb. 223; SCHM. II 2 , 
575; STALD. II, 343 u. a. mhd. sn eilen [LEX. MWb. 
II, 1031; BM. II, 2, 447 a ] einen snal hervorbringen, 
schnalzen, ein Schnippchen schlagen, schnellen, fortschnel- 
len; refl. sich rasch bewegen, beeilen; intr. fortschnellen; 
sich rasch bewegen, eilen, ahd. snellan [Grit ÄFF VI, 
847] vigere, eines Stammes mit schnell und sohnall; 
WEIG. D>, 617. Nach PICK HI 8 , 351 zu sna = zend. 
cna Sehne; vgl. auch Verf. Zeitschr. f. Oest. Gymn. 1875, 
S. 52. Möglich wäre indess auch, dass es zu Wz. sna-, 
snu- fliessen, schwimmen, gehört, mit jener im Verlaufe 
der Zeit und in den Einzelsprachen angenommenen intensi- 
veren Bedeutung, die wir auch sonst an anderen Wörtern 
beobachten; daher stellt PICK I 8 , 250 vielleicht mit Recht 
auch gt. snivan, snan eilen, gehen, zu derselben Wz. 

SChnurfen, v. sich zusammenziehen, zusammenschrumpfen; 
schnurf Id. i. schnurfein, v. den Nasenschleim zurück- 
ziehen; schnurfler, m. der immerfort schnurf* lt; 
g' schnür fle, n. nom. actionis ; SCHOE. 642; LEX. KWb. 
224; SCHM. E>, 582; HOEF. 1H, 109; MAE. II, 50*; 
REINW. I, 146; BUEHL. I, 126; LOR. 118; HUEGEL 
143 u. a. mhd. snerfen [LEX. MWb. II, 1033; BM. II, 
2, 448 b ] sich biegen, krümmen, einschrumpfen, ahd. sner- 
fan [GRAPF VI, 850 f.]; PICK IIP, 350. Wol verwandt 
mit Schnur; vgl. jedoch WEIG. II 2 , 626. 

8Chnärling, m. — Der Dünger, der sich im Laufe des Som- 
mers in Alpenhütten sammelt, wird im Herbst, bevor es 
gefriert, in oblonge Pormen gebracht, stocke genannt, 
damit sie im Winter zu festen Klumpen gefrieren. In einen 
jeden dieser stocke wird vorne und rückwärts ein krum- 



v 225 

mer Ast gesteckt, an dem ein Seil festgebunden werden 
kann. Diese stocke werden vor Ende des Winters zu 
Thale befördert und als Dünger für die. Felder benützt. 
Diese Aeste nun, die in die miststöcke fest eingefrieren, 
heissen schnärlinge. Man könnte nun an das bei SCHM. 
II 2 , 579 erwähnte schnärf denken: die vorne in die Höhe 
gekrümmten Hölzer am Schlitten; STALD. II, 339. Ich 
glaube aber, schnärling ist mit der Ableitungssilbe 
-ling von mhd. snar [LEX. MWb. II, 1024], ahd. snara 
[GRAFF VI, 849] fidis, gebildet und bedeutet ansa für 
den Strick. Zum Ganzen vgl. FICK HI 8 , 350. 

schnär'n , v. mit tiefzitternden Tönen reden, bes. im Unwillen ; 
einen ünschnärn mit rauhen Worten anfahren; zuruck- 
schnär' n, hintaschnär'n einen mit rauhen Worten 
abfertigen; schnärer, m. ein derber Ton; nach SCHOE. 
637 bedeutet schnär'n auch essen; dazu würde sich dann 
stellen g'schnäre, n. oder g'schnärwerch allerlei 
Schleckereien; SCHM. II*, 579; VILM. 364; WEIG. IP, 
613. Wol mit schnurren, Schnur verwandt. 

schnäBSe, f. ein Stab , an welchem in der Küche Fleisch zum 
Räuchern aufgehangen wird (welche Bed. auch bei SCHM. 
II 2 , 583 aus Osnabrück angeführt wird); dav. verb. 
schnä'Bs'n nur in der comp. ünschnä'Bs'n eig. ein 
Fleisohstück (henkile) an den Stab anstecken, um es zu 
räuchern, dann übertragen überhaupt anfädeln, einfädeln; 
SCHOE. 635; LEX. KWb. 223; SCHILL. LUEBB. IV, 
273; REGEL 264; REINW. 145; SCHMIDT 201; br.Wb. 
IV, 888; VILM. 361 f. ags. snäs veru, isl. sneis ramus 
arboris, paxillus. Das Wort scheint verwandt zu sein mit 
altir. sndthe filum, sn&that Nadel, Wz. skt. si- bin- 
den; FICK I», 799; ZEH. 232; Verf. Zeitschr. f. öst. Gymn. 
(1875) S. 52. 

schrieb, adi. z.B. schriobe luft, schriabes wötta rauhe 
Luft, rauhes Wetter. Das b wird zwar weich gesprochen, 
es scheint aber doch statt f zu stehen und schriob Neben- 
form zu schräf = scharf zu sein. Schwerlich gehört es 
zu sehr oh bei WEIG. II 3 , 642. 

8Chripk, m. Sprung, Riss, Spalte z. B. in einem Glase; köis- 
schrick Gletscherkluft; SCHOE. 647; LEX. KWb. 226; 
SCHM. n a , 597; CAST. 251; LOB,. 119; LIND. 410; 
HUEGEL 145; ZISKA Prob. H, 16; MAR. I, 57; HOEF. 
HI, 114; ROS. 207; SENGSCHMIDT Progr. d. Schotten 
1852,11; VILM. 369; EXEIN II, 142; POPO WITSCH 
Vers. 524; FRISCH H, 226° u. a. mhd. schrie [LEX. 
MWb. H, 796 ; BM. II, 2, 211 a ] der Sprung, das plötz- 
liche Auffahren, Sprung, Riss, das Erschrecken, Schreck, 

17 



226 

ahd. scric [GRAFF 71, 574]; WEIG. H>, 639; Über die 
Etym. vgl. CÜRT. Stud. VH, 340 f. 

SChräfl, m. der Holzwurm, Todtenuhr; die an einer Wand 
fibrierenden Sonnenstrahlen; SCHOE. 646; LEX. KWb. 
225; SCHM. TL 9 , 610; HOEF. III, 113; cimbr. Wb. 167; 
SCHMID 478; CAST. 250; TOBL. 259; IARN. 214; 
POPOWITSCH Vers. 265; ZISKA Prob, n, 16; LOR. 
118; STALD. II,. 350; KLEIN H, 141; FULDA 168 u. a. 
schrät'l als Kobold kommt bei uns kaum mehr vor; dar- 
über GRIMM Myth.» 447 ff. ; ALPENBURG 369 ; WZ. TL, 
189; MANNHARDT Waldcultus I, 114. mhd. schrat, 
schrate [LEX. MWb. LT, 788; BM. II, 2, 265"] Wald- 
teufel, Kobold, schretelin, schretel dass. ; ahd. 
scrato [GRAFF VI, 577] larvae, lares mali, auch pilosus. 
Kau m zu mhd. schraejen spritzen, triefen, stieben, sprü- 
hen ; WEIG. TL*, 641 ; ZEH. 285. — Gewiss nicht hieher 
gehört 

SChrat'l, n. ein wenig z. B. a schrät'l salz; did suppe 
ist ka« schrät'l g'sälz'n. Der Umstand, dass auch 
sehr 6t, m. gebraucht wird in gleich. Bed., macht es wahr* 
scheinlich, dass beide Wörter zu schroten schrotten, gehö- 
ren; SCHAMB. 185. 

SChroufin, m., plur. schröifin 1) rauher Fels. 2) schröt- 
finzeile ein geordneter Haufe klein gespaltenen Holzes 
zum Küchengebrauche; SCHOE. 649; LEX. KWb. 226; 
SCHM. II«, 598; SCHMID 480; TOBL. 400; STALD. LT, 
352; FULDA 469 u. a. mhd. schroffe, schrove [LEX. 
MWb. H, 802; BM. II , 2, 21 6 b ] spitzer Stein, zerklüfte- 
ter Fels, Felsklippe, Steinwand. 2) SCHOE. 647; LEX. 
KWb. 226; SCHM. II», 598; HOEF. LTI, 113; LOR. 118; 
CAST. 251; LIND. 410; Idiot. Liefl. 212 u. a. mhd. 
schreffen, schreven [LEX MWb. II, 790; BM. IL 2, 
21 6 a ] reissen, ritzen, kratzen, schreffe Spalte, klaffende 
Wunde ; vgl. WEIG. II», 642, der das Wort mit lat. s c r ü- 
pus spitzer Stein, verbindet, was in so ferne richtig sein 
kann, als beide zu Wz. skarp- schneiden, gehören, ähn- 
lich wie saxum: secare; SCHMIDT Voc. II, 368. 

schrems (nie sc hie ms), adv. schief, schräg, bes. in 
schiefer Richtung; SCHOE. 620; LEX. KWb. 226; SCHM. 
LT«, 601; HOEF. IE, 94; ZISKA Prob. LT, 15; CAST. 
251; brem. Wb. IV, 695; KLEIN II, 142; DANN. 187; 
DAEHN. 414; RICH. 241 ; FULDA 468; Lor. 115 ; WEINH. 
87». mhd. schraemen [LEX. MWb. II, 785; BM. II, 2, 
302 a ] schräge machen , krümmen, biegen, slimbes, sie ms 
[LEX. MWb. II , 980 ; BM. TL , 2, 402», 52] schief, schräge, 
verkehrt, nhd. schlimm; WEIG. TL% 951. Ueber die mut- 
massliche Etym. vgl. SCHMIDT Voc. I, 163. 



227 

schwOb'l vgl. darüber ZZ. V, 66 f. 

schwäBb'm, v. schwemmen , durch Schwemmen etwas reinigen 
z. B. giw&nt schw&'eb'm; schwäfcwkss er Spülwasser, 
auch schwenzwfcsser; SCHOE. 655; LEX. KWh. 228; 
SCHM. Ha, 619 f.; POPO WITSCH Unters. 303; LOR. 120; 
CAST. 252; HOEF. HI, 123; HUEGEL 145; WEINH. 
89; SCHMIDT 213; SCHMTD 485; STALD. H, 357; 
BERND 281; KLEIN II, 146; 148 u. a. mhd. sweiben 
[LEX. MWb. n, 1350; BM. n, 2, 777*] sich schwingen, 
schweben, schweifen, schwenken, schwenkend spülen, ahd. 
sweibön [G-RAFF VI, 855]. Zu schweben, schwei- 
fen; WEIG. H a , 662; FICK HI 8 , 365 f.; ZZ. V, 66 f.; 
POTT WWb. V, 245 f. 

SChwattig, adi. von einer Flüssigkeit od. von Fett durchtränkt ; 
a schwattiger mensch, a schwattiges holz; 
SCHOE. 659; SCHM. II 2 , 652; vgl. mhd. swattgen [LEX, 
MWb. II, 1345; BM. II, 2, 766*] plätschernd fahren. # 

8ChwäBf , m. Schweif; jedes schweifähnliche Ding z. B, bei den 
Rüben die Wurzel; G-arn, als Zettel auf den Webstuhl 
gespannt, damit der int r 6g (Eintrag) in selbes gewoben 
werde; schwättfl, v. wedeln; auch von einem schwän- 
zelnden Gange; schwärafin, v. das G-arn auf den Weber- 
baum ziehen, anzetteln; auch überhaupt winden z. B. 
einem die darme aussaschwa^fin; schwä'ßfhäsp'l, 
m. Haspel zum Garn aufwinden; schwä'eftröiter, m. 
Schmeichler; SCÖOE. 656; LEX. KWb. 228; SÖHM. H a , 
625; POPOWITSCH Vers. 612 u. a. mhd. sweif [LEX. 
MWb. II, 1351 ; BM. II, 2, 785*] schwingende Bewegung, 
Gang, Umschwung, Umkreis, umschlingendes Band, Besatz 
eines Kleidungsstückes , Schwanz , s w e i f e n schweifen, 
schwingen, bogenförmig gehen, sich schlängeln, bogenför- 
mig, sich schlängelnd abwärts hangen, swlfen sich. bewe- 
gen, schwingen, ahd. suueifan [GRAFF VI, 901]. Wz. 
svap-, svab-, lat. supare, dis-sipare, gr. a6ßo;, aoߣü> 
cet. vgl. ZZ. V, 66 f. ; FICK IIP, 365 f. ; CURT. Stud. 
HI, 287; CURT. 4 383; POTT WWb. V, 244 ff; DIEF. 
Wb. II, 357 u. a. 

8Chwol , m. Schwall , angeschwellte Flussmasse , eine Menge 
überhaupt; SCHM. II 2 , 629.; LOR. 120; SCHMTD 485; 
FULDA 476 ; FICK HP, 363. 

schwämme, f. Schwamm; Zunder; SCHM. IP, 632. mhd. 
swam, swamme, m. [LEX. MWb. H, 1334; BM. II, 2, 
760 b ] Schwamm, Pilz. Za schwimmen; WEIGk II 2 , 659; 
FICK III 3 , 362. 

SChwärschte, f., dim. schwarscht'l Schwarte, Speckrinde; 
Muttermal in Form einer Speckrinde; schwärschte, f. 
oder schwarschtling, m. das erste oder letzte vom 

17* 



228 

Blocke gesägte Brett; SCHOE. 658; LEX. KWb. 228; 
SCHM. n a , 647; cimbr. Wb. 163; SCHMID 486; REINW. 
II, 116; BIRL. 405; VILM. 377; TOBL. 402; STALD. II, 
361; KLEIN II, 148; MAR. II, 56 u. a. mhd. swarte 
[LEX. MWb. II, 1343; BM. II, 2, 763 b ] behaarte Kopf- 
haut , menschliche Haut überhaupt , behaarte oder befiederte 
Haut der Thiere, Speckhäutlein, -rinde, Schwartenbrett. 
Nach WACKERN. Wb. 285 a zu mhd. swern wehe than, 
schmerzen, schwären, schwellen, wachsen. 

Stob, m., dim. stabile Stab, Stock; drischlstöb der Stab 
an der Drischel; röchinst ob Stab am Rechen; öllstob 
die Elle; ferner bed. stob bei einer Fuge den Vaterstab, 
im Gegensatz zur rinne, U9 seh (vgl. oben S. 15); SCHOE. 
695; SCHM. II 3 , 716. Wz. stabh-, stambh- festmachen, 
stützen, aus dem Causat. zu sta- stare vgl. MGSpr. 169; 
KZ. I, 139; FICK I», 245; 820; HP, 345; WEIG. ü a , 
788; POTT WWb. V, 409 f.; SCHMIDT Voc. I, 155; 
HW. s. v. stipare p. 222. 

stäb, m. Staub; dim. stäb'l z. B. kä*B stäb'l möal in 
hause hob'm; lab oder stäb nicht mödr söohen; 
stäb'm, v. stauben; SCHOE. 702; SCHM. ü a , 718; 
WEIG. IP, 802. 

8tflbich, m. (nicht n.) hölzernes Gefass zum Tragen auf dem 
Rücken für trockene Gegenstände, bes. Getreide ; oft auch 
Schimpf- oder Kraftwort: du stübich! in nicht gerade 
schlimmem Sinne; dim. stübichle; SCHOE. 727; SCHM. 
II», 721; SCHMID 515; FULDA 527 u. a. mhd. stübich, 
stubich [LEX. MWb. II, 1258; BM. II, 2, 706*1 Pack- 
fass, stopa, aus mlat. stopa, stupa u. dieses nach WEIG. 
II a , 843 aus ags. steap, ahd. stouph, stouf Becher; 
FICK HI 8 , 343. Wz. sta- stare; SCHMIDT Voc. I, 156. 

Stupfen, v. stechen mit etwas spitzen, stacheln, anstacheln, 
auch fig. jem. sticheln; stupfer, m., dim. stupferle 
Stich; stichelnde Rede; stupfitle, n. das Stechende ; hie- 
her auch stüpf'l: af an stüpf'l = subito vgl. bei £|CHM. 
ll a , 774: stupf, urstupf plötzlich; SCHOE. 726; LEX. ( 

KWb. 245; SCHMID 515; FULDA 527; STALD. II, 415; } 

CAST. 239; BIRL. 411 f. Auch bedeutet s tupfen her- 
vordringen, keimen z.B. die engilisblüendlin stu pf i n 
sehnen vuerher. mhd. stüpfen, stupfen [LEX. MWb. 
II, 1274; BM. II, 2, 659 a ] stechend stossen, stacheln, an- 
treiben, hervordringen, keimen, ahd. stuph [GRAFF VI, 
659] ictus pungentis, punctum, apex, centrum, Stimulus; 
WEIG. IP, 849; POTT WWb. IV, 469; SCHMIDT Voc. 
I, 156. 

stopp'm, v. ein Loch zunähen ohne Fleck, bes. an Strümpfen ; 
SCHOE. 707; LEX KWb, 241; SCHM. II a , 773; LOR, 



229 

126: HOEF, m, 179; LIND. 410; HUEGEL 156;, MAR. 
II, 68; WEIG. II», 812. iriha. stgp'pen [LEX. MWb. n, 
1177; BM. II, 2, 619 b ] stellenweise stecnen, reihenweihe 
nähen, durchnähen, sticken. Aus niedere!, stippen stechen, 
stecken. 

stflde, f. Bildung, * anständiges Benehmen z. B. er hit gor 
k&B stüde = er hat ein rohes Benehmen; so heisst der 
Kalenderreim: Simon und Jude, hobm'p kk« Istfide. 
Aus Studium; SCHOE. 724; LEX. KWb. 244; SCHM. 
H 8 , 734; LIND. 411; MAR. H, 64. 

stued'l, f., dim. stiiodile Weberstuhl; di9 stuod'l 

. .aüricht'n eig. den Weberstuhl aufrichten; darin dieFüsse 
in die Höhe strecken und so die Blosse zeigen; daher 
stued'l d. i. stuedeln, v. durch ungebührliche Gesticu- 
lationen mit den Füssen die Blosse zeigen; auch austuad'l 
dieses Benehmen heisst auch das g'stüodle; SCHOE. 724 
LEX. KWb. 244; SCHM. II*, 733; BUEHL. I, 150; bei 
VILM. 405: den arsch stüelen. mhd. studel, stuodel 
[LEX. MWb. II, 1262; BM. II, 2, 707 a ] Unterlage, Pfosten, 
Säule, ahd. studal, stuodal [GRAFF Vi, 653]. Wz. 
sta- stare; WEIG. II», 844; FlCK EI 8 , 342. 

8tät, m, Staat; Aufwand, Prunk, Zierde: an stät machen 
Aufwand in Kleidern machen; auch eine Zierde abgeben 
z. B. ein Gegenstand in einem Zimmer mächt an stat; 
SCHOE. 702; SCHM. H a , 792; WEIG. II 2 , 788. 

State, adi. und adv. fest, treu, stat, fortwährend, sachte, 
leise, still, wie mhd. staete, sta et [LEX. MWb. II, 
1145; BM. II, 2, 608*1; vgl. auch SCHOE. 701; LEX. 
KWb. 239; SCHM. W, 797; HQEF. HI, 173; ZISKA 
Prob. I, 27; BUEHL. I, 134; LOR. 125; CAST. 232; 
HÜEGEL154; WEINH. 93; KLEIN H, 165; FULDA 510 
u. a. Zu Wz. sta- stafe. 

Stöltig, adi. stätig, nicht vom Fleck zubringen, bes. von Pfer- 
den, seltener von trotzigen Menschen; stöitigkit, f. 
Halsstarrigkeit ; SCHM. II a , 798 ; LEX. KWb. 243 ; VATER 
43; FULDA 514 u. a. mhd. stetec, -ic [LEX. MWb. II, 
1184; BM. II, 2, 603 a ] nicht von der Stelle zu bringen, bes. 
von Pferden; v^l. WEIG. ll a , 799. 

statt, f. Stadt wie nhd., dim. stadt'l; f otrstätt, f. Herd; 
hostktt, hostadtl ein umzäunter Acker- oder Grasplatz 
am Futterhause (local). Dieses ho statt kann entweder == 
sein hochstatt [bei SCHM. II a , 793] oder höf statt d.i. 
ein Ort, wo ein Hof steht oder gestanden hat [SCHM. ü a , 
793; LEX. KWb. 239]. Letzteres trifft hier zu, weil 
factisch an dieser Stelle das alte (abgebrannte) Futtetihaus 
gestanden hatte; vgl. auch ÖCHOE. 701; TGBL. 277 a : 
STALD. H, 57. 



I 

r 



. 230 

st&fte, f. Stift; bes. auch die stiftartigen Blätter einiger 
Pflanzen z. B. crocue vernus ; dann sogar übertragen auf die 
Barthaare des Menschen ; bleistöfte, f. Bleistift; SCHOE. 
704; LEX. KWb. 240; SCHM. II 2 , 737; HUEGEL 156; 
SCHMID 508; FULDA 514 u.a. mhd. stift, steft [LEX. 
. MWb. II, 1191; BM. Il a , 2, 628*1 Stachel, Dorn, Stift, 
ahd. steft [GRAFF VI, 6131; WEIG. II a , 819. Urspr. 
Wz. sta- stare; POTT WWb. V, 412; HW. s. v. 
stipare p. 222. 

stägern, v. jagen, hetzen z. B. die Kühe; vgl. bei DIEP. gl. 
s. v. inoitare: stogken, stochen, staken. Zu Stecken, 
stechen,. Stock. 

Stägg'l d. i. staggeln, v. stottern, stammeln, bes. beim 
Lesen; stäggler, m. Stotterer; g'st&ggle, n. das stot- 
ternde Lesen; TOBL. 406 a ; STALD. II, 390. Bei DIEF. 
gl. s. v. balbus: staggler. Verwandt mit stecken. 

Stögg'n, m. der Stengel beim Kraut; SCHM. IP, 744 hat 
stieg, kraut-stiegen die Krautstengel; STALD. II, 
400: stogele, f., stagel, stagle vom Kohl, wenn er 
. nur in die Höhe schiesst. Wol zu stock. 

stuegg'n = gruagg'n (s. ob. S. 85); vielleicht durch An- 
schluss an stuod'l (w. s.) gebildet. 

stöl, m. t plur. stalle; dim. stalle oder stallile Stall; 
ströiwstol =kotter (w. s.); in stalle richten den Mist 
im Stalle untereinanderhauen und Streu herumwerfen; 
trupfst&ll stillicidium ; nootstöl eingezäunte Stelle, wo 
für den Augenblick das Vieh eingesperrt werden kann; die 
Alpe zwischen Defereggen und Antholz heisst s t all er- 
at lbe, eine andere Alpe heisst die stalle; SCHOE. 697; 
LEX. KWb. 238; SCHM. IP, 745; HW. s. v. stare. 

stampe, m., plur. stamp'm. In der Pastnacht zogen früher 
(jetzt ist auch dieser Brauch verschwunden) junge Burschen, 
die stamp'm, schrecklich vermummt und mit grossen 
Stöcken versehen , von Haus zu Haus und führten ihre Luft- 
sprünge und Faxen auf. Ueber die stampen, als Vertre- 
ter der stampa, anderer Name für b er cht a (daher dieses 
Springen der stamp'm auch bercht'nspringen heisst 
oder hiess) vgl. ZING. Sag. 18; 19; 465; Sitt. a 3; 127; 
128; 186; PZ. VI, 73; SIMROCK Myth. S. 409; 423; 
GRIMM Myth. 255; PANZER H, 116, 182; KUHN 
Westph. Sag. I, 61 u. a. 

Stemper, m. Pflock, Pfahl; SCHM. II 3 , 759; HOEF. HI, 178. 
mhd. stempfei [LEX. MWb. II, 1174; BM. II, 2, 567*] 
Stempfei, Stössel, Grabstichel, schiefstehender Holzstamm 
zur Auszimmerung der Gruben im Bergbau. Verwandt mit 
stampf, skt. stambh- befestigen, stützen, stemmen, 
hemmen, stambha Pfeiler, Pfosten; FICK I 8 , 24J f. 



231 

8t&Bnd'l d. i. st ein ein, v. ein Mädchenspiel bes. im Früh- 
jahre; dasselbe, was bei SCHM. II«, 763; P, 613 stain 
tappeln heisst; STALD. II , 396; KLEIN n, 169 vgl. 
auch die Beschreibung bei GRIMM Wb. II, 826 Datsche 1- 
spiel und bei LEX. KWb. 240; FZ. IV, 9; ZING. 
Esp. 45. 

Ständer, m. ein bewegliches Gestelle, in welcbem die Kinder 
das Gehen lernen; SCHOE. 699; LEX. KWb. 241; SCHM. 
II*, 768. mhd. Stander, stände, standener, stender 
[LEX. MWb. II, 1136; BM. II, 2, 591»; DIEF. gl. 160*] 
Stellfass, Kufe, cubella, biota; WEIG. ü a , 795. Zu Wz. 
sta- stare. 

8tenten, v. sich abmühen; sich derstent'n dass. ; stente- 
nei, f. Mühe, Plage; SCHOE. 707; cimbr. Wb. 236\ Das 
subst. stentenei könnte auch statt stempenei stehen 
und = sein it. stampania, mhd. stampanie vgl. 
SCHOE. 706. stenten ist aus it. stentare zaudern, 
darben, churw. stentar Mühe geben; it. stento Not, 
Mühseligkeit, nach DIEZ II 8 , 71 von abstentare, wäh- 
rend für unsere Bedeutung extentare besser passen würde. 

Stangge, m. ein grosser Mensch. Es könnte dasselbe Wort sein, 
welches bei SCHM. II a , 771 s. v. stank er aufgeführt ist 
und stank es lautet: grosser Mensch, der müssig geht. 
Vielleicht ist es aber = stange oder stengel vgl. LEX. 
KWb. 241. 

stenken, v. 1) Unfrieden stiften ; stenker, m. Unruhe-Stifter. 
2) mit einer Herde einen Weideplatz oder ein FeFd allzu- 
sehr abgrasen; ausstenken dass. Zu 1) vgl. SCHM. IE 8 , 
771; WEIG. II 2 , 796 f., also zu stinken, stank. Zu 
2) vgl. SCHOE. 707. Aber woher? Vidi, zu mhd. Sten- 
gen antreiben; WEINH 93. 

stlnkhäBnd'l , m. die Baumwanze; SCHOE. 712; LEX. KWb. 
242; STALD. I, 410. 

Stännschmack , m. die Grasmücke, motacilla curruca; bei 
SCHM. II 2 , 560: Steinschmätzer, hecken schmatz er; 
cimbr. Wb. 171: stoasmack culbianco , motacilla. Von 
schmatzen. 

stöere, f. nur in der überall bekannten Redensart: af dia 
stöere gion. Es wird von Handwerkern gebraucht, die 
in der Wohnung eines Bestellenden gegen Kost und Taglohn 
ihr Handwerk treiben; SCHOE. 715; LEX. KWb. 242; 
SCHM. IP, 779; SCHMID 512; TOBL. 412; STALD. H, 
400; SCHROE. 208; KLEIN II, 170; 172 u. a. Ursprünge 
lieh ist es wol gebraucht von einem, der unbefugt herum- 
geht und Arbeit sucht vgl. HOEF. m, 189; LOA. 127; 
HUEGffiL 211; LIND. 410. mhd. stoeraere, -er [LEX. 
MWb. II, 1212; BM. II, 2, 661 b ] Storer, Zerstörer, Ab- 



232 

setzer, Abstifter, der unbefugt ein Handwerk treibt, auch. 
Handwerker, der in fremden Häusern gegen Kost und Tag- 
lohn arbeitet [Oest. Weisth. I, 418]. von stoeren ausein- 
anderstreuen, zerstreuen, aufscheuchen, aufjagen , hindern, 
stören u. s. w.; ahd. störian [GrRAFF vT, 707].; vgl. 
WEIG. ü a , 827. Wz. wol star- sternere, <rrop-s-wuvai vgl. 
FICK IH 8 , 345; HW. s. v. sterno; POTT WWb. H, 1, 
706 f.; CURT.* 215; DIEF. Wb. II, 335 u. a. 

storz'n, m. jedes steife, starre Ding im Gegensatz zu einem 
vorhandenen weicheren z. B. der Strunk an Kohlgewächsen ; 
das hintere Ende der Garben; ebenso der hintere harte 
Theil der blattstücklin (vgl. oben S. 29 blatt'lplün); 
SCHOE. 701; LEX. KWb. 239; SCHM. IP, 785; BUEHL. 
I, 148; ZING.Wb.53; SCHULTZE45; MI. 86; SCHROE. 
209; VTLM. 399; SCHMIDT 234; SCHMID 507; 512; 
TOBL. 412; STALD. H, 399; 401; BERND 293; KLEIN 
H, 167; 169; 171; SCHTZ. IV, 192; FULDA 521; 
SCHAMB. 210; DAEHN. 458; RICH. 289; brem. Wb. IV, 
1028 u. a. mhd. sterz, starz [LEX. MWb. II, 1183; 
BM. H, 2, 645 b ] Schweif; Stengel, Stil; sterzen steif 
emporragen , sich rasch bewegen , umherschweifen, starr auf- 
wärts richten ; ags. steortan [LEO 241] steif emporragen. 
Hieher gehört auch b'storz'n z. B. er (sie) kün nin- 
darst länge b'storz'n er kann es nirgends (in keinem 
Dienste) lange aushalten, er bleibt nirgends lange vgl. was 
BMJ. II, 2, 645 b über die Grundbed. von stirze sagt. Da- 
gegen weiss ich das folgende der Bed. nach nicht hier Anzu- 
knüpfen. 

stärz'n, v. in einer Waldgegend, die Gemeindegut ist, theils 
durch Mähen , theils durch Rupfen Heu machen ; auch subst. 
stärz z. B. af in stärz gien auf Gemeindegrund Heu 
machen gehen. Dies wird wol zu sterzen müssig herum- 
gehen, gehören, mhd.. sterzer [LEX. MWb. II, 1184; 
BM. II , 2, 645 b ] der müssig umherfährt, Vagabund, Bettler, 
und ist dann wurzelverwandt mit stöare w. s. ; vgl. Oest. 
Weisth. I, 418; LOR. 125; HOEF. m, 173; 181; VILM;. 
396; SCHMID 512 u. a. stkrz'n, v. bedeutet aber auch 
von einem frisch gefällten Baume die Rinde abschälen ; das 
Instrument (ein Stil vorne mit einem zollbreiten Eisen, 
lkffe), mit dem dies geschieht, heisst st kr z er, m. Diese 
Bedeutung lässt sich leicht mit der des vorigen Wortes ver- 
mitteln. 

st0988'n, v. stossen, wie nhd.; bes. vom Ringen des Horn- 
viehes unter sich gebraucht, anderswo stechen; stoass, 
m. der schuhbreite Lodenstreifen unten am klt'l und 
fürschte der Frauenzimmer (vgl. oben giwänt S, 80); 
SCHROE. Gottsch. II , 218; HOENIG 152; TOBL. 412; 



233 

■ ii n A i i . 

STALD. II, 402; auch eine Anzahl Garben (3—5), die auf 
einmal gedroschen werden; östooss, m. \) das Getreide, 
welches bei einer künstlichen Vorrichtung, dass die Mühle 
sich von selbst abstellt, in der gösse zurückbleibt: den 
ostoess oehamol. 2) theilweise Sättigung: kraut und 
göarste voer üTiin ist schuon awoltiner ostoags 
d. h. Kraut und Gerste als erste Speisen stillen schon 
bedeutend den Hunger; dav. das verb. ostoöss'n den 
Hunger stillen. 

straube, f., dim. sträub'1 Art strangähnlicher Pfannkuchen; 
man hört auch g' straub' m; scherzweise auch für stercus 
gebraucht; s trauVm lauer vgl. lauer; gä'esstraub'm 
das isländische Moos? vielleicht statt grasstraub T m 
Atragene alpina [GRASSM. Pfl. 23, 2]; SCHOE. 718; LEX. 
• KWb. 293; SCHM. II", 803; SCHMID 513; BlßL. VW. 
87; SCHROE. Gottsch. II, 218; STALD. II, 410; TOBL. 
416; KLEIN II, 175; FULDA 522 u. a. mhd. strübe 
[LEX. MWb. H, 1251; DIEF. no^. gl. 332 a straube 
striblita] eine Art Backwerk, von s trüben starren, auch 
rauh emporstehen, ahd. strüpen [GBAFF VI, 738; 759] 
subrigere; inhorrere; WEIG. IP, 832. 

Strauche, f. der Schnupfen, strauchik adi.; SCHOE. 719; 
LEX. KWb. 243; SCHM. II 2 , 805. mhd. struche [LEX. 
MWb. II, 1252; BM. H, 2, 703 b ] pestis, catarrus, reuma. 
Gleichen Stammes mit straucheln, streichen; FICK 
IE», 349 ; WEIG. H 3 , 832. 

sträl, d. i. strälen, v. mit einer Bürste die Haare glatt 
machen; SCHOE. 717; SCHM. IP, 813; SCHMID 512 
cimbr. Wb. 175; ZISKA Prob. II, 16; BUEHL. I, 146 
161; LOR. 127; CAST. 238; ZING. Wb. 53; SCHROE 
209; TOBL. 413; STALD. II, 405; KLEIN H, 174 
FULDA 521 u. a. mhd. straelen [LEX. MWb. II, 1223 
BM. II, 2, 672 b ] kämmen, glatt streichen, ahd. stralian 
streu an [GRAFF VI, 753] pectere; WEIG. H a , 829 
SCHM. a. a. 0. meint, das Wort sei aus strigeln ent- 
standen, was ich nicht glaube. Eher mit WACKERN. Wb. 
238 zu mhd. sträle Pfeil, oder verwandt mit streichen, 
streicheln 

Strunt, m. Dreck; SCHM. II a , 817; Idiot. Liefl. 231 ; SALLM. 
28; FULDA 527; EICH. 297; SCHTZ. IV, 214; brem. 
Wb. IV, 1073; SCHAMB. 215; DAEHN.469; ADELUNG 
I, 1404; WEIG. D>, 841; bei DIEF. gl. 551° s. v. 
stercus strunt, stront. 

8trö|we, f. die Streu; alles streuartige; ströiw'm, tn- 
strötw'm, v. Streu im Stalle ausstreuen; strötwe zot- 
hin Streu vom Walde nach Hause ziehen; SCHOE. 721; 
LEX. KWb. 244; SCHM. IP, 801 ; SCHROE. Gottsch. II, 

'18 



au 



«» ■ 



2 19; SCHKLD 513 u. a. mhd. ströu, ströuwe [LE& 
MWb. II, 1249; BM. II, 2, 700»]' Streu. Wz. star- sternera 
vgl. HW. s. v. sterner e. 

W. 

WÖ9, adi. u. adv. weh; wöot&k, m. Schmerz, schmerzhafte 
Wunde; wöeig adi. schmerzhaft: a wöoige hänt; wöa- 
witz'n, v. weh schreien, jammern; SCHOE. 805; LEX. 
KWb. 252; SCHM. IP, 823 f.; cimbr. Wb. 109; HOEF. 
HI, 274; WEINH. 104; STALD. II, 440; MAR. I, 61: 
LIND. 412; ZING. Wb. 57; SCHROE. 212; Gottsch. II, 
230; SCHMIDT 325 u. a. mhd. ahd. wS [BM. m, 540» ff.; 
GRAFF I, 6321, gt. v4i, lat. vae, spätgr. oücct, ags. v& 
[LEO 491]; WEIG. IP, 1064; GRIMM Gr.m, 607; DIEF. 
Wb. I, 162; CURT.* 550; FICK HP, 279. 

WÖ|be, f. nur in der Zusammensetzung wint- wotbe ein Stosa- 
vogel, der oft lange in der Luft flatternd auf einem Punkte 
bleibt und dann pfeilschnell auf die erspähte Beute herab- 
stürzt. Dieses Flattern in der Luft heisst wöib'm. Bei 
POPOWITSCH Unters. 305: win dwachel," wannen- 
weher, wiegwehe, tinnunculus; LOR. 143; HOEF. DI, 
276: die weiben; m, 301; cimbr. Wb. 111: bibo, m. der 
Weihe, milvo. Es ist das mhd. weibenJBM. DI, 550 b ] 
schwanken, flattern, ahd. weibön [GRAFF I, 650] fluc- 
tuare, agitari, titubare , an. " v e i f a schwingen, skt. v i p- 

§3R. VI, 1098; GRASSM. 1282] in zitternder, schwingen- 
er, wirbelnder Bewegung sein, lat. vib-rare vgl. FICK 
IIP, 305; POTT WzW. V, 197 ff.; SCHM. IP, 829. Das 
wint- ist dasselbe wie in wint-spiel, winthund, aber 
von Wind etym. nicht verschieden; vgl. auch WACKERN. 
voc. a 77 A. 

WÖp'l, n. der Garnaufzug des Webers ; SCHM. IP, 830 : yebb y 
webbl; 965: wepf, wepfel, wepp, weppel; BUEHL. 
I, 209: wub, m.; VILM. 443; TOBL. 442; FULDA 574 
u. a. mhd. webbe, weppe [BM. HI, 612 a ] Gewebe, ahd. 
web bi, wepp i [GRAFF I, 646 ; 649] stamen, tela vgl. DIEF. 
gl, 328 b wepp ff, wep, wefel, webbel; 550* s. v. 
stamen; nov. gl. 234 a s. v. licium: wep pe, wepp, weff f 
wevil. Zu weben; FICK IIP, 289; WEIG. IP, 1058; 
POTT WzW. V, 188 ff.; OSTHOFF Das Verb. 60. 

wöpse, f. Wespe; wöpsnöst Wespennest; sprichwortlich: 
in a wöpsnöst stöern in ein Wespennest stechen ; LEX. 
KWb. 256; SCHM. IP, 969; 866; CAST. 267; HUEGEL 
188; SCHROE. Gottsch. TL, 227; FULDA 574; RICK 
338; brem. Wb. V, 231 f.; FZ. V, 466; VI, 120, 71. mhd. 
wefse IBM. DI, 548], ahd. wafsa, wefsa [GRAFF I, 
788; GRIMM Gr. II, 265], ags. vSps [LEO 491], lit. 



236 

wapsi [NESS. Wb. 51 a ], altpreus. wobse [NESS. 210], 
ksl. vosa, lat. vespa. Zu vab- wabern PICK III*, 289; 
KZ. XIX, 177; WElGk II*, 1098; FOERSTEMANN I, 54 ; 
HW. s. v. vespa. 
w&BCh,adi. weich; w&Bch wo am gerührt werden (von Mit- 
leid); w&^chikit u. w&Bchin, i. Weichheit; lid wasch 
adi. adv. gelenkig, biegsam (wie mhd. lideweich LEX. 
MWb. I, 1901; BM. IH, 617*; ahd. lidaweih GRAFF 

I, 711 ; SCHM. II 9 , 833); wäschin, v. weich werden lassen: 
's broet wäBchin l&ss'n; dafür auch w&vckin weich 
machen und weich werden; inw&Bckin, auw-, daw-u. s. w. 
z. B. 's broet ist klä-en dawäeekt = ganz weich; 
SCHOE. 807; LEX. KWb. 253; SCHM. II*, 833; LOR. 
142; CAST. 263; HUEGEL 184; cimbr. Wb. 112; KLEIN 
H, 222; FULDA 577 u. a. mhd. weich [BM. HI, 616 b ] 
weich, milde, schwach, furchtsam, ahd. weih, weich 
[GRAFF I, 710] mollis, debüis, infirmus, ags. väc [LEO 
263] weich, vaecan weic h ma chen, mürbe machen. Zu vik- 
weichen FICK HI 8 , 303; WEIG. IP, 1067; POTT WzW. 

II, 2, 588 u. a. 

wacht'l, d. i. wacht ein, v. intr. u. trans. wehen, flattern; 
hin- und herschwingen z. B. die föider af in huote, 
der fün wacht'lt; mit'n tuachewacht'l; auch mit 
der Rute oder Peitsche schlagen; gian ass lei wacht'lt 
= schnell gehen, wie man auch sagt gian ass lei floigg; 
wachtl, f. die w. bikemm die Rute bekommen "(von 
Kindern); wachtler, m. ein einmaliges wachtein; ein 
Ruten- oder Peitschenhieb ; SCHOE. 793 ; LEX. KWb. 248 ; 
SCHM. IP, 833. Diminutivableitung von wehen; FICK 
HP, 279. 

wachs, ädi. adv. tüchtig, brav, vortrefflich, häufig mit einer 
Negation: nit gor wachs; SCHOE. 792; LEX. KWb. 
249; SCHM. IP, 839; HOEF. m, 270; ZISKA Prob. 
H, 18; BIRL. 423; Idiot. Austr. 125; LOR. 140; CAST. 
265; KLEIN II, 222; 223; FULDA 564 u. a. mhd. wahs, 
was [BM. III, 532] scharf, ahd. hwas [GRAFFIV, 1240], 
an. hvatr, hvass [MOEB. 210], ags. hvaet, hvaes 
[LEO 43, 49], skt. Wz. c u d- (st. k v a d-) antreiben, anfeuern, 
anreizen vgl. SCHA. a 437 ; FICK IIP, 91, 

wächs'n, v. wachsen, wie nhd.; giwachs, n. Wachstum, be- 
sonders gutes; dagegen gi wachste, n. Auswuchs am 
Leibe; SCHOE. 792: TOBL. 437; SCHM. IP, 838 f. 

wickile, n. soviel an Flachs oder Wolle, als jedesmal zum Ab- 
spinnen um den Rocken gewickelt wird; wickler = 
rickler (w. s.); SCHOE. 814; SCHM. II*, 847; BIRL. 
431; VILM. 457; CAST. 268; HUEGEL 191; KLEIN H, 
232 u. a. mhd. wickel, wickelfn [BM. IH, 618; DIEF. 

18* 



236 

gl. 423* s. v. pensum] pensum, manipulus, ahd. wiche 1, 
wichili, wicchili, wicchilin vgl. WEIG. II 3 , 1104. 
Wide, f. ein Band aus Zweigen der Weide, besonders zum Heu 
und Streuziehen verwendet; längwlde, f. Verbindungs 
stange zwischen dem Vorder- und Hintertheile eines Wagens 
SCHOE. 814; LEX. KWb. 257; SCHM. II 3 , 858 f.; VILM 
452; BIRL. 432; FRISCH II, 446; brem. Wb. V, 214 
253; ZISKA Prob. II, 19;'0est. Weisth. I, 429; LOR. 143 
CAST. 266; HOEF. HI, 289; LIND. 412; ZING. Wb.58; 
SCHMIDT 331; WEINH. 105; cimbr. Wb. 111; STALD. 

11, 449; FULDA 585; SCHAMB.290; EICH. 336; DANN. 
'247; SCHTZ. IV, 348; DAEHN. 543 u. a. mhd. wide, 

wit [BM. HE, 618] Strang aus gedrehten Baumzweigen zum 
Binden und Hängen, ahd. wid [GRAFF I, 745]. Zu Wz. 
vi-, lat. viere, gr. (F>t£oc Weide; FICK HI», 301 f.; 
HW. s. v. vieo; WEIG. II 3 , 1111; POTT WzW. I, 616 t 
wöt'n, v. durch Wasser oder Schnee mit Anstrengung hin- 
durchgehen; giwote, n. das Hindurchwaten und die hin- 
dernden Gegenstände; SCHOE. 804; SCHM. II 3 , 1045; 
HUEGEL 184; WEIG. II 3 , 105S; FICK DP, 285; LEO 

12, 13. 

wöit'n, v. einjochen (die Ochsen, Kühe), scherzhaft auch von 
der Copulation der Brautleute ; giwöite, n. das Einjochen 
und ein Joch Ochsen; SCHOE. 813; LEX. KWb. 256; 
SCHM. II 3 , 1048; LOR. 143; HOEF. HI, 288; ZING. Wb. 
58; SCHROE. Gottsch. II, 229; cimbr. Wb. 111; SCHMID 
520; STALD. H, 437 ; FULDA 574 ; BM. DDE, 773*; GRIMM 
Gr. H, 26; DIEF. Wb. I, 140; FICK HI 8 , 284; KZ. XVIII, 
45 u. a. 

wltz, m. Witz ; witzigen, v. durch Erfahrung klug machen ; 
plagen, quälen; ebenso dawitzigen; SCHOE. 819; LEX. 
KWb. 259; SCHM. II 3 , 1062; FICK TU», 304; WEIG. IP, 
1130. 

wäiz'l d. i. watzeln, v. zappeln, wimmeln; SCHOE. 804; 
LEX KWb. 251; SCHM. H 3 , 1064 vgl. zwätz'l. 

wötz'l, m. Name einer Wiese. VielL kein deutsches Wort. 

wifft'l, m. 1) der Gipfel eines Baumes, aber mit der Neben- 
bedeutung des dünnen, schlanken. 2) das dünne Ende einer 
gäras^ (Peitsche); den wifft'l 6 klemm den wifft'l 
abklemmen d. i. durch einen zu starken Peitschenknall ver- 
lieren; wifft'l ünzopfin anzopfen (vgl. zopf); wifft'l 
d.i. wiffteln, v. peitschen, auch abführen (purgare): dia 
moidrizin hkt mi saggarisch durchgiwifft'lt; 
owifftlig adi. und adv. von etwas gesagt, das schnell in 
einen dünnen wifft'l ausläuft z. B. an owifftliger 
bäm; SCHM. II V 864 f. : wifftel Wipfel, Gipfel eines 
Baumes; wifft Faden, Zwirn feinster Art; Oest. Weisth. 



237 

I, 429. mhd. wift [BM. III, 612] Faden, Gewebe, alid. 
gewift, wiftunga [GßAFF I, 649] textura, wiftian, 
wift an weben. Zu vab- weben FICK HI», 289; POTT 
WzW. V, 198. 

wöjgiwöge, f. das Gleichgewicht, die Balance; auch übertr. 

Zweifel, Ungewissheit , wie bei BUEHL. I, 205: wigi- 

wägi. Eig. schwankende Wage. 
wegg'n, v. weinen (von kleinen Kindern); giwegge, n. das 

Wimmern; cimbr. Wb. 112: böken brüllen, schreien; 

SCHM. I a , 214. Bei DIEF. gl. 605* s. v. vagire: wigen; 

nov. gl. 376 a : chind- wiegen. Wol verwandt mit lat. 

vagire, skt. vä<j- schallen, schreien, heulen, klagen, gr. 

(F>^i fy«& u - s - w - FICK l8 > 204 ; HW - s - v - vagire. 

wiahe, adi. fett, stark geschmalzen; auch vom Boden, der 
Saat: üppig; übertragen auf einen Menschen: roh, unge- 
schlacht; wiohikit und wiohin, f. Fettigkeit; SCHOE. 
815; LEX. KWb. 260; SCHM. IP, 835; STALD. H, 437; 
cimbr, Wb. 113. Mit lat. vegetus, vigeo, gr. üy-nfe, 
germ. vakan frisch, munter sein, zu Wz. vag-, skt. vaj-, 
uj- rege, kräftig sein [BR. VI, 629; GRASSM. 1196; 
1250], ugra gewaltig, ojas, ojman Kraft; FICK III 8 , 
280; HW. s. v. augeo; POTT WzW. I, 560; CÜRT.* 
186 f.; KZ. HI, 336 u. a. 

weil, f. Weüe, Zeit, wie bei SCHOE. 808; LEX. KWb. 253; 
SCHM. II a , 888. Dazu etwa noch: woul da weil! = 
wöl der weil d. i. es geschieht dir recht. Dieser Spruch 
wird auch gebraucht, wenn sich jemand schwer verletzt hat, 
weil dann, wie man glaubt, die Verletzung weniger 
schadet. 

WU9I d. i. wualen, v. wühlen, namentlich von Schweinen 
gebraucht, die mit dem Rüssel die Erde aufwühlen. Dage- 
gen gebraucht man es nicht vom Maulwurf (man sagt nur : 
er stoesst), obwol derselbe wüelischer heisst; SCHOE. 
821; LEX. KWb. 260; SCHM. II*, 893 ; SCHROE. Gottsch. 

II, 233 u, a. mhd. wüelen [BM. III, 467], ahd. woljan, 
wolan, woulan [GRAFF I, 795]. Zum gleichen Stamme 
mit val- winden, drehen, wälzen, wickeln, skt. val- be- 
decken , umhüllen , umringen , ringeln, hin- und herbewegen ; 
FICK HI», 297; WEIG. H 2 , 1142; POTT WzW. H, 1, 
636 u. a. 

well d. i. wellen, v. wälzen, durch Wälzen fest machen und 
in die Länge, zu einer welle, ziehen z. B. den täuck 
vre 11; wellbäm die Walze am Mühlrad. Wenn man ein 
Kind hin- und herwälzt, sagt man: nüd ? l well! nüd'l 
well! SCHOE. 811; LEX. KWb. 255; SCHM. IP, 886; 
VILM. 447; Oest. Weisth. I, 427 ; FULDA 579 u. a. mhd. 
ahd. wellan [BM. HI, 672; GRAFF I, 789; 840]; WEIG. 



238 

II 3 , 1084, Nicht von Wz. val-, sondern hval-, ags. hveo- 
lan volvi, currere [LEO 124], hveol das Rad; vgl. FICK 
IIP, 93; CURT. Studd. VH, 275; SCHA.» 438. 

WÖII d. i. wollen wollen; annehmen; coni. will, willst, 
will, wöll'n, wöirt, wöll'n; giwöllt; SCHOE. 820; 
LEX. KWb. 259; SCHM. II 3 , 886; FZ. HI, 456. 

Wille, m. Wille wie nhd. ; ver willigen, v. einwilligen, 
bewilligen, verwilligung, f. Bewilligung, wie mid. ver- 
willigen, verwilligunge, verwillunge [LEX. 
MWb. HI, 308; BM. HI, 664 b ]; SCHM. II», 891. 

wild, adi. wüd wie bei SCHOE. 816; LEX. KWb. 257 ; SCHM. 
II 2 , 898 f. Ausserdem wil,dilit in allen Bedeutungen von 
wild;wilmisse, f. eig. Wildnis, eine Hautentzündung, 
bes. Rotlauf, Gesichtsrose; wildikit und wild* n, f. Wild- 
heit; FICK HI 3 , 296. 

wallisch, adi. und subst. zunächst von einem Italiener, dann 
überhaupt von jedem Fremden gesagt, dessen Sprache man 
nicht versteht; stöchin wia a wallisch stechen wie ein 
Italiener (weil die Italiener bei ihrem hitzigen Tempera- 
mente gleich das Messer zur Hand haben); wallisch, n. 
Welschland: ins wallisch gien; wallischlin, v. Ma- 
nieren, Sprache eines wallischen haben; SCHOE. 797; 
LEX. KWb. 249 ; SCHM. II a , 905 ; LIND. 412 ; VILM. 447 
u. a. lieber die zweifelhafte Etym, vgl. GRIMM Gesch. 
323; KZ. II , 255; besonders POTT WzW. I, 894 ff.; 
GEIGER Urspr. d. Spr. u. Vernunft 303 ; MTKL. Denkschr. 
d. Akad. d. Wiss. Xu, 1861; WEIG. H a , 1085; FICK 
HI 8 , 299. 

wälg'n, v. intr. sich wälzen, rollen; um ha-, ooha-, hin- 
wälg'n. Dagegen wölg'n, v. trans. wälzen, rollen, vol-, 
vere; sich wölg'n sich herumwälzen; wölger, m. die 
Walzseite z. B. einer Kugel: dio küg'l af in wölger 
nemm; wulgger, m. ein Ding, das sich durch Bollen 
rund gestaltet hat; wulggern, v. rollen, zusammenrollen 
SCHOE. 797; LEX. KWb. 249; 255; SCHM. IP, 903 f. 
FZ. III, 131, 134; BIRL. 424; Oest. Weisth. I, 426 
RUED. H, 129;' CAST. 262; WEINH. 103; SCHROE 
212; Gottsch. H, 227; 230; VILM. 446; SCHMIDT 320 
SCHMTD 515; BERND 342; KLEIN n, 224 f.; FULDA 
579 u. a. mhd. walgen [BM. HI, 671 b ], ahd. wälgdn 
[GRAFF I, 800]. Verwandt mit walken, wälzen, zu 
Wz. val- winden, drehen, wälzen, wickeln vgl. FICK HI 8 , 
297; WEIG. H a , 1043; POTT WzW. II , 1, 635 f. 

wammer, f. blasenförmiger Fleck an der Haut z. B. von der 
Kröte; wammerig adi. voll wammern; SCHM. II a , 
911 f. Unser Dialekt hat das offenbar ältere a bewahrt, 
während sonst in gleicher Bed. wimmer gebraucht wird; 



239 

SCHOE. 816; LEX. KWb. 257; SCHM. IP, 912 f.; HOEF. 
IH, 297; LOR. 143; FULDA 568 u. a. mhd. wimmer 
[BM. m, 675*] knotiger Auswuchs an einem Baumstamm, 
Auswuchs, Warze auf der Haut, pustula, Verruca vgl. 
DIEF. gl. 474 b s. v. pustula wimer; ahd. wemmian 
[GRAFF I, 851] polluere, corrumpere, unbiwamter 
immaculatus, ags. vemman [LEO 8] maculare, contami- 
nare, violare, gevemman auch durch Narben entstellen, 
vam Flecken, Befleckung, Uebel, Tadel, illuvies, immun- 
ditia, macula, lues, alts. warn, wammes Flecken, Un- 
recht, Sünde, gt. vamm Flecken ("DIEF. Wb. I, 171; 
MGSpr. 323] nur Ephes. V, 27: ni nabandein vamme 
aiththan maile (wo vamme und maile part. gen. sind 
vgl. BERNHARDT Vulfila 1875, S. 502), aber un vam ms 
unbefleckt, tadellos, unvammei Fleckenlosigkeit, an. vom, 
gen. vammar Schandfleck, Schande, altpreuss. vi ms 
[NESS. 206], Maser, Knorren am Baume; vyms imper. 
sing. spei. Wz. skt. vam-, gr. Fea-, luio>, lat. vomere, 
lit. vemti [NESS. Wb. 64] vgl. FICK III 3 , 289; POTT 
WzW. H, 2, 222; CURT.* 325 u. a. 

wän, v. wehen, aber nur von Schneewehungen ; gi w ade und 
giwädne> n. Schneeverwehung, durch Wind aufgehäufter 
Schnee ; SCHOE. 799 ; LEX. KWb. 249 ; 253 ; SCHM. IP, 
847; 823; ZING. Wb. 57; WEINH. 105 b ; cimbr. Wb. 110; 
VILM. 451; SCHMIDT 332; STALD. II , 426 u. a. ahd. 
giwäida, giwäda [GRAFF I, 622] ventus, afflatus; 
FICK HP, 279. 

WÖne, f. eine fehlerhafte Einbiegung in einen festen Körper 
(z. B. in Metallgef ässe , eine Tischplatte) durch Druck, 
Stoss, Schlag, Fall verursacht; SCHOE. 811; SCHM. II 3 , 
920; 916; FZ. HI, 187, 31; CAST. 262; STALD. II, 428; 
SCHM1D 516; WEINH. 13; PETT. Stoffs. 39; SCHN. 280; 
LOR. 140; HOEF. III, 286; Idiot. Liefl. 268; VILM. 441 ; 
BERND 355; brem. Wb. V, 175; SCHAMB. 285; DAEHN. 
537; SCHTZ. IV, 327; RICH. 330 u. a. mhd. ahd. wan 
[BM. HI, 479 a ; GRAFF I, 854], gt. vans, lat. vanus, 
gr. euvt; (£ Fevi$), skt. una ermangelnd; FICK III 8 , 279. 

Wanne, f. Wanne, wie nhd. ; dim. wand'l; davon weiteres 
dim. wandile ein wannenförmiges Kästchen am Küchen- 
herde, in welchem sich etwas Mehl und Salz für den augen- 
blicklichen Bedarf befindet; SCHOE. 801; SCHM. ü a , 921; 
LOR. 140; CAST. 264; HOEF. III, 269 u. a. mhd. 
wanne, ahd. wann a [BM. IH, 502; GRAFFI, 885], aus 
lat. v a n n u s Getreidereinigungsmaschine , Wurf schaufei. 
Wz. va- wehen; WEIG. IP, 1050; FICK HI 8 , 279; 
II», 228. 

windlck, adi. nur von Hunden: toll, wüthend, wasserscheu; 



240 

anderswo winnig; SCHOE. 817; LEX. KWb. 258; SCHM. 
ü a , 949; 929; HOEF. m, 302; CAST. 266; LOR. 144; 
MAR. I, 62; Oest. Weisth. I, 429; Idiot. Austr. 126; 
LIND. 412; DESCHM. 65; HUEGEL 190; SCHROE. 
Gottsch. II, 232; KLEIN II, 234 u. a. mhd. winnec 
[BM. III, 713 b ] rabidus. Wz. van- wirken, zufügen, arbei- 
ten, leiden, streiten, gewinnen; FICK III 8 , 286. . 

wenken, v. ablenken z. B. den Blick; wenker, m. das Ab- 
lenken z. B. er tuat kä-en wenker er schaut fortwäh- 
rend hin. Dagegen wengg'n und wangg'n wanken, 
schwanken, sich (beim Gehen) hin- und herbewegen ; wang- 
ger, wengger, m. der einen wackelnden Gang hat und 
eine wackelnde Bewegung; wanggit und wenggit adi. 
wackelnd: a wanggiter gängk; wengge, f. Krüm- 
mung, Biegung; wengg'n, m. dass. und ein grosses Stück; 
korwengg, m. kropfartiger Auswuchs beim Vieh ; SCHOE. 
800; LEX. KWb. 255; SCHM. II 9 , 959; ZISKA Prob. II, 
19; CAST. 265; SCHROE. Gottsch. II , 227 u. a. Ueber 
die Etym. vgl. HW. s. v. vagari 248 ; FICK HI 8 , 288 ; 
POTT WzW. in, 280. 

wir, plur. von ich lautet immer mior vgl. darüber LEX. 
KWb. 258; SCHM. Gr. § 685; WEINH. B. Gr. S. 144, 
§ 139; AI. Gr. S. 132. 

witor, WÜere , f: künstliches Rinnsal eines Baches , Wasserlei- 
tung für Mahl- oder Sägemühlen; SCHOE. 821; LEX r 
KWb. 260; SCHM. II 2 , 980; HOEF. IH, 306; STALD. II, 
458; BUEHL. I, 209; BIRL. 435; LOR. 144; HUEGEL 
189; SCHMID 539; TOBL. 451; KLEIN H, 238; FULDA 
594 u. a. mhd. wuore, wuor [BM. III, 825 a ] das Wehr, 
der Damm zum Abhalten, Ableiten des Wassers erbaut. 
Zu Wz. var- wehren, wahren FICK III 3 , 290. 

Wäre, f. ein Blutgeschwür am Augenlide; dagegen w§rn, m. 
eine schwierige oder wunde Stelle; übertragen: eine unge- 
schickte Handlung z. B. er h&t an wem gimkcht; 
SCHOE. 801; LEX. KWb. 256; SCHM. IP, 1002; cimbr. 
Wb. 109; SCHMID 529; STALD. II, 435; BIRL. 430; 
VILM. 450; BUEHL. I, 208; BIRL. VW. 92; LOR. 143; 
CAST. 265; HOEF. DI, 287; HUEGEL 187; SCHROE. 
Gottsch. II , 229; SCHMIDT 319; TOBL. 445; KLEIN II, 
231; FULDA 582 u. a. mhd. ahd. wer na, wern, werra 
[DIEF. gl. 606* s. v. varix; GRAFF I, 1045]. Wol ver- 
wandt mit lat. varix Krampfader; ZEH. 282. skt. Wz. 
hvar- [BR. Vit, 1678; GRASSM. 1684] von der geraden 
Richtung abbiegen, schief gehen, krumme Wege machen; 
sich beugen , umfallen , niederbeugen ; vgl. WEIGr. II 3 , 1096. 

worp, m. der Sensenstiel (nicht die Handhabe beim Sensen- 
stiel, welche krüek'l heisst); SCHOE. 820; LEX. KWb. 



241 

260; SCHM. 11*, 982 f.; SCHROE. 105; Gottsch. II, 234; 
STALD. II, 298; SCHMID517; TOBL.450; PETT. Beitr. 
n, 2. mhd. ahd. worp [BM. HI, 728; GBAFF IV, 1238] 
Handhabe am Stiel der Sense. Zu hvarb- sich kehren, 
wenden, drehen; FICK III 8 , 93; SCHA. a 439. 
warfl , na. alles krumme , bes. Schimpfwort auf eine hinkende 
Person: krumper warfl! ebenso warflingk, m.; 
SCHM. II 2 , 994; SCHMID 517; KLEIN II, 231; RICH. 
334; SCHAMB. 287; SCHTZ. IV, 341; DANN. 243; brem. 
Wb. V, 199 u. a. mhd. warp, warf [BM. HI, 727 b ] 
Wirbel, Umdrehung, Wendung, Kreis u. s. w., ahd. hvarb 
'[GEAFF IV, 1235] vertigo vgl. das vor. 

werfen, v. werfen, wie nhd. ; au werfen, v. trans. 1) jem. 
loben. 2) intr. z. B. die ku9 wirft schuon au d. i. an 
der Kuh ist ersichtlich, dass sie bald kalben wird; ver- 
werfen abortum facere (vgl. oben S. 58); SCHM. II 3 , 996; 
GRIMM Wb. I, 520; FICK HI', 295; LEX. MWb. 
II, 1707. 

wurm, m. Wurm, plur. würme, dim. würmble;. auch der 
Beinfrass heisst wurm; beisswurm Natter, Viper; 
wurmbä/ess, m. Wurmstich; wurmb&'essick adi. von 
Würmern angefressen; käs-, schottwurm; sprichwört- 
lich: an bugg'l machen wia a schottwurm] wur- 
mick adi. voll Würmer; wurm, v. z.B. der. käs wurmp 
der Käse bekommt Würmer ; SCHOE. 822 ; LEX. KWb. 
260; SCHM. II 3 , 1000. mhd. ahd. wurm; FICK HI«, 307; 
mhd. wurmbizic, ahd. wurmbeizig [BM. I, 793; 
GRAFF HI, 231] cariosus. 

WÖer'n, v. werden; die kuo ist worst'n die Kuh hat ge- 
kalbt; wenne wöorst denn dio kuo? wann kalbt die 
Kuh? dawarscht'n s. ob. S. 58; giwöorn, v. z. B. öis 
giwöerst im nicht eig. es wird ihm nichts d. h. es 
schadet ihm nicht, er kann es leicht aushalten; dagegen 
giwöorst dünken sich etwas einbilden auf etwas, wobei 
aber giwöarst zu gewaerengehört; SCHOE. 812; LEX. 
KWb. 255 f.; SCHM. II*, 989; BM. III, 1059; GRAFF I, 
982; WEIG. IP, 1092. 

warschz'ngrös, n. sedum acre; anderswo bezeichnet es nament- 
lich euphorbia cyparissias ; SCHOE. 348 ; SCHM. II 3 , 1014 ; 
LEX. KWb. 250 f.; GAST. 264; GRASSM. Pfl. S. 94, 238. 

weisite, n. wie bei SCHOE. 796; LEX. KWb. 254; SCHM. 
W, 1027 f.; HOEF. III, 278; SCHMID 521; BIRL. 429; 
VW. 92; STALD. H, 455. Ueber die Etym. vgl. DIEF. 
Wb. 1 , 219 ; KZ. XIX , 69. 

wojs'l d.i. wo is ein, v. jammern, klagen , mehr aus Gewohn- 
heit; woisler, m., woislerin, f. nom. agentis; 
giwoisle,' n. das Jammern;' SCHOE. 810; LEX. KWb. 

19 



242 

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256; 260; SCHM. H 2 , 1030; HOEF. m, 305; ZISKA 
Oest. Volksmährchen S. 90; Prob. 11,28; LOB,. 144; CAST. 
268; HUEGEL 191. Viell. statt hwoisl, ags. hveosan 
schnaufen , schwer athmen , lat. q u e r i , skt. 9 v a s - schnau- 
ben , seufzen , athmen vgl. FICK P, 60 ; HI 3 , 94. 

wtsile, n. Eidechse (vgl. harmle S. 107); auch von lebhaften 
Kindern gesagt. 

Weis'n, v. weisen, leiten, bes. im Winter den Schlitten; 
auweis'n aufweisen, ein Kartenspiel = Mariagen; 6 wei- 
sig adi. adv. (von weis'n, m. Melodie, Arie) gegen die 
Weise, Melodie, absurd, abgeschmackt; weis'l, m. die Bie- 
nenkönigin; SCHOE. 810; LEX/ KWb. 254 ; SCHM. D>, 
1024; 1026; LOR. 142; CAST. 263; HOEP. III, 278; 
SCHROE. Gottsch. II, 226; cimbr. Wb. 108; VILM. 445; 
SCHMED 524 ; STALD. II , 444 ; KLEIN II , 222; WEINH. 
104* ; FICK IH 3 , 306. 

wiss'n, v. wissen; sich nicht vawiss'n sich nicht ausken- 
nen, nicht recht bei Sinnen sein (schon mhd. verwizzen 
in dieser Bed. vgl. LEX, MWb. III, 313; BM. III, 790») ; 
ünverwisst sein nicht bei Verstan.de sein; SCHOE. 819; 
SCHM. II 3 , 1033 f. 

wässerkälb s. S. 122 und BUEHL. I, 206; TSCHUDI Thier- 
leben 270; HOEF. III, 271; TOBL. 44); STALD. II, 81. 

wusern, v. mit Händen und Füssen zappeln, hastige Bewe- 
gungen machen, herumkollern, auch hastig, aber unordent- 
lich arbeiten; wüserer, m. nom. agentis; giwüsere, n. 
nom. actionis; SCHOE. 822; LEX. KWb. 261; SCHM. H a , 
1039 ; HOEF. IH , 307 ; VILM. 462 ; FZ. IV, 117 ; SCHMIDT 
334 u. a. 

Wabe, wab'm, f. altes Weib (verächtlich), wie vött'l; LEX. 
KWb. 247; SCHM. P, 190; STALD. I, 121; WEINH. 7*: 
KZ. XIX, 69; 325; GRIMM Wb. I, 1057; FICK W, 413. 

wäBz'l, n. Weizenbrot, überhaupt weisses Brot. 

Z. 

ZOliber, m., dim. zouberle widerspenstiges Kind; zoubern, 
V. sich widerspenstig benehmen; SCHOE. 830; SCHM. IP f 
1075; Idiot. Austr. 129 ; . LOR. 148; HOEF. IH, 338; 
HUEGEL 195; KLEIN II, 249. Wol von zäbern, zap- 
pern = zappeln. 

Zuber, m., dim. züberle grosses hölzernes Gefäss mit zwei 
Handhaben (daher ahd. zui-par zweiträgig); SCHOE. 
831; LEX. KWb. 267; SCHM. II 9 , 1075; WEIG. H a , 1190; 
GRIMM Gr. II, 954; 956. 

zäppsn, m. grosser mit einem eisernen Hacken versehener 
Hebel; scherzhaft für eine (krumme) Nase; SCHOE. 825: 
LEX. KWb. 263 ; BUEHL. 1 , 217 ; HOEF. III, 61 ; STALD. 



• 243 

II, 465 u. a.; bei SOHM. II a , 317 s&ppi Spitzhacke an 
einem langen Stiele, mit welcher der Trifft- oder Flössholz- 
arbeiter in die Blöcke eingreift, die er im Wass er fo rt- 
schaffen will; vgl. it. zappa Haue; DIEZI 8 , 449; WEIG. 
II 3 , 524. 

zappern, v. eig. Intensivum von zappeln, heftig 'zappeln, 
bes. wenn man etwas mit Ungeduld erwartet; daher ver- 
zappern vor Ungeduld vergehen; zapperer, m. nom. 
agentis; SCHOE. 825; SCHM. H a , 1141; WEIG. II a , 1157. 

ZOpf, m., dim. zöpfl 1) der Haarzopf der Frauenzimmer (vgl. 
giwänt S. 80); zopfen, v. die Haare künstlich zusam- 
mendrehen; auch eine Peitsche 'aus Flachs oder Hanf dre- 
hen ; wift'lünzopfen den dünnen Theil der Peitsche 
sich durch Zusammendrehen von Flachs verfertigen; zue-, 
auzopfen; zopferin, f. nom. agentis. 2) ein zopfartiges 
Brotgebäck vgl. hose S. 109; LEX. KWb. 266; SCHM. 
H a , 1145; STALD. H, 478; 482; WEIG. ü a , 1187; BIRL. 
VW. 95; ZINGk Wb. 60; SCHMID 550 u. a. 

Z&Bchin, n. Zeichen: zä'echin läut'n; &vnzävchin adi. 
eigensinnig. Oder letzteres nicht hieher, sondern zu mhd. 
einzec, einzeht, einzehtic einzeln? 

zlcken, v. schnell, aber sanft berühren z. B. di 9 küg'l zickt 
den köig'l; ünzicken anrühren,; dazicken erreichen'; 
ferner bedeutet zicken sauer zu werden anfangen: dia 
milch zickt; auch subst. die milch hat a biss'l an 
zick; SCHOE. 827; LEX. KWb. 265; SCHM. II a , 1081; 
BUEHL. I, 218; Idiot. Austr. 129; LOB, 147; CAST. 
272; HOEF. III, 324; LIND. 413; HUEGEL 195; TOBL. 
456; STALD. II, 479; KLEIN H, 246; FULDA 601 u. a. 
Verwandt mit zucken, zücken, Intensivum von z i e h e n ; 
WEIG. H*, 1191; FICK III», 122 f. 

ZÖdrit, adi. adv. von , der runzligen Haut des Körpers gebraucht, 
wenn sie längere Zeit im Wasser gewesen: a züdrite 
haut. Woher? Von z&der Faser? 

ZOUte, f., plur. zout'n verächtlich für Haar, besonders das 
aufgelöste; zoutit adi. mit aufgelösten Haaren, wollig; 
ein Mädchen mit aufgelösten Haaren heisst man auch einen 
zoutebock. Dagegen bedeutet zktte 1) f., plur. z&tt'n 
kriechendes Gestrüpp, namentlich auch die Stauden von 
Schwarz-, Preisseibeeren, Alpenrosen, letztere auch tin- 
derzätt' n; zättit adi. voll Gestrüpp. 2) m. ein zerlump- 
ter Mensch: a wilder zätte; SCHOE 827; SCHN. 281; 
LOB. 148; CAST. 273; HOEF. IH, 323; 340; HUEGEL 
196; SCHROE. 217; SCHMID 550; TOBL. 453; STALD. 
II, 478; BERND 362; FULDA 603; LEX. KWb. 265; 
266; SCHM. II»; 1159; 1166. mhd. zott [DIEF. gl. 6l9 b 
s. v. villus], haar-zotten, ähd. zatta, zotta, zoto, 

19* 



244 

zota [GRAFF V, 633] juba, fimbria; vgl. auch GRASSM. 
Pfl. S. 213. Wz. ist dieselbe wie in zött'n vgl. ver- 
zött'n S. 58 und WEIG. H», 1188. 
zott'l d. i. zotteln, auch zett'l, v. langsam, träge einher- 

fehen; zottler^ m. der langsam einhergeht; forscht-, 
er-, nochzott'l u. s. w.; SCHOE. 831; LEX. KWb. 
266; SCHM. IP, 1165; LOK 148; CAST. 273 ; VILM. 473 ; 
SCHMID 550; BERND 363; KLEIN II, 249 u. a. vgl. 
WEIG. II», 1188. 

zitter, f. 1) Zither} kratzl-, klaubzitter. 2) ein krätzen- 
artiger Ausschlag; SCHOE. 829; SCHM. IP, 1164; POPO- 
WITSCH Vers. 642 ; LOR. 148 ; CAST. 272 ; HOEP. in, 
337; HUEGEL 195; ZING. Wb. 59; cimbr. Wb. 182; 
STALD. II, 476; FULDA 601 u. a. mhd. ziteroch [BM. 
m f 916*], ahd. zittaroch [GRAFF V, 640] impetigo, 
Scabies vgl. auch DIEF. gl. s. v. impetigo p. 288°; WEIG. 
IP, 1184; ags. tetr, teter, lit. dederwyne, -as 
[NESS. Wb. 132°] Hautflechte, skt. dardru, dar du, 
dadru, dadruka Art Hautausschlag, eine Form des Aus- 
satzes. Wz. dar-, gr. Sip-o) zerbörsten, zerreissen, schinden 
vgl. FICK HP, 118; SCHMIDT Voc. II, 262; KZ. V, 
339 u. a. 

zetz, m., dim. zetzile etwas kleines überhaupt, ein Tro- 
pfen einer halbflüssigen Masse; daher a zetzile dröick; 
auch Liebkosungswort auf kleine Kinder ; zetzeln, umha- 
zetzl, v. die zetzl überall herumtragen; zetzlweis, 
auch zitzlweis, zitzileweis in kleinen Portionen; 
SCHM. IP, 1167 zetzeln streuen; LEX. KWb. 266; 
Idiot. Austr. 129; LOR. 148; CAST. 273; HUEGEL 194; 
195; KLEIN II, 248 u. a. Eines Stammes mit zött'n vgl. 
zoute S. 243 und vazött'n S. 58. 

ZÖQ'I» m., plur. zäg'l, dim. z agile jedes länglichrunde in 
eine Spitze zulaufende Ding z. B. eine längliche Rübe; 
daher auch = gogl [SCHOE. 1681; SCHOE. 824;' LEX. 
KWb. 261; SCHM. IP, 1089; HOEF. HI, 311; FRISCH 
H, 462; brem. Wb. V, 4; SCHILL. LUEBB. IV, 10; 
ZISKA Prob. II, 19; LOR. 145; CAST. 269; DESCHM. 
66; ZING. Wb. 59; WEINH. 107*; REINW. I, 198; 
SCHROE. Gottsch. H, 234; VILM. 464; BERND 357; 
FULDA 596 ; SCHAMB. 223 ; SCHTZ. IV, 243 u. a. Hie- 
her gehört auch zagglkotz'n, m. eine grobe Decke aus 
Kuhhaaren, mhd. zagel [BM. III, 839] Schwanz (ver- 
schiedener Thiere), auch penis; Stachel, Wipfel eines Bau- 
mes, ahd. zakal, zagal [GRAFF V, 626], gt. tagl 
[DIEF. Wb. II, 650; MGSpr. 84] Haar. FICK HP, 116 
vergleicht skt. d a 9 ä Franse und leitet unser Wort von skt. 
Wz. da 9-, gr. Si)t-v-ü) beisse, ab, also eig. „ Zerbissenes *. 



245 

Ich kann dem nicht heistimmen. LEO 615 bringt es in 
Verbindung mit zaehe tenax, was nicht unmöglich ist; 
vgl. auch WEIG. H a , 1152. Ich glaube, das Wort gehört 
zum gleichen Stamme mit ziehen, und zwar zu einem 
Intensivum von ziehen. 

zogg'l, f. und m., dim. zöggile der Holzschuh und zwar der 
oben offene, während die oben geschlossenen zogg'l- 
schuQhe heissen; auch verb. zogg'l grob auftreten wie 
mit zoggeln; zogg'lnogg'l, zogg'lnägile die Kaul- 
quappen; z o gg 1 Im ä b s s'l, n. das Instrument, mit dem 
die z o g g' 1 ausgehöhlt , resp. dem Fusse angepasst werden ; 
SCHOE. 830; LEX. KWb, 266; SCHM. II 2 , 1084; cimbr. 
Wb. 182. Zunächst wol von it. zoccolo, vgl. jedoch auch 
mhd. zockel [BM. in, 945*], ahd. zokel [GKRAFF V, 
626} crepida; auch wendisch zokla [IARN. 135 b ; GUTSM. 
564°] Holzschuh. Ueber die Etym. eine Vermutung bei 
DIEZ II 8 , 428. 

Z&BQ'n, v. zeigen, weisen, lehren, mit der Hand deuten, win- 
ken; zärager, m. Zeiger, besonders auch der auf den höch- 
sten von allen Seiten sichtbaren Höhen von den Hirten 
erbaute Steinthurm; dim. zäBgerle. 

zeggitz'n, v. lange zögern, hinausziehen; zeggitzerweise 
einzeln, eins nach dem andern, unterbrochen z.B. zeggit- 
zerweis zöl in kleinen Raten zahlen; zeggitzer, m. 
der gerne die Sache, hinauszieht; hieher auch ünz egg er n, 
v. verlocken, verleiten;' ünzeggerisch adi. adv. ver- 
lockend; BUEHL. I, 217; SCHN. 214; WEINH. 110. Ein 
Intensivum zu ziehen vgl. GERLAND Intens, z. B. 
S. 4; 17. 

zoggitz'n , v. von einer schwierigen Körperstelle : ziehend stos- 
sen, vibrieren; SCHOE. 831; 85; LEX. KWb. 267; 63; 
SCHM. II 2 , 1084; I 2 , 489; CAST. 111; BUEHL. I, 289; 
STALD. n, 477; SCHMID 550; TOBL. 459 u. a. mhd. 
zocken, zochen [BM. III, 937 ], ahd. zocchön[GRAFF 
V, 623] ziehen, zerren. Zu ziehen, zucken vgl. POTT 
WzW. III, 892 u. d. vor. W. 
•zähe, adi. zäh; zähikit und zähin, f. Zähigkeit; ozähin, 
v. jem. an Beharrlichkeit übertreffen ; SCHOE. 823 ; LEX. 
KWb. 261; SCHM. II 2 , 1099. mhd. zaehe [BM. HI, 840*], 
ahd. zähi [GRAFF V, 583], zach; WEIG. IE 2 , 1153. 
SCHMIDT Voc. I, 45 stellt das Wort zu zange forceps, 
was ich nicht glaube ; vielmehr hat WACKERN. Wb. 389 a 
Recht, der es zu ziehen stellt. 

ZÖll, v. zählen; verzoll, v. erzählen, wie mhd. verzeln, 
Verzellen [LEX. MWb. III, 316; BM. III, 847 b ] 
erzählen. 

zolp, m. das gröbste Linnentuch; zolpin adi, aus solchem 



246 

Tuch: a zolpine pfä^t; LEX. KWb. 266; SCHM. II 1 , 
1117 f.: zolp, zolk, zolch Klotz von einem Menschen, 
Wulst, strickähnlicher Knollen, Klumpen. 

zälder, f. ähnlich wie zäder etwas faserichtes, herabhängen- 
des; eine zerlumpte Weibsperson; LEX. KWb. 262. Viell. 
gleich. Stammes mit schälder w. s. 

zäm, m., stierzäm Ziemer, das membrum des Stieres ; LEX. 
KWb. 264; SCHM. IP», 1121; 1131; CAST.271; HOEF. HI, . 
320; LIND. 413 u. a. Dass unser Wort mit nhd. ziem er 
aus fz. cimier , welches auch das Schwanzstück des Ochsen 
bezeichnet, entlehnt sein sollte, wie WEIG. II 2 , 1175 will, 
ist an sich schon unwahrscheinlich , die dialektischen For- 
men machen es unmöglich. Es ist entweder von zäm = 
Zaum etymologisch nicht verschieden; dann gehen beide 
auf ein Thema tav- zurück mit der Grundbedeutung zie- 
hen, ahd. zawen von Statten gehen, zu wen ziehen, ags. 
teämian, tyman, teman [LEO 130] Nachzucht veran- 
lassen, fortpflanzen, aufziehen, züchten, gr. Su-, I-Su-nt ein- 
gehen, eindringen, untergehen, skt. duvas herausstrebend, 

. unruhig vgl. FICK II 3 , 130; HI 8 , 115 — oder es ist das 
mhd. zein [BM. HI, 867] Stab, Metallstäbchen, auch penis, 
ahd. zein [GRAFF V, 673] , gt. tains [MGSpr. 85; DIEF. 
Wb. II, 653], ags. tan [LEO 301] vgl. GRIMM Gr. I, 
667; n, 45; HI, 347; 411; 460; HZ. VI, 317; SCHM. 
II 2 , 1127; STALD. II, 463; 468; TOBL. 435 f.; SCHMID 
542; brem. Wb. V, 52; FICK IIP, 121. 

zamm, plur. die ersten Sprossen von Nadelbäumen; SCHOE. 
824; SCHN. 280. Wol zum vorigen vgl. das analoge brous 
S. 32. 

zams'n, v. Gegenstände, wie Klöien, Mehl, Heu, Stroh, auf 
dem Boden herumsäen; aus-, ün-, v er zams'n. Wol zu 
.zemsen bei SCHM. II 2 , 1126 Kleien; SCHMID 542: 
zamsen lockern; SCHROE. Gottsch. II, 235; vgl. bei DIEF. 
gl. 253 b s. v. furfures: zemisa, -e, cemise, bei GRAFF 
V, 608 zemisa furfures. Stamm ist wol da- zertheilen; 
FIÖK DI 3 , 113 u. oben verzött'n S. 59. 

zemper, m. Ungeduld, das Trippeln vor Ungeduld; zemp er n, 
v. vor Ungeduld trippeln; verzempern, v. vor Ungeduld 
vergehen. Intensivum zu zappeln; vgl. SCHM. II a , 1141 
zapp Unwille. 

zen, d. i. zenen, v. reizen, locken, necken; SCHM. II a , 1131; 
SCHMID 543; HOEF. III, 314; 321 ; FULDA 597 ; STALD. 
II, 464; BIRL. VW. 95; LOR. 147; LIND. 413; SCHRÖE. 
215 u. a. mhd. zen, zenne [BM. m, 870] reize, locke, 
ahd. zenem, zenju [GRAFF V, 673]. Wol zu mhd. ahd. 
zein (vgl. zäm u. das folg.) = stimulare ; anders ZEH. 284. 

zäBne, f., dim. zä^nd'l Korb aus Stäbchen, Rohr, Binsen 



247 

(wie mhd. zeine, ahd. zeinna, zeina, gt. tainjo BM. 
ffl, 868*; GRAFF V, 673; DIEF. Wb. II , 654; MGSpr. 
85); zä-en d. i. zahnen, v. das Eisen zu za inen Stangen 
schmieden; auss'nzä'en, v. dehnen, eig. vom Eisen, dann 
auch von einer Erzählung : ein Langes und Breites machen ; 
z&'enhammer, m. der Hammer in der Schmiede, mit dem 
zainen geschmiedet werden; SCHOE. 826; LEX. KWb. 
264; SCHM. II a , 1128; VILM. 470; BIRL. 437; VW. 94; 
DESCHM. 66 ; ZING. Wb. 59 ; SCHROE. Gottsch. II, 237 ; 
KLEIN H, 241; STALD. II, 468; REINW. II, 147; 
SCHMID 542; TOBL. 455; KLEIN II, 241; 244; FULDA 
599 ti. a. vgl. ahd. zainjan [GRAFF V, 674] in öa 
ducere, ferrum ducere, cudere, excudere; WEIG. II 2 , 1165; 
FICK HJ>, 121 vgl. auch zam. 

zänge, f., dim. zangile Zange; der Mund mit den sichtbaren 
Zähnen; eine hässliche, mit vorstehenden Zähnen versehene 
Weibsperson; die z&nge zärag'n die Zähne weisen; 
SCHM. II>, 1134; WEIG. H a , 1155; FICK III«, 116; POTT 
WzW. II, 2, 509; PETT. Beitr. II, 10; 12. Wz. also da k-, 
gr. 8a*-v-ü> beisse. 

zenge , adi. adv. eng, beengt ; zi zenge h 6 b ' m zu eng 
haben; zengikit u. zengin, f. Enge, knapper Raum. Nicht 
aus zu enge contrahiert, sondern = ahd. gi-zengi 
[GRAFF V, 680] = ags. getenge [LEO 197] coniunctus, 
proximus, as. getenge nahe an jem. od. etwas befindlich, 
verbunden, lastend, drückend. Gleichen Stammes mit zänge; 
FICK in«, 116; SCHROE. 215. 

Z&ngg'n, v. ruckweise ziehen, zerren, streiten, hadern; zängg- 
eis'n, n. zänkische Person; SCHM. H a , 1136; SCHMIDT 
336; TOBL. 453; SCHOE. 825. Gewiss ist zerren die 
Grundbedeutung und das Wort nur Intensivum zu ziehen 
(vgl. auch tschangg'n S. 46), daher unrichtig bei WEIG. 
H«, 1156; KZ. XXI, 70; vgl auch ZEH. 284. 

zangern, v. nach etwas . heftig verlangen (wir sagen auch scharf 
haben), bes. von Kindern gesagt; rein erglänzen, micare: 
dio stöorn zangern; in manchen Gegenden Tirols (z. B. 
Taufers) = kriegen, zanken; SCHM. II 2 , 1134; brem. Wb. 
V, 23; SCHUL. 71; WEINH. 107; DANN: 221; SCHAMB. 
39; DAEHN. 484; SCHTZ. IV, 248; RICH. 304 u. a. mhd. 
zanger [BM. III, 849 a ] scharf, frisch, munter, ahd. zankar 
[GRAFF V, 680] acer, mordax. Von zange etymologisch 
nicht verschieden vgl. WEIG. II 2 , 1155; POTT WzW. II, 
2, 509; SCHMIDT Voc. I, 120. 

zins'I d. i. z in sein, v. zischend aufsprudeln, unter Geräusch 
brennen, z. B. eine Kerze, deren Docht nass geworden ist, 
zins'lt, wenn man sie anzündet; SCHOE. 829; SCHM. ü a , 
1138; 1141; BIRL. 441; EZ. HI, 11; HOEF. III, 334 j 



248 

TOBL. 461 u. a. ahd. zinsilo [GRAFF V, 688] fomes, 
auch zinselod; zinser a Rauchfass. Nach WEIG. II 2 , 
^1 95 aus lat. scintilläre, mlat. cintilläre, cincilläre 
bei DIEF. gl. 518°. 

2är{je, f. die Einfassung eines Gefasses, bes. die hölzerne Ein- 
fassung um die Mühlsteine; eine hagere Person; SCHOE. 
825; LEX. KWb. 267; SCHM. II 2 , 1149; BIRL. 437 
SALLM. 35; SCHROE. Gottsch. II, 238; VILM. 465 
SCHMID 447; TOBL. 376; FULDA 597; WEINH. 107* 
STALD. U, 301; REINW.I, 199; FRISCH II, 465; PETT. 
Beitr. II, 10. mhd. zarge [BM. III, 850] Seiteneinfassung 
eines Raumes, Rand, Ring, zarge um einen Mühlstein, ahd. 
zarga [GRAFF V, 705], an. targa Schild, Tartsche, lit. 
darzas [NESS. Wb. 129 a ] Garten, Küchengarten, Hof um 
den Mond. Wz. skt. darh- (d. i. dargh-) festmachen; FICK 
HP, 119; GRIMM Gr. III, 445; POTT WzW. LH, 913. 

ZÖjr'n, v. zehren, sumptum facere de suo; zöiring, f. Zeh- 
rung; Reise-, Wege-, Wirtshausgeld; zöxrer, m. z. B. im 
Sprichworte: der sporer bikimp an zöxrer; die aus- 
zöxring tabes; SCHM. II 2 , 1147; Oest. Weisth. I, 430; 
cimbr. Wb. 182; FICK III 8 , 118; WEIG.II 2 , 1162 u. a. 

zärscht, adi. zart; jem. zugethan, bes. von Kindern, die 
nicht vom Arme der Mutter wegwollen; zärscht, m. 
Zärtlichkeit, bes. das Zugethansein : 's kint hat souv'l 
an zärscht d. i. es ist von der Mutter nicht wegzubringen ; 
SCHOE. 826; LEX. KWb. 263; SCHM. II 2 , 1152. mhd. 
zart [BM. HI, 850] zart, lieblich; lieb, geliebt; zart, m. 
Liebe, Wolwollen, ahd. zart [GRAFF V, 695]tener; zart, 
ra. teneritudo, blanditiae, deliciae; WEIG. II 2 , 1158. 

zäschg'n, v. langsam gehen und dabei die Füsse scharrend 
nachziehen; SCHOE. 826; LEX. KWb. 263; SCHM. H a , 
1157; PETT. Beitr. II, 10; 12; STALD. H, 465; ZISKA 
Prob. II , 20; BUEHL. I, 221; LOR. 145; CAST. 271; 
HOEF. III, 316; HUEGEL 193; VILM. 472 u. a. mhd. 
zaschen [BM. HI, 852] ziehen, schleppen, zaspen die 
Füsse bewegen, scharren, ahd. zascon [GRAFF V, 707] 
rapere. Eines Stammes mit zänss'n w. s. 

zischgg'n, v. siedend brausen, zischend aufflackern, z. B. wenn 
ein Wassertropfen in heisses Schmalz fällt; wenn Haare 
verbrennen u. ä. ; auch mit dem stärzer einen Baum ent- 
rinden: auszischgg'n; SCHOE. 768; LEX. KWb. 266; 
SCHM. H 2 , 1158; vgl. ahd. zessa [GRAFF V, 708] aestus, 
zesson aestuare, zuscjan brennen; BM. HI, 941. Zu- 
nächst Frequentativum von zischen, übrigens wol onoma- 
topöisches Wort. 

ZU9SS'I, auch zussl, f. ein herabhängender Lappen; ein lumpig 
gekleidetes Weib; dann überhaupt jedes Frauenzimmer, 



24a 

wenn man verächtlich spricht; zusserer, m. jeder lum- 
pige Gegenstand ; ein zerlumpter Mensch ; z u a s s 1 A. i i. 
zuesseln, v. einen Lappen nachziehen; :SCHOE. 833; 
LEX. KWb. 267; SCHM. H 2 , 1157; LOR. 149; VILM. 471; 
WEIG. II«, 1197; vgL auch das folg. Wort. 
zäBS'n, v. mit den Füssen zausend zappeln; dazifös^n durch 
Zausen mit den Füssen alles in Unordnung bringen; zäu- 
ser, m. nom. agentis und ein einmaliges Zappeln ? käisn 
zi-eser möar tuon = keine Bewegung der Füsse mehr 
machen; gizk'ese, n. das Zappeln; LEX. KWb. 264; 
SCHM. IP, 1154; SCHMID 542; BUEHL. I, 216; LO& 
145; HOEF. III, 312; WEINH. 108; FRISCH II, 466; 
VILM. 466; STALD. II, 466; BERND 360 u. a. mhd. 
z eisen [BM. HE, 868] zausen, zupfen, bes. Wolle; ahd. 



zeisan [GBAFF V, 707 
ags. taesan [LEO 142 



carpere, discerpere,- carminare, 
vellieare; WEIG. IP, 1165; 
GRIMM Gr. i; 934; MÜELLER Et. Wb. 448; POTT 
WzW. H, 2, 417. 

zassem, v. lange zögern , hinausziehen; daz assern z.B. er 
dazasserst 's woll nou a weil er treibts wol noch 
eine Weile; zasserer, m. der gerne zögert. Intensivum 
zu ziehen. 

zöven, v. gew. dazöven beschmutzen, bes. von Bändern ge- 
sagt: dazov nit dei giwandt'l; hauptsächlich mit einer 
Flüssigkeit überschütten; ünzöven, v. verunreinigen; 
SCHM. II 2 , 1065 hat zauen, zauwen, zouwen bearbei- 
ten, bereiten, schmieden, hächeln, gärben, färben; LEX. 
KWb. 261 hat zwar zof n, aber nur in der Bed. sich 
abmühen, sich mühsam fortschleppen; ähnlich SCHOE. 823. 
ahd. z a w j a n [GR ÄFF V, 713] tingere ; z a w a tindtura» 
Unser (da-)zoven entspricht ganz genau dem hom. (xara-) 
fefav z. B. n. IX, 490: 

olvOU a7U0fftu£ü>V SV VY|7TtsV) aXSY£tVf|. 

Zum Theil anders POTT I 1 , 282; WzW. I, 910; BENF. 

KZ. Vn, 118; Wzl. n, 68. Ueber eine mögliche weitere 

Verwandtschaft vgl. FICK HI 8 , 115. 
zuz'l, m. Sauglappen; eine Locke Haar, Flachs, Werg; zuz'l 

d. i. z uze In, v. solche Locken machen; dazuzl, v. den 

Flachs durch solche Locken verderben; LEX. KWb. 267; 

SCHM. II 2 , 1167: zuzel Sauglappen; zozen, zozel die 

Zote; HÜEGEL 200; KLEIN II , 182 u. a. Wol gleichen 

Stammes mit zoute w. s. 
zwacken, v. 1) picken (von Vögeln, Hühnern); auzwäcken 

aufpicken z. B. Körner. 2) heimlich wegnehmen, stehlen; 

zwack er, m. ein einmaliges Picken; Dieb, Schelm; dim. 

zwkckerle; SCHOE. 833; LEX. KWb. 268; SCHM. II 2 , 

20 



880 

1171; SENGSCHMITT Progr. zu d. Sohotten 1852, 12. 
mhd. zwacken [BM. HE, 958 b ] zwacken, zupfen, ahd. 
zwaohön [GRAFF V, 731] carpere. Eines Stammes mit 
zwicken, zweck vgl. WEIGK IP, 1199; 1205 f. Wz. 
div-, du- sich schwingen, eilen, gehen, fortgehen, mit gh, 
resp. k weiter gebildet vgl. zend. dvaozh- [HJSTI 165 b ] 
treiben, ksl. dvig-n^ti, dvi£-iti, dvii-ati treiben, 
bewegen vgl. FICE1 DD, 112. 

zwietrich, m. Hermaphrodit; eine eigensinnige, schlimme Per- 
son. Von zwitter, worüber WEIG. ü a , 1211. 

ZW&tz'l und wätz'l, v. zappeln, sich schnell hin- und herbe- 
wegen; vazwätz'l, v. durch Zappeln einem aus den Hän- 
den schlüpfen; auch vor Ungeduld vergehen; SCHOE. 833; 
LEX. KWb. 268; SCHM. IP, 1185; REGEL 280; REINW. 
184; SCHMIDT 315; SCHMID553; BIRL. 441; LOR. 149; 
CAST. 275; HOEF. EI, 343; HUEGEL 200; KLEIN II, 
261; WEIG. IP, 1200; 1012. In der Wz. mit zwacken 
(w. s.) verwandt. 

zwend'l, f. = Quendl; über die verschiedenen Formen vgl. 
GRASSM. Pfl. 177, 532; KZ. XIX, 60; WEIG IP, 417. 
Aus lat. conila, cunlla, gr. xovfito). Wie Thymian aus 
gr. $6o>, so xov&y] zu skt. Wz. kun-, knü- stinken, kuna 
Wanze vgl. FICK I 8 , 51 ; 535. 

ZWind'l, m. Zwilling; zwind'l d.i. zwindeln, v. Zwillinge 

gebären; SCHOE. 834; LEX. KWb. 268; SCHM. IP, 1177; 
iUEHL. I, 305; 218; ZING. Wb. 60; cimbr. Wb. 181. 
mhd. zwinel fBM. III, 954*], ahd. zwinal [GRAFF V, 
7291 geminus. Unsere Form geht aber auf zwinelinc, 
zwindling zurück. 

ZWi~SChg'n, v. zwitschern, von einem hohen Tone überhaupt, 
daher nicht bloss von Vögeln, sondern auch von Mäusen; 
STALD. EL, 487: z wyg gen zwitschern. Andere Form von 
zwitschern vgl. WEIG. IP, 1211 und wend. zvish 
[GUTSM. 564 b ] Gewinsel, zvishim winsle, kirre, heule. 

ZWÄsper, m., plur. zw&spern, dim. zwasperle, wol ent- 
stellt aus „Schwarzbeer" = Heidelbeere; SCHOE. 659; 
GRASSM. Pfl. 152, 442. 

ZWfc'l, m. ein zweifach sich theilender Baum, Ast, Zweig; 
sich zwis'l sich theilen, spalten; SCHOE. 835; LEX. 
KWb. 268; SCHM. IP, 1183; ROS. 213; ZISKA Prob. H, 
20; Oest. Weisth. I, 432; RUED. II, 133; LOR. 150; 
CAST. 275; SCHROE. 217; 292; cimbr. Wb. 181; VILM. 
475; TOBL. 464; STALD. II , 487; KLEIN II , 252; 
FULDA 608; SCHMID 556. mhd. zwisele [BM. DI, 954] 
Gabel, ahd. zwisila [GRAFF V, 730] furca, doch nicht 
auch kvtsl [SCHA. a 529] Zweig eines Baumes? Von 
fcwei. 



351 



Nachträge*) und Berichtigungen. 

ÖWUS8, m. der Abscheu, Ekel: anowuss hob'm; owussig 
adi. ekelerregend, Ekel habend. Es scheint das proteus- 
artige Wort zu sein, dessen eine Form bei SCHM. I 9 , 158 
awas lautet und eigentlich todtes Vieh, Aas bedeutet; 
vgl. noch SCHM. I a , 12; II 3 , 1019; 841; 1018. mhd. äwa- 
sel, awesel [LEX. MWb. I, 106; BM. I, 74] todtes Vieh, 
Aas; GRAFF I, 522; GRIMM Wb. I, 1046; DIEP. Wb. 
I, 244; SCHA.2 34. 

aubrö|t'l (S. 6). Dazu BIBL. Bec. 93. 

oubröll, ouberöll, m. April; in oubröll schicken [vgl. 
ZING. Sitt. a 144; BIRL. Volksth. II, 93, 122; MANN- 
HARDT Waldkulte II, 184 u. a.]; oubrölln&r, -ochs 
wird der Gefoppte genannt; oubröllwötter Aprilwetter; 
im äprill thuet 's wötter w&s es will; SCHOE. 17; 
LEX. KWb. 8; SCHM. I«, 119; GRIMM Wb. 1, 538; 
WEIG. I 2 , 64; WEINH. Monatsnamen 30 u. a. Unsere 
Form ouberöll, oubröll schliesst sich mehr an die mhd. 
Form aberelle an [LEX. MWb. I, 11; BM. I, 4 b ; 
SCHA.* 2]. 

öpper a mal (S. 6). PET. (briefl.) bemerkt: „Öpper a mal = etwd-r*ein 
m&l* — Dieses etwa [SCHM. P, 173], mhd. ete-wä, etwa [LEX. 
MWb. I, 713] war mir nicht -unbekannt, ich glaubte es aber der abweichen- 
des Bedeutung wegen nicht herbeiziehen zu dürfen. Indess ist die Ver- 
einigung schon möglich. 

ävcherle (S. 6). Dazu BIBL. Rec 93: „Bei hvcherle sciurus erinneve ick an 
die alem. Aussprache oachhinle, was auf hurn — Umlaut — hürn 
hindeutete) sollte mit hurn, hurnia Alem. J, 164 nichts zu machen sein? 
Das mythische Thierchen, als Donars roter Liebling , hat bis jetzt seines 
Namens Aufhellung noch nicht erfahren". 



*) Ich habe es für angemessen gehalten, auf die Recensionen der ersten 
zwei Hefte dieser Beiträge etwas näher einzugehen. Unter diesen Recensionen 
sind mir zu Gesicht gekommen : Oest. Gymnas. Zeitschr. XXVII [1875] S. 692 
bis 697 von I. Peters; Alemannia III [1875] S. 93— 95 von A.Birlinger; 
FZ. VII [1875] S. 255 f. von R. M. Es verstellt sich wol von selbst, dass ich 
meine früheren Ansichten auch in Puncten, worüber die Herren Recensenten 
schweigen, jetzt nicht durchweg aufrecht halten kann. Den genannten Herren 
für Ihre wolwollende, objective Krilik meinen besten Dank! 

20* 



252 

ackern, v. nach etwas trachten, verlangen (bes. von Kindern) ; 
bei SCHOE. 9: ackern wacker losarbeiten, anstrengend 
arbeiten. Wie die Redensart: zu acker gen mit einem 
= jem. zu schaffen machen, ihn plagen, im figürlichen 
Sinne von acker abgeleitet ist, so scheint es auch mit 
unserem Worte zu sein; vgl. SCHM. I 8 , 32. 

adel (S. 7). Dazu BIRL. Bec. 93. 

Ötzit (S. 16). PET. Rec. 694 bemerkt: „ötzit lägst auf altes etzat schliessen." 
Dies ist gewiss richtig. 

Öfatzlg (S. 8). PET. Rec. 693 (u. briefl.) bemerkt: „Wir denken an f atzen 
scherzen SCHM. P, 780; GRIMM Wb. III, 1363; in der Schweiz f ätzen 
hadern, zanken, gefätz Zank STALD» I, 357. SCHM. dürfte ahd. über- 
gefazidi, über givazzide in der Wessobrunner und Bamberger Beichte 
. (Mit llenh off- Scher er Denkmäler XC 96 und XCI 123) wol nicht un- 
geschickt angeknüpft haben." Dagegen sagt BIRL. Rec. 93: »Da* Wort lag 
aufzuhellen nahe: Fatzmann, Fatzspil, zu it. Facio Possenmacher] 
seit Ende des 15. sec. im Deutschen üblich. WE10. P, 439. u — Mir war 
dies alles wol bekannt; allein das 6 = ab machte mir Schwierigkeiten, 
und ich bin anch jetzt noch nicht von der Richtigkeit dieser Ansichten 
überzeugt. — Das öfadnig könnte anch zn faden gehören, wie man 
ähnlich dwifftlik (von wifft'l S. 236) sagt. 

«Ug'lläperQ (S. 8). Dazn PET. Rec. 693 (and briefl.) : »Für die Erklärung von 
aper aus mhd. oucbrd sprechen die alten von DIEF. gl. 566 C; nov. gl. 
355° beigebrachten Formen aupren und aupern. Dans das allmählich 
unkenntlich gewordene oucbrd später wieder mit Auge zusammenge- 
bracht wurde, ist nicht ohne Analogie; man denke nur z. B. an reisefertig, 
Tragbahre." — BIRL. Rec. 94 sagt: „Bei augn-dpern, Augbraen (Wackern. 
KL Schrift. III, 55) erinnere man sich an oberrh. Drucke des anhebenden 
, 16. sec. so begegnet mir 1512 ougbarougen; aus solchen Formen wäre das 
Def er egger Wort leichter zu erklären, ah H, es tut u . Ich mnss bei meiner 
Erklärung stehen bleiben. Der Fehler liegt nur darin, dass ich die Bed. 
des Wortes ungenau angegeben hatte: augn-äpern sind wirklich nur die 
„oberen Augenbrauen", nicht auch die Wimpern des Augenlides. Da nun die 
Formen wie: opara prauua, oparun prä, u.berbrauun supercilia 
überliefert sind (wobei opara doch nicht aus aug-, oug- bra erklärt 
werden kann) , unser Wort formell ohne Schwierigkeit sich daraus er- 
klären lässt, so wird man mir schliesslich Recht geben, wenn ich meine 
frühere Ansicht festhalte. 

älspern (S. 9). Dazu PET. Rec. 694. Das a kann kurz oder lang gesprochen 
werden, neigt sich aber mehr der Kürze zu; es wäre daher besser älspern 
geschrieben worden. 

öfel (S. 7). Dazu BIRL. Rec. 93 "SCHA.* 4. 

Qmi886 (S. 10). Dazu BIRL. Rec. 94. 

amme (S. 10). Dazu BIRL. Rec. 94. 

Ünbigämik (S. 11). Dazu BIRL. Rec. 94: „Ich kann es nicht zu goume, 
goumen = beobachten stellen; goumen ist allerdings alem. heute noch 
üblich; bairisch ist unser Aasdruck nicht mehr; ich möchte eher an die g am y 
. gamp, Gemse als Erklärungsversuch erinnern, dann kommt auch die Be- 
deutung: unbeholfen^ ungeschickt heraus.^ — Ich kann dem nicht beistimmen, 
gäumen mag vielleicht jetzt nicht mehr bairisch sein (vgl indess SCHM. 
I 2 , 912); er ist aber österreichisch (HOEF. I, 277; CAST. 136; LOR. 47; 
48) und schweizerisch (TOBL. 233; STALD. I, 430;BÜEHL. 1, 39; HUN- 
ZIKER 110). Dass wir in unserem Dialekte viele österr. und auch Schweiz. 
Ausdrücke haben, kann man sich aus de* vorliegenden Arbeit selbst über- 
zeugen. Meine Erklärung ist aber so passend als möglich, bigämen wäre 
(ähnlich wie er gäumen, nachgaumen, ubergaumen bei SCHM. I 2 , 
912) beobachten, Acht geben, ün-bigämig nicht Acht gebend, ungeschickt. 



253 

In Betreff der Etym. von mhd, gourae verweise ieji jetzt auf SCHA. 8 345 
und GRIMM Wb. IV, I, 1574 ff. 

englboug'n (S. 12). Es war mir entgangen, dass diese Form schon früh vor- 
kommt vgl» SCHM. F, 111; cimbr.Wb. 117; DIEF. Wb. I, 3. 

antern (S. 12). Dazu BIRL. Eec. 94 Wenn BIRL. weiter bemerkt, dass der 
Verf. in seinem Namen das t der Aussprache nach n verdanke, so ist dies 
freilich nicht richtig. Hintner bedeutet urspr. : „der hintere" (Bauer), also 
local. , opp. „der vordere" (Bauer); vgl. z. B. im Thale Antholz: „der 
hinter Bassler" f „der vorder Bassler". Aehnliche Bezeichnungen findet man 
im' Thale Gsiess, aus welchem Thale meine Urahnen ausgewandert sind. 
Bort ist wol die Heimat des Namens und es gibt daselbst auch jetzt noch 
viele Hintner. 

Onweig'n (S. 13). Dazu ganz richtig PET. Rec. 694 (u. bricfl.) : „Es ist mhd. an- 
weisen s. BM. III, 556; LEX. MWb. I, 85] SCHM. II*, 871; 878. Bei 
BUEB.L. 1, 4 aw eigga, bei STALD. II, 443 anweiggen sich zum Gehen 
fertig machen; vgl. FZ. VI, 396, 51; Moltkes Sprachto. VI, 59, u — Zu bemerken 
wäre noch, dass statt ünweig'n auch, wie bei SCHM. ü*, 878, ünweil 
gebraucht wird. Die S. 13 gegebene Etym. kann trotz dieses Tersehens 
bestehen bleiben vgl. FICK IIP, 282 

Ären (S. 14). Dazu PET. Rec. 694: „Es ist vermuthllch nichts andere» ah 
vhd. arg in m . ahd. irargent obstupescent (dentes) GBAFF I y 414; 8. er gen 
bei SCHM. P, 141. Das aus SCHILL. LUEBB. beigebrachte dunkle am 
gehört höclmt wahrscheinlich nicht hieher u . — Dagegen BIRL. Rec. 94 : 
„Bei ären, drich glaube ich viel näher zu kommen mit altd. aren 
ackern, aufreissen, rauh machen, was ja schon in der germanischen Wz. 
liegt. Das Zeitwort bedeutet alem. die Zähne vom Obstessen verschlagen ; das 
Subst. drich ist tirolisch rauher Hautausschlag" — ■ Ich stimme jetzt PET. 
bei, dass ären aus argen entstanden ist. In Betreff des zweiten Wortes 
ärich kann BIRL. Recht haben. Allein da die Grundbedeutung bloss Haut, 
vielleicht rauhe Haut zu sein scheint, könnte es auch das mhd. 8 rieb, 
ercb, irch, irh sein [LEX. MWb. I, 1449; BM. I, 753a) weiss gegerbtes 
Leder bes. von Gemsen, Hirschen, Rehen ; den ärich ökeiin = die Haut 
abstreifen. 

uräsifl (S. 12). Dazu BIRL. Rec. 94. 

Orlitt'n (S. 15). Dazu PET. Rec. 694. 

ÖSChien, v. d. i. abschönen : die rueb'm, tuscliin oschian 
das Laub und die Wurzeln abschneiden vgl. läutern 
S. 145 und schion S. 216. 

dstropflz'n (S. 16). Dazu gauz richtig PET. Rec. 694 (u. briefl.): „Es gehört 
zu st rupfen stringere SCHM. IT 1 , 818; bei STALD. II, 411: strupf ein 
nachmelken, bei TOBL. 415 ströpfla, synonym mit hampfla 255<* u ; 
[HÜNZIKEB 262: strupfe streifend zupfen, so namentlich die Zitze des 
Kuheuter 8, das man melken will]. Schon mbd. strupfen [LEX. MWb. II, 
1255 ; BM. II, 2, 698»] streifen, abrupfen ; vgl. WEIG. IP, 842 Dieses 
strupfen selbst kann wol ein Intensivum von streifen genannt werden 
[vgl. POTT WWb. V, 227 f.; bes. GERLAND Intensiva und Iterativa, 1869, 
S. 10; 20], so dass ich nicht ganz irre gieng mit meiner Frage, ob s tro- 
pf iz'n Intensivum von streifen sei. 

eisgälte (S. 15). Dazu vgl. GRIMM Wb. IV, I, 1187 ff. 

boute, m. der Gerichtsdiener; bout'nwouber, m. Schreck- 
gespenst der Kinder, Wauwau; bout' n, v. hinterbringen, 
namentlich etwas, was einem anderen eine Rüge oder Strafe 
zuziehen soll, ähnlieh wie schörg'n, vaschörg'n; 
SCHOE. 51; LEX. KWb. 37; SCHM. I a , 308. mhd. böte 
[LEX. MWb. I, 331;,BM. I, 183 1, ahd. poto [GRAFF 
III, 80], aber auch mhd. boten Bote sein, verkündigen. 



254 

Zu bieten: WEIG. I», 225; GRIMM Wb. H, 271. skt. 
Wz. budh- erwachen, wachen, merken, achten, gewahr 
werden [ER. V, 102; GBASSM. 907] vgl. PICK HI 8 , 
213 f.; LEO 342; CURT.* 262; ZZ. I, 9; MGSpr. 61; 
POTT WWb. IV, 885 ff.; DIEF. Wb. I, 302; KZ. XH, 
120; XIX, 441 u. a. 

pötschin, v. (von Kindern) in Flüssigkeiten mit den Händen 
spielen; pötscher, m., pötscherin, f.; gipötsche, 
pötschwerch, n. durch pötschin verunreinigte Flüssig- 
keit, auch verunreinigte flüssige Speisen. Es ist eigentlich 
= mit den Händen in eine Flüssigkeit schlagen, dass es 
einen patsch gibt; SCHOE. 490; LEX. KWb. 18; SCHM. 
P, 415; WEIG. IT», 316. 

p&tz , m. der Schall , der entsteht , wenn etwas weiches herab- 
fällt; pätz'n, v. mit einem pätz fallen; oohapätz'n 
herabfallen, ffhinpätz'n hinfallen; im übrigen wie bei 
SCHOK 32; 490 f.; LEX. KWb. 18; SCHM. P, 416; 
WEIGk W, 315. 

bieg' n und bojg'n , v. biegen , sich biegen , beugen, sich beugen ; 
bioger, m., dim. biegerle der Peitschenstil (g&v&'l- 
bioger); SCHM. I a , 215 f. mhd. biegen, biugen, böu- 
gen [LEX. MWb. I, 266; 288; 333; BM. I, 176 b ; 177*] 
biegen, beugen, ahd. pougjan [GRAFF III, 37; SCHA. a 
81 a ; 65 b ], ags. bügan [LEO 339], lat. fugere, gr. <puy-7i, 
skt. Wz. bhuj- biegen, zur Seite drängen; FICK I 8 , 162; 
in*, 213; WEIG. I 8 , 194; GRIMM Wb. I, 1742 u. a. 

blg&Bf'n (S. 19). Dazu PET. Rec. 694 (und briefl.): „Ms wird dem bairischen 
g auf ein, Schweiz, ergaufen, er g auf ein SCHM. P, 875; STALD, 
I, 429 anzuschliessen sein; hv geht hier wol aus b'u hervor (bigavf'n 
also eig. begb'ufen; vgl. das Verhältnis von ghvg'n zu geugeln in 
Hintners Beiträgen S. 68 u. ei für öu in Weinholds bair. Gramm. § 79 u . 
— Die Bed. von bigavf'n war zu wenig präcis angegeben: wenn einer 
etwas stehlen oder sich aneignen sollte, so sagt er: i nit, i roöcht mi 
nit a weil bigavfin. Sich nicht weiter mit etwas abgeben, ist erst 
secnndär. Es ist daher ohne Zweifel das gänfen bei SCHM. I*, 875: heim- 
lich wegschaffen, entwenden. Uebrigens schon mhd. göufler [LEX. MWb. 
I, 1058] der heimlich entwendet, Dieb, gönflichkeit Dieberei 

billaa (S. 20). Dazu PET. Rec. 695 (vgl. auch B1RL. Rec. 94) : „ Wir ver- 
weisen auf KZ. XVII, 29, ohne uns jedoch der dort vorgetragenen Ety- 
mologie anschliessen zu wollen. Ist vielleicht Bill, „Baumstamm, an den sich 
die übrigen in der Wasserrise anlegen*, bei SCHM. P, 230, gleicher Ab- 
stammung und zunächst erlaubt an billih, ebenmässig zu denken f u Ich kann 
dem nichts weiteres beifügen. 

palte, f. Tabaktrafik. Es ist nicht an die deutsche Stadt 
Apolda zu denken, sondern palte ist verderbt aus it. 
appalto Pacht, appaltare verpachten, appaltatore 
Pächter. 

bullwaxit, adi. rundlich spitz; namentlich beim Getreide- 
messen: das Mass so voll Getreide oder ähnlicher Gegen- 
stände, wie viel nur im Gefässe bleibt; der Käufer fragt 



255 

daher: gestrichenes Mass oder bullwaxit? Barnach 
richtet sich natürlich der Preis. Dann wird bullwaxit wol 
auch von anderen rundlichen Gegenständen gebraucht; 
SCHM. II a , 840: bülwächs, pülwegs, pulwächs, 
palwahs stumpf, mhd. balwahs [LEX. MWb. I,. 118; 
BM. HI, 532 b ] stumpf. Es wird erklärt: auf üble (bal) 
Weise scharf (wahs). Der zweite Bestandtheil ist sicher 
wahs vgl. wachs S. 235. Ob aber im ersten Theile bal = 
schlecht ist, möchte ich sehr bezweifeln. Eher bal = Kugel, 
Ball; bullwax also = rund-scharf, was unserer Bed. voll- 
kommen entspricht. 

pelz'n, v. 1) pflanzen, pfropfen, oculiren; pelz er, m., cum. 
pelzerle eine junge, durch pelz'n gewonnene Pflanze; 
SCHOE. 492; LEX. KWb. 21; SCHM. P, 389 u. a. mhd. 
beizen, pelzen [LEX. MWb. I, 176; II, 215; BM. I, 
103*] pfropfen, ahd. pelzön [GBAFF HI, 114; 336; 
SCHA. a 49 b ]. Entweder zu balz Gürtel, also eig. dem 
Baume einen GKirtel anlegen ; oder wahrscheinlicher zu pei- 
us, impellitare, prov. empeltar in die Haut* die 
Rinde des Baumes einsenken vgl. DIEZ II*, 284; GRIMM 
Wb. I, 1456; ZEH. 182; WACKERN. Umdeutschung 24 
(= El. Schrift. III, 280); anders WEIG. I 2 , 167 mit POTT 
I 1 , 239: skt. Wz. phal- bersten. 2) einen ermahnen, beleh- 
ren, mit Ermahnungen zusetzen: pelz'n und pünigen 
(S. 21); i h&n sou länge gipelzt an im. Dieses pelz'n 
könnte desselben Ursprunges sein, wie 1); wahrsch. ist es 
aber, dass es sich an pelzen bei SCHOE. 492; LEX. 
KWb. 21; SCHM. I 2 , 390 anschliesst: jem. eines versetzen, 
ihn treffen, mhd. pelzen [? LEX. MWb. H, 215; BM. II, 
47 1]. Entschieden zu diesem pelzen gehört das folg. 

pilz'n, v. schlagen, hauen, hacken, aber ohne Erfolg ; pilzer, 
m. ein Hieb und der haut vgl. das vor» 

banne (S. 21). Es thut mir leid, BIRL. mis verstanden zu haben, nm so mehr, 
als wir ja in Betreff des Wortes ganz übereinstimmen. BIRL. Rec. 94. 

pä~9fl6r, m. Höcker, Knolle, etwas Hervorstehendes: eine zu 
voll angefüllte Kleidertasche macht an pü~gger; pu~ggit 
adi. hervorstehend, höckerig; vgl. SCHM. I a , 395: p un- 
ken Astwurzel im Stamm; p unk et knollig, knotig, von 
Menschen klein, höckerig, kurz und dick; SCHOE. 67; LEX. 
KWb. 46; FULDA 365: pung Knopf; KLEIN II, 71; 
SCHMID 107; HOEF. I, 179; brem. Wb. III, 377 f.; 
DAEHN. 364 u. a! mhd. bunge [LEX. MWb. I, 383; BM. 
I, 277*] Knolle, ahd. fung in scazfung [SCHA. 2 688 b ], 
ags. pung, an. pungr Beutel, Geldbeutel, gt. puggs 
[MGSpr. 54; DIEF. Wb. I, 338 ff.; H, 756], nd. pung, 
punge, pungel Beutel, kleiner Sack, Päcklein, Bündel. 
Daher lit. pungulis [NESS. Wb. 298»] Bündel, Pack, 



256 

. mlat. punga, puncha Beutel, mgr. m(>*pfr\, ngr. nou-ffi, 
ital. ponga Kropf der Vögel; DIEZ II 8 , 55. Kaum aus 
dem altslav: p$gva, p^gy [MIKL. 764] corymbus ent- 
lehnt, sondern mit FICK IH 3 , 167 zu einer Wz. puh-, 
pug- hauchen, gr. ßuyt-ryjc avejjio«; schnaubender Wind, lat. 
bucca, buc-inum, skt. buk-kära Löwengebrüll, 
bukk- bellen; anders WACKERN. Umdeutsch. 24 [= Kl. 
Schrift, m, 284]. 

piTsg'n, v. leise brüllen (von Rindern, manchmal scherzweise 
auch auf halblaut weinende Kinder angewendet); pifsger, 
m. ein einmaliges halblautes Brüllen ; vgl. bei SCHOE. 521 ; 
LEX. KWb. 46; SCHM. I 2 , 393: pumsen dumpf tönen; 
GRIMM Wb. H, 515; WEIG. I 2 , 252 f.; II 2 , 406 f. 

ponz'n (S. 22). Es ist, wie mich POTT aufmerksam ma,clit, natürlich das lat. 
pant^x, was ich leider übersehen habe; vgl. überdies WEIG. II 9 , 296; 
WACKERN. Umdeutsch. 30 [= Kl. Schrift. III, 294]; DIEZ. Rom. Wort- 
schöpfung [1865] 22; Wb. I», 302; ZEH. 177; LEX. MWb. II, 202; 
SCHA. 2 672 u. a. 

parlÖJSSlen (S. 22). Dazu PET. Rec. 695: „Wir möchten lieber an Beziehung 
zur para/ysis, parlis, Gicht denken. Bei SOHOE. sind prolasslen, 
parliesken die Zeitlosen; DIEF. gl. 274 c und 412 a bietet herba para- 
lys%8 mit der Verdeutschung hi melslus sei , slusselblumen, und 
blosses paraly sis mit schl isselb luom verdeutscht; 8. auch parlyt, 
perlt 8 u. ä. Formen in FZ. VI, 6 f. u — LEX. KWb. 22 hat: per- 
liesk'n oder peliesk'n die Frühlingszeitlose, daneben auch 18: pä t er- 
nies 1, viell., wie ich glaube, durch Volksetymologie entstanden, mit An- 
klang ah pater noster. Ich gebe die Möglichkeit der Erklärung PET. 's 
gerne zu. Was mich bestimmte, zum wendischen zu greifen, war, dasspar- 
löisslen (sonst sagt man engilisblüandlen vgl. GRASSM. Pfl. 103, 
285; GRIMM Wb. III, 473) nur im äussersten Theile unseres Thaies ge- 
v braucht wird, wo der slav. Einfluss viel bedeutender ist. Unsere Form ist 
von den bei LEX. a. a. O. aufgeführten Formen nicht zu trennen; ander- 
seits ist peliesk'(n) vom wend. podlesk so wenig verschieden, dass 
wir sie wol für identisch halten müssen. 

pärmängg, m. ein Paar sich begattender Frösche; manchmal 
auch von Flöhen gebraucht. Der erste Bestandtheil ist 
natürlich paar, der zweite scheint man zu sein, aber in 
der älteren Bed., wo es noch für Person überhaupt stehen 
kann; vgl. SCHM. I 2 , 1600. 

burscht'n, v. ausgelassen sich benehmen, sowol in Reden als 
in Handlungen; vaburscht'n, v. z. B. 's gelt das Geld 
auf liederliche Weise verthun ; SCHOE. 68 ; LEX. KWb. 
47; SCHM. I 2 , 282: burschen, bur sehten den lustigen 
Bruder spielen, mitmachen. Aus bur seh, worüber zu vgl. 
WEIG. I 8 , 256 f.; GRIMM Wb. II, 546; Gesch. 134. 

barschz'n, v. mit Anstrengung heben, bes. mit einem Hebel 
oder Hebeisen; überhaupt sich anstrengen ; sich barschz'n, 
dab- sich brüsten, den Geschwollenen spielen (= sich 
spreiz'n); SCHOE. Sl ; LEX. KWb. 337; SCHM. I 2 , 284; 
eimbr. Wb. 154; HOEF. I, 59; STALD. I, 138; HUNZI- 
KER 26; KLEIN H, 45; SCHMID 87; FZ. IV, 69; V, 



257 

^^^ • 

39, 55; POPOWITSCH Unters. 301 ü. a. mh&. barze* 
[LEX. MWb. I, 133; BM. I, 92*1 strotzen , hervordrängen. 
Intens, zu ahd. parran [GRAFF HI, 155; 191; SCHA.« 
42] extenöum, tumidum, rigidum esse; GRIMM Wb. II, 
247; 555; WEIG. I», 257; KZ. XVII, 21; FICKHP,207; 
ZEH. 33; a 47. 

bäschinkit, adi. mit krummen Beinen, dachsfüssig. Was ist 
dieses ba-? Es kann dock nicht = sein parschinkit? 1 

Dieses bedeutet ja nur blossschenkelig [SCHM. II 2 , 432 f.]. j 

Vielleicht ist es dasselbe ba-, welches bei SCHM. I a , 183 
bei b&-fixe~ erscheint und bis jetzt nicht genügend er- 
klärt ist. 

pffi~fern, v. sieden und dabei einen singenden Tori hören las- 
sen: zi selig' n und pfeffern; auch crepitum ventris emit- 
tere; pf Saferer, m. ein solcher Laut; crepitus ventris; I 

auch heisst man einen alten trägen Menschen einen 
pfOerer. LEX. KWb. 24 hat pfgsern brodeln, knistern, 
das Geräusch, wenn etwas siedet oder bratet ; ebenso S CHO E. 
497. SCHM. I 2 , 442: pfeisen sibilare, stridere; VILM. 
297; FZ, IV, 218; bei DIEF. gl. 532* s. v. sibilare: phy-, 
pfy-, pfie-, pfeysen,pfyßen; nov. gl. 338 ft : pfisunge. 
mhd. phfsen [LEX. MWb. II, 248] sibilare. Wol onoma- 
topöisches Wort ; vgl. noch GRIMM Wb. I, 420 ; WACKERN. 
voc. a 71. 

pflTgg, m., dim. pfiTgg'l crepitus ventris; pfü~gger, m. 
crepitus ventris; qui crepitum ventris emittit; podex; dim. 
pfü*ggerle; pfifgg'n, v. Onomatopöisches Wort vgl. 
das folg. 

pf$~gg, m., dim. pf§~gg'l crepitus ventris; pfe'gg'n, v. cre- 
pitum ventris emittere; auch von jedem ähnlichen Tone; 
pfe~gger, m. = pfifgger (s. d. vor.); auch taraxaeum 
officinale, weil die Kinder in die hohlen ßlüthenstengel 
blasen und einen trompetenartigen Ton erzeugen; bei LEX. 
KWb. 24: pf^ngg'n, pf^nggaz'n zischen. Onomatopöi- 
sches Wort; vgl. das vorh. 

pfnugg'n, v. verhalten lachen; pfnugger, m. ein einmaliges 
Lachen und nom. agentis; daneben auch pfnuttern, 
pfnutterer; SCHOE. 501; LEX. KWb. 25; SCHM. I a , 
451; 454; SCHMID 64 u. a. mhd. phnust [LEX. MWb. 
II, 260; BM. II, 513 b ] unterdrücktes Lachen, phnuten 
anschnauben, wol verwandt mit mhd. phnehen schnell 
athmen, schnauben, keuchen, schluchzen vgl. pfniansg'n 
S. 26 und Nachtr. S. 258. 

pfnorschze, m. ein kurzer, dicker Mensch, bes. von Knaben; 
dim. pfnörschz^l; vgl. porzen bei SCHOE. 51; LEX. 
KWb. 337; SCHM. I 2 , 285. 

21 



258 

pfnteiwg'n (6. 26). Dazu PET. Rec. 695 (u.briefl.): „Es ist zunächst älteres 
* pfne a gen s= mhd. pfneschen. Aehnliche Einwirkung des Nasals, eine 
Art „Pfnüsel" der Wörter, zeigt ahd. fnesknezzan (ÖRAFF III, 782), 
gnanisto, gnaneisten (ORAFF IV, 297), lusernisch Jcnettnen, Kette 
(ZINO. 38); vgl. WEINE. JB. Or. §. 168; AI. Or. §. 201." Dies ist richtig. 
Wir haben auch schon mhd. eine ähnliche Intensivform: phneschezen, 
fneschezender [LEX. MWb. II, 25^; DIEF. nov. gl. 24h] anhelabnn- 
dns; vgl. anch SCHA. 2 209. 

pfrötsch , m. eine dicke Masse schlecht gekochter Speise ; 
pfrötschen, v. solche Speisen kochen; pfrötsch wird 
auch für die Person gebraucht, die solche Speisen kocht; 
vgl. pfräns'l S. 26. 

pfregg, m. crepitus ventris fortis; pfregg'n, v. Onomatopöi- 
sches Wort. 

Mitte , f. altes Buch , altes halbzerrissenes Schriftstück ; die 
blitte löis'n einem eine derbe Lection ertheilen, ähnlich 
wie man sagt: die levit ? n löis'n. Viell. verderbt aus 
fz. billet, it. biglietto; WEtG. P, 197; DIEZ P, 73. 

blattltschwängg , m. eine Mehlspeise vgl. tschwänggS. 51. 

platsch, m. 1) schallender Schlag; platschen, v. grob auf- 
treten, dass es einen platsch macht; plätscher, m. der 
so auftritt; dagegen platschen, v. plätschern, ausplat- 
schen, v. Flüssigkeiten verschütten; platschn&ss adi. 
ganz nass. 2) eine Menge nicht bloss von Flüssigkeiten (a 
pl. wksser, milch), sondern auch von anderen Gegen- 
ständen z. B. a platsch grant'n, göerste, rogg'n; 
dim. platsch' 1; SCHOE. 508; LEX. KWb. 29; SCHM. 
P, 463; STALD. I, 182; TOBL. 55 a ; VILM. 304 u. a. 
mhd. blaz, plaz [LEX. MWb. I, 300; BM. I, 203 b ] breit 
auffallender und klatschender Schlag, platzen sich heftig 
und lärmend stürzen auf, geräuschvoll auffallen, schlagen; 
WEIG. II 2 , 359; FICK IIP, 271. — In Betreff der Bed. 
Menge vgl. lärm, surm, ratsche. Zum gleichen Stamme 
gehört 

pletsch, m. das platschende Auffallen; bes. beim Kegelschie- 
ben , wenn einer die Kugel neben dem Brett aufwirft (sonst 
sandhäs); bletschen, v, die Kugel in den Sand werfen; 
vgl. das vor. W. 

pländern, v. z. B. dio tür pländerscht die Thüre knarrt, 
wenn sie nicht fest schliesst und daher durch den Wind 
oder sonst eine Erschütterung wackelt und ein Geräusch 
verursacht; gipländere, n. Geklapper einer Thüre. Ist 
es verwandt mit mhd. b landine [LEX. MWb. I, 296] 
Wankelmut? Oder mit mhd. blodern, plödern [LEX. 
MWb. I, 312; BM. I, 212 a ; H, 523 b ] garrulare, rauschen? 

brecht'n (S. 29); vgl. PET. Rec. 695. brecht'n ist natürlich = mhd. 
brehten, brahten von braht Lärm, und mit dem Ausdrucke „identisch" 
wollte ich nicht (wie man allerdings glauben konnte) Formidentität, sondern 



259 

Identität der Bedeutungsent Wickelung gemeint baben: br echten: gt. bri- 
kan = fragor: frangere. 
bretsch, m. ein knatternder Donner; bretschen, v. von einem solchen Donner 
gesagt; vgl. oben S. 29 brecht' n. 

brütschigen, v. sich mit den Fingern kratzend zu schaffen 
machen z. B. wenn man einen Knopf auflösen will. Scheint 
kein deutsches Wort zu sein; viel! das slov. praskati 
[GUTSM. 537] kratzen, kreulen; MIKL. 658. 

präft , m. Rand, die äussersten Theile eines Gegenstandes z. B. 
der präft eines Hutes, eines Tellers, einer Schüssel; 
SCHOB. 515: pramft; LEX. KWb. 38; SCHK I 2 , 469. 
Scheint aus biramft entstanden zu sein vgl. rä~ftS. 196. 

brumme, f., plur. brumm d. i. brummen G-esträuch von 
Heidel- und Preisseibeeren (zwäspa-, grantnbrumm); 
brummhenne, f. Auerhenne; SCHOE. 61: bröme Berg- 
mahd, Heidekrautland; LEX. KWb. 44: prum G-esträuch 
von Heidelbeeren; SCHM. P, 355; STALD. I, 215. mhd. 
brame [LEX. MWb. I, 340; BM. I, 232 b ] Dornstrauch, 
brimme Heide, Ginster, ahd. brimma, phrimma 
[GRAFF III, 304], ags. brom [LEO 513, 43] genista, 
brlmel der Brombeerstrauch, an. brum das Laub, die 
Zweige der Bäume. Zu Wz. bhram- [BR. V, 399; GRASSM. 
966] mit dem Grundbegriff der wirren und wirbelnden Be- 
wegung und des damit verbundenen Rauschens; vgl. KZ, 
VI, 155; GRIMM Wb. H, 293; GRASSM. Pfl. 63 f.; 
WEIG. I 2 , 227 ; POTT WWb. TL , 2, 200 f. 

brummues , n. ein Mus, wobei das Mehl in Schmalz eingerührt 
wird (vgl. mues S. 169). Dieses brumm- ist wol aus 
braun verderbt, weil dieses muos eine braune Farbe 
hat; vgl. das folg. 

braun, adi. wie nhd.; braune, bräund'l häufig Pferde- u. 
Kuhname; Öbräun d. i. abbräunen, v. braun machen, 
bes. Mehl über dem Feuer zu verschiedenen Zwecken; 
obräunitle, n. ein gewisses Quantum gebräunten Mehles, 
welches man als würzendes Ingrediens in das Kraut und 
in die Gerste gibt; LEX. KWb. 39; SCHM. I 2 , 357 ; WEIG. 

1 2 , 232; SCHA. 2 87* ; GRIMM Wb. H, 323 u. a. 
bräschl , f. was auf dem Herde oder im Backofen zurückbleibt, 

wenn das Feuer erloschen ist, also Kohlen und Asche; 
auch Schimpfwort auf eine Weibsperson : alte br. ; SCHM. 

1 3 , 366: bräschen Kohlenstaub; 367: br ästen zerbro- 
chene, zerbröckelte Kohlen, Kohlenstaub; LEX. KWb. 38: 
prasch'n, pl. die in den Erz-Röstöfen verwendeten Klein- 
kohlen, prasch barn Kohlenbehältnis. Von bresten 
brechen = nhd. bersten; FICK HI 8 , 216 f.; WEIG. I 2 , 
172; SCHA. 2 83 f.; GRIMM Wb. H, 373 u. a. * 

prSsk'n (S. 33). Dazu PET. Rec. 695 : „ Wir stellen das Wort nicht tu mhd. 
prds Lärm, Braus, sondern mit bair, braicheln, bräscheln tu ahd, 

21* 



260 

pfastön, mhd. br asten. SCHOB, gibt S. 57 bret sehen einen grellen 
Ton geben, S. 54 braschkeln prasseln; bei LEX.. MWb. I, 342 steht 
auch braschen = br asten." — Dies wäre wol möglich, wenn nicht etwa 
das Wort onomatopöisch gebildet ist, den Trompetenton nachahmend. 

tott'l (S. 34). BIRL. Rec. 94 sagt: tott'l ist das echte bairische Dattl, 
alter />., alter Geck, guter D. u. s. w. Scheint altes Kosewort gewesen zu 
sein; H. hat entscJtieden unrecht." — Das letzte habe ich nicht recht ver- 
standen. Ich habe ja nur mehrere Möglichkeiten aufgeführt, von denen ja 
gerade BIRL. eine aeeeptiert, nämlich tatila, welcheä doch gewiss alte 
Koseform ist. tott'l, wie Dattl, können nun wol auf dieses tatila 
zurückgehen, obwol mir dies jetzt weniger wahrscheinlich scheint, als früher ; 
dass aber unser tott'l gleich sein solte bair. Dattl, muss ich entschieden 
in Abrede stellen, aus dem einfachen Grunde , weil tattl auch bei uns ein 
ganz gewöhnliches Wort ist, aber mit verschiedener Bed. So z. B. heisst 
es in einem alten Weihnachtsliede : ein eisgrauer tattl (von Josef), a 
schnöoweissis kint u. s. w. In dieser Verbindung wäre tott'l un- 
möglich. Ebenso kann es nur heissen: ein alter tattl, nicht tott'l. 
Aber a guater tott'l, nicht tatt'l. In tattl liegt nie die Bed. des un- 
geschickten, wie in tott'l. Unter tattl denkt man sich einen guten Alten, 
unter tott'l einen ungeschickten Menschen, wenn er auch an seiner Dumm- 
heit nicht Schuld ist. 

töltschig, adi. z. B. a töitschigis wöttar feuchtes, nasses 
Wetter; auch weich, durch Feuchtigkeit aufgeweicht; 
SCHOE. 743: tetzig, tetschig weich; LEX. KWb. 5U; 
53 ; SCHM. I 2 , 555. Zum folg. 

titschen, v. mit flacher Hand schlagen; in Flüssigkeiten mit 
den Händen schlagend spielen; zur Zeit der französischen 
Occupation des Thaies Defereggen hiess man tatschen: 
heiraten bloss durch Handschlag ohne kirchliche Einseg- 
nung; SCHOE. 739; LEX. KWb. 53; SCHM. I a , 555; FZ. 

111, 132; 134; 298; IV, 43; 339; V, 258, 33; CAST. 108 
SCHMID 117; REINW. I, 161; TOBL. 143; STALD. I 
293; HUNZIKER 47; 52; VILM. 67; KLEIN I, 82; 88 
FULDA 68 ; BIRL. 114 u. a.; GRIMM Wb. H, 825; WEIG 

11 2 , 880. Schon mhd. t et sehen [LEX. MWb. II, 1430 
BM. III, 18 a ] mit klatschendem Aufschlagen von Händen 
und Füssen im Wasser sich bewegen. Kaum mit tasten 
verwandt, sondern eher onomatopöisches Wort. 

dlheln (S. 35). PET. (briefl.) meint, däh ein sei verdruckt für da sein. Allein 
das Wort lautet wirklich da he In. 

tälgg'n, v. kneten, breit drücken, bes. beim kräpfin- 
mächin (S. 134) die gülgilin (s. S. 268) breit drücken; 
tälgg, m. dumme Person; tälgg'n, m. eine schlecht ge- 
kochte Speise ; auch Tintenklex ; SCHOE. 74 ; LEX. KWb. 
51; SCHM. I«, 505; SCHMID 119; REINW. I, 61; FZ. 
m, 403, 2\\ HI, 131; IV, 338; 443; V, 465; VI, 174; 
TOBL. 129; VILM. 65; SCHMIDT 249; KLEIN I, 77; 
FULDA 60; STALD. I, 260; HUNZIKER 45; HOEF.ÜL 
210; LOR. 33; 130; CAST. 104; HUEGEL 47; 162; 
WEINH. 96 f.; BIRL. 107 u. a. mhd. talgen [LEX. 



261 

MWb. II, 13981 kneten, talke klebrige Masse; GRIMM 
Wb. H, 699; WEIGk II 3 , 873. 

tuller (S. 36). Das Wort habe ich ausführlich behandelt im „Boten für Tirol 
und Vorarlberg" 1875, Extra-Beilage Nr. 219. 

dOllzer (S. 36). Der Eec. in FZ. VII, 256 sagt: „doli z er = der tolle Zehret (%). 
Hiebet ist die Möglichkeit eingeräumt , düss dies Wort aus Dölsacher 
(Dölsach zwei Stunden unter Lienz, wo das Defereggen-Thal in das Pust er - 
Thal mündet [dies ist freilich nicht der Fall , wie ein Blick auf die nächst- 
beste Karte lehrtJJ. Wäre es nicht gerathener, beide Worte auf gleichen 
Stamm, den wir freilich auch nicht augenblicklich anzugeben wissen, zurück- 
zuführen." — Ich glaube nicht irre zu gehen, wenn ich annehme, dass auch 
jetzt der Augenblick noch nicht gekommen ist, wo der Hr. Rec. diesen ge- 
meinsamen Stamm angeben könnte. D öls ach ist natülich ein slav. Orts- 
name (altsl. d o 1 ü fovea , slov . d o 1 vallis) , worüber MI&L. Ortsnamen 
II, 17 ausführlicher haudelt. 

t&vma8ChÜ88'l (S. 36). Dazu PET. Rec. 695: „Einen Zusammenhang zwischen 
tavmas chüss 1 1 und Schopfs tag k' In, worauf verwiesen wird, können 
wir nicht finden. Unser thvm im Worte ist doch wol mhd» toum, tirol. 
doam bei SCHOE. 77." — Wäre tä«m « mhd. toum, würden wir tarn 
erwarten vgl. tarn i seh u. bitäm (S. 261). Zudem passt die Bed. durch- 
aus nicht. Die Fassung des betreffenden Artikels enthält zwar keine Un- 
richtigkeit, ist aber zu kurz gegeben Es soll soheissen: tavmaschüss'l, 
auch tacgmarschüss'l, f. die irdene flache Schüsse), auf welcher die 
schlipfkrapfin (S. 134) präsentirt werden. Das Wort ist zusammenge- 
setzt aus mhd. tahe [LEX. MWb. I, 407; BM. I, 299*] Lehm, ahd. da ha 
[GRAFF V, 104; SCHA 2 94; ZZ. III, 179; IV, 30], gt. thahö [MGSpr. 
143; DIEF. Wb. II, 639], wol verwandt mit gr. trix-eiv [CÜRT. 4 218; 
POTT WWb. I, 102]. Dieses tä«(g) könnte auch das adi. dahin, thahin 
(taön) fictilis, testaceus sein; vgl. SCHOE. 734 s. v. tagk'ln; SCHM. I 2 , 
597 u. a. Der zweite Bestandtheil lässt sich nicht so genau bestimmen; es 
scheint mar zu sein. Man kann auf mergel raten, urspr. marga, wie 
denn d ah e und mergel auch sonst zusammen vorkommen [LEX. MWb. 
I, 2110»]; vgl. WEIÖ. II*, 77. Oder es ist mar = terilis vgl. mdr S. Iö6. 
Man könnte sich auch ein altes Wort tahe-maer = tahe -kundig = 
Töpfer, denken, und es wäre täugmarschüssel = Töpfer seh üssel. Da 
möchte ich an den Scharfsinn meines lieben Collegen Peters appelliren, 
eine Entscheidung zu treffen. 

tämisch (S. 36). Zum selben Stamme wie tarn i seh und tem- 
men gehört auch bitäm d. i. bitämen, v. durch Kohlen- 
gas betäubt werden , dann auch übertragen : albern werden ; 
bische ganz bitämp? bist du ganz von Sinnen? 

tein (S. 37). Dazu bemerkt PET. Rec. 695: „Dass tein mit tenn in drösch- 
tenn identisch sein soll, ist uns nicht wuhrscheinlicli; eher wird an slov. 
tinj Planke, serbisch tin Wand = ahd. zun (MIKL. 1020] tu denken 
sein. u — Ich stimme dem vollkommen bei, obwohl GUTSM. das slov. Wort 
nicht hat und es auch in anderen guten Wörterbüchern fehlt. 

tenlgen (S. 38). Was PET. Rec. (u. biiefl.) über das Wort sagt, ist gegen- 
standslos geworden, da ich die richtige Etymologie unterdessen gefunden zu 
haben glaube; vgl. Verhandlungen der Philologenversammlung in Innsbr. 
1875, S. 181. 

tantsch , m. Mutwille, mutwillige Laune : erhätantantsch; 
den tantsch ausläss'n; tantsch adi. mutwillig; tant- 
sch en, v. mutwillig herumlaufen, sich mutwillig benehmen ; 
SCHM.I 3 , 527: däntsch, däntschig, däntschen, aber 
in abweichender Bed. ; GKRIMM Wb. II , 750. 

toorlis (S. 39). PET. Rec. 695 bemerkt hiezu: „Die seltsame Form tosrli* 



262 

sollte auch im zweiten Theile erklärt sein; SÖHOE. gibt 8. 747 to aride, 
wornach also -lis auf losen , ahd. hlosen zurückführt,* 4 — lis ist wol 
kaum auf losen zurückzufahren. Ich hielt -lis für die gewöhnliche adi. 
Ableitungssilbe, die bei uns hundertmal begegnet, toorlis könnte übrigens 
auch = sein tor-los, wie man denn die Ohren auch sonst oft mit Thoren 
(Thiiren) vergleicht. 

törcher (S. 39). PET. Rec. 695 sagt: „Wir möchten lieber Anknüpf unj an 
seh weize ri*ch torg g e, dorgge Kreisel, also an torkeln taumeln, Wz* 
twar, dwar drehen, versuchen. Darf man auch an altn. darka ambulare 
denken? Kann dies für dvarka stehen oder schon ursprünglich tar 
neben twar angesetzt werden* (Vgl. über die weitläufige Verwandtschaft 
REGEL in KZ. XI, 114 ff.). u — Ich habe die Etymologie von terricare 
schon längst aufgegeben, seitdem mir SCHNELLER bestimmt sagte, dass 
ein terricare auch dialektisch nicht existire; vgl. jetzt HOE3RMA.NN Tir. 
Volkstypen S. 39 f. Nach letzterem sind die Ausdrücke t ö r c h e r, törchen 
der Gaunersprache entnommen, abgeleitet vom jüdischen derech Weg, 
St lasse, Markt (darach gehen, dorach gehend) vgl. Ave-Sallemant 
Das deutsche Gaunerthnm, Leipz. 1858—62, IV Bde. — Im IV. Band S. 613 
finden sich die Ausdrücke : tarchenen, targenen. dörgen, dorchen 
betteln, hausiren; tarchener Bettler, Vagant, Haasirer. Diese Erklärung 
hat sehr viel für sich. 

darnil83'n (S. 39). Dazu PET. Rec. 696: „Da* Wort wird anders zu beurtJieilen 
sein, wenn man erneusen im GRIMM Wb. III, 922, ahd. arniusjan 
GBÄFF II, 1104 herbeizieht; s. auch g'n eisten bei SÖHM. P, 1759 und 
SCHOE. 465, n&usen bei STALD. II, 233, westerwäldiseh vernosse bei 
SCHMIDT 305, niusen, emoisen in LEX. MWb. II, 91; I, 661. Das 
Stammwort zu niushjan (F1CK* 783 = IIP, 163J ist noch zu ermitteln; 
8 wird suffixal sein (MGSpr. § 483), Wäre viell. vu'jato anzuknüpfen und 
niushjan ursprünglich daraufstossent" Diese Bemerkungen sind ganz 
richtig. LEO 603 erklärt ags. neösian für neövsian von neove = 
novus, was freilich nicht ohne Bedenken ist; vgl. auch POTT WWb. n, 
2, 430. 

täse (S. 40). FICK F, 589 vgl. lat. taxusmitskt takshata ein bestimmter 
Baum, ksl. tisa Taxus, Fichte, tesu Brett, und stellt diese Wff. zu skt. 
Wz. taks- hauen, behauen, machen. 

ttl8Che, f. grosse Kohlrübe, dim. tusch 1 !; tuscherin, f. 
eine tüchtige, starke Weibsperson: a rechte tuscherin; 
SCHOE. 778; bei SCHM. I 3 , 544: dorsen, dorschen, 
dorsten, tuschen; BIRL. 120 u. a. mhd. torse [LEX. 
MWb. H, 1468; BM. III, 52] Kohlstrunk, ahd. torso 
[GRÄFE V, 459J Stengel, it. torso [DIEZ I 3 , 418 f.], aus 
gr. &\)qgo<;, urspr. Z\veig, Spross; GRIMM Wb. II, 1304; 
WEIG. IS 337; GRASSM. Pfl. 36, 46; BENE. I, 593. 

t0«t (S. 40). Dazu PET. Rec. 696 : „ Wir möchten das Wort mit appenzeUisch 
tot seh, tut seh, mit Hebel' 8 dotsch (s. dazu Gb'tzingers Ausgabe S. 36) 
zu dwatsch, dwas GB1MM Wb. II, 1776 stellend — Dies ist wol 
möglich, wie schon LEX. KWb. 65 geraten hat. 

titetimlnlr'n (S. 40). Dazu FZ. VII, 256. Ich nehme die Erklärung zurück und 
glaube jetzt auch, dass töstiminir'n = sei aestimare, obwol unsere 
Sprache durchaus keine Abneigung gegen vocalischen Anlaut zeigt. 

treftern, v. Flüssiges oder Halbflüssiges tropfenweis fallen 
lassen; trefterer, m. nom. ag.; gitreftere, n. nom, act. ; 
SCHM. I a , 653': trüftern hin und her werfen z. B. Butter 
in der Hand oder in der Mulde, um sie zu runden oder zu 
formen, mhd. trüftern, trüfteln [LEX. MWb. II, 1538] 



263 

durcheinanderschlagen oder rühren, bestreichen, einreiben. 
Wol cansat. zu triefen. 

drulggar, m. eine weiche, durch Drosseln in die Länge getrie- 
bene Masse z. B. Teig; drullgarn, v. eine solche Masse 
in die Länge treiben. Nicht eines Stammes mit dem folg., 
sondern Weiterbildung von drol (S. 43). 

fä~$lfüerer, m. der Rädelsführer, der Anführer bei Buben- 
streichen; SCHM. I 2 , 735: fanz, fenz, fänzelein 
nebulo, nequam. mhd. vanz [LEX. MWfr. III, 19; BM. 
III, 236 a ] Schalk, Betrug, venzelin junger Schalk, an. 
fantr Landstreicher, Schelm, Laffe; FICK III 8 , 173; 
GRIMM Wb. m, 1320; WEIG. I 2 , 30. 

ver-efentier'n , v. sich vertheidigen , sich rechtfertigen. Wol 
statt ver-defendiren, defendere. 

fergo'l'n (S. 56). Dazu BIEL. Rec. 94: n Das Wort hat mit den Ableitungen 
Hs. nichts zu thun, es ist halb alemannisches f er ken, ferggen, beschleu- 
nigen, u. in zweiter Linie mag das tirolische Wort seine Bedeutung davon 
empfangen haben."' — Mir wäre lieb gewesen, wenn BIRL. etwas näheres 
über das alem. ferggen gesagt hätte. Meine Auffassung ist nicht neu 
und rührt nicht von. mir her; nie findet sich bei SCHM. I 2 , 754; vgl. 
GRIMM Wb. III, 1529, wo das Wort ein bairisches genannt wird. 

föaring (S. 57). Da« Wort habe ich verkannt. LEX. (briefl. ; anders PET. Rec. 
696 u briefl.) wies mir den rechten Weg. föoring ist = mhd. vaerunge 
[LEX. MWb. III, 26] Bestrafung, Strafe, von vaeren nachstellen, ge- 
fährden, wornach trachten, strafen, täuschen; vgl. auch BM. III, 271. Ich 
trage noch die Redensart nach: vi föoring oder höaliss'n (S. 99, wo 
die letzte Etym. die richtige ist) af ävn lous gion = unvermuthet auf 
einen losgehen. Dieses föoring stimmt genau zu mhd. vae ringen [LEX. 
MWb. III, 22; BM. III, 27ih] adv. aus dem Hinterhalte, hinterlistig. 

verhau (S. 56). Dazu PET. Rec. 69Ö : n Ks gehört zu heien schlagen, stossei 
(GRIMM Wb. IV, 2, 813); man vgl. zunächst appenzellisch „wie verhext 
aeh u von Kranken, matte oder abgeschlagene Glieder haben (TOBL. I84 a ), 
bei Hebel verheie zerschlagen, BIRL. 158. In der am Schluss des Ar- 
tikels verhait aufgeführten Formel kind u. kait ist kait der Keim, s. 
GRIMM Wb. V, 439 [vgl. k eidig S. 117]. Das alte Wort begegnet auch im 
siebenbürgischen gör ze kegden [FZ. V, 177, 219] ganz und gar, voll- 
ständig; vgl. sinnverstärkendes keit in keitfremd LEX. KWb. 157. u — 
BIRL. Rec. 95 sagt: „Das Wort riecht alemannisch, es gehört zuhien, dieses 
zu heimat, hirat, hilich; böswillig vom Heim, Herd, Ehebett abtreten ist 
verhfen, part. verheit, zerstört u. s. w. u — Meine Erklärung von ver- 
halt ist allerdings unrichtig (die von hast bleibt aufrecht), verhait, 
besser verheit, gehört zu mhd. verhien [LEX. MWb. III, 130] stuprare; 
bildl. schänden, zu Grunde richten, part. verhit, -heit entehrt, infam, 
niederträchtig, heimtückisch. Ein Zusammenhang mit Heimat, Heirat 
besteht nicht; vgl. PICK III 8 , 76. 

formi8S (S. 16 s. v. öss'n). PET. Rec. 694 (u. briefl) sagt: n Es ist zwei- 
fellos das alte vormaz s. SCHM. P, 292; 1662; Z1NG. Wb. 30. u — Ob- 
wol mir damals vormaz durchaus nicht unbekannt war, muss ich jetzt 
doch zugeben, dass formiss — sei vormaz. 

fÖs'l, m. die Jungen, die Brut z. B. von Hühnern ; aber ver- 
ächtlich auch von Menschen; desgleichen fös'lwerch; 
LEX. KWb. 91; SCHM. I», 763; STALD. I, 355; TOBL. 
176; HÜNZIKER 76; FZ. II, 341; IV, 308 u. a. mhd. 
vasel, ra. [LEX. MWb. III, 28; BM. III, 330 a ] der Fort- 



264 

pflaneong dienendes männliches Vieh, Zuchtetier u. d. gl., 
vasel, n. das Junge, Nachkommenschaft, ahd. fasal 
[GEAFF lH, 374; SCHA. a 170], ags. fäsel, fäsl [LEO 
327]. Zu mhd. visel penis, gr. raos, lat. pßnis [st. pes- 
nis], skt. pasas; KZ. I, 288; II, 137; GRIMM Wb. HI, 
1337; Gr. II, 52; WEIG. P, 436; POTT I 1 , 138; WWb. 
I, 203; II, 4, 430 f.; SCHA. a 200; CURT.* 272; ZEH. 
183; HW. 165; FICK III 8 , 183 u. a. 

flfetze (S. 61). PET. Bec. 696 (und briefl.) sagt richtig: „Es scheint eigent- 
lich nicht flaz zu sein, sondern wie kämt, fleatze altem flazzi 
(f 8. SÜHM. P f 800) zu entsprechen: aus dem ursprünglichen u- Stamme 
hätte sich im Deutschen zuerst ein ja-, dann erst ein a-Stamm entwickelt ? 
vgl. svädus mit sutis. Doch wird hier wie in ghvle das auslautende 
e „wnorganiseh u erscheinen müssen; vgl. WEINH. B. Qr. §. 17; LAMBBL 
zu Meier Helmbr. 142; FZ. III, 18.« — Tgl. jetzt LEX. MWb. III, 400. 

flentsch'n und freng'n (S. 62). Dazu PET. Bec. 696|t „Beide aus lat. flaecus 
abzuleiten , möchte doch Bedenken erregen. Zu freng'n Hesse sieh zu- 
nächst kärntisches reangge, reang gen (LEX. KWb. 207; vgl. SCHOE. 
533; MAB. II, 13 [meine Beitr. S. 196]) stellen. B. v. Muth sehreibt (im 
Gegensätze zu WEINH., als „LandesHnd") rear~ken „mit nasaliertem 
Zitterlaut r u (im Kremser Bealschul-Programm 1873 8. 21), was verewigt 
zu werden verdient, damit es nicht wie ein Regenbogen auseinanderstiebe 
(WEINH. Lesebuch 3. Aufl. IV)« — Ich glaube nicht, dass freng'n mit 
reangge, tirol. ra~gg etwas zu thun habe. Uebrigens habe ich leider die 
Bed des Wortes freng'n nicht genau angegeben. Das Wort bedeutet zu- 
meist etwas verbogenes, namentlich wenn dadureh eine Seite des Gegen- 
standes mehr hervortritt z. B. das broot hat an freng'n; dann be- 
deutet es wol auch ein grosses Stück Brod; auch adi. frengit verbogen, 
durch Biegen uneben gemacht. Das Wort gehört also nicht zur Gruppe der 
S. 62 aufgeführten Wörter, sondern dürfte vielleicht zu nhd., mhd. ver- 
renken verbiegen, umbiegen, gehören. 

fl088 (S. 63). Dazu PET. Bec. 697: „Es ist vielleicht nicht als Ad), zu fassen, 
sondern das Subst. vluz: den vi uz geben = fliessen ; vgl. auch ougevluz 
lippitudo« — Dies ist richtig; floss ist gewiss = mhd. vi 6z [LEX. 
MWb. HI, 414; BM. III, 349b] Strömung, Flut, Strom, Fluss z. B. plue- 
tige vlözz weinen. 

fratte (S. 63). Dazu PET. Bec. 697: „Bezüglich der Etymologie möchten wir 
den Zusammenhang mit mhd. vrat nicht anzweifeln. Auf Schweizer Boden 
erscheint frutt häufig in Namen von Oerllichkeiten (Proben aus dem für 
das schweizerdeutsche Idiotikon gesammelten Materiale Sp. 7). u — An- 
knüpfung an mhd. vrat ist der Bedeutung wegen mislich. Was die Orts- 
namen fratte u. fröit betrifft, sind sie bestimmt keltisch, was ich jetzt, 
nachdem ich eingehendere Studien über Beste keltischer Namen in Tirol 
gemacht habe, mit grösserer Zuversicht behaupten kann. 

lUCkfremm (S. 64.) Dazu PET. Bec. 697 (u. briefl.): „Seltsam ist dai Compo- 
situm luckfremm, das vermuthlich im ersten Theile Verstümmelung er- 
fahren hat. LEX. sieht in luwinzig ein sinnverstärkendes Zu, wobei er 
an lutil (niederdeutsch! [nicht bloss niederdeutsch, vgl. lup, luppik 
S. 140]) denken will; lup } luppa im kämt. Wb. 182 käme wol eher in 
Betracht zu ziehen, auch luttallän, neben welchem auch luzalldn, 
la uz all an (Sp. 174) stehen. Sollte da nicht an sinnverstärkendes Hut ge- 
dacht werden? tirol. Hut wäre zu lut geworden, aus luttfr emm luck* 
fremm entstanden, wie z. B. ndd. lakfersch gegenüber lat f er ig 
(SCEAMB. 118 u. 119) zu beurtheüen istl S. 65 steht bei Hintner gock- 
s tili e, Sp. 118 bei LEX. gogg finster, wol auch nichts anderes als Com- 
posit. von Gott [doch schwerlich] '. Zu luckfremm aus lutfremm nach 



265 

unserer Erklärung wäre auch obiges darnussen aus er niusen zuhalten, 
wie frunt in WEINE, B. Gr. § 30. u — Ich bemerke noch, dass man 
statt luckfremm auch lutsfremm hört. Trotz der scharfsinnigen Bemer- 
kungen von PET. bin ich nicht von der Unrichtigkeit meiner Erklärung 
überzeugt. Sollte sie unhaltbar sein, würde ich eher den Gedanken LEX.s 
aufgreifen und luckfremm erklären als Jut», lup-fremm, wie denn 
auch sonst das Wort klein (klävn) häufig sinnverstärkend hinzugefügt 
wird z. B. klävn verzagt, klävn arm, klävn daschldg'n = ganz. 

Oöd'li (S. 66)1 vgl. FIOK n 8 , 797; I 8 , 537; oben S. 172 näpf. 

0&!0O'I, 0OUgge (S. 68). Sollte es nicht zusammenhängen mit altpreussisch 
kuke, kuche, cucum, chucum, chucun, Nebenformen zu caux 
Kobold, Alraun; bei den christlichen Schriftstellern der Teufel vgl. NESS. 
67; 82; lit. kankas ein Alraun, ein unterirdisches kleines Männlein; 
NESS. Wb. 187? 

fleiggern (S. 68). Dazu PET. Bec. 697. 

gumjlnene (S. 68). Dazu BIRl,. Bec. 95: „Sieh darüber GltlMM Zeitschr. f. 
VA. I, 24 ff. y sollte gug~ nicht an gugel, gug % gouch angelehnt werden 
dürfen: der vor alter kindisch gewordene Urgrossvatert 

ßlilg'n, v. kleine Teigmassen mit den Händen zu Kügelchen 
abrunden; frequ. gulggern; gülgile, n. ein Teigkügel- 
chen; SCHM. I 2 , .902: golkern koÜern; IARN. 163. Nicht 
mit tollern verwandt, sondern wol aus dem slav. .ent- 
lehnt: ksl. kolo, kola [MTKL., 298] Rad, slov. kolo, 
kolesa, kola [GUTSM. 511]; FICK IP, 329. 

jQÖlz'l), v. z. B. der bäm gölz't si der Baum schlägt (beim 
Holztreiben) mit dem einen Ende so auf, dass er hoch 
über sprii^gt; auch von Steinen. Es ist wol = mhd. gei- 
zen entmannen, ursprünglich schlagen vgl. galt und 
menz S. 165. 

gfcnster (S. 72). Dazu PET. 697: „Das Wort erklärt Eintner etwas auffallend. 

Wir denken uns die Entstehung des Wortes anders: aus der Wz. gan = 

kan- glänzen ein * g anazan, daraus einerseits ganeista, andererseits 

g anasträ; in ganeista wird das i vom Suffixe des Nomens eingedrungen 

sein. 

gensche (S. 78). Dazu vgl. GBIMM Wb. V, 499. 

g&BS'l, f. Peitsche überhaupt; sie ist entweder aus hör 
(Flachs) gizopft, oder der dickere Theil ist aus Lqdfr- 
:riemen geflochten, und nur der wifft'l (S. 236) ist aus 
hör od«r hünif (Hanf). Vorweist ein Schmitz (s. S. £21); 
g&Bs'l-.kntt'l, gjfßs'l-biager (S. 254); auch ein verb. 
-gibt es: gätis'l d. i. gi«seln schnell und in Windungen 
laufen wie z. B. die beisswürme (Nattern); aber auch 
von Menschen; ferner bed. gfcss'l, v. mit der g&Bs'l 
hauen; oohingä'es'l, wöckg.; gä^sler, m. ein Peit- 
schenhieb und eine schnelle Bewegung ; SCHOE. 169 ; LEX. 
KWb. 112; SCHM. I a , 946 f. jnhd. .geisel, ahd. gei- 
sila, skt. Wz. hins- schlagen, verletzen; DIEF. Wb. II, 
377; WEIG. I a , 547; SCHA.* 302* ; FICK III 8 , 96; I« f 
79; ZEH. 104 f.; a l79 u. a. 

glagg'l, d. i. gl a gg ein, v. klopfen, schallen z.B. wenn pian 
harte Gegenstände in eine hölzerne Schachtel gibt und sie 

22 



266 

dann rüttelt; wenn etwas nicht fest ist, daher schlottert 
und dann ein klopfendes Geräusch macht ; daher sich schlot- 
ternd bewegen; glagg'l läss'n alle fünfe gerade sein 
lassen; zu unzufriedenen Kindern sagt man: göa in 
Barschtlisgod'n (Berchtesgaden , wo Kinderspielzeug 
verfertigt wird) u. läss dir' s glagg'l! glagg'l, f. das 
hölzerne Instrument, das in der Charwoche statt der Hei- 
nen Glocken in der Kirche gebraucht wird: chorfreitik- 
glägg'l; SCHOE. 192; LEX. KWb. 115; SCHM. I», 
1324. Es steht wol statt kläckeln zu klocken 
s. S. 129. 

fllenz'n (S. 83). Dazu PET. Bec. 697: „Das Wort haue an mhd. kltnen, 
ahd, chle'nan angeschlossen werden sollen; s. GRIMM Wb. unter klenen. u 
— Dies ist richtig, glönz'n wurde einem Intensivum von klönen, etwa 
klenezen, entsprechen. 

glöschp'm, v. einen schwachen Schein geben: 's lischt tuot 
lei a sou glöschp'm; SCHOE. 196: glösen, glosten 
glimmen; 193: glesteri; LEX. KWb. 116; SCHM. I a , 
977; HOEP. I, 302; SCHMTD 234; STALD. I, 456; 
TOBL. 226 a ; Progr. d. Schotten, Wien 1861, S. 23; FZ. 
H, 347; DDL, 47, 14; HI, 377; V, 145; 435; 436; VI, 15; 
400, 3 u. a. Es schliesst sich aber unser Wort nicht an 
mhd. glosen, glosten glühen, glänzen, an, so nder n an 
das damit stammverwandte glesten [LEX. MWb. I, 
1032; BM. I, 546 b ] glast hervorbringen, glänzen, ahd. in 
glastregen [GKRAFF II, 441; IV, 289] Glanzregen, Son- 
nenregen. Ueber die Etym. vgl. SCHA. a 335; WEIG. I', 
594; FICK I 8 , 81 f.; III 8 , 104; ZEH. 2 187 u. a. 

glölfin, v. , bes. ünglöifin besudeln, schmutzig machen; 
daglöifin dass.; mhä. glever [LEX. MWb. I, 1033; 
DIEF. gl. 402 a ] Geifer, verglaveren [LEX. MWb. HI, 
118] sich vergaffen. Könnte auch zu kleben gehören. 

greipe, f., plur. greip'm die Fettgraupen; auch von einer 
schwächlichen, hageren Person gebraucht: lei a soua 
greipe; greip'mdüre sehr dürr, z. B. Heu; SCHOE. 
218; 211; LEX. KWb. 238; SCHM. I 2 , 983; VTLM. 137; 
FZ. V, 146 u. a. mhd. griebe [LEX. MWb. I, 1079; 
BM. I, 569 b ] u. a. Formen, ahd. griebo, griupo, criube 
[GRAFF IV, 310; SCHA. a 353] cremium. Ueber die Etym. 
eine unsichere Vermuthung bei WEIGr. I 2 , 612. 

groupit, adi. rauh im Halse, heiser; SCHM. I 2 , 1007: gröp- 
p9t sehr grob, roh, plump; LEX. KWb. 124: groppet 
uneben, rauh, besonders vom Wege. Es ist doch wol nur 
eine Weiterbildung aus mhd. grop, grob, worüber LEX. 
MWb. I, 1092; WEIG. I 2 , 620.* 

grelb'm (S. 83). PET. Bec. 697 bemerkt: „Es entspricht unserem nordböhmischen 
geibm, das zu mhd. giwen gehört (vgl. gtben im schlesischen Wh. 27); 



267 

r eingeschoben wie in brimsen, Binsen, strut, Stute (SCffM. § 633), 
welchen Formen solche mit verlorenem r gegenüberstehen (WEIN ff. B. Gr. 
§ 162). u — Ich muBS zustimmen, obwol mir kein analoges Beispiel von 
einem eingeschobenen r ans unserem Dialekte bekannt ist; trischtrühe 
(S. 44) ist anderer Art; dort geschah der Einschnb wegen des folgenden r 
in tröhe. 

grutte, f., dim. grütt'l ein hölzernes Behältnis für Mehl, 
Kleie, Kartoffeln : löckgrutte, kleimgr., öeröpf 'lgr. ; 
auch ist grutte ein Schimpfwort auf einen unbeholfenen 
Menschen; davon auch adi. gruttit unbeholfen, und 
grutt'n, v. unbeholfen sich benehmen; LEX. KWb. 126 
verweist auf grätte (s. ob. S. 83), Was ich nicht recht 
glauben kann, obwol ich nichts besseres vorzubringen weiss. 
Sollte es vielleicht it. grotta, sp. port. gruta Höhle, 
sein? Von crypta, xpwm DIEZ I 3 , 225. 

grätschen, v. langsam und unbehilflich einherscftreiten ; grät- 
scher, m. ein langsamer Mensch; SCHOE. 208; LEX. 
KWb. 123; SCHM. I a , 1017; WEINH. 29; REINW. I, 
53; II, 134; FRISCH I, 368»; VILM. 135; BIRL. 201; 
FZ. H, 84, 20; 348; V, 460; 442; VI, 372 ; WEIG. I a , 614. 

QTÖdgg'l (S. 85). BIBL. Rec. 95 sagt: n H. weiss sich nicht zu helfen; es ist 
nichts anderes als krag ein d. h. eine verstellte Stimme, mit entsprechen- 
dem affektirtem Drehen des Halses annehmen." — Dies ist nicht richtig. 
Ich ma8S alles, was ich darüber gesagt habe, aufrecht erhalten. Dass mir 
das bair. krigeln nicht unbekannt geblieben, ist selbstverständlich, da ja 
SCHM. I 2 , 992 darauf verweist. Unser Wort ist aber zunächst ans dem 
wendischen krigla entlehnt, nnd die oben S. 85 aufgeführte Sitte des 
kräpfingröegg'l ist, was ich bestimmt angeben kann, slavisch. Würde 
krag ein das Stammwort sein, so hätten wir einfach krag ein, welches 
Wort wirklich gebraucht wird, aber in anderer Bed. vgl. S. 135. 

Ordg'l (S. 85). vgl GBIMM Wb. V, 1955. 

gräBgg'l, d. i. grä-eggeln, v. verschränkte Beine machen; 

grä'Bggler, m. ein Mensch mit verschränkten Beinen; 

SCHOE. 205; LEX. KWb. 120; SCHM. I 2 , 992; WEINH. 

29; STALD. I, 469; TOBL. 234; GRIMM Wb. V, 1955. 

gruagg'n (S. 8). vgl. GRIMM Wb. v, 1955. 

gröl (S. 86). Das Wort gehört zu kroll bei GRIMM Wb. V, 2351; WEIG. 
I", 869. 

grein (S. 87). Dazu gehört auch grein-saur sehr sauer (nicht zu krön 
SCHM. I 3 , 1372); von etwas sehr saurem sagt man: es greint bei den 
oern an; greiner, m. ein Schnee, der bei grosser Kälte gefallen ist, weil 
er greint, wenn man daranftritt. 

gränt, m., dim. grant'l, plur. gränte grosses Behältnis 
für Getreide, für Flüssigkeiten; auch eine muldenförmige 
Vertiefung im Terrain ; daher die Eigennamen vieler mulden- 
förmiger Gegenden mit grant zusammengesetzt sind z. B. 
mül-gränt, köxrlis-gränt, käser-grant u. s. w. 
SCHOE. 206 ; LEX. KWb. 121 ; SCHM. I*, 1003 ; HOEF. 
I, 314; CAST. 149; HUEGEL 70; LOB,. 53 u. a. mhd. 
grant, plur. grende [LEX. MWb, I, 1069] Trog, ahd. 

22* 



268 

grant [GEAFF IV, 330] alvear. LEX. MWb. verweistauf 
grinden sich öffnen, klaffen, bellen; vgl. auch GRIMM 
Gr. I», 129. 

gräflSOhg'l (S. 88). Dazu BIEL. 95: »vgl. das helmbrechtisehe grans, granse. u 
mhd. gransen [LEX. MWb. I, 1069; DIEF. gl. 246o ; nov. gl. 182a] 
frendere, intens, zu grannen; FICK in 8 , 111. 

gräsch , m. die Hast , Eile : af ingräsch in hastiger Eile. 
Wol aufzulösen in gerasch; FICK HI 8 , 253; WEIG. IP 
436; SCHA. a 701* ; POTT WWb. II, 2, 309 u. a. 

grässgge , f. dürrer Zweig von Nadelhölzern ; auch ein ganzes 
dürres Baumstämmchen; Schimpfwort auf einen alten mür- 
rischen Menschen (in dieser Bed. auch grossgge); cum. 
grassgg'l; dass. bedeutet kra-etze, f., plur. krätttz'n; 
gr&ssgit adi. solchen Zweigen ähnlich, voll gr&ssgg'n; 
SCHM. I 2 , 1008: grass, grassach; STALD. I, 474; 
83; CAST. 105; FZ. IV, 244, 10; V, 440; VI, 334. mhd. 
graz, grazze, grozze [LEX. MWb. I, 1075; BM. I, 
568] Sprossen oder junge Zweige von Nadelholz ; dazu coli, 
grazzach, grözzach; SCHA. 3 349. 

g'SChmäcbln (S. 89). Dazu PET. Kec. 697: „Das Wort war genauer an ahd. 
gasmacho anzuschiiessen, 8. SCHM. IP, 541; CAST. 156; HUEGEL 72." 

g'st'ron, v. = gestehen; zu stehen kommen, kosten, constare 
vgl. SCHM. IP, 713. 

hitzen (S. 93). Dazu PET. Bec. 697: „Das Wort aus hazzen zu deuten fälle 
schwer ; sollte vor dem z nicht ein Consonant unterdrückt sein? Man dächte 
an happen schnell zubeissen, zu dem auch in Kärnten ha p pik gierig 
gehört (LEX. 134). Kühner wäre, eine Ableitung von haben anzunehmen, 
das ja ursprünglich halten, fassen, umfassen bedeutet, Habicht mich Heyne 
(im OB2MM Wb. IV, 2, 50; 91) der Ergreifer [vgl. jedoch meine Beitr. 
S. 90] u . — Möglich wäre die Erklärung aus hapsen. Vielleicht ist es aber 
aus häze Name der Elster in Schwaben, gebildet; hazel, häzel der 
Häher, corvus glandarius; ebenso hazler, häzler vgl. 6BIHH Wb. IV, 
2, 713; SCHMID 267. 

kräfÜ988'l oder kräl-firassl werden die verschiedenen Arten 
der Alpen gentiana genannt. 

labet (uu), adi. bei einem Kartenspiele, wenn einer keinen 
Stich macht oder seine Karten angebracht hat und daher 
nicht mehr mitzuspielen braucht. Das Wort wird gewöhn- 
lich erklärt als entlehnt aus fz. la bete (faire) vgl. 
SCHOE. 356; LEX. KWb. 171; SCHM. P, 1402; FZ. VI, 
414, 84; WEIG. I», 889; ADELUNG m, 3; GRIMM Wb. 
VI, 8. Allein die Bed. passt wenigstens auf das Spiel, 
wie es bei uns gespielt wird, durchaus nicht. Ich glaube 
vielmehr, es ist das slav.-lit. labe~ta, priware pre~ labe~tos 
es ist aus mit ihm vgl. BRUECKNER Slav. Fremdwörter 
im Lit. [1877] S. 101 ; NESS. Wb. 348*. 

loegge, m. ein grosser Mensch, der aber noch wie ein Kind 
behandelt werden muss; LEX. KWb. 180: lock'n (ein 
JEind) auf den Armen tragen, lockarin Kindsmagd; 



269 

ebenpo bei SCHM. I 2 , 1434;, IAEN. 181; GUTSM. 176; 
HZ. VHI, 566, 535. Schon mhd„ locken in def ßed. (ein 
Kind) auf den Armen tragen und eehaukeln vgl. LEX. 
MWb. I, 1950. 

lima, f., dun. Jiandfl ein Fenster ohne Scheiben, namentlich 
glogg'nliane die Glockenfenater im Kirehthurme ; SCHM. 
I 2 , 1482: 1 i e n d e 1 . Fensterbalken , die dann zugemacht die 
Fensterlade bilden; wendisch lina [IARN. 83; GÜTSM. 
517] Dachfenster, Fenster ohne Scheiben, mhd, line, lin 
[LEX. MWb. I, 1926; BM. I, 964 a ] Fenster mit heraus- 
gehendem Geländer, Balken, Gallerie, lineberge (SCHM. 
I 2 , 1480], ahd. lina-börga [GRAFF HI, 174; IV, 1096] 
fulcrum, pinnaculum, reclinatorium , cancelli. Zu lehnen, 
mhd. lene Lehne, lat. cl.ino, x>iv<* vgl. loite S. 144. 

wetschen, v. einen wackelnden Gang haben; wetscher, m. ; 
wetgchit adi. ; a wetschiter gängk; SCHM* II\ 
1057; watscheln, wutschein schwerfällig, schleppend 
und wackelnd gehen; FZ. III, 132; VUM. 442; LEX. 
KWb. 251; REINW. I, 187; WEIG. II 2 , 1058. 



(Gespräch auf dem Kirchgange zwischen Threindlin 
[=£ Katharina] und Sefelin [= Josefa]). 

Thr. guat'n morg'n ! 8. ä guat'n morg'n ! acho, höb'-ma *) 
zi spöte, ass' a sou renijst? Thr. i w&bss is itte, ünsar ür 
göat lei 2 ) ä/ernäl in tög recht; g'söehin hän i niamp 8 ) möer 
af in wöige, äft bin i halt amal frei girennt. a wie 4 ) pröi- 
dige 6 ) wöarscht wol hin sein. S. wöig'n a wie pröidige! öjs 
pröidigit a sou 6 ) da vikäre 7 ), da seil 8 ) bringg zöarst 9 ) it vil 
af in tög, Thr. seil hasche di recht, öva da junge wol, da 
seil küns schuan decht aupsaklauVm 10 ), ass-is u ) fei a ) a freud 
ist — (sieht diß Leute von der Frühmesse kommen) 6, hiatz 
kemmint schuan dia häBmebleiber. 12 ), hiatz ist wol züöst 's 
änt 13 ) ä hin. S. seil decht öpper itte, er tuat heunt fein 
längs vakiinn u ). Thr. nammle wol , öis hent 16 ) jö fünf hoa- 
zit'n 16 ) af amal, hasche das dei löppige 17 ) dahöerst! die leut 
hent 18 ) alle tämisch 18 )! 8. wol a sou. miar sein nou g'froin- 
tit 19 ) ä b'ällin 20 ) fünfin. Thr. schö miar ä! läppe 21 ), wenn 
si weiter Alle lod'nt 22 ), tüan s' uns 23 ) wol in gröascht'n 
schSd'n! 8. wia denn! Thr. bi zwämu tuen mar 24 ) wol lei 
a wia häng 26 ), ova 26 ), watsche 27 ) wol, sia wöarnt wo 28 ) 
decht löd'n , schuan wöig'n da näohbaschäffc. 6. freile, wäesche 
wol. in gottfs näm, mi müass hält inänder a wia 4 ): weiter 
helfin. freile, a sou klära will min a nit tuan, die leut hent 
hiatz vil-ze 29 ) rantik 80 ) giwent; tuasche nit, wia da brauch 



270 

ist, wctersch' 81 ) ausgirichtit ä nou. Thr. ötb'm d'rumm. 
z-d/Bn 83 ) hent unsere 38 ) jo gor göittichlin 84 ), selm 86 ) ist gor a 
böttuech 86 ) hin. 8. namle ! jA , " unsere wol ä , der braut- 
göib'm 37 ) hat ja ünsa-'s kl&enste znehin^'fäarscht M ). Thr. 
richtig, ja! — mi wundarscht lei, dass dia husige 89 ) g sol- 
lin M ) den schwArschz'n knoer'n *°) hkt giwöllt "). i hiot-n «) 
weiter it gimögg, wenn er mior an korb volle töler göib'm 
biet. & scho, was kunsche denn dö m&chin? 1 hiet-n 4 *) Wei- 
ter a nit gimögg, wenn-in ä zw&enz'gmäl hiat dawole 48 ) gihät. 
Thr. i hän lei souv'l an zourn af in seil Lippinger 44 ) ; hiatz 
hän i mi schuan sou länge g'sent * 6 ), zilöst kimp er mit a sou 
an älsprigar 46 ) sohmättl* 7 ) daher. 8. gelt 48 ), i hän mar-s ä 
gidenkt. ä was, öis ist ä« fletsch 49 ) wio dar ändere, meir ist 
a schuan 14 toge do und ist non nit ämäl afs gass'l 60 ) 
kemm. ändere mal ist Sr älm Äl ) glei 88 ) kemm, 3 toge hat 
er-s nio ünstion g'läss'n. scho, was i diar weiter it sög'n 
muass, i hän gor gihöarscht, er hiat äene in Kärit'n 68 ) 
dinid'n. Thr. wiss'n tuasche nicht, öva seil söge schnan, sein 
tuat's decht gor kä« giwärde 54 ) möar, ass-si ß6 ) unsere a son an 
älsprige vött'l 66 ) ifhinhängint. 8. öis ist freile nit schien, 
öva was willsche denn mächin? wemmar a höarischis giwandt'l 
ün hiant'n , wär'n mar zilöst guat ginna. Thr. scho, wenn lei 
seil fälit, seil vamöcht ma wol a nou. ova, du wöarscht lei 
di recht höb'm, wöig'n derentwöig'n wöarscht da dokta 67 ) an 
tinsrige höb'm augigrämml't 6Ö ), weil si a höarisches giwandt'l 
hat. 8. närisch 69 ), di seil hat wol gelt ä. Thr. 's gelt 
wöarscht da doktar it brauchin , er kün jo in himbasäft a wia 
topar röchin. 8. namle, er hat, gläb i, wol öa 60 ) schuan 
augschlög'n damit, seit er vaheiritit ist. — öva, was will i 
diar it gian sög'n, hasche seil wol gihöarscht, dass der Unter- 
rauter 61 ) aussar ist ass'n kloaster? Thr. schö, hiatz mäsche 
mi decht klära vazägg 68 ) ! 8. ja, und giheiritit a nou dazua. 
Thr. allia, wöerscht öis sou sünte sein! er hat ja schuan an 
öttline 68 ) weihin gihät. 8. 's glatzl 84 ) hat 6r wol schuan 
gihät. Thr. was hat er denn füar ä«ne giheiritit? 8. a Hir- 
berin 65 ); sein tuat's wol, gläb i, dia rantigste v' ällin und 
gelt, wättsche wol, hätse ä möar wia ginua. — schau, hiatz 
sein mar dö. noch in ante wärschtische 66 ) af mi, äfta tüan 
mar wiadar a wia röid'n. Thr. seil wol. it zi fleissig! 8. du 
nar a mt! 

1) haben wir; vgl. S. 240. 2) S. 138. 3) S. 178. 4) ein wenig. 
5) Predigt. 6) ohnehin SCHOB. 678. 7) vicarius = Pfarrer. 8) derselbe 
SCHOE 668.. 9) zuerst = ohnehin vgl. SCHOB. 109. 10) S. 127. 11) dass 
es. 12) die nach der ersten Messe nach Hanse gehen, um Hans und Hof zu 
hüten. 13) das Amt, Hochamt. 14) verkünden. 15) S. 103. 16) Hochzeiten. 
17) dein Lebtag; SCHOE. 377. 18) S. 36. 19) befreundet = verwandt. 
20) bei allen. 21) S. 140. 22) laden vgl. S 143* 23) sie uns. 24) = mier 
= wir 25) ein wenig hängen = wir sind entfernt verwandt. 26) S. 16. 



271 

27) weißst du. 28) = wol. 29) viel zu. 30) S. 195. 31) wirst du. 32) zu 
einem 33) unsere Leute. 34) Gevattersleute vgl. SCHOE. 201. 35) dort. 
36) vgl. S. 143 s. y. löd'n. 37) Bräutigam. 38) hinzugef tthrt , näml. zur 
Firmung. 39) S. 109. 40) S. 13a 41) S. 238. 42) ich hätte ihn. 43) in 
der Wald gehabt = hatte wählen können. 44) nom. pr. vom Hausnamen 
Lippen. 45) S. 205. 46) adi. von älspern S. 9. 47) 8.221. 48) nicht 
wahr? SCHOB. 185. 49) S. 62 s. v. flentsch'n. 50) SCHOE. 177. 51) 
SCHOE. 10. 52) gleich, sogleich. 53) Kärnten. 54) S. 80. 55) dass sich. 
56) S. 52. 57) der Arzt. 58) = heiraten vgl. SCHOE. 205. 59) S. 178. 
60) ehe. 61) nom. pr. vom Hausnamen Unterraut; S. 182 s. v. raut. 
62) verzagt. 63) etliche. 64) die Tonsur; SCHOE. 193. 65) nom. pr. vom 
Hausnamen Hirm. 66) wartest du. 



totuiti tum * tawr.. wim. itmt. av«u*timmtm»u 11 



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